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HMaer W Zeitung

Monatsberlage: „gulbaer Geschichte lätter".

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3 wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszeitung"

«scheint täglich, mit Ärnahme der $onx» W-Feiertage, viertel- Mrl. vr;ug»pr«i, vhne vringerlohn und jießrlgeldinzuldaund «uawärtr i Hit. 50 psg

Hojttgett; Vie er» tpaltige Petitzeile ode deren Raum 15 Pf-. Retlamen dir Pctitzetl« 25 pfg.; bei wieder Holungen wird entfpr.

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Druck und Verlag de» 8uldaerActiendruck«r»' in Zulda (Harmonie Zernsprecher Hr 9.

M 297.

flllda, Dienstag, den 29. Dezember V.Htö.

30. Jahrgang.

Wellungen ans das 1. Ovaria! 1904 der »Fuldaer Zeitung^ werde« fort- während von allen Postanstalte«, Land­briesträgern «nd von unserer Expedition (Harmonie) entgegengenommen.

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(:) Das 3ahr 1905.

i.

Das wichtigste und denkwürdigste Ereignis des nunmehr zu Ende gehenden Jahres hat sich im Sommer rm Vatikan zu Rom zugetragen. Am 20. Juli starb Papst Leo Xin.; am 4. August wurde Kardinal Sarto unter dem Namen Pius X. zu seinem Nachfolger erwählt. Leo XIII. hatte wenige Monate vor seinem Tode sein 25- jähriges Papstjubiläum unter der Teilnahme nicht allein der katholischen, sondern der ganzen zivilisierten Welt begangen. Wir deutschen Katholiken haben mit besonderer Genugtuung gesehen, wie auch der deutsche Kaiser dem von ihm verehrten Greis auf dem Stuhle Petri seine Glückwünsche und seine Huldigung darbrachte und ihm anfangs Mai den vielbesprochenen Besuch im Vatikan machte. Unter Leo XIII. ist der ktrchenpolitische Frieden in Deutschland, ins­besondere in Preußen, wiederhergestellt worden und es wird sicher nicht die Schuld Pius X. sein, wenn er, statt immer mehr befestigt, wieder gestört werden sollte.

Die deutschen Regierungen wollen den Frieden ohne Zweifel erhalten, aber es gibt eine rührige und leider immer mehr anwachsende Ge­sellschaft von Friedensstörern bei uns, die alles tut, um die protestantische Mehrheit gegen die katholische Minderheit zu verhetzen. In ge­radezu gewiffenloser Weise haben diese Leute den Besuch des Kaisers im Vatikan und die sich daran anschließenden Freundschaftsbeweise zwischen ihm »nd dem Papste bei btr Einweihung des neuen Portales an der Metzer Kathedrale miß­braucht, um das Vertrauen der protestantischen Bevölkerung in den Kaiser zu erschüttern. Es wurde direkt der Verdacht ausgesprochen und geschürt, der Kaiser wolle katholisch werden und sozusagen am Protestantismus Verrat üben. In plump demonstrativer Weise wurde dagegen die Kaiserin gefeiert als „evangelische Frau", weil sie die Reise nach Rom nicht mitmachte. Man schob ihr als Beweggrund unter, daß sie als Protestantin den Papst nicht habe besuchen wollen.

Anfangs September, bei Gelegenheit der Kaifermanöoer, hielt dann der Kaiser in Merse­burg eine Rede, worin er Luther feierte. Nun konnten zwar die Hetzer die persönliche Ver­dächtigung gegen ihn nicht'gut fortsetzen; sie taten sogar ganz begeistert, als sei ihnen ein Stein vom Herzen gefallen, aber sie lieben die ton« fefsionelle Hetze viel zu sehr, um ihrer selbst willen, als daß sie sich nun hätten „beruhigen" sollen. Außerdem hatten sie ja auch noch von Anfang d«S Jahres her einen willkommenen Agitations­stoff, der ruhig auSgebeutet werden konnte.

JV I» der erste» Nummer de» neuen Jahr- gange» werden wir mit dem Abdruck der Novelle „WildmeisterS Röschen- von T. Pfaff be- ginnc*. Diese Novelle spielt in Fulda und Um­gegend und dürfte unseren Lesern schon deShald, noch mehr aber wegen ihre» mtereffauten Inhalte» hvchwillkvmmeu sein.

Familie Rasmussen.

Bon Lar» Dilling.

Wu Dt-nu, dem da» Glück jederzeit hold war, war der Gutsbesitzer RaSmuflen. Nicht allein, daß er Besitzer einet hübschen Landgütchen» in Schweden war «d über einige Tausend Taler Rente jährlich verfügen durfte, hatte er auch noch eine auSaezeichnete Gatt«. Nicht allein, daß sie sie ßig, brav und Ke­scheid« war, sie hatte noch eine Tugend, nämlich die, daß sie gut kochen konnte. Beim Amtmann Falk war sie ungefähr 10 Jahre Wirtschafterin gewesen. 'Nach­dem sie aber verheiratet war, erzählte sie so ost wie mSglbch, daß sie Gesellschafterin gewesen sei, so daß sie ei schließlich selbst glaubte. Mit achtzehn Jahren war sie zu den alten Amtmann» gekommen, und die alten freundlichen Leute behandelten sie ganz wie zur FamSie gehörig. Sie durfte sogar mit bei Tisch eflen, aber wir, wenn ei draußen in der Küche -icht» für sie za tun gab. Dr» Töchterchen de» Amtmann», daS ein paar Jahre weniger zä lte, machte sogar ihre Lehrerin und brachte ihr einige französische Worte bei. Dann lernte sie noch einige Stücke auf dem Klavier und auch einige Lieder eb nso falsch wie Fräulein Falk Rügen. Ich glaube, mehr kann man von einer Wirtschafterin wirklich nicht verlangen. Die von den Damen >, arg gefürchteten achtundzwanzig Jahre rückten bei dem Fräulein in» Feld, und uvch immer zeigte sich kein Freier. Ta kam RaSmusien zu Amt-

Am 3. Februar hatte der Reichskanzler im Reichstage erklärt, die preußischen Stimmen im BundeSrate würden für die Aufhebung des § 2 des Jesuiten gesetzes abgegeben werden. Sofort schlug der Evangelische Bund Lärm und veranstaltete eine große Hetze, natürlich mit der bei ihm üblichen groben Entstellung der Wahr­heit. Vergebens bekämpften die offiziöse .Nord­deutsche Äligemeine Zeitung' und die konser­vative .Kreuzzeitung' diese Entstellung. Die Bündler hetzten und logen weiter. Ten Libe­ralen war diese „Bewegung" hochwillkommen. Sie hofften bei den bevorstehenden Wahlen im Reiche und in verschiedenen Einzelstaaten Ge­schäfte damit machen zu können. Die um Ostern auftauchende „Trierer Schulfrage" und das Ab­kommen zwischen der Regierung und dem hl. Stuhle über die Errichtung einer katholisch- theologischen Fakultät in Straßburg schien ihnen sehr geeignet, die „Bewegung" zu verstärken, und wurden daher ebenfalls weidlich ausgenutzt.

In Bayern wurde der Liberalismus noch besonders erregt durch die im Februar erfolgte Entlassung des liberalen Ministerpräsidenten Grafen Crailsheim, die als ein Erfolg des „Ultramontanismus" angesehen wurde. In Baden war es die Klosterfrage, die der Liberalismus zur Erhitzung der Gemüter benutzte. Einige skrupellose Profefforen bewiesen als Führer eines kulturkämpferischen „Jungliberalismus" eine Fähigkeit im Hetzen, daß der Evangelische Bund an ihnen feine helle Freude haben mußte. Dieser stachelte auch den preußischen Oberkirchenrat, zahlreiche Synoden und schließlich die preußische Generalsynode zu Kundgebunden gegen die Jesuiten auf. Als letztere im November sich äußerte, war es übrigens längst „erreicht". Die Mehr­heit der Kleinstaatlichen hatten sich durch die Hetzer so einschüchtern laffen, daß im Bundesrat eine Mehrheit für die Aufhebung des § 2 aus­geschloffen erschien. EinigeRegierungen demütigten sich sogar soweit vor den Friedensstörern, daß sie öffentlich erklärten, gegen dieAufhebung stimmen zu wollen. So ist denn die Entscheidung im Bundesrate einstweilen verschoben worden. Nächstens, wenn der Zentrumsantrag wegen Aushebung des Jesuitengesetzes im Reichstage wieder zur Beratung kommt, werden wir viel­leicht noch Näheres Über den Stand der Dinge hören.

Der Reichskanzler hat den schweren Fehler gemacht, daß er nicht alsbald nach seiner An­kündigung oder noch beffer schon vorher die Auf­hebung des § 2 im Bundesrate beantragt hat. Durch ihren Erfolg sind die Hetzer so ermutigt worden, daß sie bereits offen die Entlassung des Grafen Bülow gefordert haben. Mit dem Ver­suche, auch den Kaiser für ihre Agitation aus­zuspielen und der Welt zu erzählen, dieser habe den Reichskanzler wegen seiner Erklärung zur Rede gestellt und mit ihm eine scharfe Aus­einandersetzung wegen des Jesuitengesetzes ge­habt, haben sie nun freilich kein Glück gehabt. Anerkennung verdient, daß die konservative Partei sich vor dem Evangelischen Bunde nicht beugen und sich von ihm nicht gegen das Zentrum verbetzen laffen will. Nachdem die .Kreuzztg/

lange Zeit die Deckaorefse gebildet hatte, an die der Bund seine publizistischen Angriffe gegen die Konservativen richtete, ist unmittelbar nor Weihnachten die konservative Parteileitung, die ja wohl wußte, wohin die vergifleten Pfeile zielten, selbst mit einer scharfen Absage gegen den Bund hervorgetreten und hat alle kon­servativen und positiven Protestanten vor ihm gewarnt, weil er die konfessionelle Zwietracht schüre und dem kirchlichen und politischen Liberalismus Vorschub leiste.

Leider gewinnt der Buna auch in ksnservaliven Kreisen immer mehr Anhänger und leider ist es der gewissenlosen Spekiakelmacherei des Bundes mit zu verdanken, daß das abgelaufene Jahr auf kirchenpolitlschem Gebiete gar keine Fortschritte aufzuweisen hat. Das preußische Abgeordnetenhaus hat vor ein paar Jahren mit großer Mehrheit einen Antrag Fritzen — v Heereman angenommen, daß den Krankenpflegeorden eine Erweiterung ihrer be­kanntlich sehr beschränkten Wirksamkeit auf dem Gebiete der Nächstenliebe gestattet werden möge. Bei der letzten Beratung des Kultusetats teilte nun der Kultusminister mit, das SlaatSministerium habe beschloffen, dem Anträge keine Folge zu geben. Auch lehnte er jede Revision der kirchen- politischen Gesetzgebung ab mit der Begr ündrmg, daß die protestantische Bevölkerung dadurch in „Beunruhigung" versetzt werden würde. Sogar die Konservativen bedauerten die Ablehnung des Antrags Fritzen — v. Heereman. Das beweist doch wohl, daß die gläubigen Protestanten sich von einem Entgegenkommen gegenüber den Katho­liken durchaus nicht so beunruhigt fühlen, wie die evangelischen Bündler es dorstellen möchten. — In Baden scheint die Zulassung von Männerorden dank den protestantischen Hetzern noch immer in weiter Ferne zu liegen. DaS duldsame Sachsen hat sich bisher noch nicht bemüssigt gesehen, seine katholikenfeindliche Gesetz­gebung zu ändern; die Pastoren und Superin­tendenten lassen es nicht zu. Braunschweig hat zwar vor Jahresfrist ein neues Katholiken­gesetz erlaffen; aber was eS wert ist, bezeugt die Tatsache, daß jüngst ein preußischer katholischer Psarrer zu 30 Mark verurteilt wurde, weil er auf Wunsch des katholischen Vaters in einer braunschweigischen Enklave ein schwerkrankes Kind getauft hatte.

Die deutschen Katholiken haben bei ihrer Jubiläums Versammlung in Köln abermals gezeigt, daß ffe noch am Platze und nicht willens find, sich von den Hetzern unter­kriegen zu laffen. Es hat sich aber auch bei den Wahlen gezeigt, daß der Evangelische Bund und seine Hetzgesellen durchaus nicht soviel Volk hinter sich haben wie es nach dem von ihm veranstalteten Lärm scheinen könnte, und daß die Regierungen sich ohne Grund von ihnen einschüchtern laffen. Der Bund hatte für die Reichstags- und die preußischen LandtagSwahlen eine besondere „antiultramontane Wahlver­einigung" zur Bekämpfung des Zentrums ge« bildet. Die Liberalen, insbesondere die Ratio nolliberalen hatten für die preußischen Landtags­wahlen die Parole ausgegeben: „Gegen das

mann» ai» Boluntär in» Haus. Gleich bei feinem Eintritt bewunderte er die hübsche Person und ihre Kochkunst, bi» er sie eine» Tage» wieder voll Be­geisterung fragte, ob sie seine Wirtschafterin für die Zeit ihre» Leben» werden möchte. Mamsell sand e» gel-gen, Ja zu sagen. Warum auch nicht? Er war ja jung, ja schmuck und vermögend. Nach einem halben Jahre hielt ste ihren feierlichen Einzug al» Frau Gutsbesitzer RaSmusien, geborene Petersen. Wenn der Eroberer in ein Land -inzicht, muß der alte Herrscher weichen. So zog sich denn auch die alte Frau RaSmusien auf ihr andere» Gut Granholt zurück, freilich mit gebrochenem Herzen, um der neuen Besitzerin Platz zu machen. Dort wollte sie ihre letzten Tage verbringen und den Schmerz über chren Sohn vergessen, der einer neuen Herrschern huldigte. Sie war eine strenge Frau und hatte stets die Oberhand über ihren Mann und da» ®u*. Konnte da nicht auch der Sohn mit der alten, lieben Mutter vorlieb nehmen? Und wenn er nun wirklich einmal heiraten wollte, so konnte e» auch eine andere cis diese Wirl- schasterin sein, die von der Landwirtschaft gar nicht» verstand. Mit großer Sorge sah sie der Schwieger­tochter entgegen, und al» sich nun ein zartes, in ein elegante» kleid gehüllte» Wesen mit Armbändern und einem Perlenkamm im wohlfrifierten Haar zeigte, da ging ihre Sorge in düstere» Mißtrauen über. Mit möglichst kühler Miene wurde die Schwiegertochter empfangev, und bann zog sich die alte Dame nach Granholl zurück, um von dort täglich durch Kund fchafter da» Feld sondieren zu lassen. Do» eiste, Wa­ste eisuhr, to.tr, daß die >unge Frau e» für richtig gefunden habe, slle die tugendhaften Herren und Damen, die die Wände de» großen Zimmer» schmückten, zu verbannen und in Kisten zu packen Die alte Frau beschloß, in Unterhandlungen mit der Schwiegertochter zu treten, u» den Geächteten ein Unterkommen bei fick yi gewähren. 5>e zweite Bo schäft a-ng dahw, daß da» Gtuutsstück der großen Stube, da» Himmel­

bett, habe auSziehen müssen. Diese schreckliche Person! sagte die Alte und wollte schon Ordre erteilen, da» Bett mit den anderen Sachen nach Granholt zu schaffen, aber da wurde ihr mitgeteilt, daß da» Bett jetzt da» Fremdenzimmer schmücke. Al» die alte Frau gerade in der Küche mit dem Kochen von Grütze be­schäftigt war, Her die dritte Hiobspost von neuen Möbeln und einem, wenn auch schon gebrauchten, so doch frisch angekommenen Klavier ein. Ob dieser Nachricht erschrak die alte Frau so, daß sie zur Freude der Kotze die Erütze auf den Boden fallen ließ

Diese Person bringt ihn noch um Grund und Boden, aber er ist ja alt genug und Beistand besitzt er doch auch, um nicht solche Ktndereieft zu begehen. Bon nun an begannen die Mitteilungen über die Schwiegertochter nur günstig zu lauten. In Wirklich­keit muß man Respekt vor ihr haben, denn von früh bi» spät war sie ununterbrochen in Küche und Keller tätig, und kaum Sonntag» kam die Gesellschaftsdame in ihr zum Vorschein. Mit ihrer praktischen Einteilung brachte sie den Hausstand ordentlich zu Ansehen. Die Schwiegermutter wurd- sogar nuSgesöhnt «nd sagte schließlich: E? verstand sich ja eigemlich von selbst, daß mein Sohn für Marie neue Möbel anschaffte, denn die alten waren doch gar zu wurmstichig für junge Leute. Und wenn ich e» mit überlege, so ist ein Klavier gar nicht so furchtbar unnütz; man braucht nur ihm zu Siebe seine Zeit nicht zu btrfd?toen-,en.

Ein Jahr war darüber hwgegangen, da erfüllte die alte Tarne die 8iebling»arbeit all r Großmütter; te strickte Strumpfe für eine Enkelin. Natürlich war dieses erst vier Tage alte Kind ein Wunder an Weisheit in den Augen von Großmutter und Vater. RaSmuff n behauptete, daß e* weine, wenn er Buh äge, und lache bei itt tit tu. Die alte Frau weilte l-tzt immer bei ihren Kindern, und beide, sowohl Mutter al» Sohu, stritten fich um die Ehre, das Kind zu wiegen.

„Gib sie mir doch einmal," bat Papa NaSmusien.

tonfertiatio klerikale Bündnis". Die Junglibe­ralen hatten den Kampf gegen bas Zentrum sich zur besonderen Aufgabe gestellt und mit den Jesuiten die protellantischin Wähler zu schrecken versucht. Und das Ergebnis? Bei dm Reichs­tags- und LandtagSwahlen hat das Zentrum sich kräftig behauptet; der Liberalismus dagegen hat bei den Reich-tagswahlen empfindliche Mandatsverluste erlitten, bei den preußischen LandtagSwahlen nichts erreicht und bei den badischen nichts nennenswertes und nichts auf Kosten der ZentrumSparlei. Das spricht eine deutliche Sprache für jeden, der die Sprache der Wähler verstehen will.

Berlin, den 28. Dezember 1903.

% Der Kaiser schenkte zum Weihnachtssefte dem Reichskanzler Grafen v. Bülow eine i» Bronze ausgeführte, auf marmornem Sockel stehende Statuette Kaiser Wilhelms I. Diese ist in derselben Haltung dargestellt, wie er Vorträge entgegenzunehmeii pflegte, in Jnfanterieinterims- rock mit dem Vergrößerungsglase in der Hand. Bekanntlich stand der Vater des gegenwärtigen Reichskanzlers bei weiland dem Kaiser Wil­helm I. ui besonderer Wertschätzung.

** Die Uebersiedelung des kaiserlicher» Hof­lagers vom Neuen Palais nach dem Berliner Schloß wild kurz vor dem Ordensfest am 15. oder 16. Januar statt finden. Wenn die Er­holung des Kaisers in derselben Weise wie bis­her fortschreitet, wird einer Zeitungsmeldung zu­folge von einer Reise nach dem Süden »oll- ständig Abstand genommen.

*, Bei den leitenden Staatsmännern Ruß­lands, Englands, Frankreichs und Deutschlands besteht, wie die,Nat. Ztg/ <m unterrichteter Stelle erfahren hat, Uebereinftim« mung hin sichtlich der ruhigen Auffassung der Lage im äußerste» Orient. Die maßvolle Sprache, die der ftanzösische Minister des Aus­wärtigen Delcaffs im Senate führte, hat in hie­sigen maßgebenden Kreisen einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Delcaffs betonte, nichts be­rechtige dazu, den täglich in Umlauf gesetzten be­unruhigenden Nachrichten Glauben beizumessen.

* Nach den vorläufigen Feststellungen für das Berichtsjahr 1902 betrugen bei sämtlich« preußischen Sparkassen die Neueinlagen runb 1777 Millionen Mark, die Zinszuschreibungen 189 Millionen Mark, die Rückzahlungen 1466 Millionen Mark. Es ergab sich also ein Zuwachs von Spargeldern um mehr als eine halbe Milliarde. Die Zahl der Sparkassenbücher wirb in kurzer Zeit die Höhe von 10 Millionen erreichen.

* Der Minister des Innern hat Erhebungen darüber angeordnet, in welchem Umfange bei den letzten Landtagswahlen christliche Kirche« als Wahllokale haben benutzt werden müffen, sowie, ob fich daraus Unzuträglichkeiten ergeben

„Ich möchte Dich aber bitten, vorsichtig mit ihr umzugehen," sagte die Großmama, „und nicht s» furchtbar wackeln."

„Ich möchte doch wisscn, wem sie ähnelt," bemertte der Vater und blickte der Kleinen forschend in» Gesicht.

„Nun natürlich Dir oder vielmehr meinem lieben RaSmusien," sagte die alte Dame, und ein tiefer Seuszer wurde dem Andenken de» Seligen gespendet.

„Tit tit tu", machte Ra»muffen, aber statt daß die Kleine lachte, schrie sie jammervoll, so daß Srofr mama tadelnd rief: „Da» könnt' ich mir denken! ®n verstehst nicht mit Kindern umzugehen . . . Komm zu mir, mein Herz, meine süße kleine Oline. Und dabet nahm sie sie in die Arme.

„Nie wird da» Kind Oline getauft", sagte die junge Mutter. Bi» jetzt hatte sie teilnahmslos hege- legen, nun aber richtete sie fich aus.

„Und wie soll fie sonst heißen?" fragte die Alte. „Hießen nicht Vater und Großvater Die und bin ich nicht auch aus den Namen Oline getauft?"

„Aurclia Thekla Falk-Nakmuffen", soll fie heiß«», war die gebieterische Antwort, und erschöpft sank die junge Frau in die Kffen zurück. Die Ursache de» Zwiste» aber brachte ihre Zustimmur g durch ein laute» Heu'en jrm Ausdruck.

Nach vier Wochen sollte fie getauft werden, ohne daß man fich über den Namen klar war: nur Amt­mann» Töchterchen Thekla Falk wurde zu Gevatter gebeten. Die Großmutter kam zwar auch noch, aber lebeSmel gab es Streit. Als nun die alte Dame lange Zeit auSblieb, sandte die junge Frau eine# Tage» ihren Mann zum Pfarrer, um die Tauf« z» bestellen. Sie schrieb einen großen Zettel, worauf le großen Buchstaben der Name Aurelia Thekla gatt» R-, muffen zu lesen war, verschloß diesen in ein Ku­vert und tat es in ihre» Manne» Tafche. Er wollte fich gerade fertig machen, al» die Alte auf der. Hos kam und den Kutscher fragte: „Mein Gobn will aut» fahren?«