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vruck und Verlag des Zuldaer Actiendruckere? in §ulda (Harmonie) Zernsprechrr Nr. 9_
J£ 205
fUlda, Donnerstag, den 24, Dezember 1903.
A«.'Jahrgang.
Wegen des hl. Weihnachtsfestes wird die nächste Nummer unserer Zeitung erst am Montag ausgegeben.
* Weihnachten.
Instaurare omnia in Christo — alles erneuern in Christus — dies vom hl. Paulus verkündete Programm der Wirksamkeit Gottes in der Weltgeschichte hat sich Papst Pius X. in seiner ersten Encyklika zu eigen gemacht. Niemals hat es wohl mehr Weltverbesserer gegeben, als in unseren Tagen. An allen Ecken und Enden preisen neue Propheten ihre Entdeckungen an, durch die die Menschheit glücklich gemacht werden soll. Von Gott und von Christus ist aber höchst selten in den neuen Evangelien die Rede. Im Gegenteil, man behauptet, das alte Evangelium, das Christentum tauge nichts mehr; und man müsse darüber hinauskommen, um das Heil zu erlangen. Die größten Weltverbesserer, die Sozialdemokraten, stellen sich geradezu feindlich zum Christentum und Gottesglauben. So lange Einer noch glaubt, ist er für ihre Ideen noch nicht reif, und so lange das Christentum herrscht, halten sie die Errichtung des neuen Reiches für unmöglich. Darin sind sie ehrlicher als die meisten anderen Weltverbesserer, die zwar ebenfalls dem Gottesglauben feindlich gegenüberstehen, aber mit schönen Redensarten zu täuschen suchen.
Zurück zu Christus! ruft demgegenüber der hl. Vater. Den Weg zeigen die Hirten und die Weisen aus dem Morgenlande. „Lasset uns nach Bethlehem gehen". Für die Armen und Einfältigen wie für die Reichen und Gebildeten, für die Hirten und die Weisen, ist allein an der Krippe zu lernen, wie die Welt erneuert, das Reich Gottes verwirklicht werden kann. In der Weihnachtszeit ist in der hl. Messe immer wieder die Rede vom Lichte. Correggio hat eine Geburt Christi gemalt: auf diesem Bilde geht alles Licht von dem Kinde aus. .Es war das wahrhaftige Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt". Nach Licht ist die Menschheit sehr be- gierig, nach geistigem wie nach leiblichem. Nur erklärt sie oft die Finsternis für das Licht. Wer den Unglauben predigt, der hält sich für „aufgeklärt", die Gläubigen werden „Finsterlinge" genannt. Man redet von den früheren finsteren Zeiten, wenn man die Zeiten des starken Glaubens meint, und behauptet Licht in die Köpfe gebracht zu haben, wenn man den Glauben aus den Herzen gespottet hat.
Unsere Erfinder bemühen sich, ein immer besseres und helleres Licht zu erfinden. Aber wenn sie sich auch rühmen, die Nacht taghell erleuchten zu können, was sind alle ihre Erfindungen gegen Gottes Sonne? Das Licht ihrer Weisheit ist kaum bemerkbar, wenn die Sonne leuchtet. Alle
Menschenweisheit verschwindet vor der Wen heil Gottes, die der in Bethlehem geborene Gottessohn der Welt geoffenbart Hal. Das einfache Wachskerzchen an dem Weihnachtsbaum und vor der Krippe erwärmt das Herz, das prahlende elektrische Licht läßt es kalt. Ein Weihnachlsbaum mit elektrischem Licht ist Weisheit ohne Glauben. Es war die Klarheit Gottes, die die Hirten auf dem Felde umleuchtete, und der himmlische Stern, der die Weisen nach Bethlehem führte. Keine Naturwissenschaft und keine Philosophie, mögen sie noch so viele Entdeckungen machen und noch so tiefe Gedanken ergrübeln, wird das Christentum ersetzen und die Menschen glücklich machen können.
Zurück zu Christus! Laßt uns nach Bethlehem gehen! Weihnachten ist das Fest der Liebe. „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab". Auch die Ungläubigen feiern es als Fest der Liebe, indem sie sich beschenken. Aber die Liebe ist göttlicher Natur und kann nur im Glauben recht gedeihen. Kann eine echte, tiefe Weihnachtsfreude aufkommen unter einem Tannenbaum und vor Geschenken, bei denen das große und hei- liche E-eionis von Bethlehem nicht gedacht und geglaubt wird? Das kann nur der behaupten, der sie in Wirklichkeit nie empfunden und lediglich seine materielle Freude an den Gaben gehabt hat. Man tut in unserer Zeit mit anerkennens- prertem Eifer viel, um die Lage der Armen und Notleidenden zu verbessern. Und doch sind diefe unzufriedener als je vorher. Es fehlt eben die Liebe auf beiden Seiten. Die einen geben nicht mit dem Heizen, sondern aus allerlei nüchternen, praktischen Erwägungen, aus Eitelkeit, im eigenen Interesse, die andern nehmen in Haß und Ungenügsamkeit. Die Menschheit war zufriedener und glücklicher, als man sich der Armen um Gottes willen annohm und diese mit dem Wunsche des Gotteslohnes dankten. Damals kannte man keine soziale Frage und zitterte nicht vor der Revolution.
In staurare omnia in Christo; auch die soziale Frage kann nur gelöst werden im christlichen Geiste. Die gläubigen Christen sollten zusammenhalten gegen den Umsturz aller Art und seine Wurzel, den Unglauben. Leider geschieht es vielfach nicht. So wollen wenigstens wir Katholiken, wie im privaten so im öffentlichen Leben alles tun, damit das Reich Gottes, das der in Bethlehem geborene Heiland angekündigt hat, verwirklicht werde. . . .
Berlin, den 23. Dezember 1903.
• Als Termin für die Einberufung des Landtags wird jetzt der 16. Januar genannt. Der 16. Januar fällt auf einen Samstag, einen für die Einleitung parlamentarischer Arbeiten wegen der unmittelbar folgenden Unterbrechung wenig günstigen Tag. Der,Berl. Lok.-Anz.' gibt
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
75 ------ (Nachdruck verboten.)
„So will ich Ihnen reine- Wein einschenken; ich habe mir die Aufgabe gestellt, dem Mörder so lange nachzuforschen, bis er entdeckt ist."
»Ich war geheimer Polizeibeamter; um jüngeren Kräften Platz zu machen und weil ich genug erworben batte, um sorgenfrei leben zu können, nahm ich meinen Abschred. Aber das Müßiggehen behagt mir nicht, und wo ich ein dunkles rätselhaftes Verbrechen entdecke, da forsche ich nach dem unbekannten Täter, um ihn d°m Arm der Gerechtigkeit zu überliefern. Das macht mir Vergnügen und erhält mich geistig frisch. Kennen Sie den Grafen Morray?"
„Persönlich nicht, aber ich habe gehört, daß er mit dem Baron befreundet ist." “ * ' v
»D eser angebliche Graf ist weiter nichts als ein Kellner, der steckbrieflich verfolgt wird, ein Abentemer der gefährlichsten Sorte, und wenn ich Ihnen sage daß er mit dem Bankier Schreiber sehr befreunbtt »nd von diesem erkauft war, so werden Sie wisse?, wie gefährlich er dem Baron werden konnte. Ich habe ihn entl rvt, er ist heute Morgen im Verhör der- bastet worden, und die Angelegenheit des Barons hat sich dadurch bedeutend günstiger gestaltet."
„DaS lohne Jhne.i Gott!" sagte Martin fteudig überrascht, „es ist die erste gute Nachricht, die ich meinem Kinde heimbringe. Wird der Herr Baron nun aus der Halt mtfrfftn werden?"
»Dos hängt von den Aussagen ab, die dieser angebliche Graf im nächsten Verhör machen wird. Die Untersuchungshaft kann noch lange währen, wenn eS uns nicht gelingt, den Schuldigen zu e. tdecken. Wollen
mich in meinen Bemähui gen unterstützen?"
„Bon Herzen gern."
„So sagen Sie mir auftichtig, ob Sie eine Person kennen, auf die ein Verdacht fallen könnte."
„Gewiß, und trotz aller Gegenbeweise hatte ich an diesem Verdacht fest," erwiderte Martin, und dann berichtete er seinem aufmerksam zuhörenden Begleiter die rohe Mißhandlung des Wllddiebes und die Schrüe, die er in dieser Angelegenheit bereits getan hatte.
„Ich begleitete also heute Morgen den Bruder des Wilderers," fuhr er fort, nachdem er bis zu diesem Punkte gekommen war, „er führte mich auch wirklich in die Wohnung seines Bruders. Eine armselige Dachkammer, Herr, glänzende Geschäfte scheint der Wild- dieb nicht gemacht zu Haven. Der Kerl lag im Bette, er roch nach Branntwein und sah so gesund aus, wie es ein Mensch nur sein kann. Wollte natürlich all die Tage im Bette gelegen und kein Wässerchen getrübt haben. Aber er war ftech und trotzig, und es gibt eine ttotzige Frechhett, die einem ehrlichen Menschen Mißtrauen einflößen kann."
„Wer ist sein Bruder ?" fragte der Inspektor. „Ein ehrlicher Mann, oder geht er auch auf verbotene Jagd?"
„Ich glaube, daß er ein ehrlicher Mensch ist, man kann eS ja begreifen, daß er den Bruder retten möchte. Und eS hat auch den Anschein, daß er selbst au die Unschuld des Bruders glaubt."
Aber es muß doch auch. ihn befremden, daß ein gesunder Mensch tagelang im Bette liegt. Ich vermute, daß dieser Bruder Komödie spielt, und daß Sie hm zu leicht Vertrauen geschenkt haben. Die Beiden lecken wahrscheinlich unter einer Decke! Eine Schußwaffe haben Sie natürlich im Zimmer nicht gesehen?"
„Nein, der Wilderer behauptete, keine m haben, er wurde grob, weil ich ihm früher die Büchse kon- isziert hatte. Ich ließ mich dadurch nicht irre machen. >ch sagte ihm gerade heraus, laß mein Verdacht nicht )u erschüttern sei, er sprang aus dem Bett und for- )erte mich auf, alles zu durchsuchen."
„Sie fanden nichts?" fragte der Inspektor.
als Grund für die Wahl dieses Tages an, daß die erste Session der vorigen Legislaturperiode des Landtags auch erst am 16. Januar begonnen habe, und daß man deshalb Bedenken trage, den neuen Landtag früher einzuberufen. Die preußische Regierung hat aber doch die Auffassung vertreten, daß die Legislaturperiode nicht mit dem Zusammentritte der parlamentarischen Körperschaften, sondern mit dem Wahltage beginne. Uebrigens ist auch der Reichstag diesmal am 3. Dezember zusammengetrelen, obwohl fein Vorgänger erst am 6. Dezember feine erste Session begann. Im Bureau des Abgeordnetenhauses wußte man übrigens heute noch nichts Zu verlässiges über den Tag der Einberufung des Landtags. Die ,Post' klagt, daß die Einberufung zum 16. tue Erledigung des Arbeitspensmm, insbesondere die rechtzeitige Fertigstellung des Etats erschweren würde. Das ist nun wohl nicht so schlimm. Man halte nicht so viele überflüssige Reden, dann kommt man mit der Zeit ganz bequem aus.
(?) Der Minister res Inner«, Herr v. Hammerstein richtete in einer Rede, die er bei seinem Besuche in seiner hannoverschen Heimat Ende Oktober dort im Rathause hielt, einige Ausfälle gegen die wölfische Partei. Er sagte u. a., es sei „ein Gebot der Pflicht, daß alle diejenigen Leute, welche den preußischen Staats- gedanken hochhallen sollen, Schulter an Schulter zusammenstehen gegen eine Partei, welche noch immer und heute unverhüllter als jemals dem preußischen Staate den Krieg erklärt." Bei der jüngsten Anwesenheit des Kaisers soll nun auch die Rede aus diese Aeußerungen des Ministers gekommen sein, die einem alten Hannoveraner zu einer Bemerkung des Bedauerns Anlaß gaben. Daraus soll der Kaiser lächelnd bemerkt haben: er werde dem Minister, wenn dieser das nächste Mal wieder nach Hannover käme, einen silbernen Maulkorb mitgeben.
* Eine bedeutsame Kundgebung der Mitglieder der setzten Geueralsyuode ist nach einer aus kirchlichen Kreisen stammenden Meldung für den Jahresbeginn zu erwarten; sie ist bestimmt, die kirchlich-soziale Arbeit zu sördern. Was mag da herauskommen?
[§] Ein üö«re<m für Sozialpolitik soll bekanntlich am 1., Januar in Berlin eingerichtet werden. Schon seit langer Zeit ist es als ein Mangel empfunden worden, daß unsere sozialpolitischen Gesellschaften und Vereine, trotz enger persönlicher Beziehungen ihrer leitenden Persönlichkeiten, keinen gemeinsamen Sammelort besaßen, in dem ihre gleichgerichteten Bestrebungen auch die sachliche Verbindung erhielten. Ebenso hat es sich oft als ein Hindernis geltend gemacht, daß es an einer nach außen hin sichtbaren, bleibenden Organisation fehlte, die zugleich Grundlage, Trägerin und Heimstätte der in fielen Vereinigungen organisierten bürgerlichen Sozialpolitiker aller Berufe und Richtungen wäre. Das neue Unternehmen will versuchen, diese Lücken auszufüllen. In Anlehnung an das Vorbild des Musee social in Paris, dieses Zentrums der wissenschaftlichen und praktischen Arbeit der Sozialreform in Frankreich, und im engeren An-
„Nicht das geringste, wat meinen Verdacht hätte bestätigen können", erwiderte Marti». „Wenn der Kerl nur nicht so hämisch gelacht hätte! ES machte chm Spaß, daß er mich an der Nase fti reu konnte, daS sah und hörte ich ihm an."
„So wird er die Büchse fortgetoorfen haben."
„Glauben Sie daS nicht, so leicht trennt ein WUd- dieb sich von seiner Büchse nicht. Er hat sie versteckt, sie wird hier im Walde fein. Wenn ich nur wüßte, wo ich fie suchen soll! Hier find wir an meinem Haufe, treten Sie einen Augenblick mit mir ein, ich führe Sie dann zum Schauplatz der Tat."
„Bergeffen Sie nicht, daß Sie mir Verschwiegenheit versprochen haben", warnte der Inspektor.
„Dars ich auch meiner Tochter nichts verraten? Eine gute Nachricht würde fie trösten und ermutigen —"
„Nein, jetzt noch nicht, wir wissen ja nicht, wie nahe uns der Täter ist. DaS Fräulein könnte durch ein unbedachtsames Wort ihn warnen, ohne eS zu ahnen und zu wollen."
Mattin nickte zustimmend, fie traten in das Haus hinein; den vielen Fragen Röschens gegenüber wurde e» dem alten Manne schwer, die Verschwiegenheit zu beobachten, die er versprochen hatte.
Nachdem die Beiden eine Taffe Kaffee getrunken hatten, setzten fie ihren Weg wieder fort.
„Wenn Ihre Vermutung richtig ist, daß der Mörder die Büchse im Walde zurückgelassen habe, dann wird er in den nächsten Tagen kommen, um fie zu holen", nahm der Inspektor wieder daS Wort. „Das schuldbeladene Gewissen läßt ihm nun keine Ruhe mehr, seitdem er weiß, daß auch auf ibn der Verdacht gefallen ist; er wird das Versteck nicht ficher genug batten und deshalb die Waffe zu entfernen suchen. Halten Sie also die Augen offen, die Möglichkeit liegt sehr nahe, daß Sie ihn überraschen "
„Ich habe mir ioe auch scyon gedacht", erwiderte Marttn, während er den gebahn'en Pfad verließ und
schluß an das „Institut für Gemeinwohl" in Frankfurt a. M. ist dies Bureau für Sozial° Politik in Berlin begründet worden, um gemein5 fam die Interessen des Frankfurter Instituts- der „Sozialen Praxis", der „Gesellschaft für die soziale Reform" und des „Vereins für Sszial- politik" zu vertreten und ihre Arbeiten nach Kräften zu fördern. Diese Unterstützung wird sich nach verschiedenen Richtungen bewegen, ebenso nach der wissenschaftlichen wie nach der praktischen Seite, je nachdem Aufgaben und Ziele der einzelnen Gesellschaften geartet sind. Das Bureau für Sozialpolitik wird danach als Berliner Sekretariat des Frankfurter Instituts für Gemeinwohl fungieren und sich bemühen, die von diesem ausgehenden Bestrebungen in Berlin zu vertreten. Die Leitung der Geschäfte des Bureaus liegt in den Händen des Professors Dr. Francke, des Herausgebers der' ,Sozialen Praxis'.
§ Ein Geheimer Regierungsrat hat aus Dresden der Leitung der Ausgesperrten Mitteilung gemacht, daß er nach Crimmitschau kommen und Vorschläge zur Einigung machen werde.. Das Gewerbegericht in Crimmitschau hat nach dem .Vorwärts' bereits zweimal versucht. als Einigungsamt in Tätigkeit zu treten. Beide Male waren die Arbeiter zum Entgegenkommen bereit, und beide Male scheiterten die Verhandlungen an dem Widerstande der Fabrikanten. Das erste Mal erklärten sich die Arbeiter mit einer Verkürzung der Arbeitszeit von einer halben Stunde einverstanden. Die Arbeitgeber wollten ihnen eine Viertelstunde unter Fortfall der Waschzeit bewilligen. Die Waschzeit beträgt 10 Minuten; das Entgegenkommen mit einer Verkürzung der Arbeitszeit von fünf Minuten faßten die Arbeiter nur als eine Verhöhnung auf. Noch einmal riefen dann im Verlaufe des Kampfes die Arbeiter das Gewerbegericht an; da lehnten die Fabrikanten jede Verhandlung ab. Der .Vorwärts' höhnt nun: „Also jetzt, wo den Fabrikanten das Wasser bis zum Halse steht, tut die Regierung den Schritt, den sie schon lange hätte tun müssen! Die Arbeiterschaft war im Gegensatz zu den Fabrikanten immer zum Entgegenkommen bereit. Daß sie jetzt frei- lich nicht mehr zu den Bedingungen in die Fabriken gehen wird, zu denen fie vor einem Monat noch bereit gewesen wäre, kann man ihr nicht verdenken. Regierung und Fabrikanten können dem Sieger nicht die Bedingungen diktieren, unter denen er die Schlacht abbrechen soll. Bei aller Friedensliebe der Arbeiterschaft kann von einer Beendigung des Kampfes nur unter für die Arbeiterschaft ehrenvollen Bedingungen die Rede sein!" Hoffentlich kaffen die Arbeiter sich durch derartige Radaureden nicht zu Torheiten verleiten, sondern nehmen die Friedenshand an, wenn sie ihnen geboten wird. Ob fie wirklich Sieger sind oder bleiben werden, ist dann doch noch nicht so ausgemacht. Die Opferwilligkeit der übrigen Arbeiterschaft dürfte doch schließlich ihre Grenzen haben. Vorläufig scheint es allerdings den Ausständigen noch recht gut zu gehen. Für die Weihnachtswoche wurde der doppelte Betrag an Streikgelbern gezahlt. Auch große
durch niederes Gesträuch tiefer in den Wald hinein» schritt, „ich werde Ihren Rat befolgen und in der Nähe der Mordstelle fleißig pattoullieren. Aber, lieber Herr, vergessen wir nicht, daß wir sichere Beweise für meinen Verdacht noch nicht besitzen, daß dieser Verdacht überhanpt nur eine Vermutung ist —"
„Kennen Sie eine andere Person, auf die ebenfalls ein Verdacht fallen könnte?"
„Nein!"
„Dann wollen wir an dieser Vermutung festhalten. ES ist eine seltsame, aber gleichwohl feststehende Tatsache, daß in vielen Fällen der Mörder an den Ort der Tat zurückkehrt, um sich zu überzeugen, ob er Spuren hinterlassen hat, die zu seiner Verhaftung führen können."
„Ich möchte eher glauben, daß'er danach trachtet, sich so weit wie möglich von diesem Orte zu entfernen."
„Hm, in manchen Fällen geschieht daS auch, bann aber fällt der Verdacht sofort auf den Flüchtigen. Wenn der Wilderer an jenem Abend die Stadt Oer» lassen hätte, würde er dann nicht sofort verfolgt worden sein?"
„Glauben Sie, daß er darüber nachgedacht hat?"
„Weshalb nicht? Es lag ja sehr nahe, an dies« Folgen zu denken! Zudem mögen w»hl auch di« Mittel zur Flucht chm gefehlt haben."
Der Förster »ar stehen geblieben, er betrachtet« einen Gegenstand, der im Gesträuch hing.
„Ein abgerissener Knopk," sagt« er, „in raschem Lauf muß nn Mann diese Stelle passiert haben, der Knops klemmte sich ein, daS Tuch war alt und morsch, eS riß, der Manu hat'» vi-lleicht nicht einmal bemerkt."
Der Inspektor holte vorsichtig den Knopf aus dem Vezweige heraus und betrachtete ihn aufmerksam, bann legte er ihn in fein Portefeuille.
„Sehen Sie, hier muß der Mörder gestanden haben," fuhr Martin im Weiterschreiten fort, „dort auf dem Fußpfade, dicht am Stamme der hohen lkche, fanden wir den Verwundeten."