Maer W Zeitung
3„ parzeller in Hulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung
Bts23
fiildä, Mittwoch, Den 23 Dezember 1903
M 294
Jahrgang.
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Hernfprecher Nr 4°
Verantwortlicher rchriftleiter:Zos.vaum
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Monairbeilage: „$ulöaer Geschicht lütter"
scheint täglich, mit 4»rnahme der Sonn» mb Heiertage. viertel- rhrl.vezng5prei, »tzne vringerlohn und Bestellgeld in Hulda und tMsroärts 1 Ml. 50 psg
o Weihnachten.
Gleich einem Kranze lieblicher Rosen ziehen sich durch die Monate des Jahres die großen Fette der Christenheit. Sie sind sämtlich herrliche Erinnerungstage an jene für Menschen kaum faßbare Zeit, wo der eingeborene Sohn Gottes von des Himmels lieblichen Höhen zur schuldbeladenen Menschheit herabstieg, unter ihr wandelte, sie belehrte und in ergreifender Betätigung seiner Liebe zu ihr den bitteren Tod am Kreuze starb, um durch seine Auferstehung das Feuer des Glaubens und der Hoffnung in den Menschenherzen zu entfachen. Gleich bedeutungsvoll sind die christlichen Feste, die Gedenktage der großen Erlösungstaten Gottes, aber Weihnachten mit seiner Tatsache der Menschwerdung des Erlösers, mit seiner Verkündigung: „Euch ist heute der Heiland geboren!" und seiner Botschaft „Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!" ist und bleibt doch das erste der Feste, das Morgenrot des Kirchenjahres, das Fest des Sonnenaufganges der Liebe unseres Gottes, das sinnigste Fest der Familie und aller guten Menschen.
Erstorben scheint alles Leben in der Schöpfung, verödet liegen Wald und Feld, verstummt ist der Gesang der Vögel und todesbleich das Antlitz der Erde. Reizlos ist die sonst so freudig atmende tausendgestaltige Natur, sie trägt nicht das geringste zur Verschönerung bei und dennoch ist Weihnachten das schönste der christlichen Feste, denn es ist das Fest des christlichen Herzens, das Fest der christlichen Liebe. Die christliche Liebe läßt die herrlichsten Blüten der Menschen, feete entsprossen, sie drängt uns nicht allein hin zum Altar, pm Gott anzubeten und ihm zu danken für alles dasjenige, was er für uns ge- ran, sondern sie ruft uns auch zu: „O, geht hinaus auf allen Wegen und holt 'bie Dürftigen herein: streckt jedem Eure Hand entgegen und ladet froh zu uns sie ein!"
Weihnachten ist ein Fest der wahren Christen- und Nächstenliebe für alle Menschen, die noch glauben an die Verkündigung „Euch ist heute der Heiland geboren!" Oder könnte jemand angesichts der unendlichen Liebe Gottes kalt sein Herz seinen Mitmenschen verschließen? Kann ein wahrer Christ feinen Nächsten darben sehen, während er freudig im Steife der Seinen Weihnachten feiert? Fröhlich durchtönen die beseligenden Klänge eines Weihnachtsliedes die behaglich erwärmte Stube, der Lichterglanz des Christbaumes strahlt hinein in das freudig bewegte Menschenherz und mahnt es an all' das Elend, die Sorge und Not, die gleich einem reißenden Strome durch die Menschheit zieht und so manche Schwelle überflutet, hinter welcher kein Tannenbaum leuchtet, kein frohes Weihnachtslied erschallt, wohl aber bittere Winterkälte und Hunger am Menschen nagen und schmerzliche Klage die Luft durchzittert. Ein guter Christ vergißt am Weihnachtsfeste nicht der Armen, der Enterbten der Gesellschaft; in reicher Liebe teilt er ihnen mit von seinem Ueberfluß, oder er müßte denn einer von jenen Christen fein, die es wohl vertragen können, nach ihren Worten, nicht aber nach ihren Werken beurteilt zu werden. Ein wahrer Christ liebt seinen Nächsten und erweist ihm Gutes nach bestem Können und Vermögen. Der Engel der Liebe schreitet durch die Menschheit und in kalter, froststarrender Winterszeit zieht ein warmer Frühlingshauch durch die Herzen aller, denen die frohe Botschaft gilt: Euch ist heute der Heiland geboren!
„Und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind,!" Weihnachtsfreude senkt sich in jedes gläubige Christenherz und fei es auch noch so kummervoll, sorgenschwer und gramzerriffen. Gleich linderndem Balsam dringt sie selbst in die tiefste und schmerzhafteste Seelenwunde. Und wen das Weihnachtsfest nicht mit äußeren Freuden bedenkt, wer es einsam in der Fremde feiern muß, wo kein liebendes Herz für ihn schlägt — eines dringt es ihm doch: die Erinnerung an schönere Tage, die gleich einem hellen Lichte fein Herz durchleuchtet; und mit der Erinnerung verbindet sich die Hoffnung, daß Gott, der ja auch dem düsteren Winter den blumenreichen Frühling und den fonntaen Sommer folgen läßt, einst wieder freudenvollere Tage senden wird. Weihnachtsfriede würde längst über den Völkern schweben, wenn die Menschen alle eines guten WillenL wären, wenn statt des Dünkels einer „auf
geklärten" Wissenschaft, die frech den Welten- schöpser leugnet, weil er mit den Ergebnissen der Nalursorschung unvereinbar sei, wahrer christlicher Glaube die Menschheit in allen Schichten durchdränge.
Aber auch in allen ihren Schichten! So lange die Vielbeneideten, welche auf den Höhen der Menschheit wandeln und nach Wunsch über eitle Güter des Lebens verfügen, durch Unglauben und aus diesem geborene Taten dem Volke ein schlechtes Beispiel geben, so lange Hoffart, Genußsucht und Egoismus ihre vergifteten Pfeile in die Reihen der Armen senden, so lange die Abgötterei eines falschen Ehrbegriffs den unter gewissen Umständen begangenen Mord mit dem Privilegium kaum fühlbarer Strafen ausstattet, Mauern errichten zwischen Arm und Reich, diesseits Hochmut und Stolz, jenseits Haß und Verbitterung zeitigen, so lange wird der Friede bei den Menschen nicht einkehren. Klassenhaß und Unzufriedenheit werden in der Gesellschaft wüten und Taufende, wenn nicht Millionen zu langsamem Siechtum verurteilen, so lange nicht der Glaube siegreich in alle Menschenherzen zieht und alle Menschen eines guten Willens sind.
Unheildrohend ist unsere Zeit! Aehnlich wie an der Wende des 18. Jahrhunderts umsäumen auch jetzt dunkle Wolken den Horizont und fernes Wetterleuchten kündet das Nahen unglücksschwerer Ereignisfe. Verzagen müßte man, befeeüe der Glaube an Gottes Allmacht und Güte nicht das Herz mit himmlischem Tröste. Gottes Macht ist groß genug, um auch das widerspenstige Menschenherz zu bezwingen und die segensreiche Saat des Christentums träfiig emporsprießen zu lassen über all dem Unkraut des Unglaubens und des Unfriedens. Im Glauben an Gott und seine allumsassende Weisheit wollen wir mit Vertrauen in die Zukunft blicken, unsere Pflichten als wahre Christen erfüllen, der Armen und Notleidenden gedenken und mit unfern Angehörigen und Freunden feiern ein recht fröhliches Weih nachts fest!
Weihnachts-Erinnerungen eines ehemaligen Jagers.
Vortrag, gehalten von Joseph Angelt, Handels- gärtner Fulda, in der Hauptversammlung des Krieger- Vereins am 19. Dezember 1903.
Die Schlacht an der L'Halleu am 23. und 24. Dezember 1870 spielte sich in einem Talkessel ab, der 7—8 Kilometer lang und breit an dem Flusse L'Halleu in südwestlicher Richtung durchflossen und im Osten von einer halbkreisförmigen Bergkette eingefaßt wird. Im Westen erhebt sich ebenfalls ein einzelner Berg. Hier hatten die Bonner Husaren Aufstellung genommen, als das 8te Jägerbataillon am 22. Dez. dort zur Ablösung eintraf.
Kurz vor dem Abmarsch der Bonner Husaren hatte General von Struberg den Wunsch geäußert, wenn möglich einige gefangene Franzosen über die Stärke des Feindes auszuforschen. Die Franzosen hatten ihre Wachen und Vorposten auf der andern Seite des Flusses aufgestellt und konnten bei dem hellen Frostwetter (es waren 16 Grad Kälte und 1 Fuß hoch lag die schimmernde Schneedecke im Tal) sehr gut gesehen werden. Diesem Wunsche gemäß ritt eine Patrouille von 1 Offizier und 6 Mann am hellen Nachmittage 2 Uhr im scharfen Trab, int Bogen auf die Vorpostenkette los und holte sich 2 Mann heraus, mit denen fie dann wieder auf der Höhe ankamen. Außer einigen Streifschüssen war die Sache glatt verlaufen, trotz der vielen nachgesandten Kugeln.
Am Abend desselben Tages kam General v. Struberg wiederum zu uns und teilte mit, aus den beiden Franzosen sei nichts herauszubringen; wir möchten einen neuen Ausflug machen. Darauf hin rückte Hauptmann Noltemann der 1. Kompagnie mit 50 Mann vor. Dichter Nebel lag über dem Tale und begünstigte sehr den Handstreich. Lautlos in zwei Gliedern mit je VI* Meter Abstand von Mann zu Mann schlich sich die Kolonne bis an die französische Vorpostenkette, durch diese hindurch, umzingelten von rechts und links die Feldwache und drangen nun von hinten in das Wachtzelt. Die nach vorn flüchtenden Franzosen wurden von den draußen stehenden Jägern nach vorn gedrängt, zum Teil mit Kolben- flößen, und sämtlich gefangen genommen. Einzelne nur waren in dem Wirrwar entschlüpft und fingen an zu feuern, wodurch denn bald die ganze Vorpostenkette allarmiert wurde. Inzwischen waren wir im Laufschritte mit den Gefangenen aus dem Schußbereiche geeilt und gelangten dann unter dem brausenden Gesänge der „Wacht am Rhein" wieder in unser Standquartier. 20 Gefangene wurden dem General von Struberg überliefert, der seinerseits die Teilnehmer an dieser Expedition mit Wein und Cigarren be
lohnte. Von unserer Seile war bei dem lieber« fall kein Schuß gefallen und keiner verwundet worden.
Am 23. Dezember früh marschierten wir ab, um einige Stunden später den L'Halleu-Fluß zu überschreiten, dessen näher gelegene Uebergänge von den Franzosen abgebrochen waren. Ungefähr um 10 Uhr kamen wir wieder mit dem Feinde in Fühlung und zwar so nahe, daß wir bie aus den Schützengräben hervorlucenden roten Käppis, sowie die Farbe der Offizierspferde deutlich unterscheiden konnten. Die französischen Offiziere selbst beobachteten uns mit Ferngläsern, aber von keiner Seite wurde geschossen. Ungefähr 2000 Meter von uns entfernt, mitten im Tale, von Höhen rings umschlossen, lag das Dors Daour. Während das Bataillon kurze Rast machte, sprengte der Kommandeur mit feinem Adjutanten ins Dorf, um Umschau zu halten. Als er zurück kehrte, brachte er die Meldung, daß das Dorf besetzt sei; gleichzeitig eröffneten die Franzosen von den Höhen em derartiges Schnellfeuer, daß tatsächlich die Sonne von den Geschossen verdunkelt wurde. Ohne auch nur einen Verwundeten ging das Jägerbataillon nun im Laufschritt auf Daour los, welches, wie sich später heraus« stellte, von 4 Bataillonen Infanterie besetzt war. Gleich im ersten Anlauf wurden 70 Gefangene gemacht ohne einen Schuß abzugeben. Die Scheune des ersten Gehöfts wurde als Gefangenenlokal ausersehen, und nun giva's an's Säubern des Dorfes, indem die erste Kompagnie für die mittlere Straße, die zweite und dritte Kompagnie rechts und links des Dorfes einzeln durchsuchte, während aus allen Dächern, Kellerlöchern, Schweineställen und Misthaufen gefeuert wurde.
Gegen 4 Uhr nachmittags war das Dorf nahezu gesäubert. Wieder hatten einige Jäger Gefangene nach dem Sammelplätze gebracht, da geschah es, daß einer von ihnen in ein Haus eintrat, um Wasser zu trinken, während wir anderen draußen warteten. Als jener länger wie nötig ausblieb, gingen wir anderen ins Haus, um nach ihm zu sehen; aber schon kommt er uns entgegen, mit der linken Hand hatte er einen Offizier gepackt und in der rechten hielt er einen Revolver, vor sich her 12 Franzosen .treibend. Nachdem auch diese Gefangenen abgeliefert waren, erzählte er uns, daß bei seinem Eintritte ins Zimmer der Offizier mit dem Revolver im Anschlag auf ihn dagestanden habe; da er seine Büchse umgehängt hatte, gab er kurz entschlossen dem Offizier eine derbe Ohrfeige, wobei der Gegner taumelnd niedersank, während ein Schuß sich entlud. Der Jäger, ein kräftiger Reservist, warf sich dann auf seinen Gegner und entwand ihm den Revolver, wobei abermals 2 Schüsse sich entluden. Des Revolvers beraubt gab der Offizier seinen Widerstand auf und sich gefangen. Mit dem Offizier und erhobenem Revolver begab der Jäger sich bann ins nächste Zimmer, wo noch 12 Franzosen angetroffen wurden, bie sich bann auch ergaben. Wir hatten auch an btefem Tage eine Batterie kampfunfähig gemacht, bie seitwärts bes Dorfes vorgefahren war, aber nicht roieber in Aktion treten konnte. Mann und Pferbe lagen tot zwischen ben Geschützen.
Gegen 5 Uhr abends machte bie herein- brechende Nad t dem Kampfe ein Ende. Schaurig tönten bie französischen Signale zu uns herüber, um so unheimlicher, weil wir beren Bedeutung nicht kannten. In der schönen, neugebauten Dorfkirche wurden bie Gefangenen für bie Nacht interniert, bie Wachen ausgestellt und die übrigen Mannschaften im Dorfe einquartiert. Unweit der Kirche, an der nach den Berghöhen führenden Straße, lag ein Wirtshaus. Dahin ging ich, um vielleicht etwas Eßbares zu finden. Nachdem ich die Hängelampe angszündet und alle Ecken durchsucht, sand ich eine Liter flasche mit wasserheller Flüssigkeit. Während ich noch bie Flafche gegen bas Licht hielt, erschallt von draußen eine Stimme, bie fragte: „Was hast Du ba, mein Sohn?" Es war ber Kommanbeur, der also fragte. „Vermutlich Schnaps", war meine Antwort. „Na, laß' mich 'mal trftiten", sagte daraus ber Kommandeur. Ich reichte die Flafche dem Chef, ber bieselbe zu ’/< leerte und mir dann mit Dank zurückgab. Ich machte große Augen, hatte ich mich doch schon darauf gefreut, meine Kameraden durch einen wärmenden Schluck erfreuen zu können, was mir nun nur in sehr beschränktem Maße möglich war.
Kaum hatte ich die Flasche zurück, da näherten sich Reiter dem Wirtshause, beffen Licht not» bürftig bie Umgebung beleuchtete. Es waren der jetzige General-Oberst von Loe nebst Adjutant unb einigen anberen Offizieren des Bonner Husaren Regiments, dessen Chef Herr von Loe damals roav. Mit kollegialischem Gruß und Händedruck erkundigte sich ber bamafige Oberst von Loe nach dem B'finben bes Bataillons unb ben näheren Umständen des heutigen Gefechts.
„Wenn die Herren sich mal von der Situation überzeugen wollen, dann bitte, folgen Sie mir", war bie Antwort unseres Kommanbeurs, und voran sprengte er bie Siraße entlang direkt auf die feindliche Stellung los, gefolgt von den Hufaren- osfizieren. Doch nicht lange währte der nächtliche Ritt. Das Qui vive? (Wer ba?) ber französischen Voiposten gebot ihnen Halt. Noch heute höre ich den Rus unseres Kommandeurs in die stille kalte Winternacht: „Dites-moi donc, de quel regiment vous-etes, vous äne?“ (Sage mir doch, von welchem Regiment Du bist, Du Esel?). Eine Gewehrsalve war bie Antwort daraus und in schnellstem Tempo kamen die Herren zurück.
Vielleicht eine Stunde später, alle Mannschaften waren in dem Quartier mit Abkochen beschäftigt und freuten sich auf eine warme Suppe, — ba ertönt auf einmal, von ben Bergen herkornmenb, Regimentsmusik. Dieselbe kommt näher und näher. Schnell hat der Kommandeur selbst die-Leute aus den Quartieren geholt und in aller Stille postieren sich zwei Kompagnien rechts und links der Straße, weit vorgeschoben liegen die Jäger in den Chaussee- gräben in den Schnee gedrückt mit schußbereiten Büchsen, während zwei Kompagnien an ber Kirche Aufstellung genommen haben. Die Franzosen nähern sich mit flingenbem Spiel bem Dorfe in bem Wahne, uns leichten Kaufes, mit Hilfe der im Dorfe befindlichen Bauern, aus dem Dorfe herauszuwerfen. Da ereilt sie das Verhängnis. Nicht ahnend, baß sie bereits zwischen ben Jägern durchmarschieren, nähern sie sich bem Dorfe. Da kracht von Ber Kirche he" ein Signalschuß, das verabredete Zeichen, unb hunberte von Gewehrläufen aus nächster Nähe bringen Tob unb Verberben in bie feinblichen Reihen. Jäh verstummt bie Regiments-Musik, das Stöhnen ber Verwundeten schlägt grausig an unser Ohr, bann wirb's still. Die Nacht bedeckt bas grausige Bilb mit ihrem Nebelschleier. — In wenigen Minuten mehr Tote unb Verwundete als während des ganzen Schlachttages, bas war bas Ende bes 23. Dezember. Ernst zogen bie Jäger unb ihre Offiziere roieber in die armseligen Quartiere zurück unb mancher hat wohl spät erst ben Schlaf gefunden.
Arn Morgen des 24. Dezember war ich schon früh unterwegs, um Brot zu suchen und zugleich auch ben Schauplatz des nächtlichen Kampfes zu besichtigen. Nicht weit von meinem Quartier lag auf ber Wiese beim Dorfe ein hübscher Franzose mit blondem Haar, bie Brust von einer Kugel burchbohrt. Währenb ich noch unentschlossen baftanb, kamen 2 Infanteristen, brehten ben Toten um unb nahmen aus seinem Tornister ungefähr ben vierten Teil eines runden Brotes heraus, bas vom Blute bes Gefallenen burd)t rängt unb hart gefroren war. Kurz entschlossen nahm einer von ihnen seinen Säbel heraus schnitt von beiben Seiten das blutige Teil des Brotes herunter unb bann teilten sich beibe in den verbliebenen kleinen Rest, ber nicht genügt hätte, einem Kinde ben Hunger zu stillen, bann stürmten sie fort zur nächsten Leiche, wo bas Experiment von neuem begann. Schaubernd lenkte ich meine Schritte zur Stelle, wo am Abenb vorher ber Tod so reiche Ernte gehalten. Wohl mögen bie Franzosen viele der Ihren im Dunkel ber Nacht noch geborgen haben. Aus ben umherliegenbm Leichen, Jnstrumententeilen, Käppis unb Mänteln, bie hier auf weite Strecken bie Straße bebedten, konnte man sich ein Bilb baoon machen, was hier geschehen war.
Die Torfftraße war mit Kugeln bebeckt als wenn man Eicheln gefäet hätte. Von hier ging ich zur Kirche, in ber bie Gefangenen teils auf Stroh schliefen, teils am Feuer sitzend Kaffee kochten. Eben brachte man einen Offizier mit zwei Burschen aus bem Turme herunter, bie bort während des Gefechts unb auch während ber Nacht in ber Glockenkammer zugebracht hatten, bann aber vor Kälte trampelnd em deckt worden waren. An diesem Tage, dem 24. Dezember, hatten wir zwar kein Gesicht mit ben Franzosen, aber ein anberer Feind machte sich bemerbar, ber Hunger nach Brot, bas nrf* feit zwei Tagen entbehrt hatten. Ms rcutbflB zwar von Patrouillen eine Mühle und Mehl gefunden, auch bie gelernten Bäcker zum Brot» backen tommanbiert, aber erst am Abend war bas Brot fertig zur Ausgabe. Es hätte nicht viel gefehlt unb bas Backhaus wäre gestürmt worben.
Am 25. Dezember nachmittags sollten wir abgelöst werben. Ungefähr 1 Stunde vor bem Ausrücken, nachdem wir unser spärliches Mittagsmahl verzehrt, ging ich in den Hof, um mir.die Wirtschaftsgelänbe bes Bauern mal anzusehen. Da fiel mir in ber Giebelwanb des Hauses ein Hausen Pferdemist auf. Da keine eigentliche Grube ba war, schöpfte ich Verbacht, bet durch