Monatsbeilage: »Luldaer Geschichtt Gatter44
fMlda, Dienstag, den 22. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
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wie wirb die Welt untergeben?
Drei wisserrschaftliche Hypothesen über das Ende der Erde.
i Alles Irdische ist vergänglich, und die Erde elbst ist diesem Schicksal alles Irdischen nicht ntrückr. Ihr Untergang ist gewiß, aber wann und wie derselbe erfolgen wird, das entzieht sich aller Voraussagung, und nur wiffenschaftlich mehr oder weniger begründete Mutmaßungen sind darüber möglich. Bekanntlich ist in den letzten Jahren schon wiederholt die Alarmnachricht aus- gesprengt worden, daß ein Zusammenstoß mit einem der Himmels Vagabunden — der launenhaften Kometen — den Bestand der Erdkugel vernichten werde. Auch heute noch verficht ein Teil der Gelehrten diese Anschauung und zieht dabei sogar den armen, so unschuldig aussehenden Mond in den Kreis der diesbezüglichen Kalkulationen. Andere aber sehen im Feuer und eine
dritte Gruppe von Gelehrten im Eis die Ver
nichtung unseres Erdballes. Hören wir nun, 4 wie einzelne hervorragende amerikanische Astro- »uomen und Forscher ihre verschiedenen Stand
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punkte vertreten.
Professor H. Walter von der Michigan-Universität behauptet, die Hauptgefahr drohe von Sonne, Mond oder Sternen. Mehr als hundert Millionen dieser Himmelskörper, der Sterne, bewegen sich unablässig mit ungeheuren Schnellig- keiten durch den Weltraum, und so besteht nach seiner Meinung immer die Möglichkeit, daß einer oder der andere derselben mit unserer Sonne kollidiert oder sonst auf eine Weise unser Sonnensystem stört, wodurch auch die Erde in Mitleiden- schaft gezogen würde. Aber selbst wenn solch' (außerordentliches Ereignis nicht ein tritt, muß es
einmal dahin kommen, daß durch die beständige Einwirkung unseres Trabanten, des Mondes, die Verzögerung, die derselbe schon jetzt in der Achsendrehung der Erde hervorrust, immer größer wird. Dadurch wird dann wieder die Bewegung des Mondes beeinflußt, bis dieser sich der Erdoberfläche immer mehr nähert und sich in seinem Kreislauf endlich an ihr reibt, Berge und Städte und Kontinente in Atome zermalmend und den ganzen Erdglobus in erhitztes Gas auflösend. Dies ist nach Walkers Ansicht das unausbleibliche Ende, wenn nicht etwa die Erde durch Ueberwiegen der Fliehkraft in die Sonne geschleudert wird. Also drei Eventualitäten des Erdunterganges durch die Himmelskörper !
Was aber die Vernichtung der Lebewesen unserer Erde anbelangt, so kann dieselbe schon lange vor der Wellkatastrophe durch eine von mehreren Ursachen bewirkt werden. Einmal ist es die Gefahr einer Aenderung des Mischungsverhältnisses zwischen Sauerstoff und Kohlenstoff, wie es uns zum Atmen notwendig ist. Der Gelehrte weist da auf den koloffalen, immer zunehmenden Verbrauch von Kohlenstoff zur Erzeugung von Kohlensäure hin, der mit der Zeit die Zusammensetzung der Luft verändern kann, somit auf die stets steigende Konsumtion von Sauerstoff zur Verbrennung Dank der massen» haften Verwendung der Kohle in allen den Feuerstellen der Erde. Die Wälder aber und das Pflanzenreich überhaupt, das früher den so notwendigen Ausgleich im Verhältnis der beiden hauptsächlichsten Bestandteile infolge seines Reichtums leicht bewirken konnte, sind in fortwährendem Rückgang begriffen.
Eine weitere Gefahr für das Leben ist in der Abnahme der Sonnenwärme zu suchen, wie auch in der Möglichkeit des Verschwindens allen Wassers von der Erdoberfläche, indem dieses ins Erdinnere auf Nimmerwiederkehr ^versinkt und die gewaltigen Höhlungen desselben erfüllt. Die Begründung dieser Eventualitäten ist hochinteressant, doch müssen wir uns hier mit ihrer Andeutung begnügen und wenden uns zu den Auslassungen des Astronomen der Hopkins-Universität Professor S. Newcomb.
Dieser schildert in phantastischer Erzählung mit scharfer Logik und packender Anschaulichkeit das Weltende, wie es durch übergroße Sonnenhitze hervorgerufen wird. Ein gewaltiger Stein stürzt in den Sonnenball und ruft dadurch eine so mächtige Steigerung der Glut hervor, daß alles Brennbare auf der Erde in Flammen aufgeht, die Ozeane zu kochenden Wassermassen werden uno der siedende Regen, der sich bildet, die Lebewesen zu Tode brüht. Schließlich bleibt
wohl die Erde als kompakte Masse zurück, aber öde und leer, sowie sie es in den Jahrtausenden gewesen, die dem Beginn des Lebens auf ihr vorangegangen. Die einzelnen Phasen dieses Weltuntergangs find ungemein lebendig und aus- sührlich in dem Aufsatz der Gelehrten darpestellt; leider verbietet der Raum die vollständige Wiedergabe der echt Jules Verne'schen Schilderung.
Die dritte wissenschaftliche Ansicht endlich geht dahin, daß die Erde in einen Eisklumpen verwandelt werden wird. Der Astronom Professor G. S. Hough von der Northwestern-Universität verficht diese Hypothese. Ihr zufolge wird alles Leben auf der Erde durch Kälte sein Ende finden und die frosterstarrte Erdkugel wird dann mit ihrem Schicksalsgenossen, dem Mond, um die Wette durch den Weltraum rollen.
Den tröstlichen, — wenigstens für uns Lebende tröstlichen — Hintergrund haben aber alle diese wissenschaftlichen Erörterungen, daß sie den Eintritt dieses wahrhaft „welterschütternden" Ereignisses in eine Zeit verlegen, wo uns, wie man zu sagen pflegt, längst kein Knochen mehr weh tut. Millionen Jahre müssen nach natürlichen Gesetzen noch verstreichen, bis die überwiegende Fliehkraft, die veränderte Zusammensetzung der Luft, die Abnahme der Sonnenwärme oder eine andere der ins Auge gefaßten Ursachen alles Leben auf der Erde und diese selbst vernichten können. Inzwischen aber halfen wir uns an dos, was mehrere wiffenschaftlich hervorragende, aber gleichwohl am besten belehrte Männer uns darüber mitteilen.
Zwei von ihnen sagen übereinstimmend — es sind dies Matthäus und Markus, die Evangelisten — „die Sonne wird verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht mehr geben und die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden." Lukas aber berichtet: „Es werden Zeichen an der Sonne, an dem Mond und den Sternen fein und auf Erden große Angst unter den Völkern wegen des ungestümen Rauschens des Meeres und der Fluten und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Erwartung der Dinge, die über den ganzen Erdkreis kommen werden; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden." Petrus schreibt in seinem zweiten Brief: „Da werden die Himmel mit großem Krachen vergehen, die Elemente vor Hitze zerschmelzen und die Erde samt den Werken auf ihr verbrennen." Und Johannes sagt kurz: „Da fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte fie."
Das wäre das Wie. Und das Wann? Es steht darüber geschrieben: «Jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel des
| Himmels nicht, als der Vater allein." Der Tag wird kommen „wie der Dieb", „wie eine Schlinge über alle, die auf dem ganzen Erdenboden wohnen." Darüber werden alle die gelehrten Herren kaum hinwegkommen.
vermischtes.
• Die schottische Südpolarexpeditto*. Ma* bat vielfach erwartet, daß man gleichzeitig mit den Nachrichten über die schwedische Südpolarexpedition auch solche über die schottiscye erhalten würde, da «an Grund zu der Annahme halte, beide Unternehmungen, deren Führer von emander wußten, würden zusammen- treffen oder wenigstens in flüchtige Verbindung mit einander getreten sein. Beides ist aber nicht der Fall gewesen, und so erhebt sich die Frage, wo die schott'schr Eüdpolarexpedition weilen mag. Wurde schon das Ziel der deutschen Expeditton als recht unsicher bezeichnet, so gilt diese Unsicherheit in mch höherem Maße von dem der schottischen. Sie war zwar für eine Ueberwinteiung ausgerüstet, doch lag eine solche ursprünglich nicht im Plane. Ihr Leiter Bruce wollte nur im Südsowmer 1902/03 im Weddellmeer kreuzen» etwa erreichbare Küsten aufnehmen und ozeanographische und verwandte Forschungen ausführen. Indessen hatte sich der Aufbruch der Expedition von Schottland so stark verspätet, daß Bruce mit seinem Schiff, bet Scotia, erst am 25. Januar 1903 von den Falklandinseln absegeln konnte, daß die Zeit für solche Fahrten also nur auf wenige Wochen zusammengedrängt wat. Unter diesen Umständen entschloß sich Bruce zu einer Ueberwinterung. Er schrieb der Edinburger geographischen Gesellschaft, die die Mittel aufgebracht hatte, et wolle im Weddellmeer soweit als möglich nach Süden fieben, soweit, bis er auf die dort stark zurückweichende« üblichen Küsten träfe, und im Laufe des Südsormners 1903/1904 nach den Falklandinseln zurückkehren, MU weitere Instruktionen einzuholen. Das Weddellmeer wird von manchen Geographen a!8 eine besonder- günstige EmbruchSpforle für solche Expeditionen angesehen, denen es darauf ankommt, hohe Breiten zu erreichen; hatte doch der Seefahrer, dessen Namen jener südpolare Meeresteil trägt, dort 1828 mit seinem Schiff ohne jede Schwierigkeit bis 74° 15' vorgehen können, ohne daß daS fahrbare Meer ein Ende zu nehmen schien. Die Küsten des antarktischen Kontinents müssen dort also sehr weit südlich liegen, und find in günstige« Jahren vielleicht unschwer zu erreichen. Darauf baute Bruce seinen Plan. Immerhin mußte er doch damit rechnen, daß er nach der Ostküste des GrahamlaudeS, dem König Oskarlande, abgedrängt werden würde. Und damit ist auch in der Tat sehr ernstlich gerechnet worden. Da die Schweden jedoch nichts von de« Schotten gesehen und gehört haben, so muß man annehmen, daß Bruce das König Oskarland entweder überhaupt nicht aufgesucht oder dort in viel südlicheren Breiten überwintert hat, als die schwedische Expedition. Es scheint danach, als dürfe man von der schwedischen Expedition sehr interessante Resrltate erwarten. Brrl- leicht hören wir bald etwas davon. Bruce möchte gern noch ein zweites Jahr draußen bleiben und hofft, auf den Falklandinseln die Genehmigung dazu vorzufinden. Die Edinburger Geographische Gesellschaft ist einer solchen Erweiterung des Expeditionsplans auch nicht abgeneigt und wendet fich daher mit einem neuen Ausruf um Beiträge an die Mitglieder. Aufgebracht waren bisher 28,400 Lst., doch fehlen noch 12,(00 Lst. allein für den Fall, daß d'.e Expedition doch schon im nächsten März ihren Abschluß findet.;
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