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Druck und Verlag d« Fuldaer ActiendruS««E in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Rr. 9.

M 293 PulÜL. Dienstag, dert 22. Dezember l -i.^aorgang.

Lediglich zur Befestigung des Bestehenden, durch Beseitigung einiger Mängel ist nach den ,Berl. Polit. Nachr/ auch die geplante Aenderung der Bestimmungen über die Wahlkreis-Einteilung und des Wahlverfabrens bestimmt. Dieser Ver­such, daselende" Dreiklassen-Wahlsystem zu be­festigen, wird sicher noch mehr Vorschläge zur gründlichen Reform des Ueberlebten zeitigen. Leider darf man im voraus sagen, daß alle Mühe ver­geblich sein wird. An der konservativ-national- liberalen Mehrheit und am Herrenhause werden alle ernsthaften Reform-Versuche abprallen.

Von dem wichtigsten Gesetze, das man für die nächste Tagung erwarten zu dürfen glaubte, dem Schulunterhaltungs-Gefetze, ist es seit einiger Zeit ganz still. Es sollte uns freuen, wenn man daraus schließen dürfte, daß die Regierung der in den ParteiverhäUwssen zum Ausdruck kommen­den Volksmeinung Rechnung tragen wolle und in der Ausarbeitung eines eingreifenden Gesetzes zur Sicherstellung der christlichen und konfessio­nellen Volksschule begriffen sei.

Noch nicht; ich konnte, wie gesagt, nicht« Genaues erfahr n, obschon ich den Schreiber des Untersuchungs­richters zu bestechen »«Züchte; er riet mir nur, meine Bücher und Kaffe zu ordnen, der Baron würde mir gegenüber keine Rücksichten kennen."

Eduard war in Nachdenken versunken, er trommelte mit den Fersen leise an der Wand des Zahltisches.

Und was nun?* fragte er.

Ich warte die Revision nicht ab."

Hm, Tellenbach muß Dich schützen!*

Er wird bet erste sein, der mich fallen läßt.*

Dann fällt er selbst!*

Es ist der letzte und einzige Versuch, sich selbst als ehrlichen Mann hinzustellen*, sagte der Verwalter erbittert,der geriebere Fuchs wird dies n Versuch machen und alle Schuld auf uns beide wälzen. Er ist glatt wie ein Aal, man kann ih i nicht faffen und festhalten, und was ich auch gegen chn auSsagen mag, er wird kein Jota davon zugestehen. Wollen wir uns auf ihn verlaffen, so find wir verlassen, Eduard, wir müffeu uns selbst Helsen?"

Wie können wir das?*

Du hast Geld genug, wir muffen in einer anderen S'adt von vorne wieder anfangen. Zieh' Deine Außenstände ein, ich lasse alles im Stich und reise voraus."

Ein höhnisches Lacken war die Antwort Eduards.

Ist Deine Kasse gefüllt?* fragte er.

Augenblicklich nicht.*

So schaffe Geld und nimm cs mit. Ich habe Dir auch feit einer Reihe von Jahren jährlich große Summen gebr-cht und Du hast ein gutes Geschäft gehabt."

So sagt man", unterbrach sein Sohn ibn achsel­zuckend,aber eS war alles nur ScheiEs war von Anfang an ein kleines Geldwechielgefchäft, ich hatte freilich mein Auskommen, aber es ging nicht vorwärts. Da habe ich'S denn gemacht, wie so viele es machten, I ich spekulierte in Wertpapieren, in Oel und Getrcide,

werden vielmehr rechnen: Aus einmal kann der ganze Kanal doch nicht gebaut werden; nehmen wir also, was wir jetzt haben können; ist das erst fertig, so wird sich auch das fehlende Stück schon noch einmal erreichen lassen.

Aehnlich werden aber auch die Konservativen denken und darum wird es nicht letcht sein, sie für die Teilstrecken zu gewinnen. Wie weit es der Regierung gelungen ist, sie umzustimmen, wissen' wir nicht. Angeblich ständen sie den neuen Plänen bereits wohlwollend gegenüber. Rach anderen Angaben wurde noch mit ihnen verhandelt. So schroff rote früher stehen sie der Kanalvorlage allem Anscheine nach nicht mehr gegenüber. Für das Zentrum ist die Kanal- vorlaqe bekanntlich nie Parteifrage gewesen. Seine Mitglieder haben sich freundlich oder ab­lehnend zu ihr geftellt, je nachdem sie überzeugt waren, den ihnen vorzugsweise anvertrauten In­teressen am besten zu dienen. So wird es auch in Zukunft fein. Die Wabl der Ems-Mastal- | Linie z. B. wird manche Freunde der Lippe- Linie im Zentrum zu Gegnern der Vorlage machen. Andere werden Anstoß daran nehmen, daß die Kanalisation der Mosel und Saar nicht gleichzeitig beantraar wird. Wieder andere dürften mit Rücksicht aus Oberschlesien Sorge wegen der späteren Fortsetzung des Kanals bis zur Elbe haben.

Vor einigen Tagen ist bekanntlich auch eine Novelle zum Vereinsgesetze angekündigt worden. Die Beschränkungen der Frauen und die Teil­nahme an politische» Vereinen und ihren Ver­sammlungen sollten aufgehoben werden. Die ,Berl. Pol. Nachr. versiche.n schleunigst, daß es sich vorerst nur um Erwägungen handele, die vielleicht demnächst greifbare Gestalt erhalten. Sie fügen beruh-gend hinzu, daß ein Zurück­greifen auf die Pläne von 1897 ausgeschlossen sei. Daß heute die Regierung nicht daran denke, daskleine Sozialistengesetz" wieder vorzulegen, konnten wir uns selbst sagen. DieReform" soll nach den ,Berl. Pol. Nachr.' vor allem da- ! zu dienen, die übrigen Bestimmungen des Ver- einsaesetzes desto sicherer aufrecht erhalten zu tönnen. Es sollen auch noch die formalen Vor­schriften über die Anmeldungen von Aenderungen der Statuten und des Personenstandes der Ver­eine, und über die rein gesellschaftlichen Versamm­lungen unter freiem Himmel geändert werden. Ob zu denpraktischen Unzuträglichkeiten", die dadurch gänzlich beseitigt werden sollen, nicht auch der Gebrauch der polnischen Sprache in öffentlichen Versammlungen gehört, s agen sie nicht. Nachdem das Oberverwaltungs - Gericht abermals die Auslegung, die der Polizei-Mini­ster dem Gesetze gern gegeben haben möchte, ab­gelehnt hat, können wir uns doch nicht gut den­ken, daß die Regierung eine Novelle vorlegen sollte, die gerade von derReform", die der Minister feierlich angekündigt hat, nichts enthielte. Uebrigens würde, wenn einmal eine Novelle vor­liegt, vom Landtage aus der Versuch zu allerlei weiteren Verbesserungen des Vereins- und Ver­sammlungsrechtes gemacht werden, und dann würde wahrscheinlich Heller Streit darüber ent­brennen.

andere find dadurch reich geworden, ich hatte leider nUt Wachsende Bestürzung, Äerger un'- Zorn spiegelten sich in dem hageren Gesicht des alten Mannes.

All' das schöne Geld ist fort?" fragte er.

Ich habe noch Schulden dazu!"

So bist Du ruiniert?".

Noch nicht, aber im nächsten Monat, wenn es zur Abrechnung kommt, werde ich'S sein."

Durch Deinen Leichtsinn find wir uun beide Bettler geworden!" fiel der Verwalter ihm zornig ins Wort.Weshalb habe ich nun mein ganzes Leben lang gearbeitet? Wo ist das ruhige Alter, daS ich mir zu sichern gedachte?"

Wälz' nicht auf mich alle Schuld", spottete sein Sohn.Wer hat mich in meiner Jugend auf die leichtsinnige Bahn geführt? Wer zwang mich, die Rote eines Versuchers und Verführers zu spielen? Wer lehrte mich, an solchem Leben Geschmack zu gewinnen? Wer gab mir den Gedanken ein, Bankier zu werden, und wer predigte mir täglich, daß nur der Reichtum Macht und Glück verleihe? Da hast Du nun die Re­sultate Deiner Erziebuvg; die Borwürfe, die Du mit machen willst, treffen Dich selbst."

Und daS ist der Dank, den ich von Dir zu er­warten habe?" brauste der alte Mann auf.Dir habe ich alles gegeben"

Reg' Dich nicht auf, Vater; was Du mir gabst, hattest Du ohne Mühe erworben. Wäre ich in meinen Spekulationen glücklich gewesen, so würdest Du mich heute einen gescheckten Kerl nennen; nun eS anders gekommen ist, wird alle Schuld mir in die Schube geschoben. Ick frage noch einmal: war nun ? Kennst Du noch ein Mittel, durch das wir uns Geld ver­schossen lönn'n?"

Hast Du denn gar nichts mehr?"

Ein paar tausend Taler find noch in der Kaffe; wir reichen damit nicht weit."

Aber wir kommen damit hinüber."

sondern sich zu Wahlmänsern wählen lassen unö als solche für den weifischen Kandidaten, auf den im übrigen nur wenige Stimmen ent­fielen, gestimmt. Auf Antrag des zuständigen Landrats verfügte sodann der Regierungspräsident die Einleitung des Disziplinarverfahrens auf Eutferrung aus dem Amte gegen den einen Gemeindevorsteher an, die beiden andern hatten inzwischen ihr Amt selbst niebergelegt, da dessen Vorgehen angesichts der Haltung der welfischen Partei gegenüber dem Bestände der preußischen Monarchie mit dem obrigkeitlich« Amte nicht für vereftibar erachtet wurde. Die emscheidende Disziplinarbehörde ift bekanntlich nicht die Regierung, sondern der Kreisausschuß und in höherer Instanz das OberverwaltungS- gerichl. Von einer Absetzung durch den Regre- rungsprästdenlen konnte sonach überhaupt nie die Rede sein.

* Der,Reichsunzeiger' veröffentlicht die Bekanntmachung, betreffend Ausnahme von de« Vorschriften des § 12, § 13 Abs. 1 des Gesetzes überzrinderarbeitingewerblicheuBelriebe» vom 30. März 1903.

* Während der Bundesrat selbst bereits am Donnerstag in die Ferien gegangen ist, haben seine Ausschüsse heute roch eine Sitzung abgkhaUen, um die Beratung über den Entwurf eines Gesetzes betreffend Kaufmanusgerichte, endlich zum Abschluß zu bringen. Dieser Ent­wurf soll dann in der ersten Vollsitzung bei Bundesrats nach Neujahr verabschiedet und als­bald beim Reichstage eingebracht roetdrn. Stach hem. ,Berl. Lok. Anz/ wir es nun wohl bei bet Angliederung der neuen Sondergerichte a« die bereits bestehenden Gewerbegerichte sein Be­wenden haben.

* In Crimmitschau haben etwa 200 Weber, Familienväter mit Frau und Kindern, die Drohung, im Falle der Ablehnung der Weihnachtsfeier aus der Landeskirche aus­zutreten, wahr gemacht, und den Austritt auf dem Pfarramte angemeldet. So wird die Agitation vom politischen auf das kirchlich- religiöse Gebiet hinübergespielt, und daß fie Boden fassen konnte, beweist, daß die Erbitte­rung äußerst stark ist.

* Bekanntlich hat der Hamburger Senat tu Verbindung mit der Hamburg-Amerika Linie aus derVeddel" geräumige Logier hallen für die slavischen, hauptsächlich aus Rußland kommende» Auswanderer erbaut, deren Modell bereits auf der Pariser Ausstellung große Aufmerksam­keit erregt hat. In diesen Hallen können etwa 1000 Auswanderer untergebracht werben und ist für die beiden christlichen Konfessionen je eine Kirche und für die Juden eine Synagage vor­handen. In der schönen und geräumigen katho­lischen Kirche hat der geistliche Vertrauensmauu des St. Raphaels.Vereins, Pastor Kisiele- wicz bereits seit längerer Zeit wöchentlich vier­mal besonderen Auswanderergottesdienst gehalten, bestehend zweimal aus nachmittägiger Andacht mit polnischer Predigt und darauffolgender Beichtgelegenheit und zweimal aus einer hl. Messe mit Spendung der hl. Kommunion. Die Kirche wurde am 10. ds. Mts. nachmittags 4 Uhr im

Deutsches Reich.

Berlin, den 21. Dezember 1903

[:] Die Rede« des Reichskanzlers gegen die Sozialdemokratie tollen tatsächlich auch amtlich verbreitet werden. Dec preußische Minist r des Innern hat an die Landräte und ersten Bürgermeister der Stadtkreise eine Ver­fügung erlassen, worin er es als wünschenswert bezeichnet, die Reden zur Kenntnis möglichst weiter Volkskreise zu bringen. Von der Ver­lagsbuchhandlung E. S. Mittler & Sohn werd ihnen eine Anzahl von Exemplaren einer dieser Reden auszugsweise enthaltenden Broschüre zu­gehen. Weitere Exemplare könnten sie von der genannten Firma zum Preise von 4 Mark für 100, 16 Mk. für 500, 28 Mk. für 1000, 250 Mark für 10000 Abdrücke bezogen werden. Der Minister ersucht die Adressaten, dafür Sorge zu tragen, daß die Verbreitung baldigst er­folgt und bei derselben jede Gemeinde (auch öie zum Kreise gehörigen Städte) berücksichtigt werden. Der ,Vorwärts' weiß zu berichten, daß 500000 Hefte mit den Reden verbreitet werden ollen, und höhnt natürlich darüber. Wir sind allerdings auch der Meinung, daß das Geld so gut wie ins Wasser geworfen ist.

** Den diplomatischen Beamten des Reiches in den Tropen und anderen heißen Gegenden ist das Anlegen einer besonderen, dem Klima angepaßten Tropenuniform gestattet worden. Eine Beschreibung derselben wird bei )er Reichsdruckerei demnächst erscheinen und da­selbst auch käuflich zu haben sein. Für die Koniularbeamten besteht eine Tropenuniform bereits feit 1899.

* Die Nachricht von derAbsetzung" einiger Gemeindevorsteher im Landkreise Eelle durch den Regierungspräsidenten in Lüne­burg wegen Ausübung ihres Wahlrechts zu gunsten eines welfischen Kandidaten ist nach der.Kreuzztg.' falsch. Drei Gemeindevorsteher hatten nicht etwa ihr bloßes Wahlrecht ausgeübt.

5>as Mcrzoral.

Roman von Ewald August König.

78 ------ Nachdruck verboten.)

Jtun ?" fragte er voll uugebulbig*r und doch auch zuversichtlicher Erwartung.Das Verhör ist schon beendet? Was hat Morray ausgesagt?"

Beendet ist alles, wenigstens für uns", erwiderte der Manu, während er mit feinem Tuch die nasse Stirne trocknete,Morray ist verhaftet, er rief mir z», daß er kein Erbarmen mit unS beiden haben werde.

Das Gesicht Eduards war fahl geworden, er setzte sich anf ben Zahlrisch und zog die Handschuhe wieder UNS.

Morray verhaftet?" fragte er seinen Vater. Weshalb?"

DaS konnte ich nicht genau erfahren, aber der Richt.r fragte mich, ob ich gewußt habe, daß dieser Mann ein Abenteurer s-i, ob ich auch wisse, daß Du ihm das Haarfärbemittel geliefert hättest! Ich habe Dich »nd mich herauSgeredet, so gut ich es in der Verwirrung konnte, sagte unter anderem auch, wenn Morray ei« Abenteurer fei, bann würdest Du viel Geld an ihm verlieren. Darauf meinte der Richter, Morray hätte Dir dafür auch Dienste geleistet."

Schlimm, lehr schlimm!" brummte Eduard. ,.Be­wiesen kann uns aber nichts werden. Wenn der 8<^oinbler mich antlagt, so sage ich ihm ins Gesicht, daß er lügt."

Wir: Dir sv rig helfen", brummte der Vater, der mit starrem B.rck vor fick hinschante,der Lump wird alles verraten, um sich selbst ans der Tinte herauszuhelsen!"

Wie ist es mtt dem Baron? Ist er schon ent- lassen?*

lind was dann?"

Wir müssen von vorne anfangen l*

Womit?" spottete Eduard.Kapftal müssen wir haben, wenn wir etwas erreichen wollen; mtt nicht» können wir auch nichts beginnen!"

Ich kann nichts schaffen."

Versuch'- bei dem Notar, die Kohle liegt «iS jetzt auf dem Fuß, der Baron kann Heu e noch ent­lassen werden, wenn der ungarische Abenteurer .i8e» sagt, ü)»8 er weiß. Und wenn man unS auch nicht» beweisen kann, so ist es doch möglich, daß wir ver­haftet werden und bann bleibt unS ber Bettelfack nicht erspart. Wir müssen heute abend noch abreifen, ich raffe alles zusammen, was ich noch habe, imWien« Hoi" in Brüssel sehen wir unS wieder."

Mit einem schweren Seufzer griff Der Verwalter nach seinem Hut, fein stechender Blick ruhte lange auf dem eisernen Geldschrank.

Ich will den Notar besuchen," sagte er,aber ich glaub», daß es vergebliche Mühe ist. Wie eS auch kommen mag, dieser Fuchs hat immer ein Hinter­pförtchen, durch das er entschlüpfen kann, er ist zu geizig, um einen Pfennig ohne Not ans zugeben.*

Mach' ihm die Hölle heiß und nimm mit, wo» nicht nagelfest ist, eS kommt jetzt ja alles au; ein» heraus,' riet sein Sohn.Ich kann mich damit nicht länger beschäftigen"

Denkst wohl ans Mittagessen?" höhnte der alte Mann.Mir ist der Appetit vergangen!'

Mr auch, ich muß nun noch arbeiten, nm alle» vorzubereiten. Wir sehen uns wohl heut nicht wieder.? Also in Brüssel, .Wiener Hof", ich werde dort auf Dich warten, bring' eine hübsche Summe mit.*

Der Verwalter wollte noch etwas sagen, aber fern So n stand schon vor dem Schreibpult und blätterte in den Papieren; mit einem Seufzer verließ er das Han».

Der Notar Tellenbach ließ fick durch den Besuch des Verwalters in seinem Mittagessen nicht stören.

(Fortsetzung folgt.)

§ Lanütagsvorlagen.

Aus den Mitteilungen ber Presse über die wasserwirtschaftliche Vorlage ist nicht klug zu werden. Sie widersprechen einander und beruhen offenbar zumeist auf Vermutungen und auf Kombinationen einzelner alter und neuer Tat-1 fachen. Allem Anschein nach ist die Regierung selbst noch zu keinem endgültigen Entschlüsse gekommen und will diesen bis zur Einbringung der Vorlage möglichst geheim halten. Die Mel­dungen über Verhandlungen mit denmaß­gebenden" Parteien scheinen sich darauf zu be-1 ziehen, daß die Regierung, ehe sie einen Beschluß faßt, bei den Konservativen anklopft, um zu hören, was sie wohl durchsetzen könnte.

Von einem Verzicht auf die Kanalvorlage ist offenbar keine Rede. Auch fcheinr die Regierung an der Verquickung des Hochwafferschutz- mit dem Kanalplane festzuhalten. Ob wir mehrere Vorlagen oder nur eine zu erwarten haben, ist noch nicht recht zu ersehen. Wenn aber mehrere kommen, so soll nach Absicht der Regierung das Schicksal der einen mit dem andern möglichst enge verquickt werden. DaS ist aber eine schwierige Sache. Denn von den Maßnahmen zur Ver­hütung oonHochwafferschäden kann man behaupten, daß sie unter allen Umständen notwendig und dringend find. Von den Kanalbauten läßt sich das in gleicher Weise nicht behaupten und da­rum kann die Regierung sich nicht wohl auf den Standpunkt stellen: wenn die Kanalplane nicht bewilligt werden, nehmen wir auch die Ver­besserung der Wafferverhältniffe von Oder, Spree, Hanel usw. nicht vor.

In dieserNotlage" scheint sie sich ent-1 schlossen zu haben, den konservativen Kanal­gegnern entgegenzukommen und das diesen an­stößigste Stück, den eigentlichen Mittellandkanal, die Verbindung von Weser und Elbe, fallen zu lassen. Es soll, heißt es, nur der Dortmund- Rheinkanal und die Strecke von dem Dortmund- Emshafen-Kanal bei Beverungen bis Hannover nnd in Verbindung damit die Verbesserung des Dortmund-Ems-Kanals, die Kanalisierung der Weser von Hameln bis Bremen und der Bau eines Zubringekanals von der Weser bis zum Hanptkanal bei Minden verlangt werden. Be- vmntlich hat das Zentrum die Hauptsache, die Beschränkung der Kanalvorlage auf den Rhein- Dortmund-Kanal bereits 1899 vorgeschlagen. Damals wollten die Nationalliberalen davon aber nichts wissen, weit sie die Kanalfrage als politischen Hebel benutzen zu können glaubten, mn die Konservativen aus ihrer Machtstellung zu verdrängen. Heute tut es ihnen längst leid, daß sie ans den Vorschlag nicht eingegangen sind. Wen« jetzt die Regierung vorschlägt, sich mit Teststrecken des Rhein Elbe-Kanals zu begnügen, so werden sie wohl nicht mehr Nein sagen. Sie