fltlM Montag, den 21. Dezember 1908.
30. Jahrgang
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daß alle diese Ausdrücke vom Standpunkte und vom Gesichtspunkte des Verfassers zu beurteilen find. Ein Beispiel möge das illustrieren: Wenn beim Pfingstw!. nder erzählt wird, es seien damals Menschen dabei gewesen „von allen Nationen, die unter dem Himmel sind" (Apostelgesch. 2, 5) — so fällt es gewiß keinem denkenden Erklärer ein, mit Berufung auf dieses Wort: „alle Nationen unter dem Hrmmel" an die Anwesenheit von Indianern und Feuerländern, Popuas und Chinesen, Eskimos und Polynesiern zu den ken. Vielmehr wiro jeder sich sagen, daß es sich bei dieser Angabe um die dem Verfasser bekannten Nationen handelt.
So ist auch in dem Flutberichte das Wort „die Erde" zu verstehen als die dem Verfasser bekannte Erde, wenn man überhaupt nicht statt „Erde" einfach „Land" lesen will: die Wasser bedeckten das Land.
Nebenbei sei bemerkt, daß der babylonische Flutbericht, welchem ebenfalls der Charakter der Sintflut als einer Sündflut bekannt ist, diese nur als eine örtlich beschränkte Flut kennt.
Der Versuch, den der Geologe Sueß gemacht hat, di? Allgemeinheit der Flut zu retten durch Annahme einer Erdbeben-Flutwelle, welche einen Flutberg aufgeworfen und rings um die Erde getragen, hat keine allgemeine Zustimmung sich erwerben können.
So hat denn auch in der Exegese die Anschauung von einer geographisch beschränkten Flut längst Heimatrecht erlangt und gegenteilige Behauptungen entbehrender stichhaltigen Begründung.
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ff(!) Die Ausdehnung der Sintflut.
W Anläßlich des „Babel-Bib.l"-Streites hat man der katholischen Exegese (Schrifterklärung) den Vorwurf gemacht, daß sie noch an der veralteter! und unhaltbar gewordenen Auffassung der Sintflut als einer die ganze Erde bedeckende Flut festhalte. .....
$;» Diese Behauptung zeigt wieder einmal, wie wenig vertraut diese Leute mit den Verhältnissen find, über welche sie reden. Selbst aus die Gefahr hin, Binsenwahrheiten aussprechen zu müssen, sei der Tatbestand richtiggestellt.
Gewiß, es herrschte lange fast allgemein die Ansicht, daß die von der heiligen Schrift berichtete große Flut die ganze Erde bedeckt habe, sodaß alle Lebewesen, Menschen und Tiere, mit einziger Ausnahme des Patriarchen Noe und seiner Familie und der von ihm in die Arche geretteten Tiere ihren Untergang gefunden haben.
Diese Avffaffung schien nach manchen Ausdrücken des Berichtes selbst geboten; außerdem sah man in den verschiedenen Flutsagen der Völker einen Beweis für die Allgemeinheit der Flut.
Hier aber mußten sofort Zweifel wach werden, als die ethnographische Forschung nach wies, daß der größte Teil der Menschheit eine Sintflutsage nicht kenne.
Andere Bedenken brachten die Resultate der Erforschung der Erdrinde.
Anfangs zwar, als die geologifchen (erdgeschichtlichen) Forschungen noch in ihren Kinderschuhen steckten, glaubte man einen Beweis für die alte Auffassung der Flut gefunden zu haben, in den Versteinerungen von Meertieren (Muscheln), die auf den Höhen der Gebirge sich fanden. Wie sollten diese auch anders da hinaufAekommrn sein, als durch eine Flut? und wie ließen sich die über die aanze Erde verbreiteten Mafien von Sand, Kies, Lehm, Gerölle und gröberen Ge
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schieben anders erklären, als durch die Sintflut? Der Name „Diluvium" für die letzte, der heutigen Erdperiode unmittelbar vorausgehende Formation der Erde bezeugt beute noch den alten Irrtum.
Dir fortschreitende Forschung erkannte bald die Unrichtigkeit dieser Gleichstellung von Diluvium und Sintflut.
So brach sich der Gedanke einer geographischen Einschränkung der Sintflut Bahn und gelangte mehr und mehr zur Herrschaft, je mehr man erkannte, daß zahllose naturwiffen- schaftliche Bedenken dagegen sprachen, und daß- der Text der biblischen Erzählung selbst eine solche Allgemeinheit der Flut nicht einmal selbst lehrt.
Die naturwissenschaftlichen Bedenken gksien die herkömmliche Auffassung der noachischen F ut entspringen den Angaben zunächst einmal betreffs der Rettung der Tierwelt. Wer einmal den Versuch gemacht hat, sich Rechenschaft zu ge en über den Re-chium der Erde an Tierarten im Tertiär und Diluvium, wozu ja die paläonto logischen Funde einen ausgezeichneten Anhatts- punkt geben, (manche Geologen wollen 2000 Arten von Säugetieren und 6500 Vogelar en berechnen!) — der wird sofort zur Erkenntnis gelangen, daß ein Unterbringen je eines Eltera- paares all' dieser Tierarten in einem auch noch so großen Schiff ein Ding der vollendetsten Unmöglichkeit ist. Die Zahl der in die Arche aufgenommenen Tiere schränkt zum Beispiel Hoberg auf die zum „Hausrat" der noachischen Familie gehörenden ein (Hoberg: Die Genesis, S. 71). Wie sollen vollends die Süßwafier-Fische am Leben geblieben sein, da doch eine allgemeine Flut die Salz- und Süßwaffe- ineinander mengte?
Endlich woher soll die Wasfermafie gekommen sein? Die Bibel selbst gibt hierfür nur natürliche Faktoren an als Ursache der Flut: Die Schleusen des Himmels öffneten sich und die Brunnen der Tiefe brachen auf. Und das soll genügen, um eine Wassermasse von 4,600,000,000 Kubik-Kilometer zu erzeugen, welche nötig war, um die Gebirge der Erde zu bedecken? Diese Frage stellen heißt sie beantworten, und zwar negativ; ganz abgesehen davon, daß ein so ungeheurer und so lange andauernder Regen, d. h. gleichzeitiger Regen auf der ganzen Erde, wiederum ein Ding der Unmöglichkeit ist.
So blieb denjenigen, welche von einer Einschränkung der Sintflut nichts wissen wollen, nur der Ausweg, eine geradezu unendliche Zahl von Wundern anzunehmen.
Jndeffen, wie steht es denn mit dem Texte der Bibel? Will denn dieser überhaupt eine „allgemeine", die „ganze Erde" bedeckende Flut?
Man darf nicht übersehen, daß man sich zunächst auf den Standpunkt des Verfassers stellen und seine Anschauung, seine Kenntnisse von den betreffenden Dingen berücksichtigen muß: kurz.
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“ * Ein sonderbarer Hof. Nach Meldungen aus Korea sind die Hoffestlichkeiten, die im vorigen Monar am Jahrestage der Unabhängigkeitserklärung Koreas in Ssoul stattfinden sollten, wegen einiger betrübender Vorfälle in der kais»rlichen Familie abbestellt worden. Zunächst erkrankte ein Prinz, der Sohn der Lieblingsgattin Eum, an den Masern; dann stieß dem Kaiser selbst ein Unglück bedenklichster Art zu. Die koreanische Zeitung .Hoang-Sveug' schreibt darüber: „Während des gestrigen Frühstücks brach Sr. Majestät ein Zahn entzwei. Der Vorsteher und die Angestellten der kaiserlichen Küche wurden abgesetzt und werden zur Bestrafung vor Gericht gezogen Ein auf der Durchreise in Ssoul weilender amerikanischer Zahnarzt wurde sofort zum Palast beschieden, und es gelang ihm, das Uebel zu beseitigen, wobei er sorgfältig jede Anwendung von Stahlwerkzeugen vermied, um den hohen Kranken nicht zu erschrecken. Das Gericht verurteilte den Küchenvorsteher zu dreimonatiger Gehaltsentziehung. Der Kaiser ließ oh der großen Leistung dem amerikanisS en Zahnarzt 1000 Den (an 2000 Mark) auszahlen. Zur Feier der Genesung des Kaisers und seines Sohnes wurden große Festlichkeiten veranstaltet.
* Ein Höhlenbewohner. Im Waldgebirge Jeiz- quibel, deffen Fuß, nahe der französischen Grenze, von den grünen Fluten des kantabrischen Meeres bespült
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wird, wurde vor» den Grerzwächlern ein dürftig Tierfellen bekleideter xrb mit einer Sleinaxt bewaffne cer Man» abgefaßl, deffen «udes Aussehen noch durch einen dichten verwahrlosten Bari urb lang herab- hängendes Haupthaar erhöht wurde. Er hatte sich bei« Herannahen der Wächter in eine Höhle geflüchtet, wo er nach schwachem Widerstand festpenomwen wurde. Die Beamten brachten daS seltsame Wesen nach Fueu« trrrabie und dort erregte sein Erscheinen großes Aufsehen. Von den Behörden befragt, erklärte der Trog- lodyt, er heiße Prudencio San Sebastian, fei 28 Jahr« alt und früher im Findelhause von San Sebastian gewesen. Er habe längere Zeit als Knechtin verschiedene» Dörfern des Vaterlandes gedient, vor etwa l1/» Jahren aber keine Arbeit finden können, und iw grüßten Elend sei er in den Wald geflohen, wo er sich von Eiern, WaldfrüchtenundamMeeresstrand aufgelesenenMuscheln ernährte. Er habe auch verirrten Schafen und grasende» Rehen aufgelauert und sie mit seiner Steinaxt erschlagen. Da er kein Feuer hatte, aß er das Fleisch der erlegten Tiere roh. Seine Wohnung hatte er in der Höhle aufgeschlagen, in der seine Gefangennahme erfolgte, und deren einzige Ausstattung in einem Mooslager bestand. Des armen Burschen rahmen sichnun mildtätige Leute an.
* Hoch in die Lüfte. lieber das Reich der allerhöchsten Zirruswolken hinaus, in eine Höhe von 19000 Metern über Meer drang, wie die .Züricher Ztg/ berichtet, das am 3. ds Mts. von der schweizerischen meteorologischen Zeutralanstalt lanzierte Registrier- Ballonpaar empor. Es brauchte kaum 55 Minuten, um jene riesig hohe Luftschicht zu erreichen, während die mehr als 100 Kilometer betragende Distanz bis zur Landung an der badjsch württembergischen Grenze in 1 Stunde 45 Minuten zurückgelegt wurde. Bereits in der Höhe von 13000 Metern machte sich an den Re- gistrier Jnstrumenten eine Temperaturzunahme bemerkbar, und in der Maximalhöhe von 19000 Metern betrug die Kälte nur 59 Grad Celsius unter Null, während —75 bis —80 Grad erwartet wurden. Die auffällige .Wärme" in den höchsten Regionen unserer Atmosphäre soll mit starken Strömungen in der irdischen Lufthülle zusammenhängen.
* Was er voranLsicbt. — Lehrling: „Du, Sepp, jetzt wird es mir schlimm gehen! Früher bad'n ich und der Tiras mitsammen die Schräg' kriegt, heut' hat sich aber der Meister in d.n Tierschutz-Verein aufnehmen laffen, da bekomm' ich sie jetzt a wtß nur allein!"
* Die Mnstcr-Äiuder. — Er: „Zum Donnerwetter ! Ob doch ein Mal, wenn ich ein frisches Hemd anzi.he, ein Knopf daran sein wird?" — Sie (sich im Lesen eines Romans unterbrechend): „Ich begreife Dich nicht, Du bist ein erwachsener, verständiger Mann und machst solch' ein Aufheben, wenn ein paar Knöpfe fehlen. Schau' die Kinder an, da ist das ganze Hemd zerrissen, und sie sagen kein Wort!"
* Gedankensplitter. Bus einen, der durch (einen Charakter unglücklich fit, kommen zehn, die durch ihre Charakterlosigkeit glücklich find. — Keiner ist so übermütig, als ein Dummkopf, d-m etwas geglückt ist.— Warum so qualvoll ist das Zähnereiß-n? Weil man den Schmerz dabei nicht kann verbeißen! — Wenn jeder auf das Recht so erpicht wäre, wie auf sein Reckt, so brauchten wir weniger Rechts gelehrte.
* Sicheres Zeichen. Leutnant (zum Burschen seiner Kameraden): „Nun, Müller, wie geht's Ihrem Herrn?" — Bursche: „Oh, meinem guten Leutnant, es geht ihm noch nicht besser. Er wov e mir heute einen Stiefel an den Kopf Wersen, aber er hatte noch nicht die Kraft dazu."
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