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30. Jahrgang.

fUlda, Montag, den 21. Dezember 1903.

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gelegt werden.

* Für die nächste Tagung des Landtages steht nach dem ,Berl. Lok.-Anz/ eine Novelle zum Vereiusgesetz vom 11. März 1850 in Aussicht, durch welche die zur Zeit bestehenden Beschränkungen der Frauen in der Teilnahme an politischen Vereinen und an von solchen ver­anstalteten Versammlungen in der Hauptsache beseitigt werden sollen. — Soll die Novelle nidi: vielleicht auch den Gebrauch der polnischen Sprache in öffentlichen Versammlungen verbieten ode.

einschränkend Der Minister des Innern hat das dock in Aussicht gestellt.

[] Postkouvention zwischen dem deut- che« Reiche und de« Niederlande«. Die n den Niederlanden von der Handelskammer zu Itrecht unterstützte, im deutschen Reiche von ver- chiedenen Handelskammern angeregte und durch Eingaben an die zuständigen Behörden geförderte Bewegung zur Herbeiführung des Abschlusses ines deutsch - niederländischen Postabkommens, >urch welches das Postporto, ähnlich wie zwischen Oesterreich-Ungarn und dem deutschen Reich, auf die Sätze des" Jnlandverkehrs gebracht werden oll, ist, wie die Verbandszeitung für die Vereine lreditreform (Leipzig) berichtet, kürzlich bei den christlichen Verhandlung in der Zweiten Kammer der niederländischen General-Staaten ■ ur Sprache gekommen. Einzelne Mitglieder äußerten den Wunsch, daß eine Postunion zwi- chen den Niederlanden und dem deutschen Reiche >erbeigesührt werde, und man wies darauf hin, aß durch ein derartiges Abkommen vielleicht der Veg gebahnt werden könnte zum Abschluß einer Postunion mit einem erniedrigten und gleich­mäßigen Portosatz zwischen den verschiedenen europäischen Ländern, was den Interessen von Handel und Verkehr außerordentlich sörderlich sein würde. Es wurde auch Auskunft darüber erdeten, ob über diese Frage zwischen den beiden beteiligten Regierungen bereits Besprechungen stattgesunden hätten. Tie niederländische Regie­rung antwortete darauf, zwischen ihr und der deutschen Regierung seien üver diesen Punkt bis jetzt noch keine Unterhandlungen gepflogen, doch würden beim nächsten Postkongreß in Rom An­träge betreffs einer allgemeinen Tarifcrmäßigung und Erhöhung der Gewichtsgrenze für Briese, die zum einfachen Normatportosatz im inter­nationalen Verkehr zu befördern sind, zur Be­ratung kommen. Bekanntlich hat sich auch in seiner Sitzung vom 7. und 8. Dezember 1903 der Ausschuß des deutschen Handels­tages mit diesem Gegenstände befaßt und sich dafür ausgesprochen, daß die Frage der Grün­dung engerer Postvereine mit den Nachbarländern nach dem Muster des Vereins mit Oefterreich- Ungarn von Handelstags wegen verfolgt werde.

* Die Korrespondenz des Evangelischen Bundes entgegnet scharf auf den Artikel der .Kreuzztg/ über den Bund. Sie bestreitet selbstverständlich, daß der Bund Politik treibe. Sein Verhallen bei den Wahlen sei nur von konfessionellen Erwägungen bestimmt gewesen; er habe keine politische Partei als solche begünstigt oder bekämpft, sondern nur je nach ihrer Stellung zu dem konfessionellen Zwecke des Zentrums. Gegen die .Kreuzztg/ spielt die .Korrespondenz' den .Reichsbote'aus. Der will davon aber nichts wissen. Wenn er von dem Bunde so angegriffen würde wie die .Kreuzztg/, würde er sich gerade so verteidigen wie diese. Man könne es der .Kreuzztg/, die stets für die Interessen der evan­gelischen Kirche eingetreten sei, nicht verdenken, wenn sie darüber entrüstet sei, daß ihr evangelischer Charakter in der Preffe des Bundes deshalb an»

„kkinun Sir diesen Herrn?" fragte der Gerichtsrat „Persöalich nicht."

„Hat er bei Ihnen keine Einkäuse gemacht?" „Nein."

„Betrachten Sie sein Haar genau ! Ist dieses röt­lich schimmernde Schwarz Naturfarbe oder künstliche Färbung?"

„Gefärbt, Herr Gerichtsrat!" sagte Burger mit üi.erzeugender Zuversicht, „nach meinem Gutechten muß d e Grundfarbe rot sein."

„Oder strohgelb. Wäre dar nicht möglich?" „Gewiß".

„W,!che Mittel bat man gegenwärtig dafür?" „Ich selbst besitze ein ausgezeichnetes Mittel —" „Haben Sie dasselbe in den letzten Tagen ver­kauft?"

„Jawohl", nicke Burger, „vor etwa acht Tagen kaufte der Herr Bankier Schreiber twe Flasche, gestern bestellte er wieder eine Flasche, und als ich sie ihm brachte, begegnete dieser Herr mir im Hause deS Bankier-"

„Es ist gut", sagte der Richter nach kurzem Nach­denken, „Sie können gehen "

Gras Morray erkannte, daß er nun entlarvt und aller für ihn verloren war; er begriff das nicht. Er könnt- nur annehmen, daß Schrerber selbst ihn ver­raten batte, um seinen Verpflichtungen sich zu entz-ehen; vielleicht lag diesem Manne nick» mehr an der Berurleilung des Barons — vielleicht auch fand er es ratsamer, Partet für den Baron zu ergreifen, und die Ehrlichkeit seiner Absichten dadurch zu beweisen, daß er setbst den falschen Zeu-ren entlarvte.

„Nun ?" unterbrach der Untersuchungsrichter den Gedankrngang des Zügen. „Wollen S e betonen, daß Sie dec Manu find, der in diesem Steckbrief be­schrieben ist?" , . n

„Der Bankier Schreiber ist ein elender Lump', fuhr Graf Morray auf

Der Richter wechselte mit dem Jntpektor einen bedeutungsvolle« Mick, sie hatten erreicht, was sie wollten.

»uzei-en: Vie ei» spaltige Petitreile *« deren Baun 15 psr Reklamen di« petitzeU« 25 Pf-.; bei Wieder­holungen wird entfpr. Babatt gewährt.

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Zchrtflltiter-.Iof.vaum L ÄötÄL Mch-Mii-ge: „Illustrierte Sonntagzzeitung

gezweifelt wäre, weil sie die Notwendigkeit des Zusammengehens mit dem Zentrum in vielen politischen Fragen gegenüber dem Liberalismus stärker betone, während anderseits die Preffe des Evangelischen Bundes sich viel enger und näher zu der in kirchlicher Beziehung sehr fragewürdigen nationalliberalen Partei stelle, als die .Kreuzztg/ zu dem Zentrum. In einer Versammlung konservativer Redakteure aus ver­schiedenen Teilen Deutschlands sei kürzlich be­hauptet worden, der Evangelische Bund gewänne mehr und mehr den Anschein eines Vorspanns für die nationalliberale Partei. Gegen den Bund ist der .Reichsbote' jedock grundsätzlich viel fried­licher gestimmt als die .Kreuzztg/, weil er findet, daß der Bund eine mehr positive Haltung ein­nehme seit dem Eintritt vieler positiver Mitglieder. Wo mag denn das Pastorenblatt das „Positive" beim Bunde entdeckt haben?

- * Die im Reichsamt des Innern zusamwkn- gestellten Jahresberichte der Gewerbea«f- sichtsbeamte» und Bergbehörden für das Jahr 1902 liegen nunmehr nach Erscheinen des 4. (Register-) Bandes vollständig vor. Diese Reichs­ausgabe kann fortan durch den Buchhandel be­zogen werden. Sie ist zum Preise von 2-4,50 Mark in R. von Deckers Verlag in Berlin er­schienen. Einzelne Bände des Werkes werden nicht abgegeben. Die Bände 1—3 bringen in unverkürzter Form die Berichte der Gewerbeauf- fichisbeamten der einzelnen Bundesstaaten. Band 4 enthält neben einer Zusammenstellung des den Berichten beigegebenen statistffchen Materials und dem Verzeichnisse sämtlicher GewerbraufsichtS- beamten und chrer Bezirke ein aussührliches Ge- somtregister, das durch kurze Hinweise auf den Inhalt der einzelnen, unter einem Stichwort angeführten Stellen die Benutzung des Werkes erleichtert.

* Zu den letzten Vorgängen in der Poleu- fraktiov, insbesondere der Aufnahme des Adg. Kulerski in die Fraktion veröffentlichen die Herren v. Czarlinski, Pfarrer Dr. v. Wolszlegier, Pfarrer Dr. Thokarski und v. Gtiorski eine Er­klärung, in der sie daraus Hinweisen, daß die Wahl Kulerskis durch Sezession zustande ge­kommen sei, daß ferner das weftpreußische Zentralwahlkomitee, dem auch die Genannten an­gehörten, gegen die Ausnahme des Abg. Kulerski in die polnische Reichstagsfraklion protestiert habe, daß dieser Protest jedoch nicht berücksichtigt worden sei. Diese Haltung der Fraktion sei um so weniger erklärlich, als Kulerski die sezessionistische Wahl in einer Wählerversammlung in Tuchel gelobt habe. Aus diese Weise sei ein Widerspruch entstanden zwischen der polnischen Fraktion und den genannten Mitgliedern des Zentralwahlkomitees sowohl hinsichtlich der Auf- faffung der Solidarität, die sich auf die polnischen Wahlorganisationen stütze, als auch bezüglich der notwendigerweise daraus sich ergebenden Kon­sequenzen. Angesichts deffen müßten sie sich sagen, daß sie nicht mehr auf dem Boden ständen, auf dem ihres Erachtens die loyale und durch die bisher berechtigte polnische Wahlorganisation

„Nein," antwortete er mit u sicherer Stimme, „wenn dem so ist, so glcüLc ick, daß mein Sohu viel an ihm verlieren wird."

„Dafür hat er ja ihrem Sohne auch Dienste ge­leistet."

„Davon weiß ich nichts."

„Die Sache wird untersucht werden," sagte der Richter, ihn durchdringend anblickend, „es steht bereit! est, daß Ihr Sohn Liest m Schwindler das Mittel zum Färben des Haares geliefert hat." *

„Auch davon ist mir nichts bekannt," eewiderte der alte Mann, der seine Fassung nicht wiederfiuden konnte.

„Nun. es wird sich ja Herausstellen, ob und in welcher Werse dieser Abenteurer mit Ihnen im Bunde war," entgegnete der Richter ruhig, durch die vorhi« gemachten Enthüllungen hat die Untersuchung eine andere Wendung genommen; für heute ist das Verhör geschloss n "

Ein befehlender Handwink verabschiedete den Ber- we-lter, der gleich einem Trunkenen mit schwankenden Schritten hinausginz.

Der Inspektor trat aus dem Nebenzimmer wieder ein.

„Die Schurken hatten kein schlechtes Netz um den jungen Baron gewoben", sagte er triumphierend. „Der Zufall kam ihnen dabei zu Hilfe; wäre dieser un­garische Graf nicht entlarvt worden, für Freiheit und Ehre der Barons hätte ich kaum noch einen Heller gegeben/'

„Aber wo ist nun der Schuldige?" fragte der Richter, der in dem großen Zimmer auf- und ab­wanderte. „Ick muß allerdings annehmen, daß die Aussagen des Angeklagten wahr find, aber kaun ec nicht dennoch der Täler sein? Kann er nicht den Schuß aus seinen Vormund abgefeuert und dann die Büchse wieder geladen haben, um sie im Beisln des Zeugen nochmals abzuschußen?"

„Nein, das glaube ich nicht", erwiderte der In­spektor, „daS setzt eine Ueberlegung Vorau», die ick nur dem ersahrerpen, kaltblütigen Verbrecher zutrane.

Deutscher Reich.

Berlin, den 19. Dezember 1903.

* Der Schwarze Adlerordeu ist im Jahre 1903 sieben mal verliehen worden, und zwar am 27. Januar an den früheren Präsi- taüen des Abgeordnetenhauses v. Köller, am 3. April an die Prinzen Karl und Harald von Dänemark, am 4. April an den Prinzen Ludwig von Italien, am 6. April an den Prinzen Friedrich Karl von Preußen, im Juni an den Erbprinzen Wilhelm von Hohenzollern, und am 18. September an den Erzherzog Leopold Salvator von Toskana. — Von Rittern des Schwarzen Adlerordens sind im Laufe dieses Jahres ge­storben: Staats« inister Dr. v. Delbrück am 1. Februar, Herzog Nikolaus vorr Württemberg am 22. Februar, und König Alexander von Serbien am 11. Juni.

§§ Der Landtag dürfte zum 12. Januar einberufen werden. Ein endgültiger Beschluß Mer den Tag der Einberufung ist den .Bert. W. Rachr/ zufolge allerdings noch nicht gefaßt. Woru irgend möglich, sollen die wafferwirtschaft. Rchev Vorlagen dem Landtage bei seinem Zu- * sauunsntritt oder unmittelbar nach demselben zu- §ehe», damit eine möglichst baldige Verabschiedung urck so die beschleunigte Inangriffnahme der dringlichsten Arbeiten ermöglicht werde. Zur Erreichung dieser Absicht würde es, schreibt das genannte Organ, int höchsten Grade erwünscht sein, wenn in dem Landtagsabschnitte vor Ostern nicht blos die erste Lesung, sondern auch die üommiffarische Vorberatung dieser Hochwasser- schutz- und Verkehrsunternehmungen umfaffenden Vorlage zu Ende geführt werden könnten. Als­dann würde bald nach der Osterpause die zweite und dritte Lesung im Plenum und daran an­schließend die Beratung im Herrenhause erfolgen können, so daß noch im Laufe des nächsten Sommers an die Durchführung der vorgesehenen «aAerwirtschaftlichen Unternehmungen gegangen werden könnte.

* Der Kaiser hat genehmigt, daß versuchs- weift bis zum Jahre 1911 einschließlich die regelmäßigen Musterungen der Truppen nicht in zweijähriger, sondern in dreijäh­riger Wiederkehr stattfinden. Nach Ablauf des Zeitraumes soll das Kriegsministerium dem Kaiser einen Bericht über die gemachten Er­fahrungen erstatten. Die Generalkommandos, die Generalinspektion der Fußarlillerie sowie des Ingenieur- und Pionierkotps und der Festungen, ferner die Inspektion der Verkehrstruppen sollen während der Versuchszeit befugt sein, aus gründ ungünstiger Musterurgsergebntffe für einzelne Truppenteile die nächste Musterung bereits nach

Acts "pRajoraf.

Roman v on & io alb August König.

78 ------ (Nachdruck verboten.)

„®h weilen noch nicht lange hier?" fuhr der Richter fett, ohne von dieser Bemerkung irgerb welche Notiz zu nehmen.

„N«n, und —"

„Bitte um Entschuldigung: was veranlaßte Sie, aus Haus Eichenhorst einen Besuch zu wachen?"

„Eine Aeußerung deS Grafen Zichy, mit dem ich schr befreunder bin. Er bat mich, dem Herrn Baron Kurt v. Darboren seine Grüße zu biing-n."

„Graf Zichy will von der Bekanntschaft mit Ihnen nichts wiffen."

„Wer behauptet das?" fuhr Graf Morray auf, ber seine innere Unruhe nicht verbergen konnte, so gewaltig er fick auch bezwang.

„Er selbst," antwortete der Richter ruhig, „darum «ck zögere ich, den Eid zu fordern, den Sie mir an- •teten."

„Wollen Sie nicht der Wahrheit die Ehre geben, Herr Joseph Cundel?" ftagte eine Stimme dicht hinter lern Zeugen, der mit sichtbarem Erschrecken sich um­wandte und den alten Herrn mit einem stechenden Blick musterte.!

Der Inspektor entfaltete mit der größten Ruhe eine Zeitung und las den Steckbrief vor.

„Es stimmt alles, außer der Haarfarbe", sagte er, „aber mau hat ja Mittel, um strohgelber Haar schwarz M färben."

DaS Antlitz Graf Morrays war abwechselnd todes- Aeich und wieder glühend rot geworden; er wollte Grecheu, aber die Stimme versagte ihm, diese direkte «»klage hatte ihn mit furchtbarer Wucht getroffen.

Wieder zog b-r Richter an der Glvckenscknur^tt Muern: „Habe die Eire!" trat ber Friseur Burger

„Josepy Cundel, ich frage Sie, wollen Sie bte Aussage, die Sie vorhin gemacht haben, zutückuehwer. ?" versetzte der Gerichtsrat mit gehobener Stimme. „Ich habe Ihnen den Eid noch nickt abgenommen, weil ich wußte, daß Ihre Aussagen falsch waren."

„Und wenn ich es tue, werden S°e mich dann entlassen?"

„Ihre Entlassung ist unmöglich, da Sre an die Behörde, die Sie sucht, abgeliesert werden muffen."

„O, so verhalten Sie mich?"

„Allerdings, und als verständiger Mann werden Sie e'nsehen, daß Sie dagegen nicht protestieren können!"

Gras Morray zog die Unterlippe zwischen Die Zähne, sie gruben sich so tief ein, daß sie ficktbare Spuren hinterließen.

„So taffen Sic mich sortsühren," sagte er mit heiserer Stimme, „ich bin augenblicklich nickt im Stande, Ihre Fragen zu beantworten."

Der Gertchtsdierer stand bereits an der Tür deS BerhörzimmerS; Graf Morray folgte ihm, ohne noch ein Wort zu verlieren. .

Als er auf den Korridor binauSirat, fiel fern Blick auf den Verwalter, der ebenfalls zum Verhör geladen war. ,, t

„Schurke I" tief er, mit den Zähren knirschend. „Sie und Ihr Sohn glauben mich betrügen zu können, ich werde kein Erbarmen mit Euch beiden haben!"

Der Verwalter war im höchsten Grade bestürzt, er wollte eine Frage an ihn richten, aber der Gerichls- bientr verbot es ihm, und der Vkrhastete girg mit haßerkülltem Blick an itm vorüber.

Gleich darauf wurde der alt: Mavn ins Berhör- zimmer beschieden, in völliger Verwirrung stand er vor dem Unterfuchunssrichter.

„Ist es Auen bekannt, daß dieser Gras Morray ein steckbrieflich verfolgter Abenteurer ist?" fragte der Gerichtsrat scharf.

Diese Frage verwirrte den Verwalter noch mehr, er hatte durch den unerwarteten AuSgang, den die Sache so plötzlich nahm, feine Fassung vollständig verloren.

zwei Jahren anzucrdnen. Das Kriegsmimsterium bat die Ernächtigung erhalten, die für eine Vereinfachung des Mufierungsgeschäfls wahrend der Versnchsjahre nötigen Anordnungen zu treffen.

§ Hauptmann v. Grolmanu, der Kornpagnie- ches des Soldatenschinders Breidenbach, war be­kanntlich von dem Kriegsgericht der 1. Gardettffatiterie- Divifion zu vier Wochen Stubenarrest uerur« teilt worden, weil er in schuldhaft fahrlässiger Werse Mißhandlungen Untergebener ^gelassen hat. D Bestrafung des Hauptmanns v. Grolmann, des Eh ess bet 11. Kompagnie des 4. Garderegiments zu Fuß, war auf Grund des § 147 des Mrlrtar-Strafgesetz- buches erfolgt, welcher lautet: „Wer bte ,thm ob­liegende Beaufsichtigung feiner Untergebenen m schuld­hafter Weise versäumt, oder, wer bte ihm obliegende Meldung oder Verfolgung strafbarer Handlungen Nnter- gebener vorsätzlich unterläßt, wird mit Freiheitsstrafe bis xu 6 Monaten bestraft. Gegen Offiziere kann zu­gleich auf Dienstentlaffung erkannt werden." Gegen die ihm zuerkannte Strafe hatte der Berurtetlte Be­rufung bet dem Oberkriegsgericht des Gardekorps ein­gelegt. Am Freitag kam die Sache vor diesem zur Verhandlung. Der Verteidiger v. Grolmanns, Rechts­anwalt Ullrich, gab vor Eintritt in die Verhandlung folgende Erllärung ab: „Nach dem mir vorliegenden stenographischen Bericht hat der Kriegsmtntster im Reichstage heute vor acht Tagen folgendes erklärt: „Wenn das (Soldatenmißhandlurgen) längere Zett m der Kompagnie vorkommt, so muß der Vorgesetzte unter allen Umständen davon wiffen. Mir ist es unverständ­lich. daß so etwas vorkommen konnte, rote das tm Fall Breidenbach der Fall fein sollte." Ich bitte das hohe Oberkriegsgericht dringend, diese Aeußerung des Herrn Kriegsministers bei der Fällung deS Urteils unberührt zu kaffen und bei der Entscheidung vielmehr nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme und dem Juha» der Akten das Strafmaß bemeffen zu wollen." Oberst von Wester ha gen, der militärische Vorsitzende, errrnderte hierauf: „Es ist selbstverständlich, daß wtr nur aus das Ergebnis der Beweisaufnahme, forote den Inhalt der Akten hin urteilen." Es war wiederum ein großer Zeugenapparat von Offizieren, Unteroffizieren und G^ meinen aufgeboten worden. Etwas wesentlrch neues ergab die Verhandlung nicht. Das Urteil lautete auf 14 Tage einfachen Stnbenarrest. In ferner Urteils^Begründung hob der BerhandlungSsührer her­vor, daS Berufungsgericht habe die Ueberzeugung ge- roonnen, daß der Angeklagte es unterlassen habe, tn ausreichender Weise die Aussicht der Untergebenen aus­zuüben. Es sei nach Ansicht des Berufungsgerichtes die Pflicht gewesen, in jedem der einzelnen Fälle sich nicht mit den Angaben der Mißhandelten, daß bte Ver­letzungen vom Fallen herrührten, zu beruhigen. Es sei vielmehr seine Pflicht gewesen, hier nachdrücklichst einzugreifen und alles zu versuchen, um bte Werhrhert zu ergründen, umsomehr, als er wußte, daß Orelden- bach ein erregter Mensch gewesen. — Wenn man den Angeklagten einmal der Pflichtverr.achlassiz«»g schurd g fand, dann ist die Strafe doch auffällig milde.

* Bei der in Berlin zu errichtenden Ha«p1lehra«stalt für Zoll- u«d Tteuer- beamte soll auch eine möglichst reichhaltige Warensammlung und zwar entsprechend den durch den neuen Zolltarif geschaffenen Positionen an-