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fUlda, Freitag, den 18. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
Lin verkannter Kleeblatt.
Ihr Freunde, keiner tadle mich, Daß ich von Schweinen singe. Es knüpfen Kraftgedanken sich Oft an geringe Dinge.
Ludwig Uhland
Den Juden gilt das Schwein als ein unreines Tier, und in Folge deffen war der Genuß des Schweinefleisches verboten. Die sieben makkabäischen Brüder ließen sich eher töten, als daß sie von dem verbotenen Schweinefleisch aßen. Auch die Muhamedaner verabscheuen das Schwein wie die Pest.
Anders war die Austastung der alten Deutschen. Das in den Eichenwäldern an der leckeren Eichelmast sich labende Tier war dem Gotte Frö geheiligt. Die Wintersonnenwende war die dem Gotte geweihte Zeit, das Jubelfest, Gastereien und Spiele folgten auf ein feierliches Opfer im Tempel. Zum Nachtmahl trugen die Diener einen Sühne-Eber auf den Tisch und man legte auf dem Opfer das Gelübde ab, im beginnenden Jahre große und kühne Taten zu vollbringen. Dieser güldenborstiger Eber wird auch in Deutsch- lanv noch oft erwähnt. Im Ostergotland wird am Zulabende ein mit einer Schweinshaut überzogener Block (Yalbucken) auf den Tisch gesetzt, auf dem die Hausgenoffen einander ihren Treu- schwur ablegen. Auch das mit Lorber und Pomeranze geschmückte Schweinshaupt erinnert noch an die Eberopfer unserer heidnischen Vorfahren. In Oxford findet ein feierlicher Umzug im großen Saale des Queens-college mit einem großen Ebcrkopfe statt. In unseren Schweinemetzgereien findet man als Reklame bald mehr, bald weniger riesige Schweinebilder. In Holland
findet das Borstenvieh eine sinnigere Beachtung. Da sieht man neben der Türe des Ladens große Schweine, ruhig, still und geheimnisvoll, wie Sphinxe, die Vordertatzen ausgestreckt, mit boch- aufgerichtetem Kopfe. In der aufgeiiffenen Schnauze mit den weißen Zähnen halten sie eine rot-gelbe Orange. In die dicken Schwarten hat man ganze Verse aus der heiligen Schrift ein- gegraben, wie z. B.: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Veste verkündigt seiner Hände Werk" (Psalm 19 Vers 1) ober „Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm."
Die meisten Schweine werden in den kalten Wintermonaten geschlachtet. Insbesondere gilt der Dezember als der eigentliche „Schlackimonat". Es heißt auch der Blut-, Eber-, ^Schweins-, auch wohl der Speckmonat. Das Schwein in allen feinen vielseitigen Zubereitungen ist der „Löwe der Saison"; das Schlachtfest ist Zug- und Lockmittel. Sankt Nikolaus, der K'nder- freunb, reicht auch den Erwachsenen seine Gabe, die Bratwurst.
In einem Nürnberger Kalender aus dem fünfzehnten Jahrhundert heißt es:
Der lieb Herr Sand Niklas, Der heylig Himelfurst Der tötet uns die feinsten schwein Darin so find wir wurst Und auch die großen braten swer.
Der elsäffer Namen buchdichter Konrad Dang- krotzheim gibt dem Papste Sylvester, dem letzten und jedenfalls gefeiertsten Heiligen des Jahres, eine Wurst in die Hand:
Da kam der heilige bobest Silvester Und droht eine brotwurst in der Hende. Mit dem, so nimet das jar ein ende.
„Schwein" oder „Sau" bedeutet Glück. Das kommt daher, weil früher im Kartenspiel das Aß, die höchste Karte im Spiele, „Schwein" hieß. Da lebt doch wenigstens im Sprichworts das mit Unrecht so verachtete Schwein in ehrenvollem Andenken weiter. Und fürwahr, es ist ein Glück, „Schwein" zu haben in dieser kalten
Jahreszeit. Schon mancher Dichter hat das Loblied dieses guten, vortrefflichen, eine Fülle von vortrefflichen Tugenden in sich bergenden Borstentieres gesungen, keiner aber wohl so schön wie Ludwig Uhland in feinem heiteren „Metzel- suppenliede":
So fäumet denn, ihr Freunde nicht, Die Würste zu verspeisen. Und laßt zum würzigen Gericht Die Becher fleißig kreisen!
Es reimt sich trefflich Wein und Schwein Und paßt sich köstlich Wurst und Durst; Bei Würsten gilt's zu bürsten.
Bei dieser Gelegenheit gedenkt der Dichter auch dankbar der unvermeidlichen Beigabe zu „Schweinsknöchel", des Sauerkrautes:
Auch unser edles Sauerkraut, Wir follen's nicht vergefien;
Ein Deutscher hat's zuerst gebaut Drum ist's ein deutsches ©ffen.
Wenn solch' ein Fleischchen weich und mild Im Kraute liegt, das ist ein Bild Wir Benus in den Rosen.
In diesem Zusammenhänge sei zur Vervollständigung unserer kulinarischen Plauderei auch noch einer fast unentbehrlichen Zutat eines jeden Mittagsgerichtes erwähnt, der bescheidenen Kartoffel: des „Brodes der Armen", die aber auch auf der Tafel des Reichen gern gesehen wird. Die Kartoffeln (statt Tartufflen, wie noch gekürzt Tuffeln) stimmt sprachlich mit Trüffel, dem eßbaren Erdschwamm, überein und stammt wie die Pflanze aus Italien (tartufoli); denn von hier aus wurde die amerikanische Frucht durch einen aus Piemont vertriebenen waldensischen Kaufmann zu Anfang des 18. Jahrhunderts nach Deutschland, und zwar zuerst nach Württemberg eingeführt. Schön vergleicht bas Volk diese duftende Gabe mit den Aepfeln und nennt sie Erdäpfel, französisch pommes de terre. Auch Erdbirnen werden sie genannt ober, mit derselben Bedeutung, Grumbier das ist die Grundbirne ober Grümb- ling, wie die Kartoffel auch Geümblings- ober Knollenbaum hieß. Anbere volkstümliche Be
zeichnungen find: Nudeln, Erdbrot ober JakobS- apfel; letzterer Ausdruck rührt daher, weil die Frühkartoffeln Mitte Juli (25.: Jakobsfest) zur Reife kommt. Diese mannigfachen Benennungen laffen darauf schließen, welche wichtige Rolle die beliebte Erdfrucht in Leben und Nahrung des Volkes spielt. Der biedere Mandsbecker Bote' stellt in seinem „Kartoffelliede" die schmackhafte Speise, ans der die tüchtige Hausfrau viele leckere Gerichte zu bereiten weiß, übet Austern und Lampreten; er meint: Und viel Pastet und Leckerbrot verderben Blut und Magen. Wetter- hin singt er zu ihrem Lobe:
Schön rötlich die Kartoffeln find Und weiß wie Alabaster;
Berdau'n sich lieblich und geschwind Und find für Mann und Fran und Kind Ein rechtes Magenpftaster.
vermischtes.
* ein Geschichtr kennet. Lchmann: „Kennen Sie die Geschichte von Friedrich dem Großen nnb dem Bahnwärter?" — Schulze: „Rein, wie war die?" — Lehmann: „Ra, soviel ich weiß, gab'S zur Zett t Friedriü s des Großen noch keine Bahnwärter. Oder doch?"
* Boshaft. A.: „Meine Frau habe ich gelegentlich eines Eisenbahnunfalles kennen gelernt l" — B.: „Können Sie da nicht Schadenersatz von der Eisenbahnverwaltung beanspruchen?"
SMmgen auf das 1. (Quartal 1904 der ,Fuldaer Zeitung^ werden fortwährend von alle» Postanstaltet», Landbriefträgern und von unserer Expedition (Harmonie) eutgegengenommen.
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stattfindenden
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der städtischen Kleinkinder Wervahr-Anstatt
im Mutterhause der barmherzigen Schwestern,
werden hierdurch alle Wohltäter, Freunde und Gönner der lieben Kleinen höflichst eingeladen. Im vorigen Jahre konnten Dank der reichen Spenden der Wohltäter wieder über 100 Kinder vollständig gekleidet werden.
Im Namen der Eltern der Kinder sagen wir allen Wohltätern den herzlichsten Dank für die reichen Gaben und bitten gleichzeitig auf diesem Wege, doch fernerhin unserer Anstalt in wohlwollender Güte zugetan zu bleiben. [6393
Fulda, dm 15. Dezember 1903.,
Das Komitee der KleinKinder-Semahr-Anstalt.
Diejenigen Geschäftsleute, welche Forderungen an uns haben, werden gebeten, ihre Rechnungen spätestens bis zum 22. Dezember d. I. einzureichen.
Fulda, den 15. Dezember 1903.
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Katholische Glaubensgenossen!
' HM IW !N ki«tt « eueu KMe in OffkftUch ll. M.
' In unserer stets anwachsenden und weiter"sick ausdehnenden Fabrikstadt, in welcher die katholische Gemeinde, kaum 100 Jabre bestehend, bereits über 18000 Seelen zählt, besteht nur eine, nicht sehr geräumige röm.-katholische K-.rche, die Pfarrkirche. Im Osten der Stadt wurde vor IO Jahren Gelände zur Erbauung einer zweiten Kirche erworben, die der Rosenkranzkönigin Maria geweiht werden srll. Daietbst ist eine Notkirche, ein Rektoratsbaus mit 2 Geistlichen, sowie Schwesternhaus eingerichtet. Doch ist das Ganze mit «der huudertauseud Mark belastet und für den Neubau sind erst zehntausend Mark gesammelt.
Aus eigenen Kräften allein sind wir, beider sonstigen starken Belastung u. wo 4 s der Gemeinde aus Arbeitern besteht, nicht imstande, ein würdiges, wenn auch einfaches Gotteshaus zu erbaue«. Darum treten wir im Namen des Heilandes vertrauensvoll an unsere Glaubensgenossen im lieben deutschen Vaterland heran und bitten inständig um eine milde Gabe für die zu erbauende Marienkirche, damit auch hier wmitten der Wogen des Unglaubens eine scböne Stätte erstehe, in deren Hallen sich das Wort erfüllt: „Von nn« an werden mich selig preise« alle Geschlechter.44 -
Die Gaoen wolle man gütigst senden an: H. Stadipfarrer Schaefer ^Kaiserstr.) ober H. Rektor Jäkel bei der Notkirche (Biederer-Straße), beide in Offenbach.
Jede Gabe wird mit Ansichtskarte quittiert.---------------------
Offenbach a. M., im Oktober 1908.
Das katholische Pfarramt.
Ta die Erbauung einer neuen Kirche zu Offenbach dringendes Bedürftüs ist, begleite ich den vorstehenden Aufruf mit der wärmsten Empfehlung, die ihm bereits der hochselige Bischof Dr. H einr. Bruck zu- gebadjt 2i. November 1903. Der Kapitularvikar der Diözese Mainz: Dt. Selbst,
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Die kath. Schulstelle zu SlterS ist zum 1. April n. I«. anderweit zu besetz n. Das Grundgehalt beträgt 1U0 Mk. reden freier Wohnung, der Einheitssatz der AlterS- zulage 120 Mk und die Vergütung für den Kirchendienst 190 Mk. Bewerber wollen sich unter Vorlage der Zeugnisse biS zum 1. Januar 1901 bei dem Ortsschulinfpektor. Herrn KuratuS Kraus zu Slters melden. Dem Bewerbungsgesuch ist ein AuSweiS über die Militär- verhäktniffe beizutügen.____________
Die kach. Schulstelle in Bauer- b ach soll anderweit besetzt werd«». <8tunbgebaItl060 Mk., für Kirche»- dienst 310 Mk., 120 Mk. Einheit», satz derLllerszulage.DienpwohunnG. BewerbungSgesuche stad biS zm» L Jammr 1804 Mei dem Landva». amt in Kuhi, einporeichen