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28S.
flllda, Donnerstag, den 17. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
Sozialdemokratische Verdächtigungen.
Kaum ist der Reichstag zusammengetreten und haben die Parteien, vor allem auch das Zentrum, ihre sozialpolitischen Anträge eingebracht, da beginnt auch wieder das alte Spiel der sozialdemokratischen Presse, die sozialpolitische Tätigkeit des Zentrums zu verdächtigen. Dieser Sorte von Blättern scheint die Verleumdung und Schmähung des politischen Gegners fast zur zweiten Natur und notwendig geworden zu sein wie das tägliche Brot. In der sozialdemokratischen Presse wird nun, und auch mit Recht, darauf hingewiesen, daß es bei dem Mangel an sozialpoliti schen Gesetzes-Vorschlägen seitens der Regierunc Aufgabe des neuen Reichstages sein werde, au diesem Gebiete selbständig vorzugehen. Bescheiden, wie die Sozialdemokratie nun einmal von sich denkt, heißt es dann weiter:
„Wie bisher, so wird auch im neuen Reichstage die Sozialdemokratie diese Aufgabe übernehmen und, soweit es an ihr liegt, fördern. Neben der Sozialdemokratie hat stets das Zentrum den Versuch gemacht, sich den Schein einer Partei zu geben, die ernster für die Ausgestaltung der sozialen Gesetzgebung besorgt sei; diesen unwahren Schein sich zu bewahren gedenkt das Zentrum auch jetzt."
Es klingt beinahe wie eine Selbstverhöhnung, sich nunmehr die Sozialdemokratie an die Spitze der Sozialreform stellen zu sehen, nachdem sie vorher zwei Jahrzehnte lang gegen die wichtigsten sozialpolitischen Gesetze und Anträge gestimmt hat. Zudem hat Bebel in Dresden noch erklärt, die Illusionen der Leute innerhalb der Sozialdemokratie recht gründlich zerstören zu muffen, „die nach der letzten Wahl eine umf affende parlamentarische Tätigkeit in Bezug auf die Einbringung von Jnitiativ-Anträgen, Gesetzgebungs-Entwürfen rc. von uns verlangen." „Nachdem diese ungeheuren Wählermassen," so erklärte Bebel weiter, „auf Grund unserer bisherigen Taktik (alles oder nichts), Kämpfe und Haltung uns durch ihre Stimmen ihr Ja und ihre Zustimmung gegeben haben, so müssen wir noch energischer, rücksichtsloser und schärfer vorgehen als bisher." Diesen Widerspruch zwischen obiger Selbstanpreisung und Bebels Ankündigung in Dresden mag die sozialdemokratische Presse unter sich lösen: als eine Unverfrorenheit geradezu müssen wir den Versuch der sozialdemokratischen Preffe bezeichnen, die seit über zwei Jahrzehnte bewährte sozialpolitische Tätigkeit und Tattik des Zentrums wieder einmal als Heuchelei und unwahren Schein darzustellen.
Das Zentrum hat bekanntlich eine Interpellation eingebracht, in der es u. a. insbesondere auch anfragt, ob die Vorlage eines Gesetzentwurfes behufs Regelung der prioatrechtlichen und öffentlichen Verhältniffe der Berufsvereine, insbesondere hinsichtlich der leichteren Erlangung der Rechtsfähigkeit und der vollen Sicherung des Koalitionsrechtes erwartet werden darf. Die sozialdemokratische Preffe stößt sich nun an der Wendung „volle Sicherung des Koalitionsrechtes" und bemerkt, das Zentrum solle „nicht durch solche zweifelhafte Wendungen den Glauben erwecken, als bestände überhaupt schon eine Sicherung irgend eines Koalitionsrechtes." „Der Wortlaut der Interpellation des Zentrums läßt in keiner Weise darauf schließen, daß ernste Absichten auf Schaffung und zum Schutze des Koalitionsrechtes in dieser Partei bestehen." Wie das Zentrum eine volle Sicherung des Koalitions- rechtes auffaßt, das hat noch im vorigen Jahre der Abg. Trimborn bei der Beratung des Etats des Reichsamtes des Innern am 7. Febr. dargelegt; die sozialdemokratische Preffe hätte sich nur dieser Ausführungen erinnern zu .brauchen, um sich der Frivolität bewußt zu werden, die darin liegt, dem Zentrum hinsichtlich seines Eintretens für die „volle Sicherung des Koa- litiimsrechtes" Mangel an „ernsten Absichten" zu unterschieben. Abg. Trimborn wies darauf hin, wie ein freies Koalitionsrecht die Vorbedingung sei für eine volle Entfaltung der Arbeiterberufsund Gewerkvereine und führte zur Begründung anS:
„Darum sollte man endlich einmal ein Ver- eins« und Versammlungsrechtschaffen, welches in Norddeutschland der Schikanierung der Arbeitervereine gründlich ein Ende machte. . . Durch die Schikanen auf dem Gebiete des Vereins» und Versammlungsrechtes wird nur Erbitterung geschaffen, die den Vertretern und Verteidigern der
heutigen Gesellschaftsordnung ihre Aufgabe nur erschwert."
Eben noch hat bei der ersten Beratung des Etats der Abg. Schädler im Namen des Zentrums erklärt: Wir wünschen „eine Sicherung des Koalitionsrechtes, die Beseitigung alle:: engherzigen, einseitigenVexationen au : dem Gebiete desVereins- und Versammlungsrechtes." Und da wagt es die sozialdemokratische Presse noch, dem Zentrum vorzuwerfen, als ob es ihm mit seinen Anträgen nicht ernst sei. Weiter kann die „politische Unehrlichkeit" kaum getrieben werden.
Als Beweis für die „sozialpolitische Unbescheidenheit des Zentrums" fragt dann weiter die sozialdemokratische Presse noch: „Wo bleibt denn vor allem die Festsetzung der Arbeitszeit der erwachsenen männlichen Arbeiter? Will denn das Zentrum für diese jetzt keinen gesetzlichen Arbeitstag mehr?" Das Zentrum wird nächstens gut daran tun, bei den Sozialdemokraten anzufragen, welche Anträge diese zur Einbringung für geeignet halten und demgemäß dann verfahren. Vielleicht findet es dann mehr Gnade und gerechtere Würdigung seitens der sozialdemokratischen Preffe. Daß das Zentrum auch jetzt noch ebenso gut wie früher auf dem Boden eines allgemeinen Maxi- mal-Arbeitstages steht, braucht wohl nicht näher dargelegt zu werden. Das Zentrum hat immer verlangt und in diesem Jahre noch in einem besonderen Anträge zum Ausdruck gebracht, daß nicht nur für die Arbeiterinnen, nicht nur für jugendliche, sondern auch für erwachsene Arbeiter ein Maximal-Arbeüstag bestehen sollte.
Die jetzt in höherem Grade wieder aufieben- den Verdächtigungen und Verunglimpfungen der Sozialpolitik des Zentrums in der sozialdemo«, kratischen Preffe bilden gewissermaßen nur die Einleitung zu dem, was die Sozialdemokratie bei der Beratung des Etats des Reichsamtes des Innern zu Beginn des nächsten Jahres sich wieder leisten wird. An Antworten wird das Zentrum es jedenfalls dann nicht fehlen lassen. Im übrigen wird dasselbe auch in Zukunft an seiner bewährten Taktik, das politisch Erreichbare zu erstreben, festhalten und es den Snzialdemokraten überlassen, wie Abg. Schädler in der vergangenen Woche sehr richtig bemerkte, „mit großen welt- erschütternden Forderungen ihre Anhänger in Atem zu halten".
* Ueber bett netten Reichstag finden wir im ,Haun. Cour/ eine so nett abgefaßte Namen-Plaudtrei, daß wir uns nicht enthalten können, dieselbe hier wiederzugeben. ES heißt da: Der neue Reichstag gewährt, wenn mau fich nur an die Namen der Abgeordneten hält, merkwürdige Sin- und Ausblicke. Alle Zeiten und Stände scheinen Vertreter entsandt zu haben: Da ist .Hermes", der göttliche Beschützer von Handel und Wandel, der grimme „Hagen", da ist „David", der begeisterte Psalmensänger, und „Lucas", der Apostel. Bon Dichtern erscheinen „$Ael" und „Heine", von Künstlern „Schlüter", der „Baumann", der fich gleich an einem „Fries" erprobt, und von Modernen „Stauffer", „Gräfe" und „Heim" vertreten würdig die Heilkunde, „von Savigny" bte Rechtswiffen- chaft. Da nahen auch die Männer aus dem Volke: der „Bauer" mit den beiden „Bauermeistern", der „Förstes und der „Jäger", die den „Buchwald" und das „Blumenthal" hüten, ein „Sattler", vier „Müller", ein ,Leinenweber", ein „Büttger", ein „Metzger", der wahrscheinlich den mit „Speck" bearbeiteten „HaaS" eilbietet, dann zwei „Fischer", die im „Dreesbach" den „KrebS" zu fangen suchen. Der „Fuchs", der in daS hohe Haus gedrungen ist, kann sich leicht in die „Fusangel', verstricken. Was aber ein „Schüler" dort zu tun hat, wissen wir nicht. Da kommt neben einem „Preiß" ein „Polczinski", ein „Sachse" und ein Mann „von Oldenburg". „Schwartz", „Weißeuhagen" und „Rother" stellen gewiffermaßen die deutschen Farben dar. Auch ein „Hinterwinkler" taucht auf. Der „Herold" stößt dreimal ins „Horn", und der Tanz beginnt „Fröhlich" mit einem „Walzer", bei dem der „Singet" wohl den Ton angibt. Der „Geck" betrachtet sich im „Spiegel", und da als Diäten gnädigft ein „Thaler" gewährt ist, tut man sich gütlich an „Stolle" und „Pfannkuch", an „Limburg" und „Rettich"; daS Trinkbare liefert — „Grünberg". Dabei fördert man „Kohl" zutage, und einer wird „Patzig", der andere noch „Gröber". Da die Glocke schon mal gesprungen war, wird jetzt mit dem „Blaukenyorn" Ruhe geboten. Ein „Held" fordert mit „Hitze" zum Kampfe heraus, in der Hand den „Hieber", und „Kühn" erringt er den „Sieg". Schon aber nagt am Schiffe der „Wurm" und leicht kann es am „Riffi" zerschellen. Ein Glück, daß dem Reichstage schon jetzt „Ablaß" erteilt ist. Jedenfalls wird der — „uefei" nicht zu kurz kommen!
* Hebet das junge Mädchen in China weiß em französisches Blatt recht hübsch zu plaudern: Die chinesische Frau beginnt schon bei ihrer Geburt zu leiden. Wenn man den Tod des Vaters oder eines Sohnes ausnimmt, gibt es für eine chinesische Familie nichts traurigeres, als die Geburt einer Tochter. Ein Mensch, der nur Töchter hat, gilt in China als unglücklich und wird geradezu verachtet. Selbst in den wohlhabendsten und höchstgestellten Familien wächst daS Mädchen bis zu seinem dreizehnten Jahre — daS tft der Beginn bei HeiratSalters — ohne jede höhere Erzwhung heran. Im dreizehnte« Jahre erst legt die
Chinesin Frauenkleider an; bis dahin hat sie fich ebenso gekleidet wie die Knaben und auch ihr Haar ebenso geflochten. Jetzt aber ist fie erwachsen, und die Mutter macht fie mit den Geheimniffen der Kochkunst bekannt und bringt ihr die sehr strengen und sehr verwickelten Vorschriften der chinefifchen Anstandslehre bei. Trotz der strengen Sittengesetze ist aber in China manches schicklich, was eine europäische Dame nicht tun dürfte, ohne Anstoß zu erregen. So darf z. B. die junge Chinesin ungestört die Pfeife rauchen! Daß die Chinesin in strenger Abgeschlossenheit lebt, ist bekannt. Sine-junge Chinesin darf nicht einmal ihre Brüder sehen. Den Gatten lernt fie erst am Tage der Hochzeit kennen. Wenn Verlobung gefeiert werden soll, gehen die Eltern des Bräutigams zu den Eltern der Brant und geben der letzteren einen Ring für den Ringfinger jeder Hand und für jeden Arm ein Armband; dann schmücken fie ihr die Stirn mit einem Diadem aus EiSvogelfedern. Der Bräutigam bekommt keinen Ring, und bald nach der Hochzeit legt auch die junge Frau ihre Ringe für immer weg. Im Mittelstand erhält die Braut alS Geschenk ihr Hochzeitskleid mit der Perlenkrone, acht Krüge Wei» oder ReiSschnapS, zweihundert Brötchen, acht Schafe und acht Gänse. Die Gans besonders gilt allgemein alS Sinnbild der Ehe. Die Gänse und die Lämmer werden rot angestrichen. Am Hochzeitstage wird alles, waS die Braut alS Mitgift mitbringt, feierlich zum Bräutigam geschickt, und wenn alles da ist, überschreitet die Braut die Schwelle. Ihre Mutter legt chr bei dieser Zeremonie ein Stück Seide alS Schleier um den Kopf, sodaß der rotseidene Schleier das ganze Gestcht bedeckt. Dann führt man die Brant zur Schwelle des HauseS, in dem sie nun wohnen soll, und bringt fie zum Bräutigam. Nun werden vor den auf einem Tuche stehenden Götzenbildern ParfumS angezündet, und die jungen Eheleute werfen fich zahllose Male zu Boden. Man gibt ihnen darauf als Sinnbild deS Friedens einen Fichtenzapfen und als Sinnbild deS Glückes einen Schemel in die Hand, worauf der Bräutigam den roten Schleier vom Gestcht der.Braut nimmt Die Neuvermählten grüßen fich" feierlich und trinken aus zwei stlbernen Kelchen. Und daS ist alles — die Hochzeit ist zu Ende!
• Der »Arizona Kicket" schreibt in seiner neuesten Nummer: „Eine merkwürdige Geschichte ist in Hell Blend pasfiert. Unser dortiger Korrespondent hatte vorige Woche berichtet, der Bürgermeister, Hon. William Nützlich (den sie allgemein Billy Unnütz nennen) sei mit einem riesigen Affen spazieren gegangen, habe über den Affen die Kontrolle verloren und werde wahrscheinlich von verschiedenen Bürgern auf Schadenersatz verklagt werden. Schonender kann man eS doch nicht auSdrücken, wenn ein hochwohllöblicher Magistrat sich einen Kanonenrausch ansäuft, auf die „Spree" geht und alles kurz und klein schlägt, was ihm in den Weg kommt. Statt fich bei unserem Korrespondenten zu bedanken, schickte Billy Unnütz demselben die Nachricht, er habe binnen 24 Stunden Hell Blend zu verlaffen, wenn er nicht eingesperrt jund bestraft werden wolle. Selbstverständlich kehrte fich unser Korrespondent, der seine eiaenen Rechte kennt, nicht an diesen lächerlichen Ukas, sondern ging ruhig seinen Geschäften nach. Nun ist er auf einmal verschwunden. Wahrscheinlich hat ihn dieser Musterknabe von einem Bürgermeister bei Nacht und Nebel durch ein paar seiner Anhänger aus dem Dorfe werfen laffen. So etwas ist uns aber doch noch nicht vorgekommen, und wir benachrichtigen Seine Gnaden den Herrn Bürgermeister Billy Unnütz von Hell Blend hiermit in aller Form, daß wir nicht allein die Geschichte von jenem Kanonenrausch kennen, sondern seine ganze frühere LebenShistorie im Kicker aufdecken und ihm auch sonst die Hölle heiß machenwerden, wenn er nicht biS nächsten Donnerstag dafür gesorgt hat, daß unser Korrespondent wieder friedlich in Hell Blend seinen Geschäften uachgehen kann. Wie die biederen Einwohner von Hell Blend, unter denen wir doch so viele Leser haben, fich ein solches Kamee! in Großfolio zum Mayor wählen konnten, ist uns heute noch unklarer wie je zuvor; hoffentlich wird dieser Gewaltstretch des nichtsnutzigen Billy gegen ihr Leibblatt sie eines besseren überzeugen."
* Aus dem Lebe« beS Tigers teilt ein ungenannter Mitarbeiter der „Field" einige bemerkenswerke Ein» Metten mit, die auf eigenen Beobachtungen ruhen, sie der Verfasser in den Dschungeln Indiens machte. Auffällig ist die Furcht des Tigers vor wilden Hunden. Um Tiger anzulocken, wurden lebende Tiere: Schafe, Ziegen, Kälber, in der Umgebung unseres Gewährsmannes an Bäumen festgebunden. DeS Nachts hatte ein Tiger auch eines dieser Tiere getötet und zmn Teil aufgefressen. Da den Jägern bekannt war, daß der Tiger jedesmal in bei folgen« 'ien Nacht wiederkommt und die Mahlzeit vollendet, ljatte man fich in der Nähe aufgestellt um dem Rä«. der dabei den Garaus zu machen. Da erschien etwa ein Dutzend wilder Hunde, die fich der Beute näherten. Man verscheuchte diese Tiere durch Steinwürfe, aber fie Hieben in gewisser Entfernung stehen und legten fich dort ruhig nieder. Darauf erschien ein Tiger auf der Bildfläche, dem ein anderer, wahr- cheinlich dar Weibchen, folgte. Die beiden Tiere amen näher heran, um die Mahlzeit der vergangenen Nacht fortzusetzen. Plötzlich wurden die Hunde ihrer gewahr und stürzten ihnen mit lautem Geb.ll entgegen. Sofort wandten sich die Tiger zur Flucht und stürzten mit großer Schnelligkeit davon. Eine andere Beobachtung bezieht fich auf den Kannibalismus der Tiger. Auf einer Treibjagd war ein Tiger durch einen Schuß verwundet worden; man gab die Ver- olgung für den Tag auf uad kam erst am zweitnächsten Tag dazu, der Spur zu folgen. Da sand man aber nur die Hälfte des Tieres, und die am Boden deutlich wahrzunehmenden Spuren wiesen iraranf hin, daß eine starke Tigerin fich diese« Kannibalismus schuldig gemacht hatte. Sofort wurde eine Treibjagd auf fie veranstaltet, die jedoch ergebnislos verlief. Zn ihrer großen Ueberrafchung fanden aber bte Jäger, als fie an den Au»ga'gspunkt ihrer Jagd zurückkamen, daß unterdessen die Tigerin wieder dagewesen war und die Reste fast vertilgt hatte, nur der Kopf und die Beine waren übrig geblieben. Auf einer sogleich wieder angestellten Treibjagd gelang c», die Tigerin zu erlegen. In ihrem Magen sand
rc.), automati*
Literarische:
Prinzipien und praktische Ausführungsformen, Ei«, richtung einet Fernsprechzentrale, Dienst und Au«, rüstnng der Telephonisten, Abwicklung des Fernverkehrs, Nebenftellenbettieb (Haustelephone in Fabriken ische Remter, Lautsprecher zur Befehl«. Heer und Marine, im Eisenbahnbetrieb
erteilung in .... ______...._________,_____
und Bergbau, Telephone ohne Draht, Ozeantelephone, Telephonographen, die sprechende Bogenlampe; die neueste Statistik der OrtSanlagen und Sprechstellen, der Länge der Drähte und Fernlinien, der Zahl der Ge- präche. Auch Feuerlöschwesen und Feuerversicherung, die beiden Hauptträger eines wirksamen Feuerschutz«, werden int vorliegenden Hefte erschöpfend behandelt. Ungemein interessant find die Ausführungen über die geschichtliche Entwicklung der Feuerversicherung, bk auf bte Brandgilden des Mittelalters zurückgeführt wird. Als paffendes Weihnachtsgeschenk, daS überall, auf dem Tische des Gelehrten wie des Ungelehrt«, de» Kaufmann» wie de» Landwirt», bes Handwerker» wie deS Arbeiter» gleich willkommen sein wird und bleibenden Wert behätt, können wir besten» empfehl«: Herber» KonnersatiouSlexikon.
Herder» KonverfattouS Lexikon. -Dritte Auflage. Reich illustriert durch Textabbildungen, Tafeüt und Karten. 160 Hefte zu je 50 Pfg. oder 8 Bände geb. in Halbfranz zu je 12 Mk. 50 Pfg. Monatlich erscheinen zwei bis drei Hefte. Freiburg, Herdersche Berlagshandlung.
Soeben ist erschienen: Heft 46: Faustsage bi» Feuillanten mit den Tafeln .Fernrohr" (14 Abbildungen) .Fernsprechwesen' (20 Abbildungen), .Festung" (10 Abbildungen), .Feuerlöschwesen" (ISMbildungew, sowie der Textbeilage.Feuerversicherung" und 43 Abbildungen im Text. Das vorliegende Heft tft so recht ein Bewei» für die Notwendigkeit eines Nachschlagewerkes, in wel- cheut der Leser sich rasch und zuverlässig über wichtige Einrichtungen de» öffenllichen Lebens unterrichten kamt, zugleich aber auch, und das in hohem Maße, für die Brauchbarkeit des Herderschen Konversationslexikon». Aus dem knappen, durch die oben genannten Stich« Wörter begrenzten Raume begegnen wir zahlreichen Artikeln über allgemein interessierende Dinge mit mehr alS hundert im Text wie auf vier Tafeln verteilt« vorzüglichen Abbildungen. Da sind zunächst die Artikel Fernrohr und Fernsprechwesen mit ihre« vortrefflichen, durch Wort und Bild erläuternden Beilagen. Beide, Fernrohr wie Fernsprecher, sind dem modernen SJlee» schen gewiß geläufig; viele bedienen fich ihrer gewöhn» heitsmäßig, ohne einen Begriff von ihrer Einrichtung zu haben. Hier hilft Herders SonversattonSlexik»«: Operngla» und Feldstecher wie die Riesenteleskope und photographischen Fernrohre der großen Cternwart« finden ihre sachgemäße «rttärung. Eine wett bedeute», bete Rolle im Verkehrsleben spielt der Fernsprecher; von Jahr zu Jahr wächst die Zahl der Sprechstell« und Teilnehmer, denn nicht nur in den großen Handel», und Berkehrszentren, auch in Deuteten Städten und auf dem Lande lernt man immer mehr die mannigfach« Vorteile des Telephons schätzen unb verwerten. Auch hier bietet baS Lexikon wohl alles, mal über die epochale Erfinbung von ihren ersten Anfängen bis za dem gegen« wärtigen Stand ihrer Ausnutzung gesagt werden kann:
man beim auch Stücke de» Feller und Knochen von dem zuerst erlegten Tiger, wodurch der Kannibaltr» muS der Tigerin ertotefen war.
* Deutsches Bier in England. Der Versuch, deutsches und namentlich Münchener Mer in England einzubürgern, ist einem von Mr. Lancelot Carnegie für daS Auswärtige Amt verfaßten Bericht zufolge als mißlungen zu betrachten. Nur Fachleute, so heißt eS in dem Bericht, können fich eine Borstellung von den Schwierigketten machen, die zu überwinden warm, bevor Münchener Bier überhaupt in England Eingang fand. Die Schwierigkeiten find kurz folgende: 1) Da» kalte Klima, das ein Verlangen nach schwer«, nahrhaften Getränken, wie Porter und Ale, hervorrust. 2) Die konservative Natur der Engländers, der 25 Jahre gebraucht hat, um das Wort „Lager" (Be- zeichnung für deutsches Bier) zu lernen, und ficher die gleiche Zeit brauchen wird, um fich den Ausdruck „Münchener" anzueignen. 3) Englische Hotelier» und Gastwirte halten mit Vorliebe da» billigste Bier. 4) Zahlreiche Bierhäuser find bestimmten englischen Brauereim verpflichtet. 5) Die englischen Zapfer und Schankkellner verstehen e» nicht, da» deutsche Bier entsprechend zu behandeln und zu füllen. 6) Selbst Deutsche gehen in England bald zu den schweren englischen Bieren und Spirituosen über. Der Londoner Vertreter der Löwenbrauerei erklärte dazu: »Alle» das ist wahr. Die Verhältnisse find hier gegen uns, und obendrein verdoppett fich der Preis unsere» Bieres durch die Kosten für den Transport durch Schiff und Eiswagen. Die Engländer find keine Vierkenner und wenn fie es wären, so wäre ihre Neigung für deutsche» Bier durch die verschiedenen Nachahmungen, die für „Echtes Münchener* an-gegeben «erden, längst erstickt worden." Der Wert der im letzt« Jahre nach England eingeführten Bieres betrug 53,390 Pf. St. (1,067,800 Mark), eine Kleinigkeit mehr al» in dm vorhergehmden Jahrm.
* Wie er'» gemacht hat! — Der Anwalt zmn Oedlbauer: „Also hat der Nachbar den streitigen Zaun machen lassen, und seine Hühner werden Euerm Garten nu nicht mehr zerkratzen? Aber wie war dmn da» möglich, ohne Klage, ohne Prozeß?" — Oedlbauer: „Wie mich der Nachbar mü.meinen Beschwerden über meine Hühner auSgelacht hat, habe ich ihm alle paar Tage ein Dutzend Eier geschickt und ihm sagm lass«, die seim von seinen Hühnern. Und al» ich ihm einige Zeit später keine Eier mehr schickte, ließ er dm neuen Zaun aufführen. In acht Tagen war er fertig."