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M 289.
flllda, Donnerstag, den 17. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
entgegenftanben, ohne Hilfe des Zentrums nicht hätte erreicht werden können.
Seit einigen Jahren nun hat auch in konservativen und positiven evangelischen Kreisen mehr und mehr die Anschauung um sich gegriffen, daß das Zentrum einen ungebührlichen Einfluß auf unser öffentliches Leben gewinnen, die Jntereffen der evangelischen Kirche dadurch gefährdet wurden und der Evangelische Bund zur Abwehr dieser Gefahr geeignet sei. Die Höflichkeiten des Kaisers gegen den verstorbenen Papst und die Erklärung des Reichskanzlers über das Jesuitengesetz hätte in heroorraaendem Maße zur Förderung dieser Auffassung" beigetragen. Mit der Bewegung gegen die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes habe der Bund ohne Zweifel einen Erfolg seiner Taktik erzielt. Er habe aber auch dabei fein wahres Gesicht enthüllt, das jeden positiven Christen zur äußersten Vorsicht Hm gegenüber mahnen müsse.
Das konservative Blatt führt dann aus, daß der Bund mit einem förmlichen Terrorismus vorgegangen fei und sich durchaus in den Dienst der liberalen Jntereffen gestellt habe. Wer das tue, gefährde die Erhaltung des konfessionellen Friedens und leiste der Entchristlichung des Volkslebens Vorschub. Auch müsse die Taktik des Bundes zur Veräußerlichung der evangelischen Pflichten führen, indem sie die Auffaffung wachrufe, daß mit der Betonung des Gegensatzes gegen Rom die Bekundung des evangelischen Bewußtseins erschöpft sei. Von der Notwendigkeit des treuen Fefihaltens an den beiden christlichen Bekenntnissen gemeinsamer Glaubenslehre sei säst niemals die Rede. Damit wächst die Gefahr, daß manche gläubige Protestanten der katholischen Kirche in die Arme getrieben würden. Einer solchen Entwicklung vorzubeugen, halte sie (die Kreuzztg.) für ihre heiligste Pflicht.
Die Taktik des Bundes weise ferner dem Zentrum die nämliche Stellung zu, wie der Sozialdemokratie als Feindin des deutschen monarchistischen Nationalstaates. Behandle man auch das Zentrum als Reichsfeind, was bleibe da vom deutschen Volke noch Übrig und wie wolle man da den Kampf gegen den Umsturz führen?
Der Artikel schließt mit den Worten: „Wir müffen erwarten, daß wir wegen Vieser freimütigen Erklärungen von gewisser Seite wiederum der Liebedienerei gegen das Zentrum werden bezichtigt werden und daß man unsere Treue zur evangelischen Kirche von neuem bezweifeln wird. Aber auch diese erneuten Vorwürfe werden wir mit Gleichmut über uns ergehen lassen in dem Bewußtsein, daß wir mit den obigen Ausführungen nur unsere Pflicht gegenüber der konservativen Partei, gegenüber der evangelischen Kirche und gegenüber dem Vaterlande erfüllt haben."
Dem Evangelischen Bunde joikwd die ,Kreuzztg/ abermals einen längeren Artikel» in dem sie ihre grundsätzliche Stellung j» dem Bunde darlegt. Sie trägt damit, wie He sagt, auch einem Wunsche Rechnung, der Neuerdings mehrfach aus dem Leserkreise an sie «langt sei. Ausführlich geht sie bann auf bie Geschichte des Bundes und die Stellung der konservativen und positiven Protestanten zu ihm ein.
Der Aufruf zur Gründung des Bundes sei tibn »»irgend von Mitgliedern der kirchlichen Mittelpartei unterzeichnet gewesen. Der Bund habe auch wesentlich zunächst nur in den Kreisen der Mittelpartei und der Linken Anhänger gründen, die Rechte habe ihm kühl gegenüber- gestanden. Man sei in den positiv kirchlichen Kreisen ziemlich einig gewesen, daß es sich für die Gründer in erster Linie darum handle. Den Einfl uß ihrer Parteien zu stärken. Außerdem hätten die positiven Kreise noch unter de« frischen Eindrücke des Kulturkampfs gestanden, der der evangelifchen Kirche nichts ge- uifct, sondern vielfach zu einem Kampfe gegen die Kirche und die christliche Religion überhaupt geführt habe. Auch sei ihnen nicht entgangen, daß weitaus die meisten katholischen Deutschen, darunter nicht die schlechtesten, auf Seite des Zerstrums gestanden, also mit jedem Jahre der Dauer des Kulturkampfs bie Kluft zwischen den Angehörigen beider Bekenntnisse verliest und damit die in tere Einheit des deutschen Volks ge- sährdet werden mußte.
Ferner habe man Anstoß genommen an der Teilnahme, bie bet Bund in ben Kreisen ber kirchlichen Linken, fand. Man habe sich gefugt* daß ein erfolgreiches Vorgehen gegen wirkliche Uebergriffe Roms nur auf dem Boden des un- erfchütterlichen Glaubens möglich sei und die halbgläubigen und ungläubigen Na- «enschristen dabei nur hinderlich sein könnten zur Festigung dieser Auffaffung, die bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre in den positiven Kreisen fast die ausschließliche gewesen sei, habe bie immer zunehmende Macht des Unglaubens und die Behandlung der kirchen- und schulpolitische» Fragen im preußischen Landtage nicht wesentlich beigetragen. Der Kampf um die Erhaltung der konfesfionellen Volksschule habe ein sehr wirksames Bindemittel zwischen den positiven protestantischen und den katholischen S gebildet, und dies Bindemittel habe in dem dnisvollen Zusammenwirken der Konser- mit dem Zentrum gegen den Liberalismus bei den wichtigsten Fragen der Schulpolitik feinen deutlichen Ausdruck gesunden. Auch habe sich gezeigt, daß die Beseitigung der Gesetze, die -einer freieren Entwickelung der evangelischen Kirche
Dcrs Majorat.
Roman von 6u>alb August König.
69 ------ (Nachdruck "-rboten.)
,N»d mit diesen Scheinbeweisen begnügt der Lniersuchungsrichter sich?" fragte die Baronin ent« rüstet. „Will er die Möglichkeit nicht gelten lassen, daß ei« anderer die Tat begangen haben kann? Ich «innere Sie an jenen Wilddieb, den Baron Kmt so roh mißhandelt hat; könnte er nicht die Tat aus Rache begangen haben?"
„Gewiß würde diese Frage aufgeworfen worden sein, wenn nicht alle Berdachtsgründe auf den Herrn Baron hingewiesen hätten," entgegnete er achselzuckend. „Man rächt doch auch nicht gleich eine Mißhandlung durch einen Mord, der Wilddieb mußte ja Vorau sehen, Baß der Verdacht sofort auf ihn fallen würde."
„Und daß dies nicht geschehen, daß dieser Verdacht nicht augenblicklich verfolgt worden ist, dos begreife üh nicht," sagte sie mit wachsender Entrüstung. „Ich werd« beute noch den UMersuchungSrichter auf diese RoMendigteit aufmerksam wachen."
„Es wäre vergebliche Mühe, gnädige Frau! Baron Dagobert hat natürlich die Tot geleugnet und fick auf Me Aussagen eines Grafen Morroy berufen, dieser über behauptet das Gegenteil von dem, was der An. «{tagte erklärt hat. Wenn schon die EnilastungSzeugen ihn im Stiche lassen, was haben wir dann von de» «Deren Zeugen zu erwarten? Nichts!"
Baronin Adelgunde fuhr mit dem spitzenbesetzten Mnttisttuche über ihre Stirne, ein Zoruesb'.ick traf «S ihren dunklen Augen den alten Herrn, dessen «ppe» das gewohnte ironisch: Lächeln nmzuckte.
„Aus allem, was Sie sagen, spricht der Haß gegen «ich ttnfc meinen Sohn," versetzte sie — „aber glauben Me »ich. —*
„Gnädige Frau, ich mutz dieser Voraussetzung mit oller Entschiedenheit en'gegentreten," fiel er ihr in die Rede. „Von einem Haß, den ich gegen Sie oder Baron Dagobert hegen soll, weiß ich selbst nichts, ich halte mich nur an die Tatsachen, die leider richt sortzuleugnen find."
„Brechen wir von diesem Thema ab," fuhr fie mit einer energisch ablehnenden Handb-wegung fort, „unsere Anschauungen gehen weit auseinander. Wollen Sie, der Justitiar der Familie. Ihre Pflicht nicht erfüllen, nicht mit ollen Kräften die Jittereffen meines Sohnes vertreten, so werde ich eS tun, mein Bruder hat sich sofort erboten, mir zur Seite zu stehen. Brno» Dogob°rt ist Der Majoratsherr —"
„Bitte um Entschuldiguna, er ist ei noch nicht!"
„Er ist eS, sobald er aus der Nntersuckunashast entlassen wird, und bis dahin werde ich feine Rechte wahren."
Der Notar heftete die stechenden Augen m t einem lauernden Ausdruck auf das blosse Antlitz der erregten Frau.
„Was verstehen Sie darunter?" fragte er.
„Daß ich von heute ab die Verwaltung des Majorats übernehmen roerie!"
„Das dürfen Sie nicht."
„Wer w-ll es mir verbieten?"
„Das Gesetz, gnädige Frau!"
„Bin ich nicht die Witwe des vorigen und die Mutter deS jetzigen Majoratsherrn?"
„DaS bestreitet niemand, wenn r-utb die Frage, ob Baron Dagobert zur Utberrafcme des Majorats berechtigt sei, sehr in Zweifel gezogen werden kann. Sie werden sich erinnern, daß Sie wegen Geistesstörung lange Jahre in ärztlicher Pflege gewesen find, gnädige Frau, und daß Sie infolge d-ffen gerichtlich intet» diziert find."
„Wie dürfen Sie <S wagen, mich Daran zu erinnern ? Sie wissen sehr g-nau, welcher erbürml chen Jotrigue ich zum Opfer fiel. Sie hatten Ihre Hände dabei imCpie'e. Könnte die Sache noch heute unter-
Berlin, ben 16. Dezember 1903
** Der Kaiser empfing heute Mittag ben neuernannten brasilianischen Gesandten Da Costa Motto in Antrittsaubienz. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen wohnte ber Aubienz bei. Heute abend traf Großfürst Wladimir von Rußland im Neuen Palais ein. Zu einer sodann bei den Majestäten statt findenden Tafel waren geladen Reichskanzler Graf v. Bülow, die Chefs der drei Kabinette v. Lucanus, Frhr. v. Senden-Bibran und Graf Hülsen-Haeseler, ferner der russische Botschafter Graf v. der Osten-Sacken und die russischen Attaches Fürst Dolgorukow und Oberst v. Schebeko.
[*] Dem am 13. d. Mts. in Bonn von 68 Jahren verstorbene Berghauptmann und Direktor des Kgl. Oberbergamts dortselbst Siegfried von Ammon widmet der ,ReichSanzeigeri einen längeren Nachruf, worin es heißt: „In allen feinen Stellungen hat sich von Ammon als tüchtiger Beamter bewährt, weswegen er auch noch kurz vor feinem Tode durch Verleihung des Roten Adlerordens zweiter Klasse mit Eichenlaub Allerhöchst ausgezeichnet worden ist. Der Verstorbene hat als Offizier an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teilgenommen. Dem Johanniterorden hat er als Rkchtsritter angehört. Das Andenken an den Verstorbenen wird in hohen Ehren bleiben.
(!) Soldatenmitzhandlnngen in 1520 Fällen, 80 Fällen vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen, 20 Fälle des Geldborgens und der vorsätzlichen Abhaltung von der Beschwerdeführung tagen dem früheren Unteroffizier Otto Franzki vom Infanterieregiment Nr. 85 zur Last, der vom Kriegsgericht in Rendsburg zu einer Gesamtstrafe von 5 Jahren Gefängnis und zu Degradation verurteilt wurde. Franzki war im (September vorn Regiment entlassen worden, weil fein Hauptmann nicht länger mit ihm kapitulieren wollte; er wandte sich nun nach Hamburg, wo es ihm gelang, am 1. Oktober eine Stellung als Hilfsschutzmann zu erhalten. Vor Eintritt in die Verhandlung stellte der Vertreter der Anklagebehörde, Kriegsgerichtsrat Dr. Reuter den Antrag, die Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer nicht auszuschließen, denn auch das militärische Interesse erheische die volle Oeffentlichkeit. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß bei der Strafausmessung auf die höchst gemeine Gesinnung des Angeklagten, die sich in den brutalen Mißhandlungen feiner Soldaten und in seiner Freude an diesen Mißhandlungen gezeigt habe, Rücksicht genommen fei. Der Angeklagte habe nie tn berechtigter Erregung gehandelt, denn die Vorgeyen und Verfahren feiner Untergebenen seien nur solche gewesen, die im Soldatenleben täglich Vorkommen und vorkommen müssen; er habe mit der Brutalität eines Ochsen
knechts gehandelt, trotzdem es an der nötige* Beaufsichtigung seitens der Vorgesetzen nicht gefehlt habe.
% Zum Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der ständigen Kommissionen des Reichstages sind gewählt: Geschäftsordnungs-Kommission: Abg. Dr. Sattler (natl. ) und Roeren (Zentr.), Petitions-Kommission: Abg. Wattendorff (Zentr.) und Rim- pan (nat1.), Budget-Kommission: Abg. Dr. Stockmann (freikons.) und Prinz zuArenberg (Zentr.), Wahlprüfungs-Kommission: Abg. Well stein (Zentr.) und Boltz (natl.), Rechnungs-Kommission: Abg. Blett (freis. Volksp.) und Horn (Zentr.).
V Die Budgetkommission hat am Dienstag abend die Referate über die ihr überwiesenen Etatsleile verteilt. Soweit die Referenten aus der vorigen Tagung wieder in die Kommission eingetreten sind, haben sie auch die Berichterstattung über die von ihnen bearbeiteten Einzelpartieen erhalten. Die Referate über den Militäretat sind dem Abg. v. Eiern (für den Grafen Roon) bezw. Roeren, über den Marineetat den Abgg. Frhr. v. Thünefeld bezw. Graf Oriola übertragen worden.
* Der Kommission für die Ansschmnrknng des Reichstags gehören an die Herren Abgeordneten Dietz (Soz.), Fritze Düsseldorf (Zentr.) Freiherr v. Hertling (Zentr.), Freiherr v. Heyl (niL), Schmidt-Elberfeld (frs. Volksp.), Singer (Soz.) und Dr. Udo Graf zu Stolberg (kons.)
* Das bisherige Herrenhaus, Leipzigerstraße 15, wird am Samstag dieser Woche ständig geräumt und alsdann dem Fiskus Übergeben werden. Das Bureau des Herrenhauses befindet sich von da ab im Neubau, Leipzigerstraße 4.
* Die Regierung beabsichtigt nach dem ,Berl. Lokal-Anzeiger' bei oder unmittelbar nach Eröffnung des Landtags einen Gesetzentwurf einzubringen, welcher außer die auf Hochwaffer- schutz, namentlich in Schlesien, abzielenden Maßregeln auch die sog. Kanalvorlage enthalten werden. Sie rechnen zuversichtlich auf Annahme dieses Entwurfs, nachdem darin den Bedenken der bisherigen Kanalgegner in weitgehendem Maße Rechnung gettagen worden fei. Dieser Tage wurde berichtet, es fänden bereits zwischen der Regierung und den Führern der Parteien Verhandlungen über die Kanalvorlage statt. Da man im Zentrum von solchen Verhandlungen nichts wußte, haben wir die Nachricht nicht erwähnt. Nach der,Neuen Politischen Korrespondenz' scheint es sich lediglich darum zu handeln, daß die Regierung sich bei der konservativen Partei, als der größten des Abgeordnetenhauses, darüber zu unterrichten sucht, auf welches Entgegenkommen sie dort bei dem Wiedereindringen einer abgeänderten Kanalvorlage rechnen könne.
[§] Zweimal täglich bringt die .Post' einen langen Artikel, worin sie die Regierung zu kräftigem Borgehe« gegen die Sozialdemokratie auffordert. Nach der gestrige« Rede des Reichskanzlers konnte selbstverständlich die Wiederholung der Aufforderung nicht auS-
sucht werden, so würdkn Sie vom PieDestal des Ehrenmannes heruntersteigen müffen. Ich sage Ihnen noch einmal, ich übernehme die Verwaltung DeS Majorats,
niemand soll mich daran bindern."
„Jeder B-fehl, den Sie geben, jede Anordnung, die Sie treffen, ist vor dem Gesetz ungiltig, so lange bie Jnterdittion nicht aufgehoben ist."
„Sie soll heute noch aufgehoben werden!"
„So rasch gehr daS nicht", erwiderte ei, und das ironische Lächeln lag jetzt wieder um seine schmalen Lippen, eS ist sehr Die Frage, ob es überhaupt geschehen tarnt."
„Wer will Protest Dagegen erheben?"
»34!"
„Oh — unD auS welchen GrünDen?"
„AuS dem einfachen Grunde, weil ich der gesetzliche Hüter des Familienstatuts bin. Baron Dago» bett ist im Gefängnis, und wahrscheinlich von Der Erbfolge ausgeschlossen, Sie haben außer Ihrer Apanage keine Reckte zu fordern, das Majorat fäüt an Baronesse Theodore." ,
„Und Baronesse Theodore ist die Braut Ihres SohneS!" sagte fie, und mder dem unsagbar verächtlichen Blick, dex diese Worte begleitete, zuckte der alte Herr zusammen. t,$a läßt sich ja begreifen, daß Sie das Majorat der Boronefle zu sichern suchen; Sie sichern eS ja dadurch euch Ihrem Sohne!"
Der Notar hatte seine Fassung nicht verloren, aber DaS Blut war ihm doch heiß in die Stirne gestiegen,
ZorneSglut übergoß fein Antlitz.
„Die Verlobung meines Sohnes bat mit dieser Angelegenheit durchaus nichts zu schaffen," erwiderte er, und seine Stimme klang nun scharf und schneidend. „Ich bube Ihnen die Gründe genannt, die m r nicht erlauben, Ihre Wünsche und Forderungen zu erfüllen, und wenn nun Baronesse Theodore das Majorat erbt, und mein Sohn ihr Gatte wird, so haben eben unabänderliche Verhältnisse diese Zustände geschaffen, und mir tarnt («in Borwurf daraus gemacht werde«.'
Die Baronin hatte sich erhoben, doch aufgerichtet
stand sie vor dem kleinen, hageren Herrn, der wieder scheinbar gleichgütig mit seiner Dose spielte.
„Ich hatte erwartet, Sie würden nun einfege«, daß die Fortsetzung des Kampfes unnütz ist", sagte fie, „ich sehe mich darin getäuscht, ober mich entmutigt daS nicht. Wenn Ihr Sohn ein Man» von Ehre ist, so kann er in diesem Kampfe nicht auf Ihrer Seite stehen."
„Nein, gnädige Frau, er tut es auch nicht", unterbrach eine fenore Stimme fie, die vor Erregung zitterte.
Baronin Adelgunde wandte fick uw, unter Der Portiere, Die den Salon mit Dem Nebenzimmer verband, stand Georg, der dem zürnenden, warnenden Blick deS Vaters voll ernster Ruhe begegnete.
„Ich danke Ihnen', sagte fie, „ich durste wohl erwarten, daß Sie so reden und handeln würden l Theodore hat mir gesagt, daß fie mit Ihnen verlott sei, ich leugne nicht, daß mich dies anfangs beunruhigte, weil Sie der Sohn eines Mannes find, der mich stets mit feiner Feindschaft verfolgt hat. Aber nach kurzem Nachdenken sagte ich mir, daß Sie als Olfizier diese gänzlich unbegründete Feindschaft nicht billigen würden, auch bann nickt, wenn es sich dabei um die Erwerbung eines Majorats für Sie handele."
„Ick nehme alle diese Vorwürfe geduldig hin", erwiderte der Notar achselzuckend, „eS wäre ja vergebliche Mühe, wollte ich Eie überzeugen, daß fie unbegründet find. Die Be hältnisse, wie fie jetzt liege», haben sich iolgerichlig gestaltet, wir können fie nkot ändern, hier steht der zukünftige ^ojoraisherr; daß er es wird, hat er nicht mir zu verdanken."
„Wenn eS so kommen sollte, werde ich zu gunftee der Frau Adelgunde v. Darboren auf das Majorat verzichten", sagte Georg in entschlossenem Zone, „ich will keinen Haber in der Familie, niemand soll sage» dürfen, daß ich als Glücksritter mich in diese Fmuflie hineingedräng* habe. Mir genügt die Liebe meiner Brant, fie sichert wir mein Ledensglück, nach Reicht»»», trage ich kein Verlangen!"