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J. pOtzeller in Suita.
ZMaerW Zeitung
monatstoiage: „guldaer Grfchichtrblätter".
wochenbtllage: „Illustrierte Sonntagzzeitung"
Lnjekge«: Vit et» sptltige petttreilt ober Deren San» IS pfr° »eNamen bk petttzeil« 25 Pfg.; bei Wiederholungen wirb «nifpr. Habatt gewährt.
Druck und Verlag bte ZulbcerAttienbrnSertl in $ulta (harmonietz Zernfprecher Ur.»
30. Jahrgang.
flllda, Dienstag, den 15. Dezember 1903.
287.
Sie in dieser Kleidung nicht erkannt haben. Wissen Sie, wie Sie auSsehen? Wie ein halbverhungerter Familienvater, der Brot sucht.
„Das ist mir lieb", erwiderte dcr Inspektor befriedigt, während er die Tür eines anderen Zimmers öffnete und in den Raum hineinblickte. „Hier find wir ungestört — wollen Sie mir einige Minuten schenken?" .
„Wenn Sie mir erlauben, dah ich vorher ein GlaS Wein bestelle —"
„Sehr gern!"
Der Richter entfernte fich und kehrte nach einige» Minuten mit einer Flasche Wein und zwei Gläser« zurück. _ ,
„Sie waren im „Pariser Hof" bet dem Grafe» Morroy", sagte der Inspektor, nachdem er daS ihm dargebotene GlaS angenommen hat, „darf ich wissen, in welcher Angelegenheit —
Der GerickiSrat blickte erstaunt auf.
„Kennen Sie den Grafen?" fragte er. „Liegt etwas g'gen ihn vor?"
„Vielleicht — ich weiß eS noch nicht."
„Hegen Sie Mißtrauen gegen mich, daß Sie mir diese ausweichende Antwort geben?"
„Durchaus nicht, welche Beranlaffung könnte ich dazu haben? Aber Sie find wieder auf der Suche?"
„Nun ja, ich kann'S nicht lassen, trotzdem ich auS verschiedenen Gründen den Dienst quittiert babe", erwiderte der Inspektor rubig. „ES ist ein Privatvergnügen für mich, das mir eine angenehme Beschäftigung bietet."
„Und diesmal gelten Ihre Nachforschungen dem Grafen Morray? Mir hegt viel daran, eine möglichst genaue und fichere Auskunft über diesen Herrn zu erhalten. Kennen Sie die Darborrn'sche Sache? Der alte Baron soll von feinem eigenen Reffen erschossen worden fein —"
.Was ich nicht glaube, Herr Rat!"
„Damit ist die Anklage nicht widerlegt! Zeigen Sie mir eine andere Führte,.die ich verfolgen kann—„
[] Der Empfang -er bürgerlichen Arbeiter beim Reichskanzler.
Der Reichskanzler Graf Bülow empfing Sonntag vormittag die Abordnung, die vom deutschen Arbeiterkongreß in Frankfurt beauftragt war, die Beschlüsse des Kongresses dem Reichskanzler zu überbringen. Die Abordnung bestand aus den beiden Vorfitzenden des Kongresses, Behrens-Berlin ^Evangelischer Arbeiterverein, und Steger- w al d-Köln (Generalsekretär des Gesamtverbandes christlicher Gewerkschaften), ferner aus drei Reftrenten des Kongresses, Schiffer- Krefeld, Vorsitzenden des Zentralverbandes christ- licherTexttlarbeiter, Bürgerschaftsmitglied Sch a ck- Hamburg, Vorsitzenden des deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, sowie Giesberts- München Gladbach, Arbeitersekretär der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands, und dem Landtagsabgeordneten Schirmer- Pafin g, Vertreter der süddeutschen Eisenbahn- und Post- bediensteten - Verbände. Die Audienz dauerte eine Smnde. Von feiten der Delegierten wurde folgende Ansprache gehalten:
„Exzellenz, der deutsche Arbeiterkongreß hat uns de» Auftrag erteilt, Ew. Exzellenz die Beschlüsse des Kougreffes zu überbringen. Zum erstenmale haben fich die christlich und nationaldenkenden Arbeiter zusam- »engefuuden, um gemeinsam sozialpolitische Angelegenheiten zu beraten. Wir dürfen auf diese Veranstaltung mit Befriedigung zurückblicken. Wir glauben den Bode» gefunden zu haben, auf dem ein ersprießliches Zusammenarbeiten möglich ist. Die auf dem Kongreß versammelten Vertreter der über 6COOOO Mitglieder zählenden Arbeiter- und Gehilfenorganisationen erkannten dankbar an, waS durch die gesetzliche Sozialreform auf dem Gebiete der Arbeiterversicherung mW deS Arbeiterschutzes bereits geschehen ist. Die Hersammelten vertrauen den Erklärungen, die Ew. EUellenz am 20. Januar 1903 im Reichstage gegeben habe», daß der Fortgang der Sozialreform nicht unterbrochen werden soll. Zugleich aber war der Kongreß der Überzeugung, daß die Gleichberechtigung der Arbeiter mit den anderen BolkSständen und der damit verbundene Aus bau der Freiheit, wie sie durch die Erlasse unseres Kaisers vom Februar 1890 angekündigt wurde, noch nicht erfüllt ist. Die vaterländisch ge- flmtte Arbeiterschaft wünscht, daß das bestehende Aoalitionsrecht gesichert und ausgebildet werde, denn die ungehinderte Bereinigung und Organisation ist notwendig, um die Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu bessern und dem Arbeiter die Mitwirkung an der Aegeümg derselben zu ermöglichen. Das Ziel hierbei soll nicht der Klassenkampf, sondern die Verständigung mit de» Arbeitgebern auf dem Boden der gegenseitigen Gleichberechtigung sein. Ferner wird es von der Ar- tatterfchast oft bitter empfunden, daß die bestehenden «uzekstaatlichen Vereins- und Bersammlungsrechte
oft der Entwickelung der Arbeiterorganifationen und einer freien kraftvollen sozialpolitischen Beteiligung im Wege steht. Ganz besonders ist daS bezüglich der Beteilig ung der Frauen in sozialpolitischen Bereinigungen der Fall. Da jedoch gerade die Frage des Arbeiter- innenschutzeS ein so wichtiger Teil der sozialpolitischen Bewegung ist, so ist die Mitwirkung der Frauenrechte der Arbeiterinnen umsomehr zu wünschen. Endlich bedarf die Rechtslage der Berufsvereine einer Reform. Die «erufsvereine wünschen, daß ihnen die Rechtsfähigkeit zwecks Sicherstellung ihres Vermögens m einer Form gegeben werde, welche ihrer Bewegungsfreiheit nicht hinderlich ist. Ganz besonders aber möchten wir Ew. Exzellenz den dringenden Wunsch des Kongresses empfehlen, daß doch endlich der Verwirklichung der paritätischen Arbeitskammern im Sinne der Erlasse unseres Kaisers näher getreten werde. Der Kongreß war einstimmig der Anficht, daß solche Arbeitskammern ein Mittel zur Verständigung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber sein würden. Wir überbringen Ihnen anbei die gefaßten Beschlüsse und die Drucksachen deS Kongresses. Die Männer der Arbeit, welche in Frankfurt versammelt waren, find fich der Schwierigkeiten bewußt, welche ihren Bestrebungen, die christlich und national denkende Arbeiterschaft zu gemeinsamer sozialer Friedensarbeit zu sammeln, ent- gegenstehen. Sie find jedoch fest entschlossen, mutig und zuversichtlich auf der betretenen Bahn voranzuschreiten. Dazu ermuttgt unS ganz besonders die warme Sympathie» die unser Kaiser dem Kongreß zum Ausdruck gebracht hat und die dankbar stürmische Begeisterung, mit welcher der Kongreß die Kundgebung Sr. Majestät ausgenommen hat. Wir versichern Ew. Exzellenz, daß die deutschen Arbeiter, die uns beauftragt haben, ihre Wünsche zu unterbreiten, erfüllt find von herzlicher Treue und Liebe zu unserem erlauchten Kaiser und unserem deutschen Baterlande. Wir wollen dahin wirken, daß diese Gefühle nie erlöschen und dahin streben, daß die sozialen Zustände 'in unserem Baterlande so werden, daß die deutsche Arbeiterschaft sich glücklich und zufrieden fühlen kann."
Die Antwort des Reichskanzlers lautete: „Meine Herren! Ich freue mich. Sie hier zu sehen. Ich danke Ihnen, daß Sie durch Ihren Besuch mir Gelegenheit geben. Sie persönlich kennen zu lernen. Ihr Frankfurter Kongreß wat für mich eine willkommene Erscheinung. Ich habe mir über den Verlauf der dort gepflogenen Beratungen eingehend Bericht erstatten lassen. Als Wahl des richtigen Weges begrüße ich, daß die in Frankfurt versammelten Arbeiterver> tretet fich an den Kaiser gewandt haben. Nur auf gesetzlichem Wege, unter dem Schutz der Monarchie und auf dem Boden der Solidarität aller Staatsbürger ist ein wirklicher und andauernder Fortschritt für die deutschen Arbeiter möglich. Unbeirrt durch Gegenströmungen von links und rechts hält das Oberhaupt des Reiches daran fest, daß es zu feinen, für Deutschlands Zukunft wichtigsten Aufgaben gehört, die Wohlfahrt der deutschen Arbeiter zu fördern und ihr Bor- wärtsstreben innerhalb der notwendigen Unterordnung auch der Arbeiterintereffen unter das Gemeinwohl mit kaiserlichem Gerechtigkeitssinn zu unterstützen. Ls ist ein bleibender Ruhmestitel unseres deutschen Kaisertums, daß es unter allen staatlichen Machtgebilden zuerst und aus freiem Antrieb die Initiative zur Einführung gesetzlicher Schutzmaßregeln für die Arbeiter ergriffen
und eine Reihe von Fürforgeeinrichtungen ins Leben gerufen hat, die in anderen Kulturländern noch nicht verwirklicht sind." Der Reichskanzler schloß: „Die letzten zwanzig Jahre haben bei uns den arbeitenden Klassen gegen früherwesentlicheBerbefferungen derwirts chasllichen Lage gebracht und an dem Ausbau der grundlegenden Gesetzgebung wird stetig fortgearbeitet. Wenn irgend jemand dem werttätigen Deutschen die Erreichung einer Lebenshaltung wünscht, die ihn zum bestgestellten Arbeiter der Well macht, so ist es unser Kaiser. DaS können Sie mir glauben. WaS nun die amtliche Behandlung Ihrer Resolutionen betrifft, fo brauche ich Ihnen, die Sie politisch geschntte Männer sind, nicht auseinander zu setzen, daß ich als erster Beamter eines so föderativen Staatswesens wie es das Deutsche Reich ist, keine bindenden Zusicherungen für künftige Arbeiten der Gesetzgebung aussprechen kann, um alle Ihre Wünsche zu erfütten. Wohl aber will ich Ihnen versichern, daß ich die Bestrebungen verstehe und würdige, die Gleichberechtigung der Arbeiter auf dem Boden der Selbsthilfe und in staatlich geordneter Interessenvertretung noch mehr zur Geltung zu bringen, und daß ich daher für eine ernste und sachliche Prüfung Ihrer Frankfurter Resolutionen Sorge tragen werde. Mögen Sie auch aus der Vergangenheit der staatlichen Arbeiterfürsorge in Deutschland das Vertrauen für die Zukunft schöpfen, daß sich die verbündeten Regierungen chren sittlichen Aufgaben gegenüber den Arbeitern vollkommen bewußt und entschlossen sind, sie gewissenhaft zu erfüllen. Die Hoffnung, daß Sie dieses Vertrauen mit sich fortnehmen, macht mir unser Zusammentreffen wertvoll und ich danke Ihnen nochmals, daß Sie mich ausgesucht haben."
Nach diesen offiziellen Ansprachen lud der R e i ch s k a n z l e r die Deputierten in steundlichster Wesse zu einer ungezwungenen Aussprache ein, die über eine Stunde währte. Dabei erkundigte er fich eingehend nach den Wünschen der Einzelnen und der von ihnen vertretenen Organisattonen, auch hier im Detail möglichste Berücksichtigung zufichernd. Der Audienz wohnte derChef der ReichskanzleiGeheimrat K o n r ad i bei.
Die christliche Arbeiterschaft Deutschlands kann aus dem guten Verlauf der Audienz wieder neuen Mut schöpfen und die Lehre ziehen, daß eine weitere Stärkung ihrer Organisationen und ihrer Bestrebungen sie allein zu den gewünschten Erfolgen führen kann.
Berlin, den 14, Dezember 1903.
X lieber die Audienz des Reichstags- Präsidiums beim Kaiser wird noch berichtet: Im Verlaufe der Audienz kam der Kaiser auf die überseeische Politik zu sprechen und betonte, daß Deutschland sich an überseeischer Polittk beteiligen müsse. Ferner hob er die Bedeutung von" Kiautschau hervor. Der Baumwollenkultur in unseren Kolonien, namentlich in Afrika, sei großes Gewicht beizulegen. Als Lebensbedingung für die aftikanischen Kolonien bezeichnete er den
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
SS ------ (Nachdruck -erboten.)
.Ich kann mich dessen nicht erinnern.*'
„Denken Sie einmal nach, der Baron will diesen Schuß deutlich vernommen haben."
.Dann batte ich ihn docWmch gehört," sagte der Graf achselzuckend.
,®e hörten ihn also nicht?"
„Rein."
„Bar die Büchse deS Herrn Barons - och geladen, als Sie mit ihm zusamwentrafen?"
„Aber, Herr Richter, wie kann ich das wissen?" »wü-erte Gras Morray erstaunt. „Der Herr Baron war sehr aufgeregt, er hatte mit seinem Onkel ein Reuttmtre gehabt, wie er mir sagte; infolge dessen konnte daS Souper nicht statt finden, zu drm ich geladen war."
„Warnten Sie ibn nicht von einer abmaligen Begegnung mit siinem Onkel?"
„Das mag ich wohl getan haben; als Freundes« pflicht kg diese Warnung doch sehr nahe."
„Sie gingen noch weiter," sagte der Richter, ihn fest axblidfnb, „Sie warnten tön vor der Kugel, die * noch im Lause hatte, und bewogen ihn, den Schuß abzufenern."
„R'in, soweit habe ich wirklich nicht gedacht," erwiderte C raf Mort atz mit einem spöttischen Lächeln.
„Der Herr Baron behauptet eS; er erklärt, seine Büchse sei noch gekad-n gewesen, als er Ihnen begegnete ; auf Ihren Rat hätte et in Ihrer Gegenwart den Schuß abgefeuert."
„Davon ist mir nichts bekannt."
Der UMersuchnngsrich.er machte eine ungeduldige Bewegung.
„Die Erklärungen deS Herrn Barons haben an mich einen durchaus glaubwürdigen Eindruck gemacht,"
sagte er, „ich erwartete sogar zuverfichtlich, daß Sie dieselben bestättgen würden."
„Ich würde eS sicherlich tun, wenn sie auf Wahrheit beruhten," erwiderte der Graf ruhig. „Sie wollen die Wahrheit wissen, und ich bin verpflichtet, sie Ihnen zu sagen."
„Unter allen Umständen! Sie würden sie mit einem Eide bekräftigen müssen!"
„Ich weiß das."
„Sie erklären also die Behauptungen des Herrn BaronS sür unwahr?"
„Ich kann nicht anders, so gerne ich den Freund retten möchte"
„Sie wissen, waS gestern draußen im Walde vorgefallen ist? Wissen wohl auch, daß der Baron fich in UNtersnchnngShast befindet, und daß auf ihm der Verdacht ruht, seinen Onkel erschossen zn haben?"
„Man sagte eS mir, und im ersten Augenblick wollte ich es nicht glauben, aber nach einigem Nachdenken fand ich nichts Unglaubliches an dieser Geschichte. Bedenken Sie den Haß deS Neffen gegen den Onkel, die Erbitterung, die daS Abholzen des Waldes in ihm geweckt hatte, sein leidenschastkiche», bei der geringfügigsten Veranlassungen aufbrausendes Temperament — und auch Sie werden zugeben müssen, daß die rasche Tat leicht zn erklären ist."
„Sennen Sie den *errn Baron so genau?" fragte der Richter, der fich mit prüfe-dem Blick in dem eleganten Zimmer umgeschaut tatte. „Sie waren nur einige Stunden mit ihm zusammen —"
„Wir haben an zwei Abei den hier gemeinsam soupiert und er w ihte mich in alle seine Fan-ilierwer- hällniffe ein. So gab er mir Gelegenheit, seinen Char atter und fein Temperament zu studieren, und ich habe mir von Anbeginn an gedacht, daß sein Zerwürfnis mit dem Onkel und Vormund lei« gute# Ende nehmen könne."
Der Richter batte fich erhoben; die Furche zwischen seinen Brauen lieh deuttich erkennen, baß er verstimmt war.
„Ich muß Sie bitten, morgen Vormittag um zehn Uhr in meinem Bureau zu erscheinen," sagte er, „die amtliche Aufforderung wird Ihnen heute zugch-Ut werden. Ich werde alsdann Ihre Aussagen zu Protokoll nehmen und den Eid von Ihnen fordern; Sie sehen Wohl ein, wie wichtig die Aussagen für die Untersuchung find. Denken Sie noch einmal darüber nach, Herr Gras —" ,
„Ich werde morgen keine andere Erklärungen geben können: überdies stehe ich im Begriff, abzu- reifen; ich hoffe, diese unangenehme Zeugenpflicht wird mich nicht lange hier zurückhalten."
„So lange, wie ich es nötig finde," sagte der Richter ernst. „ES handelt fich hier nicht um eine Kleinigkeit, sondern um ein Todesurteil. Also aus Wiedersehen morgen früh."
Graf Morray batte ihm nicht gefallen, er setzte Mißtrauen in die Auftichtigkeit dieses ManneS; das ruhige, zuversichtliche Austreten deS Angeklagten gefiel ihm entschieden besser.
Aus welch n Gründen aber konnte der Gras unwahre Aussagen gemacht haben? Der Bmon nannte ihn seinen Freund, der Richter hätte also eher erwarten müssen, daß der Gras für b-n Angeklagten Partei rehmen werd.!
Das Bestreben dieses Zeugen, den Angeklagten zu verderben, mußte dem Richter Mißtrauen einflößen, zumal auch das Verhör der übrigen Zeugen noch keinen genügenden Schuldbeweis ergeben batte.
Er hatte auf dm nächsten Tag daS Hauptverhör angeordnet, bei dieser Gelegenheit wollte er dem ungarischen Grasen scharf an den Zahn fühlen.
Der Lohndiener war ihm vom Hotel ans gefolgt, er trat mit ihm zugleich in die Weinschenke, die der Richter, menn seine Zeit eS erlaubte, jeden Vormittag zu besuchen pflegte.
„Auf ein Wort, Herr Rat." sagte er leise, als der letztere eben in die Gaststube eintreten wollte.
„Sie sind eS, Herr Jnspettor?" fragte er lachend. „Wenn Sie mich nicht angeredet hätten, würde ich
Ausbau von Eisenbahnen. Weiter verbreitete er fich über die Wichtigkeit des Spiritus für Beleuchtungszwecke und Motorenbetrieb; er hoffe, daß diese Verwendung des Spiritus noch zunehmen werde. Im Anschluß an die Audienz bei dem Kaiser empfing die Kaiserin daS Präsidium.
* Der Regierungspräsident von Lüneburg hat die Gemeindevorsteher vo« Baven, Bonstorf und Beckedorf ihres Amtes enthoben, weil fie bei der Landtagswahl ihre Stimme einem „Welfen" gegeben hatte«. — Der Gemeindevorsteher von Mangeln bei Lüben in Schlesien ist feines Amtes entsetzt worden, weil er öffentlich auf die Frage, ob er auch Sozialdemokrat sei, geantwortet hatte: „Ja, recht tüchtig!"
§ Eine Versammlung von Mitgliedern chrift licher Gewerkschaften sprach sich am Samstag in Berlin scharf gegen die katholischen Gewerk- schastm aus. Es hatten sich gegen 500 Arbeiter im Leo - Hospiz eingefunven, zum vorwiegende« Teile Katholiken, die nach einem Vortrage des Landtags-Abgeordneten Schirmer- München und nach längerer Diskussion einmütig folgende Re- folutionen annahmen: „Die heute im Leo-Hospiz tagende Versammlung von rund 500 christliche» Arbeitern erklärt sich gegen die sogen, katholischen Gewerkschaften, und zwar deshalb, weil 1) durch die katholischen Gewerkschaften eine wirksame Ver- ttetung der Standesintereffen der Arbeiter nahezu unmöglich ist, 2) durch die Zersplitterung der christlichen Arbeiter auch ihr Einfluß in sozial- demokraüschen Körperschaften, Gewerbegerichte», Krankenkassen rc. geschwächt wird und 3) durch die Bevormundung der christlichen Arbeiter auf diesem Gebiete eine gesunde, christliche Arbeiterbewegung lahm gelegt, dagegen die sozialdemo- krattsche Bewegung gefördert wird. Die katholischen Arbeiter haben im Rahmen des Erlaubte« zur Vertretung ihrerJnteressen dasselbe Freiheits- verlangen, wie die anderen Stände. Die Versammlung fordert daher alle christlich gesinnten Arbeiter auf, unentwegt für die christlichen und gegen die katholischen Gewerkschaften Stellung zu nehmen."
—* Der Vorsitzende der Fraktiou der Pole« im Reichstage, Abg. Ferdinand Fürst Radzi- will, erklärt in einer Zuschrift an die .Germania', die Mitteilungen des .Dziennik BerlmSki' über seine Aeußerungen in der ersten FraktionS- fitzung seine ungenau und unvollständig. Er habe sehr wohl gewußt, die Verurteilung beffen, was ihm in der oberschlesischev Wahlbewegung seitens der radikalen Richtung bedauerlich und inkorrekt erschien, in Einklang zu bringen mit der Betonung des übrigens selbstverständlichen Rechtes seiner Fraktion, auch für die polnische Bevölkerung Oberschlefiens den Schutz der ihrer Nationalität entsprechenden besonderen Rechte sich angelegen sein zu laflen, soweit dies gerechtfertigt und erforderlich erscheine.
* Unter den von der polnischen Fraktion im Reichstags eingebrachten Anträgen befindet fich ein Antrag auf Erlaß eines Gesetzes betr. die Sprache des Religionsuuter-