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Druck und Verlag bes KlldaerActtendruckerei in §ulba (Harmonie) Zernsprecher Sr. 9.

M 286.

ftllda, Montag, den 14. Dezember 1903.

30. Jahrgang.

§ Iesuttenantrag und Toleranz antrag.

Gleich nach Einbringung des Jesuitenantrags im Reichstage las man in liberalen Blättern, das Zentrum werde es nicht eilig haben, ihn «ms die Tagesordnung zu bringen, weil die Aus­sichten für ihn schlecht seien. Wir glauben schon daß der Antrag manchem ungelegen kommt und mancher sich freuen würde, wenn er einstweilen Legen bliebe. Man darf aber überzeugt sein, daß es dem Zentrum Ernst mit ihm ist und es nicht daran denkt, ihn ad Kalendaa graeeas zu vertagen.

Daß die Lage sich zu ungunsten des Antrags verschlechtert hat, können wir uns allerdings nicht verheimlichen. Der Evangelische Bund hat solange und so skrupellos gewühlt und gehetzt, bis er den Schein einer großen protestantischen Volksbewegung gegen die Aufhebung des § 2 wie des ganzen Gesetzes erweckt hatte. Es ist ihm vor allem gelungen, kirchliche Körperschaften bis zu der preußischen Generalsynode und dem deutsch - evangelischen Kirchenausschuffe hinauf mobil zu machen und zu Kundgebungen für den Fortbestand des Gesetzes zu bewegen. Daß die Masse des protestantischen Volkes sich wegen der Jesuiten aufregt, bezweifeln wir noch immer. Diese Masse, die sich um kirchliche Fragen zu­meist nicht kümmert, wird auch nach den Jesuiten nicht viel fragen. Aber die Hetzer haben die Mehrheit der kleinen Bundesregierungen einge- -schüchtert und ebenso manchen Reichstagsabge- vrdneten, der sonst wohl gegen die Beseitigung des gehässigsten Ausnahmegesetzes nichts einzu­wenden gehabt hätte.

Der Abg. Dr. Sattler hat sich bereits gegen den Antrag erklärt. Ob er im Namen aller Nationalliberalen gesprochen haben mag? Gin Teil von ihnen müßte dann den „Jung- liberalen" zu Liebe Harikiri machen und die Bennigsen, Marquardsen usw. verleugnen, denen sie früher gefolgt find. Ein protestantischer Theologe, wohl aus den Kreisen des evangelischen Bundes, gibt den Konservativen, die früher in ihrer großen Mehrheit wenigstens für die Auf­hebung des § 2 gestimmt haben, zu bedenken, daß sie das im Interesse des konfessio­nellen Friedens und der evangelischen Kirche ferner nicht mehr mit gutem Gewissen tun könn­ten. Er möchte, daß das Zentrum mit den So­zialdemokraten, Polen usw. allein bliebe und so ein Reichstagsbeschluß zu stände komme, der „weder der Regierung noch dem deutschen Volk imponieren könnte. Die -,Kreuzztg.' hat sich bekanntlich bisher wacker dem evangelischen Bunde widersetzt und die Aufhebung des § 2 verteidige' Wir hoffen, daß sie die Meinung der großen Mehrheit der konservativen Partei auch heute noch vertritt und daß diese sich nicht selbst so ins Gesicht schlagen wird, um sich von der halb und ungläubigen Gesellschaft des evangelischen Bundes ihre Haltung vorfchreiben zu lassen. Der Beschluß der Generalsynode, der ohne alle par- lameutarisch-polittsche Erwägungen gefaßt ist, Iann für die Konservativen doch nicht so maß­

gebend sein, daß sie die ganze parlamentarische Lage unberücksichtigt lassen könnten, zumal da er etwas ungerechtes fordert.

Wenn der Reichskanzler infolgedessen nicht gewagt hat, den Antrag auf Aufhebung des § 2 im Bundesrate zu stellen, und wenn die Zahl der Abgeordneten, die „im Interesse des konfessionellen Friedens" nicht für den Zentrums- antrag zu stimmen wagen, wieder zugenommen hat, fo ist doch deshalb das Jesuitengesetz noch genau so ungerecht und gehässig, wie es früher war. Das Zentrum kann also gar nicht auf seinen Antrag verzichten. Wir verstehen auch nicht, 'wie gerecht denkende, unabhängige Männer, die früher für die Aufhebung des gan­zen Gesetzes oder doch des § 2 gestimmt haben, jetzt verteidigen können, was sie vor einem Jahre verurteilt haben. Halten sie die Bestimmungen des Gesetzes für ungerecht, so können diese doch nicht dadurch gerecht werden, daß eine den Haß gegen die Katholiken gewerbsmäßig schürende Gesellschaft sie beibehalten will. Ein Volks­vertreter muß doch den.Mut haben, nach seiner Ueberzeugung und seinem Ge­wissen zu bandeln.

Dem Reichskanzler wäre es gewiß ganz lieb, wenn der Jesuiten - Antrag diesmal im Reichstage durch sie le oder doch nur mit Hilfe der „Reichsfeinde" zur Annahme gelangte. Er befindet sich seit seiner Erklärung vom 8. Februar mit dieser Frage in nicht geringer Ver­legenheit. Allein das kann für das Zentrum nicht in Betracht kommen. Im Gegenteil es muß nun erst recht verlangen, daß mit dem Ausnahme­gesetze aufgeräumt wird. Wenn die preußische Regierung mit Zustimmung desKönigs bereit ist, den 8 2 zu beseitigen, dann kann das für das Zentrum nur ein Ansporn sein, immer von neuem und entschiedener auf seine Forderung zurückzukommen.

Wir hoffen, daß auch der Toleranz-An­trag noch in dieser Tagung zur Verhandlung kommt. Er ist ebenso wichtig wie der Jesuiten- Antrag, vielleicht noch wichtiger. Bei der Menge der dem Reichstage vorliegenden Jnüiativ- Anträge und der großen Zahl von Fraktionen wäre es allerdings möglich, daß das Zenttum nicht mehr beide auf die Tagesordnung bringen könnte und daher zu wählen hätte, ob ihm der Fesuiten-Antrag oder der Toleranz-Antrag dring­licher erscheine. In diesem Falle würde dann der zurückgestellte Antrag in der nächsten Tagung der erste sein. Damit wollen wir indessen vorläufig noch nicht rechnen, sondern an der Hoffnung festhallen, daß beide Anträge in dieser Tagung zur Erledigung kommen. Von dem Abg. Dr. Sattler haben wir bereits das er- freulicheZugeständnis, daß in manchen Einzelstaaten noch Ungerechtigkeiten gegenüber den Katholiken bestehen. Es klingt wie Hohn, wenn der Theo­loge der .Post' behauptet, diejenigen Staaten, wie Mecklenburg und Braunschweig, in deren Gesetzgebung noch einige antiquierte Bestimmungen über katholische kirchliche Verhältnisse sich erhalten hätten, hätten sich unterdessen auf die Mahnung des Reichskanzlers beeilt, den berechtigten Be-

Aas Majorat.

Roman von &uoalb August König. 65 ------- (Nachdruck •»erboten.)

„Unb ick weiß es ganz sicher, ich kenne das. Ihr Herr Prinzipal hat von dem Haarfärbemittel eine Flasche bei mir gekauft, hier ist die zweite, die heute morgen bestellt wurde, wahrscheinlich hat der ungarische Gras — wie?"

Der Kommis mußte lachen, als er den Blick des kleine» hageren Mmmes auf sich gerichtet sah, er zuckte mit den Achseln.

„Möglich ist das, aber mit Sicherheit kann ich es nicht behaupten," sagte er, „cs geht mich ja auch nichts cm."

„Natürlich nicht," erwiderte Burger, an den Spitzen seines Kaebelbartes drehend, „aber einen Aveck hat'S immer, wenn jemand seine Haare färbt. Und in der Regel ist es ein schlimmer Zweck —"

„rbet Eitelkeit!"

„Aach das — habe die Ehre!"

Der Friseur batte die Flasche auf den Zahltssch Gestellt, er verließ dar Haus wieder, sein scharfer Mick entdeckte den Grafen in der Ferne; er beschloß, ihm zu folgen.

Der vornehme Herr interessierte ibn, seine Neugier War geweckt, er wollte nun auch mehr von ihm er« sichren, ohne dabei eine bestimmte Absicht zu verfolgen.

Graf Morray hatte davon keine Ahnung, in ärger­licher Stimmung verfolgte er seinen Weg zum „Pariser

Ihm war dir Verhaftung Dagoberts schon des­halb unangenehm, weil er durch sie mit dem Gericht Ä» nahe Berührung kam.

Es war möglich, daß die Betörde es nun für notwendig erachtete, sich mit seiner (des Grafen Mor-

rah) Person angelegentlich zu beschäftigen, um seine Glaubwürdigkeit festzustellen; wie leicht konnte da seine Bergangenheit an den Tag kommen, und dann hatte er seine vornehme Rolle für lange Zeit aus­gespielt

Was sollte er nun machen? Dem Verhör durfte er sich nicht entziehen; er wußte, daß ein wichtiger Zeuge vom Gericht so lange aufgesucht wurde, bis er gefunden war.

Sollte er in diesem Verhör die Wahrheit sagen? Welchen Dank halte er davon? Baron Dagobert löste den Wechsel ein und zog sich dann von ihm zu­rück; überdies hatte er die Rache des Bankiers zu fürchten, der je'erfalls die Polizei auf ihn aufmerksam machte.

Sagte er die Unwahrheit, so war er durch seinen Eid an dies- Aussage gebunden, die er nicht wohl zurückaehmev könn e, ohne sich selbst zu gefäbrden. Der Bankier wartete vielleicht nur darauf, um ihn zu betrügen; er hielt diesen Mann jetzt zu allen schlim­men Dingen fähig.

Er war noch zu keinem Entschluß gekommen, als er das Hotel erreichte; der Portier übergab ihm den Schlüssel zu sein.m Zimmer. Noch immer in Brüten versunken, stieg der Graf die breite, mit Teppichen belegte Treppe hinauf.

Eine Mcme später stand Burger neben dem Portier, der ihn wie einen alten Bekannten begrüßte.

„Sieht man Euch auch noch einmal?" fragte er, ihm die Hand bietend.

„Hättet mich hävfiger ff. en können, wenn Ihr wolltet!" erwiderte dec Friseur vorwurfsvoll. „Wir haben doch auf der Schulbank neben einander gesessen, weshalb empfehlt Ihr mich nicht Eu en Gästen?"

„Weil sie selten oder nie nach einem Friseur fragen", sagte der Portier mit einen- raschen, forschen­den Blick aus einen einfach gekleideten bejahrten Mann, btt in ier Nähe stand.

„Wie lauge ist der Herr hier, der eben ins Hotel hineinging?"

schwerden der Kathollken abzuhelfen. Was in Braunschweig trotz des Katholikengesetzes von 1902 noch möglich ist, davon haben wir ja ganz kürzlich ein paar Proben erhalten. Ein preu­ßischer katholischer Geistlicher wird zu 30 Mk. verurteilt, weil er auf Wunsch des katholischen Vaters in einer braun­schweigischen Enklave ein sterbenskran­kes Kind getauft hat! Sachsen hat überhaupt keine Miene gemacht, seine antiquierte intolerante Gesetzgebung zu ändern. Es scheint das auch nicht tun zu wollen, und schon darum bleibt nichts übrig, als die Reichsgesetzgebung in Be­wegung zu setzen. Es mußte deshalb auch das Zentrum den ganzen Toleranzantrag, nicht bloß den vom Reichstage angenommenen" ersten, die private Religionsfreiheit aussprechenden Teil, sondern auch der zweiten, der die freie Religions­übung auch den Religionsgesellschaften sichern soll, wieder einzubringen. Künstlich konstruierte ver­fassungsmäßige Bedenken können da gar nicht in Betracht kommen. Wer aber solche Bedenken hat, der mag dafür wirken, daß die intolerante, an­tiquierte Gesetzgebung in den Einzelstaaten abge­schafft wird. Dann brauchen wir keinen Toleranz­antrag im Reichstage.

Berlin, den 12. Dezember 1903

§ Der Kaiser ist heute zum ersten Male seit seiner Erkrankung wieder nach Berlin gekommen. Er und die Kaiserin trafen heute nachmittag vom Neuen Palais kommend, auf dem Potsdamer Bahnhof ein und begaben sich zunächst nach der Königlichen Akademie der Künste, um dort Ge­mälde zu besichtigen, die für den neuen Dom bestimmt find. Sie wurden während der Wagen­fahrt von dem Publikum aufs lebhafteste be­grüßt.

** Das Präsidium des Reichstages wird Montag vormittag 10 Uhr vom Kaiser im Neuen Palais empfangen werden.

* Die wichtigsten Ergebnisse der Ein- kommensteuerveranlagung für 1903 wer­den in der amtlichen.Statist. Korr.' mitgeteilt. Danach hat auch im letzten Jahre eine wesent­liche Zunahme der einkommen steuerpflichtigen Zenfiten stattgefunden, aber das steuerpflichtige Reineinkommen ist verhältnismäßig nur sehr wenig gestiegen und die Einkommensteuer sogar um Millionen zurückgegangen. Es spiegelt fich in diesen Zahlen die ungünstige Wirtschafts­lage der letzten Jahre wieder, von der besonders die besseren Einkommen ergriffen worden sind. Da letztere sich in rückläufiger Bewegung be­finden, hat bei dem progreffiven Charakter unserer Einkommensteuer trotz des vermehrten Einkommens der Steuerertrag zurückgehen müffen, was seit 1894 nicht der Fall gewesen war. Die Zahl derZenfiten bis zu 3000 Mk. ist in den letzten Jahre von 3 309696 auf 3433488, alfo

„Graf Morre y ? lieber acht Tage."

Und jeder Tag hat er einen Friseur nötig ge­habt!"

„Wie könnt Jyr bas wissen?"

„Er färbt bie Haare und ben Bart!"

„Unsinn!" lachte der Portier. „Was steht Ihr hier?" fuhr er den Fremden au, der unhörbar näher gekommen war. »

„Ich bin ein Lohndiener," erwiderte der alte Mann schüchtern, „wenn ich hier etwas verdienen könnte —"

„Unser Hotel hat seine eigenen Lohndiener!"

„Sie find ja nicht immer zur Hand, kaffe« Sie mich hier stehen, ich bin ein armer Familienvater und toeibc mich dankbar bezeigen."

,,Na, meinetwegen!" sagte der Porticr achsel- zuckend. „Wenn Graf Morroy einmal nach einem Friseur flögt, werde ich Euch empfehlen, Burger, das verspreche ich Euch. „Habt Ihr viele Hotelkunden?"

„Rein!"

„Weil Ihr das Geschäft nicht versteht, guter Freund! Wenn man in einem Hotel oerdienrn will, muß man auch die Leute was verdienen laste«, eine Hand wäscht die andere! Ihr könnt es ja auf den Preis schlagen; im Hotel ist alles teuer —"

„Ich hab' ein offene- Geschäft und feste Presse!"

„Das ist auch wieder Unsinn! Feste Preise! Darüber lacht man heutzutage!"

„Der Graf lebt wohl auf großem Fuße?" fragte Burger.

„Kann's nicht sagen; mag in seiner Heimat ein vornehmer Herr sein, mir imponiert er nicht."

„Weil er keine Trinkgelder gibt?" warf der Lohn- diener ein.

„Es kommt nicht allein darauf an, was man gibt, sondern auch wie man's gibt!" sagte der Portier, abermals mit einem Achselzucken. „Wer mir et» Gold­stück gibt, als ob eS nur ein Groschen wäre, ist in meinen Augen rin ganz anderer Kerl als derjenige, der mir zehn Groschen mit großer Wichtigkest Über­

um rund 124000 oder 3,7 v. H., die der Zen- fiten mit über 3000 Mark Einkommen von 449 681 auf 461696, also um 12000 oder um 2,7 v. H. gestiegen. Während das Gesamt­einkommen der Zenfiten mit höchstens 3000 Mark um 156 Millionen Mark gestiegen ist, ist das der Zenfiten mit über 3000 Mark um 7 Millionen Mark zurückgegangen. Das Durchschnittsein­kommen der Zenfiten mit 900 bis 3000 Mark betrug 1901 1347»/?, 1902 1348 und 1903 1344 Mark, ist also nur wenig gesunken, während das der Zenfiten mit über 3000 Mark 1901 9291, 1902 9118 und 1903 8866 Mark be­tragen hat, also in zwei Jahren um 425 Mark zurückgegangen ist.

* Stiftungen deutscher Arbeitgeber. Nach der in der Zeitschrift ,Arbeitetfreunb' ver­öffentlichten Aufstellung beliefen sich im dritten Vierteljahr 1903 die Stiftungen deutscher Arbeit­geber für Angestellte, Arbeiter und Volkswohl­fahrt auf 7,178,896 Mark.

parlamentarische Nachrichten.

* Der Antrag betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschaugebühreu, dessen Wort­laut wir in der letzten Nummer unserer Zeitung mitgeteilt haben, ist von dem Abg. Müller- Fulda, der bekanntlich dem Vorstande der Zentrums-Fraktion angehört, eingebracht worden.

** Die neue „Wirtschaftliche Ber­einigung" im Reichstage hat sich nur auf Verlangen des Bureaus und infolge einer Ver­fügung des Präsidenten formell als Fraktion anmelden müffen. Der Abg. v. Dallwitz gehört ihr übrigens nicht an. Es gehören dazu die Abg. Liebermann v. Sonnenberg als Vorsitzender, Bachmeier als sein Stellvertteter, Dr. Wolf als Schriftführer, Dr. Stöcker, Dr. Burckhardt, Graf Reventlow, Lattmann,Vogt-Hall, Vogt Gera­bronn, Hilpert, Mittenmeier, Stauffer und Zindler. Außerdem haben sich zum Zwecke der Kommissions­zählung noch die vier antisemitischen Abg. Boeckler, Brahm, Gräfe und Werner, sowie der „deutsche Volksbündler" Fröhlich mit aufführen taffen, so daß die Vereinigung 18 Mitglieder umfaßt.

* Nunmehr ist auch von den Pole« eine Reihe von Anträgen — man spricht von 20 — eingebracht worden.

* Der Abg. Dr. P ach nicke hat gestern, unterstützt von der freisinnigen Vereinigung und der deutschen Volkspartei, im Reichstage den Antrag eingebracht, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher die dem Koalitionsrecht noch entgegenstehenden Beschränkungen beseitigt und insbesondere I. den § 152 der Gewerbe­ordnung dahin ändert a) daß derselbe nicht nur auf Erlangung besserer, sondern auch auf Er­haltung bestehender Arbeits- und Lohnverhältniffe Anwendung findet; b) daß sich die entsprechenden Verabredungen und Vereimgungen nicht nur auf die individuellen Interessen der sich Verabreden­den oder Vereinigenden, sondern auch auf die Interessen der Arbeiter und Arbeiterinnen im

reicht. Ich kann mir nicht Helsen, manchmal komm! es mir vor, als ob dieser Graf mehr Trinkgelder empfangen als ausgegeben hätte. Na, na, was will denn der Untersuchungsrichter bei uns?"

Mit weitgeöffneten Augen starrte er den Richter an, der die Frage an ihn richtete, ob ®ras Morray zu Hause sei.

„Jawohl, Zimmer Nummer fünf", antwortete er.

Der Untersuchungsrichter stieg rasch die Treppe hinauf und klopfte an der ihm bezeichneten Thür en; gleich darauf stand er dem Grasen gegenüber.

„Sie verzechen, daß ich Sie hier aussuche," sagte er. „Ihre Aussage ist in einer Unterfuchungssache von großer Wichtigkeit; ich komme pe sönlich hierher, weil ich Sie so rasch, wie die Verhältnisse eS erfordern, ir-cht wobl vorladen kann. Sie find mit dem Herrn Baron Dagobert von Darboren befreundet?"

Graf Morray verlor seine Fassung nicht, er bot mit einer leichten Verneigung dem Richter einen Stuhl an.

„Ja, was man so befreundet nennt!" erwiderte er. „Ich habe in Haus Eichenhorst mein Besuch gemacht, Baron Dagobert bot sich mit in dics-r vöuig fremben Stadt a!8 Cicerone an."

„Sie waren auch gestern nachmittag mit ihm zu­sammen ?"

„Gegen Abend."

„Sie wollten ihn besuchen, und er kam Ihnen draußen im Walde entgegen?"

„So ist es."

„An welcher Stelle begegneten Sie ihm?"

„So genau kann ich das nicht beichreiben."

„Baron Dagobert behauptet, die Begegnung habe zwischen dem Försterhanse und der Stadt statt gesunden."

„Das kann sein, das Försterhaus kenne ich nicht."

„ES kommt am Ende auch wenig darauf an, wenn die übrigen Behauptungen von Ihnen bestätigt werden," sagte der Richter. „Hörten Sie einen SchtH, während Sie mit dem Baron fich unterhielten?"

(Fortsetzung folgt.)