Maer M Zeitung
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Monakbtllag-: „Wdaer Geschichtsblätter"
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fulda, Samstag, den 12. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
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*.wschenbeiiage:„IllustrierteSanntagszeitung"
Wachen-Rundschau.
□ Fulda, 12. Dez. 1903.
(Nachdruck verboten.)
"Der deutsche Reichstag ist am 3. Dezember rnöffnet worden. Der Kaiser konnte der Eröffnung nicht persönlich beiwohnen, weil die jüngst an seinen Stimmbändern vorgenommene Operation ihm die Bor- Äsuug der Thronrede noch nicht gestattete. Er ließ aber in der Thronrede, die der Reichskanzler verlas, alle», die an seinem Leiden und seiner Heilung Anteil genommen haben, seinen Dank aussprcchen. Zu irgend welchen Besorgnissen liegt kein Anlaß vor. Di-beuu- nchigenden Gerüchte, die neuerdings wieder verbreitet worben find, find durchaus unbegründet. Die Erkrankung hat einen gutartigen Charakter, die Heilung »erlidest normal. Die Thronrede enthält, wie man baS seit Jahren gewohnt ist, keine besonderen Ueber- »aschungen. Sie bestätigt, daß Ht Militärvorlage um am Jahr verschoben worden ist, und kündigt die Ge- ßetzenttvKrfe an, die man erwartet hatte. Die Scharfmacher find enttäuscht, weil fie von der Sozialdemokratie und vom Kampfe gegen diese schweigt. Die Bemerkung, die verbündeten Regierungen seien fest eutschloffei', „unbeirrt durch politische Strömungen" bie sozialpolitische Gesetzgebung fortzuführen, kann sogar als direkte Absage gegen das Scharfmachertum «gesehen werden. Welch- sozialpolitische Maßnahmen « »ächster Zeit geplant find, sagt die Thronrede aller- biugs nicht; sie kündigt nur die Vorlage über die Kaufmannsgerichte an. Der Abschnitt über die auswärtige Politik nimmt besonders auf die Vorgänge in Mazedonien bezug, wo deutsche Interessen erst in Weiter Linie ständen, und erwähnt die Monarchen- Begegnungen in Rom, Wien und Wiesbaden, durch bie d-« Hoffnung aus Erhaltung des Friedens auss neue befestigt worden s'i.
D»e Konstituierung des Reichstags ging in ixr Weit« Sitzung ohne Zwischenfall vor sich. Zum Präsidenten wurde Graf Ballestrem (Zentr.), zum ersten Vizepräsidenten Graf Odo zu Stolberg (tont.), MM zweiten Dr. Paasche (ntl.) gewühlt. Die Sozialdemokraten bereinigten 68 Stimmen auf Singer als ersten Vizepräsidenten und b gmtgten sich bei der Wahl des Präsidenten und des zweiten Vizepräsidenten damit, durch Abgabe weißer Zettel zu „demonstrieren"; dabei unterstützte sie ein Teil der Linksliberalen. Die Pole» sollen bei der Präsidentenwahl gleichfalls weiße Zettel abgegeben haben, um ihrer Unzufriedenheit mit b« Person des Grafen Ballestrem Ausdruck zu geben. Die von den Sozialdemokraten beanspruchten beiden Schrfftführer aus ihrer Mitte blieben wie Singer in der Minderheit, Verloren wurde um die Ansprüche der Genoffen kein Wort. Sie werden wohl selbst eingesehen haben, daß sie schlecht abschmiden würden, «en« fie „aufbegehren" wollten.
Groß ist wieder die Zahl der gleich in den ersten Tagen eingebrachten Initiativanträge. An die Erledigung, auch nur der Hälfte in dieser Tagung, P nicht zu denken. Das Zentrum brachte den Jesmtenantrag, den Toleranzantrag und den Diäten- «trag wieder ein. Ferner legte tt eine Reihe sozialpolitischer Anträge vor und brachte eine Interpellation über die A"sführ«ng der kaiserlichen Februarerlasse Olrbeilervertretungen) ein. Die sozialdemokratische Presse ist dafür alsbald über das Zentrum hergefallen, den» so etwas betrachten die Genossen als unlauteren Wettbewerb.
Am Mittwoch begann die erste Beratung des EtaK und der Finanzvorlage. Der neue Schatz- Äretär Freiherr von Stengel leitete sie ein und «Pfahl dabei dringend seine Reform. Aus der Rede des Ze»trumSabgeordncten Dr. Schäd ler dürfte er «dessen wohl entnommen haben, daß die Reform wenig Aussicht hat. Eingehend erörterte Dr Schädler die unangerehmen Erscheinungen, die sich in der Armee entwickelt baben und die endlich im Prozeß Bilse, in den Prozessen über Soldatenmißhantlung rc. an die Veffentlichkeit getarnt sind, und die Polenfrage, in bie sich bekanntlich jetzt auch das Reich mit der Ost- markenzulage mischen will.
Im badischen Landtage brachte das Zentrum twe Jnterp.llation über die Ordeneftage em. Die Thronrede halte sich über diese Frage vollständig aus- ,«schwiegen.
Ja Oesterreich kommt das Abgeordnetenhaus loegen der tschechischen Obstruktion nicht zum Arbeiten. In Ilngarn scheint die Obstruktion ihrem Ende ent- legenzngehen. Die Kossuthpartei hat sich mit Tisza »ertragen, der abermals die W^hlresorm zusagte, «egen der Armrefrage eine neue, die Heißsp'rne beledigende Erklärung bgab (die Quelle jedes Rechts sei m Ungarn der Wille der Nation, sagte er) und «tf die fernere Abhaltung von Doppelsitzungen verzichtete. Nur etwa 20 Mitglieder der Lii ken setzen bie Obstruktion noch fort. Binnen kurzem dürsten bas Rekrutengesetz und di; Jndemnitätsvorlage zur Annahme gelangen. Der „Wille der Nation" wird Ach aber wohl vale zum Schaden Oesterreichs geltend machen.
In Frankreich bemühen sich die Nationalisten, bie politische Leidenschaft wegen der Revisiv" des Tweys»?-Prozesses von neuem aufzuregen. Es scheint ober nicht gelingen -u wollen. In der Kammer wurde in letzter Zeit die Geschäftsführung des Marineministers Pellatau, namentlich von seinem Vorgänger, dem Radikalen Lockrry heftig angegriffen,
jedoch ohne sonderlichen Erfolg. Die Beschwerden der Rechten über die Bertteibuag der Nonnen aus den Marinehospitälern wagte der Minister zu begegnen mit dem Borwurfe des Diebstahles gegen die Nonnen. Weiter kann der kulturkämpferische Haß nun doch wohl nicht gehen.
In Italien errang dar Ministerium ©iolitti, das unter so ungünstigen Vorzeichen wie dem Selbstmorde des Fiüanzministers Rosano in's L-ben getreten war, in der Kammer ein ansehnliches Vertrauensvotum. 284 Deputierte stimmten für das Ministerium, 114 dagegen. An allen möglichen schönen Versprechungen hatte Giolitti eS bei der Entwicklung seines Regierungsprogramms ja auch nicht fehlen laffen. Ob etwas davon verwirklicht werden wird, ist eine andere Frage. Jedes Ministerium verspricht eine Menge wirtschaftlicher und finanzieller Reformen; es kommt aber nie dazu, we l die erbärmliche italienische Parlaments- und Partei-Wirtschaft positive Arbeit unmöglich macht.
In Spanien hat Ministerpräsident Billaverde seine Entlassung genommen, weil ihm die Opposition unter Anwendung der Obstruk ion Schwierigkeiten mit dem Etat machte und die konservative Regierungspartei ihn zum teil im Stich ließ. Das neue Ministerium wurde von Mama gebildet, um den sich neuerdings die Mehrheit der Konservativen geschart hatte. Lange wird auch er es wohl nicht aushalten. Vorläufig versprach die Minderheit ihm allerdings Einstellung der Obstruktion.
In Rußlano haben neuerdings mehrfach wieder Studentenunruhen stattgefunden; so in Warschau und namentlich in Kiew. Hier wurden 80 Studenten verhaftet.
In Ostasien sollte nach einer amerikanischen Meldung dank der Bemühungen Englands und Frankreichs zwischen Rußland und Japan eine Verständigung dahin erzielt worden sein, daß Rußland den Japanern in Korea und Japan den Russen in der Mandschurei so ziemlich freie Hand ober doch die Vormachtstellung ließe. Dabei sollte aber zugleich der „unversehrte Bestand Chinas und Koreas" anerkannt werden. Von Tokio aus wurde diese Nachricht stark angezweifelt. Dort wacht sich jedenfalls fortgesetzt eine starke Bewegung geltend, die zum Kriege mit Rußland drängt. Japan soll in Petersburg baldige Antwort auf seine endgiltigen Vorschläge verlangt havkn, Graf Lams dorff aber die Entscheidung hinauszuschleppeu bemüht sein. In diplomatischen Kreisen rechnet man allem Anscheine nach immer noch m t einem friedlichen Ausgleich. Nach einer englffchen Meldung stünde China im Begriff, mit Rußland ein Abkommen über die Mandschurei abzuschließen. Die geien die Chunchusen am ßionfluffe entsandte russische Expedition brachte den Chunchusen eine schwere Niederlage bei.
An den Kongreß der Bereinigten Staaten hat Präsident Roofevelt eine Botschaft gerichtet, worin er sämtliche Fragen der inneren und auswärtigen Politik, das Trustproblem, die EinwanderungSfrage, die Wohnungsfrage, die Flottenfrage usw. behandelt, und natürlich in einem dem Selbstbewußtsein der Amerikaner schmeichelnden Sinne. Den Kampf gegen die Trusts hat er offenbar schon aufgegeben. Bon der Schutzzollpolitik redet er auffallender Weise nicht, dagegen klagt er über den ungünstigen Stand der StaatLfinavzen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 11. Dezember 1903
* Zum Kinderschutzgesetz haben die Minister für Handel, Unterricht und des Innern gemeinsam Ausführungsbestimmungen erlassen. Unter der Bezeichnung höhere Behörde ist für den Landespolizeibezick Berlin der Polizeipräsident, im übrigen der Regierungspräsident, für die der Aufsicht der Bergbehörden unterstehenden Betriebe das Oberbergamt zu verstehen. Als untere Verwaltungsbehörde gilt in der Regel der Landrat, bei größeren Städten Ortsp lizei oder Magistrat, gär die Zeit bis zum 31. Dezember 1905 können die unteren Behörden Ausnahmen zulaffen, von der die Beschäftigung fremder Kinder über 12 Jahre beim Aus tragen von Waren und bei sonstigen Botengängen sowie die Beschäfttgung eigener Kinder über 12 Jahre beim Aus tragen von Zeitungen, Mrlch und Backwaren, wenn sie für dritte erfolgt, nicht in die Zeit zwischen 8 Uhr abends und 8 Uhr morgens und nicht vor dem Vormittagsunterrichte stattfinden darf. In Abweichung hiervon kann gestattet werden, daß die Beschäftigung bereits von 6i/s Uhr morgens an und vor dem Vormittagsunterricht, jedoch vor diesem nicht länger als eine Stunde, stattfindet. Eingehende Bestimmungen werden über das Aufsicytsrecht der Verwaltungsbehörden getroffen. Danach ist u. a. die Befolgung der Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes bei jeder stch darbietenden Gelegenheit, insbesondere bei den von den Ortspolizeibehörden oder den Gewerbeauffieptsbeamten aus anderem Anlaß vorzunehmenden Revisionen der Betriebe sorgfältig zu überwachen. Außergewöhnliche Revisionen firkd nach Bedürfnis und insbesondere dann vorzunehmen, wenn der Verdacht einer gesetzwidrigen Beschäftigung von Kindern vorliegt. Besondere Aufmerksamkeit ist den für Kinder verbotenen Beschäftigungsarten zuzuwrnden. Wenn sich aus der vom Arbeitgeber der Ortspolizeibehörde erstatteten Anzeige
ergibt, daß Kinder in solchen Betrieben beschäftigt werden sollen, so ist von den Ortspolizeibeyörden (Bergreoierbeamten) durch besondere bei den Gewerbeunternehmern von Zeit zu Zeit vorzunehmende Revision sorgfältig zu überwachen, daß die Beschäftigung nur bei dem gesetzlich gestatteten Austragen von Waren und bei sonstigen Botengängen stattfindet. Bei der Aufsicht über die Durchführung der für die Beschäftigung eigener Kinder geltenden Vorschriften ist der Bestimmung des Gesetzes besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, wonach eigene Kinder unter zwölf Jahren in der Wohnung oder Werkftätte für Dritte nicht beschäftigt werden dürfen. Ferner ist die Bestimmung des Gesetzes zu beachten, wonach in Privatwohnungen, in denen ausschließlich eigene Kinder beschäftigt werden, Revisionen während der Nachtzeit nur stattfinden dürfen, wenn Tatsachen vorliegen, welche den Verdacht der Nachtbeschäftigung dieser Kinder begründen. — Den Ausführungen bestimmungen sind Muster für die Form der Arbeitskarte beigegeben, deren alle Kinder bedürfen, die als frembe im Sinne des Gesetzes beschäftigt werden sollen, soweit die Beschäftigung nicht bloß gelegentlich mit einzelnen Dienstleistungen erfolgt. Die int Kleinoktavformat ausgefertigte Karte ist von grauem Papier. An ihrem oberen Rande ist der Reichsadler gedruckt, darunter mit großen Buchstaben das Wort „Arbeitskarte", dann folgt der Name, das Datum der Geburt und der Geburtsort des Kindes, für das die Karte ausgestellt ist, sodann Name, Stand und letzter Wohnort des gesetzlichen Vertreters des Kindes, endlich der polizeiliche Vermerk, wann und unter welcher Nummer die Karte in das polizeiliche Verzeichnis eingetragen ist, und die Unterschrift nebst Stempel der Polizeiverwaltung. Auf der Rückseite der Karte werden etwaige zugelassene Ausnahmen von den Bestimmungen des Kinderschutzgesetzes eingetragen. Ferner sind dort die für den Arbeitgeber hinsichtlich der Behandlung der Arbeitskarte geltenden Vorschriften abgedruckt.
* Die Reichsschuld. Dem Reichstag ist gestern neu zugegangen die „Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 erloffenen Anleihegesetze." Danach find an Anleihen ausgcgeben bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1901 2,502,379,882.88 Mark, im Rechnungsjahre 1902 150,313,516.90 Mark, zusammen 2,65 Milliarden. An Resten find 53,1 Millionen Mark verblieben. Das Soll nach den Etats und den betreffendenGesetzen beträgt 3,008,433,185.47, also rund etwas über 3 Milliarden Mark. Gegen das Soll ist ein Weniger von 302,7 Millionen Mark vorhanden.
* Die neue Poststatistik. Die neue Statistik der Reichs-, Poft- und Telegraphen- Verwaltun g ist kürzlich fertiggestellt worden, und ist dem R e i ch s t a g e bei seinem Zusammentritt zugegangen. Das Heft liegt der Korrespondenz Groß-Berlin bereits vor, die ihm die folgenden wichtigsten Angaben entnimmt: Das Reichspost- und Telegraphengebiet — also ohne Bayern und Württemberg — zählte am Ende des Jahres 1902 insgesamt 32 542 Postanstalten, von denen 17487 Teleg^aphenbettieb haben. Im ganzen gibt es 22 292 Telegraphenanstalten. Fern- fprechanstalten gibt es 16292, Postbriefkasten 106 074, Postbeamte usw. 209906. Die Reichspost beförderte im Jahre 1902 5515 Millionen Sendungen, 42 Millionen Telegramme und ver- mittette 757 Millionen Ferngespräche. Der Gesamtbetrag des vermittelten Wert- und Geldverkehrs beträgt 26,2 Milliarden Mark. Eingenommen wurden 437 Millionen, ausgegeben 3941/» Millionen Mark. Der Ueberschuß mit 42,4 Millionen Mark hat sich gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt. Er hatte 1901 nur 20 Millionen Mark betragen. UeberaH zeigt sich ein erfreulicher Aufschwung. Der Ueberschuß übertrifft noch das günstigste bis jetzt dagewesene Rechnungsjahr 1899 um mehr als V« Million Mark. Seit 1900 hat er sich vervierfacht. An Gebühren wurden 407 Millionen, für Telegramme davon 321/2, vom Fernsprecher 45 Millionen, an Bestellgeld außerdem 181/» Millionen eingenommen. Die Postanstalten wurden um •/* v. H. vermehrt, so daß jetzt schon auf 1481 Einwohner eine solche kommt. Das Personal hat sich um 3,61 v. H. vermehrt. Die Sendungen haben sich um 3,64 v. H. vermehrt. Von deren Gesamtzahl entfällt wiederum die Hauptmasse, 5321 Millionen von den mehr als 51/» Milliarden, auf die Briefsendungen. Pakete wurden 195 Millionen befördert, davon 3,4 Millionen mit Wertangabe. Postwertzeichen wurden 3288 Millionen Stück verbraucht mit einem Werte von 297 Millionen Mark. Die Steigerung betrug hier über 5 vorn Hundert. Die endgiltig unbestellbaren Sendungen find weiter zurückgegangen: auf die Million kommen nur noch 359 Stück gegen 401 im Vorjahre.
Der Telegrsmmverkehr ist wiederum etwas zurückgegangen und zwar um 1 auf 10000, offenbar unter dem Wettbewerb des Fernsprechers, der sich immer mächtiger entwickelt. Die Zahl der Gespräche ist wiederum um 9*/z v. H. gestiegen, die der Apparate um 15 v. H.
* Mit der Reform der Personentarife hat sich am Dienstag der Ausschuß des deutschen Handelstages beschäftigt. Es wurden folgende Vorschläge gemacht: 1. Festsetzung der Preise für einfache Fahrkarten aus die Hälfte der jetzt in Preußen für gewöhnliche Rückfahrten gütigen Preise, unbeschadet der bestehenden besondere» Vergünstigung für den Nah- und Vorortverkehr: 2. Beseitigung der Zuschläge fit die Benutzung der Schnellzüge; b3. erhebliche Ermäßigung der Grpäckfracht und Beseitigung des Freigepäcks; 4. Beibehaltung der 4. Wagenklaffe.
* Ueber die Schulbildung der Rekruten des preußischen Kontingents, die im Herbst 1908 zur Einstellung gekommen sind, ist, der amtliche» Statistik zufolge, ermittelt worden, daß sich unter 105,245 Mannschaften des Landheeres 71 Analphabeten (Personen, die weder lesen noch schreiben können) befanden; davon stellte 19 die Provinz Ostpreußen, je 18 die Provinzen Westpreußen und Posen, 11 Schlesien, 3 Brandenburg und je 1 Sachsen und die Rheinprovinz, 57 andere Rekruten waren der deutschen Sprache nicht mächtig, die MehMhl davon nur der polnjschen. Unter den 6819 bei der Marine eingezogenen Mannschaften aus der preußischen Monarchie gab es keine Analphabeten.
Literarisches.
Das Bismarck-Geheimnis. Eine Auseinandersetzung mit der literarischen Schutztruppe des ersten Reichskanzlers über Fürst Bismarck «ach seiner Entlassung. Preis 80 Pfg. Verlag von Walther Fiedler, Leipzig.
Die vorliegende Schrist versucht, die Zeit, die der Entlassung des ersten Kanzlers aus dem Staatsdienste folgte, so darzustellen, wie sie in Wirklichkeit war, nicht so, wir die „Bismarckforschung" sie gern hi»- stellen möchte. Sie wendet sich scharf gegen jene „Historiker", die am liebsten jede Verbindung Bismarcks mit dcn Hamburger Nachrichten' leugnen möchten oder doch bemüht find, d e Mitarbeit des R-ichskanzl.rs an den ,Hamb. Nacyr.' aus „gelegentliche Informationen" rc. zu beschränken. Die Broschüre, die in den weitesten Kreisen Aussehen errege« wird, weist, gestützt'aus reiches Ouellenmaterial, »ach, wie das Verhältnis Bismarcks zu den ,Hamb. Nachr.' zustande kam, welchen Anteil der Fürst an dem Blatte nahm und wie die offiziöse Bismarckforschung sich w späterer Zeit mit dieser Periode c-us dem Leben des großen Kanzlers abzufinden suchte.
Lobe, Taschenkaleuder für HauS- und Landwirte 1904. Prtis gebunden 2 Mark Verlag d« Reichenbach'schen Buchhandlung, Leipzig.
Vor lurzkm. erschien der 46. Jahrg >ng des allgemein teliebtcr. Taschenkalenders. Derselbe hat auch in diesem Jabre wieder wescntli' e Verbesserungen bezüglich des I..Hali cs e sahren und dürfte wobl so wieder eines der vollkommensten Taschenbücher fein und bleib°n. Gleich dem Inhalt ist dcr Verleger auch aus das Aeußere bedacht gewesen und hat den Kalender in einem neuen G wand erscheinen laffen. Vermöge seiner praktischen Einrichtungen eignet ficd dieser Kalender auch für jeden Geschäftsmann. Für Notizen -st reichlich Platz bemessen, für jeden Sonntag ein Taglohnregister, ferner eine Geld» Einnahme- und -Ausgabe , Z ns-, Diskont-Amortisationstafel und dergleichen b-igegeben.
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Der Bcrsaffer schildert in diesem Büchlein fei- e Erlebnisse b-.i der Misfions-Expedi ion, bie am 12. Januar d. I. Windhuk verließ, um den nördlichen Teil deS deutschen Schutzgebietes in den Bereich der M'i- fionswerkeS zu ziehen. Zwei Missionäre fielen den tz-travazen der Reise und dem Klima zum Opfer. Möge das Werkch-n dazu beitragen, das Interesse und d-e Sympathie der Katholiken Deutschlands für die Mn. fion in Deutsch-Südwestasrika zu fördern!
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