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J6 285.
ftlldö, Samstag, den 12. Dezember 1903.
30. Jahrgang.
Wertes Wl'cttt.
(:) Aus dem Reichstage.
Der dritte Tag der Etatsberatung fing bedenklich an. In allen Teilen des Hauses, namentlich auf der Rechten zeigten fich große Lücke». Sollten denn die meisten Reichsboten »irklich schon wieder abgereist sein? Am Bundesratstische nahezu vollständige Leere; nur im Hintergründe ein halbes Dutzend unbekannte Kommissorien. Nur die Tribünen waren recht aut besetzt, wohl in Erwartung einer verstärkten Auflage der gestrigen Debatten. So nach und «ach gewann das Haus jedoch wieder das Aussehen der letzten Tage und am Bundesratstische herrschte bald wieder die drangvolle fürchterliche Enge von gestern und vorgestern. Auch der Reichskanzler fand fich, wenngleich erst eine Stunde nach Beginn der Verhandlungen, wieder «iw, und hielt bis zum Schluß aus. Der neue Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel mag noch immer nicht unter seinen Kollegen Platz nehmen. Er setzt fich mit seinen Papieren auf den Platz aebe* »en Rednerpult; wohl weil er sich mehr als seine Kollegen verpflichtet halt, der sogenannten Etatsdebatte aufmerksam zu folgen und sich kein Wort der Redner entgehen zu laffen.
Den Reigen eröffnete heute der national- liberale Abg Dr. Sattler, kein packender Redner, weder was den Vortrag noch was den Inhalt angeht. Er schnurrt die Worte fast «utomatenhaft herunter, einen Satz in demselben Tonfälle sprechend wie den anderen. Daß der Herr einer der verbiffensten Kulturkampfer ist, mögen Physiognomiker vielleicht seiner verkniffenen Miene entnehmen, seinem trockenen, nüchternen Vortrage hört man es nicht an Heute suchte er sich übrigens gemäßigt und friedlich zu geben. Er erkannte mit Bezug auf den Toleranzantrag an, daß in manchen Bundes- Maaten Ungerechtigkeiten gegenüber den Katholiken beständen, aber die preußischen kirchenpolitischen Zustände, die selbst der Papst gelobt habe, wollte er aufrecht erhalten, wie sie sind, und von der Aufhebung des Jesuitengesetzes wollte er nichts wiffen. Als dritter Etatsredner sah er sich im übrigen bereits in der unangenehmen Lage, daß ihm ein Teil des Stoffes, wie Soldaien- mißhandlunaen, Forbach, Luxus in der Armee, allerlei sozialpolitisches usw. schon von anderen vorweggenommen war und' er darüber nur Wiederholungen und Variationen vortragen konnte.' Eine Finanzreform großen Stiles wünschte er; von dem Stengel'schen Entwürfe versprach er sich aber nicht viel. Am Etat will er gespart wissen und sehr unwillig war er insbesondere darüber, daß für Ostasien so viele Millionen gefordert und die Kapitalrückzahlungen Chinas dort gleich verbraucht werden. Mit den Ofdnarkenzulagen war er natürlich einverstanden.
Der neue Kriegsminister v. Einem steht beim Reichstage bereits gut angeschrieben aus der Zeit her, wo er nur als „Kommiffar" seines Amtsvorgängers v. Goßler aufzutreten hatte.
Insbesondere erinnert man sich wit Vergnügen, wie er dem Grimm des wilden Genoffen Zubeil mit einem Zitat aus Wallenstein gutmütig spottend begegnete. Ob das Zitat, wie man behaup- et hat, ihn mit zu seiner jetzigen Würde verhol- en hat, vermögen wir nicht zu sagen. Herr v. Goßler war kein hervorragender Redner. Er sprach stockend und formell mangelhaft, besaß auch keine besondere Schlagfertigkeit. Sein „Kommiffar" zeigte sich ihm entschieden überlegen. War es nun der Umstand, bei seinem ersten Austreten als Kriegsminister über sehr unangenehme Dinge reden zu müffen, war es die Sorge, vor einem höheren Urteile mit dem Debüt nicht zu bestehen, genug, Herr v. Einem enttäuschte mit seiner heutigen Rede etwas. Man hatte einen gewandten Vortrag erwartet. Sachlich war gegen die Art, wie er sich über Forbach und die Soldatenmißhandlungen äußerte, kaum etwas einzuwenden. Bedenklich klang nur die Aeußerung, er glaube beinahe, daß man zu weit gegangen sei in der Annahme von Offizieren, daß man in Kreise hineingekommen fei,Sie für so schwereAnforderungen nicht paßten. Will man noch „exklusiver" werden? Ob es wirklich nur ein Forbach gibt, möchte auch noch nicht so ausgemacht sein. Anerkennung vervient es aber, daß der Minister nichts zu vertuschen suchte und insbesondere die Vorgesetzten, die nichts gesehen haben, nicht in Schutz nimmt. Mit dem großen militärischen Sachverständigen Bebel wurde er um so leichter fertig, als dieser wieder einmal allerlei gehört, wovon niemand sonst nichts weiß.
Als im vorigen Jahre die Sozialdemokraten bei der Zolltarffdebatte den Abg. Richter so schmählich anpöbelten, sah diessr sich zum ersten Male in seinem Leben veranlaßt, von der Tribüne zu sprechen. Er scheint nun dabei bleiben zu wollen; wenigstens ging er auch heute auf die Tribüne. Ausschließlicher als die vorhergehenden Redner beschäftigte er sich mit dem Etat und den mit ihm in Zusammenhang stehenden Gegenständen. Daß et es an allerlei satirischen Ausfall n, auch auf Personen, nicht fehlen ließ, versteht fich von selbst. Von den Ministern, die sind wie die Lilien auf dem Felde, hat er übrigens schon früher geredet. So * kräftig, witzig, und temperamentvoll, wie man es sonst von ihm gewohnt ist, sfirach er heute nicht. Nachdem Reichs- schatzsekretär Freiherr von Stengel ihm gegenüber seine stark zerzauste Finanzreform in Schutz genommen und unter anderem vor übertriebenen Vorstellungen von dem Ertrage der neue Zölle gewarnt hatte, erhielt als letzter Redner für heute der Abg. v. Kardorf f das Wort. Der alte Herr ist noch immer sehr lebhaft und beweglich; namentlich arbeitet er während des Vortrags sehr viel mit den Armen. Doch wird er allgemach schwerer verständlich. Das und die späte Stunde, in der er zu Worte kam, waren wohl der Grund, daß er nur eine bescheidene Zahl von Zuhörer hatte. Wie bei fast allen seinen Reden erging er sich schließlich in einer lebhaften Polemik gegen die Sozialdemokraten. — Im ganzen verlief die heutige Sitzung sehr ruhig und einförmig. Morgen dürfte erst recht nicht viel aufregendes vor kommen, da das deutsch
englische Handelsprooisorium auf der Tagesordnung steht.
Römischer wochenbries.
[**] Rom, 10. Dez. 1903.
Während dieser ganzen letzten Woche lebte Rom in beständiger Furcht vor dem Tiber, welcher infolge der außerordentlichen Regen- maffen hoch anschwoll. Bis jetzt ist es nur einigen neu angelegten Abzugskanälen zu verdanken, daß sich die Vorkommnisse von 1900 nicht wiederholt haben. Rom hat bis heute keinerlei Schaden erlitten: nur das Pantheon, das Forum Romanum, sowie die nach der Paulskirche führende Straße stehen unter Wasser. Dagegen find weite Landstriche an der Tiber vollständig überschwemmt und der Schaden für die Landwirtschaft ist sehr beträchtlich.
Mit der von Zanardelli eingesetzten „königlichen Kommission" zur Untersuchung gewiffer Vorgänge in der Marineverwaltung will es noch immer nicht recht vorwärts gehen. Den Abgeordneten war vom damaligen Ministerpräsidenten eine „parlamentarische" Kommission versprochen worden. Anstatt dessen wurde aber eine sogenannte „königliche" eingesetzt, in welcher außer verschiedenen Verwaltungsbeamten und hoher Gerichtsperfonen auch einige Senatoren und Deputierte saßen. Das hat nun das Parlament sehr übelgenommen und jetzt wurde plötzlich beantragt, daß noch je vier Senatoren und Deputierte der Kommission einverleibt werden sollen. Das haben nun wiederum die alten „königlichen Mitglieder" der Kommission sehr übel genommen und ihre Demission gegeben. Auf diesem Punkte steht diese Angelegenheit heute. Uebrigens sollte diese Kommission mit ganz außerordentlichen Vollmachten ausgestattet werden: sie kann einen jeden Beamten der gesamten Marineverwaltung vor sich fordern, ihn verhören und unter Anklage stellen. Für diesen letzteren Fall wird die Kommission eine eigene Vollmacht vom Parlament erhallen. Man sieht voraus, daß ihre Tätigkeit eine ganze Reihe von Jahren dauern und vielleicht dabei noch mit einem völlig negativen Resultate endigen wird.
Der hl. Vater hat in offizieller Weife bekanntgegeben, daß an eine Aufhebung des bekannten „Non expedit“, des Verbotes der Beteiligung der italienischen Katholiken an den Parlamentswählen nicht zu denken fei. Damit ist der Herzenswunsch der „Gruppe Murri" unter den radikalen christlichen Demokraten, eine parlamentarische Zentrumspartei in Italien zu gründen, zu Wasser geworden. Dieses Verbot ist absolut. Indessen wurden durch ein Schreiben der Kongregation der Inquisition vom 30. Juli 1886 die Bischöfe angewiesen, unter Umständen eine etwas mildere Praxis unter Berücksichtigung der betreffenden Einzelfälle eintreten zu laffen. — Papst Pius X zeigt sich als außerordentlich freigiebig. Seine Heiligkeit hat sich ein genaues Inventar und Register aller derjenigen Gegenstände anfertigen laffen, welche sich in den kleinen.
oberhalb der päpstlichen Wohnung gelegenen Zimmern Leo s Xlll. vorfanden und welche in der großen Mehrzahl aus Geschenken bestanden, die aus dm vielen Jubfläen herstammten. Pius X. hat nun die Bestimmung getroffen, daß die wertvollsten dieser Gegenstände dem päpstlichen Schatze einverleibt werden, die übrigen aber zu Geschenken benutzt werden können. So hat denn der hl. Vater bereits eine ganze Anzahl hervorragender Geistlicher und Laien mit Erinnerungsgegenständen bedacht. Aehnlich wird auch mit den vielen Büchern und Schriften verfahren, welche fich während des langen Pontis kates Leo's XIII. im Vatikan angehäuft hatten und ebenfalls Geschenke bildeten. Der Präfekt der vatikanischen Bibliothek P. Ehrle erhielt vom hl. Vater ben Befehl, unter diesen riesigen Bücherbeständen eine geeignete Auswahl zu treffen. Auch hier hat das Verfchenken bereits begonnen. So erhielt zum Beispiel die hiesige deutsche Gesellschaft des Göttlichen Hellands — Salvatorianer — eine Kiste enthaltend Über hundert der auf das Kostbarste eingebundenen Bücher, größtenteils Geschenke für Leo XIII. seitens der betreffenden deutschen Autoren, darunter einige besonders wertvolle. Diese Freigiebigkell des hl. Vaters wird selbstverständlich von Allen auf das Freudigste begrüßt. — Am 14. d. Mts. beginnt in Noto ein Kongreß der sizilianischen christlichen Demokraten, auf welchem es ohne Zweifel zu recht heftigen Zusammenstößen zwischen diesen und den sehr zahlreichen und einflußreichen bourbonischen Legitimisten kommen wird.
rt Zur Hebung der weserschiffahtt.
Die Erwartung, man könnte den binnen- ländischen Endpunkt der Weserschiffahrt durch Kanalisierung der Fulda von dem am Zusammenfluß von Werra und Fulda gelegenen Münden heraus nach Kassel verlegen, hat sich nicht in vollem Umfange erfüllt. Die Schiffahrt auf der Fulda ist im Winter mit großen Unterbrechungen, und mit erheblichen Betriebskosten und Gebühren verknüpft; auch ist die geographische Sage Kassels als Weserhafen nicht sehr günstig für den Verkehr mit dem Hinterlande. Dagegen hat die Schiffahrt auf der Weser von Münden an verhältnismäßig wenig unter Störungen zu leiden und kann zu sehr billigen Frachtsätzen nach und von den Unterweserhäfen befördern; ferner liegt Münden günstiger für den Verkehr mit dem Hinterlande, mit Thüringen, einem Teil Sachsens und dem nördlichen Bayern. Bisher waren die Güter nach und von diesen Gegenden auf dem Main und Rhein über Holland gegangen, während nach Schaffung eines günstigen Umschlagsplatzes in Münden zu hoffen ist, daß der überseeische Verkehr dieses großen Interessengebietes über die Weser, also von den holländischen Hafenplätzen ab auf deutsche Hafenplätze geleitet werden kann.
Deshalb haben sich schon seit längerer Zeit die wichtigsten Weserschiffahrtsinteressenten darum bemüht, daß in Münden ein Umschlagplatz für Schiffsgüter an der Weser und in Verbindung damit eine Gleisverbindung zwischen diesen Platz
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
(Nachdruck verboten.)
«4
MM- (Fortsetzung aus dem dritten Blatt.)
„Mag sein, aber seine Dienste find jetzt überflüssig ftiocrbeH."
Eia leises Pochen an der Tür unterbrach das Gespräch, im nächsten Augenblick trat Graf Mvrray
„68 ist gut, daß Sie kommen," sagte er nach daeiB ziemlich kühlen Gruß, „Sie können abreisen, ioir bedürftn Ihrer Dienste nicht mehr."
„Hat der Mohr seine Schuldigkeit getan?" spottete bet Gras, inbrm er fich in einen Stssel niederließ und ■jeht Portefeuille aus der Tasche holte. „Es wird von Ahueu abhängen, ob ich abreise oder ob ich hier bleibe. Hier ist ein Wechsel des Herrn v. Darboren ans den jitotar Tellenbach, werden Sie mir den Wert auszahlen?"
Eduard nahm mit scheinbarem Gleichmut das Napier in Empfang und wiegte ablehnend das Haupt.
„Eintausendachthundertsechzig Taler," sagte er, „das ist mir de^n doch zu viel."
„Sie werden daS Geld nicht zahlen?"
„Rein, der Wechsel ist wertlos. Der Baron selbst befind t fich in Untersuchungshaft, er wird das Ge- LugniS nicht mehr verlosten, und der Notar Tellen- stach ist nicht verpflichtet, den Wisch einzulösen."
„So roirb die Familie es tun."
„Die Familie," spottete Eduard, „Baron Kurt D so schwer verwundet, daß sein Ende stündlich erwartet wird, die Mutter Ihres Schuldners hat kein »vßes Lermögen und die jetzige Erbin des Majorats M noch minderjährig. Wer soll also das Geld zahlen?"
„Baron Dagobert selbst hat Vermögen, er sprach Mtt amerikanischen Staatspapieren, die er besitze."
„Mag sein, aber er kann jetzt nicht darüber verfügen."
Graf Morray spielte nachläffig mit seiner schweren goldenen Uhrkettr, ein spöttisches Lächeln umzuckte seine Mundwinkel.
„Es hängt nur von mir ab, ob er wieder in die Lage kommen wird über sein Vermögen verfügen zu können," sagte er, einen schärferen Ton anschlagend. „Sie werden jedenfalls wünschen, daß er verurteilt wird?"
„Seine Berurteilung unterliegt keinem Zweifel," erwiderte der Verwalter.
„Sie glauben, seine Schuld sei bewiesen?"
„Ich bin davon überzeugt."
„Nun, meine Herren, ich kann das Gegenteil beweisen."
„Sie?" rief Eduard höhnisch. „Wie wollen Sie das fertig bringen?"
„Nur allein dadmch, daß ich die Wahrheit sage," entgegnete der Graf ruhig. „Ich war vorgestern von Baron Dagobert zum Souper gckaden und ging zu Fuß hinaus, der Baron begegnete mir im Walde und bat micv, die Einladung auf einen späteren Tag zu verschieben, weil er mit se nem Vormunde wieder einen ärgerlichen Auftritt gehabt habe. Wir sprachen noch zusammen, als wir in der Ferne einen Schuß hörten, bemerken Sie wohl, be; Schuß fiel weit hinter uns, es wird fich ohne Mühe seststellen laffen, ob in jener Richtung Baron Kurt die Todeswunde empfangen hat. Mir lag nun durchaus nichts daran, daß au meinen Begleiter ein Verdacht fallen solle, ich sand ee in meinem Jnieriffe, noch einige Geldsummen von dem jungen Herrn yi gewinnen, zudem hatte ich auch keine Ahnung, daß jener Schuß dem alten Baron gegolten haben könne. Wohl aber flößte dieser Schuß mir die Besorgnis ein, daß Baron Dagobert an diesem Abend ftinem Vormund noch einmal begegnen und in aufloderndem Haffe die Büchse «us ihn anlegen könne, deshalb veranlaßte ich ihn, 'm meiner Gegenwart den
Schuß, den er im Saure hatte, abzufeuern. Er tat dis, dann trennten wir uns, ich ging zur Stadt zurück, er schlug den Weg zum Schlöffe ein. Wenn ich dies alles dem Untersuchungsrichter erkläre, meine Herren, dann muß Baron Dagobert sofort ans der Haft entlassen werden."
Der Verwalter hatte mit seinemSohneeinen bedeutungsvollen Blick ausgetauscht, diese Erklärung drohte alle ihre Pläne zu vernichten.
„Können Sie die Wahrheit dieser Aussagen bet weisen?" fragte er in einem spöttischen Tone, de- gleichwohl seinen Aerger und seine Angst durchblicken ließ, Graf Morray.
„Baron Dagobert wird ganz dasselbe sagen und fich auf mein Zeugnis berufen!"
„He, wer soll denn der Mörder sein, wenn Baron Dagobert eS nicht ist?" fragte Eduard unwirsch.
„DaS zu enthüllen ist Sache des Untersuchungs- richterS."
„Der Wüddieb!" mttrmeUe der Verwalter, d< ffen Geficht immer fahler wurde. „Bis jetzt ruht noch kein Verdacht auf ihm, das Gericht kennt diese Geschichte nicht, der Förster wird fie berichten — zum Teufel, der Erfolg ist uns nicht so sicher, wie ich glaubte."
„Sie werde» vollständig auf ihn verzichten müffen, wenn ich nun auf die Seite des Angeklagten trete," sagte Graf Morray. „Und das werde ich tun, wenn Sie diesen Wechsel nicht honorieren."
„Ich will mit dem Notar Tellenbach darüber reden," erwiderte Eduard, der in dem engen Zimmer ruhelos auf und nieder wanderte.
„Sie müffen fich in dieser Stunde entscheiden." „Ich mutz?"
„Allerdings! Barvn Dagobert ist heute morgen verhaftet worden, er wird fich sofort auf «ein Zeugnis berufen haben, der Untersuchungsrichter ist verpflichtet, ohne Verzug die Frage an mich zu richten,
von deren BeaMwortung Freiheit und Ehre des Angeklagten abhängen. Zahlen Sie nicht, so sage ich die Wahrheit. Baron Dagobert wird heute noch den Wechsel honorieren, wenn ich es verlange. Diesen Wechsel können Sie übrigens als Waffe gebrauchen. Sie können mit ihm beweisen, daß Baron Dagobert ein leichtsinniger Hazardspie'er war, Sie können de« Wisch mit einem Azzept versehen und eine besondere Klage wegen WechftlMchung gegen den B-ron anhängig machen. Verloren ist Ihnen das Geld in keinem Falle, es muß aus der Gutskaffe gezahlt werden."
„Bei Spielschulden schützt das Gesetz den Gläubiger nicht," warf Eduard ein.
„Die Spielschuld ist jetzt eine Wechselschuld —* „Nun denn, ich will Ihnen daS Geld zahlen, ich erwarte aber, daß Sie alsdann den Untersuchungsrichter auf der Fährte laffen werden, auf der er fich befindet."
„Das steht auf einem andern Blatte geschrieben, bester Herr," antwortete Gras Morray ironisch. „Die Honorierun i des Wechsels ist für Sie mit keine« Verlust verknüpft, zahlen Sie mir das Geld nicht, je za It es Baron Dagobert. Nun aber verlangen Sie von mir einen Meineid, was bieten Sie mir dafür?"
„Sie find ein Lump!" sagte der Verwalter «ft brausend. „Wir könnten Sie in dieser Stunde noch den Gerichten überliefern, Sie entlaufener —*
„Mäßigen Sie fick!" rief der Gras, ihm in die Rede fallend. „Sie fitzen sckbst in einem Glashause und mögen es, mit Steinen zu werfen? Wenn es Ihnen Spatz macht, so rufen Sie die Polizei, »k werden dann sehen, wer den Schaden davon hat."
Eduard warf seinem Vater einen warnenden Blick zu, auf diesem Wege war mit dem Abenteurer lebt befriedigendes Abkommen zu treffen.
„Wieviel verlangen Sie?" fragte er.
„Zweitausend Taler."
„DaS ist eine unverschämte Forderung!"