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HuIsaerW Zeitung

fUlda, Samstag, den 12. Dezember 1903.

0 Die vorläufige Reichrfinanzresorm

» Drittes Blatt <

30. Jahrgang.

Monatrbeilage: „Zuldaer Geschichte -lütter"

solle» die Ueberschüffe nicht mehr, wie es vor dem Schuldentilgungsgesetze Hebung war, einfach •iS ordentliche Deckungsmittel Verwendung finden, Mdrrn dem außerordentlichen Etat zugeführt ««den, wo sie zur Verminderung des Anleihe- ded«fs oder zur Schuldentilgung Verwendung fatben sollen.

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j wochendeiiage:„JlluftrierteSomitagszeining"

an Matrikularumlagen nicht mehr zahlen sollen, als sie an Ueberweisungen empfangen haben. Auf irgend eine Weise muß dann das fehlende Geld beschafft werden.

Als Empfehlung könnte es der „Reform" dienen, daß sie die Frankenfleinsche Klausel nicht, wie es die Miquelsche Reform tatsächlich wollte, aufheben, fondern, wenn auch in beschränkten Maße, so doch immer noch über die ursprüng­liche Absicht hinaus bestehen lassen will. Wenn das nur nicht auch zum größten Teil Schein wäre. Die nähere Prüfung des Entwurfes muß vorbehalten bleiben. Eine „Reform", die den förberatioen Charakter des Reichs schädigt, die Bundesstaaten des Einfluffes auf die Finanzen und die Politik des Reiches beraubt und das Einnahmebewilligungsrecht des Reiches illusorisch macht, hat keine Aussicht auf Einnahme. Auf den ersten Blick will es uns vorkommen, als ob dieser Reformoorschlag in dieser Hinsicht recht bedenkliche Wege einschlage.

meinen Vater ein Ende haben, und alle unsere Mühe und Opfer wären umsonst gewesen."

Er stützte das Haupt ans der. Arm und versank I in Nachdenken, die Fallen auf feiner Slirn bekundeten, I daß die Gedanken, die ihn beschäftigten, nicht ange­nehmer Natur waren.

Schwere Tritte kamen die Wendeltreppe herauf, Eduard erhob sich und öffnete die $ür* um seinen Vater einzulosim.

„Gewonnen!" sagte der alte Mann, nach Atem ringend, und triumphierende Freude blitzte dabei aus seinen Augen, „der Alte pirbt, und der Junge wird im Zuchthaus enden."

„So ist der Baron Kurt noch nicht tot ?" fragteEduard.

„Nein, aber unrettbar verloren, der Doktor haUs miir beute morgen gesagt."

„Und es rst richtig, daß Dagobert die Tat be­gangen hat?"

„DaS steht bombenfest!" nickte der Verwalter. „Das Gericht war beute morgen wieder draußen, es bat sich von der Schuld Dagoberts überzeugt, die Kugel, die aus der Wunde herausgeholt wurde, paßt genau in die Büchse, die man im Zimmer Dagoberts fand, der junge Herr hat kurz vorher im Beisein von Zeugen schon die Bückse auf seinen Onkel angelegt und Drohungen ausgestoßen, die fei. e Schuld außer Zweifel stellen. Er fitzt jetzt im Gefängnis, morgen sollen wir olle zum Verhör kommen, ich denke, er wird ein Geständnis ablegen."

Eduard ncct- rr.it sichtbarer Ungeduld an den Nägeln seiner Finger, fein glühender Blick ruhte er­wartungsvoll auf dem haßerfüllten Antlitz des Vaters.

„Und wenn er nicht gesteht?" fragte er. „Ich glaube nicht an dieses Schuldbekenntnis."

„Leugnen wird ibn nicht retten — die Beweise find über-eugend, unter aUen Umständen muß er ver­urteilt werden."

„Und was bann? Wie werden die Berhältniffe draußen fich gestalten?"

„So gut, wie wir es nur wünschen können!"

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H«mktu>ortlicher

„Wenn die tolle Baronin das GM übernimmt —* „Daran ist nicht zu denken. Baronin Adelgunde ist noch interdiciert, sie hat überhaupt nichts zu fügen, der Erbe fitzt im Gefängnis rnb es ist ganz undenlbaex, daß er begnadigt werden könnte. Da fallt das Majorrck an Baronesse Theodore, die augenblicklich noch minder­jährig ist, Notar Tellendach bleibt also einstweilen mein nächster Vorgesetzter, da sein Sohn . ie Baronesse aeiraten wird, so läßt er fich sicher nicht die Zügel aus den Händen nehmen."

Eduard hatte die erloschene Cigarre wieder ange­zündet, er sah eine Weile den blauen Rauchwölkch« nach, die ernsten Falten wollten von seiner Siir« nicht weichen.

„Undank ist in der Regel der Welt Lohn", sagte er, „der Notar Tellenbach könnte vergeffen, was tote für ihn getan haben —"

„Dann werde ich ihn daran erinnern", unterbrach fein Vater ihn, „er soll nur wagen, fich undankbar zu zeigen, dann ist er selbst verloren. Möglich ist es allerdings, daß dann der Hauptmann nach der Hochzeit selbst die Verwaltung des Gutes übernehmen will, dann ober muß ich adgefundea werden, und ich geb ' Dir mein Wort, ich werde mit meiner Forderung nicht allzu bescheiden sein. Die Hochzeit kann auch sobald noch nicht stattfinden, das Trauerjahr muß die Barvneffe abwarten, unterdeffen schere ich noch mein Schäfchen."

„Und es muß gründlich geschoren werden; den« was nach dieser Zeit kommt, toiffen wir nicht "

„Verlaß Dich daraus, daß ich nicht bescheiden sem werde!"

..Den ungarischen Grafen haben wir nun wohl nicht mehr notig?"

„Nein," erwiderte der Verwalter. „Was hat er überhaupt auSgerichtet? Er soll uns das Geld znrück- geben."

„Was wir ihm gegeben „oben, das ist für uns verloren! UebriqenS war er auf dem besten Wege Dagovert zum Hazardspiet zu verführen, wir k-nu-m uns nicht über ihn beklagen." ($. .,

3>as Majorat.

Vornan von &a?alb August König.

64 ------ (Nachdruck verboten.)

Der Blick Abrahams schweifte suchend durch die lahle Kammer, er entdeckte keine Waffe, erleichtert atmete er tief aus.

-Wenn Du nur beweisen kannst, daß Du gestern nicht ausgegangen bist!" sagte er. „Der junge Baron ist heute Morgen verhaftet worden, meine Schwieger, mutter will es zwar nicht glauben, daß er die Tat begangen haben kann, aber möglich ist es dennoch."

In den Augen Antons blitzte es auf, ein spöttisches Bächelu umzuckte feine Lippen.

»Sieh da. Deine Schwiegermutter hat wieder die Häude im spiel ?' höhnte er „Ich hätte es mir gleich denken können, fie benutzt ja jede Gelegenheit, ■b Steine auf mich zu werfen. Natürlich bin ich in Hreu Augen der Schuldige, der junge Baron ist ein Heiliger, der kein Wässerchen trüben kann. Weshalb NC der Baron die Tat nicht verübt haben können? 4ch rate Dir, sag' der alten, boshaften Frau, sie solle «w nicht tragen, öffentlich Verdacht auf mich zu werfen, sie würde das später bitter bereuen."

Abraham knüpfte seinen Rock zu und nahm seine I Mütze, noch einmal heftete sein Blick fich ernst und ftst auf das Antlitz des Bruders.

„Hast Du mir die volle Wahrheit gesagt?" fragte er.

Auton lachte auf, es war ein trockenes, heiseres >«hen.

„Ich glaube wahrhaftig. Du würbest wich dem Gericht überliefern, wenn ich Dir sagte, ich hätte die Lat begangen!" erwiderte er.

„Heber solche Dinge soll man nicht spotten und I scherzen", sagte Abraham ernst, „wenn Du der Mörder 1 wärest, so dürste doch kein Schuldloser für Dich büßen; Mer, der die Wahrheit wüßte, müßte das verhindernd I

I leisteten, nicht durch Ueberweisungen gedeckte Bei­träge erforderlich find, so behält diese das Reich, um fie, wie gesagt, als Deckungsmittel im außer­ordentlichen Etat zu verwenden. Wenn also die Bundesstaaten keine höheren Matrikularumlagen gezahlt haben, als sie Ueberweisungen erhielten, so fließt ihnen von den UeberschÜffen des Reiches nichts zu, wie groß diese auch immer sein mögen.

Entsprechend diesen Neuerungen soll Art. 70 der Verfassung folgende Fassung erhalten: „Zur Bestreitung aller gemeinschaftlichen ordentlichen Ausgaben dienen zunächst die aus den Zöllen und gemeinsamen Steuern, aus dem Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen, sowie aus den übrigen Verwaltungszweigen fließenden gemein­schaftlichen Einnahmen. Insoweit die Ausgaben durch diese Einnahmen nicht gedeckt werden, sind sie, solange die erforderlichen Deckungsmittel nicht auf andere Weise, insbesondere durch Einführung weiterer Reichssteuern beschafft werden, durch Beiträge der einzelnen Bundesstaaten nach Maß­gabe ihrer Bevölkerung aufzubritzgen, welche in Höhe des budgetmäßigen Betrags durch den Reichskanzler vorgeschrieben werden. Insoweit diese Beiträge in den Ueberweisungen keine Deckung finden, find sie den Bundesstaaten am Jahresschluß in dem Maße zu erstatten, als die übrigen ordentlichen Einnahmen des Reichs dessen Bedarf übersteigen. Etwaige Ueberschüfse ans den Vorjahren dienen, insoweit durch das Gesetz über den Reichshaushaltsetat nicht ein anderes bestimmt wird, zur Deckung gemeinschaftlicher außerordentlicher Ausgaben."

Der letzte Satz würde zugleich gestatten, je nach Bedarf über die Verwendung der Ueber- schüffe besondere Bestimmung zu treffen, unter Umständen also auch für Entlastung des ordent­lichen Etats. Eine weitere Bestimmung des Ent­wurfs besagt, daß der budgetmäßige Betrag der von den Bundesstaaten auszubringenden Matri- kularbeiträge in der Regel den Betrag der von ihnen in den fünf Vorjahren durchschnittlich em­pfangenen Ueberweisungen nicht übersteigen sollen.

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

D Berlin, 10. Dez. 1903.

Als wir dieser Tage in die Stadt fuhren, um uns rechtzeitig mit Weihnachtsgut zu ver­sorgen, trafen wir in der Ecke des Eisenbahnab­teils unseren ftüheren Nachbar, einen pensionierten Rechnungsrat und aktiven Querkopf, der jetzt nichts mehr tut, als rauchen und raisonnieren.

„Natürlich!" brummte er; „die Verschwender werden nicht alle. Mit dem Schenken ist es wie mit der Liebe: es ist ein Unsinn, aber man macht ihn doch mit. Meine Wenigkeit ausge­nommen."

„Aber, sHerr Geheimrat, alle Welt ist doch einig darüber, daß geben selig ist, sogar seliger, als nehmen."

„Jawohl, solche Sprichwörter erben sich auch wie eine ewige Krankheit fort. Bei Lichte be­trachtet, ist keine Seligkeit und kein Segen dabei. Glauben Sie denn, daß Sie mit der Schenkerei Zufrieoenheit erzielen oder gar Dank? Zufrieden sind die Leutchen nie, der Appetit kommt beim Essen, und die Beschenkten haben für das, was sie nicht gekriegt haben, ein viel besseres Gedächt­nis, als für das, was fie gekriegt haben. Und auf Dankbarkeit, nun, darauf rechnen doch höchstens noch (mit einer tiefen Verbeugung halb­links) die allerzärtlichsten Mütter oder allenfalls auch katzenfteundliche Tanten."

„Nun, was gedenken Sie denn zu ernten, wenn Sie gar keine Geschenke säen? Da gibt's doch erst recht keine zusriedenen Gesichter und nicht einmal eine Aufwallung von Dankbarkeit."

„Aber Respekt!" erwiderte er selbstbewußt und schob die Zigarre in den anderen Mund­winkel.

„Respekt? Ach nein! Von Haß will ich auch nicht reden; aber ein häßlicher Verdacht bleibt nicht aus. Das Schenken ist so landesüblich ge­worden, daß man bei einem Manne mit ganz zugeknöpften Taschen gründlich nach dem Warum forscht. Daß er als Philosoph der

Lieblosigkeit aus erhabenem Grundsatz zu Weih­nachten Obstruktion treibe, glaubt man nicht, sondern schließt entweder auf krankhaften Mm- schenhaß oder noch lieber auf ganz ordinäre« Geiz. Daß nun der vermutete Geiz ein Hebel für den Respekt sei, werden Sie doch wohl nicht behaupten wollen."

„Na, ich hoffe, Sie werden auch nicht be­haupten wollen, daß mein Neffe, der Windhurw in der Apotheke, auf den Gedanken komme« könnte, ich sei ein Geizhals, wenn ich ihm nicht zu Weihnachten so und so viel überflüssige Dinge an den Kopf werfe."

„Ihr Neffe ist hoffentlich zu gut erzogen, um einer solchen Versuchung zu unterliegen. Aber da er keinen Vater und keine Mutter mehr hat und auch keine Frau besitzt, so würde es ihm gewiß lieber sein, wenn sein einziger Onkel ihm einen gemütlichen Weihnachtsbaum aufrichtete, als daß er am heiligen Abend Trübsal spinnen muß/

„Trübsal spinnen? I bewahre, der grün- fchnabelige Pillendreher hat keine Anlage zum. Leichenbitter. Was er braucht zum Leben, dar hat er, und ich sehe gar nicht ein, warum wir beide uns eine Weihnachts-Komödie auf Gegen­seitigkeit Vorspielen sollten."

„Halb so wild, Herr Geheimrat, sagen die Berliner. Der junge Mensch braucht auch etwas fürs Gemüt, und wenn ihm das an der berufe­nen Stelle versagt wird, so sucht er es leicht an der unrechten Stelle. Bei der Ei^iehung gift auch das Wort: „Wer gut schmiert, der gut fährt." Das Herz muß mit Wohltaten zeitweilig geölt werden, und Weihnachten ist die rechte Zeit dazu. Alle erwarten was, weil fast alle «aS kriegen, und wenn die natürliche Erwartung ge- täufcht wird, so gibt das eine seelische Erkältung, eine Herzens-Influenza, die sich zu einer schlim­men, schleichenden Krankheit ausbilden kann. I« unsererJugendzeit war man zuWeihnachten noch nicht so anspruchsvoll wie heutzutage. Ob uns diese Entwickelung gefällt oder nicht, mit den Tatsachen muß man rechnen und darum müsse« sich alle Teile, die Kleinen wie die Großen, die Männer wie die Frauen, redlich bemühen, die landesüblichen und standesgemäßen Erwartungen gegenseitig zu befriedigen."

„Zufrieden werden die Menschen doch nicht," knurrte der Alte, indem er eine neue Zigarre anbiß.

„Etwas Absolutes, Vollkommenes gibt es natürlich auf der Welt nicht; aber eine relative Zufriedenheit, eine zeitweilige Sättigung oder wenigstens eine tüchtige Abminderung der irdi­schen Unzufriedenheit läßt sich wohl erreichen, und das ist doch ein Opfer wert."

„Und Undank ist der Lohn."

„Nicht immer; aber leider manchmal. Doch dadurch sollte der Mensch sich nicht beirren lasse«, denn er hat in diesem Punkte das erhabenste Vorbild an dem höchsten Spender aller gute« Gaben. Es verstößt gewiß nicht gegen das zweite Gebot, wenn man in Weihnachtssachen den Namen Gottes nennt. Der liebe Gott macht den Men­schen dos' ganze Jahr hindurch Geschenke, Ge­schenke für Leib und Seele, und er tut fort und

Der in der Thronrede angekündigte Gesetz- «ttvurf, betreffend Aenderungen des Finanz- «eseus des Reiches, ist bekanntlich dem Reichstag 1 Ebald zugegangen. Er bestimmt, daß die Frankensteinsche Klausel in bezug auf die Zölle, die Tabaksteuer und die Stempelabgaben auf gehoben wird und nur in bezug auf die Branntweinverbrauchsabgabe und den Zuschlag dazu bestehen bleibt. Bisher werden bekanntlich «le Einnahmen aus den Zöllen und den ge- >an»ten Steuern den Einzelstaaten Überwiesen bis auf 130 Millionen Mark, die das Reich be­hält. Bei Schaffung -der Frankensteinschen Klausel im Jahre 1879 wurden die Erträge aus de» Zöllen und der Tabaksteuer, die damals «le» überwiesen wurden, auf 170 Millionen veranschlagt, sodaß die Ueberweisungen nur 40 Millionen betrugen. Inzwischen find die anderen ll^berweisungssteuern hinzugekommen, die Ein­nahmen haben sich stets vermehrt und für 1904 sind die Ueberweisungen auf 553,9 Millionen Veranschlagt. Nach dem Vorschläge des neuen Gesetzentwurfs würden fie sich auf gut 100 Millionen Mark stellen, also noch zweieinhalb »al so hoch, als man im Jahre 1879 beab- stchtigt hatte, aber S1^ mal weniger als heute.

Aufgehoben soll ferner werden die Be­stimmung des Schuldentilgungsgesetzes vorn 28. März dieses Jahres, wonach außer den Ueber- ichüffen bei der Ueberweisungssteuer auch die Leberschüsse in der eigenen Wirtschaft des Reiches zur Verminderung der Reichsschuld ver- w«det werden sollen. In den ftüheren Schulden- lilgungsgesetzen waren nur die Ueberschüffe aus »en Ueberweisungssteuern für die Schuldentilgung » Anspruch genommen worden. Erst in diesem Jahre hat man trotz Widerspruchs vorn Bundes­ratstische auch die andern Ueberschüffe zur Schuldentilgung bestimmt. Nunmehr soll die |

Die Begründung des Entwurfs setzt ins­besondere die Uebelstände, die fich für die Finanz- ,----------v- ---, gebahrung bet Einzelstaaten aus der jetzigen

b*e Behandlung der Einrichtung mit ihren schwankenden Einnahmen ff® c.au/Abhoben ^werden. In Zukunft | und Anforderungen ergeben, nochmals auseinander.

—JL± ' —- Als Zweck der Neuordnung wird bezeichnet,

das Finanzverhältnis der Einzelstaaten zum Reiche rationeller zugestellt —und dem bedenklichen Anwachsen der Reichsschuld entgegen­zuarbeiten. Als Vorzug vor den früheren Entwürfen wird angegeben, daß die neue Vorlage die Uebelstände an der Wurzel fasse. Außerdem unterscheidet sie sich von ihnen dadurch, daß sie nicht von neuen Steuerplänen begleitet ist. Die sollen aber noch kommen. Man will nur erst abwarten, was der Zolltarif bringt. Offenbar ist aber auch bet Gedanke: wenn wir erst die Neuregelung des Finanzverhältniffes haben, werden die neuen Steuern leichter be­willigt werden. Denn schließlich kommt der neue Plan, wenn auch auf Umwegen, doch nur wieder darauf hinaus, daß die Bundesstaaten

Die Ueberschüffe aus der eigenen Wirtschaft »«4 Reiches sind eigentlich zu viel geleistete Matrikularumlagen. Den Bundesstaaten Nö darum, wenn sie an Matrikularumlagen »ehr geleistet haben, als sie Ueberweisungen er= hielte«, der Betrag am Jahresschluß ersetzt werden, soweit die Ueberschüffe aus dem eigenen Haus­halte des Reiches reichen. Ergeben sich größere Ueberschüffe als sie zum Ersatz der von den Bundesstaaten aus dem eigenen Haushalte ge-

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Aber es ließe sich vielleicht auch dann noch ein rettender I Weg finden, Du könntest auswandern und von drüben | an das hiesige Gericht schreiben —"

„Schwatz' keinen Unsinn!" unterbrach Anton ihn unwirsch. „Wenn ich jetzt auswanderte, hetzte der Förster sogleich die Pol zei hinter mir her, jeder würde dann sagen, mein schuldbeladenes Gewissen habe mich von hier fortgetrieben! So dumm bin ich nicht, daß ich auf diesen Leim gehe, vielleicht sprechen wir später einmal darüber."

„Ick muß nun gehen", fuhr Abraham fort, „ich will hoffen, oaß Du mir die Wahrheit gesagt hast! M' das Gerede könnte nicht entstehen, wenn Du durch ebrlicke Arbeit Deinen Unterhalt verdienen welltest —"

„Verschone mich auch damit jetzt; so lange ich krank bin, kann ich nicht arbeiten."

Kopfschüttelnd entfernte fich Abraham, wenn auch der schwere Druck von ihm genommen war, er hegte trotz alledem noch Zweifel, die sich so .asch nicht be- ! fettigen ließen, er kannte ja den Trotz und die Ber- strllungSkunst des BruderS, und das höhnische Lachen, das er r och auf der Treppe hörte, konnte diese Zweifel nur bestärken.

17. Kapitel.

Der Bankier Schreiber war von seinem Besuch bei dem Friseur mit triumphierender Miene beimge- keört, er hatte fich nach einem kurze» Gespräch mit seinem Kommis sogleich in sein Kabinett zurückgezogen.

.Letzt haben wir, w»S wir wünschen", sagte er, nachdem er fich vor seinem Schreibtisch niedergelassen und eine Cigarre angezündet hatte, „Baron Dagovert wird nie bae Majorat besitzen! Der hochnäsige Narr! Mit dem Grafen Morray mache ich auch nun kurzen Prozeß, feine Dienste find überflüssig geworden, ihm brauchen wir keine Opfer mehr zu bringen."

„Es fragt sich nur, wie fich die Dinge auf Haus Eichenhoist nun gestalten werden", fuhr er noch langem Sinnen gedankenvoll fort. „Wenn die tolle Baronin Herrin dort wird, könnte d>e He-riichkeit für j