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fMlda, Freitag, den 11. Dezember 1903.
Deutsches Reich,
*. Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Leußerlich war es im großen und ganzen dasselbe Bild wie gestern: das Haus war ver- hältnismäßig gut besetzt, am Bundesratsttfche die gleiche lange Reihe von Staatssekretären, «imstem und Bevollmächtigten, im Hintergründe ein großes Heer von Kommissaren aller Reichs- iknt«. Nur die Tribünen waren bester besucht.
fragte er. . . „
„Wenig," erwiderte Union mit eurem raschen, lauernden Blick, der seinem Brnder entging.
nieder." , „ .
„Na, ich komme zu Dir, wenn ich bet ihm gewesen bin," sagte er, „wir wollen jetzt noch nicht urteilen."
Er begleitete seine Schwiegermutter ans Tor und kehrte dann zu seiner Arbeit zurück; aber ein heiteres Wort wechselte er an diesem Vormittage mit seinen Kameraden nicht mehr.
Ernst und schweigsam, verrichtete er die schwere Arbeit, immer finsterer wurden die Schatten, die seine
I« **** ■ebgtkrtoy. werte!;
„Kann's mir denken, wo warst Du gestern nachmittag ?"
„Rdj? Hier im Bett."
„Was? Du bist gestern nicht ausgewesen ?"
„Seit vorgestern nicht mehr."
„Ist das Wahrheit?"
„Weshalb sollte ich lügen?"
„Weil Du vielleicht glaubst, durch eine Lüge Doch retten zu können," sagte Abraham scharf. „Wenn Dir das auch in der ersten Zeit gelänge, Anton, es kommt alles doch einmal an den Tag, und durch Lügen wird eine Sache nur verschlimmert."
Anton richtete sich empor, er wich dem Bltck be<? Bruders nicht aus.
„Was soll an den Tag kommen?" stagte er.
„B.st Du gestern wirklich nicht im Walde gewesen?
„Du hörst es ja, im Bette war ich! Das verfluchte Reißen in den Gliedern — ich muß mich früh« einmal im Walde stark erkältet haben."
„Kannst Du beweisen, daß Du gestern den ganze« Tag zu Hause gewes n bist?" r ,
„Sonderbare Fragen!" brauste Anton auf. „Was soll das alles? Woher die Beweise nehmen? H'er r« Hause kümmert fich ja niemand um mich. Weshalb auch soll ich das beweisen?"
„So weißt Du noch nicht, daß der Baron, btc Dich mißhandelt hat, gestern im Walde erschossen worden rst?" stagte Abraham ihn sch anblickend.
„Oho! Soll ich das verbrochen haben?"
„Du hast ost mit Deiner Rache gedroht!"
„Nicht bei anderen, nur bei Dir, ich erwarte, daß Du nicht davon sprechen wirst", sagte Anwn in drohendem Tone. „Ein Verdacht ist rasch ausgesprochen, nachher kann man die Worte nicht zuriick- nehmen." _
„Der Förster hat diesen Verdacht zuerst ausgesprochen." .. _
„So sag' dem alten Schwätzer, er soll seine Zu«ge hüten. Womit soll ich den« den Baron erschoss« haben? Ich habe ja nicht einmal ein Gewehr. (». f)
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ei» "schwerer Seuszer fich seinen Lippen. „Spricht mau schon davon, daß wein Bruder den Mord begangen haben soll?" t ,
Rein, nur der Förster hat de» Verdacht ausgesprochen, alle Wrlt glaubt an die Schuld des Barons."
der Schuldige ist, darf der Baron nicht für ihn büßen. Er hatte ihm Rache geschworen, aber mich beunruhigte das weiter nicht, weil ich wußte, daß er keine Bückse mehr besaß. Womit soll er nun geschoffen haben?"
„Kann er fich nicht in den letzten Tagen ein Gewehr verschafft haben? Ich wünsche gewiß, daß ein anderer die Tat begangen hätte, aber der Anton ist immer ein roher Gestll gewesen, er war arbeitsscheu und vor dem Gesetz hatte er niemals Respekt."
„Arbeitsscheu, ja, das hat ihn so weit herunter gebracht," sagte Abraham mit einem schweren Seufzer. „Ihm war nicht zu raten, da konnte ihm auch nicht geholfen werden. Ich habe ihm gesagt, er solle au8» wandern, das wäre das beste für ihn und für uns alle gewesen, aber er wollte es nicht."
„Und es wäre auch in Amerika nichts aus ihm
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Zernsprecher Nr 9.
sächsischen Behörden in Crimmitschau ja auch geeignet, Unwillen selbst bei den Mchtsozialdemo- j raten zu erwecken. Kein Wunder, daß ein i ! Zebel seinen Zorn kaum noch zu bändigen weiß : und die heftigsten Vorwürse gegen die sächsische 1 Regierung schleuderte. Es wurde sehr lebhaft 1 im Hause, weniger weil die übrigen Parteien 1 )ie Ruhe verloren, als weil die Sozialdemo- : raten den Redner durch Zurufe und Beifall ' glaubten unterstützen und anfeuern zu müffen. Das schien schließlich selbst dem Diktator zuviel zu werden; er warf einen strafenden Blick nach links: Da ward's still. Glücklich mündete auch dieser Abschnitt der Rede in eine Anlage gegen das Zentrum, das nicht ernstlich für das Koalitionsrecht der Arbeiter eingetrelen sei. Nachdem er 21/» Stunden gesprochen, nahm er ich nochmals die auswärtige Politik vor. Jns- >e sondere der Barbarensiaat Rußland, vor dem das deutsche Reich auf dem Bauche rutsche, kam übel weg. Das Kapitel Soldatenmißhandlungen und Verwandtes hatte der Redner aus seinem Konzept streichen müssen, sonst hätte er wohl drei Stunden lang gesprochen. Das Kapitel Dresdener Parteitag hatte vermutlich nicht dann gestanden. Es wurde aber nicht vergeffen; nur nahm es ein anderer auf. .
Nachdem Bebel unter dem Beifall seiner Freunde — ob auch die „Revisionisten" einstimmten, war nicht festzustellen — geendet hatte, erhob sich der Reichskanzler Graf Bülow. Anfangs schien es, als ob er nur hier und da obenhin auf eine Bemerkung der Vorredner antworten wolle, um nicht gänzlich geschwiegen zu haben. Zu den Soldatenmißhandlungen, For- bach, Bebels Ausführungen über die Handelsverträge, seinen Ausfällen gegen Rußland re. sagte er, was man in einer landläufigen Polemik zu sagen pflegt. Manchmal wurde er recht scharf dabei, indem er z. B. von der zügellosen Art der Kritik Bebels sprach, die nicht den Traditionen, Wünschen und Interessen des deutschen Volkes entspreche. Einmal entgleiste er auch: er sprach von Bebel als „neuem Peter von Arbues" (statt von Amiens). Auf eine Anfrage Bebels wegen der geplanten Verkehrsabgabe auf den natürlichen Wasierstraßen entgegnete er, die Einzelstaaten seien zur Erhebung solcher Abgaben nicht berechtigt, es würde dazu ein Reichsgesetz notwendig sein; es liege aber bei dem Bundesrate keinerlei Antrag vor, daß sür einen Bundesstaat eine Ausnahme gemacht werden solle. Als sozialpolitische Aufgabe der nächsten zehnJahre bezeichnete er die Witwen- und Waisenversorgung und die Arbeitslosen-Versicherung. Aussichtslose Forderungen, wie die Sozialdemokraten sie zu erheben pflegten, erschwerten bloß die Durchführung der Bestrebungen zu gunsten der Arbeiter, zumal durch die Art und Weise, wie sie mit antimonarchischen Tendenzen verquickt würden. Sehr wirksam war der Hinweis auf die Schweiz und Frankreich; diese Republiken haben weit weniger für die Arbeiter getan als das monarchische Deutschland, und gegen direkte Steuern, nach denen Bebel ; ruft, wehrt man sich nirgends mehr als in Frankreichs : selbst Herr Millerand hat sie nicht eingeführt.
Oester» hatte man offenbar noch nichts aufregen- । -es erwartet. Heute, wußte man aus den Zei- 1 tragen, sollte, falls nicht etwa der Reichskanzler • oder der Kriegsminifier das Wort nähme, Bebel die Reihe der Redner eröffnen, und das «ar „vielversprechend". Den Heißsporn, der sich in Dresden und nach Dresden so wild ge- tzerdet hat, wollte man hören, vielleicht veran- Ulßte er Skandalscenen oder sagte etwas ganz »»erhörtes. Man kam ja auch auf die Rechnung; rar «ar es nicht Bebel, der die „große Sitzung" ,»f Kosten der Regierung und der anderen Par- ieten machte, sondern er und seine Genoffen mußte» die schweren Kosten tragen.
Der .Vorwärts' schimpft heute mit Auf- -ietrag seiner ganzen Virtuosität in dieser Kunst «,f den Abg. Dr. Schädler, den er einen „Romibianten der Opposition" nannte. Dr. Schädler hat nämlich das Verbrechen begangen. Gestern sehr vieles zu sagen, was der große Bebel heutt sagen wollte. Der „ehrlichen Opposition" de» Stoff so wegzunehmen, das ist eine Gemeinheit sondergleichen. Damit noch nicht genug, hat das Zentrum auch eine Reihe sozialpolitischer Anträge gestellt, und sogar eine Interpellation Iber die Ausführung der Februarerlaffe ein gebracht. Das ist der Gipfel der Nieberttacht, den« für soziale Forderungen einzutteten, ist das Dorrecht der „Arbeiterpartei". Wie können diese Bourgeois sich so etwas herausnehmen? Das ßollte durch eine Abänderung der Geschäftsord- ra«g verboten werden. W
Kein Wunder, daß Genoffe Bebel auf das Zentrum heute sehr schlecht zu sprechen war. Als roter Faden zog sich durch de» ersten Teil seiner fast 2^/» stündigen Rede: Das Zentrum ist an allem Hebet schuld, an der schlechten Finanzlage, an der Unersättlichkeit des MWarismus und Marinismus, an der kostspieligen Kolonial- und Weltpolitik usw. usw.; es ist auch schuld an allem Hebel, das in naher »der ferner Zukunft noch kommen wird. Das *{te Lied nach der alten Melodie war nun nicht gerade packend, zumal da der Redner es ungewöhnlich matt vortrug. Die ersten anderthalb Stunden ermüdete er das Haus sichtlich. Nicht «iwnal seine Deklamationen gegen die herrschenden Klaffen, die keine Opfer bringen, sondern alle Lasten auf das arbeitende Volk abwälzen wollten^ rührten die Mehrheit. Der Widerha l aus dem Hause blieb fast ganz aus. Man ließ jh» reden, ohne sich aufregen zu lasten. Er begann schon heißer zu werden, als er auf das Koalitionsrecht der Arbeiter und die Crimmr- schauer Vorgänge zu sprechen kam. Nun er t geriet er wirklich in's Feuer und zeigte die alte Aidmschaft. In der Tat ist das Verhalten der
Das Majorat.
Rsman von &idttlb August König.
N ------ lNachdruck verboten.)
ns, das uns betrifft," erwiderte sie beruhigend. Absr können wir nicht an einen anderen Ort gehen, an dem der Lärm nicht so groß ist?" .
Er nickte zustimmend und führte fie durch eine ange Pforte in einen anderen Hofraum, in dem es •mer war.
„Ich kann die Maschinen nicht stille stehen lasten," sagte er in einem halb bedauernden, halb spöttischem Tone. „
„Äl wirst Dich erkälten, wenn wir hier bieiben , warnte fie, „willst Du nicht Deinen Rock holen ?"
„Hab' reine Sorge, hier find wir nicht verzärtelt. Wir müssen ein hartes Fell haben, Hitze und Kälte ertraget können. Also, was gibt es, Matter?"
Er hatte sich auf einen Backen niedergelassen, die alte Frau setzte sich neben ihn.
„Ws wohnt Dein Bruder?" prägte fie.
Er blickte überrascht auf.
„Ich muß es Dir sagen, Abraham, ich möchte es Dir'gerne ersparen, aber ich darf eS nicht um der Gerechtigkeit willen! Der Baron v. Darboren, der vor einiger Zeit Anton geschlagen hat, ist gestern erschossen worden."
„Allmächtiger Gott!" stöhnte Abraham, d^e Augen mir der Hand bedeckend, „auch das noch!"
* „Na, es ist noch nicht erwiesen, daß Anton die Tat'begangen hat, wenn auch der Förster es vermutet. Der junge Baron Dagobert ist verhaftet worden, aber ich kann nicht glauben, daß er der Täter sein )oll, und wer auch der Schuldige sein mag, er allein rar- verantwortlich gemacht werden."
„Ja, daS ist wahr und so klar wie das Sonnen- #6t'" nickte er mit gepreßter Stimme, „Wenn Anton
Berlin, den 10. Dezember 1903.
* * Das Athener Blatt ,Asty' meldet, für den Fall einer Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms sei ein mehrtägiger Aufenthalt des Kaisers in Athen in Aussicht genommen. Dazu bemerkt die »Post': In nächster Zeit «erden wohl noch eine Anzahl ähnlicher Nachrichten »o* geplanten Besuchen des deutschen Kaisers a»f- tauchen, zu denen ebenso wie zu der vorliegend«» zu bemerken ist, daß zur Zeit darüber noch nicht das geringste feststeht, daß es aber nicht ausgeschlossen ist, daß der Kaiser im Anschluß ra eine geplante, aber nicht beschlossene Kreuzerfahrt im Mittelmeer den einen oder andere» derartigen Besuch ausführen wird.
—* Z«m deutsch-russischeu Handelsverträge weiß die von einem Russen herans- qegebene Korrespondenz .Rußland und Deutschland' zu berichten, die deutschen Industrielle« hätten in Erfahrung gebracht, daß der Abschluß des Vertrages vor dem Jahre 1905 nicht erfolgen werde und bis zu der Zeit würden kerne besonderen Veränderungen in dem gegenseitige« Austausch der Waren unter den beiden Reichen geschehen. In jedem Fall werde der gegenwärtige Handelsvertrag noch ein, oder sogar em und ein halbes Jahr in Kraft bestehen.
*. Die vom Deutsche« Arbciterkougrest zu Frankfurt a. M. gewählte Abordnung, bestehend aus den Herren Behrens, Brust, GieS- berts, Schack, Schiffer, Schirmer, Steger vald, die dem Reichskanzler die auf das KoalitionS- recht, die Anerkennung der Berufsvereinen und die Arbeitskammern bezüglichen Resolutionen deS Kongresses überreichen soll, wird nach der ,Soz. Praxis' am Sonntag vom Grafen Bülow empfangen werden.
)♦( Im Monat Oktober d. I. find a*f deutsche» Eisenbahnen ausschließlich der bayerischen und der Bahnen mit weniger als 50 Kilometer Betriebslänge 16 Entgleisungen auf freier Bahn (davon 7 bet PersonenzügenH. 26 Entgleisungen in Stationen (davon 11 bei
Mehr und mehr ging der Reichskanzler nun zum Angriff auf Bebel und seine Genossen i öfter, wobei er den Dresdener Partettag sehr geschickt ausnutzte. Hieb auf Hieb sauste auf fie herab unter wachsendem heiteren Beffall der Mehrheit. Wie begossene Pudel saßen die Herren Genossen schließlich da und sahen einander immer verlegener an, als Gras Bülows an Bebet und den Vorgängen in Dresden die sozialdemokrattsche „Freiheit" beleuchtete und fie dringend auf* forderte, doch endlich einmal den Plan ihres Zukunftsstaates oorzulegen. Der überlegene Humor des Redners mischte fich mit ätzendem Sarkas- mus. Der Volkstribun Bebel hatte unsere Zustände mit denen im kaiserlichen Rom gleichgestellt. Der Reichskanzler fragte ihn, ob der Reichstag aussehe, wie der römische Senat unter Tiberius, oder ob er glaube, daß er seine heutige Rede auch unter Caligula hätte halten dürsen. Dem Gezeter Bebels über den Byzantinismus und das Fürstenschranzentum begegnete er mit der Bemerkung, es gebe auch einen Byzanttnismus unter den Volksschranzen, die immer dem Volk schmeichelten und so täten, als ob Herr Demos nie irren könne. Bebel klage über Terrorismus der Arbeitgeber und fordere alle möglichen Freiheiten, aber nirgendwo herrsche weniger Freiheit und mehr Terrorismus und Hnduldsamkeit, Ketzerrichterei als bei den Sozialdemokraten. „Reden Sie uns von allem, nur nicht von Freiheit!" „Willst du nicht mein Bruder fein, so schlag ich dir den Schädel em. Kritik, Agitation, Disziplin, Opferfteudigkeit IA, positive Leistungen, Klarheit des Programms 5 B. Nur nebelhafte, phantastische, unklare Zukunftsstaatsbilder wüßten fie zu entweiffen. „Wir möchten doch endlich wissen, was Sie mit uns vorhaben." „Sagen Sie doch endlich, wie es aussehen soll in dem neuen Paradiese, in das Sie uns führen wollen." Bebel verurteile den Militarismus, aber zugleich wolle er in der ganzen Welt intervenieren. Da müßte er eine noch viel größere Armee haben, als wir hätten. Wer solle im Zukunftsstaate Minister des Aeußeren sein? Wie denke fich Bebel unser Verhältnis zu Rußland. Kein größeres Pech könnte es sür die Sozialdemokraten geben, als wenn sie plötzlich in den Besitz der Macht kämen, ein Pech allerdings auch für die anderen, denn im Zerstören würden fie groß sein.
„Am Donnerstag nimmt zunächst Bebel d a s Wort der drei Millionen", kündigte gestern der .Vorwärts' stolz an. Die Vertreter der drei Millionen, die heute etwa als Zuhörer auf der Tribüne saßen, um den Triumph Bebels mitzugenießen, werden in ihrem naiven Glauben an das sozialdemokratische Evangelium stark erschüttert worden fein, als die Drei-Millionen- Partei unter der stürmischen Heiterkeit des Hauses : so derbe gezaust wurde. Denn das konnte sich auch der verbohrteste Fanatiker nicht verhehlen: : die Genossen spielten heute eine klägliche Rolle. : Zu widerlegen sind die Ausführungen des Reichskanzlers einfach nicht. Ja, Dresden wird den Genossen noch manchmal Kopfschmerzen bereiten Und wenn sie in der Fraktion unter fich sind,
30. Jahrgang.
mag es recht liebenswürdige Auseinandersetzunge" ;eben. Daß Bebel sie blamirt hat, läßt fich j* mit keiner Sophistik und keiner Vertuscbungskunst verheimlichen.
Mst der Rede des Reichskanzlers war für heute das Interesse erschöpft. Der sächsische Bundesbevollmächtigte Fischer entgegnete W iart gelichtetem Hause noch auf die Ausführungen Bebels über Crimmitschau. Abgeord. Graf zu Stolberg sprach namens der Konservative«. Er erklärte, daß ihre Ansichten über die FinarH- reform geteilt seien, und forderte u. a. das raldige Inkrafttreten des Zolltarifs. Morgen wird die Beratung fortgesetzt. Der nattonalliberÄle Abg. Dr. Sattler soll beginnen; auch Abg. Richter wird sprechen.
geworden " Arbeit, immer sinperer rouroen oie «ajautir, utc
„Das ging m.S weiter nichts an, wie man fich Stirn umwölkten. Er erinnerte sich i-tzt so mancher bettet, so liegt man, Mutter, und drüben hätte er Aeußerung pines Bruders, die dem Verdacht gegen arbeiten müssen, wenn er nicht verhungern wollte " ibn nur zur Bestätigung dienen konnte, war dieser
„Du weißt, wo er wohm?" fragte fie leise. Verdacht begründet, so war auch sein ehrlicher Name „Ich weiß es " für alle Zeiten geschändet.
Und was nunUnd auf den ehrlichen Namen war er immer stolz ,",Jch will heute Mittag zu ihm gehen und ihm gewesen, er batte ja nur dieses emzige Gut.
inS Gewissen reden. Wenn er die Tat begangen hat, Die Glocke läutete endlich zu Mittag, Abraham dann werde ich es auch erfaßen." kleidete sich hastig an, er war diesmal unter den
„Gibst Du mir darauf Dein Wort?" ersten, die die Fabrik verl eßen. .
„Mein heiliges Wort, Mutter! Anton ist mein Die Fabrik selbst lag m einem Stadtviertel, das Bruder, aber für seine Taten soll kein Schuldloser fast nur von Arbeitern und kleinen Handwerkern be- hjjbxn - wohnt wurde, em ganzes Netz von engen Gassen mit
„Es wird Dir schwer werden, aber Du darfst I hohen kasernenartigen Häusern umgab sie.
nicht anders handeln," sagte sie, sich erhebend, „Recht In einem solchen Haute stieg Abraham die steilen muß Recht bleiben, und seine Handlimgen hat jeder Treppen bis unter das Dach hinauf; ohne vrnher an- ru verantworten." zupochen, öffnete er eine Tur, sein erster Blick fiel
3 "c=a ist's " nickte Abraham, und wieder entrang auf das ärmliche Bett, in dem Anton bis zum Kinn ' —' ' ” ■ — ni----- l lygebedt lag.
„Hast wohl in der vorigen Nacht nicht geschlafen?"
Abrabam war nun auch aufgestanden, sein ehrlicher, bekümmerter Blick ruhte fest auf dem Antlitz seiner Schwiegermutter.
„Könnte der Baron es nicht gewesen sein?" fragte er. „Er hat seinen Vormund gehaßt, und im Haß geschieh' vieles, was man vorher nicht lange überlegt."
„Ich glaub's nicht, Abraham, ein Baron v. Darboren schießt nickt aus dem Hinterhalt einen Menschen