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r parrellerin'zulda. Wochenbeilage: „Illustrierte SonMgzzeitung"

scheint täglich, «A

Mdaer

Zeitung

monatsteiiagt: „Ktlöaer GeschlchtrbMer".

Anzeigen: Vie ei» spaltige Petitzeile oder deren Baum 15 Pf» BeNmnen die petitzell« 25 pfg.; bei wieder. Holungen wird entfpr. Babati gewährt.

Druck und Verlag d« Zuldaer Aetiendruckerei in Zulda (Harmonie) Zernsprecher Br. 9.

M 283.

fllldd, Donnerstag, den 10. Dezember 1903.

30. Jahrgang.

■ff

[] Die Entwickelung der deutschen Lebensverstcherung im Jahre 1902.

Die Beteiligung des Publikums an den privaten Lebensversicherungsunternehmungen, sowohl den Aktiengesellschaften als den auf Gegen­seitigkeit beruhenden, ist in Deutschland im steten Fortschritt begriffen. Insgesamt wurden im Jahre 1902 neue Versicherungen über 649,0 Millionen Mark abgeschlossen. Auf den Haupt­zweig der Lebensversicherung, die Kapitalver­sicherung auf den Todesfall, entfällt hiervon allein die Summe von 594,9 Millionen Mark, gegen 570,2 Millionen Mark im Vorjahr. Die großen Gesellschaften weisen dabei die meiste Anziehungs­kraft auf: von den 45 Unternehmungen, welche die Todesfallverficherung betreiben, erzielten die sechs größten (die alten Gegenseitigkeitsanstalten in Gotha, Stuttgart, Leipzig und Karlsruhe, sowie die Aktiengesellschaften Viktoria und Germania) allein einen Neuzugang von 260,0 Millionen Mark. Ende 1902 erreichte der Be­stand die Höhe von 6999,1 Millionen Mark. Mit Einschluß des Bestandes der Versicherung auf den Erlebungsfall und der Sterbekaffen- verstcherung erhöht sich diese Zahl auf 7787,3 Millionen Mark.

Vielfach findet man selbst bei Leuten von großen Kenntnissen die Anschauung, daß die englischen und amerikanischen Gesell­schaften leistungsfähiger und vertrauenswürdiger seien als die deutschen. Daß diese Ansicht un­richtig ist, kann man sehr leicht aus dem Ver­gleich der finanziellen Ergebniffe der betreffenden Ausländer mit den besseren deutschen Anstalten ersehen, da die ersteren infolge ausgedehnter Reklame wohl viele Abschlüsse machen, aber in bezug auf Verwaltung der anvertrauten Gelder nicht mit der gleichen Vorsicht und Sparsamkeit verfahren und daher sowohl an Sicherheit wie an Billigkeit meist erheblich gegen die letzteren, zurückstehen. Das kaiserliche Aufstchtsamt für Prioatoersicherung schrieb darüber in einer seiner letzten Veröffentlichungen: „Durch die Aufsichts­behörde kann und darf nicht den Verstcherung- suchenden die eigene Prüfung und die eigene Verantwortung für die Wahl derjenigen Ver- sicherurlgsunternehmungen abgenommen werden, Ser sie sich anvertrauen wollen. Dies gilt den inländischen Versicherungsunternehmungen gegen­über, in erhöhtem Maße aber für den Ver­kehr des Publikums mit ausländischen An­stalten. Mag den letzteren gegenüber die behörd­liche Aufsicht noch fo eingehend und streng ge­handhabt werden, so liegt es doch in der Natur der Sache begründet, daß ihrer Wirksamkeit hier tatsächlich engere Grenzen gezogen sind als gegen­über den inländischen Anstalten, und daß folglich

Aas Majorat.

Roman von Ewald August König.

61 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ich finde keinen anderen", sagte er, „der Unter« suchunüsrlchter muß eS ja an den Tag bringen, ob der Mann schuldig ist oder nicht. Haben sie den Baron Dagobert verhaftet, so müssen sie nun auch diesen Widdreb verhaften, ich fordere es, und sie wer­den zugeben, daß es eine gerechte Forderung ist."

„Ich kann's nicht bestreiten."

„Ist der Mann gestern draußen gewesen, und wann kam er nach Hause?"

„Das weiß ich nicht, Martin, er wohnt hier nicht mehr."

Der Först-r blickte überrascht auf, Zweifel und Bestürzung spiegelten sich in seinen Zügen.

„Ec wohnte doch noch vor acht Tagen hier?" sagte er.

„Ja, er wohnte noch hier, als Sie mir den Hoch- zeilsbraten brachten; am nächsten Aage ist er ausge- zogen. Wir wollten ihn nicht mehr hier haben, ich wußte, daß er auf die Jagd ging, aus meinem Hause sollte die Polizei ihn nicht herausoolen."

„Und wo wohnt er jetzt?"

„Er hat mir's nicht gesagt, wir find in Unfrieden auseinander gegangen."

„Wird es Ihr Schwiegersohn wissen?"

„Vielleicht — die Brüder haben in der letzten Zeit nicht mehr mit einander harmoniert. Mein Schwieger­sohn ist ein ehrlicher Mann, er hat den Bruder ost gewarnt, dadurch entstand der Zank; Anton wollte sich nichts sagen lassen." ,

Der Förster stützte das Haupt auf den Arm und blickte lange starr vor sich hin.

„Ich muß ihn fi den," sagte er nach einer geraumen Welle. „Wenn Sie die Wohnung nicht angeben tön« en, so gehe ich zur Polizei

das Publikum hier fich noch mehr der eigenen Verantwortung bewußt sein sollte."

Die fortwährende Steigerung des Jahres- überschuffes ist ein Beweis der ausgezeichneten finanziellen Situation der deutschen Gesellschaften. Vergleicht man z. B. das Jahresergebms der deutschen Anstalten in 1902 mit dem der ameri­kanischen Riesenanstalt New-Aork, so ergibt sich folgendes Bild:

1901 1902

Bestand d. deutschen Anstalten 7,5 Milliard. 7,8 Mill.Mk.

„ „ Nerv-Iork 5,8 „ 6,6 „ „

Ueberschuß d.deutsch.Anstalten64 7 Million. 69,1 „ „

„ „ New-Iork 26,7 „ 19,7 „ „

Während sich also der Geschäftsumfang der riesigen amerikanischen Anstalt dem der gesamten deutschen Anstalten nähert, beträgt der Gewinn, den sie .für ihre Versicherten erübrigt und der feit Jahren zurückgeht, noch nicht den dritten Teil dessen, den die deutschen Gesellschaften im Durchschnitt aufbringen. Daraus läßt sich leicht schließen, um wieviel erst die besseren der deut­schen Gesellschaften dem amerikanischen Koloß überlegen sind. In der Tat werden die erst­klassigen deutschen Anstalten in bezug auf Billig­keit und Sicherheit von keiner Konkurrenz der Welt erreicht. Der Grund dieser Tatsache liegt hauptsächlich in der außerordentlichen Sparsamkeit der deutschenLebensversicherungs- gesellschaften, sowie in der vorsichtigen Auswahl der Risiken. Deshalb find einerseits die Ver­waltungskostensätze sehr niedrig, anderseits idie Ersparnisse an der Sterblichkeit sehr hoch. Die folgende kurze Uebersicht veranschaulicht diese Verhältnisse bei den Aktien- und Gegenseitigkeits- gesellschafren im Durchschnitt und bei den je vier größten Gesellschaften einet jeden Gruppe be­sonders :

Gegenseitig-

keitSerspär- nisse in Proz.

Verrval- tungSkosten

Ueberschuß in Proz. der JahreSein-

teitSanftalten

der Prämien­einnahme

in Proz. der JahreSein-

(TodeSfall- verstcherung).

nähme.

insgesamt

9,6

6,8

19,9

Gothaer

8,0

4,9

24,9

Alte Stuttg.

12,1

5,0

25,4

Alt. Leipziger

7,8

5,2

22,1

Karlsruher Aktiengesell-

12,1

6,0

22,9

schäften insgesamt

8,3

11,3

14,0

Germania

9,0

7,4

14,4

Viktoria

10,8

7,8

21,6

Concordia

7,0

9,1

17,3

Nordstern

7,1

11,5

12,9.

Dr. k. weihnachtsbücherschau 1903.

IX. (Schluß.)

Im Berlage der Fuldaer Actieudruckerei sind mehrere Bücher erschienen, die sich zu Festgeschenken für Jung und All besonders eignen. Wir heben' avon besonders folgende hervor: „Gedichte aus jungen und alten Tagen" von Dr. Eduard Goebel, Gymnasialdirektor a. D. (fein gebunden 2 Mark). Be­sonders die zahlreichen Freunde und Berehrer des in weitesten Kreisen bekannten Verfassers werden diese

„Tun Sie das nicht," unterbrach fie ihn „ich will feine Wohnung zu erfahren suchen."

„Und dann ist er gewarnt, er flüchtet und Baron Dagobert muß für ihn den Kopf ins Loch halten."

„Nein, nein, das darf und soll nicht geschehen, Martin, ich verspreche es Ihnen."

Die Schelle an der Ladentür ließ sich vernehmen, die alte Frau erhob sich und ging hinaus; vor dem Ladentische stand der Bankier Schreiber.

„Ich habe vor einiger Zeit eine Flasche Haarfä:be- mittel hier gekauft," sagte Eduard in vornehm herab­lassendem Tone, „ist Ihr Mann nicht zu Hause?"

„Habe die Ehre I" schnarrte hinter ihm eine Stimme. „Ah, Herr Bankier Schreiber! War das Miltelchen gut? Nicht war, vortrefflich! Es ist mein Prinzip, nur beste Ware zu führen, etwas teuer allerdings, ober streng reell, dadurch erhalte ich mir die vornehme Kundschaft."

„Schicken Sie mir noch sechs Flaschen!" erwiderte Eduard kurz.

„Werde die Ehre hab«»! Wissen Sie es schon? Der alte Baron v. Darboren ist gestern von seinem Neffen erschossen worden!"

Eduard bückte ihn starr an, Frau Burger ging ins Hinterstübchen zurück und legte den Finger auf die Lippen, um dem Förster Schweigen zu empfehlen.

„Von seinem N.ffen?" fragte der Bankier. „Wer hat Ihnen das gesagt?"

„Die ganze Stadt redet davon, der Mörder soll schon hinter Schloß und Riegel fitzen."

„Ich gehe fort," flüsterte Martin, „findet Ihr Mann mich hier, so hat er tausend Fragen an mich zu richten. Wann kann ich Ihre Antwort holen?"

„Kommen Sie gegen Abend, ich bin dann allein."

„Gut," sagte der Förster. „Weshalb mag der Verwalters-Junge seine Haare färben wollen?"

„Ich weiß es nicht, er war immer eitel," erwiderte fie, indem fie leise die Tür öffnete, welche zum Haus­flur führte.

Martin schlich fich auf den Fußspitzen hinaus; die alte Frau trat wieder in den Laden.

Gedichte, unter denen sich wahre Perlen echter Poesie finden, mit Genuß lesen. Die Bekehrung der Wodans­priesterin Wala in 12 Liedern, die lyrischen und didaktischen Gedichte sind in gleicher Weise von echt christlicher Anschauung durchdrungen. Den Schluß des Büchleins bilden lateinische Gedichte (mit deutscher Uebersetzung), von denen fünf dem Andenken de' f Fuldaer Bischofes Dr. Komp gewidmet sind. — Wynfrith-Bonrfatius. Von G. Kurth, Professor in Lüttich, ins Deutsche frei übertragen von H. E l t e ft e r. Preis 2 Mark. Die deutsche l ebersetzung sucht die eigentümliche Schönheit des französischen Originals, soweit dies der deutsche Sprachgebrauch gestattet, beizubehalten. Das Buch ist überaus spannend geschrieben, schildert lebendig und anschaulich mit sichtlicher Liebe das Leben des Heiligen und enthält wertvolle Beiträge zur Bonifatius-Literatur. Der deutschen Ausgabe ist ein sehr gut gelungenes Faksimile von Miniaturen aus einem auf der Göttinger Universitäts-Bibliothek aufbe­wahrten Sakramentar beigegeben. Das schön ausge­stattete Buch wird allen Verehrern des großen Apostels der Deutschen hochwillkommen sein. — Jxhäuser- G eschichten von Ludwig Nüdling. Die hübschen Erzählungen werden besonders den Kindern viele Freude bereiten, da der Berfaffer es vortrefflich verstanden hat, den kindlichen Ton überall zu treffen und wie ein Kind mit den Kmdern zu sprechen. Das Büchlein ist hübsch ausgestattet, der Preis (1.20 Mark) ist niedrig gestellt.

Jrn Verlage der Paulinusdruckerei tu Trier ist ein Buch von eigenartigem Reiz erschienen, das nicht Wenige außerordentlich fesseln wird: „Das Hemd des Glücklichen", Bunte Bilder aus dem Leben eines Konvertiten von Baron von Lüttwitz (Salonband 2 Mark). Der Verfasser schildert in 60 Bildern, wie er auszog, das „Hemd des Glücklichen" zu finden, es aber im Weltgetriebe nicht fand, sondern erst im Schoße der katholischen Kirche. Es ist uns selten eine so überzeugend geschriebene, von einem Weltmanne verfaßte Verherrlichung der von dem­selben Autor einst gehaßten Kirche zu Gesicht gekommen. Prickelnde Schilderungen aus den Zentren der Statur« schönheiten und des Lebensgenusses bilden den ersten Teil. Alles in allem ein herrliches Buch!

In zweiter vermehrter und verbesserter Auflage (mit Titelbild geb. 2 Mk. 80Pfg.) erschien D. Poertz- gens auch stilistisch mustergiltiges Buch über „Das Herz des Gottmenschen im Wel tenplane". (Für Freund und Feind), in zweiter Auflage auch der erste Baud der neuen „Katholischen Hausbibel" von Prof. Dr. Jak. Ecker. Der Erzbischof von Frei­burg hat die Ecker'sche Bibelausgabe nach Art der Uebersetzung, Auswahl des Stoffes, Zugabe erkeärender Notenals eine „Ideal-Volksbibel" bezeichnet, die einem längst gefühlten Bedürfnis entspricht. Der Bischof von Trier wünschte, daß diese Hausbibel dazu beitrage, der Bibel in den katholischen Familien wieder den einstigen Ehrenplatz zu verschaffen. Der klare, schöne Druck in großen Lettern ermöglicht auch ganz alten Leuten die Lesung. Das ganze Werk wird drei Bände umfassen. Der erste Band kostet gebunden 3 Mk. 80 Pfg.

In dritter Auflage begrüßen wir den I. Band von P. von Hammersteins illustrierten „Charakter­bildern aus dem Leben der Kirche" (geb. 6 Mk. 50 Pfg.). Wir haben die „Charakterbilder" wiederholt aufs Eindringlichste empfohlen. Die vornehme Aus­stattung — namentlich der prächtige, geschmackvolle Einband — läßt sie als Festgaben besonders geeignet erscheine».

Maximilian Schmidt gehört unstreitig zu den beliebtesten und fruchtbarsten Volksschriftstellern. Seine gesammelten Werke erscheinen seit einigen Jahren im Verlage von Enfilei» und Laibliu in Reut­lingen und liegen jetzt abgeschlossen in 30 Bänden vor - eine komplete Bibliothek! In Bayern sind Maximilian Schmldt's herrliche Erzählungen aus dem Leben der Gebirgler und Wäldler längst Gemein­gut aller Stände geworden. Im Palast, im Bürger- und Bauernhaus und in der Hütte nennt man Schmiüt's Namen mit bewundernder Anerkennung Aber auch im übrigen Deutschland haben seine Werke, die so natur­

wahr den Charakter und die Sitten des von der fal’ schen Kultur noch unbeleckten Volkes wiederspiegeln und die Liebe zum schönen Bayerlande und feiner herrlichen Natur fast auf jeder Seite ahnen, fich mehr und mehr Bahn gebrochen.

In der Reihe der 30 Bände feiner gesammelten Werke, die zum Teil in anderen Ausgaben bis zu 18 Auflagen erlebten, sind in diesem Jahre die letzten sechs erschienen, alle reich illustriert und elegant ausgestattet (geb. 2 Mk. 50 Pfg.): Band 25 „Die Glasmacherleute" und „Der Tranklsine- mat", Band 26 „Das Fräulein von Lichtenegg" und andere Erzählungen, Band 27 „Die Knappen- lisl vom Rauschenberg", Band 28 „Der Bubenrichter von Mittenwald" und, Maria Pettenbeck", Band 29 „Die Miesenbacyer" und andere Erzählungen, Band 30 „Der Reis­müller", historische Erzählung aus der napoleonischen Zeit. In der ReiSmühle soll nach einer Sage Karl der Große geboten sein.

Wer eine billige und doch gediegene, spcmnende und sittlich reine Unterhaltungslektüre sucht, möge immer wieder zu der nunmehr 33 Bändchen um­fassenden Serie „Aus Vergangenheit und Gegenwart" greifen, die bei Butzon & Bercker tu Kevelaer am Niederrhein erschienen ist. Jedes dieser hübsch ausgestatteten Bändchen kostet irt mo­dernem Umschlag nur 30 Pfennig. Die besten Namen der katholischen Belletristik find in dieser abwechslungs­reichen Sammlung vertreten: Antonie Jüngst, Fuggers, Anton Schott, I. Kerner, M. Herbert und viele andere. Die letzterschienenen Bändchen 30 bis 33 enthalten „Durch Kampf zum Sieg" von A. Schuppe, „Die Maienkönigin von Poppelsdorf" von Jos. Flavus, „Kasernenarrest" von Kujawa.

In demselben Verlage erschienen in neuen Aus­lagen die „Schutz- und Trutzwaffen im Kampfe gegen den modernen Unglauben" von P. Peter Rilkes (2 Teile a 60 Pfg.), „Die Wahrheit", apologetische Gespräche -für Gebildete aller Stände, von P. Brors (1. Teil 75 Pfg,, 2. Teil 1 Mark), bann das „Moderne 21 83 ß", Kurze Ant­worten auf die modernen Angriffe der katholischen Kirche, von P. Brors (geb. 1 Mark). Die beiden erst­genannten Werke find auch in feinen Salonbänden (1. und 2. Teil zusammen) zu haben (Preis 2 Mark und 2.75 Mark). Auch die hochinteressante literarisch- tritische Streitschrift „Katholische Selbstver­giftung" von Falkenberg sei in Erinnerung gebracht.

Aus dem Verlage von Horstmann in Dülmen It gen zwei sehr zu empfehlende Romane vor: Die zweite Auflage des von Okandus übersetzten prächtigen und lebhaft entwickelten historischen Romans „König Karl und Widekind" von O. R. von der Lans und der von I. v. Prim übersetzte, außer­ordentlich spannende Kriminalroman „Leuch­tende Sterne" von Grison, die sehr flott und fließend geschriebene Geschichte des „Falles Gerdault" mit allen feinen abenteuerlichen Einzelheiten (drosch. 2.50 Mark, geb. 3.50 Mark).

Wir beschließen unsere diesjährige Rundschau mit einem kurzen Worte über den angesehenen Reise­bücherverlag von Leo Woerl in Leipzig, der 1903 sein 25jähriges Jubiläum begehen konnte. Katholiken bevorzugen die Woerl'schen Reisebücher, weil sie bei vollster Unparteilichkeit nie etwas konfessionell Ver­letzendes enthalten und wahre Parität üben. An­läßlich des Jubiläums gab Leo Woerl einen „Steife« Kompas" heraus, der die wertvollsten Winke für Steifen nach den besuchtesten Teilen der Erde enthält und bei der Wahl von Reiserouten die besten Dienste leistet. Die Woerl'schen Städteführer, von denen einige mehr als 25 Auflagen aufweisen, zahlen bereits mehr als 600 Nummern, ein gerade phänomentaler Fort­schritt ! Aus Woerls Verlag feien auch noch Schulers vielbewunderte Gedichte „Etwas für dich" und „P o e t i s ch e P u r z e l b ä u m e" in Erinnerung gebracht.

„Baron Dagobert war hochmütig geworden," sagte der Bankier, „er ermnerte sich der alten Freunde nicht mehr."

Er hat mich sofort nach seiner Heimkehr besucht" erwiderte sie, „er mag wohl seine Gründe gehabt haben, daß er mit Ihnen die alte Freudschast nicht wieder anknüpfen wollte."

„Möglich, ich war ihm vielleicht zu solide geworden!"

„Im Gegenteil, seit der Trennung von Ihnen hat er den Leichtsinn an den Nagel gehängt."

„Das weiß ich besser", spottete der Bankier, mit geringschatzender Miene auf die alte Frau hinunter­schauend; „er ist noch immer der Hazardspieler, der er camalS war."

„Wenn ich das glauben soll, müssen Sie es be­weisen!" rief fie entrüstet.

„Na, na, nur gemach!" sagte der Friseur ärger­lich. „Weshalb sollte der Herr Bankier die Unwahr­heit sagen?"

„Weshalb? Well er den Baron haßt!"

„Was kümmert uns Dein Baron! Sei verständig, Marie, wir haben nichts von ihm, seine Mutter war tm Jrrenhause, er wird wohl auch seine sünf Sinne nicht alle beisammen haben."

„Schicken Sie mir vorläufig nur eine Flasche", sagte Eduard, indem er seinen Hut vom Ladentische nabtn, „ich werde später eine größere Bestellung machen."

„Da hast Du's!" knurrte der Friseur, nachdem er den Bankier bis zur Haustür begleitet und dort mit einer Uesen Verbeugung Abschied von ihm genommen hatte. „Statt sechs Flaschen nur eine, und an jeder Flasche verdiene ich zwanzig Groschen."

„Ich wollte, er kaufte gar nichts von uns", er­widerte fie achselzuckend. „Weshalb färbt dieser Bankier seine Haare?"

„Er braucht eS nicht für fich —*

„Hat er es Dir gesagt?"

„Ich würde eS ja sehen, wenn er Haar oder Bart gefärbt hätte! Vielleicht gibt er eS einem guten Freunde, der brandrotes Haar hat."

„Dann kann am Ende gar dieser Freund der Verführer Dagoberts fein, wie es früher der Ver­walter ssohn war. Wer weiß, wer weißmurmelte die alte grau.

„Was hast Da noch zu brummen?" fragte er ärgerlich.

„Nichts," sagte sie. „Bleibst Du jetzt zu Hause?"

„Bis Mittag, ja."

„Dann will ich einen Gang machen, in einer Stunde bin ich wieder hier."

Sie hing ein Tuch um die Schullern und verließ das Haus. Zweck und Ziel ihres Ausgangs sollte ihr Mann nicht wissen, fie fürchtete seine Schwatz- yafligkeit.

Wenn Anton den Mord begangen hatte, dann durste er nicht wissen, daß jetzt auf ihm Verdacht ruhte, er mußte ins Gefängnis, damit der Schuldlose es wieder verlassen konnte.

War er auch der Schwager ihrer Tochter, trug sie jetzt auch feinen Namen, er durste deshalb nicht geschont werden; was er verbrochen hatte, mußte er sühnen, so wollte es die Gerechtigkeit.

Die Fabrik, in der Abraham arbeitete, lag nicht weit von ihrem Hause entfernt, sie hatte fie erreicht: der Portier war sofort bereit, ihren Schwiegersohn zu rufen.

Sie stand aus dem rußbedeckten Hose und hörte auf die Hammerschläge und das Stöhnen und Rasseln der Maschinen, die langen Gebäuden mit den hohen Schornsteinen und den geschwärzten Manern lagen vor und neben ihr, hie und da trat eine breitschultrige Gestalt auf den Hof hinaus, und es verstrich eine geraume Weile, ehe Abraham mit dem Pförtner ersch en.

Er trug nur Beinkleider und schwere, plumpe Schuhe, der Schweiß riefelte ihm von der Stirne, mit den nackten Armen strich er ihn fort, indes fein Blick voll ängstlicher Erwartung auf der alten Fran ruhte.

„Es ist doch kein Unglück passiert, Mutter?" fragte er. (F. f.)