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M 279.

Wertes Wtcrtt.

UupolMsche Zeitläuse.

(Nachdruck verboten.)

D Berlin, 3. Dez. 1903.

Im Winter blühen die Eisblumen und dir Geselligkeit. Wie reimt sich das? Ach, die sog. Geselligkeit ist oft ebenso steif und kalt, wie eine Eisblume! Die Menschen verstehen es aus­gezeichnet, sich das beste zu verderben, das schönste zu verekeln, sich gegenseitig zu quälen »nd zu langweilen.

Geselligkeit tut uns not, wie Essen und Kleidung. Aber was brauchen wir denn zur ge­deihlichen Leibesnahrung? Ein kunstvoll aufge­bautes Diner mit schwer verdaulichen Selten­heiten und kostspieligen Cinkerlitzchen? Oder be­kommt uns nicht ein einfaches dürftiges Mittag­essen mit kräftiger Hausmannskost viel besser? So ist auch der urwüchsige Verkehr ohne Um­stände und Apparate viel erquicklicher und ge­sunder, als die kunstvoll „arrangierten" Gesell­schaften. Was die Kleidung angeht, so freut sich jeder über ein praktisches und hübsches Gewand; aber wenn die Weiblichkeit sich in eine Schnür­brust zwängt und die Männlichkeit mit einem Halseisen die Kehle gewaltsam verlängert, dann wird Vernunft, Unsinn und Wohltat Plage. Ebenso ist es bei einer „freien" Gesellschaft, wo sich die Menschen zu Drahtpuppen der Ele­ganz machen.

Da wirft sich nun wirklich ein biederer Mann »o« Lanoe in seine breite Brust und meint, solche Torheiten kämen nur in den Städten aor, bei ihnen ging alles natürlich und gemütlich zu. Halte die Luft an! Hüben wie drüben gibt es Protzen, Gecken, Neider und Nörgler; ja sogar Zeremonienmeister- und ungeschriebene, aber sehr strenge Komplimentier- und Modegesetze stehen auf dem platten Lande in Blüte. Wehe dem, der gegen die herkömmlichen Gebräuche oder gar »egen den ortsüblichen Kastengeist verstößt!

Freilich muß überall eine gewiffe Form ge­wahrt werden, und zwar um so schärfer, je größer die Gesellschaft ist. Doch muß man den ganzen Formelkram nur als Mittel zum Zweck betrach­te«. Haut mal einer daneben, so braucht man uicht immer gleich auf Bosheit oder unverzeihliche Dummheit zu schließen. Der Deckmantel der Liebe ist gerade im gesellige» Verkehr recht am Platze. Man soll doch die Gemütlichkeit pflege«.

Ach ja, wenn nur alle mit dieser Absicht her­kämen und wie zu einem Picknick ihre Portion Gemütlichkeit mitbrächten! Aber da denkt der Gastgeber: Wie kann ich glänzen, wie kann ich de» Gästen imponieren? Und von den Ein­geladenen will die eine Reihe auch glänzen und mlp»nieren, die andere Reihe kritteln, hecheln ««6 klatschen. Eine „Gesellschaft" von Pfauen wb Schlangen — woher soll denn da die Ge­mütlichkeit kommen?

Die Geschmäcker sind verschiede«. Mancher fühlt sich im Frack und Elaque himmlisch wohl.

Acts jÄajorai.

Roman ven üMald August König.

H ------ iNachdruck tboten.-

.Fehlt von den Bewohnern dieses Hause- nie­mand?" »ar die erste Frage, die der Staatsanwalt 6# fett! Kammerdiener richtete.

„Herr Baron Dagobert v. Darboren," lautete die Antwort.

„Baron Kurt lebt noch?"

„Jawohl, unser Hausarzt beredet sich ftit einer Ltmide bei ihm.

„©eHb dec Herr Doktor da» Krankenzimmer »«läßt, lasse ich ihn um eine kurze Unterredung HUgg *

„Sehr wohl, ich werde de« Herrn hierher führen erw derte Jaiob. „Befehlen d.e Herren senst mich etwas?"

w nsche zu wissen, wann H-rr varo r tfefObat Haus Eichen orst verlassen hat", sagte der Rotor.

„Jhtr; bevor der Verwundete gebracht wurde," «twortete der ßam iterbteuer zöger"g und mit einem MvwursSllvllen Blick.

„Sag, r He uns die volle Wahrheit," nahm der Staatsanwalt das Wort; „war der Herr Baron er­regt ? Wie lang? weilte er hier seil dem Augenblick, wo er aus dem Walde zuriickkehrt >, und hat er in dieser Zeit mit jemand gesprochen?"

„Geregt ? Ja, da- war er, aber nicht wie jemand, der ei» Verbrechen begangen bat. Man merkte ihm an, daß er sich gräigctt hatte, und Anlaß zum Berget gab es für ibn hier immer genug. Er ging sofort in fein Zimmer unr soviel ich weiß, hat er mit nie­mandem geredet, nach einer Biertelstunde läutete er, »' den Befehl zu geben, daß ein Pf.id gefältelt werbe."

TiiUa, Samstag,

andere nur im bequemen Hauskleid. Dieser hält den frappierten Sekt für das herrlichste Mittel zum Durstlöschen, und jener schwärmt für oen simplen Bierkrug oder die geblümte Kaffeetaffe. Der Eine drechselt gern Komplimente, und brr Andere möchte nur immer so sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen und die Leder gerade ge­stimmt ist. Ich sage von dem festlichen Apparat: Wer's mag, der mag's ja wohl mögen; aber es gehl auch ohne die feierlichen Vorrichtungen und das festliche Getue. Dieser künstliche Schnickschnack ist nicht der Kern der menschlichen Geselligkeit. Viel wichtiger ist der fortgesetzre natürliche und ungezwungene Verkehr unter Verwandten, Freunden und Bekannten, die alltägliche Gesellig­keit, die sich ohne Umstände von selbst ergibt. So einen gelegentlichen Verkehr mit erfrischendem und anregendem Meinungsaustausch braucht der Mensch, um nicht zu versauern.

Der Notschrei „aus der kleinen Garnison", von dem wir neulich sprachen, kam auch darauf hinaus. Die Herren Offiziere versauerten oder verwilderten, weil es ihnen an der erbaulichen Geselligkeit fehlte. Sie waren in der Haupt­sache auf ihre eigene Gesellschaft angewiesen, und dieser Kreis war zu klein und zu einseitig, um fortwährend eine geistige Erfrischung ver­mitteln zu können. Zu „Zivilisten" aber glauben fich die Herren Offiziere nur ausnahmsweise und unter sehr scharfer Auswahl „herablaffen" zu können. Die Auswahl erfolgt aber nicht nach der Tüchtigkeit und Gemüllichkeit der Leute, sondern nach den steifen Regeln des Kastengeistes. So bleibt die Geselligkeit beschränkt in jedem Sinne des Wortes.

Mich gehen nun die kleinen wie die großen Garnisonen an sich gar nichts an. Aber man kann sich die Sache zum Exempel nehmen.

Erstens ist es nicht gut, wenn man seinen Verkehr auf einen engen Kreis beschränkt, der nicht die nötige Abwechslung und Vielseitigkeit bieten kann. Darum bist du gar nicht zu be­neiden, du würdiger Stammtffchonkel, der fort und fort auf demselben Stühlchen in derselben Ecke sitzt und aus demselben Glas den üblichen Stoff trinkt und mit denselben Genoffen in einem fort dieselben Gespräche führt, dieselben Scherze macht oder dieselben Spielchen veran­staltet. Oder springt dort vielleicht ein Quell von Weisheit, Schönheit und Gemütlichkeit, wo fort und fort dieselben Kaffeeschwestern sich um den braunen Trank und die gelben Kuchen zu­sammenfinden, um immer von neuem die gleichen Klatschereien und die gleichen Handarbeiten vor­zunehmen? Im besten Falle sind es Veran­staltungen, um die Zeit totzuschlagen; ein Ge­winn für den Geist und das Herz kann bei dieser ewigen Drescherei auf demselben Stroh nicht herauskommen.

Also wenn du von der Geselligkeit Nutzen und zugleich Genuß Haden willst, so sorge für Abwechselung. Kapsele dich nicht ein in einen engen Zirkel und binde dich nicht an eine lang-« wellige Regelmäßigkeit.

Der zweite Punkt hängt hiermit zusammen. Laß dich nicht vom Kastengeist hindern, mit

„Wem gab er diesen Befehl?" fragte d.r Staats­anwalt.

„Mir."

„War drr Verwalter schon zur Stadt gefahren, mb beriJ ieten Sie da- dem Herrn Baron?"

„3j, ich fag'e es ibw, er mußte ja wissen, baß der Kutscher nicht anwesend war."

„Und was antwortete er darauf?"

„Nichts, er ging hinunter und sattelte selbst das Pferd, dann ritt er fori."

„Nahm er Gepäck?"

„Nichts."

„Sagte er Ionen, wohin er reiten und wann er zurückkehren wolle?"

„Nein."

„Es ist gut," sagte der Staatsanwalt, „ver­säumen Sie nicht, den Arzt hierher zu führen, sobald er seinen Patienten verläßt "

„Halt noch e'nS!" befahl der Notar. „Nahm Baron Dagob-rt eine Jagdbüchse mit?"

„Nein."

„Wo ist die Buchse, mit der er im Walke war?"

„Wahrscheinlich in feitern Zimmer."

„Führen Sie mich hin," sagte der Notar, bem Staatsanwatt, der zustimmend nickte, etmn bedeutui gs- i»o en Bl ck zuweJend.

Dir Sammerbi-’ner folgte ihm hinaus; sie stiegen geräuschlos die Treppe hinaus.

„Ich habe wohl befürchtet, daß auf den jungen Herrn der erste Verbackt falle," jagte der Kammer­diener le se, „aber es ist undenkbar, daß dieser Ver­dacht begründet fein könnte."

„Undenkbar ?" fragte der Justitiar. „Sie spra er da ein gro^s Wort gelassen au6, mein Best.r; haben Sie schon die Szenen alle vergessen, iie zwilchen den beiden Herren vorgefallen find? Denken Sie nicht mehr an die Drohungen, die Baron Dagobert seinem Onkel in's Ä« ficht schleuderte? Sie wissen davon jedevsa s me r, als Sie verraten wollen, und nun behaupt en Sie, es sei unuw lich,

den 5. Dezember

allen Leuten zu verkehren, an denen du dich er­freuen und erbauen kannst.

Da ist z. B. em erfahrener und gescheidter Nachbar, her freilich nicht so reich ist, wie du, und keinen Titel hat, wie du, und vielleicht auch nicht so lange auf der Schule gesessen hat, wie du, her aber mit feinem gesunden Menschenver­stände und frischem Mutterwitz einen angenehmen und anregenden Gesellschafter abgibt. Warum willst du nicht lieber mit diesem tüchtigen Mann ein Plauderstündchen halten, als wie mit ledernen ..Standesgenoffen"? Und ist es für die gnädige Frau nicht besser, wenn sie mal mit einer ge scheibten Mutter aus dem Volke über die Freuden und Leiden des Familienlebens spricht, als wenn sie mit einer aufgelegten Nichtstuerin über aller Hand Firlefanz hoble Phrasen austauscht? Den Slandesunterfchied? Ach was, man soll ja nicht gleich Schmollis trinken und ewige Freundschaft schließen! Mit deiner Standesehre ist es verzweifelt windig bestellt, wenn du schon durch gelegentlichen freundlichen Verkehr mit nicht ganz gleich gestempelten Leuten yerabzusinken fürchtest Und die Bildungsunterschiede? Ich habe gefunden, daß es unter den studierten und examinierten Leuten sehr öde Dummköpfe gibt, von denen man nichts profitieren kann, während man unter den unstudierten Leuten Helle Köpfe und warme Herzen finden kann, mit denen sich wahrhaft erbauliche Gespräche führen taffen. Es ist sogar r echt gut, wenn sich die Schulweis­heit hm und wieder an der praktischen Lebens­weisheit messen und abschleisen kann.

Immer Abwechselung und Mischung, sowohl bei der geistigen, wie bei der leiblichen Nahrung. Es wäre falsch, wenn einer nur mit Leuten ver­kehren wollte, die nach Rang oder Bildung unter ihm stehen. Er muß das Gute nehmen, wo er es findet, unter und neben und über sich.

Nun neigen manche zu der Einseitigkeit, sich immer in „höhere" Kreise hineindrängen zu wollen. So ein Gernegroß handelt sehr töricht; er muß sein eitles Gelüste mit manchen Ent­sagungen und Demütigungen bezahlen. Unter seinesgleichen kann er sich frei und flott und un­geniert bewegen; vor den „Höheren" muß er sich immer kuschen. Also nicht sich empordrängen wollen! Bietet sich aber ein rechtschaffener Anlaß zum geselligen Verkehr mit vornehmeren Leuten, so braucht man auch nicht ängstlich oder spröde zu sein. Mit ruhiger Höflichkeit kommt man auch bei Ministern und Millionären zurecht, wenn man nur das Sprüchwort beherzigt, daß Reden Silber und Schweigen Gold ist. Man muß sich erst an das Klima in den höheren Regionen ge­wöhnen, ehe man den Mund auftut.

Ich bin für den mannigfaltigen Verkehr. Andere Leute schwärmen dafür, daß man nur mit wenigen Umgang haben und dann innige Freundschaft schließen soll. Ja, mit der soge­nannten dicken Freundschaft nimmt es oft ein schlechtes Ende. Unter nahen Verwandten, lang­jährigen Amts» und Geschäftsgenossen und der gleichen ist ja eine gewisse Intimität natürlich. Aber den sonstigen „Herzensbündniffen" gegen über kann man nicht vorsichtig genug sein.

daß der leidenschaftliche junge Herr büfe unselig» Tat begangen haben könne? Wie kommt es beim, daß sie den Verdacht vorausgesehen haben.?"

„Weit ich weiß, daß er hier bitte Feinde Hot, die nur dän'ch kalten, iyn zu Verderber," sagte Jakob, während er die Türe öffnete, die in das Zimmer Dagoberts führte. „Gedu den ®>e sich einen Augen­blick, ich werde eine Kerze cm zünden."

„Sie plaudern nur nach, was er selbst J'nen vorgeschwatzt hat," spottete der Notar. „Baron Dagobert batte hier keine Feinde, et elbst schuf sie fich dadurch, daß er sich den Verhältnissen nicht an- bcqueweu wollte, die . un einmal nicht zu änderen waren."

Dar Licht flammte auf, der Kammerdi ner stellte die Kerze ans den Tisch, neugierig bbckte der Notar fich in dem einfach ausgeftatte en Zimmer um.

Er hatte die Jag^büchse bald enideckt, sie stand neben dem Schreibtisch; eine andere Schußwaffe be­fand fich nicht in dem Z murer. *

„Es ist ein- Büchse aus dem Gew-Hrfchrark des gnädigen Herrn," Sagte Jakob, als der Notar die Büchse ergriff „Baron Dagobert nahm sie immer mit, wenn er in den Wa'd ging."

„Mild Hai er wohl nie aus dem Walde mitge­bracht?"

„Ec sprach ost von einer Treibjagd, die er ver­anstalten wollte."

„56er er selbst schoß kein Wlld," spottete der Notar, indes fein forschender Blick über die Papiere schweifte, die aus dem Schreibtisch lagen. „Wozu biente da die Büchse?"

„Herr Notar, ich bitte Sie dringend, nicht so rasch zu urteilen', Sagte der Kawuierdiene, uni) ferne betende Stimme bekundete liefinnere @r: egmtg. „Was Sie auch glauben mögen, v rschweigen Sie es, und warten Sie das Resultat bei Untersuchung ab; ein Verdacht ist rasch «uegespiocken, famt man ihn spater nicht beweise , so labet man den Vermin^ der Bei' leumdung auf fich "

30. Jahrgang.

Namentlich ist es bedenklich, wenn eine Haus frau und Mutter, die in ihren Wänden Arber und Zeilvertreib und Anregung in Ueberflutz hat, sich noch eine Busenfreundin zuletzt. Ge­wöhnlich dauert es ja mche allzulange, dis durch irgend ein schiefes Wort ober auch schon durch einen schiefen Blick oder durch einen Klatsch von dritter Seite die Liebe in Scherben geht und dann aus der dicksten Freundschaft bte bitterböseste Feindschaft wird. Freundlich mit allen biedern und tüchtigen Menschen unserer Umgebung, aber intim nur mit de« nächsten Angehörigen! Damit kommt man am besten durch

Aber wenn nun trotz der freimütigen Suche keine geeigneten Leute da sind, mit denen mau mal in gemütlicher Zwiesprache feine Gedanke« austauschen kann, was bann? Soll man bann in Ungeselligkeit versauern? O nein, da gibt es noch ein bequemes und auch gar nicht kost­spieliges Hilfsmittel, rämlich gute Bücher. Das sind wackere Gesellen, die keinerlei An- splüche machen und immer zur Hand sind, wenn mal eine leere Stunde angenehm um nützlich ausgefüllt werden soll. Und am schönsten blüht die Buchergeselligkeik, wenn die ganze. Familie sich um die trauliche Lampe am warmen Ofen versammelt und ein treffliches Buch vorgelesen und das Gehörte gemütlich besprochen wirb. Statt fabe Festlichkeiten unb Visiten zu machen ober zu empfangen, sollte »an lieber eine« Bruchteil beS Gelbes an wenden, um fich ge­druckte Hausfreunde anMschaffen.

Zahlt pünktlich!

Das Weihnachtsfest, auf das jetzt die Ge­danken nicht nur der Kinder von Tag zu Tag mehr gerichtet sind, sieht mancher Hand­werker und Gewerbetreibende nicktalSFest der Freude nahen. Auch er soll nicht allein feine« Kindern, sonder« auch seinen Lehrlingen und Gihilft« Geschenke machen, und die Wünsche find bei dem heute so verwöhnten Geschmack oft nicht bescheiden. Fleißig hat er gearbeitet, nicht selten bis in die Nacht hinein, und doch entspricht der Betrag in seiner Kaffe lange nicht fernen Leistungen. Einen Teil seines Veroienstcs liegt in Außen­ständen, und er hat nur geringe Hoffnung, diese Außenstände bis zum Feste hereiiizubekomm«. So geht gerade in den kommenden Woche» mancher kleine Mann mit sorgenvollen Mien«l umher, und wie manche empfinden es nicht, wie leicht fein Gesicht sich aushellen ließe.

Wer sich für den kommenden Tag oder für die kommende Woche seine Zigarren holt, »er sich die zu einer Reise notwendige Fahrkarte löst, wer sich auf der Post Marken kauft — jeder legt ohne Murren die für den Erlös der Ware erforderliche Summe auf den Tisch. In alle« diesen Fällen wird das sofortige Zahlen als u«- auffällig und selbstverständlich betrachtet; bet Leistung entspricht die Gegenlelstung. Wie anders aber verfahren nur zu viele gegenüber dem Kaufmann, dem Bäcker, dem Schuhmacher ober Schneider. Da wirb gebucht und ange-

„Jch fürchte nicht, daß ich mich diesem Vorwurf aussetzen werde", erwiderte der Notar achselzuckend; aber da in diesem Moment die Türe geöffnet urfee, so brach er ab, um den starren Blick auf die Baronin zu hefte«, die, hoch aufgerichtet, mit todesbleich«« Gesicht eintrat.

„Ist mein Sohn noch nicht zurück?" fragte feie Baronin.

„Wünschen Sie seine Rückkehr nicht!" warnte feer Notar, „ich für meine Person hoffe, daß er die Grenze bereits hinter fich hat."

„Wollen Sie damft sagen, daß nur er die Tat begangen haben könnte?" sagte fie scharf uufe der zornflammende Bl ck, der bei diesen Worten aus ihre« bnnflen Augen ihn ttaf, bewog ihn, bestürzt zurück- zutreten. „Haben Sie schon Scheinbeweise gesunde«, auf die-Sie die falsche Anklage stützen können?"

Der alte H-rr erhob mit einer trotzigen Miene das Haupt, auch aus feinen Augen blitzte jetzt der Zor«.

„Sie beleidigen mich oh e Giund, gnädige Fran", erwiderte er; „ich erbebe keine Anklage und suche auch nicht nach Beweisen, aber meine Pflicht ist eG, die Jntereffen Ihrer Familie zu wahren. Sie werden selbst zugeben müssen, daß der erste Verdacht nur auf Baron Dagobert fallen ka >n, er ist der einzige, der an dem Tode Baron Kurts ein Interesse hat; die Wahrheit dieses Verdachts zu ermitteln, ist ebenfalls meine Pflicht, und nichts soll miq abhalten, diese Pflicht zu erfüllen."

Baronin Adelgunde war die ihm den Rücken, »hne eine Antwort zu geben; fie trat zu dem Kammer­diener, der in der Fensternische stans.

„Hrtt dee Arzt schon sein Gutachten abgegeben?" fragte fie.

„Noch nicht, gnädige Fran."

„Wenn -s geschehen ist, so berichten Sie eijntr sofort. Wissen Sie mit Sicherheit, wo mein Sohu zu finden ist?"

„Nein, der Herr Baronß hat keine Mitteftn«- darüber hinterlassen." (F. f-)