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Schriftleiter: Zos.Saum

v Vochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitung'

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mourtsbeüase: „Kllöaer SeschichtrblStter". "ÄKT!?

M 275.

fUldi# Dienstag, den 1. Dezember 1803.

30. Jahrgang.

„Ueine Illusionen" über öie Tätigkeit -er Sozialdemokratie.

Sowohl die sozialdemokratische Presse wie die Agitatoren und Abgeordneten Überboten sich bisher gegenseitig, das Zentrum fälschlich als „maß­gebende" Partei im Reichstage hinzustellen und chm die Verantwortung für den ungenügenden Arbeiterschutz aufzuhalsen; man nannte seine Politik „eine durchaus arbeiterfeindliche", warf chm „Verrat der Arbeiterintereffen" vor rc.; sich selbst aber stellte man als die „wahren Arbeiter­freunde" hin. Daraus ergab sich natürlich die Folgerung: „Na, laßt uns mal stärker werden, bann wird sich alles schon ändern." Jetzt aber, wo die sozialdemokratische Fraktion mit ihren 81 Abgeordneten die zweitstärkste Partei im Reichstag ist, wo demgemäß die parlamentarische Verant­wortlichkeit gewachsen ist, wo ferner das Drei­millionenheer der Wähler praktisches par­lamentarisches Eingreifen und positive Erfolge sehen will, da — kneift Bebel, er winkt ab und sagt der verblüfften Maffe, man solle sich keine Illusionen machen:

„Es gibt in unseren Reihen Leute, die nach der letzten Wahl eine umfassende par­lamentarische Tätigkeit inbezug auf die Einbringung von Initiativanträgen, Gesetz­gebungsentwürfen rc. von uns verlangen. Da muß ich denn doch mit wenigen Worten diese Illusionen recht gründlich zerstören. Im all­gemeinen ist es nicht üblich, daß Parteien große Gesetzentwürfe ausarbeiten und diese durch den Reichstag beraten lasten: denn das ist eine Riesenarbeit. Ich weiß noch ganz genau, wie mir einmal unser guter alter Liebknecht eine Suppe einbrockte mit solchem Gesetzentwurf" (Liebknecht hatte im sächsischen Landtag gesagt, er wolle das Berggesetz wohl in fünf Minuten mnbeffern): . . Wir mußten es also tun,

denn wir konnten uns doch nicht blamieren (Heiterkeit). Ich sage Euch, ich habe 14 Tage und Nächte gesesten und geschwitzt, um den Ent­wurf zu stände zu bringen. Na, er war auch darnach, aber es war wenigstens einer da." „Glauben Sie etwa, daß wir jetzt, wo wir 81 Mann stark sind, die Mehrheit zwingen können, unsere Initiativanträge anderen vorzuziehen?" „Wir können keine großen, grundlegenden Gesetze mehr machen, weil es für solche Gesetze keine Mehrheit mehr gibt" (Protokoll des Dresdener Parteitages S. 306, 307.] (Aber auch das Zentrum konnte bisher keine Mehrheit erzwingen; es war eben keine „maßgebende" Partei; trotz­dem nannte die Sozialdemokratie sie stets so und macht ihr die oben erwähnten Vorwürfe.) Bebel ermahnt dann weiter feine Genoffen, sie sollten nicht glauben, weil sie jetzt 81 Abgeordnete

$>as Majorat.

Roman von Ewald August König.

62 ------ (Nachdruck verboten.)

„Ich weiß das nicht, Herr Baron, es kann sein, uns kümmert das weiter nicht. Jedenfalls ist er auf dem Gebiete der Berführung ein erfahrener Mann, sonst würde es ihm nicht so rasch gelungen sein, alle guten Vorsätze Baron Dagoberts über den Haufen i« w-rfen."

Der Baron hatte sich vor dem massiven Schreibtisch niedergelaffen, er schüttelte nun auch mit einer rniß- bMgenden Miene das Haupt und zündete eine Zigarre an.

„Mir will das aller nicht gefallen!" sagte er mit einem schweren Atemzuge, „meinem Stolz und meiner Ehre widerstreben diese Mittel, die, ehrlich gesagt, auf Betrug hinauslaufen. Wenn ich daS Glück und die Zukunst meiner Kinder nicht im Auge hätte, so würde ich selbst die Uebertragnng des Majorats an den Erben beim Gericht beantragen und mit einer Apanage mich begnügen; welcher Zukunft geht dann aber meine Tochter entgegen?"

»So legen Sie iUeS in meine Hände," riet der Notar in vertraulichem Tone, „Sie brauchen sich um die Ausführung nicht zu kümmern, und im Falle des Mißlingens soll Sie kein Borwmf treffen können "

Men» das möglich wäre —"

„ES ist möglich, Herr Baron!"

Die stahlgrauen Augen des Edelmanns ruhten durchdringend auf dem hageren, verschmitzten Gesicht.

„Uw welchen Preis?" fragte er.

„Für meine Person fordere ich nichts; den Preis, den ich verlange, können Sie zahlen, ohne ein Opfer bringen zu müssen. Mein Sohn liebt Baroneffe Theodore, feine Liebe wird erwidert —"

„Nicht weiter!" unterbrach der Baven ihn reich.

hätten, müßten diese parlamentarische Bäume ausreißen.

Die Erkenntnis, daß es im Parlamente auf Kompromisse mit anderen Parteien ankommt, daß bisher eine Partei nicht allein ein Gesetz durchdrücken konnte, hat das Zentrum schon Jahrzehnte lang gehabt, und was das Wichtigste ist, danach gehandelt. Bebel äußert diese Binsenweisheit erst jetzt, er wird aber, was das Schlimmste, auch in Zukunft noch nicht danach handeln. Das sagte er in Dresden deutlich genug:

„Nachdem diese ungeheuren Wähiermaffen auf Grund unserer bisherigen Taktik, Kämpfe und Haltung uns durch ihre Stimmen ihr Ja und ihre Zustimmung gegeben haben, so müssen wir noch energischer, rücksichtsloser und scharfer vorgehen als „bisher". (S. 305.)

Dr. k. weihnachtsbücherschau 1903.

ii.

....."Der"BerlogvonJlPlanchern in «öl« bere chette die Festgeschenk-Litteratur durch zwei Bände neuer Ge­dichte, von denen jeder in seiner Art besonderer Be­achtung wert ist. M. H e r b e r t wird von Manchen als Dichterin fast noch höher geschätzt wie als Erzählerin. Wir mischen uns in diesen Wettstreit nicht ein, der für M. Herbert in jedem Falle nur schmeichelhaft ist. Eines aber stehl fest: Der neue Gedichtband: „Ein­samkeiten" von M. Herbert bedeutet einen merk­lichen Schritt vorwärts und aufwärts. Nicht wenige dieser Poesien find nach Form und Anstatt geradezu klassisch. Der Geist, der in diesen großzügigen, aus tiefem Gedanken- und Gemütslebenü: erquellenden Versen Ausdruck findet, hastet nie am Kleinen und taucht auch das Unscheinhare in Strahlenglut. Gerne lauscht man den Offenbarungen dieser vornehmen Dichternatur, deren geniale Kunst auch das in klare, blanke Worte prägt, was Biele kaum nebelhaft zu ahnen vermögen. Dem hehren Fleiß der Seele sind die so plastischen Worlmalereien und der oft entzückende Wohlklang der Laute durchaus ebenbürtig. Die vornehme und gediegene Ausstattung m Papier und Druck, mit Leisten und Kopfzierstücken ist im besten Sinne modern. Ein den ernsten Goldtitel hoch überragender Lilienstengel schmückt sinnreich den Einband. Der Preis von 3 Mark für das stattliche Buch (geb.) ist mäßig.

Das gleicheLob hinsichtlich der Ausstattung gebührt dem Bande neuer Gedichte, welche Hedwig Drans­feld unter dem Titel „Erwachen" herausgab. Die Strahlen der am Horizont aufsteigenden Sonne auf dem Titel fmb sinnbildlich für den weichen Glanz einen warmen Hauch dieser edlen Verse. Zu den Haupt- vorzügen dieser Dichterin gehört eine Originalität, welche sich niemals in ausgetretenen Geleisen bewegt, immer neue Bilder scr afft, unverfälschte Liebe zur Natur und tiefes Verständnis auch für soziale Probleme. Letzteres kommt in dem prächtigen Gedickt „Arbeit" — einer Parallele zwischen der körperlichen und geistigen Arbeit - zu ansprechendstem Ausdruck. Daß die Dichterin als Erzählerin einen Namen hat, braucht kaum in Er­innerung gebracht zu werden. «Geb. 3 Mark).

I. I Liessem bietet in einer „ Poesie für's Haus" eine mit vornehmem Geschmack aüsgestattete, von Meyer-Kassel mit reizenden Bildern und einheit­lichem Buchschmuck bereicherte Gedichte-Sammlung, eine Auswahl vom Besten und Köstlichen, was die ältere und namentlich die neuere Dichtkunst an volks­tümlichen, leicht faßlichen Poesien hervorgebracht hat. In unserer nervös hastenden, in materiellen Interessen und geistigem Hader sich verzehrenden Zeit ist die Be­schäftigung mit den nie veraltenden Idealen des Lebens ein Bedürfnis für die seelische Gesundheit. In den Familien wird heutzutage die Poesie oft vernachlässigt.

„Sie baden die Rechnung ohne den B wt gemacht, Herr Notar!"

„Daß ich nicht wüßte!" sagte der Notar scheinbar aleichgiltig, aber aus seinen holbgeschloflenen Augen zuckte doch em Zornesblitz, „ich glaube, die Rechnung ist richtig kalkuliert; Sie werden das nach richtiger Ueberlegung wohl auch finden. Bedenken Sie wohl, wenn ich mich auf die Seite der anderen Part-i stelle, wozu ich als Justitiar die Berechtigung habe, dann werden Sie sehr bald nur auf eine schmale Apanage angewiesen sein."

„Wie es auch kommen mag, einer Schurkerei mag ich das Majorat nicht verdanken," rief - der Baron von seinem Sitz aufspringend; ich werde in eine solche Verbindung niemals einwilligen!"

„Niemals?" fragte der Notar knit scharfer Be­tonung.

„Nie!"

„Auch dann nicht, wenn Baroneffe Theodore Ihnen sagt, daß ihr Glück davon abhänge?"

„Auch dann nicht! Daß Sie überhaupt diese Frage an mich richten können, ist mir unbegreiflich, Sie mußten doch die Kluft kennen, die nufere Familien trennt."

Der Notar hatte sich ebenfalls erhoben, er schob seine Dose in die Tasche und nahm seinen Hut.

„Ich boffe, Sie werden sich das noch überlegen," sagte er, „das letzte Wort wird in dieser Sache wohl noch nicht gesprochen sein. Sollten Sie bei Ihrer Entscheidung beharren, Herr Baron, dann würde ich als Justitiar der Familie die Rechte des Erben Ihnen gegenüber mtt der strengsten Gewiffenhastigkett wahren. Ich erwarte nun von Ihnen ein Billet, in dem Sie mir Ihre enbgiltige Entscheidung mitteilen."

Er verließ nach einer zeremoniellen Verbeugung das Kabinett; der Baron stampfte zornig auf den Boden.

„Muß ich mir das von diesem Manne bieten laffen?" grollte er. „Er will mich zwingen, seinem Sohne meine Tochter zu geben? Nimmermehr werbe ich diese Forderung bewilligen!"

sivd iv »rr .Hrttmrr Zrauüg'v« totrrr Wirkf$m!trit

von rat-

Grschichte aus der Zeit der Köni England („Der kleine Säng

Für jeden Freund der studierenden Ingens ist es eine wahre Freude, die stattliche Reche do“ „ Bachem's neuen illustrierten Jngend" schritten" zu mustern. Diese wertvolle Bibliothek mit ihren vornehm und gediegen ausgestatteten Pracht­bänden (mit je vier künstlerischen Farbendruckbildern) ist nunmehr dis zum 27. Bande gediehen. Welche Summe von edelster, anregendster Unterhaltung «mb von sorgsältigst gepflegtem Bildungsstoff ist in dieser historischen, kuttur- und kunsthistorischen Erzählungen aus den mannigfachsten Zeitaltern vereinigt! Bon den neuesten fünf Bänden ist der 23/24 ein Doppel­band , in welchem A. Benne 11 eine spannende

„Er wanderte langsam auf und nieder und kam zu dem Entschluß, mit Theodore nicht darüber zu reden, er wollte eine ruhigere Stunde abwarten; beute war er zu aufgeregt, und es stand ihm außer­dem an diesem Tage noch mancher Aerger bevor, er war entschlossen, am Nachmittag in den Wald zu gehen, nm sich zu überzeugen, rb die Holzhauer ihre Arbeit begonnen.

Dagobert hatte ebenfalls in seinem Zimmer über die bevorstehende Unterredung mit seiner Mutter nachgedacht; es war in seinem Innern nicht ruhiger geworden, die Aeußerungen seines Onkels über Röschen konnte er so bald nicht vergeffen, sie brachten immer wieder sein Blut in Wallung, so ost er sich ihrer erinnerte.

Er wurde zur Tasel gerufen, scheinbar ruhig nahm er seiner Mutter gegenüber Platz, er vermied es, sie anzusehen; so bemerkte er den besorgten Blick nicht, mit dem sie ihn betrachtete.

„Dv hast wieder Aerger gehabt," sagte sie, „diese Aufregungen werden kein Ende nehmen, so lange nicht von unserer Seite ein energischer Schritt geschehen ist."

„Energie besitze ich, Mama, aber ich sehe keinen Weg, auf dem sie mir Nutzen bringen und diesen un­angenehmen Berhältniffen ein Ende machen könnte," erwiderte Dagobert.

„Können wir nicht auf dem gerichtlichen Wege ein günstiges Resultat erlangen, so müssen wir einen anderen wählen."

„Sage mir nur, welchen."

„Herr v. Schwind hat mich daraus aufmerksam gemacht. Wie gefällt Dir Theodore?"

„Willst Duda hinaus?" fragte er mit umwülkter Stirne. „Theodore ist rin liebe-, prächttgeS Mädchen, aber — "

„ES gibt hier rin Aber, ich bestreite daS nicht," mterbtad) sie ihn ungeduldig, während sie sich mtt !>en Speisen auf ihrem Teller beschäftigte, „wir beide Iraffen dr» Vater Theodore-, und eifer Haß ist sehr begiriibet; indessen, ich sehe keine» «deren Aisweg, mrt den BnfriAen, unter dem wir leibtet, rin Ende

sord") erzählt.

Biel Beifall wird der 25. Band „Mit Meißel und Pinsel" finden. Hier find tn anziehendster Form neun Bilder aus dem Leben berühmter Künstler (Dürer, Murillo, Titian, Michelangelo, Paul Beronese, Corregio, Leonardo da Vinci, Guido Reni, Raffael) vereinigt. Der 26. Band, eine Erzählung „E or - nelius" von A. Goldschmidt, hat bte letzten Tage Jerusalems nach den Aufzetch ungen des JofephnS FlaviuS zum historischen Hintergründe und zeichnet sich durch eine bewegte, lebensvolle Handlung aus. Der 27. Band stammt wieder aus der erprobten Feder »on Robert Münchgesang, des eigentlichen Begründers dieser Jugendschriften. Es ist, wenn wir recht gezählt haben, bereits die 18. Erzählung von Münchgesang, die uns diesmal in die kulturhistorische und interessante Zeit „Unter dem alten Dessauer" führt und an packenden Szenen reich ist. Alle die genannten Bände sind,wie schon erwähnt, mit je 4 Kunstdruckbildern (der Doppelband mit 8) und einem Deckenbilde geschmückt. Die Bilder stammen von Rohm, Birch, Brockmann. Die Bände kosten 3 Mark, der Doppelband 6 Mark.

In der stattlichen Reihe von Bachem's illu­strierten Erzählungen für Mädchen liegen zwei neue Bände vor: als 18. Band „Das Wetterhexchen", eine reizende Familiengeschichte, mit vier Kunstdruckbildern und einem farbigen Decken- bilde von Roegger jun. (Kallikoband 2.50 Mark) und bte in der Eifel spielende, von Roegger reich illu­strierte Erzählung „Heimchen" (Salonband 4 Mark), die unsere angehende junge Damen außerordentlich be­friedigen wird. Auch auf die früheren Bände der Sammlung, von denen nur vier umfangreichere 4 M„ die übrigen 2.50 Mark kosten, sei nochmals hingewtesen. „Fräulein Uebermeer", „Eine wilde Rose", „Wildfangs Brautzeit" werden auch vom älteren Geschlecht gern gelesen.

Bon den reizenden „Jugend-Erzählungen" des Bachem'schen Berlage? (für jüngere Kinder) liegen wieder vier neue Bändchen (geb. je 1.20 Mari) vor. Band 21 enthält die Erzählung „Der geheimnis­volle Steinwurf" von Maidorf, Band 22 drei Er­zählungen („Echmierbrenners Maxi" re.) von Roos, Band 23 zwei Erzählungen von Maidors („Freud und Leid" :c.), Band 24 Heitzers „Seines Vaters Schutzengel". Der belchrende Moment tritt in diesen Erzählungen in den Vordergrund. Jedes Bändchen zeigt vier hübsche Bilder.

Im Bachem'schen Verlag erschien in 8. Auflage die Geschichte der „Benediktinerabtei Maria Laach" von P. Sora. Kniel (mit vielen Illustrationen, Kallikoband 3 Mark). Ein interessantes Zeitbild aus dem preußischen Kulturkämpfe bietet Dr. Franz Kauf­mann in der Lebensgeschichte „Leopold Kauf­manns", des 1874/75 wegen seiner kirchentreuen Ge- innung gemaßregelten Oberbürgermeisters von Bonn geb.SMark). Auch die „Geschichte der General­versammlungen der Katholiken Deutsch­lands" von Joseph May möge hier empfehlend er­wähnt werden (geb. 4.80 Mark).

wie ja auch der Gesang von Bolksliedera am häuslichen Herde immer mehr aus der „Mode" kommt. Liessems „Poesie für's Haus" sei daher aufs wärmste empfohlen; sie steht in jeder Beziehung auf der Höhe. Die Auswahl der fast 500 Gedichte war eine sehr sorgfältige: auch die Einteilung ist geschickt und praktisch. Die Lebensdaten der Dichter und kurze Lckteraturan- gabeu sind eine erwünschte Zugabe. Der Preis von 6 Mark für den dickleibigen, prächtigen Band ist wohlfeil.

Wer sich für die Blütezeit der geistlichen Dichtung, speziell des Kirchenliedes, im 17. Jahrhundert interessiert, dem ist die auch historisch interessante Schrift „Geistliche Lieder vonWilhelm Rakatenus", herausgegeben von Dr. Wilh. Bremme (mit einem Porträt nach einem Gladbacher Altarbtlde) zu empfehlen (drosch. 2 Mark).

Die lauge Reihe der im Bachem'schen Berlage erschienenen Romane hat einen io anerkannten Ruf, daß man oft kurzweg von „Bachem'schen Romanen" sprechen hört. Zudem haben die meisten Romane vorher die krittsche Probe im Feuilleton der Köln. Volksztg/ be­standen. Dies trifft auch bei dem neuesten Romanbande „Eine glänzende Laufbahn" von David Ehr. Murray in der sorgfältigen deutschen Uebertragung von A. Schultze zu. Der hochintereffanre Roman ver­dient schon wegen der packenden Schilderungen der Künstlerwett besonderes Interesse. In elegantem Ein­bande (5 Mark) ist der Roman eine willkommene WeihnachtSgabe.

Von früheren Romanen des Bachem'schen Ber­lages haben wieder mehrere neu- Auflagen erlebt, die beste Empfehlung, die der Autor und der Verleger sich wünschen können. „Daniella" von Freifrau v. Brackel (in prächtigem Salonband 7.50 Mark) erfchien in achter Auflage (mit dem Bildnis der Fr. v. Brackel). „Die Tochter der Kunstreiterin" derselben Verfasserin erlebte bereits die 20. Auflage, ein Triumph, der die Unverwüstlichkeit dieser Meister­werke der katholischen Belletristik beweist. (Salonband 5.75 Mark).

Auch die altberühmten Katakombenerzählungen „Fabiola" von Kardinal Wiseman (übersetzt von Pros. Prusch) und „Callista", das Gegenstück von Kardinal Newman machen jährlich einen Schritt vorwärts, wozu auch die auserlesene künstlerische und technische Ausstattung, welche Bachem den beiden Bänden angedeihen ließ, wesentlich beiträgt. „Fabiola" steht nun in der 36. Auflage (mit 11 Kunstdruckbildern geb. 4 Mark). „Callista ' in der 13. Auflage (mit5wert­vollen Bildern, darunter einem Porträt des Kardinals geb. 4 Mark).

Sozusagen in letzter Stunde legte der Bachem'sche Verlag uns noch ein prächtiges Buch in Quartformat vor, das zweifellos viele Freunde finden wird und sich zu einem Festgeschenk ganz besonders eignet. Es fehlt nicht an mehr oder minder fachmännischen Werken und Missionar-Berichten übet Afrika, und dennoch bieten die Reisebilder von Hubert I. Boeken „Um und in Afrika" in ihrer Art etwas ganz Neues und Ursprüngliches. Es ist der Reisebericht eines rheinischen Zivilingenieurs (aus Düren), der mit seiner kranken Frau auf ärztlichen Rat eine halbjährige Tour nach Afrika macht und als objettiver Beobachter ohne eben Nebenzweck bie Dinge schlicht unb ungeschmückt o schildert, wie fie sind. Wir haben viele Kapitel mit lebhaftestem Interesse durchgesehen und können das eigenartige, eines intimen Reizes nicht entbehrende Buch nur wärmstens empfehlen. (Prachtband 10 Mk?

Marie von Lindemann's „Die ratende F r e u n d i n", Mitgabe für junge Mädchen beim Eintritt ins Leben (9. Auflage) bedarf kaum mehr der Empfehlung. Der handliche Goldfchnittband mit feinen goldenen Ratschlägen ist längst der Liebling der jungen Damenwelt geworben, muß sich aber jetzt mit Klara Rheinan ' s „Ernste Stunben für junge Mädchen" in biefen Vorzug teilen. „Ernste Stunben" erlebte auch bereits bie 2. Auflage. Beide Bändchen (geb. je 4 Mark) erfüllen in unserer bie Charaktere zerrüttenben Zeit eine Aufgabe, die kaum hoch genug zu schätzen ist.

zu wachen. Alle Bestrebungen meines Schwagers laufen nur darauf binaus, feiner Tochter das Majorat zu erhalten, er wird sich unseren Bedingungen fügen, wenn er dieses Ziel erreichen kann. Laß mich auS- reten, Dagobert," fuhr fie fort, als fie bemerkte, daß er einen Einwurf erheben wollte, „ich bin noch nicht zu Ende. Daran, daß gegenseitige Neigung Euch haft verbinden wird, zweifle ich nicht, aber einen Zwang will ich nicht auf Dich üben; ich lasse Dir gerne Zett, meinen Vorschlag und auch Dein Herz z« prüfen, dann erst will ich Deine Entscheidung hören. Ueber- dies werde ich zuvor mit dem Vater Theodores reden, ehe der Bund geschloffen wird. Als erste Bedingung verlange ich die Uebergabe des Majorats am Hochzeits­tage; nach Deiner Rückkehr von der Hochzeitsreise muß Baron Kurt Haus Eichenhorst verlaffen, das ec nur gelegentlich auf kurze Zeit besuchen darf. Diese beiden Hauptbedingungen müssen genehmigt werden, dann will ich versuchen, den Groll gegen ch» z» ' überwinden."

Dagobert hatte Sabel und Messer hingelegt, die Furche zwischen seinen Brauen war tiefer geworden, ein herber Zug umzuckte seine Mundwinkel.

„An die Möglichkeit dieses ProjettS hätte ich nie gedacht, Mama," sagte er, „ich kann es nicht bMige«, schon deshalb nicht, weil die Liebe zu einem anderen Mädchen mir diese Verlobung verbietet."

Baronin Adelgunde blickte überrascht ans.

„Die Liebe zu einem anderen Mädchen?" fragte fie. „DaS ändert allerdings die Sachlage. Wer Ist die junge Dame?“ * - «M. N*

„Eine Bürgerliche; die Tochter einer Försters!" „Und Du mutest mir zu, ei» solches Mädchen aS

meine Schwiegertochter anznerkennen?" fragte sie zornig. „Wie ist er möglich, daß Du so wett Dich vergesien kannst?" J

„Mama, Röschen ist in bezug ans Erziehnng nnd äußere Erscheinung jeder ekeligen Derne ebenbckrriG." sagte er mtt erzwnnnener Ruhe, „erzeige ew dem Gefallen »nd lerne sie kennen, dann «st >M ich Drin Uriel hören." ff. f.)