Monat,dellage: „ZuldaN Geschichtsblätt«".
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i.jÜjänhTsÜM. wochmbeiiage:„IllustrierteSonntagsjcitong“
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Druck «nb Verla- der Zuldaer AetiendruckereS i« Zulda (kfarmcmie) Zernsprecher «r. 9.
fttlda, Montag, den 30. November 1903.
JV& 274.
(] Die große liberale Partei!
Vs ist kennzeichnend für die Zerfahrenheit und Hilflosigkeit des Liberalfs- m»S, daß er feit mehr als zwei Jahrzehnten uus den Spaltungen und Zusammenschlüffen, der Fusion und der gleich darauf folgenden Konfusion nicht herauskommt. Da wird ungeheuer viel geredet von dem Aufschwung des Liberalismus und der Stärkung des liberalen Gedankens und dabei geht es immer mehr abwärts. Man entwirft immer neue Programme, aber die Saite, die sich dazu bekennen sollen, blechen aus. Nirgends zeigt sich die kräftige, entwicklungsfähige liberale Partei, der man eine Zukunft prophezeien dürste. Keiner Partei und keinem Führer will es gelingen, das „liberale Bürger- tem in Stadt und Land", von dem die Zeitungen immer Wunderdinge zu melden wiffen, mit sich fortzureißen. Der Liberalismus vegetiert kümmerlich und verkümmert immer mehr.
Da hatten sich nun jüngst die National- Sozialen mit der Freisinnigen Vereinigung „fusioniert". Was hat es dieser genützt? Ihrer Wähler find darum nicht mehr, wohl abet ihrer Mandate weniger geworden. Mittlerweile beginnt auch schon der Streit zwischen den „Fusionierten" auszubrechen. Die Hinneigung der National-Sozialen zur Sozialdemokratie gefällt den meisten Mitgliedern der Freisinnigen Vereinigung gar nicht. Dr. Barth, der allerdings nicht erst durch Naumann zum „jungen Mann des Herrn Singer" promoviert zu werden brauchte, steht immer vereinsamter da. Die .Danziger Ztg/ protestiert energisch gegen die Ansicht, daß der ehemals nationalsoziale Abg. v. Gerlach Führer der Freisinnigen Vereinigung im Reichstage sein werde. Die Bestellung v. Gerlachs zum Leiter der ,Berl. Ztg/ har Mißtrauen und Konkurrenzneid bei anderen Organen der Freisinnigen Vereinigung erweckt. Wie lange wird es dauern und die „Fusion", die gar noch nicht einmal vollständig vollzogen ist, wird wieder rückgängig gemacht und Herr Naumann bricht sein „Winterlager" bei der Freisinnigen Vereinigung ab.
Und während so bei den Fusionierten der Hader aufzulohen beginnt, macht sich gleichzeitig im Lager der Freisinnigen Vereinigung die Sehnsucht nach der nationalliberalen Heimat bemerklich, die vor 22 Jahren verlassen wurde. Im ,Hannov. Sour/ veröffentlicht ein Mitglied der Freisinnigen Vereinigung Aus- führungen über die Zukunft des Liberalismus, worin er das Bekenntnis ablegt, daß seine Partei ohne den Anschluß an eine größere Gruppe dem sicheren Untergange entgegengehe und daß dieser Abschluß nur an den „linken Flügel" der Nationalliberalen möglich sei. Vermutlich steht der Mann mit der Erkenntnis von dem sicheren iUntergange seiner Partei unter seinen Gesinnungsgenossen nicht allein. Man müßte ja blind sein, wenn man das nicht sähe. Die freisinnige Vereinigung ist heute ja überhaupt keine Partei mehr. Die paar Mann, die im Reichstage sämtlich nur mit ftemder Hilfe gewählt worden sind und im Landtage zum Tell nur
2>as Majorat.
Roman von Ewald August König.
»1 ------- (Nachdruck --erboten.)
Im nächsten Moment kam seine Hand mit ihrer Wange in unsanfte Berührung.
„Nimm das für die elende Spionage, boshaftes Geschöpf," knirschte er; „finde ich Dich morgen noch in diesem Hause, laße ich Dich hinauswerfen.'
®ie Zofe schrie nicht, sie preßte ihre Hand auf die getroffene Wange, glühender Haß blitzte aus ihren Augen.
„Sie haben mir nichts zu befehl.»," sagte sie heißer, „diese Mißhandlung werden Sie bereuen."
* „Wenn Sie noch ein Wort sprechen, werfe ich Sie eigenhändig die Treppe üinunrer," drohte Dagobert, und Nanni zog es vor, sich schweigend zu entfernen.
Dagobert war zu aufgeregt, um seine Mutter sofort aufzusuchen, er zog sich in sein Zimmer zurück, erst »ach der Tafel wollte er mit ihr über seineLiebe reden.
Im Kabwet des Barons stand jetzt der Verwalter, er batte im Nebenzimmer ungestört der Unterredung bei gewohnt.
„Die Genugtuung, die Sie verlangten, haben Sie nun," sagte der Baron, wäyrend er rastlos auf und niederwanderte. „Ich bin entschlossen, meinen Willen durchzusetzen, taffen Sie die Arbeit im Walde heute noch beginnen."
„Ich fürchte, es führt zu einem Unglück," erwiderte der Verwalter besorgt.
„Zu welchem Unglück?" spottete der Baron. „Ich teile diese Furcht nicht."
„Baron Dagobert —"
„Hat nichts zu befehlen!"
„Der alte Förster —"
dem Zusammenschluß der deutschen Parteien gegen die Polen ihr Dasein verdanken, find ein foffiles Ueberbleibsel vergangener Zeiten. Bei den nächsten Wahlen werden ihrer noch weniger werden.
In der ,Nat. Ztg/ wird die von links ausgestreckte Bruderhand freudig ergriffen. Freilich nicht bedingungslos. Von denen mit fo viel Selbstbewußtsein auftretenden „sozialliberalen" Führern mag man nichts wiffen. Die müssen wieder abgeschüttelt werden. Auch will der Nationalliberale der ,Nat. Ztg/ nichts davon hören, daß die wiedergewonnenen Brüder sich an den „linken Flügel" der Nationalliberalen anschließen; die Partei sei ein Ganzes. „Mil- lionen-Partei" nennt er sie stolz, vermutlich nicht wegen der Millionen, die die nationalliberalen Großindustriellen besitzen, sondern wegen der bei den Reichstagswahlen auf sie gefallenen Stimmen. Daß die Freisinnige Vereinigung sich nur an eine solche „Millionen-Partei", nicht an eine der kleinen Parteien anschließt, die selbst nichts zu nagen und zu beißen haben und jeden Augenblick dem Hungertode oder der Auszehrung zu erliegen drohen, versteht sich für ihn von selbst.
Und wenn nun aus der neuen Verschmelzung dieser „schönsten Gabe, die den Manen Rudolf von Bennigsens und Heinrich Rickerts dargebracht werden könnte", etwas würde? Dann hätten wir einfach eine neue Spaltung. Denn der „linke Flügel" der Freisinnigen Vereinigung würde die Rückkehr ins nationalliberale Vaterhaus wohl nicht mitmachen, weil es ihm da zu schutzzöllnerisch hergeht. Er wäre wohl auch gar nicht daheim willkommen. Die „Ralliierten" aber würden wahrscheinlich den Frieden am häuslichen Herde auss neue stören. Er steht ja ohnehin auf sehr schwanken Füßen, da es in der nationalliberalen Parte! in einer Reihe wichtiger Fragen starke Gegensätze gibt. Die „schärfere Betonung des liberalen Gedankens" hat daran nichts geändert. Die Begeisterung der Freisinnigen Vereinigung für unsere „nationale Wehrkraft" und die Kolonialpolitik würde kaum ausreichen, um alle Gegensätze zu verwischen. Wir könnten es also erleben, daß die verlorenen Söhne des Nationalliberalismus diesen bei nächster Gelegenheit aufs neue sprengten.
Indes vorläufig ist die Rezession ja noch nicht vollzogen. Aber daß man darüber redet, dient zur Beleuchtung der Zustände im Liberalismus. Immer wird für den Zusammenschluß gesprochen und resolviert, und zugleich nimmt die Zersplitterung und Absplitterung zu. Neulich sprachen die Demokraten in Heilbronn sich für ein Zusammenarbeiten der liberalen Gruppen aus, schloffen aber die Nationalliberalen von den liberalen Gruppen aus. Jetzt regt sich in einer der Gruppen, mit der man sich verständigen zu können glaubte, die Sehnsucht nach einer Vereinigung gerade mit den Nationalliberalen. Aus dem nationalliberalen Lager aber schallt den Demokraten und der Richter'schen Partei im voraus ein „Zurück!" entgegen, falls sie ebenfalls eine „organische Verbindung" mit den Nationalliberalen suchen sollten. Erst müß en sie sich in der Frage der Landesverteidigung be-
„Jst entlaßen, binnen acht Tagen muß er Haus Eichenhorst verlassen."
„Beide find Hitzköpfe, Herr Saran, eS könnte zu Tätlich'eiten kommen."
„Gegen meine Person?" unterbrach der Baron ihn spöttisch. „Sie find ein Hans Hasenfuß, mein Bester, lassen Sie nur getrost die Holzhauer beginnen."
„Ich würde mir den Rat erlauben, noch einige Zeit damit zu warten."
„Weshalb?"
„Weil es möglich ist, daß wir auf anderem Wege unseren Zweck leichter erreichen."
„Auf welchem Wege?"
„Herr Notar Tellenbach!" meldete in diesem Augenblick der Kammerdiener.
„Der Herr Notar kann es Ihnen erklären", sagte der Verwalter leffe, „ich hoffe, daß meine Kündigung zurückgenommen wird."
Er ging hinaus, in der Tür begegnete zihm der Notar, der mit triumphierender Miene eintrat.
„Sie finden mich in keiner guten Saune", sagte der Baron, nachdem er den alten Herrn mit einem Händedruck begrüßt hatte. „Sie haben wohl beute Morgen das Billet erhalten, in dem ich um Ihren Besuch bat?"
„Jawohl, und ich vermute, daß ein wichtiges Ereignis Sie zu bk>er Sitte veranlaßte", erwiderte der Notar, indem er sich in einen Sessel nied-rlttß nnd seine Dose aus der Tasche holte.
„Vielleicht nicht so totrMtg, wie Sie vermuten! Ich entdeckte gestern ein Projekt meine? N ffen. das mich empören muß: er will die Tochrer meinks Försters heira!er>!"
„Das weiß ich bereits", sagte der Notar rubig, „Sie haben ihn doch nicht deshalb zur Rede gestellt?"
„Es ist vorhin zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen uns gekommen!"
„Nunl — Und?"
„Er beharrt bei seinem Vorsätze, nnd das nicht
kehren. Es ist ja nun nicht zu erwarten, daß die Zurückgewiesenen mit der Freisinnigen Vereinigung in das nationalliberale Lager einschleichen sollten. Es ist aber wiederum bezeichnend, daß, während man von der Vereinigung der Liberalen träumt, gleichzeitig festgistellt wird, daß eine solche Vereinigung wegen der unübersteiglichen Gegensätze unmöglich sei. Es wird wohl noch lange von liberalem Aufschwung und liberalem Zusammenschluß geredet werden, und mittlerweile werden sich die Liberalen allem Anscheine nach mehr und mehr verkrümeln.
Berlin, den 28. November 1903
§ Das Befinden des Kaisers ist so vorzüglich, daß Geh. Rat Dr. Moritz Schmidt bereits nach Frankfurt a. M. zurückkehren konnte. Mit der Nachbehandlung, die im wesentlichen in Massage des Kehlkopfes und Stimmübungen besteht, ist Dr. Spieß aus Frankfurt a. M. betraut worden. Prof. Moritz Schmidt ist von der Laryngologischen Gesellschaft bekanntlich zum Ehrenmitglied ernannt worden.
§ Der polnische Reichstags- und Land- tagsabaeordnete v. Glembocki ist am Freitag nachmittag infolge eines Schlaganfalles plötzlich gestorben. Er hat nur ein Alter von 47 Jahren erreicht. Dem Reichstag gehört er erst seit der letzten Legislaturperiode an. Dem Abgeordnetenhause gehört er seit 1894 als Vertreter des Landtagswahlkreises Schrimm-Schroda- Wreschen an.
* lieber die geplante Abtretung von prerch Gebietsteile» an den Bremischen Staat zum Zwecke eines umfangreichen Ausbaues der dortigen Hafenanlagen wird durch den Marineetat etwas Licht verbreitet. Unter seinen außer- ordentlichen Einnahmen findet stch ein Posten von 500000 Mark, welchen der Bremische Staat als erste Rate für den Ankauf des Weserforts Brinkamahof I zahlt, und die gleiche Summe wird als erst: Rate für den Bau eines Ersatzforts gefordert. Das Fort Brinkamahof I liegt fünf Kilometer nördlich von den jetzigen Hafen- anlagen; aus seinem Erwerb durch den Bremischen Staat läßt fich schließen, daß die Gebietsabtretung einen bedeutenden Umfang haben wird. Das Ersatzfort wird voraussichtlich eine Meile weiter stromabwärts beim Dorfe Wremen erbaut werden.
** lieber ein kleines Nachspiel zum Kaiser- iusel Prozeß berichtet der .Vorwärts". Wegen Nachdrucks des bekannten Entwurfes eines „Kofferschlosses" hatte Kommerzienrat Engelhorn in Stuttgart gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes Strafantrag gestellt. Er hatte das Urheberrecht an dieser Zeichnung erworben. Da der beklagte Redakteur erklärte, daß der Redaktion des .Vorwärts' diese Tatsache bei der Veröffentlichung unbekannt gewesen sei, zog Kommerzienrat
allein, er greift nun auch in meine Verwaltung ein, er will nicht dulden, daß ich Holz im Walde schlagen lasse, droht mir mit Protest und gerichtlicher Klage!"
„So bestehen Sie nicht darauf", erwiderte der alte Herr. „Nach den gesetzlichen Fideikornmiß- bestirnmungen ist der minderjährige Erbe zu einem Protest berechtigt, wenn der Verwalter, der Sie hier gegenwärtig find, Anordnungen trifft, die den Wert des Gutes verringern. Beschränken Sie fich auf den Holzfchlag, wie er jährlich notwendig und erlaubt ist, dagegen kann kein Einwand erhoben werden."
„Der Wald hat seit Jahren nichts eingebracht", sagte der Baron unwirsch, „ich werde meine Anordnungen schon zu vertreten wissen. Den Förster habe ich bereits entlassen, macht mein Reffe noch andere dumme Streiche, so lasse ich ärztlich feststellen, ob er die Geistesstörung seiner Mutter geerbt hat."
Der Notar schüttelte mißbilligend sein graues Haupt und griff mit gedankenvoller Miene in die Dose.
„Sie werden damit nicht durchkommen", sagte er, wir haben dieses gewagte Experiment schon einmal gemocht, ich möchte mich nicht noch einmal damit befassen." , .
„Der Verwalter sagte mir, wir würden auf einem kürzeren Weg unseren Zweck erreichen", erwiderte der Baron erwartungsvoll. „Sie könnten mir die nötige Erklärung geben. Welcher Weg ist es?"
„Eisersuchr. Herr Baron!"
„Drücken Sic fich deutlicher aus!"
„Wenn Baron Dagobert einen Nebenbuhler hätte."
„W:e können Sie nur glauben, daß diese hochmütige Dirne einen anderen Mann meinem Neffen vorzieben wird?"
„Das ist auch keineswegs nötig. Wenn ein junger Mann mit einem leidenschaftlichen Temperament fich in das hübsche Mädchen verliebt, so wird er fich sagen, daß er Gegenliebe finden toürpe, wenn der vornehme Herr ihm nicht im Wege stände. Daraus
30. Jahrgang.
Engelhorn feinen Strafantrag zurück. Der,Vor- roärt8' übergibt ihm dreihundert Mark, die er dem Unterstützungsoerein deutscher Buchhändler und Buchhandlungsgehilfen überweisen wird. Ferner übernimmt der .Vorwärts" die dem Antragsteller bisher erwachsenen Kosten.
* In dem Etatsentwurfe für 1904 sind die Ueberweisuugssteuer« bekanntlich um rund 12 Millionen höher veranschlagt als im laufenden Etat. Offziiös wird nun ausgeführt, daß eine Erhöhung der Matrikularumlagen über diesen Betrag hinaus für viele Bundesstaaten eine kaum erträgliche Mehrbelastung bedeuten würde und im Etat nicht vorgesehen sei. Es ist aber schon jetzt, wo der Militäretat noch nicht vorliegt, sicher, daß in dem neuen Etat einige 20 Millionen Mark an ordentlichen Ausgaben vorgesehen sind, die durch die ordentlichen Einnahmen keine Deckung finden. Will man abermals eine „Zuschußanleihe" aufrechnen? Oder denkt man noch an neue Steuern, von denen es doch in letzter Zeit still war? Vielleicht reißt uns der neue Zolltarif heraus, der ja, wenn alles gut geht, in dem Etatsjahre 1904 noch in Kraft tritt. Das hilft uns aber bei der Veranschlagung des Etats nicht. Jedenfalls wird die „Balan- zierung" des Etats diesmal ganz besonders schwer fallen.
* Der Entwurf üb er die Kaufmanns- gerichte wird nach dem ,Berl. Lok.-Anz/ dem Reichstage wohl nicht sofort zugehen können. Es hat sich bei den wiederaufgenommenen Verhandlungen hierüber in den Bundesratsausschüffen ergeben, daß die Meinungen bezüglich der Angliederung dieser neuen Sondergerichte an die Amtsgerichte sich noch unvermittelt gegenüber» stehen, und es ist noch nicht abzusehen, ob und wie es demnächst gelingen wird, entweder bet einen oder der anderen zum Siege zu verhelfen oder ein Kompromiß herbeizuführen.
* Ein merkwürdiges Streiflicht auf die Verhältnisse der nationalliberalen Partei wirft die Tatsache, daß der nationalliberale Abgeordnete für Flensburg, Profeffor Metzger, bei dem Feste zu Ehren seiner Wiederwahl die Anregung gegeben hat, dem in Kiel neugewählten wildliberalen Kandidaten zu seinem Siege über seinen nationalliberalen Mitbewerber Glück zu wünschen!
(?) In 16 Bezirken der dritten Abteilung fanden am Freitag in Berlin Neuwahlen zür Stadtverordneten-Bersamm!nng statt. Die Wahlen fielen vorwiegend zu gunsten der Sozialdemokraten ans, die außer ihren festen 7 Bezirken, wo ihnen gar keine Kandidaten gegenübergestellt waren, noch 5 Bezirke von den bisherigen 8 liberalen gewannen. In einem Wahlbezirk muß der bisherige einzige Vertreter der Bürgerpartei, Fabrikant Pretzel, sein Mandat erst in der Sttchwahl mit dem liberalen Gegner zu behaupten suchen. In einem andern kommt der bisherige liberale Vertreter zur Stichwahl mit dem Sozialdemokraten. In zwei Bezirken siegten die bisherigen Liberalen.
* Forbach, 28. Nov. 1903. Von den Offizieren des LothringischenTrainbataillonS müssen dann Reibereien entstehen, die unseren heiß- blüügen Erben zu einer unbesonnenen Handlung verleiten können.
„Reibereien, die anders werden können, wie sie glauben!" sagte der Baron spöttisch. „Ich mag mit solchen Dingen nichts zu schaffen haben, eS bleibt bei der Entlassung des Försters; wenn der Mann klug ist, befolgt er meinen Rat und wandert mit seiner Tochter aus."
Der Notar trommelte mit den knochigen Finger» aus dem Deckel seiner Dose und beobachtete mit hämischen Blicken jede Bewegung des BaronS.
„Denselben Rat könnte später der Herr Neffe Ihnen geben!" erwiderte er sarkastisch, Sie haben von ihm keine Rückficht zu erwarten! Wenn Sie die Hände in den Schoß legen wollen, dann mögen Sie ihm schon heute das Majorat übergeben, Sie werden fich dadurch manchen nutzlosen Aerger ersparen. Im übrigen will ich Ihnen nur sagen, daß ich für meine Person die besten Hoffnung-« hege, dem Hazardspiel hat Baron Dagobert sich schon ergeben —"
„Woher wissen Sie das?"
„Aus sicherer Quelle!"
„Sie müssen diese Quelle nennen, wenn ich Ihnen Glauben schenken soll."
„Erinnern Sie fich noch, daß damals der Sohn Ihres Verwalters der Verführer war?"
„Allerdings!"
„Jetzt ist dieser Herr der Bankier oes Verführers, derjenige, der das Geld b er gibt, um dem Verführer das Hazardspiel zu ermögliche«."
„Und der Verführer selbst?"
„Ist ein Graf Morrah!"
Der Blick des Barons ruhte starr voll Erstaune« auf dem alten Herr«, der geräuschvoll eine Prise nahm.
„Gras Morray?" wiederholte er. „Der Ungar, der mir vor einigen Tagen einen Besuch machte? Ist er ein Glücksritter?" (Forts, folgt.)