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Zuldaer W Zeitung

rchristleiter: A. wehler

3.p-^«,i.iti»«. wach«ch«iiage: „Illustrierte Sonntagrzettung" Msn-Kdeiiage: „Fuldaer SeschichtrblStter".

fnlda, Samstag, den 28. November 1903.

J£ 273.

Unpolitische Zeitläufe.

(Nachdruck verboten.)

© Berlin, 25. Nov. 1903.

Also freigesprochen, alle fteigesprochen, die Gräfin Kwilecka, der Graf und die mitange- llagten Dienstftauen! Nach zehnmonatiger Hast und der vierwöchentlichen Folterung auf der An­klagebank hat die Gräfin in der alten, ruhigen Haltung, durch die Lorgnette den Gerichtshof musternd, chre Freisprechung vernommen, und mit freundlicher Bewegung des Taschentuches für Die Beifallsrufe des Publikums gedankt, dem Ge­richtshof eine würdevolle Abschiedsverneigung ge­macht und sich erhobenen Hauptes entfernt — als Siegerin in dem Kampf um ihre Ehre und run ihr Kind.

Was geht denn die polnische Gräfin auS Wroblewo die Berliner an? Eigentlich gar nichts; aber sie hat die Geister und Herzen der Berliner in wirklich überraschendem Maße er­obert. Vor 7 Jahren, als die Geburt deS kriti­schen Knaben bevorstand, war es ein Laune der herrischen Frau, daß sie gerade Berlin als den Schauplatz des Ereigniffes aussuchte. Als nun der große Verbrecherroman von der Kindesunter- fchiebung gedichtet wurde, mußte Berlin als Tat­ort gelten; so kam die Sache vor die Berliner Geschworenen und zugleich vor das Berliner Publikum, natürlich auch vor die Berliner Staats­anwälte, und das hat Die Gräfin nicht zu be­reuen. Denn es hat sich wirklich das alte Wort bewährt, daß es noch Richter gibt in Berlin, und auf der andern Seite hat sich auch gezeigt, daß die Berliner Staatsanwälte nicht die gefähr­lichsten Gegner sind. Es war intereffant zu be­obachten, wie während des Prozesses bei der hiesigen Bevölkerung der Respekt vor der ang*= klagten Gräfin, die Teilnahme für die stolz und unerschütterlich duldende und kämpfende Mutter- fortwährend wuchs und wuchs, wie die selbstbe- emßte Schwägerin auf der Anklagebank sich die allgemeine Sympathie eroberte, während ihre ge­schäftigen, nervösen, redseligen Gegner immer mehr an Respekt verloren. Die Angeklagte wurde volkstümlich in Berlin, obschon doch die deutsche Reichshauptstadt und der polnische Ma- joratshof von Wroblewo grundverschiedene Dinge |tnb. Die Großstädter fanden hier das Urbild einer richtigen Gräfin, wie es in ihrer Phantasie lebte: eine Herrennatur, die weder durch den Onkel Gerichtsvollzieher, noch durch einen un­getreuen Ehemann, noch durch die Verleumder, noch durch den Staatsanwalt sich aus ihrer sou­veränen Ruhe bringen läßt, und zugleich edel und fein in ihrer tadellosen Weiblichkeit, eine treue Mutter ohne plebeische Zärtlichkeitsergüsse. Und was dem nervösen Großstädter am meisten imponierte, das waren die unerschütterlichen

Aas Majorat.

Roman von Ewald August König.

49 ------ (Nachdruck verboten.)

Dann begann das Spiel, Graf Morray betrieb es mit vornehmer Gleichgiltigkeit, Dagobert, der von Anfang au in Verlust war, fühlte bald die Leidenschaft erwachen.

Das Blut wallte heiß in seinen Adern, er fühlte eine Umuhe in seinem Innern, die er nicht bewältigen konnte.

Die fcheinbar harmlose» Bemerkungen der Grafen stachelten ihn nur noch mehr zur Fortsetzung des Spieler an, es galt ihm für Ehrensache, sich jetzt nicht pwückznziehen, der Graf sollte nicht glauben, daß der Setluft ihn ärgere.

Graf Morray bot ihm abermals ein Gläschen Likör an, er selbst trank auch eins, Dagobert nahm •8 an und wurde in der Folge nur noch erregter.

Mitternacht war längst vorbei, als Dagobert end- kkch erklärte, daß er nun Abschied nehmen und auf­brechen müffe.

Der Graf legte die Karlen hin und warf einen Blick in sein Portefeuille, das offen vor ihm lag.

„So konsequent wie heule hat das Glück selten mich verfolgt," sagte er mit einem bedauernden Achsel­zucken.

„Wie hoch ist der Betrag?" fragte Dagobert.

„Eintausendachthundertsechzig Taler," antwortete bet Graf. „Ihr double ou quitte hat Sie gründlich hineingeritten!"

„Eintausendachthundertsechzig," wieveroolte Dago­bert, „ich habe den Betrag nicht bei mir."

„Ich werde auch kein Geld von Ihnen annchmen."

„Sie werden doch nicht, wie heute morgen mir sage» wollen, daß Sie auch diese» Gewinn von einer Revanche abhängig zu machen gedenren?"

Nerven dieser Frau, die bei dem grausigen Kampf um ihre Ehre, ihr Kind, ihr ganzes Lebensglück, immer dieselbe Ruhe bewahrt- und auch dann mit keiner Wimper zuckte, wenn man die empfindlichsten Geheimnifle chres Frauen­lebens schonungslos vor der Oeffentlichkeit aus- breitetr. Man sagte sich: ist die Frau wirklich schuldig, so ist diese andauernde Selbstbeherrschung ein unerhörtes Meisterstück; eher läßt sie sich be­greifen, wenn sie auch den Triumph ihrer Un­schuld für selbstverständlich hält.

Sonderbare Gegensätze in einem Berliner Ge­richtshof! Der StaalSanwat forderte die Ge­schworenen auf, ein „Kulturwerk ersten Ranges" zu tun, indem sie ein vernichtendes Urteil fällten über das solidarisch kämpfende Polentum und über die Zeugen, die Meineide leisteten und dann za ihren Geistlichen beichten gingen. Und dann machte ein Verteidiger, der sich nebenbei als Ver­ehrer von Luther und Hus bekannte, folgende Mitteilung:

„Ms wir Verteidiger am Sonnabend der ange­klagten Gräfin den letzten Besuch im Gefängnis mach­ten, fanden wir sie förmlich verklärt, strahlend, und sie sagte uns: „Heute wird in den Kirchen für mich gebetet; meine Unschuld wird an den Tag kommen, mir wird kein Haar gekrümmt werden." Still verließen wir das v ntersuchungsgefängniS, und draußen sagte einer von uns: Wie glücklich wären wir, wenn wir auch ein solches Gottvertrauen hätten."

Den Berliner Geschworenen wird so etwas nicht oft geboten. Aber sie scheinen es trotz der ortsüblichen „Aufgeklärtheit" verstanden zu haben. Der Gräfin ist wirklich kein Haar gekrümmt worden.

Ich bin durchaus kein Schwärmer, der die freigesprochene Gräfin für einen Engel hält. Nein, sie hat sich in ihrem enthüllten Leben ver­gangen durch ihre Verschwendung, ihre Ver­gnügungssucht, ihre Launen, ihren Eigensinn, ihren Trotz, und für diese Fehler hat sie bitter büßen müssen. Aber gerade das, weshalb nran sie auf die Anklagebank geschleppt hat, hat sie nicht begangen, und da sie sich hierin un­schuldig fühlte, behielt sie das felsenfeste Gott­oertrauen. So allein erklärt sich ihre wunder­bare Festigkeit und Ruhe während dieser langen Folterung.

Nun denken wir uns mal den Fall, daß die Gräfin in ihrer schweren Stunde zufällig in Dresden gewesen und also der Prozeß vor sächsische Geschworene gekommen wäre. In Dresden und der zugehörigen Domäne der protestantischen Hetzpastoren glaubt bekanntlich das Volk, daß die Jesuiten den Giro» zur ehe­maligen Kronprinzessin geschickt hätten und daß die katholische Kirche dem jeweilig regierenden König keine männliche Nachkommenschaft gönne, weil sonst das Königshaus protestantisch werden müffe usw. Wenn nun solche Leute zu urteilen hätten über eine katholische Gräfin polnischer Nationalität, für die als Entlastungszeugen katholische Geistliche eintreten sowie sonstige Zeugen, die bei katholischen Geistlichen gebeichtet haben, und wenn dort der Staatsanwalt zum Kulturkampf aufriefe, während der Verteidiger erzähl e, daß die Angeklagte ihre Hoffnung auf

„Das gerade nicht, aber cs widerstrebt mir, diesen Gewinn in barem Gelbe anzunehmen. Warten wir damit, bis die Summe sich verringert hat."

„Nicht doch, ich werde Ihnen das Geld morgen einhändigen," sagte Dagobert. „Ich würde Sie zum Diner bitten, aber ich muß mich darauf gefaßt machen, daß ich einen stürmischen Tag haben werde, also bitte kommen Sie erst gegen Abend."

„Ich werde warten, bis all diese Stürme hinter Ihnen liegen," antwortete Graf Morray in herzlick em Tone, „kommen Sie getrost zu mir, wenn Sie ei;e3 Freundes bedürfen."

„Sehr gern, aber Sie müffen mir nun auch die Ehre schenken, ich lade Sie auf morgen abend ein, Herr Graf," erwiderte Dagobert.

„Eh bien, wenn Sie nicht anbei3 wollen, werde ich Ihre fieundliche Einladung wohl annehmen müffen," scherzte der Graf, „ich komme m Fuß durch den Wald, einen weiten Spaziergang liebe ich. Sie habe» wohl die Gefälligkeit, mich nachher zurückfahren zu lassen?"

„Gewiß, und ich denke, Ihnen morgen abend Ihren Gewinn auShändigen zu können."

„Ich bitte Sie dringend, machen Sie sich desbalb keine Sorge. Ihr Vormund wird forschen und fragen, wenn Sie die immerhin namhafte Summe von ihm fcibent —"

„Ich nehme sie von meinem eigenen Vermögen, das ich von drüben mitgebrocht habe," unterbrach Dagobert ihn, während er sich zum Ausbruch rüstete, „er ist allerdings in amerikanischen Staat; papieren angeleq'. —"

„Die Sie deshalb nicht verkaufen sollen! Ich er­kläre Ihnen noch einmal, vor Ablauf von vier Wochen nehme ich das Geld nicht. So lassen Sie mir doch das Vergnügen, Ihr Gläubiger zu fein!"

„Eine seltsame Forderung!"

„Durchaus nicht! Wenn ich jetzt diese Summe von Ihnen annehme, so werde ich dar Gefühl habm. als ob unsere Freundschaft einen Riß erhellen habe. DaS Geld hat wirklich keinen Wert für mich, teurer Freund —

die Fürbitte in den katholischen Kirchen setzte — würden dann die Dresdener Geschworenen auch zu einem Freispruch und das Dresdener Publikum zu tausendstimmigen Hurrahrufen kommen? — Ich glaube, die 'Gräfin hat es ganz gut ge­troffen, als sie den Berlinern in die Hände fiel, denn die sind trotz all' ihrer unangenehmen Eigenheiten doch noch Heller, als die Dresdener oder Leipziger oper Hamburger. Der kultur­kämpferische Staatsanwalt kennt offenbar die wirklichen Berliner gar nicht.

Recht intereffant war ein kleiner Zwischen­fall bei der Vernehmung der Zeugen von Wrob­lewo. Der ganze großmächttge Apparat der Beweisführung in diesem Riesenprozeffe spitzt sich nämlich im letzten Grunde auf die einfältige Frage zu: Ob die Wirtschafterin auf dem Gute Wroblewo, die alte Andrufzewska, um die Zeit des Kaisergeburtstages von 1896 verreist ge­wesen ist oder auf dem Gute geblieben ist. Diese alte Frau sollte nämlich gerade zu dieser Zeil das ftagliche Kind von Krakau geholt und nach Berlin zur Gräfin gebracht haben. Wurde der Beweis geliefert, daß die alte Andrufzewska damals Wroblewo nicht verlassen, so stürzte die ganze Unterschiebungsgeschichte in sich zu­sammen. Nun kommen eine Reihe von Dienst­leute und beschwören, die Wirtschafterin fei damals nicht verreist gewesen und namentlich sei sie an dem Tage, als die Nachricht von der Geburt des Majoratserben nach Wroblewo ge­kommen, dort gewesen. Ha, sagt die Staats­anwaltschaft, die Leute sagen das nur, um ihre Herrschaft zu retten; sie können sich ja unmög­lich noch erinnern, wo vor sieben Jahren an dem und dem Tage die Wirtschafterin gewesen ist! — Da erhob sich ein Berliner Geschworener und führte aus, er fei Gutsbesitzer gewesen und wiffe aus Erfahrung, daß die Leute eine Reife der Wirtschafterin sehr gut im Gedächt­nis behielten, weil die Abwesenheit der Wirt­schafterin für die Leute ein festliches Ereignis fei — auf Kosten der Herrschaft — d. h., wenn die Wirtschafterin fort ist, wird „Fettlebe" gemacht, wie man in Berlin sich ausdrückt. — Diese kurze, einfache Bemerkung des Geschworenen habe ich sofort als das sichere Vorzeichen der Freisprechung betrachtet. Man kah, daß auf der Geschworenenbank erfahrene und verständige Männer faßen, die über die Dinge sich ein selbständiges Urteil bildeten. Denen war mit mit dem „Geheimnis der alten Mamsell" nicht zu imponieren.

Noch in einem andern Punkte hat der Staats­anwalt gegen die Berliner«Seelenkunde verstoßen. Da es sich in dem Prozesse um Familien-Ange- legenheiten drehte, so spielten natürlich die Dienstboten des gräflichen Hauses unter den Zeugen eine große Rolle. Obschon bei dem Grafen der Gerichtsvollzieher als Onkel ein- und aus­ging, und die Gräfin ein strammes Regiment führte, zeigten doch die Dienstboten eine treue Verehrung und Liebe für ihre Herrschaft. Diese Ergebenheit sollte nun aber dahin ausgedeutet werden, daß die Dienstboten ihrer Herrschaft zu­liebe lögen und also der Begünstigung und des

ich möchte am liebsten einen Strich durch diese Forderung ziehen."

„Das wäre eine Beleidigung für mich."

„Ich weiß das wohl und stelle deshalb auch diesen Antrag nicht, ich hoffe aber zuversichtlich, daß Sie den ganzen Verlust zurückgewinnen."

„Wenn ich nun nicht mehr spiele?"

„Dann will ich Jynen nach vier Wochen gestatte», mir das Geld zu zahlen."

„Ich könnte dann vielleicht nicht mehr unter den Lebenden sein."

Gras Morray luchte hell aus.

„Sie denken schon an das Ende?" fragte er.

„Erlauben Sie, ich bin Kaufmann gewesen, in Geldangelegen eit fordere und gebe ich Sicherheit."

„Eh bien, wenn Sie nicht anders wollen, nehme ich eine Sicherheit von Ibn en an!"

Die ganze Art und Weise, wie Jber Graf diese Angelegenheit behandelt--, mif fiel Dagobert; aber ihm selbst lag daran, eine turze Zahlungsfrist zu erlangen, da er von seinem Vormund das Geld nicht fordern wollte, und die c merikanischen Papiere augenblicklich im Kurs sehr niedrig standen.

„Ich stelle Ihnen ein.'n Wechsel auf vier Wochen auS," sagte er, „Sie wo.'en es ja nicht anders, ich werde wahrscheinlich diesen Wechsel schon vor Verfall einlösen."

„Und ich hoffe Dot Sie niemals in l e Lage kommen w.rden, i-.n honoriere- zu müffen," erwiderte der Graf, während er die nötigen Schreibmaierialien hotte. „Auf wen wollen Sie den Wechsel ausstellrn?"

„Auf mich selbst."

„Hm, wie Sie wsll.n, aber ich kann «c auch Serben, man würde das Papier in meinem Nachlaß finden, icd wem., es siebt -ficht gut aus, toe-n ein r-ichec Map-ratsherr einen Wechsel auf fick selbst zieht. Lieven Sie ihn auf den N^me» Jhr:S Vor­mundes oder des Justitiar- Ihrer Familie ans."

„Mein Name bietet Jynen die n Herste Bürg- schatt!" MaffllMfriii*- , , ___

30. Jahrgang.

Meineides verdächtig seien. Der Staatsanwalt ging so weit, daß er von verknechteten, sklavi­schen Leuten sprach, denen man durch ein Schuld­urteil ein Licht aufstecken müffe. Die Geschwore­nen aber steckten das Licht nach der andern Seite auf. Sie sprachen mit der Gräfin zugleich chre mitangeklagten Dienerinnen glatt frei und bekundeten damit, daß sie auch die anderen Dienst­boten, derm Zeugnis verdächtig war, für glaub- würdig hielten. Ei, was versteht denn der Groß­städter von dem Verhältnis zwischen der Guts­herrschaft und den ländlichen Dienstboten? O, gerade der Großstädter versteht sehr wohl den Wert von anhänglichen und treuen Dienstboten zu würdigen! Er kennt die Dienstbotennot aus eigener häuslicher Erfahrung.- Er weiß auch ganz genau, daß die Dienstboten von heutzutage, auch die ländlichen, durchaus nicht so versMvt und verknechtet sind, wie der Staatsanwalt meinte, so daß fie sogar einer gefangenen Herrschaft zu hebe das Zucht­haus und die Höllenstrafe riskieren. Wenn die fraglichen Dienstboten auf ihren Vorteil ausgehen wollten, fo hätten fie sich eher zu der andern Partei schlagen müffen, zu den reichen Gegnern der Gräfin, in dessen Diensten auch der geriebene Agent Hechelski arbeitete. Nein, die Ausfälle auf die treuen Dienstboten waren sehr verfehlt. Die Betl iner werden vielmehr die Herrschaft von Wroblewo beneidet haben um das brave Gesinde.

Geradezu rührend war es, wie eine alte ein­fältige Frau, die sich vor den Untersuchungsrichter durch Zureden und Angst zu einer belastenden Aussage verstanden hatte, jetzt wieder entlastend aussagte und bei der Drohung mit Verhaftung wegen Meineids mit klarer Entschlossenheit sagte: „Machen Sie mit mir, was Sie wollen, ich kann nichts anders sagen, als die Wahrheit, und die habe ich jetzt gesagt!" Die Frau hatte ihr Ge­wissen gerettet; obschon sie wußte, was ihr be­vorstand, wenn sie ihre erste Aussage wider­rief, machte fie doch töpfer ihre Schwachheit wieder gut. So sind die Zeugen, die zum Ver­druß des Staatsanwalts „bei ihren Geistlichen beichten gehen". Dort bekommen sie dieErmahnung und die Kraft, ihre Fehltritte zu sühnen, die Wahrheit und das Recht wieder herzustellen, soweit fieses vermögen.

Der Prozeß, der sich ursprünglich um eine bloße Familienangelegenheit drehte, hat eine weit­tragende allgemeine Bedeutung erlangt, und zwar besonders durch das eigenartige Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Mit dem Ergebnis werden wohl die Staatsanwälte weniger zufrieden fein, als die von ihnen angegriffenen Personen und Einrichtungen. Allzuscharf macht schar-ig.

vermischter.

* Unlauterer Wettbewerb ist in letzter Zeit mehrfach zur Erscheinung gekommen unter den kauf­männischen Krankenkaffen. Da am 1. Januar 1904 alle Handlungsgehilfen mit einem Einkommen bis 2000 Mk. und ebenso Handlungslehrlinge, die irgend eine Ent­schädigung erhalten, im ganzen Reiche dem gesetz­lichen Kranken» ersicherungszwange unter­worfen werd en,wird von denkaufmäunischenBerbänden dafür gewirkt, daß die jungen Handelsangestellten sich

„Ihr Ehrenwort genügt mir; sobald Sie den Wisch zurückfordern, werd- ich denselben Ihnen auShändigen."

„Ich werde den Wechsel auf den Notar Tellen­bach auSstellen," sagte Dagobert nach kurzem Nach­denken, „ich vertrau; darauf, daß Sie ihn niemand zeigen und auch mit keinem andern darüber reden."

„Selbstverständlich!" nickte der Gras, während er das Papier in Empfang nahm und nach oberflächlicher Prüfung vor sich auf den Tisch legte. „Wollen Sie nicht hier übernachten? Ein Zimmer im Hotel wird wohl noch zu haben sein, es ist schon sehr spät —"

„Wir haben eine mondhelle Nacht," unterbrach Dagobert ihn mit einem Blick auf das Fenster, „der Rttt in der frischen Lust wird mir wohl tun. Bis morgen abend, Herr Graf! Vielleicht komme ich durch den Wald Ihnen entgegen."

„ES wird mir angenehm fein, gute Nacht!"

Die Hand des Grafen war kalt und feucht, als Dagobert sie zum Abschied drückte, ihm kam eS vor, als ob er eine Schlange berührt habe.

* Der Hausknecht wartete noch auf ihn, vaS Pferd war gesattelt, Dagobert schwang sich hinauf und ritt langsam von dannen.

DaS Hotel lag noch nicht weit hinter ihm, al« tr schon bereute, den Wechsel ausgestellt zu habm.

Je länger er darüber nachdachte, desto festerm Boden gewann die Vermutung, daß der Graf diesen Wechsel gewünscht habe.

Weshalb hotte er ihn überredet, das Papier auf den Namm des Justitiars auSzustellen?

Er nahm den Hui ab, um chie heiße Stirne m der Nachttuft zu küy.en, das Blut tobte noch immer fi berbaft in seinm Adern.

Wie war es nur möglich, daß er all- seine soliden Vorsätze so rasch vergchen hatte?

Lag hier wieder eine Jnlrigue gegen ihn vor, die ihn zu Fall bringen sollte, und war jetzt der Graf Morray ' as Werk eug seiner Widersacher? Er konnte daS richt glanbm, de» Eindruck eines Abenteurer« ma hte der Graf nicht aef ihu.j , (P. f.)