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j. wta hTJäi«. Wochenbeilage:Illustrierte Zonntagzzeitung"

«scheint »glich, mH Aurnahme der Sonn» vndZeiertage. viertel- Mrl.ve,ng,prei, xhne Srin-erlohn und vestellgeld in Zrrlda und flusre&rt» lM.S0 psg.

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Druck und Verlag der 5«ldaerActiendrnckerel in Zulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.

M 273.

Fulda, Samstag, den 28. November 1903.

30. Jahrgang.

Merkes M'crtt.

Vie Xurpfuscherei.

Alle Halbjahr und wohl noch öfter bringen die Zeitungen Berichte über den einen oder anderen Prozeß gegen Zahnärzte, die aus einer amerikanischenDoktormühle" gegen hohe Be­zahlung den Doktortitel bezogen haben und ihn zur Täuschung zahnleidender Mitmenschen auf ihren Wohnungsschildern und bergt anbringen. Gewiß ist die Führung des Doktortitels durch Unberechtigte ein Unfug und unter Umständen ein folgenschwerer Betrug. Es ist ganz recht, daß dagegen eingeschritten wird. Aber man soll nicht die kleinen Diebe hängen und die großen laufen lassen. Darf sich keiner Doktor nennen, ohne es wirklich in dem Sinne zu sein, den die öffent­liche Meinung bei uns damit verbindet, so sollte sich noch weniger einer unterstehen dürfen, Kenntnisse in der Heilkunde öffentlich anzupreisen und die Heilkunde öffentlich auszuüben, ohne daß er eine entsprechende Befähigung bei einer Behörde nachgewiesen hätte. Merkwürdiger Weise darf das aber bei uns jedermann bis zum Straßenkehrer mit ober ohne Volksschulbilbung hinab. Ob staatlich approbiert ober nicht, wer will, ber barf unter bem Schutze der sog. Kurier­freiheit im Deutschen Reiche auf Schilbern, in Zeitungsinseraten, brieflichen Zusenbungen, Pla­katen, , Vorträgen, Büchern ec. feineKünste" unb (mit geringer Einschränkung) auch seine stetsunfehlbaren" Mittel zur Heilung menschlicher Leiben an leichtgläubige Abnehmer feilbieten. Tausenbe sinb bumm genug, sich von ber Reklame gefangen nehmen unb mit ihrer Ge­sundheit unb ihrem Leben jeden fremden Menschen spielen zu lassen. Daher scheint denn auch das Geschäft, das dieNaturärzte" betreiben, die Begründer neuer Heilverfahren" oder wie sich sonst immer dieKurpfuscher" nennen mögen, nicht gerade uneinträglich sein. Ihr Gewerbe steht in üppiger Blüte.

Nach amtlichen Berichten sind bereits im Jahre 1894 für Bayern allein 1168 Kurpfuscher ermittelt worden, für Sachsen nach einer viel späteren Zählung 945, wobei in einigen Bezirken die Zahl ber Pfuscher sogar bie ber Aerzte überstieg. In Berlin fanb man bei einer poli­zeilichen Zählung vor 6 Jahren 476, neuerdings sogar 600 dort ansässige Kurpfuscher. In einem Schreiben ber schlesischen lanbwirtschaft- lichen Berufsgenoffenschaft an bie schlesische Aerztekammer wirb über mehr als 300 Betriebs­unfälle, bie von 114 Kurpfuschern schlecht be­handelt wurden, berichtet, ein Zeichen, daß auch auf dem Lande die Kurpfuscherei grasiert, zumal wenn man bedenkt, daß nur ein geringer Teil solcher Fälle zur Kenntnis kommt. Die Grill'sche Statistik nimmt für das Deutsche Reich die Zahl von 10 000 gewerbsmäßigen Kurpfuschern an. Hierbei ist jene Kurpfuscherei, welche in Drogerien und mitunter auch in Apotheken verübt wird, nicht berücksichtigt.

Das Majorat.

Roman von Ewald AugustKönig.

50 ------- (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)

Unb doch, er konnte nicht bestreiten, daß der Graf ihn zum Spiel verleitet hatte! Er gedachte der Zi­garre am gestrigen Abend, die ihn betäubt und ferne Sinne verwirrt hatte, jetzt erschien ihm auch der Likör verdächtig, nach dessen Genuß fein Blut so sehr in Wallung geraten war. Jedenfalls war es ratsam, den Verkehr mit diesem Ungar etwas weniger innig zu gestalten und wenn möglich Erkundigungen über ihn einzuziehen.

Der Wechsel müßte morgen oder übermorgen ein­gelöst werden, gleichviel, wie groß der Verlust war, wenn er die amerikanischen Papiere verkaufte.

Von einer Fortsetzung des HazardspiclS durste nun auch keine Rede mehr fein, das Mißtrauen gegen den Grafen wurzelte nun fest und tief in seiner Seele, und der Aerger darüber, daß er feinen guten Vor­sätzen untreu geworden war, konnte er nicht über­winden.

Mochte Graf Morray nun ein Abenteurer oder ein ehrlicher Manu fein, der Verkehr mit ihm war gefahrvoll, er mußte abgebrochen werden.

Stieg doch fchon jetzt der Verdacht in der Seele Dagoberts auf, daß der Graf mit gefälschten Karten gespielt haben müsse, es gab ja kaum eine andere Erklärung für die Beständigkeit, mit der das Glück ihn verfolgt batte.

Weshalblyatte der Graf sich gewergert, das Geld anzunehmen? Vielleicht deshalb allein, um ihn zur Fortsetzung des HazardspielS gewissermaßen zu ver- Pflichten!

Oder hatte er es getan, um ihn zur Ausstellung eines Wechsels oder eines Schuldscheines zu bewegen?

Unb von welcher Vorbildung sinb biese Leute! Nach einer Berliner Statistik haben 76 Prozent derselben nur einfache Volksschul­bilbung; 20 Prozent rekrutieren sich aus bem Diener- unb Arbeiterstanb, 40 Prozent aus bem ber Hanbwerker. Von ben Kurpfuscherinnen waren 58 Prozent früher Dienstmädchen, 24 Prozent Kleiber- nnb Putzmacherinnen, 10 Prozent Arbeiterinnen. Nicht weniger als 29 Prozent aller Kurpfuscher waren wegen Diebstahls, Be­trugs, Unterfchlagung rc. vorbestraft.

Aber trotz ihrer geringen Vorbildung, trotz ihrer burchschnittlichen moralischen Minberwertig- keit, trotz ihrer Unfähigkeit, Kranke erfolgreich zu kurieren, hat bas Kurpfufchertum einen Zulauf, ber ans Unglaubliche grenzt. Das läßt sich schon aus dem ungeheuerlichen Kostenauswanb schließen, ber für Reklame, zumal von denen, bie bas Ge­schäft en gros betreiben, gemacht wirb. Wo bie Gerichte sich mit Kurpfuschereien zu beschäftigen hatten, wirb stets eine umfangreiche Praxis fest­gestellt. So hatte z. B. ber berüchtigte Berliner Pfuscher Jakobi in 8 Monaten 2570 Patienten.

Der Boden, auf dem das Kurpfuschertum seine meiste Nahrung zieht, ist der Aberglaube des Volkes an besondere Kräfte ober Mittel ein­zelner Personen. Er wird genährt durch die be­trügerischen Anpreisungen in Zeitungen. Ins­besondere sind es die Wochen- und Familien­blätter, die Kalender undamüsanten" Zeit­schriften, auf welche die Kurpfuscher es abgesehen haben. Fast keines unserer sogen. Witzblätter hält sich davon frei. Und wenn man bedenkt, daß einFamilien" - Blatt, wie die den sozial- demokratifchen Zeitungen wöchentlich beigelegte ,Neue Welt' an 300,000 Abonnenten hat, kann man ermessen, welch' weiten Umkreis die Reklame der inserierenden Kurpfuscher beschreibt.

Zu einer derartigen Reklame kommt die an­dere durch Schriften, Flugblätter und Zeitschrif­ten. Sehen wir einmal ab von Naturheil-Ver­einen (der Bund derselben hat jetzt 130,000 Mit­glieder), von der Zeitschrift ,Naturarzt' (die über 100,000 Abonnenten hat), und fassen wir die sogen. Naturheilbücher ins Auge, wie das von Bilz, welches in weit über 1 Million Exemplaren verbreitet ist, das von Kuhn, welches in 48 Sprachen übersetzt ist, das dreibändige von Platen, das von Frau Dr. Anna Fischer-Dückelmann, welche sämtlich hohe Auflagen zu teuren Preisen erlebt haben und noch erleben, so leuchtet ein, einmal welche gesundheitliche Schäden und sittliche Korruption durch das Kurpfuschertum in die weitesten Volkskreise getragen wird, dann aber auch, wie viel Geld das gute Volk es sich kosten läßt, sich leiblich und sittlich zu verderben. Nach einer Statistik von Reissig in seiner vorjährigen Denkschrift gegen bie Kur­pfuscherei hat bas beutsche Volk in den letzten 15 Jahren mehr als 14V, Millionen Mark und nach umfangreicheren Angaben von Hermine Ludwig sogar fast 30 Millionen Mark für Bücher ausgegeben, welche ausnahmslos bie wissenschaftliche Heilmethode bekämpfen unb so viele verberbliche Anschauungen über Krankheits- zustänbe unb ihre Heilung bem Volke einimpfen.

In welcher Weise konnte er nun den Wechsel mißbrauchen? Wenn er ihn dem Notar Tellenbach vorlegte, welche Folgen könnten daraus entstehen?

Gefährlich nicht, aber es war schon unangenehm, wenn fein Vormund ihn des Rückfalls in den früheren Leichtsinn beschuldigen durste.

Und war der Graf Morray da» Werkzeug seines Vormunds, dann wurde mit dem Wechsel voraussicht­lich ein mißbrauch getrieben, der die schlimmsten Folgen für ihn haben konnte.

Zu Hause, in seinem Schlafgrmach grübelte er darüber nach, und eS währte lange, ehe die müden Augen sich schlossen.

Dagobert faß am nächsten Morgen noch beim Frühstück, als Jakob ihn in das Zimmer feines Onkels beschiel).

Was ihn dort erwartete, wußte er; entschlrffen, allen Vorwürfen und Drohungen eine eiserne Stirne zu bieten, trat er nach einer Viertelstunde in das Kabinett.

Das hochrote Gesicht und der zornflammende Blick des Barons ließen ihn das Schlimmste erwarten.

Du hast geäußert, Du würdest den von mir pro­jektierten Holzschlag im Walde nicht dulden," sagte der Baron, den glühenden Blick durchdringend aus ihn heftend,hast Dich unserem Verwalter gegenüber in einer Weise über mich ausgedrückt, die im höchsten Grade beleidigend ist."

Ich kann nicht wissen, was der Verwalter Dir hinterbracht hat," erwiderte Dagobert mit einem ver­ächtlichen Achselzucken,es wird ihm aus eine Lüge mehr oder weniger nicht angekommen sein, er hat ja persönliches Jmeresse daran, mich zu verdächtigen!"

Ein persönliches Interesse?" spottete der Baron. Wenn er Dich baffen sollte, so suche den Grund in dem ungerechten Haffe, mit dem Du selbst ihn ver­folgst. Ich habe ihm gekündigt, um Deinem Wunsche entgegen zu kommen, ich kann diese Kündigung in jeder Stunde zurücknchmen."

Es würde mich nicht wundern, wenn es geschähe!"

Fast in allen diesen Büchern laufen auch An­preisungen unsittlicher Mittel mit unter; zuweilen wirb auf bie Behanblung ber geschlechtlichen Dinge besonderes Gewicht geleg, sei es auch nur aus Spekulation auf recyt viele Käufer. Daher werden diese Naturheilschriften vielfach nicht nur zur medizinischen, sondern auch zur moralisch-sittlich°n Pest.

Wir haben die vorstehenden statistischen An­gaben einem Vortrage von Dr. Alexander-Bres­lau entnommen, welche in den.Mitteilungen der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung ber Ge­schlechtskrankheiten' soeben publiziert wirb. Wir geben bem Verfasser gern Recht, wenn er sagt, daß sich die Kurpfuscherei gerade in bezug auf diese Krankheiten am verderblichsten geltend macht. Aber wenn bas auch nicht wäre, Der« biente sich doch jeder den Dank ber gesamten Nation, ber mithilst, gegen bas Kurpfuschertum wo es immer auftritt, sei es auch in bem eigenen Leibblatt, zu Felde zu ziehen. Was die Hygiene und alle die vielfältigen neueren Bestrebungen um die Volksgesundheit aufbauen, wirb zehn­fach an anderen Stellen wieber niebergeriffen, solange bas Volk ben Kurpfuschern nachläuft.

B. Rom, 27. Nov. 1903. Der neue Minister für Ackerbau scheint sich in er­höhtem Maße ber italienischen Wälder an nehmen zu wollen, als dies unter seinem Vorgänger, dem Prof. Buccelli der Fall war. Dieser Letztere verfolgte mehr ideale Zwecke. Er führte nach alttömischem Muster die sogenanntenBaumfeste" ein. Alljährlich zweimal, im Frühjahr unb im Herbst, zogen bie Schüler ber staatlichen Schulen mit großer Feierlich keil mit Fahnen unb Musikbe­gleitung in die öde Campagna und pflanzten dorr viele hunderte von jungen Bäumchen. Das Königspaar, die Minister, selbst die fremden Diplomaten wurden zu diesen Feiern eingeladen und nach herwurden ziemlich pomphafte marmorne Gedächtnistafeln bei diesen improvisiertenWäl­dern" aufgestellt. Leider gingen viele der mit soviel schönen Reden und Feierlichkeiten gepflanzten Bäumchen in Folge des schlechten Bodens und der ungünstigen Witterung wieder ein. Aber der gelehrte Minister bildete sich ein, ber Heran­wachsenden italienischen JugendLiebe zum Walde" beigebracht zu haben. Ungemein prakti­scher verfährt nun Baccelli's Nachfolger: Er ließ soeben 10 und eine halbe Million junger Bäume gratis verteilen, und zwar an alle die­jenigen Grundbesitzer, welche darum gebeten hatten. Hier werden zwei Riefenprozeffe viel besprochen: derjenige des ehemaligen Marine­ministers Admiral Bettolo gegen den Abgeord neten und Chefredakteur der sozialistischen ,Avanti', den bekannten Agitator Ferri, sowie derjenige gegen die angeblich Schuldigen am Tode des Matrosen d'Angelo, welcher im hiesigen Zentral-

Weil eine Krähe der andern kein Auge aushackt, sagtest Du so?"

Ich dachte habet an den Justitiar!"

Auch er ist ein Ehrenmann, Dein Mißtrauen stützt sich nur auf den Aerger darüber, daß Dir das Majorat jetzt noch richt übergeben werden darf."

Mein Mißtrauen erwachte fchon vor elf Jahren, als ich mich auf der Reise nach Amerika befand, es hat mich seitdem nicht verlassen, und ich habe manches entdeckt, was ihm nur zur Bestätigung dienen konnte."

Der Baron zuckte mit den Achseln; er durchmaß das Zimmer mit großen Schritten.

Ich werde nichtsdestoweniger die Pflichten, die mir auserlegt sind, nach allen Seiten hm erfüllen", sagte er mit mühsam erzwungener Ruhe,Du wirst das Majorat nicht eine Stunde früher erhalten, als das Famtlienstatut es erlaubt. Und Dein Protest wird mich ebenso wer ig abhalten, dgs zu tun, was ich im Interesse des Gutes für notwendig halte: der Wald soll gelichtet werden, stark gelichtet, er ist lange genug ein totes Kapital gewesen, das Holz muß unter den Hammer gebracht werden. Die Holzfäller find bereits angeworben, sie werden ihre Arbeit heute noch beginn-n."

So werde ich die sofortige Einstellung dieser Arbeiten auf gerichtlichen Wege beantragen", brauste Dagobert auf.

Ganz nach, Belieben, sie werden gleichwohl fortgesetzt, ich bin augenblicklich noch der Majorats­herr."

Du bist verantwortlich"

Ich weiß dar und übernehme die volle Verant­wortung für das, was ich tue!"

Und ich wiederhole, daß ich diese Raubwirt- fchast nicht dulde!" rief Dagobert, unfähig, feinem Zorn noch länger zu gebieten.

Baron Kurt blieb stehen und erhob trotzig daS Haupt.

Nichts berechtigt Dich, mir gegenüber diese Sprache zu führen," sagte er.Bon der Ver-

gefängniffe in der Zwangsjacke starb. Man muß ben nahe bevorstchenben Abschluß ber beiben Verhanblnngen abwarten, um sich ein klares Bilb von ber Sache machen zu können.

Der verzauberte Bär.

Kapitän O. Sverbrup erzählt in- seinem neuesten Werke:Neues Lanb" (2 reich illu­strierte Bänbe, geb. 20 Mark, Verlag von F. A. Brockhaus, Leipzig) folgenbes Erlebnis mit einem Eisbären im Eismeere:

Währenb Fosäeim mit ber Ausrechnung ber Beobachtungen beschäftigt war, wollte ich von ber Insel aus einige Peilungen machen. Erst gedachte ich ohne Flinte fortzugehen, da ich ohne­hin genug zu tragen hatte; aber im letzten Augen­blick beschloß ich doch, sie lieber mitzunehmen.

Ich hatte kaum ein paar Schritte jenseits des Eisberges zurückgelegt, als ich auf ber Spalte auf einmal einen Bären erblickte. Er blieb einen Augenblick stehen unb warf mir wütende Blicke zu; ich kam ihm wohl sehr breist vor; bann lief er werter. Ich schickte ihm ein paar Kugeln nach, boch ohne große Hoffnung, auf so weite Ent­fernung hin zu treffen.

Es war vielleicht sicherer, sich noch mit einigen Patronen zu versehen. Ich kehrte zu diesem Zwecke ins Lager zurück unb setzte hierauf meinen Marsch fort. Der Bär trabte längs ber Spalte nach ber Landspitze hin, so daß ich ihn schon aufgegeben hatte, als ich plötzlich sah, daß er sich hinlegte. Ich mußte dies etwas genauer unter­suchen. Als ich mich ihm aber beinahe auf Schußweite genähert hatte, erhob sich der Bursche und schien verduften zu wollen. Ich brannte ihm eins auf den Pelz, Da stürzte er zu Boden.

Des Preßeises halber, das unter Land lag, hatte ich die Schneeschuhe abgelegt und ging nun zurück, um sie zu holen. Doch was waren dies für Alfanzereien? Die erste Pflicht eines toten Bären ist doch, still liegen zu bleiben! Dieser Bursche aber fing an, das Ufer hinaufzuspazieren! Ich schoß wieder; er fiel pflichtschuldigst. Jetzt war es endlich aus mit ihm.

Ich las alle meine Sachen zusammen, und als ich mich aufrichtete, um zu gehen war mein Bär gerade im Begriff, auf der anderen Seite des Bergrückens zu verschwinden.

Man sieht ja mancherlei, wenn man ferne Lander bereift; aber bisher hatte ich noch nie einen toten Bären so flink in feinen Bewegungen gesehen! Aber ebenso flink war ich mit bem Stutzen; ich schickte bem Petz eine Kugel unb einen Fluch gerabe in das Hinterteil, damit ver­schwand er jenseits des Grates!

Wenn ich an Zauberei hätte glauben können, so war jetzt die rechte Gelegenheit dazu. Jeden­falls begann ich den Glauben an meinen ganzen Jägerkatechismus zu verlieren. Doch es war am besten, ruhig zu bleiben; ich setzte meinen Weg fort und kam bald oben an der Landspitze an. Dort sah ich, daß der Flüchtling an der Spalte ganz regungslos lag. Also endlich doch!

Ich hatte keine Zeit, jetzt zu ihm hinunter- zugehen; ich mußte auf die höchste Spitze ber

wallung eines großen Gutes verstehst Du nichts. Ich habe alles getan, um den Frieden zwischen uns zu wahren, es ist Deine Schuld, wenn Du Dich von unwissenden Menschen gegen mich aufhetzen ließest. Dem Förster ist bereits gekündigt, die anderen werden folgen, die skandalösen Beziehungen zu der Försters- lochter"

Nicht weiter, Onkel!" fiel Dagobert ihm scharf in die Rede,meine Beziehungen zu Röschen find so rein, lauter"

Daß Du sogar den kühnen Vorsatz hegst, die Försterstochter zur Baronin zu erheben!" höhnte Baron Kurt,ich bade davon gehört, aber ich hoffe, Du wirst nicht ernstlich daran denken, diesen Vorsatz auszuführen."

WaS ich ausgesprochen habe, nehme ich niemals zurück, Röschen wird meine Gattin," jagte Dagobert mit zornbebender Stimme.

Tue, was Du nicht lassen kannst, aber sei ver« fich-rt, daß ich die Mittel finden werde, meinen Willen durchzusetzen, so lange ich hier die Zügel führe. So, das wollte ich Dir sagen, nun weißr Du, welchen Er- kolg Dein Protest haben wird, ich betrachte diese Unterredung als beendet."

Dagobert, der selbst eine Fortsetzung dieses Ge­spräches nicht wünschte, näherte fich bereits der Türe, er wandte sich noch einmal um.

Daß Deine Gründe mich überzeugen würden, erwartest Du wohl selbst nicht," erwiderte er,Du hast den Kamps begonnen, rncht ich; Du konntest voraussehen, daß ich d e Zerstörung des Waldes nicht dulden würde. Ich sage auch Dir, tue, was Du nicht lassen kannst, aber die Folgen werden Dir nicht an­genehm sein Du sagst, eS sei eine Schande, wenn ein Baron D-uboren eine Bürgerliche heirate; ich hingegen halte es für eine Schande, wenn ein Baron Darboren seine Familie durch einen Spion überwachen läßt."

Dann ging er hinaus, ohne eine Antwort abzu­warten ; fein Blick fiel auf Nanni, die bestürzt zurück­trat und offenbar an der Tüce gehorcht hatte. (F. f.)