Ausland
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272.
flllda, Freitag, den 27. November 1903.
30. Jahrgang.
Maer
Zeitung
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Mouatrbeilage: „Zuldaer GeschichtsbMer"
LrschtUtt täglich, mit Mrmchme der Sau» aud Leiertage. Viertel» iShrl.ve;ugrprei, ohne vringerlahn und SeßeSgeldinzuldauud a«5Mirtr l M. so Pffl.
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Druck und Verlag bet Luldaer Lettendruckerei tu Lulda (Harmonie). Lerufprecher Ur. 9.
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3. ÄjXJÄm. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagszettung
* Trost im Leid. Für die schwere Nieder» läge, welche die Sozialdemokraten bei den Äandtagswahlen erlitten haben, find fie einiger» »aß« entschädigt und getröstet durch den über» naschenden Erfolg, den fie eben in Char- lottenburg bei den Stadtverordnetenwahlen erzielten. Von acht Mandaten der dritten Klaffe, die neu zu besetzen waren, haben ße den verschiedenen liberalen Frakttonen sofort im ersten Anlauf sechs mit starken Mehrheiten «bgenommen. Das bedeutet, da nur ein Sozialist Lusgefchieden war, einen Gewinn von fünf Sitzen. Außerdem stehen fie noch in einer Slich- »ahl, in der fie wahrscheinlich auch siegen werden. Man muß aber nicht etwa denken, daß die gewählt» „Genoffen" Arbeiter seien — nicht
.. r. . m Noo. 1903. sHeute vormittag hielt der Rektor des deutschen KollegrumS in der Küche Santa Maria dell' Anima, wo die Leiche des Bischoss Anzer aufgebahrt rst, eine Totenmesse ab. Auf der Bahre, die im der Mitte der Kirche aufgestellt war, lag die Mira. Angehörige der gregorianischen Schule führten dre Kirchengesänge aus. Morge« vormittag wird in der Kirche Santa Maria in Campo Santo eine Trauerfeier veranstaltet miuin ah
ein einziger Arbeiter ist darunter. Es sind: ein Schriftsteller, ein Apotheker, ein Arzt, zwei Wirte und ein Zigarrenhändler. Der in der Stichwahl stehende ist Kaufmann. Das find die proletarischen Vertretet des „hungernden, geknechteten und entrechteten Proletariats"! Drei davon find Jllden. Es ist nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, daß die Sozialdemokratie diesen Erfolg erreicht hat in demselben Char» lottenburg, dessen städttsche Verwaltung und Vertretung eben nichts Dringenderes zu tun haben, als den „übermächtigen Einfluß der Kirche auf die Schule" und das „Ueberhandnehmen der
dem» e« sei ihm sicherlich nicht schwer gefallen, die zanze Vergangenheit dieses Herrn kennen zu lernen, inb nach dem Tode Dagoberts habe er den Plan qe- aßt, die Rolle derselben hier zu spielen."
„Und diese unsinnige Behauptung will er vor Ge- Ht wiederholen?" fragte seine Schwester: „er könnte ich damit nur lächerlich machen."
„Sage das nicht, Adelgunde; wenn der Notar Erllärung dem Gerichte abgibt, dann wird er wrher auch Material gesammelt haben, um fie zu »eweisen. Jedenfalls würde er uns viel Arbeit machen!; s ist nicht so leicht, tote Du glaubst, einen Gegenbeoeis zu liefern, der Angreifer hat immer einen Bor» prang."
.Durch käme er damit doch nicht", sagte derRitt- leister."
„Wahrscheinlich nicht, aber eS würde ein langer Zrozeß werden. Haben unsere Gegner ihn endgiltig erloren, so können fie auf die Familienbestimmunge« urückgreifen und von dem Erben den Beweis beringen, daß seine Ehre drüben fleckenlos geblieben ist."
„Gütiger Himmel, welche Aussichten für die Zn- mft eröffnest Du uns?" sagte die Baronm, in derm lugen der Zorn aufblitzte. „Ich glaube denn doch, aß Du allzu schwarz malst; find die zwei Jahre vev- richen, so wird mein Schwager schon im Hinblick uf die öffentliche Meinung nicht wagen, meine» -ohne das Erbe länger Vorzuhalt en.
„Er wird alles aufbieten, um dieses Erbe zu bellten", erwiderte Herrmann, an seiner Brille rücken», ich bin davon fist überzeugt, und die Ratgeber, die : hat, werden ihn in diesem Vorsatz bestärke«, weil c selbst nur dadurch gewinnen können. Ich gehe och weiter, ich lasse sogar die Möglichkeit gelten, daß an dem Erben den Flecken auf seiner Ehre beweisen ird. Unsere Gegner haben Zeit genug, und schlechte ubl"te gibt es überall, man kann Zeugen erfomfee, e einen Meineid schwören, und Wernbie<eaussagen, aron Dagobert habe drüben eine ehrlose, verbrecheri- )e Handlung begangen, wenn fie diese Aussage dnrch cheinbeweisc bekräftigen, dann —"
von einem vertrauten Freunde, den er mir morgei vorstellen will."
.Ich kenne ihn nicht näher," antwortete der SRttt meister, „aber wenn Du es wünschest, werde ich 6r kundigungcn über ihn einziehen."
„Ich wünsche das allerdings, denn es ist mit keineswegs gleichgiltig, mit wem mein Sohn verkehrt. Ich hege oie Befürchtung, daß mein Schwager immer noch gegen uns intrigiert; will er Dagobert verderben, so findet er leicht dazu ein Werkzeug, dar er dazu benutzen kann."
„Dagobert ist nun auch älter und verständiger geworden —"
„Aber in manche» Dingen ein Kind geblieben. Hans; de» Menschen, die et nicht kennt und die es verstehen, ihn für sich einzunehmen, kommt er mit dem größten Vertrauen entgegen."
„Er sollte meinen Rat befolgen und eine Reise antreten," sagte Hermann; „diese ffteten Reibereien mit dem Vormunde taugen nichts."
„Ich habe die Verbindung Dagoberts mit seiner Kusine vorgeschlagen," warf der R.ttmeister ein
[ „Und ich weiß nicht, ob ich diesen Vorschlag billigen soll," sagte die Baronin kopfschüttelnd; „mein Schwager würde dann immer noch eine gewisse Herrschaft hier ausüben."
„Die Reise ist jedenfalls das Beste," erwiderte Hermann.
„DaS Beste wäre es jedenfalls," bemertte der Rittmeister, „to.nn man auf gesetzlichem Wege die aibtrne Bestimmung des FamilienfiawtS umstoßen könnte."
„Wie die Dinge augenblicklich liegen, »st das unmöglich," antwortete der Advokat. „Könnte es geschehen, würde ich die Klage bereits ein geleitet haben. Notar Tellenbach geht noch weiter, er ließ mir gegenüber die Aeußerung fallen, man wisse nicht mit voller Sicherheit, ob der aus der Verschollenheit Heimgekehrte auch wirklich der Baron Dagobert v. Darboren fei. Ein Abenteurer könnte drüben seine Arhnlichkeit mit dem Bars» entdeckt und sich mit ihm befreundet haben,
Religion" in der letztem abzuwehren. Und mittlerweile rückt ihnen der Umsturz immer näher auf den Hals. Ist das ein Wunder? Aber der Umsturz ficht fie nicht an, wenn fie nur der Kirche Herr werden. Die ist dieser Gesellschaft das größte liebel. Inzwischen feuert der ,Vorwärts' die „Genossen" an, das Berliner „Stadtparlament" zu „säubern" — natürlich nicht von den Sozialdemokraten, die darin fitzen, fonbern von den freisinnigen „Parasiten", denen sie wohl auch einige weitere Mandate abnehmen werden.
Die Sorge des »Reichbote»^ Prinz Eitel Friedrich von Preußen werde bei feinem Besuche des von Hoensbroech'schen Schlosses Blyenbeck mit d en Jesuiten in Berührung i kommen, ist unnötig, denn die Jesuiten haben, wie der .Niederrh. Volksztg.' gemeldet wird, Blymbeck bereits vor kurzer Zeit verlassen und sind nach Exaeten in Holland | übergesiedelt.
* Pose«, 26. Nov. 1903. Der Gnesener ,£ed)' veröffentlicht ein Schreiben des Ober- präsidenten v. Waldow an den Erzbischof von Posen, in welchem der Oberpräsident den Erzbischof ersucht, er möge anordnen, daß für die deutschen Katholiken der in einer beigefügten Nachweisung des Oberpräsidenten angeführten Parochien wenigstens vierteljährlich einmal und außerdem an den hohen Festtagen je ein Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten werde. Gleichzeitig veröffentlicht der .Lech' die auf Grund dieses Schreibens seitens des Weihbischofs Likowski in Vertretung des Erzbischofs an die beteiligten Parochialgeistlichen erlassene Auffordemng, die Richtigkeit der angeführten Zahlen der polnischen und deutschen Bevölkerung festzustellen und sich darüber zu äußem, wieviel deutsche Predigten als erwünscht erachtet würden.
I gemeldet, daß nur in Warmbad Aufstand gewesen sei. — Eine Vorlage über die H e r a b s e tz u n g der Börsensteuer wird, wie die »Deutsche Tagcszta.' „aus se r guter Quelle" erfährt, dem Re chsiage in seiner nächsten Tagung sicher nicht unterbreiteiwerden. — Assessor Dr. Müller, der mit der kommissarischen Vertretung des zweiten Staatsanwalts im Kwilecki- Prozeß betraut war und durch seine Art, zu plädieren, so viel von sich zu reden machte, sollte dem .Berliner Tageblattt zufolge nach Elberfeld versetzt werden. Er hat aber diese schon vor dem Prozeß in Aussicht genommene Versetzung nicht angenommen und ist um seinen Abschied eingekommen. — Die Kosten des Kwileckl-Prozesses sollen sich insgesamt auf etwa IbOOOO, nach anderen HO000 Mark belaufen. Graf Hektor Kwilecki wird eine spezifizierte Zeugenrechnung einreichen; wie »r seinen Freunden erklärte, mache er nur deshalb Anspru» auf Gebühren, weil die Kosten der Staatskasse zur Last gelegt sind. Die meisten Zeugen und Zeuginnen sind übrigens bereits abgefunden. Die „Tagegelder'" schwanken zwischen 12 Mark, 15 Mark und mehr.
gebung; durch energisches Einschreiten der Gendarmerie und der Sicherheitswache wurde alsdann ein Zusammenstoß zwischen deutschen und italienischen Studenten verhindert. Eine geplante Demonstration vor dem italienischen Konsulat wurde durch die Sicherheftswache vereitelt.
* Konstantinopel, 25. Nov. 1903. Die russisch-österreichischeReformnote wurde heute von der Pforte beantwortet. Die Pforte erklärt, die neun Punkte des Reformprogramms im Prinzips anzunehmen, behält sich aber vor, über die einzelnen Punkte, insbesondere die Punkte 1 und 2 (Zivilagenten bet betben Mächte unb Gendarmerie) in eine Diskussion einzutreten.
* Sofia, 26. Nov. 1903. Die Sobranje bfgann gestern die allgemeine Besprechung bet Abronrebe. Der unabhängige Abgeordnete Michailowski suchte nachzuweisen, baß das Staatsoberhaupt, wenn es ein Ministerium verabschiede, bis zu den Neuwahlen ein Geschästs- Kabinet ernennen müsse, da eine lange Erfahrung bewiesen habe, baß der auf bieWähler aus- geübte Druck immer eine Regrerungs - Mehrheit ergebe. Der Zankowist Passareff bekämpfte Mtchmlowskis Ausführungen, insbesondere dessen Anspielungen über die Politik des frühere« Kabinets Danew. Daran anschließend setzte er, von Michailowski und der Majorität häufig unterbrochen, die Gründe des Sturzes des KabinetS auseinander.
* Port Arthur, 26. Nov. 1903. Betreffs der russischen Marinestreitkräfte in Ostasien besagt ein Telegramm aus Port Arthur: Das Torpedoboot „Stattny", das letzte der hier erbauten 12 Geschwadertorpedoboote, ist vom Stapel gelaff.n; die ersten sechs dieser Torpedoboote find bereits in Kriegsbereitschaft gesetzt.
* Mexiko, 26. Nov. 1903. Der greife Präsident Porfirio Diaz plant abermals femen Rücktritt, und sein Nachfolger soll bet jetzige Finanz- und Handel^ Minister Limatour werden. Diaz gedenkt nach Neujahr eine Reise
* Pest, 26. Nov. 1903. Zu großen Lärm- f jenen im ungarischen Abgeordnetenhaus führte am Donnerstag die Bekanntgabe des Antrags auf Verlängerung der Sitzungen, so daß sie vormittags von 10—3 Uhr, abends von 5—9 Uhr dauern sollen. Der Präsident suspendierte schließlich die Sitzung.
* Paris, 26. Nov. 1903. Etwa 9n Mitglieder des englischen Parlament begaben sich gestern mit ihren Damen na Paris in Erwiderung des Besuches, welch« im vorigen Sommer sranzösische Deputierte d englischen Hauptstadt abgestattet hatten. Als s in Calais landeten, richteten sie an den Prüf deuten Loubet eine Depesche, in welcher f ihrer Freude Ausdruck geben über das zwisch« beiden Ländern bestehende herzliche Einvernchmei das ein unwiderlegbarer Beweis aufrichtig« und bauernder gegenseitiger Freundschaft se Um 9 Uhr abends trafen die englischen Parlc mentarier in Pans ein. In der Umgebung de Bahnhofes hatte sich eine zahlreiche Menscher | menge angesammelt, welche die Parlamentarie durch Zurufe begrüßte.
* Rom, 26. Nov. 1903. Das Serbe der italienischen freien Universität z Innsbruck hat in Italien böses Blut gemach Die Studenten der Universitäten Padua un Rom haben allgemeine Versammlungen einbe rufen, um gegen die Verfügung der Jnnsbrvcke Behörde Verwahrung einzulegen. Vom ttalieni scheu Minister des Innern ist nach der ,N. Fr Presse' an die Präfekten und Polizeibehörden de Befehl ergangen, den befürchteten Kundgebungei der Studentenschaft gegen Oesterreich mit alle Entschiedenheit entgegenzutreten. Wie ein Wolff sches Telegramm aus Innsbruck meldet, ver anftalteten Dienstag Nacht aus Anlaß der Ab reise des Profeffors de Gubernatis eine größer Anzahl Deutscher vor dem Bahnhofe eine Kund
Berlin, den 26. November 1903.
* Wie die Zentralstelle für Vorbereitung vo« Handelsverträgen berichtet, steht die einzige deutsche Handelskammer im Auslande mit halbamtlichem Charakter, die «rüffelet, vor der Eventualität, ihre Tätigkeit wegen Mangels an Mitteln einstellen zu müssen. Sie hat noch einmal mit einer Eingabe an den Reichskanzler den Versuch gemacht, bas Reich zu einer, wie es heißt, überaus bescheidenen Bechilfe zu bestimmen; wird diese Bitte abgelehntz so müßte sich die Kammer zum 1. Januar k. Js. auflösen.
* Zwischen den Fr ei konservativen und -en Nationalliberalen herrscht infolge der Wahlen bittere Feindschaft. Besonders groß ist die Erbitterung auf sreikonservativer Seite, denn sie entspringt verschmähter Liebe. Jeden Augenblick ruft die .Post', hinter der wohl Freiherr v. Zedlitz steht, den Nationalliberalen zu, daß man sich schwer rächen werde. Schon vor den Wahlen wurde ihnen gedroht, die Freikonser- oattven würden sich enger an die Konservativen «rschließen und namentlich beim Schulgesetze die Rationalliberalen im Stiche lassen. Nach de» Wahlen hat Herr v. Zedlitz dies vae victia! wiederholt. Heute droht er mit weiterer Rache m der Kanalsrage. Durch die Wahltaktik der Nationalliberalen wurden die Aussichten auf eine Verständigung über diese Frage erheblich verschlechtert. Zu den ohnehin schon großen Schwierigkeiten, die eine befriedigende Erledigung ber Frage biete, trete jetzt erschwerend die starke Verstimmung gegen die Nationalliberalen, die bea Mittellandkanal zu einer Parteisache gemacht hätten. — Bis jetzt wurde uns immer feierlich versichert, die Rechte behandle die Kanalsrage rein sachlich und beurteile fie lediglich vom finanziellen und wirtschaftlichen Standpunkte aus. Nun auf einmal heißt es: Die National- Sberalen haben uns geärgert, deshalb werden wir chnen in der Kanalstage Schwierigkeiten machon.
$>as Majorat.
Rom an von Ewald August König.
48 ------ (Nachdruck verboten.)
„Was Sie damit sage» wolle», weiß ich nicyt". «Wtberte der Verwalter in höhnischem Tone. „ES M außerordentlich billig, anderen die Schuld auszu- bürde», wenn man durch eigenen Leichtfinn sein Un- ßlück verschuldet hat; man kann sich als Verführter ßinstellen und seine Freunde als Verführer bezeichnen, aber bitte, lassen Sie mich und auch meinen Sohn, ler Ihr Freund im besten Sinne des Wortes gewesen ist, a»S dem Spiele."
„Mit Ihren Lügen und Heucheleien werdm Sie »ich nicht überzeugen", sagte Dagobert, ihm einen verächtlichen Blick zuwerfend, „Sie täten besser, auf die Kündigungsfrist zu verzichten und Hau» Eichenhorst noch heute zu verlassen •
„Unb wer entschädigt mich dafür, wenn ich meine kontraktlich mir zugeficherten Rechte fahren lasse, um Ahne» einen Gefallen zu erzeigen?" brauste der alte Mann auf. „Sie natürlich nicht, deshalb sehe ich «ch nicht ein, warum ich Ihnen den Gefalle» erzeigen holl! Im Gegenteil, ich werde bleiben, wenn der fluäd'ge Herr die Kündigung zurücknimmt, was nur •in Akt der Gerechtigkeit wäre."
Dagobert gab keine Antwort, er wandte ihm den Rücken und ging mit rasche» Schritten in den Park hinein.
Am Eingänge des Herrenhauses begegnete ihm Jakob.
„Baron Kurt ist soeben fortgeritten", sagte er leise, „er war fuchswild, und ich glaube, daß fein Bestech dem Förster gelten wird."
Dagobert erschrak; er ahnte augenblicklich die Ur- sache dieses Zornes.
„War die Kammerzofe der Baronesse vorher bei Hm?" fragte er.
1 »** Berlin, 26 Nov. 1903. Der Geheime Medizinal
rat Dr. Moritz Schmidt, der den Kaiser operiert hat und behandelte, wurde zum WirklichenGeheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt. — Heute vormittag fand die Einweihung der hiesigen ameri- Ikanischen Kirche statt. Der Kronprinz war als Vertreter des Kaisers, Graf MÜlimen als Vertreter der Kaiserin und GiHeimrat Conrrd als Vertreter des Reichskanzlers zugegen. Von Präsident Roosevelt war dem Pastor Dickte ein Glückwunschschreiben zugegangen.
| — In Kapstadt ist eine Nachricht eingetroffen, nach welcherdieHottentottenhäuptlinge Witbooi, Beersibo und Bethani in Keelmanshoop die Ankunft des deutschen Gouverneurs Leut wein erwarten, um die ganze Angelegenhei zu regeln. Man erwartet, daß eine t efriedigende Regelung erfolgen werde. Es wird
„Sie hatte eine lange Unterredung mit ihm." „Dann weiß ick, was seine Wut geweckt hat Lassen Sie augenblicklich ein Pferd satteln."
„Um Gottes willen, Herr Baron, folgen Sie ihm nicht!" bat der Kammerdiener voll ernster Besorgnis. „Sie find aufgeregt, Sie hasse» ihn ohnedies, es gibt ein Unglück, wenn Sie in dieser Stimmung mit ihm zusammentreffen. Der Förster ist nicht der Mann, der sich alles bieten läßt, er wird sich schon zu verteidigen wissen, Sie mache» die Sache nur noch schlimmer."
Dagobert mußte zugeben, daß der alte Man» recht hatte; im Grunde genommen konnte ja auch sein Oheim dem Förster kaum einen Vorwmf machen; es war besser, wenn er fich nicht hineinmischte.
„Lossen Sie mir das Pferd satteln, ich werde zur Stadt reiten," sagte er nach kurzem Nachdenken; dann stieg er die Treppe hinauf, um fich umzukleiden.
Als er bald darauf in das Wohngemach seiner Mutter trat, empfing ihn dort Heller Jubel, denn Hermann Eteinfelder und Leontine kamen Hand in Hand ihm entgegen; ftohbewegt stattete er ihnen keinen Glückwunsch ab.
Leontine hatte freubig ihr Jawort gegeben, ohne lange Bebenkzeit fich ourzubitten; fie erwiderte die Liebe Hermanns, der Rittmeister war glücklich, und die Baronin nahm an dem Glück des Brautpaares innigen Anteil.
Dagobert mit seiner inneren Unruhe paßte nicht in diesen Kreis, er fühlte das bald, überdies mußte er auch das Versprechen einlöfen, das er dem Grasen Morray gegeben hatte.
Als ihm gemeldet wurde, daß fein Pferd bereit sei, brach er auf.
Baronm Adelgunde versuchte chn zum Bleiben zu bewegen, fie mußte ihn gehen lassen, als er fich daraus berief, daß Graf Morroy ihn erwarte.
„Wer ist dieser Graf Morray?" wandte die Baronin fich zu ihrem Freunde als, Dagobert fich entfernt hatte. Nh hörte diesen Namen sehon heute Mittag an der Tafel; Dagobert sprach von ihm wies!