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MaerW Zeitung

Monakbeila-e: „Zuldaer GeschichftblStter"

II

fttlda, Donnerstag, den 26. November 1903,

30. Jahrgang.

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Reklame«- Anzeigenteil.

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Lrscheftti »glich, «** Annahme der Sonn« unb Stiertage. Viertel« jährUve,«S'p"" ohne vringerlohn und vefteLgetdinSnldannd amt»Sr1»l«r.S0PsS.

Verantwortlicher Schriftleiter: 2- wetzler 3. woch-MNagi: „Illustrierte Sonntagsjeitung

Vie ein« fpaltige pefttzeile ober deren Bann 15 pfg. Beklamen die pefttzeile 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entfpr.- Babati gewühlt.

vruck und Verlag der Suldaer Bctienbrndcrci in Zulda (Harmonie).

Servfprecher Ur. 9.

wenn Sie ihm Nachweisen, daß er über die normale Zahl auS frivolen Gründen hinaurgegangen sei."

Die Bekämpfung des Militarismus „an der Wurzel", wie sie ja unsere Sozialdemokratie namentlich unter Bebels Führung will, ist nach demselben Redner ja sehr bequem; aber er glaubt, nichts tue dem Militarismus weniger wehe, als wenn man nur gegen seine Wurzel Krieg führe. Die Fraktion sei verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die Bewilligungen für den Milttarismus auf das niedrigst mögliche Maß eingeschränkt würde.

In Militärsachen können also unsere deutschen Sozialdemokraten von ihren österreichischen Brüdern noch etwas lernen, deren Standpunkt ja sich sehr dem des deutschen Zentrums nähert, welches, wie schon betont, jede Forderung auf ihre Berechtigung genau prüft,und dabei stets alles aufbietet, um die Militärlasten möglichst zu erleichtern durch wesentliche Schonung der schwächeren Steuerzahler. Ob nun die deutsche Sozialdemokratie ihre österreichische Schwesterpartei mit ähnlichen Liebenswürdigkeiten bedenken wird, wie sie das gegenüber dem deutschen Zentrum beliebt?

□ Eine Verbesserung der Jogeudnuterhal- tungen streben die „Ravensburger Eesell-chafts- und Beschäftigungsspiele" an, die sich als Spezialität der Verlagshandlung Otto Maier in Ravensburg in allen besseren Kreisen von Jahr zu Jahr immer mehr einbürgern und dies mit gutem Recht, denn diese Spiele Werden inbezug auf taktvolle Redaktion, auf ansprechenden, bildenden und unterhaltenden In­halt, Wie auf geschmackvolle Ausstattung allen An­forderungen gerecht, die man heutzutage an vernünftige Jagendspiele wohl stellen darf und soll. Im Gegen­satz zu den oft fabrikmäßig hergestellten, ort banalen, manchmal sogar pädagogisch bedenklichen Spielen, ist in den „Ravensburger Spielen" alles ausgeschlossen, was als unkindlich, kindisch bezeichnet werden könnte urd Was erzieherisch unerwünscht ist. Gleichviel, ob Wir es da mit Legespielen, mit den bilderreichen Reise- und Geographrespielen, mit Meggendorfer'schen hnmoristischm Spielen ober mit Beschäftigungsspielen für Knaben und Mädchen zu tun haben, durchweg ist die Tendenz, die Jugendspiele zu bilden, zu unter­halten, geistig und gemütlich anzuregen, deutlich er­kennbar und zu lobm. Wir empfehlen daher unfern Lesern, die für Weihnachten an wirklich guten Spielen Bedarf haben, bett reich illustrierten Spielkatalog vom Verlag Otto Maier in Ravensburg kostenlos kommen zu lasten.

Das Klosterlebe« im Mittelalter. Bon Dr. Jaeger.

Preis 1.50 Mark, gebunden 2 Mark. Würz­burg, Stahel'sche Berlagsanstalt.

Eine ausführliche, für jedermann intereffante Schilderung des klösterlichen Lebens im Mittelalter, vom historischen, insbesondere kulturhistorischen Stand­punkte aus behandelt. Das Leben der Mönch», die Ordensleitung und Klosterämter, Eintritt und Austritt, Besitzungen und Emkünfce re. sind eingehend beschrieben, wobei auch die Auswüchse in objektiver Weise gestreift werden. Die Darstellung ist jür jeden Gebildeten von Interesse, gleichviel, welchen Standpunkt er dem Kloster­wesen gegenüber einnimmt.

katholischer Frauenbund.

„Nur durch das Band der Liebe, in der Ver­einigung, kann Großes hervorgebracht werden. Aber auch die einzelnen Vereine können nur dann Ersprießliches und Bahnbrechendes voll­bringen, wenn sie vereint marschieren in Ver­bänden." Diese Worte, die Herr Weihbischof Knecht am letzten Sonntag bei der Einweihung des St. Annastiftes in Freiburg im Breisgau sprach, bezeichnen als Forderung, was dank einem wichtigen zeitgenössischen Vorgang bald zur Wirklichkeit zu werden verspricht.

Seit Jahren arbeiten die katholischen Damen auf allen Gebieten mit rührigster Ausdauer. Die Elisabethvereine erfreuen sich großer Beliebtheit, und zahllose Damen erweisen in ganz Deutschland den Armen, die sie allwöchentlich besuchen, unschätzbare Wohltaten an Leib und Seele. Die Mitglieder dieser Vereine lindern das Elend der Armut nicht mit kaltem Gelde, sondern in persönlichem Verkehr. Die Ladnerinnen und kaufmännischen Ge­hilfinnen haben in vielen Städten sich zu­sammengeschlossen. Der Marianische Mäd­chenschutzverein nimmt sich alleinstehender und gefährdeter Mädchen an; die Bahnhofs- Mission sorgt für diejenigen, welche großen Städten zuwandern, ohne der Gefahren bewußt zu fein; die dort auf sie lauern. Der Für- sorgeverein ist der jüngste Zweig am Baume der katholifchen Charitas und wendet seine Arbeit all denen zu, welche nach dem neuen FürsorgeerziehungSgesetz in Preußen außerhalb der eignen Familie erzogen werden sollen. Die am meisten ausgebildete Organisation haben die katholischen Lehrerinnen, die in dem großen, über ganz Deutschland sich erstreckenden Verein der katholischen deutschen Lehrerinnen sich zusammengeschlossen haben. Der Verein ist unter der Leitung von Fräulein Herber (Boppard) vortrefflich organisiert und wirkt ganz aus­gezeichnet.

Blüht so das Vereinsleben in ersreul-cher Weise in der katholischen Frauenwelt, so bleibt doch noch ein gutes Stück Arbeit zu tun. Alle Frauenoereine sind bis jetzt nur auf einem ein­zelnen Gebiete tätig, und doch wäre es so not­wendig, daß sie einander in die Hände arbeiten, wenn sie Großes erzielen wollen. Wie unerläßlich ist vielfach eine Verbindung zwischen Elisabethverein und Mädchenschutz, so unerläßlich, daß jahrelange Arbeit mit einem Schlage vernichtet sein kann, wenn ein Zusammen­hang zwischen diesen beiden charitatioeu Vereini­gungen nicht besteht. Auch in den einzelnen Vereinen muß vielfach noch ein weiterer Ausbau angestrebt werden. Manche stehen ja auf einer erfreulichen Höhe, aber Fortschritt ist wohl allen nötig, vor allem denjenigen, die noch nach alten Satzungen arbeiten, ohne auf die moderne gesell­schaftliche Entwickelung die notwendige Rücksicht zu nehmen. Endlich sind in unseren Tagen eine Menge von Fragen aufgeworfen worden, die das Frauengeschlecht tief bewegen. Vereinzelt wurden Stimmen laut, welche vom katholischen Stand- punkte aus zu diesen Fragen das Wort ergriffen; aber vorzugsweise wurden sie von solchen in An­griff genommen, die nicht aus katholischem, ja nicht einmal auf christlichem Standpunkte stehen. Verkehrte Anschauungen bringen daher auch, wie man bei dem letzten deutschen Frauentage in Köln sehen konnte, in unsere Reihen ein, und wenn nicht alsbald auch von katholischer Seite Stellung genommen wird zu gewiffen Dingen, so ist verhängnisvolle Verwirrung zu befürchten.

Längst war man daher in weiteren Kreisen der katholischen Frauenwelt der Ueberzeugung, ein Zusammenschluß aller katholischen Frauen fei unbedingt notwendig. Bei Gelegen- heit der Kacholikenversammlung tn Köln wurde diese Frage eingehend beraten. Der Charitastag in Frankfurt am Main gab Gelegenheit, diese Beratungen fortzusetzen und zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen. ES wurde ein Komitee gewählt, daS die vorbereitenden Schrille zur Gründung eines katholifchen Frauenbundes unter­nehmen sollte. Dasselbe bestand aus mehreren Damen der Städte Köln, Düffeldorf, Aachen und Dortmund und arbeitete unter dem Vorsitz der Frau Sanitälsrat Hopmann in Köln so eifrig, daß die Satzungen des neuen Bundes am letzten Montage dem gleichfalls in Frankfurt am Main gewählten Ausschuffe vorgelegt werden konnten. Die Versammlung, die im Charitas- haus zu Köln tagte, war von Damen Kölns und anderer Städte zahlreich besucht. Die vortreff lich vorbereiteten Satzungen wurden mit einigen Aenderungen einstimmig angenommen. Dann schritten die Damen zur Wahl des Vorstandes. Zur ersten Vorsitzenden wurde Frau Sani­tätsrat Hopmann gewählt, welche die vor­bereitenden Arbeiten mit großer Umsicht geleitet hat; zur zweiten Vorsitzenden Frau Bachem- Sieger; als Beisitzerinnen wurden gewählt: aus Köln Fräulein L. van Gülpen und Frau Justizrat Trimborn, aus Aachen Frau Loersch, aut Dortmund Frau Neuhaus, aus Düsseldorf Frau Lanz. Frau Baurat Schellen wurde zur Schatzmeisterin gewählt. In einer sich sofort anschließenden Vorstandssitzung wurde eine Ge­neralsekretärin angestellt, die am 1. Januar 1904 ihre Tätigkeit aufnehmen wird.

Der katholische Frauenbund hat den Zweck, die auf den verschiedenen Gebieten sich bewegende Vereinstätigkeit der katholischen deutschen Frauen zueinemplanmäßigenZusammenwirken zu verbinden; ferner die katholischen Frauen in die gegenwärtig das Frauengeschlecht bewegenden Fragen einzuführen und endlich ihnen zu ermög­lichen, an einer Lösung derselben im Sinne der christlichen Weltanschauung erfolgreich mitzuwirken. Der Zweck entspricht also vollständig den Forde­rungen, die wir oben ausgestellt haben, und die von allen als unabweisbar anerkannt werden.

Mitglied kann jede katholische Deutsche werden; auch können katholische Frauenvereine als solche dem Bunde beitreten. Jedes Einzel­mitglied zahlt einen Jahresbeitrag von mindestens 1 Mark, jeder Verein einen solchen von 10 M. Die Organe des Frauenbundes sind der Vor­stand, der Ausschuß und die Generalversammlung. Wer näheres über die Organisation des kathol. Frauenbundes zu erfahren wünscht, wende sich an Frau Sanitätsrat Hopmann, Köln am Rhein, Hohenzollernring 52.

Der erste entscheidende Schritt ist geschehen: Der katholische Frauenbund ist gegründet. Mögen alle katholischen Frauen Deutschlands die Wichtigkeit dieses Frauenbundes erkennen, demselben rhr lebhaftes Interesse entgegenbringen und vor allem als eifrige Mitglieder demselben angehören.

> (literarisches -

der Zug von Lebenskraft, die nicht lange grübelt, son­dern sofort handelt, auch in den schwierigsten Lage«, die aus den größten Gefahren einen Ausweg zu bahnr" weiß. Man denke an den Brand der Fram! De wackeren Schiff droht der Untergang; der Tod tritt aber auch in mancherlei andereiUGestalten an die Mit- § lieber der Expedition heran, bis sie nach vier langen iahren die Heimat wieder sehen, umjubelt von ihren Landsleuten und mit Ehre« überschüttet.

kH Soerdrups „Neues Land" ist ein Buch für alle Kreise des Volkes, die teilnehmen an den Abenteuren und Erfolgen schlichter Männer. Frisch, lebendig und 'humorvoll geschrieben und glänzend illustriert, ist es so spannend wie ein Roman und muß Jung und Alt fesseln. Auch durch seine äußere Erscheinung ist es ein prächtiges Weihnachtsgeschenk für jedermann.

* 450 Stickerei-Vorlagen in verkleinerten Ab­bildungen enthält das „Mnirerbnch der Aufp ätt- mnster", welches die Firma Franz Ebhardt u. Ko. (gegründet 1867) in Berlin W. 50, Schaperstraße 5, soeben in 12. Auflage ausgegeben hat. Die Original­muster sind nach einem besonderen Verfahren her- gestellt welches es ermöglicht, die Vorlagen direkt auf den Stoff durch Abplätten zu übertragen. Bei Be­nutzung der Aufplättmuster fällt daher das lästige Um­zeichnen der Vorlagen auf den Stoff fort. Das Muster­buch enthält für alle Arten der Stickerei Vorlagen, die als Aufplättmuster non der Firma zu beziehen sind. Das Musterbuch selbst wird auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Unserer liebe« Jugend auf den Weihnachtstisch. Bei der Verlagsanstalt Benziger u. Ko., A.-G. in Einsiedeln, sind soeben zwei vorzügliche Jugendschristen erschienen: Christkinds Ka­lender für die Kleinen pro 1904 (88 Seiten, Preis 28 Pfg.) und Ernst «ud Scherz fürs Kinderherz, Heft 5 und 6 (16 Seiten, Preis 20 Pfg.).

Zum rweitenmale wird der „Christkindskalender" der Jugend nun unter den Weihnachtsbaum gelegt. Ebenso die schmucken Geschenksheftchen „Ernst und Scherz", von denen im Laufe des Sommers bereits zwei neue Heftchen Nr. 3 und 4 erschienen sind. Beide Schristchen, der „Christkindskalender" wie „Ernst und Scherz" sind im selben Geiste geschrieben, wie ihre Vorgänger, d. h. in wirklich christlichem Geiste. In packenden, kleineren und größeren Erzählungen, die den jungen Geisteskräften der Kinder wie angemessen sind, in herziger Poesie werden den Kinderherzen bald ernst, bald scherzend die Tugenden des göttlichen Herzens zu Bethlehem und Nazareth und die Tugenden jeden braven Kindes in ihren Reizen vor Augen geführt: die freundliche, fröhliche Nächstenliebe, die starkmütige Ent­sagung, die christliche Liebe zur Heimat, die Bescheiden- hert, die gütige Freundlichkeit gegen jedermann. Würdigt man dazu noch den recht kindlichen Bilder­schmuck einer genauen Betrachtung, so wird man sicher sagen: Das ist schön, das tut den Kindern gut, das macht den Kindern echte Weihnachtsfreude.

Utilitarismus und Sozialdemokratie.

Auch die Stellung des Zentrums zu den Militärfragen im Reichstage mußte be- kanntlich bei den letzten Reichstagswahlen als Beweis dafür herhalten, wie das Zentrum durch seine „Bewilligungspolitik" mitarbeite an der „ärgsten Bedrückung der Arbeiter durch den Militarismus und Marinismus", wie es „dem Moloch Militarismus jedes Opfer an Gut und Blut" bringe. Daß dies lediglich für die Wahl- zwecke geprägte Schlagworte sind, dazu bestimmt, die sachliche Haltung der Zentrumspariei in Militärfragen zu verdächtigen, um demgegenüber die Sozialdemokratie als die einzig volksfrmnd- liche (Partei erscheinen zu lassen, ist für jeden klar, der die Haltung des Zentrums in Militär­fragen stets verfolgt hat und die Agitationsweife der Sozialdemokratie kennt.

Das Zentrum ist niemals für einen Milttar- und Marinesport gewesen. Es hat die mili­tärischen Rüstungen stets als eine bittere Not­wendigkeit, als ein »liebel" — allerdings als ein unvermeidliches — betrachtet und nur so viel bewilligt, als für die Sicherheit unseres Vaterlandes, zum Schutze unserer industriellen und Handelsbeziehungen sowie zur Aufrecht­erhaltung unserer deutschen Wohlfahrt und Kultur unbedingt notwendig war. Dabei hat das Zen­trum dte Auswüchse des Militarismus gerade wegen ihrer Kulturwidrigkeit auf das schärfste bekämpft und wird dies auch in Zukunft tun. Wenn die deutsche Sozialdemokratie int übrigen alle Herres- und Flottenverstärkungen bisher ohne westeres abgelehnt hat, so geschah dies nicht etwa deshalb, weil sie jedes Heer und Rüstung verwirft, sondern weil sie ein anderes System, das Milizsystem will, das bekanntlich nicht allein nicht billiger sein, sondern bei welchem unser Heer an Tüchtigkeit einbüßen würde.

Anders die sozialdemokratische Preffe in Oesterreich! Sie ist allerdings viel „revi- sionistischer" angehaucht, der praktischen Gegenwartsarbeit mehr geneigt, wie ihre Schwesterpartei in Deutschland, was auch aus den diesjährigen Verhandlungen ihres Partei­tages in Wien Mitte dieses Monats hervorgeht. Auch in militärischen Fragen stellt sie sich nicht einfach auf einen ablehnenden Standpunkt, sondern hat, wie ein Mitglied des Parteitages, Hueber, nach dem .Vorwärts' Nr. 265, dort hervorhebt, sogar ein erhöhtes Rekrutenkontingent für die zweijährige Dienstzeit bewilligen wollen. Und wie einer der Führer, Dr. Adler, offen be­kennt, hat dabei „die Fraktion nicht Volksrechte gegen Kanonen eintauschen wollen, sondern hat gesagt: Wenn du mehr Soldaten willst, dann sollst du solche Soldaten haben, wie sie nützlich sind für die ganze Kulturentwickelung". Die österreichische Sozialdemokratie ist also noch viel bewilligungsluftiger, als der deutsche sozialdemo- kratische Abg. Heine, der lediglich Kanonen gegen Volksrechte eintauschen wollte, deswegen aber schon ordentlich angepfiffen wurde. Bezeichnend für diese Stellung der österreichischen Sozial­demokratie ist folgende Aeußerung des Abgeord­neten Daszynski, eines Galiziers, der in der Partei zu den intelligentesten Köpfen zählt: fl „In der Debatte ist auch wieder bte Drahtpuppe des schlichten Arbeiters, der für unsere Taktik kein Verständnis haben soll, hervorgeholt worden, genau so, wie vor 10 Jahren mit der „schwiellgen Faust" operiert wurde. Das sollte man doch wirklich lassen. Der schlichte Arbeiter begreift, daß der Sprung von der dreijährigen Dienstzeit zur Nullzeit des Milizsystems bei den gegebenen Machtverhältniffen nicht zu machen ist. Aber er begrüßt es, Wenn sein Sohn statt 3 Jahren nut 2 Jahre in der Kaserne -u sein braucht, Wenn er Weniger dort geschunden Wird. Für Pro- grammtisteleien hat er freilich gar kein Verständnis (Sehr richtig!)."

Und wie wenig die deutsche sozialdemokratische Schlagwortpolitik gegenüber dem Militarismus angebracht ist, beweisen die Worte des Redakteurs der Wiener .Arbeiterzeitung', Austerlitz:

„Der Militarismus ist eine Fülle von Erscheinungen und Tatsachen von einem so beängstigenden Druck auf unsere Welt, daß er sich mit einigen allgemeinen Schlagworten nicht bckämpsen läßt, hat doch ein Ge- noffe, der sonst erschauert, wenn man ihm mit alten Zitaten kommt, als man ihm aus Engels nachwies, wie Engels darüber dachte, gesagt: DaS gilt nicht mehr. Sonst sind Sie ja der Ansicht, daß die Theorien, wie die Weine, beffer sind, je älter sie find. Sie werden keinem bürgerlichen Abgeordneten einen Wähler abnehmen, wenn Sie ihm nachweisen, daß er für die Bewilligung von Rekruten gestimmt hat, wohl aber,

* Eine gewaltige Eroberung hat Kapitän Sverdrup auf friedlichem Wege auSgeführt, indem er, wie er in seinem soeben in zwei prächtigen Bänden erschienenen Werke .Neues Land" (Leipzig, F. A. Blockhaus, geb. 20 Mk.) in interessanter Weise schil- dert, im Namen König Oskars von Schweden und Norwegen ein Gebiet von nahezu 300 000 Quadrat­kilometer in Besitz nahm, ein Gebiet, welches fast so groß ist als das ganze Königreich Preußen. Wenn ihm und seiner Handvoll kühner Gefährten auch nicht feind­liche Menschen entgegengetreten find, so, hat.e die Ex­pedition in den vier Jahren ihrer Tätigkeit mit viel grimmigeren Gegnern, mit den finsteren Mächten des Nordens zu tun, die ihnen mit Vernichtung drohten. Der Fleck, nach welchem Kapitän Sverdrup auf Nan­sens berühmtem Schiff, der Fram, ausgezogen war, ist in jenem Teil des Polargebieles gelegen, der die meisten Menschenopfer gefordert. Dort spielte sich einst die T-agödie des Unterganges der Expedition Franklins ab, dort fand das amerikanische Expeditionsschiff „Polaris" ein grauenhaftes Ende. Nun aber war diese Gegend, die von der Natur so hartnäckig gegen jedes Eindringen des Menschen verteidigt wurde, der Schauplatz von Erfolgen, die nach dem Zeugniffe der berühmtesten Forscher zu den bedeutendsten gehören, we.che die Pola forschung seit langem erzielt hat.

Durch Kapitän Sverdrup ist der Eharakter des Ländergebretes westlich von Grönland ein für allemal aufs genaueste bekannt geworden. Man muß das aufs reichste mit Abbildungen und Karten ausgestattete Werk zur Hand nehmen, um zu beurteilen, welche Tat­kraft und welcher Mut dazu gehören, volle vier Jahre im höchsten Norden, abgeschlossen von der Menschheit, tätig zu sein, nur der Wissenschaft wegen! Nur Männer wie Sverdrup waren derartigen Anforderungen gewachsen. Durch feine Erzählung geht ein erfrischen-