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fulda, Donnerstag, den 26. November 1903.

Xa 271.

30. Jahrgang.

(:) Wahlrechtsreform.

Seitdem die Liberalen im Kampfe gegen die „Reaktion" eine so schwere Niederlage erlitten haben, find die Nationalliberalen aus einmal große Wahlrechtsreformer geworden. Sie haben entdeckt, daß sie unter der Herrschaft des Drei­klaffensystems so bald nicht wieder die Mehr­heit erlangen können und finden deshalb, daß es nichts taugt und nur dazu beiträgt, die Sozialdemokratie im Reiche zu stärken. Die „Ersolge" der Liberalen vom 16. Mai scheinen sie bereits wieder vergeffen zu haben, sonst müßten fie doch wissen, daß es ihnen unter dem Reichswahlrecht ebenso schlecht ergangen ist wie unter dem Dreiklassensystem, ihr Mißgeschick also in dem Wahlrechte nicht wohl ihre Ursache haben kann.

Bis in die Mitte der 70 er Jahre hinein haben die Nationalliberalen mit der Fortschritts­partei die Mehrheit im Abgeordnetenhause ge­habt. Warum haben fie denn da keinen Versuch zur Reform des Landtagswahlrechts gemacht, während fie uns doch sonst so manche liberale Errungenschaften bescheerten, auf die fie noch heute stolz sind? Damals verdankte sie eben dem Dreiklaffensystem die Mehrheit und darum war es gut und durste an ihm nicht gerüttelt werde«. Jetzt, wo fie aus der Minderheit nicht mehr herauskommen können, fordern fie eine Aenderung des Wahlrechts, mit anderen Worten: Das Wahlrecht muß immer so einge­richtet werden, daß die Liberalen die Mehrheit habe». Nicht die Ungerechtigkeit und Wider­sinnigkeit des Wahlrechts macht ihnen Pein, sondern allein der Umstand, daß die Liberalen dabei nicht mehr Mandate gewinnen können, als ihnen nach der Zahl ihrer Anhänger im Lande zukommt.

Die Forderung einer zeitgemäßen Reform des Wahlrechts sei von den Nationalliberalen wieder­holt erhoben worden, versichert die ,Nat.-Lib. Äon.'. Wann mag denn das gewesen sein? Als nach der Miquel'schen Steuerreform das Wahlrecht revidiert wurde, waren es vor allem die Nationalliberalen, die sich einer durch­greifenden Reform widerfetzten. Sie haben z. B. den Zentrumsantrag, bei der Bildung der Ab­teilungen eine Steuer von mehr als 2000 Mark nicht anzunehmen, lebhaft bekämpft und sich sehr gefreut, als das Herrenhaus ihn zu Fall brachte. Sie sind heute Gegner Der Drittelung nach Ur­wahlbezirken, wiewohl diese doch den pluto- kratischen Charakter des Wahlrechts mildert. Sie haben sich jeder ernstlichen Reform des Ge­meindewahlrechts widersetzt, weil es ihnen eine Mehrheit in den Gemeinden sicherte, die ihnen nicht zukam, und weil sie nicht wollten, daß die Zentrumspartei in den Gemeindeverttetungen

Aas Majorat

Roman von Ewald August König.

47 ------ (Nachdruck verboten.)

„Hat'S der Förster nicht auch?" spottete der Ver­walter. „Ich kenne Eure Geschichte, und ich sah noch niemand, der darüber gelacht hätte —"

„Wer seid Ihr?" unterbrach Anton ihn rauh.

„Was kümmert's Euch —“

„Bah, ich hab's erraten, Ihr seid der Verwalter, S\ kenne Eure Geschichte auch I Man spricht nicht viel Utes von Euch. Eu-r Sohn in ter Stadt soll durch Euch reich geworden sein —"

„Wer hat Euch das gesagt?"

„Ei»e Frau, die ftüher bei der Herrschaft in Dienste» war. Nicht bei dieser Herrschaft, sondern bei der ftüheren, fie erzählt tolle Geschichten von Euch."

„Die Ihr natürlich alle glaubt!" sagte der Ver­walter höhnisch. „Der Abwesende hat immer Un­recht, und gegen das Geklatsch einer bösen Weibes kann niemand sich verteidigen! Wie habt Ihr den Hase» gefangen?"

„Ich fand ihn tot hier im Walde!"

„Ich kann'S mir denke», er hatte den Kopf in der Schlinge, wie?"

„Run ja, aber es war nicht meine Schlinge."

„Wirklich nicht? Wie schlau Ihr seid! Schoß vor­hin »>cht der Baron auf Euch?"

„Hol' ihn der Teufel", knurrte Anton, indem er de» Hut abrohm und das Loch in ihm betrachtete „Ein paar Zoll tiefer, dann war's mit wir aus. Welche Gemeinheit, auf einen wehrlosen Menschen zu schieße»!"

„Es wäre ihm nicht das mindeste geschehe», wenn er Tuch tot geschoflen Hätte!" erwiderte der Verwalter, den lauernden Blick aut Anton heftend. „Der Wild«

eine ihrer Stärke in der Bevölkerung auch nur entfernt entsprechende Zahl von Mitgliedern er­lange.

Wenn sttche Leute sich als Wahlrechts­reformer aufspielen, so weiß man, was man davon zu halten hat. Sobald es Ernst würde und sich zeigte, daß die Liberalen vielleicht doch nicht die Geschäfte bei der Reform machten, die sie erwartet hatten, so würden sie gegen die Reform sein. Wir sehen es ja jetzt in Bayern. Lange Jahre haben die Nalionalliberalen mit den übrigen Parteien nach der Reform gerufen. Nun soll fie in Angriff genommen werden, aber auf einmal machen die Nationalliberalen Schwierigkeiten, weil fie befürchten, das Zentrum könne Vorteil davon haben; soviel in ihren Kräften steht, werden sie wohl tun, um die Reform zu Fall zu bringen, natürlich immer unter der Versicherung, daß auch sie eine Reform für dringend notwendig hielten, diese aber zu mangelhaft und ungerecht sei. In Baden wird es wohl ähnlich gehen. Sie waren ja bei allen Vorschlägen, die dort bis jetzt gemacht wurden, immer bemüht, sich von vornherein einige Sondervorteile zu sichern. In Sachsen haben sie die Verschlechterung des Wahlrechts munter mit« gemacht. Heute, nachdem die Konservativen mittels des „reformierten" Wahlrechts eine un­erschütterliche Mehrheit erlangt haben, rufen sie allerdings nach einer Revision des Gesetzes von 1897, aber natürlich darf das nur eine Reform fein, die den Nalionalliberalen mehr Mandate sichert.

Trotz der eigensüchtigen Motive, von denen die Nationalliberalen sich leiten lassen, stimmen wir übrigens in ihren Ruf nach Wahlrechts­reform ein. Wenn die ,Nat.-Lib.-Korr.' mit einer ihr nach den Reformleistungen liberaler Mehrheiten so schön anstehenden sittlichen Em­pörung meint, angesichts der reaktionären Mehr­heit, die in dem bestehenden Wahlgesetze ihren kräftigsten Schild und Schirm erkennen, sei an eine zeitgemäße Reform weniger als je zu denken, so trifft das bezüglich des Zentrums jedenfalls nicht zu. Es wird sicher jede Gelegenheit zur Reform mit Freuden ergreifen und um so selbst­loser dabei mitwirken, als es ein Parteiinteresse nichr dabei hat. Das freilich darf man sich auch nicht verhehlen: die Uebertragung des Reichs­tagswahlrechts auf die preußischen Landtags­wahlen muß von vornherein als ausgeschloffen betrachtet werden. Sie wäre einfach nicht durch- zufetzen. Wenn selbst das Abgeordnetenhaus dafür märe, würden Herrenhaus und Regierung doch niemals zustimmen. Wer sich also darauf versteifen wollte, daß durchaus das Reichstags­wahlrecht oder ein ihm ziemlich nahe kommendes Wahlrecht eingeführt werden müffe, der würde einer Reform nur entgegenwirken, ja den Ver dacht gegen sich haben, daß er eine Reform über­haupt nicht ehrlich wolle. Es hilft nichts, da­gegen mit großen Worten und pathetischen Dekla­mationen anrennen zu wollen. Die Tatsache steht einmal fest und läßt sich nicht umstoßen.

Das mögen sich insbesondere auch die So­zialdemokraten merken, die sich jetzt geberben, als

hieb ist vogelfrei, dar müßtet Ihr wiffenl Ich hätte ihn niedergeschlagen, ehe er schießen konnte."

„Ihr wollt doch nicht gemeinsame Sache mit mir machen?" spöttele Anton.

„Eher mit Euch» als mit ihm!"

„Eher mit mir? Das ist sonderbar! Haßt Ihr den jungen Bawn?"

„Seinetwegen bin ich entlassen worden."

„So, so, dann möchtet Ihr nun auch Rache an ihm nehmen?"

„Wie kann ich das? Ich bin ein alter Mann. Habt Ihr keine Büchse?"

„Euer Förster hat fie mir gestohlen."

„Möchtet Ihr gerne eine neue haben?"

„Sobald ich Geld habe, werde ich sie mir kaufen."

„Und dann?" fragte der Verwalter lauernd. „Sinnt Ihr auf Rache? Kennt Ihr die schöne Försterstochter?"

„Ich hab' fie neulich gesehen", erwiderte Anton, der, auf seinen Knotenstock gestützt, den alten Mann voll ruhiger Erwar ung anblickte

„Die schöne Försterstochter soll Baronin werden — nächstens hat hier der Förster allein zu befehlen, dann Gnad- Gott den Wilddieben. Gelrstet'S Euch nicht, dem Baron einen Strich dmch die schöne Rechnung zu machen?"

„Wie kann das geschehen?" fragte Anton, der den Haß gegen den Förster wieder erwachen fühlte.

„Muß ich es Euch noch sagen? Eine Büchse will ich Euch schenken, und wenn'S gelingt, auch nocv Geld dazu. Fangt Jhr'S klug an, so kann kein Verdacht aus Euch fallen, denn außer mir weiß niemand, was vorhin hier geschehen ist."

In zischendem Tone hatte der Verwalter das ge­sagt, Anion mußte sich zu dem kleinen Manne nieder- neigen, um jedes Wort zu verstehen.

De< Wilddieb lachte heiser.

„Ich soll den jungen Baron niederschieben?" sagte er rauh. „Ihr mutet mir schöne Geschichten z«, ich schieße nicht aus Menschen.",^

hätten sie mit ihrer Beteiligung an den Landtags­wahlen das Dreiklaffensystem erschüttert und als müsse dies nächstens vor der Gewalt des Volks­willens zusammenstürzen. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Sie haben durch ihr terroristisches und flegelhaftes Betragen bei den Wahlen das Dreiklassensystem befestigt. Die Abneigung gegen Aenderung ist in den Kreisen, bei denen die Entscheidung liegt, ganz wesentlich gewachsen und es wird schwerer als je sein, eine Reform durch- zufttzen. Die Sozialdemokraten betätigen sich auch hier wieder als eine reaktionäre Partei schlimmster Sorte. Freiheit und Fortschritt führen sie im Munde, aber ihre Handlungen dienen direkt oder indirekt dem Gegenteil. So sehr sie indeß auch die Sage verschlechtert haben, der Ge­danke an eine Wahlrechtsrefo. m Darf trotzdem nicht ruhen. Man muß sie anstreben, obwohl die Sozialdemokraten gegen" sie arbeiten und Material gegen sie liefern; denn noch besteht die Mehrheit der Wählerschaft nicht aus Sozial­demokraten und man darf ihr ein Recht nicht deshalb vorenthalten, weil die Sozialdemokraten sich beffen unwürbig erweisen. Wir hoffen, baß in bet neuen Legislaturperiobe bie Reform ernst­lich in Angriff genommen werben wirb.

Berlin, den 25. November 1903.

% Heute ist nach längerer Pause wieder ein Bulletin über das Befinden des Kaisers aus- gegeben worben. Dadurch ist die Operations- wunbe an ber linken Stimmlippe seit dem 19. b. M. vernarbt. Der Kaiser bedarf noch einige Zeit der Stimmschonung, bis die Narbe hinreichende Festigkeit gewonnen hat. Er gebraucht jetzt eine Massagekur des Kehlkopfes, verbunden mit Stimm­übungen. Voraussichtlich wird innerhalb einiger Wochen bie Stimme wieder völlig gebrauchsfähig werden. Obwohl hiernach die vollkommene Wieder­herstellung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wirb, so ist es boch dem,Bert. Lok.-Anz.' zufolge nicht ausgeschloffen, daß der Kaiser seine Absicht, den Reichstag persönlich zu eröffnen, ausfüh­ren kann.

* Die Mitglieder ber von Prof. Dr. von Drygalski geleiteten deutschen Südpolar- Expedition finb wieder in ihr Vaterland zu- rückgekehrt. Der Kaiser richtete an Professor v. Drygalski folgendes Telegramm: „Sende Ihnen, den Mitgliedern der Südpolarexpedition, wie der Besatzung des „Gauß" bei der Rück­kehr in die Heimat meinen kaiserlichen Gruß und spreche Ihnen meine Freude aus, daß Sie durch Gottes Führung wieder alle wohlbehalten die Heimat erreicht haben. Wilhelm I. R.“ Be­grüßungstelegramme gingen ferner ein vom Reichskanzler Grafen Bülow, dem Staatssekretär Grafen Posadowsky und dem Minister Dr. Stadt. Die,Nordd. Allg. Ztg.' schildert nach Worten herzlichen Willkommens an die Teil

„Na, dann beklagt Euch auch nicht darüber, daß aus Euch geschossen worden ist, es wird wohl noch öfter geschehen. Indes, wie Ihr wollt, ich überrede Euch nicht, ich sage nur, wenn Ihr es tut, so kann ich's begreifen, und wüßtet Ihr deshalb flüchten, so will ich Euch unterstützen."

Anton stand (enge in Nachdenken versunken; den jungen Baron haßte er nicht so sehr, wie deflen Onkel, der ihn mit der Reitpeitsche geschlafen hatte, die Narbe auf seinem Gesicht orannte, so ost er daran dachte.

Er hatte schon lange darüber nackgedacht, wie er es ermöglichen könne, sich eine neue Büchse zu ver­schaffen, jetzt wurde fie ihm angeboten, er mußte fie unter jeder Bedingung annehmen.

Welches Versprechen er dafür auch dem Verwalter geben mochte, er brauchte eS dem Manne, der ihn zu einem Verbrechen verleiten wollte, nicht zu halten.

„Wann kann ich die Büchse habpn?" fragte er.

„Werdet Ihr auch nicht verraten, daß ich fie Euch gegeben habe?"

„Wenn Ihr eS nicht betratet, ich werde es ficher nicht tun! Aber die Munition muß dabei sein, sonst kann ich fie nicht sofort gebrauchen."

„Auch dafür will ick sorgen", sagte der Verwaller mit leiser Stimme. „Kennt Ihr die große Eiche?" . „Recht- von hier an dem Fußpfad, ber zur Stadt führt -?" ’

„Ja, wo die großen Steine liegen. Neben der Eiche steht ein hohler Baum, in diesem Baume sollt Ihr wotgen alles finden, was Ihr verlangt."

„Auch Geld?"

„Wenn die Tat «hingen ist, dann findet Ihr drei Tage später daS Geld tn demselben Baume, Ihr werdet zufrieden fein."

„Es ist gut", nickte Anton nach kurzem Nachdenken. „Aber vergeßt eins nicht, alter Herr! Wenn die Tat geschehen ist, dann sorgt, daß auf mich kein Verdacht fällt, und daß ich so rasch wie möglich fortkommen kann, kenn wie Ihr Euch auch wenden und drehen mögt, Ihr seid" mein Mitschuldiger!"

nehmrr den Verlauf ber Expeditson unb heb^ hervor, baß Georg v. Neumayer als ber geistige Vater deS Unternehmens zu betrachten sei unb baß bie Howalbtswerke in Kiel mit dem Bau bes Schiffes „Gauß" Ehre eingelegt taben. Das Blatt gebeult der IBerbienfte bes Leiters bes Unternehmens, Prof Dr. v. Drygalski, und bes Schiffsführers Kapitän Rufer von ber Ham- burg-Amerikalmie. — Heute vormittag fanb an Bord des bei Holtenau liegenben deutschen Süd- polarschiffes „Gauß" eine Begrüßungs­feier statt. Vom Reichsamt des Innern war Unterstaatsfekretär Hopf erschienen, der die Ex- pebitionsrnitglieder im Namen ber Regierung begrüßte. Professor v. Drygalski bankte für bas Vertrauen, bas man ber Expedition von vornherein entgegengebracht habe, unb schilderte in kurzen Zügen den Verlauf ber Expedition. Der Rektor bei Kieler Universität, Prof. Baum- gorten, begrüßte bie Mitglieder namens ber Universität. Die Stadt Kiel unb bie Bürger­schaft lud sie zu einer Feier ein, die heute abend stattfindet. Der Begrüßungsfeier wohnte auch Prinz Heinrich von Preußen bei, ber sich längere Zeitmit bem Führer ber Expedition unterhielt und die innerenRäume desSchiffesinAugenfchein nahm.

** Dem Bischof Auzer widmet bie ,Norbd. Allg. Ztg.' bas Organ ber Reichsregierung, folgenben Nachruf: „Mit Bischof Singer ist eine Persönlichkeit aus dem Leben geschieden, bie sich in opferwilliger Arbeit für bie christliche Mission tn Asien bauernbe Verdienste um die beutschen Inter effen in China erworben hat. Die patriotische Wirksamkeit des Verstorbenen, den lebhaftes Nationalgefühl beseelte, würbe vom Kaiser durch wiederholte Auszeichnung anerkannt. Seine langjährige Tätigkeit für bie Ausbreitung christlicher Kultur unter bem chinesischen Volke war von ben Sympaihien weiter Kreise begleitet Dem energischen Manne werben auch bie Deutschen anberer Konfessionen bie Anerkennung nicht ver­sagen, daß er als ein treuer Sohn seiner Kirche wie seines Vaterlandes mit unerschrockenem,Mute gestritten und gelitten hat und daß sein Name mit der Entwicklung der nationalen Bestrebungen im fernen Osten ehrenvoll verknüpft bleibt."

* Die Verhandlungen über den rusfisch- deutschen Handelsvertrag werben, wie dem Russischen Handels-Telegraphen-Bureau mi'ge- teilt wirb, voraussichtlich bereits Ende dieser Woche zum vorläufigen Abschluß gelangen. Ur­sprünglich waren ungefähr brei Wochen für bie Berliner Besprechungen in Aussicht genommen worben, es stellte sich jeboch heraus, baß durch bie täglichen langdauernden Verhandlungen i» den verschiedenen Kommissionen schon in kurzer Frist die hauptsächlich in Betracht kommende» technischen unb speziellen Fragen erlebigt werbe« konnten. Voraussichtlich kehren bie russischen Delegierten schon anfangs nächster Woche nach Petersburg zurück. Wie auch ursprünglich be­absichtigt würbe, sollen bann bie Verhandlungen in einiger Zeit in Petersburg fortgesetzt werben. Die ,Nat.-Ztg.' erfährt von unterrichteter Seite ebenfalls, baß ber Stanb der Verhandlungen als gut bezeichnet werden darf.

Der Verwalter blickte ihn einige Erkunden lau- starr an; diese Bemerkung mochte ihm wohl klar ge­macht haben, wie bedenklich eS war, fein Geschick i» dieses Mannes Hand zu legen, aber sein Haß gegat Dagobert überwog alle Becenken.

„Ich werde das nch. vergeffen", erwiderte er, „übrigens würde ich Euch einen Lügner nennen, wen» Ihr behaupten wolltet, die Büchse von mir erhalte» zu haben."

„Seid ohne Sorge; waS ich mir einbrocke, daS löffle ich auch selbst aus, ich bin kein Feigling, der t» der Gefahr alle Schuld auf andere zu wälzen sucht. Habt Ihr mir noch etwas zu sagen?"

„Nein — ich rechne darauf, daß Ihr ein guter Schütze seid."

„Das werde ich beweisen. Also morgen an .der Eiche. Haltet Wort."

„Aas ich verspreche, das halte ich auch."

Anton nickte befriedet und schlug jetzt den Wez zur Stadt ein, der Verwalter wandette weiter bem Herrenhaus zu.

Er bereute nicht, mit dem Wilddieb das Bündnis geschloffen zu haben; gelang die schwarze Tat, so w« der Maon, den er so glühend haßte, für immer be­seitigt, er selbst blieb dabei auf seinem einträgliche» Posten, und nicht der leiseste Verdacht konnte auf ihn fallen.

Der Wilddieb mußte dann mit einer Summe Geldes unterstützt werden, damit er auswandern konnte; im Laufe der Zeit wuchs GraS über die Ge­schichte, und Baron Kutt blieb M oratsherr auf Hau» Eichenhorst.

Aber selbst, wenn auch der Wilddieb verhaftet und ihm der Prozeß gemacht w e, er durfte nicht wagen, den Verwalter als sem..i :.itschnldigen zu be­zeichnen.

Tat er es dennoch, so konnte der alte Mann jede Begegnung mit ihm leugnen und dreist behaupten, daß der Verbrecher die Büchse gestohlen gaben müffe; e» war ja bei der Unterredung mit ihm kein Zeuge zu-