abhängigen Stellung zu sehen. Und dann habe ich noch eine Bitte, Herr Baron, schonen Sie den guten Ruf meiner Kindes."
Dagobert blieb stehen, ernst und voll ruhte sein Blick auf dem ehrlichen Antlitz des alten Mannes.^
„Was wollen Sie damit sagen?"
„Daß Sie zu oft in mein bescheidenes Haus kommen! Wir haben Feinde, Sie sowohl wie ich, und diese Leute sprechen schon in gehässiger Weise über Ihre häufigen Besuche. Und daß diese Besuche nicht mir, sondern meinem Röschen gellen, das habe ich auch bemerkt! Wie soll dasenden? Wie es auch kommen mag, es kann nur ein schlimmes Ende nehmen, wenn Sie diese Besuche nicht einstellen. Ich bitte Sie noch einmal, achten Sie de« Seelenfrieden der jungen Mädchens und nehmen Sie Rücksicht auf die treuen Dienste, die ich Ihrem Herrn Vater geleistet habe."
„Können Sie denn wirklich glauben, daß ich diese Rücksicht vergesien und mit Ihrer Tochter ein frevelhafter Spiel treiben werde?" fragte Dagobert vorwurfsvoll. „Ich liebe Röschen, und ich müßte mich sehr irren —"
„Halten Sie ein, Herr Boron!"
„Keineswegs, Sie sollen wiffm, was ich Ihnen zu sagen habe! Wenn Röschen meine Liebe erwidert, so wird fie vor Gott und den Menschen meine Gattin werden, das schwöre ich Ihnen!"
Einige Minuten lang herrschte tiefes Schweigen, immer dichter umhüllten die Rauchwolken da- Haupt des alten Mannes, der im Weiterschreiten mit starrem Blick in die Ferne hinausschoute.
„WaS können Sie dvgegen geltend mach«»?" nahm Dagobert endlich wieder das Wort. „Nichts, was ich als triftigen Grund anerkennen könnte! Röschen ist, dank der Fürsorge Ihrer Frau Schwester, vortrefflich erzogen, fie wird den Platz ouSsüllen, auf den ich fie pelle, und was fie vielleicht noch lernen muß, das wird fie bald in sich aufnehnen."
(Ivusetznng iclflt.)
Mcheint täglich, mit Mznahme der Sonn- gsKlgderteae. viertel. Mtzrl-verugrprei, Mae vringrrlshn und «tßeLgtldinzuldannd x»rwär!s l Mt. Süpsg-
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vruck und Verlag der SuldaerAettendruckerd in Sulda (Harmonie) Sernsprecher Ur. 9.
Jahrgang.
fulüs, Dienstag, den 24. November 1903.
M 269
Deutsches Reich
Ursprünglich waren ungefähr drei Wochen für die Berliner Besprechungen in Aussicht genommen worden, es stellte sich jedoch heraus, daß durch die täglichen langdauernden Verhandlungen m den verschiedenen Kommissionen schon in kurzer Frist die hauptsächlich in Betracht kommenden technischen und speziellen Fragen erledigt werden konnten. Voraussichtlich kehren die russischen Delegierten schon anfangs nächster Woche nach Petersburg zurück. Wie auch ursprünglich beabsichtigt wurde, sollen dann die Verhandlungen in einiger Zeit in Petersburg fortgesetzt werden. Die ,Nat.-Ztg.' erfährt von unterrichteter Seite ebenfalls, daß der Stand der Verhandlungen als gut bezeichnet werden darf.
* Die Beratung des Gesetzentwurfes belr. Kaufmannsgerichte, der in den Ausschüssen des Bundesrates liegen geblieben war, weck man sich nicht darüber einigen konnte, ob diese neuen Sondergerichte, wie der Entwurf vorschlug, den Gewerbegerichten oder den Amtsgerichten angegliedert werden sollen, ist, wie der ,stiert Lokal - Anzeiger' mittecken kann, in den Bundesratsausschüffen jetzt wieder ausgenommen worden. Sie soll so beschleunigt werden, daß auch diese Vorlage dem Reichstage alsbald zugehen kann. Da der Entwurf nicht zurückgezogen und umgearbeitet worden ist, so wird angenommen, daß er in seinen Grundzügen, namentlich auch bezüglich der Angliederung der Kaufmannsgerichte an die Gewerbegerichte, aus den Beratungen des Bundesrates unverändert hervorgehen wird.
§§ „Erbaulich" muß es bei der Abgeord neteüwahl in Bern»« zugegangen sein, wo als Wahllokal eine Kirche diente. Der protestantische Pfarrer Rottmeier vom Strafgefängnis in Plötzensee schreibt darüber dem ,Reichsboten': „Das Stoßen und Drängen, das Aufbehalten des Hutes, das Verzehren von Frühstück und Vesper, das Erklettern von Bänken, Tischen usw., die ungenierte Unterhaltung über gleichgiltige Dinge — das alles und ähnliches kann man sich bei solch' einer Gelegenheit allenfalls noch gefallen taffen, wenn es auch eigentlich nicht in eine Kirche hineingehört. Aber widerwärtig war das Benehmen von Mitgliedern einer Partei, welche Religion für Privatsache erklärt. Je später es wurde, je mehr jene Leute dem Alkohol zusprachen, um so ungenierter wurde ihr Auftreten, um so frivoler ihr Reden und Handeln. Hier prostete ein junger Mensch von der Kanzel herab mit der Schnapsflasche, und mit Gejohle wurde dieser „Witz" quittiert, dort wankte ein Betrunkener zum Altar und zündete unverdrosien die großen Kerzen an, wie oft sie auch von anderen wieder ausgelöscht wurden; dort am Altar hatte sich eine Schar ebenfalls junger Leute zu einem „Rauchverein" zusammengetan, es wurde tapfer dem Schnaps zu- gesprochen, die Unterhaltung läßt sich nicht wiedergeben. Jetzt hatten sechs Mann die Kanzel erklommen, und während einer von ihnen einen Prediger nachzuäffen suchte und die Hände wie zum Segen erhob, amüsierten sich die anderen darüber; einer hatte sogar eine brennende
wissen, daß der rheinische Hauptvorstand des Evangelischen Bundes durch ein energisches Schreiben und durch persönliche Einwirkung ver- ücht hat, diesen Verrat an der deutsch- zroteftantischen Sache abzuwehren. Leider vergeblich! Wir werden auf diesen schmachvollen Vorgang noch näher zurückkommen. So viel nur ’jeute: ein unbeschreiblicher Sturm der Entrüstung geht durch die evangelischen Kreise Rheinlands und namentlich durch die rheinischen evangelischen Pfarrhäuser, die so viel tapfere Vorkämpfer wider den Ultramontanismus in sich tragen.“
Nach der überaus feindseligen Haltung der Nationalliberalen gegen die Konservativen darf man sich doch, meint die ,Kreuzztg/. nicht wundern, daß diese keine besondere Neigung zeigte, jenen ihre Sitze im Abgeordnetenhause zu erhalten. Wenn die Nationalliberalen durch ihre maßgebenden Zeitungen verkünden ließen, daß Konservative und Zentrum der gemeinsame Feind seien, so war für beide Gruppen der Zusammenschluß zur gemeinsamen Bekämpfung der Liberalen auch da, wo diese neben einem Parteigenoffen einen Freikonseroativen aufgestellt hatten, der zunächst gewiesene Weg.
Weiter bemerkt das konservative Blatt: „Das Wichtigste, was wir aus der Kundgebung der „Deutsch-Evangelischen Korrespondenz entnehmen, ist uns das Zugeständnis, daß der Evangelische Bund von Amtswegen in die Wahlbewegung einzugreifen gesucht hat. Bekanntlich hat er durch sein Organ stets betonen lassen, daß er sich nicht um die Politik kümmere, und noch in der Generalsynode hat sein Schriftführer offenbar im besten Glauben eine derartige Behauptung mit großer Feierlichkeit wiederholt. Diesem geht es aber jetzt ähnlich wie mit. seiner bei der gleichen Gelegenheit kundgegebenen Preisgabe der ,Deutsch-Evangelischen Korrespondenz'. Wie die Erklärung des Bundesvorstandes gegen die ,Kreuzztg/ zeigte, daß der Vorstand dieser Preisgabe nicht beitrete, so wird die — übrigens vom Bundesvorstände in jener Erklärung wiederholte — Behauptung des Schriftführers, daß der Bund keine Politik treibe, jetzt durch die Tatsache in unfechtbarer Weife widerlegt."
Die ,Köln. Ztg.' ist entrüstet, daß Hecken- roth „immer noch Pfarrer" ist. Wir meinen auch, nicht nur alle Geistlichen, sondern auch alle Staatsbeamten, die es wagen, bei der Wahl für eine andere Partei als die Nationalliberalen zu stimmen, sollte auf der Stelle abgesetzt werden. Dann würde der Nationalliberalismus vermutlich den Aufschwung nehmen, der ihm bis jetzt immer noch nicht hat gelingen wollen. Uebrigens haben die Konservativen sich durchaus nicht allgemein als so zentrumsfreundlich und antiliberal bewiesen, wie es nach den obigen Bemerkungen der .Kreuzztg.' scheinen könnte. Sie sind nur da mit dem Zentrum gegangen, wo sie den Hauptvorteil davon hatten, und haben sich anderswo mit den Nationalliberalen ,gegen das Zentrum verbündet.
§ Die Konservativen und der Evangelische Bund.
In den Kreisen des EvangelischenBundes wird vielfach die Meinung verbreitet, daß die ,Kreuz-Zeitung' das einzige konservativ gerichtete Blatt sei, das dem Bunde nicht sonderlich freundlich gegenüber stehe. Das Blatt verweist demgegenüber auf eine Auslastung im „Volk", dem Organ der christlich-sozialen Partei. Hier wird zunächst gegen die vom Bunde finanziell unterstützte „Deutsch-Evangelische Korrespondenz" scharf Stellung genommen mit der Begründung, daß sie sich als national- liberales Kampfblatt gegen die Konserva- riven und Christlich - Sozialen charakterisiere. Man solle, so heißt es dann weiter, die Gegnerschaft mancher evangelischer Kreise gegen die derzeitige Leitung des Bundes nicht noch erhöhen, sonst könne sich einmal in allen evangelischen Kreisen, die nicht auf die nationalliberale Partei eingeschworen sind, der Ruf „Los vom evangelischen Bunde" erheben. Es sei unerhört, wie ein süddeutscher nationalliberaler Profestor (Dr. Hieber) den Bund für seine Parteizwecke aus- nütze. Man werbe Mitglieder und Beiträge zur Wahrung der deustch-eoangelischen Jntereffen, sende das Geld nach Berlin und unterstütze eine krypto national liberale Sorte- spondenz, die eine immer schärfere Kampfes- stell«ng gegen die positiven Kreise der evangelischen Kirche einnehme. „Wie lange noch" — so lauten die Schlußworte des Artikels — „werden die Zersplitterer der evangelischen Kirche die Geduld der evangelischen Christenheit mißbrauchen!"
Die ,Kreuzztg.' erklärt die Klagen des .Volk' für berechtigt. Jetzt sucht jene Korrespondenz wieder in den Vereinbarungen, die in einzelnen Wahlkreisen zwischen Konservativen und dem Zentrum zustande gekommen sind, eine Preisgabe des evangelischen Bewußtseins bei den Konservativen zu erblicken. Sie ist allem Anscheine nach mit den Vorgängen in Breslau, die zu einer Niederlage der verbündeten Nationalliberalen und Freisinnigen geführt haben, recht unzufrieden, und meint, die,Kreuzztg.' müsse am schlesischen Konservatismus ihre Freude haben. „Gewiß haben wir, antwortet diese, unsere Freude an dem durch die Sachlage gebotenen gemeinsamen Vorgehen der Konservativen und Freikonservativen mit dem Zentrum, und wir hätten gewünscht, daß mit diesem Vorgehen in Danzig die gleichen Erfolge wie in Breslau erzielt worden wären."
Ganz besonders empört ist die,Deutsch-Evan- gelische Korrespondenz' über das Verhalten der Konservativen im Wahlkreise Altenkirchen- Neuwied, wo infolge der Vereinbarung mit dem Zentrum der Wahlsieg des evangelischen Pfarrers Heckenrvth und der dem Zentrum angehörige Amtsgerichtsrat Knie über den frei- konservativen und den nationalliberalen Gegenkandidaten ermöglicht wurde. Zu den Verhandlungen, die Pfarrer Heckenroth vor der Wahl mit dem Zentrum geführt hat, bemerkt sie: „Wir
Berlin, den 23. November 1903.
* Zum Befinde« des Kaisers meldet der Berliner Korrespondent des .Daily Telegraph', der Kaiser werde wahrscheinlich keinen festen Aufenthalt an Land im Süden nehmen, sondern mit der „Hohenzollern" im Mittelmeer kreuzen. Hiermit würde sich eine Mitteilung aus Kiel decken, wonach an Bord der Kaiseiyacht „Hohen- zollern" die Reichswerft manches in Umbauten ausführen läßt. Es heißt, daß die Arbeiten beschleunigt werden sollen, da eine Fahrt nach dem Mittelmeer geplant sei.
§ Der frühere Unterstaalssekretär tm preußr- schen Ministerium des Innern und jetziger Um- versitätskurator v. Rottenb«rg in Bonn, den wir wegen seines mannhaften Eintretens für die Sozialreform schätzen, hat beim Rektoratsessen, an dem auch mehrere Prinzen teilnahmen, eine Rede gehalten, wo er sich gegen die konfessionelle und für die simultane Volkschule aussprach. Was ein Universitätskurator mit der Volksschule zu tun hat, so daß er über diese bei einem Universitätsfest eine Rede halten mußte, ist uns nicht recht klar. Noch weniger sind seine Ausführungen für uns annehmbar. " Er bestritt, daß die Religion dem Prozeß der moralischen Degeneration Einhalt tun könnte, und deshalb die Schule konfessionell eingerichtet werden müsse, und behauptete unter Berufung auf die „Wissenschaft", daß das stärkste erzieherische Moment der Religion in deren Moral liege und diese sei für Katholiken und Protestanten gleich. Aber ohne Religion ist die Moral doch nicht zu begründen. Religion ist nur in konfessioneller Form denkbar, sonst wird ein verschwommener Mischmasch daraus, mit dem aus das Kind nicht erzieherisch zu wirken ist und auf dem sich keine Moral wirksam aufbauen läßt. Herr v. Rottenburg meint, die konfessionelle Erziehung erzeuge Vorurteile; nur in der Simultanschule laste sich Gehorsam gegen das Gebot der Nächstenliebe erziehen. Wenn im Religionsunterricht keine konfessionelle Hetze getrieben wird, erweckt er auch keine der Nächstenliebe widersprechenden Vorurteile. Was die Simultanschulen nach dem Ideale des Herrn v. Rottenburg dem Kinde anerziehen würden, wäre lediglich der religiöse Jndifferentismus, der auch auf die Moral nachteilig wirken muß, und den wollen wir allerdings nicht. Wir wollen, daß die ganze Erziehung des Kindes von christlichem Gerste durchdrungen ist; das ist nur möglich in der konfessionellen Schul». Glücklicherweise dürfen wir annehmen, daß die Ansichten des Herrn von Rottenburg nicht die der Regierung sind.
** Die Verhandlungen über den r«ssisch-de«tschen Handelsvertrag werden, wie dem Russischen Handels-Telegraphen-Bureau mitgeteilt wird, voraussichtlich bereits Ende dieser Woche zum vorläufigen Abschluß gelangen.
Das Majorat.
Roman von Ewald August König.
45 ------ (Nachdruck verboten.)
„Herr Baron, ich bitte Sie, reden Sie nicht weiter," fiel fie ihm in die Rede, und die großen, braunen Augen ruhten mit einem starren, vorwurfsvollen Blick auf ihm. „Ich kenne die Kluft, die zwischen uns liegt, es führt keine Brücke über fie hinüber. Lassen Sie uns gute Freunde bleiben, wie wirs in unserer Kindheit waren, dann wird Ihr Besuch mir stets willkommen sein."
Ehe Dagobert die leidenschaftliche Antwort geben konnte, die ihm schon auf der Zunge schwebte, trat der Förster ein; er blieb einen Moment auf der Schwelle stehen, es schien ihm nicht angenehm zu fein, daß er den jungen Herrn so nahe bei Röschen fitzen sah.
„Sieh da, der gnädige Herr!" sagte er rasch gefaßt, indem er die Mütze abnahm und mit dem Aermel die naffe Stirn strich. „Sie kommen gerade recht, wenn Sie einen Sechzehnender schießen wollen."
„Dazu hab« ich nicht die geringste Neigung," scherzte Dagobert, ihm die Hand bietend.
„Sagten Sie mir nicht früher, Sie seien drüben ein passionierter Jäger gewesen?"
„Ich mußte es wohl sein, da von den Resultaten meiner Jagdzüge meine Existenz abhing."
„Und das ist Ihr Wald, Herr Baron, er wird ruiniert, wenn das Wild noch weiter überhand nimmt."
„Weshalb wenden Sie sich nicht an meinen Onkel? Fordern Sie von ihm, daß er ein großes Treibjagen veranstalte —"
„3«b habe das wiederholt getan, es ist stets abgelehnt worden- Baron Kurt ist eben kein Jäger, er weiß auch den Schaden nicht zu schätzen, den das Wild anrichtet, von einem Treibjagen will er nichts
wissen, da er die Bewirtung der Jäger und den Lärm zu vermeiden wünscht. Er hat vor einigen Tagen von einer starken Lichtung des Waldes gesprochen," fuhr der Förster fort, und seine Stimme klang jetzt rauh und zornig, „die alten Bäume sollen geschlagen und das Holz verkauft werden."
„Das dulde ich nimmermehr!" fuhr Dagobert auf, der voll Entrüstung von seinem Sitz fich erhoben hatte. „Mag er in seinem eigenen Walde nach Belieben wirtschaften, wenn er je in die Lage kommt, einen zu besitzen, mein Eigentum soll er nicht ruinieren."
Der Förster hatte seine Pfeife aus der Tasche geholt, er füllte fie aus dem Tabaksbeutel und zündete sie an, bann nahm er die Büchse des Barons, um fie mit Kenneraugen zu betrachten.
„Wenn Sie eine Berechtigung haben, ihm das zu verbieten, so benutzen Sie dieselbe", sagte er, „dieser Wald ist der Stolz Ihres Herrn Vaters gewesen. Oh, wie lustig damals die Büchsen hier knallten! Da gab's immer Wildpret in der Küche des Herrenhauses, jetzt stirbt das Viehzeug an Altersschwäche."
„ES wird anders werden, Martin!"
„Ja, aber wann? Die Jagd auf Ihrem Eigentum kann Ihr Vormund Ihnen nicht verbieten, Pulver und Blei kosten wenig, die Sehnen und Nerven werden dadurch gestählt. Wir haben alles, was ein Jäger nur wünschen kann, Hochwild und Schwarzwild, es ist eine wahre Lust, hier zu jagen. Wenn Sie mich jetzt einmal begleiten wollen, so werde ich Ihnen die Wahrheit meiner Behauptung beweisen."
Ein verständnisvoller, bittender Blick traf bei den letzten Worten den Baron, der sofort seine Büchse über die Schuller ding und von Röschen Abschied nahm.
Der Blick, mit dem er es tat, mußte ihr verraten, was sein Herz bewegte, fie schlug erglühend die Augen nieder und sah nicht, wie scharf ihr Vater fie beobachtete, der, mächtige Rauchwolken vor fich hin- blasend, dem Baron folgte.
„Sie haben mir etwa- zu sagen," nahm Dagobert das Wort, alslfie das HauS verlaffen hatten. & l
„Ja, Herr Baron," nickte der Förster. „Bor allen Singen, möchte ich Sie warnen."
„Vor wem?"
„Ja, wenn ich das nur wüßte! Außer dem alten Jakob und unserem Kutscher find Ihnen alle nicht grün, seien Sie auf Ihrer Hut! Die Kammerkatze unserer Baronesse begegnete mir vorhin in der Nähe meines Hauses, Sie werden wohl erraten, weshalb fie dort war."
„Um mich zu belauschen?" fragte Dagobert, dem das Blut heiß in die Stirne stieg.
„Einen anderen Zweck kann fie nicht gehabt haben!"
„Sie muß entlaffen werden!"
„Fordern Sie das einmal und warten Sie ab, welche Antwort Sie erhalten," spottete der alte Mann. „Der Justitiarus und der Herr Baron Kurt find ihre guten Freunde, da wird von Entlassung keine Rede sein. Der Verwalter verkehrt jetzt auch häufiger mit seinem Sohne, es ist ipieder etwas im Werke gegen Sie, aber was, das kann ich noch nicht entdecken. Wenn ich eine Fichrte gefunden zu haben glaube, verläuft Sie wieder im Sande, halten Sie nur die Augen offen."
„Der Verwalter wird HauS Eichenhorst sehr bald verlaffen müssen," sagte Dagobert gelaffen, „ich wüßte nicht, was er mir noch anhaben könnte. Seinen Sohn habe ich allerdings mit der Verachtung zurückgewiesen, die ihm gebührt^ aber da ich mit ihm nicht in Berührung komme, so brauche ich auch nichts von ihm zu fürchten. Und wegen der Zofe werde ich mit meiner Kusine reden, ich dulde keine Spionin in meinem Hause, auch bann nicht, wenn sie im Solde und unter dem Schutz meines Onkels stehen sollte."
„Sie kämpfen da vergeblich, Herr Baron," sagte der Förster warnend, „eS hilft Ihnen nichts, Sie müssen sich ducken, b s die Zeit abgelaufen ist, dann erst dürfen Sie Ihren eigenen Willen geltend machen. Das ist mein Rat, einen besseren Rat kann ich Ihnen als treuer Diener nicht geben, so sehr eS mich auch betrübt, Me, den rechtxiäßigen Herrn, in (dieser