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MaerW Zeitung

monatsbeilage: „Zul-aek SeschlchKbMei".

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Äfcheint 1811t*, Mit ZsuäahW« btt Stint’ je* getertage. viertel. Mrl.verugrprei, ,tz«e vrlngerlohn und Neßelgeld in Zulda und mmoSrtr IM. 50 psg.

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M 268,

Deutsches Reich.

Berlin, den 21. November 1903.

* Die Aerzte des Kaisers sind mit dem Fortschreiten des Heilungsprozeffes nach wie vor zufrieden. Es wird auch als wahrscheinlich angenommen, daß der Kaiser noch im Dezember einige kleinere Reisen, so nach Hannover, wird unternehmen können. Es besteht ferner, wie schon erwähnt, die Möglichkeit, daß nach Weihnachten eine Erholungsreise stattfindet, wie sie auch sonst nach Erkrankung von Atmungsorganen üblich sind. Daß infolge der Behinderung des Kaisers am Sprechen die Eröffnung des Reichs­tags verschoben worden sei, ist nach den ,Berl. Pol. Nachr/ nicht anzunehmen. Denn die Ver­lesung der Thronrede ist in den letzten Jahren wiederholt durch den Reichskanzler erfolgt. Ins Reich der unhaltbaren Vermutungen verweist dasselbe Blatt auch die Behauptung, daß oer Beginn der Reichstagsarbeiten verschoben worden sei in der Erwartung, man werde dann alsbald den Entwurf eines russisch-deutschen Handelsver­trages vorlegen können. Es nahmen zwar die täglich stattfindenden Sitzungen einen befriedigen­den Verlauf. Es liegt aber auf der Hand, daß Anfang Dezember — später wird der Reichstag nicht zusammentreten — nichts Fertiges vorliegen kann.

In einer Verbrecherkolonie.

Eine Forschungsreise durch Sachalin, die durch wilde Tiere, wie durch die aus den russischen Verbrecherkolonien entsprungenen Sträf­linge gleichermaßen gefährlich wurde, hat der Engländer Charles H. Hawes ausgeführt. Seine früher wiedergegebenen Mitteilungen über die Verbrecherkolonien haben Aufsehen erregt; über auch seine Mitteilungen über die einge­borenen Stämme auf Sachalin sind sehr in- tereffant. „Die Berichte von den eingeborenen Stämmen Sachalins und die Tatsache, daß es die schlimmste russische Streifkolonie ist", erzählt er, „hatten mich gerotzt, eine Forschungsreise dorthin zu unternehmen. Von Chabarowsk brachte mich ein Dampfer, der zwei Barkassen voll Gefangener schleppte, auf dem großen Amur- fiuffe nach Nikolajewsk, einem Ort auf dem Kontinent, der unmittelbar gegenüber der Insel liegt. In Nikolajewsk sagte man mir, daß, wenn ich die Insel auch erreichte, ich doch wahrschein­lich von entsprungenen Sträflingen erschossen oder von Eingeborenen erschlagen werden würde. Nachdem ich mit einem Postdampfer nach Alexandrowsk übergesetzt worden war, der Haupt­strafkolonie der Insel, konnte ich nach lieber« Windung mancher Schwierigkeiten meine Reise

5>as Majorat.

Roman von Ewald August König.

48 ------ (Nachdruck verboten.)

„Nein, HanS, nicht das Geringste. Sie ist einfach, natürlich und bescheiden, sie hat ein gutes Herz und ein tiefes Gemüt, und ich glaube, daß sie Haus Eichen­horst noch in dieser Stunde verlassen würde, um uns das Feld zu räumen, wenn dies von ihrem Willen allein abhinge."

„Nun, so übertrage den Haß gegen ihren Vater nicht auf sie, Adelgunde," sagte der Rittmeister, „Du schaffst dadurch nur Dir selbst Unannehmlichkeiten, und es ist ein ungerechter Haß."

„Ich Haffe sie auch nicht!"

„Aber Du bist kalt und zurückhaltend gegen sie, und fie hat doch nichts getan, was Dich dazu be­rechtigte. Biete ihr Freundschaft an, und fie wird Dich verehren und lieben. Die Einsamkeit, die Du Dir hier geschaffen hast, taugt nicht für Dich, Adelgunde, Du darfst nicht grübeln über vergangene Dinge, die ja doch nicht geändert werden können, mußt mit flohen Menschen verkehren, um selbst wieder floh gelaunt zu werden!"

„Das ist vorbei," sagte die Baronin, leicht daS Haupt wiegend, „die ungetrübte Heiterkeit des Gemüts habe ich seit meinem Hochzeitstage nicht mehr gekannt. Was war mein Leben seit jenem Tage? Eine lange Rette von Entsagungen; ich bin nun zu alt geworden, um die sorglose Heiterkeit der Jugend wiederfinden zu können."

„Wenn Du hier wieder Herrin bist —"

„Werde ich es jemals werden? Mir bangt vor den Jntriguen, die wieder gesponnen werden."

„Dagobert wird sich vor ihnen zu hüten wissen!"

„Dagobert ist trotz seiner Erfahrungen eine offene, vertrauende Natur, em Rind kann ihn leiten."

flllda, Montag, den 23. November 1903.

fortsetzen. 50 Meilen weit ging es in einem rohen Gefährt, teils auf von Sträflingen ge­machten Wegen, teils auf Waldwegen, dis ein dichter Wald weiteres Fortkommen unmöglich machte. Ich hatte ein Zelt, Leinwand, Schubas (rohe Felle oder Schafsfellröcke), Nahrungsmittel wie Reis, Schwarzbrot usw. bei mir; ferner zum Tauschhandel Knöpfe, Blättertabak, Ziegel­tee, Schießpulver, Zeuge, Nadeln, was den Trans­port wesentlich erschwerte. Man mußte den Spuren von Bären und anderen Raubtieren folgen, um vorzudringen. Die Hauptflüffe von Sachalin, der Tima und der Poronai, mit einem Lauf von einigen 300 Meilen stellen die Verkehrsstraßen der Eingeborenen vor, die im Sommer in Kanoes, im Winter mit Hunde­schlitten befahren werden. Im Tirnagebiet traf ich die ersten eingeborenen Gilaks, deren rnongo- lifche Züge ein wenig durch Tungusenblut ver- ändert sind. Sie tragen ihr schwarzes Haar in Zöpfen und ihre mandschurischen Tuniken paffen wenig zu den Mokassins aus Seehundsfellen: sie erinnern etwas an nordamerikanische Indianers; ihre Begriffe von Geographie waren so be­schränkt, daß einer von ihnen mir einmal anbot, mich in seinem Kanu an das „Ende der Welt" zu bringen. Uebrigens war ich, da ich ganz auf die Kanoes der Eingeborenen angewiesen war, zu ungünstiger Zeit gekommen; denn alle Männer waren mit Fischfang sfür den Wintervorrat be- schäfttgt. Ich fragte zwei schwärzliche Gckaks, ob sie mich zum nächsten Dorf bringen wollten, 20 Meilen weiter. Nein! nicht für tausend Rubel wollten sie uns befördern. Aber nach einigem Feilschen einigten sie sich auf „zwei Rubel die Nase", wie sie sich ausdrücken. Für die „wohlhabenden" Leute,die eineHütte, ein Kanu >,nd etwas getrocknete Fische besaßen, war dieser Preisunterschied eine Kleinigkeit! DieBootsleute hielten ihre Versprechen, und am Abend hatten wir zwanzig Meilen zu­rückgelegt und befanden uns im einfamsten Dorf von allen Strafkolonien, deffen Bewohner einen unheimlichen Rui hatten. Zwei Sträflinge ruderten uns in einem primitiven Boot weiter, späterhin zwei Eingeborene. Tagelang fuhren wir auf dem Fluffe und kampierten nachts auf sandigen Landzungen, deren einziger Uebelstand war, daß sie von Bären in Anspruch genommen wurden, die nachts zum Trinken und Fische­fangen an den Fluß kamen. Um uns vor den Bären zu schützen, verbarrikadierten wir das eine Ende unseres hastig aufgeschlagenen Schutzdaches — das andere Ende wurde offeNgelaffen für den Fall rascher Flucht. Wir hätten die räuberischen Tiere durch große Wachtfeuer verscheuchen können, doch das hätte die größere Gefahr mit sich ge­bracht, entsprungene Sträflinge, die durch Hunger zur Verzweiflung getrieben sind, anzulocken. Die Dörfer der Eingeborenen sind diefes Namens kaum wert — fünf oder sechs Hütten. Einmal dauerte es drei Tage, bis wir überhaupt eine menschliche Behausung sahen. Das Bellen großer Schlitten­hunde und Reihen von Fischen, die in der Sonne dörrten, kündeten die Nähe eines Dorfes an. Die Gilaks rufen uns vom Ufer aus in ihrer Sprache an und fragten: „Habt Ihr Tabak oder Ziegel­

tee?" Wir wollten unserfeits wieder wissen, ob sie Seehunds- oder Bärenfelle hätten, und stiegen mit den Flinten in der Hand ans Land, gefolgt von bellenden Hunden. Die Hütten sind auf Pfählen erbaut, außer wenn ein hohes Flußufer Schutz vor Waffer gewährt; man gelangt auf einer Leiter hinein, die nur us einem Holzstück mit zwei oder drei Ein­kerbungen besteht. Als wir in die Hütte stol­perten, stießen wir heftig an die Querbalken des Baues und an seltsame Gegenstände, die von ihnen herabhingen; die Wolken von Qualm, die die Behausung anfußten, zwangen uns, uns auf Len Boden zu lagern. Endlich unterschied ich eine Matte von Fischhaut, die uns zu Ehren auf den Boden gebreitet war. Zwanzig Perfonen teilten in jener Nacht die Hütte mit uns. In der Mitte des Raumes war ein Feuer, darüber ein großer Kessel. Wäh­rend das Abendbrot bereitet wurde, wollte der Häuptling mein Gewehr untersuchen, wobei es plötzlich losging; zum Glück war es auf keinen von uns gerichtet und so durchbohrte die Kugel nur die Wand der Hütte; ober der Vorfall er­schreckte den armen Eingeborenen sehr, der sich auf den Boden warf und rief: „Es ist ein Teufel darin!" Das Mahl bestand aus getrockneten Fischen und unerträglich riechendem Seehunds­tran; die Eingeborenen rissen die Fische in Stücke und steckten sie in den Tran. Auch das nun darauffolgende Waschen der Schöffeln war sehr wenig erbaulich; eine von den Frauen reinigte erst ihren Teller durch reichlichen Gebrauch der Zunge, scheuerte ihn dann mit Gras und rieb ihn dann an ihren — Mokassins glänzend. Die Hauptnahrung des Gilaks ist getrockneter Fisch, aber im Sommer können sie Heidelbeeren, Moos­beeren, einige Wurzeln und Zedernüffe hinzufügen. In der Tat leben sie nicht viel anders wie ihr Feind, der Bär. In der Laichzeit der Lachse stiehlt dieser sich an den Fluß hinunter, frißt die Köpfe von 30 bis 40 Lachsen und wirft das übrige weg. In der Regel stechen die (Singe« bornen den Lachs und errichten Reusen, aus denen sie die Fische mit Käschern fangen. Die Gilaks bewahren die Fische auf; die Orokfchons, ein nördlicher lebender Stamm mit viel Tungusen­blut, haben eine bessere Räuchermethode, so daß sie nicht, wie die Gilaks, beim Konservieren von einem sonnigen August abhängig sind. Letztere fischen auch durch Eislöcher Dorsche."

* Ein Wüstenschiff. Neulich erregte in Zürich ein Motorboot, das aus großen Rädern montiert und mit vier prächtigen Rappen bespannt war, am Utoquai großes Aussehen. Dieses Boot ist, wie das Mainzer Journ? erfährt, für eine Forschungsreise nach Tibet für den Kukunorsee bestimmt und muß über die 1800 Kilometer weite Strecke quer durch die Wüste Gobi in der Mongolei gefahren werden. In Zürich wurden im tiefen Sande Proben ' angestellt, wie weit die

„Aber in diesem Punkte ist er gewarnt, und im schlimmsten Falle besitzt er Freunde, die ihm die Netze und Fallen zeigen können. Ich meine noch immer, es wäre der einfachste und kürzeste Weg, wenn Baronesse Theodore die Gatttn seines Neffen werden würde, Dein Schwager hat dann kein Interesse mehr, gegen ihn zu intrigieren."

„Ich kann mich mit dem Gedanken an diese Verbindung nicht befreunden," erwiderte die Baronin.

„Weshalb nicht?" fuhr der Rittmeistersort, während er sein Glas noch einmal fällte. „Baron Kurt würde selbst fühlen, daß er hier nicht wohnen kann, und daß er dem Glück seines Kindes ein Opfer Bringen muß, er könnte ja weite Reisen machen oder in der Stadt von seiner Rente leben. Das ließe sich schon arrangieren."

„Möglich, Hans, aber ich werde niemals meinen Sohn zu einer Konvenienzheirat überreden, ich habe an mir selbst erfahren, wie unglücklich man dadurch werden kann."

„Wenn aber die beiden einander lieben?"

„Dann allerdings würde ich, wenn auch mit einigem Widerstreben meine Zustimmung geben. Wie ist es mit Deiner Tochter, Hans?"

Der alte Herr erhob das Glas und betrachtete mit prüfender Kennermiene die dunkle goldrote Farbe des WeinS.

„Die Antwort könntest Du Dir selbst geben," fügte er mit einer Heiterkeit, die etwas gezwungen klang, „Leontine ist gewiß ein gutes und hübsches Mädchen, einfach und häuslich erzogen, sie macht keine Ansprüche und würde den Mann, der fie liebt, glücklich machen, aber fie bringt nichts mit, und fie hat auch keine Gelegenheit, junge Herren kennen zu lernen. Ich muß mit meinem bischen Gelbe haushalten, Adelgunce; von dem großen Vermögen meiner Frau war bei ihrem Ableben kaum so viel übrig, daß ich die Schulden tilgen konnte, da lassen sich keine Sprünge machen, und einem Wucherer in die Hände zu fallen, erschien mir immer als der schrecklichste der Schrecken."

„Und wenn nun ein Bürgerlicher Deine Tochter liebte?" fragte Baronin Adelgunde in scherzendem Tone.

„So würde ich seinen Charakter, seine Bildung und die Stellung, dieer einnimmt, sehr genau prüfen—"

„Der bürgerliche Name wäre also kein Grund für Dich, Deine Zustimmung zu verweigern?" , „Nein, Adelgunde, so hoch ich auch mein altes fleckenreines Wappen halte, ich weiß nur zu gut, wie sehr eS verrostet ist. Ja, wenn ich die Wahl hätte zwischen einem reichen Edelmann und einem Bürger­lichen, dann läge die Sache anders."

„Und wenn Leontine diesen Edelmann nicht liebte?"

„Die Liebe setze ich voraus!"

„Also würdest auch Du Dein Kind nicht zu einer Konvenienzheirat zwingen?" ,

„Mmmermehr!"

„Ich will offen mit Dir reden, Hans," sagte die Baronin, indem fie ein leeres Glas abermals füllte und ihm dann mit einem treuherzigen Blick ins Auge schaute. „Mem Bruder liebt Leontine, und täuschen meine Beobachtungen mich nicht, so wird seine Liebe erwidert; was würdest Du ihm antworten, wenn er fie zur Gattin begehrte?"

Der Rittmeister hatte die Brauen hoch empor ge­zogen, das Erstaunen, daS aus seinen weitgeöffneten Augen sprach, zeigte einen freudigen Ausdruck.

„Dein Bruder ist ein Ehrenmann," erwiderte er, ihr die Hand reichend, „fein Vater war General und seine Schwester ist Baronin, wie könnte ich in dieser Verbindung eine Mesalliance erblicken? Ich würde mit frohem Herzen meine Einwilligung geben, Adelgunde; die s chwere Sorge um die Zukunft meines Kindes wäre mir von.der Seele genommen. Hat er Dich be­auftragt, diese Frage an mich zu richten?"

„Ich leugn« eS nicht, aber ich erwarte auch, daß Du ihm gegenüber Deine Unbefangenheit bewarft. Er wir nach Tisch herauskommen, um mich zu besuchen, verrate ihm nichts "

„Nein, nein*, erwiderte er erregt, „aber hast Du

30. Jahrgang.

Räder einfinken. Der Bug des Bootes ist in eine« Artillerie-Protzwagen eingebängt, wodurch mit dem Boot beim Fahren eine große Manö'eriersähigkeit gesichert ist. Die Naben der großen Tragräder find verstellbar, sodaß fie beim eventuellen Schwinde« des Holzes auf der langen Reise nachgezogen werden können. Das Fahrzeug wird über Moskau, Kasan, Omsk, Krasnojarsk nach Irkutsk auf der Sibirischen Bahn bis zum Baikalsee gebracht. Bon hier wird es durch Kameele gezogen quer durch die Mongolei und zuletzt — wohl die schwierigste Reise — über das Richthofengebirge. Hier wird daS Boot auch teils gewalzt, teils geschleift, wozu passende Schienen an­gebracht find, auch ist für alle Eventualitäten in der Weise gesorgt, daß alle wichtigen Teile 4fach ange- vrdnet find, sodaß bei einem Bruch eines Teiles kein Ausentbalt entsteht. Das ganze Fahrzeug soll mit 15 Pferdekräften nur 1200 Kilos wiegen. Ob diese schwierige Expedition zur Erforschung dieses großen Binnensees von Erfolg begleitet fein wird, werde« wir erst nach langer Zeit hören, denn nicht nur find die Hindernisse sowohl durch die Wüste wie über daS Gebirge fast unüberwindliche, sondern auch die Gegend ist gefährlich.

* Darwinistisches. Professor: „Wir können also mit Berechtigung annehmen, daß unsere Vorfahren affenartig auf Bäumen lebten, allmählich jedoch bet» niederstiegen, den aufrechten Gang annahmen und sich nach und nach zu den hochstehnden Geschöpfen dieser Erde entwickelten. — Müller! Was find also die Menschen?" Schüler: „Heruntergekommene Affen!

* Boshaft. A. (leise zum Freund, der ihm seine sehr bejahrte Sraut vorstellt): „Mensch, wo hast Du Dir diese Verlobung senn schon wieder zugezogen?

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HMlt 1. Maar Ze itui.

ihn auch darauf vorbereitet, daß Leontine nichts yat außer ihrer Tugend, ihrer Schönheit und ihrem ehren­vollen Namen?"

„Er weiß es!" nickte fie. „Aber nun laß mich auch eine Frage an Dich richten: Weiß Leontine, daß mein Bruder fie liebt?"

„Diese Frage kann ich nicht beantworten. Meine Tochter weiß nur, daß fie iym nicht zleichgiltig ist."

„Und fie selbst? Hast Du irgend eine Entdeckung gemacht, die vermuten läßt, daß fie seine Liebe er­widert ?"

„Ich glaube wohl, fie war entzückt von ihm, als fie ihn bei Dir kennen lernte, er begleitete uns ja noch am Abend nach Hause, sodann kam er am nächsten Tage, um uns seine Aufwartung zu wachen, und seit­dem spricht fie häufig von ihm. Wenn fie auch jetzt ihn noch nicht liebt, so achtet fie ihn doch sehr hoch."

„So glaubst Du also, daß er keinen Korb zu be­fürchten hat?"

„Sicher nicht, und bittet fie sich Bedenkzeit au8, so werde ich ihr schon die Vorteile klar machen, die in dieser Heirat liegen."

„Nur keinen Zwang, Hans. Vergiß nicht, daß wir beide solchem Zwang so manche trübe Stunde verdanken."

„Ich werde das niemals vergessen, so lange ich lebe! Und dennoch, Adelgunqe, hätte ich Dir daS Los bieten können, das der Baron v. Darboren Dir bot? Er hat Dich geliebt, Du kannst eS nicht leugnen, und wäre er nicht so bald gestorben, auf den Hände« würde er Dich durchs Leben getragen haben."

„Und glücklich wäre ich irotzdem nicht an seiner Seite geworden," erwiderte die Baronin, starr vor fich hinblickend. „Sie haben das später als Grund meiner Geistesstörung angeführt, fie behaupten, die Heirat »it dem ungeliebten Manne hätte mich wahn­sinnig gemacht. Oh, mich ergreift noch manchmal die Lust, mich aufs Pferd zu schwingen und in die weite Ferne ziel- und planlos zu jagen."

Gortsetzmig „fllgt.)