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Maer

Zeitung

monotsbtöage: „zuldaer Geschicht Mer"

3-t. Jahrgang

flllda, Montag, den 23. November 1903.

268.

vcranlwonllcher »chrisUett«:Zof.vanm

Druck und Verlag der Kuldarr Acliendrucker«' in $ulta (Harmonie« Fernsprecher Nr 9.

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parzeLrr in Fulda. wochcndeüage: „Zlluhriene Soimtagszeitung"

SchcheNt täglich, mit ««nähme tar konn- «tz Feiertage, viertel- sährl. verngrpreir ohne vringerlohn und AeßeLgeld in Fnlta «nd «u-wärtrtM. Svpsg

-en.

Sobald die Tafel aufgehoben war, entfernte Dago- bert sich, er konnte feiner Sehnsucht nach der Förster- tochter nicht mehr gebieten.

Er eilte in sein Zimmer und kleidete sich dort um In grüner Jagdjoppe, mit der Büchse ans der Schalter verließ er bald darauf da» Haus, nm mit raschen Schritten den Weg zum Walde einznschlagen. 6t hatte Leontine und Theodore, die beiden reizenden Frauen gestalten, vor Tisch im Park beobachtet, sie konnten den Vergleich mit seinem Raschen nicht ans- HÄten.

Sie hatte sich schon eng mit Theodore befreundet »nd bat um Erlaubnis, sie nach der Tafel in ihrem Bondmr aafsuchen zu L " /

Das Antlitz der Baronin umwölkte sich, sie der» stand den warnenden Blick des Freundes und schwieg.

Dwcch dieses Schweigen entstand bald eine gedrückte Lr.mnomg, die Versuche des Rittmeisters, durch einige Scherze die. Unterhaltung wieder in Muß zu bringen, mißlangen.

Aas Majorat.

Roman von Ewald August König.

44 ------- (Rochdinck »ertettn.)

(Fortsetzung aus dem zweiten Matt.) „Adelgunde!' warnte der alte Herr erschreckt. „Sei ohne Sorgen, ich bin im Jrrenh.mse zahm und ruhig «worden/ spottete sie, mit der Hand über die Stirne fahrend.

Dagobert und Leontine kehrten in diesem Augeu- Aickzurück, der Kammerdiener meldete, daß serviert sei.

Sie gingen in das Speisezimmer, das neben dem Boudoir lag.

Die Suppe wurde schweigend eingenommen, daun aber machte Leonttne aus ihrem Entzücken über die neue Freundin kein Hehl.

[] Das Wahlergebnis.

Der Liberalismus hat bei den preußischen Landtagswahlen noch nicht einmal die kleinen Erfolge zu verzeichnen, die ihm auf Grund der Urwahlen zu winken lchienen. Man muß schon 2 Wilde mitzählen, wenn für die Liberalen nicht ein direttrr Verlust heraus- kommev soll. Innerlich ist der Liberalismus dadurch geschwächt werden, daß die National­liberalen sich auf Kosten der Freisinnigen ver­mehrt haben. Der Ansturm auf die „konser­vativ-klerikale Mehrheit" ist vollständig ge­scheitert, der Liberalismus hat sich also eine förmliche Niederlage geholt. Denn jene Mehrheit ist eher verstärkt als geschwächt aus den Wahlen hervorgegangen.

Die jetzt vorliegenden Zahlen über die Stärke der einzelnen Parteien werden wohl noch mehr­fach kleine Korrekturen erfahren. Die von dem offiziösenETelegraphens-Bureau verbreiteten Ge­winn- und Verlust-Ziffern stehen sogar mehrfach in offenem Widerspruch mit der von demselben Bureau angegebenen Gesamtstärke der ver­schiedenen Fraktionen. Zwischen den Konser­vativen und Freikonservativm waren die Grenz­linien immer etwas verschwommen. Das zeigt sich auch jetzt wieder. Im alten Abgeordneten­hause hatten die Konservativen 144, die Frei- konservativen 58 Mandate. Nunmehr sollen die Konservativen nach der verbreitetsten Angabe 148, die Freikonservativen 54 haben. Erstere hätten also 4 gewonnen, letztere 4 verloren. Die .Kreuzzeitung' dagegen, die hier als zuverläffiger angesehen werden muß, zählt nur 146 Konser­vative (8 Gewinne, 6 Verluste, Mehrgewinne also 2). Während sich aber nach chrer Rech­nung bei den Freikonservativen Gewinn und Verlust ausgleichen, zählt die freikonseroative .Post' 57 Freikonservative (7 Verluste, 6 Ge­winne, also Mehrverlust 1), doch weiß sie nicht, ob nicht noch ein als konservativ verzeichneter Abgeordneter den Freikonservativen ziyurechnen ist. Wie sich aber auch die beiden Fraktionen in tue Mandate teilen mögen, sicher ist, daß sie zusammen mindestens in der alten Stärke wieder­kehren, und daß sich das Verhältnis ein wenig zu gunsten der Konservattven verschoben hat. Da auch noch der „Wilde" Lotz der Rechten deizuzählen ist, außerdem die beiden Landwirts- bflnMcr und die beiden Antisemüen in manchen wichtigen Fragen mit ihr gegen die Linke gehen werden, so dars man bireft von einer Ver­stärk« ng der Rechten sprechen.

Das Zentrum zählt im neuen Abgeord­netenhause 97 Mitglieder gegen 100 im alten. ES verlor außer den beiden Zufalls-Mandaten für Hamm-Soest und Lingen-Bentheim die beiden Mandate für Kattowitz-Beuthen und ein Mandat für Pleß-Rybnik; es gewann je ein Mandat in

Aber hoffen

finden, Herr Baron," sagte sie leise. Sie nicht, daß Sie ihn betor—

Stimme.

„O, auch ich liebe den Bald, ich habe in der Stadt mich heiß nach ihm zmückgesehnt!"

„Wie ganz ar drrS würden Sie ihn lieben, wen« er $br Eigentum wäre!"

Sie mchm ihre Arbett wieder auf und schüttelte den Kopf.

„Das kann nie hr Fall fein,* * sagte sie.

„Gewiß, nur ein Bort von Ihnen —*

(»Mischung folgt.)

Sie ihn bewegen könnten, den Wal» z« verlassen, er hat es so oft ausgesprochen, daß er hier sein Leben beenden und unter den Bäumen den letzten Schlaf schlafen will."

„Und Sie, Röschen?" fragte er mit gedämpfter

bürg bis Samstag früh 7 Uhr hinzuschleppen verstanden. Nachdem sie teils durch Veran­staltung von Radauszenen, teils durch möglichste Langsamkeit bei der Stimmabgabe und durch ähnliche Manöver den ersten Wahlgang bis gegen 10 Uhr abends hingezogen hatten, begann um 11 Uhr die Stichwahl zwischen den konservativen und den liberalen Kandidaten. Statt sich der Abstimmung zu enthalten, beteiligten sich auch die Genossen hierbei, indem sie nämlich wieder für die sozialdemokratischen Kandidaten stimmten, also ungiltige Stimmen abgaben, lediglich um die andern Parteien zu ärgern und das Wahl- aeschäft ins endlose auszudehnen. Die Wahl der konservativen Kandidaten vermochten sie aber da­mit nicht zu verhindern. Der .Vorwärts^ be­hauptet natürlich, die Genoffen hätten die wüsten Szenen in verschiedenen Wahlbezirken nur auf- geführt, um Gesetzwidrigkeiten zu verhindern und sich gegen Vergewaltigung zu wehren. Das ist grober Schwindel. Die Genoffen waren es, die die anderen Parteien einzuschüchtern und zu ver­gewaltigen suchten. Wenn die Wahlkommiffare sich nicht geneigt zeigten, die Verfchleppungs- manöoer zu unterstützen, machten die Herren Sozialdemokraten Radau. Wo diese begründeten Einspruch gegen das Wahlverfahren erhoben, wurde den Protesten Folge gegeben; aber auch da handelte es sich um sachlich und für das Wahl­ergebnis ganz bedeutungslose Dinge, um durchaus gesetzmäßige Handlungen, die lediglich den Zweck hatten, das Abstimmungsgeschäft zu fördern und den vorschriftswidrigen Verschleppungsmanövern entgegenzuwirken. Daß es sich bei den Lärm- szenen um eine abgekartete Komödie handelte, er­sieht man ja auch daraus, daß im 2. Berliner Wahlkreise der Radau auf einen Wink ZubellS sofort aufhörte. Wenn die Sozialdemokraten glauben, durch ihre Rüpeleien ein Reform de« Wahlrechts gefördert zu haben, so irren sie sich. Sie haben nur wieder eine Probe von dem brutalen Terrorismus geliefert, den die gesittete Menschheit von der Herrschaft des Proletariat« zu erwarten hätte. Wenn schon das kleine Häuflein sozialdemokratischer Wähler sich so frech und knotenhaft benimmt, um die anderen Par­teien einzuschüchtern und zu terrorisieren, «ack haben wir da erst von dieser sauberen Gesellschaft zu erwarten, wenn sie die Mehrheit hat?

* Die Betriebseittttahmen der preu- ßi sch-hessischen Eisenbahn gemein schäft beliefen sich im Monat Oktober auf 136 035 000 Mk., das sind mehr gegen denselben Monat beS Vorjahres 7 972 000 Mk. ober auf 1 Kilometer 4088 Mark (+ 193). Davon entfielen auf den Personen- und Gepäckverkehr 34 816 000 Mk. (4- 2 142 000), auf den Güterverkehr 93 261 000 Mk. (+ 5 044 000 Mk). In der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres betrugen die Ein­nahmen 905 571000 Mark (+ 49130 000), ober auf 1 Kilometer 27 670 Mark (+ 1108). Davon entstammen dem Personen- und Gepäck« verkehr 276 324 000 Mark (-j- 12 803 000), dem Güterverkehr 578 484 000 Mk. (+ 34 265 000).

* Für bett Fall Dippold werden von b« iberalen unb sozialdemokratischen Presse die „Klerikalen" verantwortlich gemacht. Diese«

„Ich will nicht leugnen, daß ich Sie erteautet habe," sagte sie, die Wimpern senkend, „Sie käme« ja bisher jeden Tag!"

„Nm, um Sie zu sehen!"

„DaS ist für mich sehr schmeichelhaft; aber eS ä nicht ratsamer und verständiger, wenn Sie den Wal» besuchen wollten, um darin zu jagen? Der Baler beschwert sich ja täglich, daß das Wild überhand nimmt, Sie würden ihm eine große Freude machen, wenn St- recht fleißig mit jagen wollten."

„Später vielleicht, ich muß zuvor Herr hier sein, ch habe an meinem Erben keine Freude, so lange ich er nicht befitze. Es wird sich dann wohl manches hier ändern, Röschen, vielleicht auch in diesem Hause. Ihr Baler wird nicht mehr mein Diener, sondern mein Freund sein."

Sie unterbrach ihre Arbett, um ihn befremdet a»- zublicke»; dann aber erschien sie plötzlich feine Be­merkung zu verstehen, denn wieder überzog dunkle Glut ihr AnÜitz bis zu den Schläfen hinauf, und verwirrt schlug sie die Augen nieder.

„Einen treueren Freund werden Sie nremats

Breslau unb Neurpieb- Altenkirchen. Wenn die Angabe richtig ist, baß die Konservattven 148 Mandate haben, so hat sich also die „konservativ- klerikale Mehrheit" (die Freikonseroattven rechnen wir nicht mit) um eine Stimme vermehrt. Ist die von ber .Kreuzztg.' angegebene Zahl 146 richtig, so hat fich diese Mehrheit, wenn wir die „Wilden" unberücksichtigt kaffen, um 1 Stimme vermindert. Jedenfalls hat ber liberale Ansturm bie Mehrheit nicht im mindesten zu erschüttern vermocht; nicht einmal die „Gefahr", die der Schule von dieser Mehrheit drohen soll, hat die Mehrheit der Wähler gegen sie aufgebrachr.

Die Nationalliberalen haben 79 Mau- bäte errungen. „Wolff" gibt ihren Gewinn auf 12 unb ihren Verlust auf 7 Maubaie an; das kann aber nicht richtig sein, btnn dann hätten sie einer. Zuwachs von 5 Mandaten. Sie zählten aber schon im alten Abgeordnetenhaus 75, sie können also nur 4 gewonnen haben. Streng ge­nommen beschränkt ihr Gewinn sich sogar auf 3 Mandate, wie auch die.Kreuzztg/ ausrechnet. Man muß ihnen nämlich im alten Abgeordneten­hause den in Altona gewählten Margarinefabri­kanten Mohr zuzählen, ber fich im Laufe ber Legislaturperiode von ihnen getrennt hat unb „roilb" geworden ist. Jetzt ist in Altona ein anderer Nationalliberaler an Mohrs Stelle ge­wählt worden; Altona ist also dem Gewinn nicht zuzuzählen. Unb um ganzer 3 Mandate willen haben fich die Nationalliberalen geberdet, als hätten sie die Welt erobert und als sei der „liberale" Gedanke auf der ganzen Linie siegreich gewesen.

■3m Lichte des Gesamtliberalismus betrachtet nimmt fich der nationalliberale Gewinn, wie schon angedeutet, noch ungünstiger aus. Die Frei­sinnige Volkspartei, die sich im alten Abgeordnetenhause 26 Mitglieder zurechnete, hat 3 verloren (8 Verluste, 5 Gewinne) und zählt nur noch 23; die 10 Mann „starke" Freisinnig e Vereinigung ist auf 8 Mann herabgesunken. Auch wenn wir den Freisinnigen die beiben Wilbliberalen Wolgast-Kiel und Dietrich-Thorn zuzählen, haben sie insgesamt einen Verlust von drei Manbaten zu verzeichnen, also gerade so viel, wie bie Nationalliberalen gewonnen haben. Der Gesamtliberalismus ha^ somit nichts ge­wonnen, wohl aber hat ber „gemäßigte" Libe­ralismus auf Kosten bes entschiebenen Liberalismus eine kleine Verstärkung erfahren, was für den Liberalismus „als solchen" eine Schwächung ist. Und selbst roenn wir den in Saarbrücken ge­wählten Schwiegersohn des Herrn v. Stumm, den Abg. v. Schubert nicht zu den Freikonser- oattven, sondern zu den Nationalliberalen zu rechnen hätten, könnte von einer Verstärkung des Liberalismus im Ernste nicht die Rede sein.

Die Polen haben ihren Besitzstand (13) behauptet; ebenso bie Dänen (2), bie Anti­semiten haben sich um 100 Prozent vermehrt, statt einen zählen sie jetzt zwei Abgeorbnete. Dabnrch wirb bas Gleichgewicht im Abgeordneten- Hause schwerlich erschüttert werden. Die Abg. Dr. Hahn unb Schoos (bie bekanntlich beide früher nationalliberal waren) vertreten auch im neuen Abgeorbnetenhause den Bund ber Laub­

un-

Das Försterhaus war bald erreicht, nur Büchsenschuß noch war er von ihm entfernt, als stehen blieb.

Hastig erhob Röschen fich, Dagobert hatte willkürlich die beide» letzten Verse mttgesmigen.

Ihr vnttitz war vvn Pmpurglttt übergoßen, als er eintrat, sie reichte ihm bie Hand, ohne ihn anrnsehe».

„Wem gatt das Lied, Röschen?" fragte er mit bebender Stimme.

»Ach. wie ist'S möglich dann. Daß ich Dich taffen kann! Hab Dich von Herzen lieb, DaS glaube mir!

Du hast das Herze mein S» ganz genommen eis. Daß Ich kein' aud'ren lieb’,

*18 Dich allein!"

Das alle, ewig schöne Bollslied klang ihm, vvn einer glockenhellen Altstimme gesungen, leise entgegen, dazwischen hörte er die Akkorde deS Klaviers.

Die Fertigkett Röschens im Klavierspiel hatte er schon kennen gelernt und die Tiefe und Innigkeit be­wundert, die sie in dasselbe hineinlegte; aber er wußte noch nicht, daß sie eine so vortreffliche Sängerin war.

Röschen begann die zweite Strophe, leise, auf den Fußspitze» näherte Dagobert fich dem kleinen Hause.

Ringsum herrschte tiefe Stille, die Hunde, die ihn sonst mit freudigem Bellen zu begrüßen Pflegten, schlugen nicht os, ein Fenster der Wohnzimmers stand offen, Röschen, die am Piano saß, wandte ihm de» Rücken.

„Ääx’ ich ein Bögelein,

Wallt' ich bald bei Dir sei»,

Scheut' Fall' und Habicht nicht, Alta' schnell zu Dir.

Schoss' mich ein Jäger tat. Fiel' ich in Deines Schoß, ; Sähst Du mich traurig an, ®ern stürb' ich dann!"

wirte. Die Sozialdemokraten find leer auSgegangen. In den drei Wahlkreisen, in denen sie bie Entscheidung in der Hand harten, haben die Liberalen sich durch alles Schelten unb Toden der Genossen nicht bewegen lassen, ihnen ein Mandat abzutreten. Die Sozialdemo­kraten haben sich aber auch durch das liberale Reaktions-Geschrei nicht rühren lasten, sondern den Konservativen und dem Zentrum durch Stimmenthaltung zum Siege verholsen. sJhre Rache für den Mißerfolg nahmen sie, inbem« sie sich bei ber Wahl möglichst rüpelhaft aufführten und kindischeVerschleppungsmanöver veranstalteten. In anbetracht ihrer früheren Prahlerei, die Wahl von etwa einem Drittel ber Abgeordneten durch rücksichtslose Ausnutzung der Wahlvorschriften verhindern und damit das ganze preu­ßische Wahlrecht ad absurdum führen zu wollen, ist der Ausgang ganz kläglich, zumal da sie ohne Zweifel auch gehofft hatten, das eine oder andere Mandat, fei es aus eigener Kraft, sei es mit liberaler Hilfe, zu erringen. Durch ihre gewalttätige Rüpelei haben sie die Wahlreform sicher nicht gefördert. Ob sie die liberalen Schwärmer bekehrt haben mögen, die gern mit ihnen paktiert hätten? Herr Dr. Barth und die Seinen haben sich durch ihr Mißgeschick bei den Reichstagswahlen nicht belehren lassen wollen. Nun haben sie bei den Landtagswahlen wiederum den verhältnismäßig größten Verlust gehabt. Wenn die Partei, die am meisten Lust zeigt, mit den Sozialdemokraten an einem Strange zu ziehen, auf ein Häuflein von acht Mann zusammenschrumpst, so ist daS für jeden, der sehen will, ein Beweis, daß die Wähler­schaft nicht mittut und sich chr Urteil durch keine Beredsamkeit verwirren läßt.

UebrigaS soll uns selbst das ungezogene Betragen der Sozialdemokraten nicht hindern, die Notwendigkeit einer gründlichen Wahlreform anzuerkennen. Daßuns da­bei kein Parteiintereffe leitet, brauchen wir wohl erst nicht zu betonen. Das Zentrum hat sowohl mit dem Reichstagswahlrecht, wie mit dem Drei­klaffensystem im wesentlichen bie Stärke erreicht, oie ihm unter ben obwaltenden Verhältnissen erreichbar ist. Von seinem Parteistandpunkte aus ist es also einerlei, welches Wahlrecht wir haben. Die Gerechtigkeit unb die Klug­heit verlangen aber dringend die Reform des rückständigsten und ungerechtesten aller deutschen Wahlsysteme. Zunächst jedoch möchten wir aber­mals darauf Hinweisen, wie laut die Wahlen für die Bestrebungen der „konservativ-klerikalen Mehrheit", namentlich auf dem Schulgebiete, sprechen. Es ist eine starke Mehrheit (97 Zen­trum, 146 Konservative, 13 Polen) zu gunsten eines christlichen Schulgesetzes gewählt worden, allen liberalen Machenschaften zum Trotz. Bedeutet denn das in ben Augen der Regierung gar nichts?

Deutsches Reich.

Berlin, ben 21. November 1903.

** Die Sozialbemokraten haben bie W«hl in Teltow Beeskow Charlotten-

„Niemandem, Herr Baron," antwortete sie. „Muß man denn stets an eine bestimmte Person denken, wen» man ein ßieb singt?"

„Ich meine: ja. Sie haben noch nie in meiner Gegenwart gesungen, »nd Ihre Stimme ist doch so entzückend schön!"

„Ich kann nur bann singen, wenn ich allein bin," etw&ate sie, während fi- daS Piano schloß und an ihrem Nähtisch Platz nahm. „Sie wollen mir eine Schmeichelei sagen, Herr Baron, ich weiß selbst, wie wenig stolz ich auf meine Stimme fein darf."

„Kennen Sie mich »och so wenig, daß Sie glaube» können, ich werde jemals anders reden, als ich denke?"

„In diesem Falle ist's ja keine Sünde," scherzte sie, und jetzt traf ihn ei» schelmischer Blick ans ihren braune» Rehaugen. '

Er hatte einen Stuhl an den Nähtisch gerückt und an ihrer Sette fich niedergelaffen, ihr Blick trieb chm da» Blut heiß in Stirn und Wangen.

„Jhn-n eine fade Schmeichelei zu sagen, Röschen, das würde ich für eine Schande halten," erwiderte er, „feien Sie versichert, daß ich Ihnen gegenüber stets wahr sein werde."

„Auch bann, wenn die Wahrheit mir unangenehm sei» müßte?"

„Ja, auch dann, aber ich glaube nicht, daß dieser Fall jemals eintreten wird."

„Niemand ist ohne Fehler!"

„Zugegeben, Rösche», aber es gibt llebevswürdige Fehler, die man gerne sieht."

„DaS kann ich mir nicht denke», Herr Baron! Wenn auch kein Mensch vollkommen fei» kann, so be­urteilt man doch die Fehler anderer schärfer, als die eigenen!"

„Immerhin liegt der Unterschied darin, mit welchen Bücken man sie betrachtet," erwiderte er.

„Wollen wir dieses Thema nickst fallen laß«?" fragte sie. „Sie waren gestern nicht hi« —"

„Haben Sie mich »«mißt?" fragte er rasch.

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