Mvaer W Zeitung
en*w «ißttch. M
mcLBejMf «preis
j. twjeier"n^isa. Vocheicheüage: „Illustrierte Sontdagsjtitiiag“
moeatebeüage: „Kildaer Sffchichtrblätter".
»esteLgelsi« Fulda un» ewfcts 118L 50 pft.
veraunvonücher
lw$eieei: Ne ei» MOm Mikdlt oöeg Nree t«m 15 Pf» leCawe die petitzeite 25 Pf»; bet wieder. leNmgee wird erttfpr Rabatt gewähet.
Druck xwb Verlag der Kuldaer Lrtieudruckerei hi Zuld« (§arwwtie> Zernfprecher ttr. 9.
M 267,
fulda. Samstag, den 21. November 1903.
30. Jahrgang.
Ein Roman soll eine Dichtung
verkommen.
Nun drängen sich in den größeren Städten allerhand „Genüge" an die Einwohner
Nun, Sie werden sie ja näher kennen lernen",
► Zweites jßlatt \
„Davon rate ich Ihnen ab", unterbrach der Graf ihn; auf gerichtlichem Wege richten Sie nichts aus, Sie rrrnchen mehr, wenn Sie dem Vormund den Auleurhalt auf Ihrem Gute verleiten. Apropos, find Herz und Hond Jhr:r schönen Kufin« noch frei?"
„Hegen Sie die Absicht, darum -u werben?"
„Vielleicht — vorausgesetzt, daß die junge Dame mir gefällt."
Uebrigens kann man auch in größeren Orten versauern und versumpfen, wenn man sich selbst abschließt gegen den frischen Luftzug. Wer in größeren Orten Tag für Tag, Jahr um Jahr nur mit denselben stumpfen Stammtischbrüdern in der dauerhaften Wirtshausecke hockt oder ewig mit denselben Kaffeeschwestern die ödesten Klatschereien betreibt, der wird auch arm im Geiste, be-
wie die Offiziere in so einem kleinen Grenzort, wo es an auffrischendem Umgang und edlen
ihre abwechselungsreiche Arbeit.an den eigenen Sprößlingen erfüllt haben, dann fängt mit Gottes Gnade der großelterliche Lebensabschnitt an, ..... , der wieder seine eigenen Reize hat. Wo soll dann heran; aber darunter sind leider die guten und bei einem richtigen Familienleben die Zeit und veredelnden in der Minderzahl, und die große die Gelegenheit Herkommen, um zu versauern Masse des Volkes greift lieber, nach den leichten, und zu versumpfen. Da müssen schon verzweifelt pikanten, frivolen Genüssen, die noch schlimmer schlechte Triebe in den betreffenden Menschen
„Nichts Besonderes," erwiderte der Graf, „bitte, greifen Sie zu! Wir sind hierher gegangen, haben hier soupiert und einige Spiele gemacht —“
„Rich.ig, ich war im Verlust!"
„Ja, allerdings, zuerst hatten Sie Glück, nach dem Souper verfolgte das Unglück Sie!"
„Und wir spielten hoch?"
„Bah, um Pfennige und Groschen kann doch ein Edelmann nicht spielen!" sagte der Graf achselzuckend.
Dagobert zerklopfte mit gedankenvoller Miene die
Unpolitische Zettläufe.
/Nachdruck verboten.)
D Berlin, 19. Nov. 1908.
„Aus einer tleinen Garnison" ist Ärztich ein großer Weh- und Weckruf in die $Bdt ausgegangen. Mn Leutnant hatte einen Roman veröffentlicht, in dem geschildert wurde.
„Nie," sagte Dagobert kopsschüttelnd; „ich kann mir aunehmen, daß wir sehr schwere Weine getrunken haben."
„Durchaus nicbt, aber Sie haben drüben zu lange sehr nüchternen Lebenswandel geführt, darin Enn wird die Schuld liegen. Bitte, oehen Sie ins Nebenzimmer und bringen Sie Ihre Toilette in Ord- Eig, ich werde unterdessen das Frühstück bestellen."
Dagobert kam dieser Aufforderung ohne Zögern «ach, der Graf vertiefte sich wieder in das Studium «r Zeitung, nachdem er dem Kellner seine Befehle rfitben hatte.
Das Frühstück stand bereits auf dem Tisch, als Dagobert zurückkehrte.
„Ueble Rachwehen hat die kleine Cxttavaganz gottlob nicht hinterlassen," sagte er in heiterem Tone, „mein Kopf ist frei und klar, nur erinnere ich mich uicht mehr genau, was alles geschehen ist, nachdem Äfc den^Rathauskeller versoffen hatten."
3>as Majorat.
SRoman von 6.® alb August König.
41 ------ (Nachdruck verboten.)
12. Kapitel.
Nur einen kleinen Kreis gibt e§,in bem man ohne Gefahr, ja sogar mit großem Segen andauernd verkehren kann; das ist ein besonders geheiligter und gesegneter Kreis: die Familie. Der häusliche Herd ist ein Jungbrunnen für Körper, Geist und Gemüt. Wo ein wohlmeinender Mann und eine brave Frau mit ihren Kindern zusammenhausen, da wird die Lust nicht stickig, der Boden nicht sauer, da kann der Geist nicht | stumpf, das Gemüt nicht roh, der Wille nicht | liederlich werden.
। In allen anderen kleinen Genossenschaften stellt sich nach einer gewissen Zett Langeweile, Bedürfnis nach Abwechselung, Haschen nach künstlichem Zeitvertreib ein. In der wohlgeordneten Familie nicht. Da gibt es auch tatsächlich, trotz der äußeren Beschränktheit, immer etwas neues, interessantes, anregendes. Schon der Verkehr zwischen den beiden Gatten, welche die Verschiedenheit der männlichen und weiblichen Charaktere mit der einträchtigen Liebe verbinden, bietet immer Abwechselung und Erfrischung. Und nun erst die Kinder? Immer neue Sorgen, gewiß; aber nichts schützt so gut den Menschen vor dem Versauern und Versumpfen, als die stete An- regung durch neue Pflichten. Nichts ist so gesund, als die fortgesetzte Arbeit, namentlich wenn sie aus Liebe und mit Liebe geschieht, und nichts ist so beglückend und erfrischend, als wenn die Eltern sehen, daß ihre Mühsal gute Frucht trägt, daß ihre Kinder leiblich und geistig vorwärts kommen, daß diese schönsten und wertvollsten von allen Blumen unter der elterlichen Gärtnersorge hoffnungsvoll aufblühen. Wo Kinder im Hause aufwachsen, da gibt es nichts altes und langweiliges, da ändern sich die Dinge fort und fort, die Kinder wachsen, es geht vorn Tragkind zum Laufkind, vom Spielkind zum Schulkind, vom Schulkind zum Lehrling u. f. w. Und wenn die Eltern
l stecken, wenn sie am häuslichen Herd und in der i Kinderstube nicht geistesfrisch und seelenjung bleiben bis zum Winter des Lebens!
Aber — so fragen die „Unversorgten" — ; was sollen wir machen, die noch unverheiratet in der Welt umherlaufen müssen?
Müssen? Es ist ein Unglück, daß so viele „moderne" Leutchen sich vor dem heiligen Ehestand länger drücken, als notwendig ist. Der junge Mann wartet und wartet, damtt er erst eine „glänzende Stellung" hat, in der man „Ansprüche" machen kann auf eine reiche und vornehme Frau. Das junge Mädchen ist wählerisch und läßt die bescheidenen Bewerber trotz ihrer Tüchttgkeit abfallen, weil sie sich eingebildet hat, das Glück fei nur in einer „glänzenden Partie" zu finden; zu diesem Größenwahn wirkt neuer- dings das „frauenrechtliche" Gerede mit, das dem weiblichen Nachwuchs den Irrtum beibringt, der selbständige Lebensberuf eines Weibes stehe höher, als die hausfrauliche und mütter- liche Wirksamkeit in der Familie. So leidet die Zeit an zunehmender Eheflucht, und die angejahrten, vielfach enttäuschten Einfiedler beiderlei Geschlechts sind ganz besonders der Versauerung ausgesetzt; der männliche Teil davon auch der sittlichen Verrohung und Versumpfung.
Daher leite ich „aus der kleinen Garnison" die nicht mehr neue, aber sehr zeitgemäße Moral her: Heiratet, sobald sich die Gelegenheit bietet, eine Familie auf vernünftiger, wenn auch bescheidener Grundlage zu errichten!
Schön; aber was sollen die jungen Leute in der unvermeidlichen Zwischenzeit machen, um sich vor dem Versauren und Verlottern zu bewahren? Ein wesentliches Hilfs- und Heilmittel ist der Familien-Anschluß. Fliegt nicht eher aus dem elterlichen Nest fort, als bis die Notwendigkeit euch zwingt. Und wer fein elterliches Heim mehr hat, der suche möglichst viel in braven Familien zu verkehren. Dieser Rat muß besonders den alleinstehenden Jünglingen ans He^ gelegt werden. Wer ihn befolgt, wird bald einsehen, daß der freundschaftliche Verkehr in einer gemütlichen Häuslichkeit gar nicht so „langstielig" ist, wie ihm frivole Genossen Vorreden wollten, sonder i einen angenehmen Zeitvertreib bildet. Und wenn er älter wird, so wird er erst recht einsehen, wieviel Nutzen er daraus gezogen hat, Nutzen nicht blos fir die Sittlichkeit und die Seele, sondern auch ür sein Fortkommen in der Welt, da die gesell- chaftliche Ausbildung überall von großem Vor- eil ist. Und diese gesellschaftliche Ausbildung wird nicht am Kneip- oder Spieltisch und auch richt in Sportklubs und dergleichen errungen, andern am bequemsten und sichersten durch den Verkehr in einer Familie, wo eine edelgesinnte < iaussrau und Mutter den Ton angibt.
Mer nun drehen wir die Medaille um: wenn die jungen Leute den segensreichen Verkehr in der Familie pflegen sollen, so muß man ihnen auch die Türe auf machen. Also, du behäbiger Familienvater, du glückliche Hausmutter, seid nicht selbstsüchtig und engherzig, sondern tut nebenbei auch ein gutes Werk an anderer Leute Kindern, an den Heranwachsenden oder schon aus- indet sich wohl einmal eine Gelegenheit zur Revanche, lieber Freund; einer solchen Kleinigkeit wegen werden wir uns doch nicht enlzweien! Lassen wir die Sache aus sich beruhen, die Karten mögen später einmal entscheiden, wem der Gewinn zufallen soll, der mit, offen gestand n, nicht einmal Freude macht. Ich betrachte das Spiel nur als ein Mittel zur Zerstreuung, r-ilich hat's keinen Reiz, wenn nicht dabei die Möglichkeit eines reellen Gewinnes geboten wird, und well daS nicht zu vermeiden ist, so bin ich lieber der verlierende Teil."
„DaS kann ich von mir gerade nicht behaupten", lachte Dagobert.
„Ja, lieber Freund, Sie können auch noch nicht über Ihr Vermögen verfügen", scherzte der Graf.
„Ich habe mir drüben genug erworben, um, wenn es sein müß'e, auf mein 'Erbe verzichten zu können."
„Wozu Sie sich aber sicherlich nicht bereit erklären werden."
wirken, als die Langeweile im kleinen Neste. Man kann also überall versauern und versumpfen, wenn man fich^mcht auf eint vernünftige Lebensfüh- Suft und L icht muß in den Garten, wenn nicht die Erde versauern und die Pflanzen verkümmern sollen. Der Acker verlangt Abwechselung in der Bestellung, wenn er fruchtbar bleiben soll. Der menschliche Körper verdirbt, wenn er immer dieselbe Speise bekommt; das haben längst vor den gelehrten Forschern die Hausftauen gewußt, die sich fortwährend den Kopf zerbrechen, was sie morgen wohl an neueren,Gerichien bringen könnten. Der menschliche Geist verträgt es auch nicht, wenn er alle Tage dieselben Gedanken genießen und immerzu die gleiche Luft ein« .... _ _ und ausatmen soll. Darum gilt die Klugheits-
Genüssen fehlt, versauern und größtenteils regel: Verkehre nicht fortwährend und ausschließ- stl öder Kneiperei und unfittlichem Zeitvertreib I lich mit denselben kleinen Kreisen von verkommen. Mn Roman soll eine Dichtung Personen!
sein. In diesem Falle aber wurde dem Ver- ifasser der Nachweis geliefert, daß er die Wahrheit gesagt und seine Personen zu getreu aus dem vollen Leben gegriffen habe. Der schreibselige Leutnant hat kein Phantafiebild gemalt, sondern in recht moderner Weise sich auf das Photographieren verlegt. Dafür muß er brummen und seinen Offiziersrock ausziehen. Aber wie steht nun nach den skandalösen Enthüllungen im Gerichtssaal die Gesellschaft da, die et abkonterfeit hat?
Soll ich auch meinen Senf geben zu der brennenden Frage, wie die Offiziere in den kleinen Garnisonen vor Versumpfung zu bewahren sind? Nein, ich schreibe nicht für Offi- zierkafinos, sondern für das ganze Volk, und möchte deshalb die Sache etwas breiter aus- »alzen.
In kleinen Orten mit beschränkten Verhältnissen leben nicht bloß Offiziere, sondern auch Zivilisten, die doch sozusagen auch Menschen sind. Es gibt da Geistliche, Beamte verschiedener Rangstufen, Aerzte, Apotheker, Kaufleute, Handwerker, Landwirte u. s. w., Leute von höherer, mittlerer und geringer Schulbildung. Leute, mit trägem Geiste und Leute i mit regem Geiste, wobei die Schulbildung durch-1 aus nicht immer ausschlaggebend ist. Und diese I gemischte Gesellschaft steht doch in denselben beschränkten Verhältnissen, wie die Offiziere des Orte$, und muß sich ebenso gegen die Gefahr des Versauerns und Verlotterns wehren.
„Wäre ich nicht ein Tor, wenn ich das täte?"
„Mehr als das, Sie verdienten, in- Irrenhaus g bracht zu werden! Ich weiß nicht, waS ich an Ihrer Stelle tun würde, ich kann mich in diesem Falle gar nicht hineindenken, aber ko ruhig und geduldig wie Sie wäre ich ganz gewiß nicht."
„Ich bin eS auch nicht, wenn ich auch äußerlich so -rtchein-", erwiderte Dagobert mit einem ärgerlichen Achselzucken, „ich hätte den Prozeß schon längst begonnen, wenn —"
Es war Heller Tag, als Dagobert aus dem Schlaf erwachte; erstaunt richtete er sich empor, sein Blick lei auf den ungarischen Grafen, der mit der brennenden Zigarre im Munde im Sessel saß und die neueste I Schale "eines Eies. Zeitung las. „Ich finde in meiner Börse keinen Beweis dafür,
„Das find schöne Geschichten!" sagte er ärgerlich, daß ich Ihnen den Gewinn ausgezahlt habe," et> „Ich habe bei Ihnen übernachtet? Was werden Sie widerte er, „ich glaube mich auch zu erinnern, daß nun von mir denken?" es eine namhafte Summe war —"
Der Graf legte lächelnd die Zeitung hin. „Reden wir doch nicht davon, Herr Baron!"
„Nichts Schlimme-," erwiderte er, „das Quartter „Im Gegenteil — diese Angelegenheit muß ge- hier war Ihnen von Herzen gegönnt. Sie fielen ganz ordnet werden!" plötzlich ab und schliefen ein — ist Ihnen das früher „Sie ist bereit- geordnet." häufiger pasfi-rt?" | „In welcher Weise?"
„Ich sagte Ihnen gestern Abend, daß da- Spiel nur zu unserer Zerstreuung dienen fodte, damik ist die Sache erledigt."
„Ich kann da- nicht acceplieien, Herr Graf, meinen Verlust muß ich unter allen Umständen
zahlen."
„Sehr w hl," lachte der Graf, „ich werde J!wen nicht sagen, wie viel er betrug, und ebensowenig Geld von Ihnen annehmen. Glauben Sie denn, ich iet ein Spieler von Profession, uue Sie waren nicht in der Lage, dem Spiel Ihre volle Aumertsomteit <u widmen, |o kann ich auch meinen Gewinn richt cle rechtmäßig erworben betrachten. Sie werden r’c-e Amchaumig billigen müssen. Sie würden unter bei - selben Verhältnissen nicht anders handeln "
„Sie wollen also nicht, daß diese Angelegenheit nach meinen Wünschen gcordnei wird?" fragte Dagobert unwillig
„Machen Sie sich deshalb doch keine Sorge, es!
gewachsenen Sprößlingen um euch herum, die als große Waffen dastehen, da sie einsam ihren Weg doch in's Leben hinein gehen müssen. Ihr sollt ihnen kein Opfer bringen an Mühe oder Geld, sondern nur im zwingenden Falle ihnen gehalten, daß sie euch zeitweilig besuchen, daß sie eine zeit- lang Platz nehmen an euerem häuslichen Heerde und sich dort etwas wärmen. Ohne Verant- worttichkeit und ohne Last könnt ihr sie auch zeitweilig „frische Luft" schöpfen lassen für ihr Gemüt. Ihr braucht und sollt sie nicht schulmeistern, aber wenn ihr ihnen den Mitgenuß einer braven, vernünsttgen Häuslichkeit auf ein Stündchen gestattet, so ist das ein gutes, erzieherisches Werk, das euch nichts kostet, meistens sogar noch einen gewissen Genuß, wenigstens Abwechselung und Anregung bringt. Ich glaube, dieses Werk der Barmherzigkett könnte man an das alte von dem Besuche der Gefangenen als zeitgemäße Entwickelung anreihen. Die Gastfreundschaft der Familien gegenüber allein stehenden jungen Leuten ist gerade jetzt, wo die Ehesckeu wächst und die Gefahr der Versauerung und Verwilderung mit ihr, ein dringenderes Bedürfnis als je zuvor.
Die Versauerungsftage hat noch mehr Seiten. Aber für heute genügt das wohl; sonst wird am Ende dem Leser die Sache zu „sauer".
Die katholischen Missionare im Norden ventsch-5üdwestastika§.
Schon seit der ©röffnung der katholischen Mission in Deutsch-Südwestafrika, die bekanntlich den Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria anvertraut ist, ging das Bestreben der Mission dahin, im Norden des Schutzgebietes an den fruchtbaren Ufern des wasserreichen Oka- wango inmitten des kräftigen OvambostammeS festen Fuß zu fassen. War doch dieser Teil Les Schutzgebietes in besonderer Weise den katholischen Glaubensboten zugewiesen worden. Für die Zukuilst der Mission und der Kolonie ist diese Gründung von der allerhöchsten Bedeutung. Die größte Schwierigkeit besteht teils darin, daß der fruchtbare Norden des Schutzgebietes durch Hunderte von Meilen, vielfach Wüstenlandes, vom Mittelpunkte der Kolonie und der Mission, Windhuk, getrennt ist, teils aber auch in den riesigen Kosten, die eine solche Expedition erfordert. Bereits drei Expeditionen haben die PP. Oblaten nach dem Norden unternommen. Auch die letzte, die in diesem Jahre ausgeführt wurde, hat noch keinen bleibenden Erfolg gezeitigt, vielmehr ein schweres Opfer gefordert. Der Obere der Karawane, der hochwürdige P. Stegner 0. M. I. fiel als Opfer feines apostolischen Berufes, lieber diese ereignisreiche dritte Expedition, die trotz ihres unglücklichen Ausganges nicht vergeblich gewesen ist, berichtet der hochw. P. Präfekt von Deutsch-Südwestafrika, P. A. Nachtwey, in einem Briefe vom 2. September der ,Fuldaer Zeitung' wie folgt:
„In allen Schicksalsschlägen, die der katholischen Mission in Teutsch-Südwestafrika seit den kurzen Jahren ihres Bestehens nicht erspart ge
sagte Dagobert zögernd, „aber ich rate Ihnen, hegen Sie keine sanguinischen Hoffnungen. Ich vermute, daß Baronesse Theodore schon das Bild eines anderen Mannes im Herzen trägt."
„Ich verstehe, Sie selbst —"
„Nicht doch, Herr Gras, ich würde nicht zwischen ihr und Ihnen stehen. Wollen Sie Ihr Glück versuchen, mögen Sie es immerhin tun, es ist ja möglich, daß Sie jenes Bild verdrängen, und eine An,rage ist schließlich jedem erlaubt."
Dagobert hatte fein Frühstück beendet und stand nun von seinem Sitz auf, um sich zu verabschieden.
„Ich will Sie nicht zurückhalten", sagte der Graf, den Händedruck erwidernd, „wann sehen wir uuS wieder?"
„Bin ich Ihnen nicht Revanche schuldig?"
„Damit eilt es nicht."
„Wenn es Ihnen genehm ist, heute abend!"
„Ich werde Sie gerne erwarten. Wir soupieren hier —"
„Ich kann daS wohl uicht annehmen, da wir noch nicht die Ehre gehabt haben, Sie als Gast bei uns zu sehen!"
„Ah, lieber Freund, das kann noch immer nach geholt werden!" sagte der Gras scherzend, „weshalb sollen wir uns au, den zeremoniellen Standpunk stellen? Also Sie kommen zum Souper?"
„Ich nehme Ihre Einladung an, wenn Sie mir morgen die Ehre schenken wollen."
„Mit Dank accepiiert," nickte der Gral, indem er an der Türe dem Freunde noch einmal die Hand drückte
Dagobert war verstimmt, al- er die Treppe binunterstieg; die Verpflichtung im Latte uspie. Revanche geben zu müssen, ärgerte ihn.
Er erinnerte sich dunkel, daß er am Abend vorher viel verloren hatte, und wenn er sich auch sagen mußte, daß da- Benehmen des Grafen in ,eber Weise nobel gewesen war, so drückte ihn doch der Gedanke, der Schuldner dieses Mannes geblieben zu fein.
(Fortsetzung folgt.)