30. Jahrgang.
fttldfl, Donnerstag, den 19. November 1903.
265.
gestorben. — Die Zentrale für Spiritusver Wertung teilt mit: Bei der Aussicht auf eine besondere Steigerung im Verbrauche von denaturiertem Brannt» wein beschloß heute der Gesamtausschuß der Zentrale für Spiritusverwertung, die Produktionsquote für 1903/04 der gebundenen landwirtschaftlichen Kartonel- brennereien um 10 Prozent zu erhöhen, — Der Offizier der Kappolizei, welcher über die Erhebung der Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika Untersuchungen anstellte, erklärt, die Aufständischen rechneten mit dem Vorgehen der Deutschen gegen sie und würden sich m das unzugängliche Pallaaedirge zurückziehen.
* Aachen, 18. November 1903. Wie etn hiesiges Blatt mitteilt, erhielt die Altenberger Spielbank gegen Abgabe von einer Million jährlich die Konzession der griechischen Regierung auf 36 Jahre für Korfu und wird dort am 15. Dezember eine Spielbank eröffnen.
Sie tta NHütige Petitzeile »btt deren Kew« 15 PfA. »eNarnen die peritzeUe IS Pf,.; bei Wiederholungen wirb entspe. Rabatt gewährt.
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J. Parzrller i« Zulba.
* Konstantinopel, 18. Nov. 1903. Am 16. Nov. wurden die Botschafler von Oesterreich- Ungarn und Rußland bei der Pforte wegen der Reformforderungen nachdrücklich vorstellig. Am Nachmittag stattete der Großvezier den Botschaftern in dieser Angelegenheit Besuche ab. Rach Mitteilungen der Pforte an die Botschafter habin am 10. Nov. aufständische Bulgaren das mohamedanische Dorf Lazar im Sandschak Kirk-Kiliffe niedergebrannt. Zwölf Einwohner wurden ermordet. In die Moschee wurden Bomben geschleudert. Die Band« ist geflüchtet und wird verfolgt.
• NrwYork, 18. Nov. 1903. Präsident Roosevelt uno Staatssekretär Hay wohnten am Montag der Hundertjahrfeier der Presbyterianerkirche bei. In einer Ansprache forderte Roosevelt alle Amerikaner, die dieses Namens wert seien, auf, sich zu bemühen, mit allen Mitteln die Bestechung im Privatleben und ganz besonders im öffentlichen Leben zu bekämpfen. — Diese Mahnung des Präsidenten wird leider wenig fruchten.
* Washington, 18. Nov. 1903. Die Hauptzüge des Vertrages betreffend die Erbauung des Panamakanals zwischen Staatssekretär Hay und dem Gesandten der Republik Panama, Bunau-Darilla, sind bereits vereinbart. Der erste Entwurf des Abkommens ist in der Ausarbeitung begriffen, doch ist der Tag der Unterzeichnung noch nicht festgesetzt.
* Sa« Domingo, 18. Nov. 1903. Die Lage ist hier ernst. Die Stadt ist von 4000 Mann, die unter dem Befehle des Generals Pichardo stehen, vollständig eingeschlossen. Ein Sturm auf die Stadt wird in einigen Tagen erwartet. Auch Straßenkämpfe find wahrscheinlich.
daß die Denkschrift, die von der Reichsregierung dem Reichstage über die Reservefonds der gewerbliche« Bernfsgenosseuschafteu vorgelegt worden ist, unrichtige Bemerkungen enthülle. Die Denkschrift hatte die Behauptung aufgestellt, daß bis zum Eintritt des Besteuerungszustandes der Unfallrenten die Gesamtsumme der Reservefonds der gewerblichen Berussgenoffen- schafteu fich auf 693 Millionen Mark belaufen werden, während zur Deckung der schwebenden Renten Verbindlichkeiten die Summe von 1196 Millionen Mark erforderlich sei, so daß trotz der durch das neue Gewerbe-Unfallversicherungsgesrtz vorgeschriebenen erheblichen Verstärkung der Reservefonds noch 503 Millionen Mark oder 42,1 vom Hundert der Verbindlichkeiten ungedeckt blieben. Demgegenüber behauptet der Berichterstatter des Verbandstages, Direktor O. Wenzel, daß durch die gesetzliche Verstärkung der Bestand der Reservesonds tatsächlich nicht auf 693 Mill., sondern auf 1405 Millionen anwachse, und daß sich mtchin nicht ein Defizit von 503 Millionen, sondern ein Ueberschuß von 209 Millionen über die zur vollen Deckung aller Verbindlichkeiten erforderliche Summe ergebe. Nunmehr liegt die stenographische Niederschrift der Verhandlungen im Druck vor. Ihr Inhalt läßt der ,Voff. Ztg.' zufolge kaum noch einen Zweifel zu, daß die Zahlen der Regierungsdenkschrift tatsächlich auf einen groben Fehler beruhen, und daß der Verfasser nicht die wirklichen Bestimmungen des Gesetzes, sondern eines in der Reichstagskommission erörterten Vorschlages, de» aber im Gesetze kernen Ausdruck gefunden hat, seinen Berechnungen zu gründe gelegt hat. Der bei den Verhandlungen in Bremen anwesende Vertreter des Reichsver- ficherungsamts Direktor Pfarrius hat nach dem vorliegenden Protokoll dort seinem Erstaunen über die überraschenden Mitteilungen des Direktor- Wenzel Ausdruck gegeben mit dem Bemerken, daß er selbst nicht Vertreter des Reichsamts des Innern sei und diesem überlassen müsse, fflt seine Zahlen einzutreten; er sei auch von der Richtigkeit des behaupteten Irrtums vorläufig noch nicht überzeugt, könne aber die Versicherung geben, daß die Zahlen eingehendst und sorgfältigst geprüft werden sollen. Mau wird also nunmehr wohl eine amtliche Erklärung der zuständigen Stelle erwarten dürfen. Sollten die Angaben des Berichterstatters fich bewahrheiten, so würde allerdings eine sofortige Abänderung des § 34 des Gewerbe-Unfallverficherungsgesetzes unabweisbar fein.
• Berlin, 18. Nov. 1908. lieber daS Befinden deS Kaisers, das sich fortgesetzt in befriedigendster Weise bessert, werden von jetzt an bis auf weiteres keine ärztlichen Berichte mehr ausgegeben werden. — Die kommiffarischen Verhandlungen für die Vorbereitung eines deutsch-russischen Handelsvertrages finden im Minifierzimmer des Abgeordnetenhauses statt. — Der Kolonialrat ist auf Montag, den 80. November ds. Js., vormittags 10 Uhr, einberufen worden. -» Der Kronprinz von Dänemark traf heute mittag kurz nach 12 Uhr 30 Minuten in Potsdam ein. Zum Empfange war der deutsche Kronprinz am Bahnhof erschienen. Der Kronprinz von Dänemark reist heute abend nach Wien ab. - Das Mitglied des Herrmhauses Graf v. Schwerin-Schwerinsburg ist heute vormittag Stadt erworben hat, wird im Verkehr mit dem ungebildeten Vater bald abgeschliffen sein. Dem jungen Herrn müssen die Besuche im Förfierhause verboten werden; das will ich schon besorgen, das ist ja meine Pflicht, den künftigen Majoratsherrn vor solcher Mesalliance zu bewahren. Ist er in das Mädchen verliebt, so wird er nach diesem Verbot fich heimlich zu ihr stehlen, und begegnet er auf diesen Schleichwegen seinem Nebenbuhler, so — na, ich brauche bi? Sache wohl nicht Wetter auszumalen."
.Keine üble Idee, wenn sie nur ausgeführt werden kann", sagte der Verwalter, indem er seinen Stock ergriff, „ich will mir's überlegen. Auf das Geld kann ich also rechnen?"
„Nehmen Sir es einstweilen au- der Berwaltungs- kasse, Sie find ja noch nicht entlassen."
„Gut, dann aber müssen Sie später bei der Revision der Bücher die Richtigkeit meiner Abrechnung anerkennen."
„Das alle- wird fich ja finde«, ich komme in den nächsten Tagen hinaus, vielleicht lasse ich Sie dann ins Kabinett rufen."
„Ich hoffe, daß wir dann einen Schritt weiter gekommen find," sagte der Verwalter, „wünsche gesegnete Mahlzeit, Herr Notar."
„Damit oing et hinaus, und als er auf der Straße war, stieß er zornig mit dem Stock auf das Pflaster.
„Ich will ihm den Spitzbuben eintränken 1" k tunte er. „Mir hat er es wahrhaftig nicht zu verdanken, wenn er ttotz alledem MajoratSben wird. Dieser Notar tut, al» ob er niemals ein Wässerchen, gehübt hätte; käme es einmal zur Abrechnung, so würde er sich zu salvieren wissen und dabei ist er von uns dreien der g-ößte Spitzbube. Sein Plan ist gut, aber der Plan Eduard» 'ist auch nicht schiech, ich will hören, wie weit er gediehen ist."
Der Verwalter hatte die Wohnung sein-s SobneS bald erreicht; die beiden wechselten einige gleichgiltige Bemerkungen mit einander, Sann stiegen fie die Wendellreppe hinauf in» Kabinett.
„Wie »eit find wir?" fragte der alte Manu,
Zahl der konservativen Wahlmänner vermehren halfen. So hätten in Breslau bei 90 konservativ-sozialdemokratischen Stichwahlen 49 konservative Wahlmänner ihre Wahl den liberalen Urwählern zu verdanken. Die sozialdemokratischen Wähler, die 49 mal die Ausschlaggebenden zwischen den Konservativen und Liberalen waren, hätten diesen Ausschlag selbstverständlich zu gunsten der Liberalen abgegeben, wenn diese fich nicht vorher schon ihren Anträgen gegenüber ablehnend verhalten hätten. In 44 von 49 Fällen seien daher die Genossen ohne viel Federlesen aus dem Wahllokale marschiert. Nur in 5 Fällen seien einzelne so gutmütig gewesen, die Liberalen aus der Patsche zu ziehen. Die Sozialdemokraten hätten den Liberalen weitere 24 Mandate zuwenden können, wenn diese fich mit ihnen verständigt hätten. Die Breslauer Liberalen hätten sich also durch eigene Schuld nicht weniger als 73 Mandate verscherzt. Im Wahlkreise Halle-Herford Bielefeld haben die Konservativen 424, die Liberalen 401 und die Sozialdemokraten^ 133 Wahlmänner. Wenn die Liberalen in den Stichwahlen zwischen konservativen und sozialdemokratischen Wahlmännern nicht, wie fie taten, den konservativen, sondern den sozialdemokratischen Wahlmann gewählt hätten, so würden fie die relative Mehrheit der Wahlmänner besitzen und der sozialdemokratischen Hilfe bei der Abgeordnetenwahl überhaupt nicht bedürfen. Die Liberalen haben den Konservativen so viele Wahlmänner - Mandate zugeführt, daß sie nun von der Sozialdemokratie abhängig geworden sind.
% An die sozialdemokratischen Laud- tags mahl- Ko »ite es richtet das Zentralwahl- Komitee im .Vorwärts' folgende Anweisung: „Nachdem in der Samstags-Nummer des »Vorwärts' die taktischen Grundsätze in Erinnerung gebracht worden sind, soweit es sich um Wahlkreise handelt, in denen die Sozialdemokraten ausschlaggebend find, werden wir von verschiedener Seite befragt, welche Taktik die sozialdemokratischen Wahlmänner in denjenigen Wahlkreisen einschlagen sollen, in denen wir bet den Abgeordnetenwahlen nicht den Ausschlag geben. Wir ersuchen die Komitees, dafür Sorge zu tragen, daß sich die sozialdemokratischen Wahlmänner auch in diesen Wahlkreisen möglichst zahlreich an dem Wahlakt beteiligen, damit die sozialdemokratischen Wahlmannsstimmen bei der Abgeordnetenwahl zur Geltung kommen. Etwaige Unterstützung gegnerischer Kandidaten kommt in diesen Wahlkreisen natürlich nicht in Betracht."
* Die Einführung von Abgabe« für die Stromschiffahrt soll in Ausficht stehen. Die ,Nat. Ztg/, die vor einigen Tagen bereits andeutete, daß man im Eisenbahnminifierium nicht frei von der Neigung zur Aufhebung der Abgabenfreiheit zu sein scheinen, behauptet jetzt, ihre Vermutung sei neuerdings zu Gewißheit geworden. Die ,Berl. Pol. Nachr/ beginnen eine Artikelserie, in der offiziös für die Schiffahrtsabgaben Stimmung gemacht werden soll.
(]:[) Auf dem letzten Verbands-ag der deutschen Berufsgenossenschaften in Bremen wurde mitgeteilt, «einen Vorschuß geben und denselben gewissermaßen als Pension in Anrechnung bringen; wozu Sie aber dieses Geld lenutzen wollen, kümmert mich nicht. Ich kann Jbnen nur sagen, daß Sie Ihre Berwalterstelle zmückerhaltkn werden, wenn beijenige beseitigt ist, der Ihre Entlassung gefordert hat, nicht eher, denn wir dürfen den Wünschen und Forderungen deS be« retfitigten Erben nicht schroff entgegentrete!-, wenn wir unS nicht den Borwmf zuziehen wollen —"
„Ach was, er steht noch unter Ihrer und seines OnkelS Vormundschaft", fi l der Verwalter ihm abermals ins Wort, „er muß gehorchen, meine Entlassung war keine Notwendigkeit; daß man einen alten, treuen Diener so ohne weiteres opfert —"
„Wissen Sie, tote Baron Dagobert Sie nennt? Spitzbube!"
„Er soll nicht wagen, da» öffentlich zu sagen?" rief Schreiber, dessen eckige» Gesicht fich dunkelrot färbte. „Ich würde vor Gericht Beweise von chm fordern, und da er fie unmöglich vorlegen kann, so müßte er wegen boSgaf'er Beleidigung bestraft werden."
„Ich glaube, Sie tun besser, diese Rechenschaft nicht zu fordern", sagte der Notar kühl, „eS würde dadurch ohne Not viel Staub anfgewirbelt, und Sie zögen den Kürzeren dabei. Lassen wir das", fuhr er mit einer befehlenden Hand beweg»« g fort, „wir wollen die Sache nicht weiter erörtern, wir wissen ja alle, wa» in der Vergangenheit geschehen ist. Wie lange ble.ben Sie noch in Eichetiborfi?"
Von heute ab noch drei Wochen."
’ (So ist ei ja noch hnrrtr m&alirfi, daß Sie gar nicht entlassen werten. Sehen Sie fick nur nach einem Liebbader für RöScken um, der Bursche muß feurig und jähzornig sein, verstauben?^
Ja ich verstehe da« wohl", stritte der Verwalter, der sich inm Ausbruch rüstete, „et ist keine schlechte Idee, aber ich fürchte nur, daß sich von unseren Burschen keiner a-- die vornehme Dame wagen werde." „Vornehme Dame? Pad, sie ist nur ett e FötsterS- tochter, das bißchen Bildung, bat sie sich hier in der
Das St Antoniusheim.
Heute, am Feste der hl. Elisabeth, in der das 13. Jahrhundert die christliche Nächstenliebe, wenn man so sagen darf, verkörpert gesehen hat, nachdem er fich niedergelassen und Atem geschöpft hatte.
„Ich denke, eS geht alles vortrefflich," erwiderte Eduard; „unser Graf verbringt heute den gangen Tag mit Dagobert, er wird heute abend den ersten Versuch wachen. Aber die Sache kostet Geld, bitt Geld, fünfhundert Gulden habe ich schon gezahlt, der Graf muß ja Mittel haben, um spielen zu können."
„Wenn totr nur erreichen, was wir wollen, dann ist daS Geld Nebensache," sagte sein Vater. „Der Gras toirb ja im Spiel gewinnen, Baron Dagobert muß ihm nun den Säckel füllen."
„DaS habe ich ihm auch gesagt, er soll diese Goldgrube auSnutzen. Baron Dagobert hat wohl von drüben nichts mitgebracht?"
„Im Gegenteil, er soll ein hübsches Vermögen erworben haben."
„Darm wird die Geschichte etwas länger dauer«."
„Ein einziger falscher Wechsel, mein Junge, brächte alles in Ordnung "
„Oder ein Duell?"
„Dann müßte er in diesem Duell fallen."
„Ich habe darüber schon mit unserem Grasen gesprochen, er will ein guter Schütze sein, aber er fordert für diesen Mord, wie « eS nennt, eine große Su«me"
„Er soll sie haben, wenn er ihn rotschießt. Ich hasse ihn mm auch so glühend, wie Du ihn nur hassen kannst; er hat mich beschimpft, er behandÄt mich wie einen Ackerknecht und droht habet mit der Revision meiner Bücher. Baron Kurt schützt mich jetzt noch, aber man kennt ja die großen Herren, fie denken nur jn ihren eigenen Vorteil. Der Baron läßt wich rückfichtSloS fallen, wenn sein Interesse ihm daS gebietet. Ich war vorhin beim Notar Tellenbach, wir haben auch von ihm keine Unterstützung zu erwarten, er sowohl tote der Baron wollen von unseren Plänen nichts wissen; fie nehmen nicht einmal Notiz davon, wenn fie auch heimlich uns beobachten. Aber wem, der Ersolg da ist, dann dürfen wir anch fest darauf rechnen, daß wir nicht zu kurz dabei kommen." (K. f.)
3>as Majorat.
Roman von Ewald August Röntg.
98 ------ (Nachdruck verboten.)
„Das fehlte noch!" brauste Schreiber auf. „Der Förster nimmt fich ohnehin schon so viel haaus —"
„Stegen Sie fich nicht so auf, so weit ist die Sache noch nicht gediehen. Kennen Sie nicht einen tüchtigen Burschen, den Sie auf Röschen aufmerksam machen können? Wenn er sich in das Mädchen verliebt, Wunen wir ihm getrost da» weitere überlassen; die Heberen Landbewohner haben den Teufel im Leibe, wenn ihre Eifersucht geweckt wird!"
„Einen tüchtigen Bmschen?" wiederholte der Ber- toatter, mit der Hand einige Mal über den kurzge- fchoreueu Bart fahrend. „Hm, wir haben solche Burschen genug in unserer Gegend, ober fie find zu »gehütet, es wird keinem von ihnen gelingen, die Neigung de» Mädchens sich zu erw rben."
„Ist auch nicht nötig, wenn er selbst nur fich m das Mädchen verliebt! Er wird fich dann sagen, daß der vornehme Herr ihm im W ge stehe; er wird einen Borwand suchen, um mit diesem Herrn Streit zu be- gbma», diese Leute setzen einen Stolz darein, Proben ihrer rohen Kraft ablegen zu können. Was fich dmcauS entwickeln toirb, können wir getrost abtoorten.'
„And der andere Plan kann fallen gelassen werden?" «iterbradj Schreiber ihn.
Der Notar trommelte mit den hageren Shtgern *uf feiner Dose, wieder umspielte da» spöttische Lächeln feine schmalen Lippen.
„Bester Freund, fragen Sie mich nicht, wa» ge- jchehen soll", sagte er, „ich mag davon nichts wissen! Was Sie auch tun mögen, um auf Ihren Posten zurückkehren zu lönneu. mir ist ei gleich, giftig, und nur aus alter Freundschaft habe ich Ihnen den Rat gegeben, dmch den Sie trieb dücktt Sbren Zweck erreichen können. Verlangen Sie e* von mir, so ftnn ich Ihren vielleicht einen
guföaer
tDedmbeuage: „Illustrierte Somtfaasietttma“
Zeitung
MonaKbellage: „Zuldaer Geschichtsblätter".
Deutsches Reich.
Berlin, den 17. November 1908.
*, Der Wahlausschuß der vereinigten liberalen Parteieudes Wahlkreises Teltow-Beeskow- Starkow-Eh arlottenb urg hat das Wahl- k««pro«iß mit de» Sozialdemokraten, daS diese angeboten hatten, abgelehnt. Wenn Hamit, wie kaum bezweifelt «erden kann, das letzte Wort gesprochen ist, so wird der Wahl- ßreiS abermals für fünf Jahre der „Reaktion auSgeliefert". Die siegenden „Reaktionären" ver- togen nur über die Minderheit der Wahlmänner. Die Zahl der liberalen und sozialdemokratischen Wahlmänner zusammen übersteigt um etwa 500 tie Zahl der Konservativen. Das jüdisch-frei- sinnige ,Berl. Tagebl." ist ganz unglücklich, daß «an sich nicht mit den Sozialdemokraten geeinigt hat. Aber wer hätte denn zu gunsten der Sozialdemokraten verzichten sollen? Die Freisinnigen oder die Nationalliberalen? Die ausfallende Partei hätte sicher nicht mehr mitgetan.
!)(! Der oberschlesische Wahlkreis Bentheu- Kattotvitz-Tarnowitz-Zabrze ist nach der ,Schles Volksztg/ noch keineswegs als für das Zentrum verloren anzusehen. Die Mischmaschparteien haben zwar sofort ausge- fprengt, fie hätten die Mehrheit der Wahlmänner Sr fich, aber das war eine ganz willkürliche Häuptling. Sie war schon aufgestellt, als das Wahlergebnis noch gar nicht festgestellt war Md war offenbar darauf berechnet, die Zentrums- Wahlmänner irre zu wachen. Der Mischmasch hat fich dann eine ganze Anzahl von Wahl- männer zugerechnet, die zur Zenttumspartei gehören. Wenn unsere Wahlmänner am Freitag ihre Pflicht tun, darf auf einen Sieg des Zenttums gerechnet werden. Das betont auch das Zen- trumswahlkomitee des Kreises in einem Aufruf an die Wähler. Uebrigens müssen seitens verschiedener Grubenverwaltungen und Grubenbeamten unglaubliche Wahlbseünfluffungm und Terrorisierungen der armen Arbeiter vorgekommen srdi! — Der Wahlkreis Pleß-Rybuik, aus de« das endgiltige Wahlergebnis immer noch nicht vorliegt, scheint ebenfalls für das Zentrum noch nicht verloren yt sein. In Danzig sollen Konservativen und Zentrum einen kleinen Vor- ssprnng haben, so daß dort möglicherweise doch «och dem Zentrum ein Mandat gewonnen wird. Auch in Neuwied-Altenkirchen soll das Zentrum auf Grund eines Kompromisses Aussicht auf ein Mandat haben.
* Freisinn und Sozialdemokratie bei be« Wahle«. Der ,Vorwärts^ hält den Freisinnigen ingrimmig vor, daß sie sich durch 8>r Verhalten bei den Urwahlen verschiedentlich selbst Schaden zugefügt hätten, indem sie die
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