Einzelbild herunterladen
 

flllüs, Montag, den 16. November 1903.

30. Jahrgang.

M 263.

Mt t» tzmltt-e PEzeile oft et freie« In« 15 Pf-, lenowe* frie petttzeil« » Pf,.; frei wieder. Solange« wirft eitifpr. Keoart gewährt.

Prxf »nb verleg der ZuIdaerActieudruckere' monatsbHiage:guldaer GeschichkbMer". Lrnisprecher Rr fr?

Sfl XUlOßCT

HAMMettenIof-dmM

3.ÄdtoÄ»«. wochenbeüage:Illustrierte ZonutaKszettung

§ Die Landtagrwahlen inö die

* Sozialdemokraten.

ei So viel wir sehen, haben die Sozialdemokraten nur in drei Wahlkreisen die Entscheidung in der Hand, ob Liberale oderReaktionäre" ge­wählt werden sollen: in Breslau, Charlottenburg und Herford-Bielefeld. In Elberfeld-Barmen tonnten sie allerdings ebenfalls den Sieg der Liberalen verhindern, aber da diefe die Mehrheit der Stimmen haben und in der Ueberzeugung, daß die Sozialdemokraten nicht dieReaktionären" unterstützen werden, sich auf kein Paktieren oder Verhandeln mit den Sozialdemokraten einlaffen «erden, bleibt diesen nichts anderes als Wahl­enthaltung übrig Dieser Wahlkreis fällt also fort. In den drei anderen stehen immer die verbündeten Freisinnigen und Nationalliberalen denReaktionären" gegenüber. Daß die Sozial­demokraten sich ohne Gegenleistung den Liberalen zur Verfügung stellen werden, darf wohl als ausgeschlossen gelten. Das sozialdemokratische Zentralwahlkomitee weist im,Vorwärts' feierlich auf den Beschluß der Landeskonferenz vom 26. April hin, wonach in Wahlkreisen mit zwei oder drei Abgeordneten, in denen die Sozial­demokraten zwischen Freisinnigen und weiter rechts stehenden Parteien den Ausschlag geben, für das Eintreten zu gunsten der Freisinnigen ein Mandat zu verlangen ist und, wenn dies verweigert wird, die Sozialdemokraten sich der Stimmabgabe zu enthalten haben.

Es ist nicht anzunehmen, daß dieser Beschluß in den drei Wahlkreisen unbeachtet bleiben wird. Es ist aber auch ausgeschlossen, daß die Liberalen den Sozialdemokraten ein Mandat ab­trete«. Sie könnten es gar nicht einmal. Ihre Wahlmänner würden sich sicher nur zum kleinsten Teil zur Wahl eines Sozialdemokraten bewegen laffen, teils aus Prinzip, teils aus Geschäft. Und welche von den verbündeten liberalen Par­teien sollte das Mandat bergeben? Diejenige, die leer ausgehen müßte, würden ärgerlich wer­den und wahrscheinlich nicht mitwählen. Dann wäre wieder der Sieg derReaktionären" wahr­scheinlich. Ohne Gegenleistung können die So­zialdemokraten aber nach all den großen Worten, die sie gegen den Freisinn verbraucht haben, gar «icht mehr für diesen stimmen. Schließlich kann es den Sozialdemokraten auch wirklich höchst gleichgiltig sein, ob ein paar Liberale mehr ober weniger im Landtage fitzen. Diereak­tionäre" Mehrheit ist ja doch nicht zu zerstören. Ja, wenn die Liberale» einen großen Sieg er­fochten hätten und es nur noch darauf ankäme, ob sie oder dieReaktionären" die Mehrheit ge­winnen sollten, dann könnte man bei den Sozial­demokraten vielleicht mit demReaktions"-Ge- fpeuste Eindruck machen.

In der liberalen Presse wird ein großes Jubelgeschrei über dasFiasko" und diekläg­liche Niederlage" der Sozialdemo­kraten erhoben. Das soll offenbar dazu dienen, die Aufmerksamkeit von dem liberalen Fiasko abzulenken. Die Liberalen sind es, die in ihrem

ePas Majorat.

Roman von fctoalb August König.

84 ------ (Nachdruck verboten.)

Georg ba»d die Zügel seine- Pferde- lo- und schrit langsam dem Walde zu.

Theodore, die an seinem Arme hing, schmiegte sich innig an ihn, eine unsagbare Fülle von Liebe strafte aus ihren Auge».

Wie gerne sähe auch ich eS, wenn Du btt mir bliebest," sagte sie leise,aber Du hast recht, voll und ganz dürfen wir unsere- Glücke- unS nicht steue», »nd ebenso wenig darf Papa von anderer Seite unsere Verlobung erfahren. Und wenn Du auch scheidest, ich bin mm nicht mehr allein, Geliebter, unsere Seelen werde» stet- beisammen sein im Wachen und Träumen. Leb' wohl und komme bald; folge meinem Rate, von dem ich nur Gute- erwarte."

Er schloß sie noch einmal fest in seine Arme und küßte sie auf Augen und Lippen, dann schwang er sich i» den Sattel, und chr noch einmal mit der Hand zvwinkend, ritt er rasch von dannen.

11. Kapitel.

»Mne Dame wünscht den Herrn Notar zu sprechen," meldete der Schreiber; der kleine, hagere Herr, der eben eine Prise nehmen wollte, nickte gewährend und trat vor den Spiegel, um die West heruMerzuzieheu und die weise Halsbinde zurecht zu rücken.

Gleich darauf trat Nanni in eleganter Toilette eia.

Ach so, Sie find er?" fragte der Justitiar enttäuscht,na, nehmen Sie Platz, Sie kommen ge­legen, denn ich habe gerade eine halbe Stunde Zett."

Ich sollte glanbe», daß ich Ihnen immer ge­legen komme," erwiderte die Zofe in ihrer schnippischen Weise,ich kann nicht über meine Zeit verfüge!', wie r- mir beliebt. Wenn das gnädige Fräulein mich

mit so lautem Tamtam angekündigtenKampfe gegen die Reaktton" eine klägliche Niederlage er­litten haben. Das wird mit jeder Nachricht über den Ausfall der Urwahlen deutlicher. Ob die Liberalen überhaupt einen Mandajszuwachs er­fahren, ist noch sehr fraglich. Was die einen gewinnen, scheine» die andern zu verlieren. Jedenfalls wird der Gesamtgewinn sich auf ein paar Mandate beschränken. Also nur nicht so übermütig. Auf einen nennenswerten Sieg aus eigener Kraft haben die Sozialdemokraten unter der Herrschaft des Dreiklaffensystems von vorn­herein nicht rechnen können und nicht gerechnet. Sie konnten nur hoffen, in einer Anzahl von Wahl­kreisen ausschlaggebend zu werden. Das ist nun allerdings in weniger Fällen geschehen, als sie erwartet haben werden. Aber ist denn bie8 ein Wunder? Es handelt sich bei ihnen doch fast ausschließlich um abhängige Wähler der dritten Klasse. Und wenn man unparteiisch sein will: so verächtlich find ihre Erfolge dort, wo sie sich überhaupt beteiligt haben, denn doch nicht. Von den etwa 7000 Wahlmännern in Berlin haben fie über 2200 erhalten. Die Frei­sinnigen dagegen haben gegen früher etwa 1000 verloren. In der Umgegend von Berlin weisen die Sozialdemokraten gleichfalls sehr stattliche Zahlen auf, und an manchen andern Orten ist es nicht anders.

Mit dem Geldsack die besitzlose Maffe zu besiegen, ist gerade kein Kunst- und Heldenstück, vor allem kein solches, dessen sich die Liberalen zu rühmen hätten. Wo war denn dasliberale Bürgertum in Stadt und Land", mit dem man wieder so groß tut, bei diesen Wahlen? Wo war es bei den Reichstagswahlen? Die Sozial­demokraten haben bei diesen in Preußen 1600000 Stimmen aufgebracht. Anderseits macht sich aber auch der .Vorwärts' lächerlich, indem er die Wahlbeteiligung der Sozialdemokraten zu einem weltbewegenden Ereignisse auf­zubauschen sucht und tut, als ob damit das Dreiklaffensystem erschüttert worden sei. Daß die breite Maffe des Volkes bei diesem Wahl­system nur ein ganz geringes Maß tun Wahl­recht besitzt und beinahe entrechtet ist, hat sich ja wieder gezeigt, aber man wußte es auch schon längst vorher.Das Unerträgliche wird nicht ertragen werden!" prahlt der »Vorwärts/ und tut, als ob das Dreiklaffensystem fallen müßte. Wir zweifeln einigermaßen an dem raschen Er­folge der Agitation, die die Sozialdemokratie gegen das preußische Wahlrecht beginnen zu wollen scheinen. An die Erreichung des Zieles: Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, ist jedenfalls nicht zu denken.

Deutsches Reich.

Berlin, den 14. November 1903.

* Geh. Rat Prof. Dr. Moritz Schmidt erschien am Freitag abend in der Sitzung der Berliner laryngologischen Gesellschaft, deren Mitglied er ist, kurz nach Eröffnung der

nicht zur Putzmacherin und der Schneiderin geschickt hätte, wäre ich auch heute Morgen noch nicht gekommen."

Zur Sache," sagte der alte Herr, auf einen Stuhl deutend,bringen Sie mir wichtige Nachrichten?"

Vielleicht!"

Dann heran- damit!"

So rasch geht da- nicht; fragen Sie und ich werde antworten."

Wa- ist da viel zu fragen," tagte er achsel­zuckend, es wird eben alle- noch so fein, wie es gestern und vorgestern war."

Doch nicht so ganz," antwortete fie in einem triumphierenden Tone,die beiden Herren haben gestern den erste« Wortwechsel gehabt."

Worüber?"

Ich weiß es nicht, fie halte« im Arbeitskabinett eine lange Unterredung und sprachen dabei sehr laut, ich hörte nur, daß Baron Dagobert den Verwalter einen Spitzbuben nannte."

Hm, das ist nicht- neues, dem Verwalter ist ja gekündigt. Steht die Baronin noch immer auf gespanntem Fuße mit ihrem Schwager?"

Sie verläßt ihre Gemächer nur selten, speist dort allein und will weder von ihrem Schwager noch von der Baronesse etwas wissen. Ein ungarischer Graf bat gestern den Herren Besuch gemacht und mtt Baron Dagobert lange allein gesprochen."

Sein Name?" fragte der Notar aufblickend.

Ich fand die Karte heute morgen auf dem Schr eib- ttsch: Graf Morray. Baron Dagobert ist heute morgen gleich nach dem Frühstück zur S'.adt; er hat beim Ab­schied gesagt, daß er wahrscheinlich vor Abend nicht zurücttehren werde. Uebrigen- ist meine Stellung schwierig und unangenehm geword-n, der Kammer­diener und der Kutscher nennen mich bei jeder Ge­legenheit eine Spionin, fie kennen meine Besuche bei Ihnen, ich kann mich nicht genug vor ihnen hüten."

Der Herr Baron und ich schützen Sie, da kann Ihnen nichts geschehen".

Wenn da- gnädige Fräulein Kenntnis davon

Verhandlungen. Der Vorsitzende, Geh. Ra Prof. Dr. Fränkel, unterbrach den Vortrag des Prof. E. Meyer, um den Kollegen und Freund zu dem glücklichen Erfolge der Operation des Kaisers zu beglückwünschen. Geh. Rat Schmidt dankte für die ihm dargebrachte Ehrung. Er habe ja nichts besonderes geleistet; derartige Eingriffe mache jeder Laryngologe in seiner Praxis. Das Besondere an der Operation sei der Pattent gewesep. Es möge wohl eine eigen­tümliche Empfindung sein, unter so ungewöhn­lichen Verhältnissen einzugreifen; allein in dem Moment, in dem er mit seinem Instrument in den Kehlkopf des hohen Patienten einging, habe er ganz vergessen, wer vor ihm saß. Am ver­gangenen Sonntag seien es gerade 16 Jahre ge­wesen, daß er mit dem damaligen Prinzen Wil­helm nach San Remo zum Kronprinzen ge­fahren sei. Seit dieser Zeit sei er in Ver­bindung mit ihm geblieben. Darum sei er, nachdem Dr. Jlberg vor zwei Monaten das Gewächs entdeckt habe, zugezogen worden; dies­mal sei nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen, bevor die Untersuchung des herausgenommenen Polypen von Prof. Orth erfolgt sei. Wie sorgfältig man das Geheimnis, daß der Kaiser operiert werden sollte, gehütet hat, ersieht man aus einer Berliner Mitteilung der »Frankfurter Zeitung', die wie das erste Kapitel einer fesselnden Erzählung klingt:

Bor dem Potsdamer Bahnhof in Berlin hält eine geschloffene Herrschastskutsche, deren Lakai scharf nach jemandem auszufpähen scheint: er wartet auf einen Fahrgast, der nur daran erkenntlich ist, daß er den Rockkragen hochgestülpt trägt. Wirklich erscheint in dem Menschenfirom, der dem ankommenden Zuge entstiegen ist, bald solch' ein halbvermummter Herr; et besteigt die Kutsche, und los geht's in scharfem Trab; ein langer Weg weit über die Stadt hinaus ist zurückzulegen. An einem Tage der vorigen Woche spielte sich diese kleine Straßenszene ab, die im Ge­triebe des belebtesten Berliner Platzes von niemanden beachtet worden sein kann. Was so unauffällig vor­bereitet wurde, kann niemand auch nur im entferntesten geahnt haben. Erst drei Tage später erfuhr man von der Operation, die am letzten Samstag mit so gutem Erfolge am Kaiser vorgenommen worden ist, und mit ihr hängt die Szene am Potsdamer Bahnhof zusammen. Profeffor Schmidt in Frankfurt, der ge­heimnisvolle Fahrgast, war durch ein Telegramm von den zur Geheimhaltung notwendigen Maßregeln be­nachrichtigt worden. Im Neuen Palais bei Potsdam angekommen, erhielt er zwei Zimmer angewiesen, in denen er zwei Tage lang vollständig in Klausur blieb; außer dem Kaiser, der Kaiserin, den zwei Leibärzten und dem Kammerdiener wußte niemand von feiner An­wesenheit. Auf einer Wendeltreppe tarn er direkt in das Gemach, daS als Operationszimmer verwendet wurde. Hier wurde auf Wunsch des Kaisers nur noch ein Unbeteiligter hinzugezogen: der greise Diener, der in der Krankheit des Kaisers Friedrich assistiert hat. Wie bekannt, ging die Operation selbst sehr rasch und glücklich von statten; der Patient hatte nur eine Be­dingung gestellt: er forderte die ehrenwörtliche Ver­sicherung des Arztes, daß er über die Natur des Leidens die völlige Wahrheit erfahre. Nach voll­zogener Operation schrieb der Kaiser selbst die Adressen auf darunter die des Kronprinzen an welche telegraphische Nachricht abgehen sollte, und er hatte sogar Ruhe und Fassung genug, anzufügen: nur die Großherzogin von Baden möge wegen ihrer Aengstlich- teit brieflich verständigt werden, und zwar rechtzeitig, bevor die Zeitungsnachrichten sie erreichten. Die in der Sonntagsnummer der ,Nordd. Allgem. Ztg.' erschienene Nachricht sah der Kaiser selbst vorher durch. Daß vor

erhielte, würde fie meine Entlassung fordern, deshalb fordere ich nun die Entlassung der anderen."

Der alte Herr klopfte auf den Deckel seiner Dose und lächelte spöttisch.Die alten, zuverlässigen Diener kann und wird der Herr Baron nicht ohne Grund entlassen," sagte er.

Gründe find genug vorhanden," erwiderte Nanni rasch,die alten Diener halten mit Baron Dagobert, fie verraten ihren Herrn an ihn."

Können Sie das veweisen?"

Die Beweise wären leicht zu finden."

Der Notar legte die Hände auf den Rücken und toanberte eine Weile mit gedankenvoller Miene auf und nieder.

Und worauf würden die Beweise hinauslaufen?" sagte er.Auf Geklatsch, dem Baron Kurt feilte Folge geben dürfte. Von einem Verrat kann ja auch keine Rede fein; der Herr Baron bleibt in all seinen Handlungen auf dem gesetzlichen Wege, und es ist am Ende kein Vorwurf für die alten Diener, wenn fie dem rechtmäßigen Erben anhangen".

Das spöttische Lachen Nannis bewog den Notar Tellenbach, mitten im Satze abzubrechen; befremdet und ärgerlich blickte er fie an.

Weshalb lachen Sie?" fragte er.

Weil Sie etwas sagen, was Sie selbst nicht glauben! Ich erinnere mich dabei früherer Unter­redungen, Sie werden vielleicht nicht mehr zugeben wollen, daß Sie damals sagten, Baron Kürt müsse das Majorat behalten, weil er es so lange verwaltet habe? Sie sprachen auch von Baronesse Theodore, und nun haben Sie selbst das größte Interesse daran, daß ihr Vater Majoratsherr bleibt!"

Ich? Weshalb?"

Lieber Himmel, wie unschuldig Sie fich stellen!" spottete Nanni.Ober sollte es Ihnen wirklich gleich­giltig fein, ob der Herr Hauptmann Tellmckach Majoratsherr von Eichenhorst wird?"

Der Notar fuhr erschreckt zusammen, er hatte den Gedanken an diese Möglichkeit bisher nur feinem

dieser Nachricht auch nut die geringste Vermutung nach außen drinae, war also, wie man steht, wirklich völlig ausgeschlossen

* Der Verlust der beide» Zeutrums- maudate für Beuthen-Kattowrtz-Zabrze an die vereinigten Liberalen und Konservativen scheint leider gewiß zu {fein. Aus Pleß-Rybnik bleiben die Wahlnachrichten merkwürdig lange aus. In Bentheim-Lingen und Hamm- Soest scheine» die im Jahre 1898 durch Kom­promiß gewonnenen Mandate verloren zu fein. Sonstige Verluste scheinen dem Zentrum nicht zu drohen. In Breslau haben Zentrum und Konservativen zwar nicht die absolute Mehrheit der Wahlmänner, aber der Sieg dürfte ihnen doch sicher sein, da die Liberalen fich wohl nicht mit den Sozialdemokraten einigen werden. Als­dann gewinnt das Zentrum dort ein Mandat. Danzig bleibt den Liberalen erhalten. Dort winkt uns also kein Gewinn.

** Zum 40jährigen Regierungsjubi­läum des Königs von Dänemark schreibt die,Nordd. Allg. Ztg.': Vier Jahrzehnte sind morgen seit dem Tage verflossen, an dem der König von Dänemark den Thron bestieg. König Christians IX. Regierung umfaßt für Dänemark eine Zeit stetig fortschreitender Entfaltung der in dem begabten Volke lebenden Kräfte; auf den Gebieten der geistigen und materiellen Kultur hat eine Aufwärtsbewegung stattgefunden, deren Segnungen sich allen Teilen des Landes fühlbar gemacht haben. Des ehrwürdigen Monarchen Jubelfest wird daher in ganz Dänemark feierlich begangen werden und allerorten der innige Wunsch zum Ausdruck gelangen, daß dem Könige noch lange Jahre treuer Fürsorge für sein Volk beschießen sein mögen. Aber auch außerhalb Dänemarks und namentlich in Deutschland nimmt man an dem Feste der dänischen Herrscherfamilie, die zu unserem Herrscherhause in engen freund­schaftlichen Beziehungen steht, warmen Anteil. Mit dem Kaiser, der für den greisen König Gesinnungen aufrichtiger persönlicher Ver­ehrung hegt, weiß sich unser Volk eins in dem Wunsche, daß es dem Könige, unter dessen Re­gierung das Verhältnis zwischen Dänemark und dem Reiche das Gepräge ungetrübter Freund­schaft angenommen hat, vergönnt sein möge, auch fürderhin zum Segen seines Landes zu regieren und die Wohlfahrt des dänischen Volkes zu mehren.

Christian XL, König von Dänemark, wurde am 8. April 1818 auf Schloß Gottorp bei Schleswig als vierter Sohn des Herzog Friedrich Wilhelm Paul Leopold von Schleswlg-Hoyiein-Sonderburg-Glücksbutg geboren. Noch im jugendlichen Alter von 24 Jahren, am 26. Mai 1842, vermählte sich Prinz Christian mit Prinzessin Luise, der dritten Tochter des Landgrafen Wilhelm von Hesfen-KasselundderPrinzessinLuife Charlotte, Schwester Christians VIII. von Dänemark. Dieser Ehe sind sechs Kinder entsprossen. Der älteste Sohn ist der Kronprinz Friedrich, der zweite, Georg, trägt die griechische Königskrone, während die älteste Tochter die Königin Alexandra von England, die zweite die Witwe des Kaisers Alexander III. von Rußland uub die dritte die Gemahlin des Herzogs von Cumber­land ist. Im sogenannten Warschauer Protokoll vom 5. Juni 1851 wurde Prinz Christian von SchleSwig- Holstein-Sonderburg von Dänemark und Rußland als eventueller Thronfolger in der dänischen Monarchie

Sohne gegenüber ausgesprochen, es mußte ihn be­unruhigen, baß bie Zofe bieten kühn'n Gedanken erriet.

WaS fällt Ihnen ein?" sagte er.DaS find Hirngespinste, die ich nicht hören will."

So wissen Sie noch nicht, war gestern vorge­fallen ist?" fragte fie erstaunt;hat der Herr Haupt­mann er Ihnen nicht gesagt?"

Der alte Herr war stehen geblieben, er nahm geräusch­voll eine Prise, während sein Bäck forschend und voll ungeduldiger Erwartung auf dem Antlitz der Zofe ruhte.

Nein," erwiderte er,was ist vorgefallen?"

Na, ich glaube, daß meine Nachricht Ihnen viel wert ist; bet Herr Hauptmann hat fich gestern mit Baronesse Theodore verlobt."

Unsinn," sagte et wirsch.Dann würde ich e- wissen."

Das hatte ich auch erwartet, aber Baron Kurt weiß ebenfalls noch nichts davon. Das gnädige Fräulein ist überglücklich und wie umgetoanbelt."

Hat fie felbst es Ihnen gesagt?"

Keine Silbe!"

Also nur Vermutung"

Bitte, wenn ich mit meinen eigenen Augen ge­sehen habe, daß die Beiden Arm in Arm durch den Bark spazietten und fich küßten, so kann von Ver­mutung wohl keine Rede mehr sein."

In den Augen des Notars leuchtete e- auf, er rückte feinen Sessel bei Zofe näher und nahm wieder Platz.

Erzählen Sie mit alles," sagte er,wann geschah e8, und wo- haben Sie gesehen?"

Es wat gestern vormittag, bet Herr Hauptmann kam zu Pferde durch den Wald in den Park und be­gegnete dort der Baronesse. Ich glaubte, et wollte den jungen Herrn besuchen, der gerade eine Unterredung mit seinem Onkel hatte. DaS Pferd wurde an einen Baum gebunden, und die «eiben setzten fich ans eine Bank. Was fie mit einanber sprachen, konnte ich nicht hören, aber fie fielen fich gleich darauf in die Arme und küßten sich, und dann hat es Stoffe geregnet, bis bet Herr Hauptmann fortritt."