30. Jahrgang.
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f Deutsches Zeich
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TeSä*. w»ch«bellog«: „Illustrierte Somtagrzeituug"
fulfla, Samstag, den 14. November 1903.
Berlin, den 13. November 1903.
* Wenn bisher der Termin für die Ei», bernfnng des Reichstags noch nicht bekannt
leieife«: W tat» iHftife Iktttyile <*t8 kerti Bau« 15 Pf- Beflowei die peiitzeil« 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entspr. Baoatt gewährt.
Vrmk Heb Verlag der Mdaer Aetiendruckere^ tu 8«lda (Harmonie!
L«nfprecher Ur 9.
* Haag, 13. Nov. 1903. In der Vene« zuelastreitsache ist noch kein Ende der Verhandlungen vor dem Haager Schiedsgerichtshof abzusehen. Am Donnerstag sprach der englische Vertreter Finlay, der den jährlichen Ertrag der 30 Proz. der Zölle auf 170,000 Pfd. schätzte. Die anerkannten Forderungen betrügen 824,000, die noch zu prüfenden Ansprüche 300,000 Pfund. Bowen verlas ein Telegramm, wonach die gemischte Kommission Spanien 1,975,000 Bolivares und Schweden-Norwegen 6970 Pfund zugefprochen habe. In der Freitagssitzung des Schiedsgerichtshofs behauptete der Vertreter Amerikas Penfield, die Blockademächte hätten die Forderung einer Vorzugsbehandlung fallen lasten, da in dem Protokoll vom 13. Februar nicht die Rede sei von einer Vorzugsbehandluug, sondern nur von einer getrennten Behandlung. Nach einer Entgegnung des venezolanischen Vertreters Paul, in welcher sich dieser gegen jdie Schuldforderungen Belgiens und Mexikos und die vexlangten Zinsen aussprach, beschloß der Gerichtshof, daß die vollständigen Aufstellungen der Schuldforderungen bis zum 15. Dezember einschließlich vorgelegt werden könne. Der Gerichtshof vertagte sich dann auf unbestimmte Zeit zur Urteilsfällung und wird den Parteien seinerzeit den Zeitpunkt für die Urteilsverkündung bekannt geben.
* Amsterdam, 13. Nov. 1903. Wie dem ,Haudelsblad' aus Batavia gemeldet wird, wurden bei der Gelegenheit der Ernennung eines Häuptlings die Eingeborenen auf der Insel Lombok der dortige niederländische Resident und die niederländische Kontrolleur von etwa 100 bewaffnete» Eingeborenen bedroht. Die Beamten mußten fliehen; Polizeüruppen sind an Ort »nd Stelle gesandt worden.
gegeben ist, so dürfte, wie die ,«erl. Pol. 91/ anscheinend offiziös schreiben, der Grund fein, daß nock nicht garu genau zu übersehen ist, wann der Reichshaushansetat für 1904 im Bundesrate fertiggestellt sein wird. Es besteht der Wunsch, dem Reichstage möglichst bei seinem Zusammentritt den nächstjährigen Etat vorzulegen. Jedenfalls wird er noch nn lausenden Jahre versammelt werden, da das Gesetz über das Handelsvertragspro oisorium mit England am 31. Dezember 1903 abläuft. Ein hierauf- bezüglicher Gesetzentwurf würde der Bundesrat als eine der ersten dem Reichstage zu unter- breitenden Vorlagen zu beschäftigen haben. Außerdem dürsten auch einige aus dem Etat rm Zusammenhang« stehende Entwürfe recht bald an ihn gelangen. Ein werterer Entwurf, der mit Bestimmtheit zu erwarten ist, ,st die Novelle zum Servistarifgesetze. Ob sie sedoch schon sogleich dem Bundesrate unterbreitet werden wird, bleibt abzuwarten.
* Die Znckerstener hatte bis zum Ende August die Summe von 43,6 Millionen Mark erbracht. Mit dem 1. September, dem Tage des Inkrafttretens der internationalen Zuckerkonvention, kamen die ermäßigten Steuersätze zur Geltung. Im September hat nun die Zuckersteuer nicht weniger als 9,9 Millionen Mark mehr wie tm gleichen Monat des Vorjahres in Jsteinnahme ergeben, sodaß die Gesamteinnahme aus dieser Steuer für das erste Semester des laufenden Etatsjahres 53,5 Millionen Mark ausmachte. Die Zuckersteuer ist im Etat für 1903 schon in Rücksicht auf die für den 1. September zu erwartenden Aende- rungen gegenüber dem Etat für 1909 um 16 Millionen Mark niedriger und zwar auf 98,6 Millionen Mark bemeffen worden. Der erste Monat, der in die Zeit der neuen Besteuerung fiel, hat demgemäß mehr erbracht, als für den Durchschnitt im Etat erwartet worden ist. Wie sich die späteren Monatseinnahmen stellen werden, wird abgewartet werden müffen. Jedenfalls ist es bemerkenswert, daß auch aus Frankreich für den ersten Monat die Geltung der neuen Zuckerbesteuerung eine Erhöhung der Einnahme gemeldet wird. .
• Ei« allgemeiner deutscher J««««gs- und Haudwerkertag wird durch den Zentral- ausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands für das Jahr 1904 einberufen. An alle Handwerkskammern, Jnnungsverbände und Handwerkerkorporaüonen find die Einladungen soeben ergangen. Es sollen nur wichtige Handwerkerfragen zur Beratung kommen, damit dieselben in aller Gründlichkeit behandelt werden können. _
* Der Ausstand der Berliner Metallarbeiter hat sein Ende erreicht. In einer gestern abgehaltenen Versammlung der Ausständigen wurde, wie der ,Vorwärts' berichtet, in geheimer Abstimmung über die Fortführun g oder Aufhebung des Ausstandes entschieden. Es beteiligten sich gegen 2000 Gürtler und Drücker an der Abstimmung, wovon etwa die Hälfte für die Fortführung stimmten. Da für Fortführung jedoch die b/^-Mehrheit erforderlich war, so bedeutete dies die Aufhebung des Ausstandes. Die Aus- ständigen nahmen die Arbeit wieder auf, ohne daß sie eine ihrer Forderungen in den großen Betrieben durchgesetzt haben. Es ist allerdings vor einigen Wochen zwischen den Metallarbeitern und einigen kleinen Fabrikanten eine Tarifoer- einbamng getroffen worden, welche den Wünschen der Streikenden entsprach. Jetzt haben verschiedene dieser Unternehmer, da die Hauptsaison vorüber ist, ihre Bewilligungen teilweise wieder zurückgezogen. Dieser Umstand, in Verbindung mit dem Eindringen von arbeitswilligen Metallarbeitern in die gesperrten Betriebe, war die Hauptver- onlaffung für die Aufhebung des Kampfes. Auch die großen Lasten, welche die Kassen für tausende von Streikenden zu »fragen hatten, fielen dabei sehr ins Gewicht. Nach oberflächlicher Schätzung muß der seit acht Wochen währende Streik dem deutschen Metallarbeiterverband gegen 200000 Mark gekostet haben, die aus dem vorhandenen Streiftond und aus den regelmäßigen Beiträgen der arbeitenden Mitglieder des Verbandes geleistet wurden. Verhängnisvoll für den Streik der Gürtler und Metalldrücker war es, wie die Ausständigen zugestehen, daß der Verband der Metallindustriellen sich mit dem Haupt- sächlich betroffenen Verein der Metallwarenfabrikanten solidarisch erklärte und eine Aussperrung der Metallarbeiter anordnete. Wenn auch die Entlaffungen nicht in dem Maße erfolgten, daß der Streik mit einem Schlage sein Ende erreichte, so waren die Schädigungen, die die Streikenden dadurch erlitten, doch so groß, daß sie auf die Dauer nicht Widerstand leisten konnten. Die im Gewerkoerein organisierten Gürtler und Metalldrücker haben gleichfalls Auf-
§ Das Wahlergebnis.
Der Ausfall der Wahlmännerwahlen ist vor- «rft «<ch recht unvollständig bekannt. Mil Sicherheit wird sich das Wahlergebnis überhaupt erst »ach den Abgeordnetenwahlen übersehen lasse», da verschiedentlich über dir Parteizugehörigkeit der Wahlmänner zwischen den Konkur- 3te»ten gestritten wird und noch ungewiß ist, was dort geschehen wird, wo die Sozialdemokraten de» Ausschlag geben. Aber in den wesentlichen Züge» steht das Bild des neuen Abgeordneten- hausss schon fest. Es wird dem alten nahe- z» zum Verwechseln ähnlich sein.
Zweierlei kam zur Kennzeichnung der bies- zähriae» Wahlen vorzugsweise in Betracht: die Liberalen wollten die „konservativ-klerikale", die „reaktionäre" Mehrheit Mrzen und die Sozialdemokraten wollten in den Landtag ge- dmge». Beides ist mißglückt. Die Rechte wird wohl ein paar Mandate an die Linke verliere», «nd zwar werden vorwiegend oder ausschließlich die Freikonservativen die Verlustträger »nd die Nationalliberalen die Gewinner sein. Das ist in keiner Weise ein Unglück. Es wäre im Jutereffe der Allgemeinheit, wie in dem der Ze»tr»mspartei ganz besonders, zu beklagen gewesen, wenn sie etwa noch ein Dutzend Sitze gewonnen und damit für sich allein die Mehrheit erlangt hätte. Zwar gehen Konservative» und Freikonservativen in manchen Fragen »uSskander, aber sobald sie allein das Abge- «duetenhaus beherrschten, würden die Gegensätze sich wohl stark verwischen, und für die Sache der Freiheit wäre das sehr gefährlich. Ein paar Mandate weniger auf der Rechten ändern aber nichts an der „konservativ-klerikalen" Mehrheit, «nd wenn sie gar den Freikonservativen verloren Gehen, so ist das eher als ein Gewinn für diese Mehrheit zu bettachten.
Die Nationalliberalen werden nun natürlich ungeheuerlich stolz tun mit den paar gewonnenen Mandaten, vorausgesetzt, daß die Schlußrechnung überhaupt einen Gewi»» ergibt. Aber das Siegesgeschrei kann doch im Grunde nur den Zweck haben, andere über die Niederlage zu täuschen. Denn was die Rationalliberalen wollten, war doch der Sturz der „reaktionären" Mehrheit, nicht bloß die Eroberung von höchstens einem halben Dutzend Mandaten. Man muß ihren Wahlaufruf und die Reden auf dem Parteitage in Hannover lesen, um das Wahlergebnis vom «atioualliberalen Standpunkte aus richtig zu schütze». und dann heißt es: Mißerfolg. Freilich haben die Herren auch Komödie gespielt, wie keine andere Partei. Den „Kampf gegen die Reaktion" predigten sie, aber die Mandatsjägerei meinten sie. Wie hätten sie denn, wenn der Kampf des Liberalismus gegen die Reaktion chrlich gemeint war, sich in manchen Wahlkreisen »st den Konservativen verbünden und den Freisinnigen Mandate abnehmen können? Ihre Preffe hebt gefliffentlich die Erfolge über die steikonservativen Kanalgegner hervor. Es ist aber »och nicht ausgeschloffen, daß, wenn am Schluß alles gegen einander aufgerechnet wird, * die Freisinnigen sein werden, die von den Rattonalliberalen mit Hilfe der Konservativen am siärksten ausgeplündert wurden.
Das Zentrum, das im altenAbgeordneten- Jjaufe 100 Mitglieder zählte, wird, wie das jedermann vorausgesetzt hatte, ohne nennenswerte, vielleicht überhaupt ohne Verluste, aus den Wahlen hervorgehen. Auf große Gewinne Konnten wir ja nicht hoffen. Die beiden Mandate für Kattowitz-Zabrze (bisher Letocha und der i»s Herrenhaus berufene Graf Ballestrem, an besten Stelle jetzt sein Sohn kandidiert) sind alle« Anschein nach an die Nationalliberalen »erleren gegangen. Aber nicht etwa infolge des „Ansturmes gegen die Reaktion", sondern durch die Schuld der Polen. Ueber Pleß- «ybnik, wo die Polen eigene Kandidaten ausgestellt haben, liegen noch keine Nachrichten vor. Daß i» Oppeln an Stelle Szmulas ein von deutscher Seite aufgestellter Zentrumskandidat «wählt worden ist, haben wir wohl nicht als Verlust für das Zentrum zu betrachten. Der Hanuooer'sche Wahlkreis Lingen-Bentheim, der 1898 »ur durch einen günstigen Zufall vom Zentrum erobert wurde, dürfte wieder verloren ge- Snge» sein. Dafür würde das Zentrum aber BreSlau und Danzig je ein Mandat erobern, memr die Meldung richüg ist, daß in diesen Seid« Städten die verbündeten „konservativ
klerikale« Reakttonären" die Mehrheit der Wahlmänner haben. I» Reuwttd-Altenklrchen hat das Zentrum zwar die «ersten Wahlmänner, aber nicht die absolute Mehrheit errungen. Die Entscheidung liegt bei den 33 Landwirtsbündlen, und von denen kann man sich erfahrungsgemäß nichts Guten versehen.
Die Freisinnige Lolksparter rechnet darauf, daß sie in alter „Stärke" (25 Mann), vielleicht auch noch um den eine» oder anderen Mann vermehrt wiederkehren werde. Im Vergleich zu den Reichstagswahlen ist.das> ja em ganz hübscher „Erfolg", aber ein S'eg über die „Reaktion" ist es nicht. Die Freisinnige Vereinigung wird Mühe haben, ihre 11 Mann wieder zusammenznbringen. Die Pole« (bisher 13) werden sich wohl behaupten.
Für die Sozialdemokratie ift das Wahl Ergebnis abschreckend. Nirgends haben sie die Mehrheit erlangt. Die Nachricht von ihrem Siege in Linden bei Hannover hat sich nicht bestätigt. — Sie haben auch keineswegs so starke Minderheiten erzielt, wie sie gehofft hatten. Selbst in Berlin kamen sie in keinem der vier Wahlkreise in die Stichwahl, noch haben sie die Entscheidung in der Hand, sodaß sie den Fcei- finnigen das eine oder andere Mandat abpreffen könnten. Vielmehr habe» die Freisinnigen nach ihrer Versicherung überall die absolute Mehrheit, auch im dritten Wahlkreise, der zuerst als zweifelhaft hingestellt wurde. Aber selbst wenn in diesem Wahlkreise die 'Sozialdemokraten in die Stichwahl kämen, würden sie unterliegen, denn die Konservativen würden ihnen nicht helfen. Ob sie in Breslau die Entscheidung in der Hand haben, ist ungewiß. Die Liberalen behaupten, es würde zwischen Liberalen und „Konservativ- Klerikalen" Stichwahl erforderlich fein, bei der also die Sozialdemokraten das Zünglein an der Wage bildeten. Von anderer Seite wird behauptet, die „Konservativ-Klerikalen" hätten die Mehrheit der Wahlmünner auf ihrer Seite. In Hersord-Halle-Birlefeld liegt die Entscheidung bei de» Sozialdemokraten. Ob das noch in dem einen oder anderen Wahlkreise der Fall ist, läßt sich noch nicht übersehen. Jedenfalls find ihre Aussichten, in den Landtag zu kommen, sehr gering. Einen Schaden ist indeß chre Niederlage auch nicht. Bei der Oeffenttichkeit der Wahl ist es eben der großen Mehrheit ihrer Anhänger nicht möglich, für sie zu stimmen, ohne Nachteile für sich befürchten zu müssen. Darum war eben überall auch die sozialdemokratische Wahlbeteiligung nicht entfernt zu vergleichen mit der bei den Reichstagswahlen.
Die ,Postt wiü in Berlin und den Vororten die Beobachtung gemacht und Klagen aus größeren Orten im Lande vernommen haben, daß berge- werbliche Mittelstand, kleine Kaufleute und Handwerker sich äußerst schwach an der Wahl beteiligt hätten, und führt dies auf die Furcht vor dem sozialdemokratischen Boykott zurück. Wir möchten vermuten, daß die .Post' diese Behauptung nicht auf Grund von Tatsachen, sondern auf Grund scharfmacherischer Meinung aufstellt; denn die Behauptung kommt etwas zu schnell nach der Wahl, als daß angenommen werden könnte, es liege bereits tatsächliches Material dafür vor. Möglich wäre es ja immerhin, daß Gewerbetreibende, die von sozialdemokratischer Kundschaft abhängig sind, nicht zu wählen gewagt haben. Aber vorläufig gibt es doch wohl noch weit mehr, abhängige Arbeiter, die nicht zu wählen wagten, so daß sich bei Aufrechnung der Sozialdemokraten und. der Nichtsozialdemokraten, die sich der Wahl wohl oder übel enthalten haben, ein starkes Plus auf sozialdemokratischer Seite ergeben dürste.
Ob die Sozialdemokraten sich durch das Wahlergebnis von einer Wiederholung des Versuches bei künftigen Wahlen unter dem Dreiklaffensystem abgeschreckt fühlen werden, ist eine spätere Sorge. Jetzt ist vor allem die Frage: was werden sie bei den Abgeordnetenwahlen dort tun, wo sie den Ausschlag geben? Werveu sie die Liberalen, wie sie gedroht haben, im Stiche taffen, wenn ihnen kein Mandat abgetreten wird, ober werden sie ihnen ohne Lohn gegen die „Reaktion" beistehen? Dem FreiMn ist der Mut wieder gewachsen, nachdem sie gesehen haben, daß sie keine schweren Verluste zu befürchten haben und die Sozialdemokraten ganz ausnahmsweise die Entscheidung in der Hand haben.
Hebung des Stteiks befchloffen, die Arbeit soll am Moniag auf der ganzen Linie wieder auf- lenommen werben.
* Wo steckt der «erste Kastengeist r Ueber biefe Frage streiten sich liberale unb kon- feroatioe Blätter herum aus Anlaß eines Falles, m welchem ein Lanbrat einen Lehrer unb dessen Familie, die mit Fahrkarten dritter Klaffe t« Bahnhofswartefaal erster und zweiter Klaff-Platz genommen hatten, durch den Stationsvorsteher hinaus „bitten" ließ. Das war gewiß nicht schön von dem Lanbrsf, der feiner Würde sicher nichts vergeben haben würde, wenn er mit dem Lehrer in dem gleichem Raume verweilt hatte. Aber es steckt doch ein gutes Maß Heuchelei dahinter, wenn liberale Blätter diesen Fall benützen, um daran wohlfeile, von Entrüstung triefenbe Betrachtungen über den Kastengeist der höhern und höchsten Stände zu knüpfen. Sie geben dadurch der konservativen Preffe billige Gelegenheit, über den ebenso lächerlichen Kastengeist so mancher Leute von „Bildung und Besitz sich luftig zu machen, wie das z. B. die,Deutsche Tageszeitung" (Nr. 529) recht wirksam tut. Beide find eben einander würdig: der Kastengeist eines von seiner Hoheit und Würde vollständig durchsäuerten Junkers oder Beamten — ober bie mehr lächerlich als ärgerlich wirkende Ueberhebung unb Menschenverachtung eines Bilbungs- ober Geldprotzen. Da wird wohl keiner vor bent andern etwas voraus haben.
»erlitt, 13. Nov. 19C3. Wegen der fortdauernden Besserung im Befinden des Kaisers werd«, die Bulletins nicht mehr täglich ausMeben werden. — Die Letzinger Hofjagd ist mtt Rücksicht aus tue Erkrankung des Kaisers acht Tage (aus den 4. und s. Dezember) verschoben worden. — Der Senatspräsidettt am Reichsgericht Dr. Bolze hat gestern sew äOiahr. Dienstjubiläum begangen. - Man erwartet demnächst, am Geburtstage des Kaisers, 27. Januar, eme große Anzahl militärischer Rangerhöhungen. Die Zahl der kommandierenden Generäle, die noch Gener<ü- leulnannts sind, ist zur Zeit ganz besonders groß, eS wird angenommen, daß die Generalleutnants, welche aus dem Jahre 1899 ihr Patent haben, dann zu Generälen der Infanterie resp. Kavallerie aufrücken werd«,. Wie der .Zeitungs Verlag', die Zeitschrift des BerlagS deutscher Zeitungsverleger, meldet, ist doh einet »«r Presse nahestehenden Seite im R e, ch s t a g e eine Inter pellation über das ZeugniSzwangs-Berfahrett gegen Redakteure beabsichtigt. — Das PH arm az e tische Institut der Berliner Universität hat es «ach der .Neuen Pol. Korr/ übernommen, neu austauchende Arznei- und Geheimmittel, die von mcht wifsenschast- lich-r Teste in den Verkehr gebracht werden, einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. ES sollen dabei nicht nur die Zusammensetzung und diephysilaUscy- chemischen Eigenschaften, sondern auch die physiologische Wirksamkeit berücksichtigt werden. - WreauS Amerika gemeldet wird, haben während der letzten 14 Tage über 5000 polnische, italienische und ungarische Arbeiter Billets zur Rückreise nach Europa genommen. Diese Rückwanderung »st die Folge der umfassenden Arbesterentlassungen bet den großen Eisenbahnen, die aus Irsparnisrücksichten erfolgten.