30. Jahrgang.
M 262.
। Drittes Blatt ।
fortgehen, er hat ja noch keinen Hut auf! Inzwischen gewinnt der Gauner irgend einen AuS- gang, zieht seine Kopfbedeckung aus der Tasche und spaziert als unauffällig von dannen.
In meiner Dorfstraße sehe ich rm Sommer viele Menschen barfuß ihres Weges ziehen, 10- gar recht große; aber nicht barhäuptig, wenigstens soweit sie zum männlichen Geschlecht gehören.
Warum hat man die männliche Kopfbedeckung zum Rang des notwendigsten Kleidungsstückes erhoben? Die Angst vor dem Sonnenstich kann doch nurfürdie heißesten Monatein Betrachtkommen. Und gerade in den heißen Tagen geht man gerne im Schatten barhäuptig; aber immer nur mit dem Hute in der Hand, damit Jedermann sehm kann, daß wir dieses unentbehrliche Möbel wirk« lich bei uns haben. Für unfern Haarwuchs, unsere Kopfnerven und überhaupt für unsere Frische und Gesundheit wäre es gewiß besser,, wenn wir an den milden Tagen den Kopf frank und frei der frischen Luft aussetzten und dagegen an den ehr kalten Tagen, statt des windigen Hütchens eine Kapuze oder eine tüchtige Jägermütze über die Ohren zögen.
Man steht, die ungeheure Verehrung unterer gewöhnlichenKopfbedeckung beruht nicht auf inneren Gründen, sondern auf H er ko mmen. Die Mode hat den Ukas erlassen: Em männliches Haupt darf sich aus der Straße nur bedeckt zeigen.
Und dieses Gesetz verordnet weiter: D rin ne n in den vier Wänden darf stch das männliche Haupt nur unbedeckt zeigen! Was draußen als für anständig galt, gilt drinnen als ungezogen oder gar als herausfordernde Frechheit.
Für die Frauenwelt stellt stch die Behauptungs-Frage ganz anders. Eine feinere Frau geht freilich auch nicht barhäuptig über die Straße, aber sie kann sich bei einem gewöhnlichen Ausgange, z. B. auf den Markt, mit einem Kopftuch behelfen. Es gibt aber auch Frauen, die im bloßen Haar ihren Ausgang machen, und ein Dienstmädchen z. B. würde sich lächerlich machen, wenn es zu einem Geschäftsgänge lich erst den Hut aufsetzen wollte. Jedenfalls ist eine Frau mit bloßem Kopf längst nicht so auffällig, wie eine barhäuptige Mannesperson. Ader an der stemden Schwelle dreht sich die Sach« um: der Mann muß feinen Kopf entblößen, wenn er in eine Wohnung, eine Kirche, ein Gasthaus, einen Konzertsaal, ein Theater rc. eintritt; die Frau aber darf ihre Kopfbeseckung aufbehalten, ja manchmal muß sie sie aufbehalten, z. B. in der Kirche. Wollte die Frau bei einem Besuche in einer anderen Familie ihren Hut ablegen, so würde das besagen: Hier bin ich wie zu Hause, hier kann ich mich ganz ungeniert betragen, als Familienmitglied aufspielen.
Für die Männer gilt das Sprichwort: Mit dem Hut in der Hand kommt man durch's ganze Land. Die Frau aber sagt : Mit dem Hut auf dem Haar geh' ich unter die Menschenschar.
Nun gut, jedes Geschlecht macht es auf fein Art, und dabei befinden wir uns ja recht leid- lich. Aber da kommen nun die Schwärmer für „Frauenrecht" und wollen die Frauen wegen der : herkömmlichen Hutsitten aufhetzen. Man sollte
Unpolitische Zettlaufe.
(Nachdruck verboten.)
(£ Berlin, 12. Nov. 1903.
Regenschirme, Stöcke, Ueberzieher, Gummi- chuhe, Taschentücher, Schnupftabaksdosen und Zigarrentaschen, sogar die Geldmappen, die man auf deutsch Portemonnaie nennt, alles läßt der vergeßliche Mann gelegentlich stehen oder hängen, oder liegen, nur seinen Hut nicht. Ohne Kopfbedeckung kann man doch nicht über die Straße gehen! Auch der ärmste Teufel und der hartgesottenste Verächter der Mode greift nach seiner schäbigen Mütze, ehe er einen Weg antritt. Trifft man einen Barhäuptigen auf der Straße, so weiß man gleich, er geht „als Nachbar", d. h. er macht bloß einen kleinen Sprung über die Gasse, so daß sich die „Behauptung" die Muhe nicht lohnte. Wenn der Mann dort stemd ist, so erregt seine Hilflosigkeit sofort Aufsehen und meistens sogar Verdacht. Ist ihm die Mütze gestohlen? Oder hat er sie verloren, vielleicht im Rausch oder im Streit? Oder ist gar geflüchtet und hat in der Eile seine Kopfbedeckung nicht mitnehmen können?
Den Glauben an die Unerläßlichkeit einer Kopfbedeckung benutzten die Zechpreller in der Weise, daß sie mit einer Mütze oder einem weichen Hut eintretend, diese Kopfbedeckung unauffällig in ihre Tasche steckten; wenn sie nun nach eingenommener Mahlzeit mal herausgehen, so denkt der Kellner: der Mann will noch nicht
lich angerufen wird. Auch ein Schiedsspruch, )er zunächst abgelehnt ist, dient nicht selten später doch als Unterlage eines privaten Ausgleichs. Solche Fälle werden dann aber von den Gewerbegerichten nicht registriert. Bei der Beurteilung des Umfangs der einigungsamtlichen Tätigkeit der Gewerbegerichte muß man anderer- eits auch berücksichtigen, daß wir es mit emer noch verhältnismäßig neuen Institution zu tun haben. „In den ersten Jahren nach Erlaß des Gewerbegerichts-Gesetzes war die bezügliche Be- timmung (das G.-G. als Einigungsamt) so gut wie unbekannt, und selbst Anrufungen, die hier und da erfolgten, machten wenig von sich reden' (Jastrow). Selbst in Berlin, besten Gewerbegericht >eute wohl die ausgedehnteste einigungsamtliche Tätigkeit ausübt und schon außerordentlich er- olgreich auf diesem Gebiete gewirkt hat, dauerte es fast 2'/, Jahre seit Eröffnung des Gewerbegerichtes, bis es zum erstenmale als Einigungsamt angerufen wurde.
In früheren Jahren waren es fast aus- 'chließlich die Arbeiter, welche das Gewerbegericht als Einigungsamt anriefen, während die Arbeitgeber sich häufig weigerten, an den Verhandlungen teilzunehmen. Wenn die Fälle auch heute noch nicht feiten sind, wo seitens der Unternehmer der Herrenstandpunkt herausgekehrt wird, so regen doch auch entschieden bessere Anzeichen vor. Aus den diesmaligen Jahresberichten kleinerer Gewerbegerichte kann das .Gewerbegericht' sogar hervorheben, „daß in Bromberg, Cannstadt und anderen Orten der nicht häufige Fall einrat, daß Arbeitgeber das Gewerbegericht als Einigungsamt anriefen."
Man konnte wohl gespannt sein, wie sich die Neuerungen, welche die Novelle vom 29. Sept. 1901 brachte, bewähren würden. Diese Neuerungen beziehen sich insbesondere auf die Zusammensetzung des Einigungsamtes und den Erscheinungszwang. Während früher der Vorsitzende des Gewerbegerichtes die Beisitzer des Einigungsamtes ernannte, liegt diese Befugnis jetzt bei den streitenden Parteien. Sodann erhielt der Vorsitzende das Recht, beteiligte Perfonen unter Androhung einer Ordnungsstrafe (dis zu 100 Mark) zum Erscheinen zu oer- anlasten. Hierdurch wurde eine schmerzlich empfundene Lücke ausgefüllt. An der Weigerung einer Partei, an den Verhandlungen teilzunehmen, scheiterte jede Möglichkeit eines Einigungsverfahrens.
Nach dem Gefchäftsbericht des Gewerbe- gerichtes M a i n z für das Geschäftsjahr 1902/1903 sollen sich diese Neuerungen wenig bewährt haben. Die neue Zusammensetzung des Einigungsamtes habe sogar eine Verschlechterung gegen-, über den früheren Zuständen gebracht. Die Absicht des Gesetzes, „daß das Einigungsamt jedesmal den Bedürfnisten des konkreten Falles entsprechend zusammengesetzt werde", erscheine in den seltensten Fällen verwirklicht. Demgegenüber bemerkt Dr. Prenner-München im ,Gewerbe- gericht' (Nr. 10, 1903), daß nach den dort gemachten Erfahrungen diese Ausführungen erfreulicherweise nicht züträfen.
Die Gewerbegerichte als Elnigungs- amter.
Je mehr die Organisation der den gewerblichen Arbeit;vertrag abschließenden Parteien, der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber, voranschreitet, um so stärker und allgemeiner wird auch das Bestreben, auf gütlichem Wege die Differenzen auszugleichen. Ohne eine Organisation auf beiden Seiten ist eine fruchtbare Einigung der streitenden Parteien schwer oder gar nicht zu stände zu bringen. Vor allem der dauernde Bestand der Abmachungen hat eine starke, umfaffende, gut geleitete Organisation geradezu zur Voraussetzung. „Unorganisierte Unternehmer und Arbeiter", sagte Profeffor Franke einmal in der .Sozialen Praxis', „sind wie Flugsand, auf dem kein Haus zu bauen ist".
Die friedliche Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten zwischen Unternehmern und Arbeitern setzt auch ein hohes Maß sozialen Verständniffes voraus, was auf Unlernehmerseite bislang nichts weniger als allgemein zu finden war, dann aber auch ein gewiffes Bildungsniveau, das zu steigern eine der vornehmsten Aufgaben der Gewerkschaften und anderer Arbeiterorganisationen ist. Gerade auch in letzterer Beziehung wird man dem bekannten Worte Schmollers, die soziale Frage sei eine Bildungsfrage, eine zutreffende Seite abgewinnen können.
Wenn es an diesen Voraussetzungen in der einen oder andern Richtung bisher noch mangelte, so konnte man auch von der einigungsamtlichen Tätigkeit unserer Gewerbegerichte nicht gleich allzuviel erwarten. In der Tat hat sich die Tätigkeit der deutschen Gewerbegerichte als Einigungsämter bei Streiks- und Aussperrungen bisher in recht bescheidenen Grenzen gehalten, wenn auch neuerdings eine erfteuliche Besserung zu konstatieren ist. Nach Jastrow (Sozialpolitik und Verwaltungswiffenschast) haben von 1893 bis 1900 insgesamt 271 Anrufungen mit 119 Schlichtungserfolgen stattgefunden. Wie auS den 1895 und 1900 vorgenommenen statistischen Erhebungen hervorgeht, stieg in dem genannten Zeitraum die Zahl der jährlichen Anrufungen von 42 auf 80, die der Vergleiche von 18 auf 28, der angenommenen Schiedssprüche von 2 auf 5, die Zahl der Schlichtungserfolge im ganzen also von 20 auf 33. Nach dem statistischen Jahrbuch deutscher Städte für 1903 betrug im Jahre 1901 bei 37 Schiedsgerichten größerer Städte die Zahl der Anrufungen 70, der Vergleiche 20, der Schiedssprüche 4, der angenommenen Schiedssprüche 2, der erfolglosen EiniqungSoersuche ohne Schiedsspruch 17.
I» Wirklichkeit wird allerdings die Zahl der Anrufungen wie der Erfolge etwas größer sein, da zuweilen nicht das Gewerbegericht, sondern nur sein Vorsitzender persönlich und außeramt-
Auch dem Erscheinungszwang mißt der Mainzer Geschäftsbericht wenig Bedeutung bei, da die Androhung einer Geldstrafe Mißtrauen erwecken könne. Auch in diesem Punkte hat Dr. Prenner entgegengesetzte Erfahrungen gemacht. Der Er- cheinungszwang habe iu München nur die aller- lesten Früchte gezeitigt. Größtenteils dem Er- cheinungszwang sei es zu verdanken gewesen, daß große Lohnbewegungen von dem Einigungsamte entweder friedlich geschlichtet oder überhaupt verhindert wurden. Bei vorsichtigem und richtigem Vorgehen des Vorsitzenden brauche es gar nicht is zur formellen Androhung zu kommen. Die rrwartung des Gefttzgebers, daß es in den meisten Fällen dem Vorsitzenden gelingen werde, den Erscheinungszwang praktisch in einen Verhandlungszwang zu verwandeln, habe sich erfüllt.
Diese guten Erfahrungen Dr. Prenner s änn man mit großer Befriedigung vermerken. Seine Ausführungen zeigen, daß solche Erfolge auch anderswo erreichbar sind, wenn auch gewiß andere Verhältniffe nicht immer dasselbe Vor- । ehen bedingen mögen. Bezüglich der Wirkung ! ieser Neuerungen werden aber wohl dieseloen Umstände von Bedeutung sein, die die ganze kinigungsamiliche Tätigkeit des Gewerbegerichtes in hobem Maße beeinflussen: die .Art des Vorgehens des Leiters der Verhandlungen, das Maß einer Geschaftskennmis und des dadurch bedingten Vertrauens. Immerhin wird man weitere Er- ahrungen bezüglich dieser Neuerungen abwarten müssen, ehe man endgültig darüber urteilen kann.
Anzeigen: Die ei» fpaltige Petitzeile ober bereu Saunt 15 psg° Seklame« die Petitzeile 25 ps§.; bei wieder» belangen wird entfpr. Mabatt gewährt.
Druck und Verlag der zuldaerSetteudruckerei iu Fulda (Harmonie) Zernsprecher Nr. 9.
£« Älllvllvl
verantwortlicher KchristleiterrZosvau« —
j. LL.VÄ«-. Woch-Miiage: „Illustrierte Sonntagrzeiiung"
fllldl, Samstag, den 14. November 1903.
3>as Majorat.
Nom«n von Ewald August König.
3$ ------- (Nachdruck Verbote«.)
(Fortsetzung aus dem zweiten Blatt.)
Auch Theodore blickte gedankenvoll vor fich hin, mit der Spitze ihres SonnenschirmchenS zeichnete fie Arabesken in den Sand zu ihren Füßen. So ver. harrteu fie eine geraume Welle in Schweigen, dann «hob Theodore das blonde Haupt, um einen Blick voll Erstaunen auf den Hauptmann zu werfen, der in die weite Ferne hinausschaute.
„Woran denken Sie?" fragte fie heller.
„Pardon, ich bin unartig gewesen, aber rch hoffe, Sie werden mir vergeben, wenn ich Ihren gestebe, daß ich an unsere erste Begegnung dachte. Als schöner Traum hat die Erinnern, g mich off beglückt, die Ihnen vielleicht chon längst entschwunden ist."
Theodore hatte die Wimpern gesenkt, ihre Wangen glühten.
„Wie können Sie daS glauben?" sagte fie leise.
„So ist auch Ihnen diese Erinnerung teuer?" fragte er mit bebender Stimme.
„Ich würde die Unwahrheit sagen, wenn ich Ihre Frage verneinen würde."
Oh, das macht mich glücklich," erwiderte er mit einem tiefen Atemzuge; Sie wiffen es nicht, Sie können es nicht wiffen, wie oft ich wir Ihrem schönen Bllde mich beschäftigt habe."
Und doch taten Sie nichts, um mich wieder- zuiehen." sagte fie scherzend, aber ber Scherz klang eher wie ein Borwnrl. „Wie leicht wäre es Ihnen gewesen, sich burd; Ihren Herrn Baier hier einführen in lallen' ich batte erwartet, daß Sie cs tun würden, aber es geschah nicht "
®r legte ferne Hand leise am die chnge, und fie sühüe, wie diese Hand zitterte, fie hörte auch das Beben feiner Ettmme.
Wissen Sie, was noch davon zvruckgehalten hat?" antwortete er. „Die Hoffnungslosigkeit meiner Wünsche, d?e Furcht vor der E tsagung, die mich unsagbar unglücklich machen würde. Nun hat der Zufall diese Begegnung herbeigeführt, und ich kann nicht länger schweigen, Theodore, es drängt mich unwiderstehlich, Ihnen zu sagen, daß Sie mir das Liebste in Gottes weiter Welt find. Wohl weiß ich, daß ich meinen zwar ehrenvollen, aber bürgerlichen Namen Ihnen nicht anbieien darf, die Baronesse v. Darboren darf ni-tt —"
„Sie darff war fie will, Georg," fiel Theodore ihm in die Rede, und aus den tiesbraunen Augen, die frei und offen ihn anschauten, leuchtete ihm eine Fülle von Glück und Freude entgegen. „Vergessen Sie nicht, daß die Baroneffe v. Darbore« nur ein armer Edelfräulein ist, und daß die Waffe an Ihrer Selle Sie adelt."
Der Hauptmann wollte sprechen, aber die Stimme versagte ihm, er legte den Arm um das schöne Mädchen und zog es fest an fein stürmisch pochendes Herz, die Lippen fanden sich, fie befiegelten ten Bund, der für Zeit und Ewigkeit geschloffen war.
„So habe ich Dich nun, meine Süße, und keine Macht der Erde soll Dich mir entreißen," sagte er jubelnd, während er ihr tief in die feuchtschimmernden Augen sch ute. „Das ist säst zu viel des Glücks, auf das ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen wagte."
Weshalb nicht hoffen?" erwiderte Theodore, fich innig an ihn schmiegend. „Dem kühnen Manne bar fein Ziel zu hoch fein, er wird es erreichen, wenn et Mui und Ausdauer be'tzt. Ich habe Dich schon geliebt in der Stunde, in der wir zum ersten Male rinanber sahen, ich wu-ffe nicht, ob ich auf Gegenliebe hoffen durste, und dennoch konnte uh Dich nickt vngcflen. Die Frage Deines Baiers, ob Dem Besuch mit angenehm sein würde, flößte mir neue Hoffnung ein, datum auch zürnte ick Dir, weil Tu mich vergeblich warten ließest."
„Wenn ick eine Ahnung davon gehabt lätte! Wie aber durste ich diese kühne Hoffnung hegen? Wenn ich auch vermögend bin, so kann ich Dir doch nur einm bürgerlichen Nam-n bieten."
„Und wie wenig stolz ich auf meinen Adel bin, hättest Du doch wiffen muffen! Haben wir nicht bei unferer ersten Begegnung davon gesprochen?"
„Verzeih', was @tr damals gesprochen haben, weiß ich nur noch zum geringsten Teil. Deine schönen Augen haben mich so seht bezaubert, daß ich nur an fie denken konnte."
„Schmeichlet!" scherzte fie, mit einem tieffinnigen Blick ihn anschauend, „diese Augen werden fortan nut Dir leuchten."
Sie hatten fich erhoben, Schritte, die auf einem Seitenwege hinter ihnen laut wurden, veranlaßten fie dazu, Atm in Arm wanderten fie tiefer in den Garten hinein.
„Ich werde morgen Peineu Batet um Deine Hand bitten," sagte er nach kurzem Schweigen. „Glaubst Du, daß er über diese Mesalliance fich so leicht hinwegsetzen Wirb, Wie Du?"
„Nenne es nicht Mesalliance," bot fie. „Dein Stanb obelt Dich, bie Offiziere stehen ja dem Throne zunächst."
„Nichtsdestoweniger wirb Dein Batet es als eine Mesalliance betrachten!"
„Ich sütchle das auch," sagte sie, und leichte Schatten umwölkten jetzt ihre Stirne, „ich verhehle Dir nicht, daß wir einen harten Kampf mit meinem Vater haben werben, aber Mut und Ausdauer werden uns ben Sieg gewinnen helfen."
„Ich habe beides, und wenn Du treu zu mit stehst
„Treu in Not und Tod, Georg!"
„So komme ich morgen."
„Warte noch einige Tage damit," bat fie nach kurzem Nachdenken, „es würde ratsam fein, wenn mein Botet vorbereitet wärt, vielleicht finde ick eine Gelegenheit, ihm mein Herzensgeheimnis zu bekennen.
Dagobert werd auch auf unserer Selle lein, er ist ein aufrichtiger Freund, und hat er auch keinen Einfluß aus meinen Vater, Seine Freundschash^ann uns immer« hm als Stütze dienen."
„Dagobert?" fragte Georg gedankenvoll. „Könnte es nicht in der Absicht Deines Vaters liegen, ihn mit Dir zu vermählen?"
„Bon solcher Absicht habe ich noch nichts bemerkt," erwiderte sie, „und weder Dagobert noch ich würoen ihr zustimmen."
„Weißt Du das von Dagobert io sichet?"
„Ich rotifj es, Georg, wir beide find gute Fremde, aber von Liebe kann nie zwischen uns beiden die Rede sein. Vielleicht ist die Beratung nun zu Ende, ui* wenn Du Dagobert besuchen willst —*
„Heute nicht," unterbrach er fie rasch, „in der freudig erregten Stimmung, in der ich bin, könnte ich ihm mein Glück nicht verschweigen, und doch darf ich mich desselben erst dann ganz erfreuen, wenn ich die Zusage Deines Vaters erhalten habe. Bon keiner anderen Selle darf Dein Vater unsere Verlobung ro« fahren."
„Du hast recht," nickte fie, „wir beiden muffe* die ersten fein, die offen mit ihm darüber reden, er haßt alle Heimlichkeiten und fein jähzorniges Temperament könnte ihn zu einer Erklärung hinreißen, die um ben Kamps erschwerte. Also gebulbe Dich einige Tage, vielleicht wäre es gut, Wenn Du vor Deiner Werbung mein-m Vater einen Besuch machtest, damit er Dich näher kennen lernt. Ein Vorwand dazu wirb fich ja leicht finben lassen."
„Ich will barübet Nachdenken," sagte er, „Dein Rat mag gut jein. Nun aber will ich auch scheiden, (Beliebte, ein neugieriges Auge könnte uns hier beobachten und Deinem Vater die Neuigkeit hint«- bringen. Wie gerne ich bei Dir bliebe, das brauche ich wohl nicht za sagen, ich hoffe, der Tag wird bald kommen, an dem ich Dich öffentlich meine süße Brant nennen darf."
(Fortsetzung folgt.)