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Druck und Verlag d« Zuldaer Actiendr»ck«d in Selbe thanuouiel Fernsprecher Ur. d.

fUldd, Freitag, den 13. November 1903.

30. Jahrgang.

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als durchaus vollwertiger Ersatz der doppelt so teueren Koch­butter jahrelang bewährt.

Man fordere in allen Kolonial­waren- und Butterhandlungeu ausdrücklich Palmin. Nachahmungen sind meist schlecht und ranzig.

Gesetzes, der jedoch den nach mir vom Laternen­pfahle herabkletternden Kollegen Fries noch recht­zeitig ereilte. Der Aermste mußte mit zur Polizei­wache und vor dem Polizei-Kommiffarius depo­nieren, was er wußte, woher wir kamen, wohin wir gingen. Nur unsere Namen nannte er nicht, der Edle! Auch sagte er nicht, wer der Herr mit den Lackstiefeln war, den der Polizist auf dem Laternenfahle baumelnd gefallen hatte.

Und doch wurde ich schon am andern Tage zur Polizei zitiert. Es war ein trauriger Ascher­mittwoch - Anfang. Der Kommiffarius empfing mich aber lächelnd, statt mit strenger Amtsmiene.

Lieber Herr Dr. Sander," sagte er,Sie haben heute Nacht in etwas lustiger Stimmung einen Laternenfahl erklommen leugnen Sie nicht ich weiß alles, weil ich weiß, daß Ne der Einzige waren, der beim Balle des Aerzte- Klubs Lackstiefletten trug. Das Strafmandat kann ich Ihnen nicht ersparen."

Und woher wissen Herr Kommiffarius, daß ich der Einzige war, der das Unglück hatte, gestern Lackstiefeln zu tragen?" fragte ich ganz erstaunt; denn Kollege Fries hatte davon, wie ich bereits von ihm erfahren hatte, nichts verraten.

Bon meiner Tochter Rosa!"

Und der Kommiffarius lachte, daß ihm die Hängewangen nur so wackelten «nd eine Träne darüber kollerte.Das arme Kind hat die ganze Nacht immer von dem Herrn mit den Lackstief­letten geträumt und geredet! Sie ward Ihre Verräterin! Also nehmen Sie die fünf Gulden Strafe nur ruhig hin, Herr Doktor, im Uebrige» bin ich zu jeder Gefälligkeit bereit, um Ihne« den Schmerz zu versüßen."

Da fuhr es mir wie ein Blitz durch bea Kopf. Der Zufall war mir doch zu günstig. Gerne, Herr Kommiffarius, will ich die fünf Gulden zahlen, aber Sie müflen mir gestatten. Ihnen heute meine Aufwartung machen zu dürfen. Ihnen und Fräulein Röschen."

Er lächelte und gewährte mit Vergnügen die Bitte. Ich brauchte aber keine Lackstieflette» an- zuziehen, meinte er, mir die Hand zum Abschied drückend.

Dennoch erschien ich in der Wohnung des Kommiffarius in Lackstiefeln, freilich in neuen, die nicht mehr drückten; denn ich bat um Rös­chens Hand und erhielt sie trotz der Lackstieflette«,; vielleicht auch wegen der Lackstiefietten.

vermischter.

* Berlin, 11. Nov. 1803. DieSchnellmotore»- Studiengesellschaft In Marienselde besichtigte« heute der Minister der öffentlichen Arbeite», bet Kriegsminister, Staatssekretär Krätle und der wiirttem- bergische Verlehrsmiuister Frhr. v. Soden «nd be­obachteten eine Schnellfahrt von 200 Kilometer in der Stunde.

* Paris, 12. Nov. 1903. Im Institut Pasteur ist ein Streit ausgebiochen, womit sich gegenwärtig die Presse viel beschäftigt. Der Wiener Arzt Dr. Marmareek hat als Direktor eines Laboratoriums in jenem Institut sich mit sichtlichem Erfolge mit der Herstellung eine- neuen Serums beschäftigt. Er wollte seine Entdeckung vor der Akademie der medizinischen Wissenschaften zur Besprechung bringen, wurde jedoch im letzten Augenblick daran verhindert. Wie es heißt, soll es sich um Sifer- süchteleien seiner Pariser Kollegen handeln. Dr. Mar- mareck hat infolgedeffen sein Amt niedergelngt.

* Unglück im Alter. Der berühmte Virtuos Padercwcsky hatte allmählich ein Vermögen von einer Million durch seine Klaviervorträge erworben; Vorige- Jahr legte er sein ganzes Verwögen nach dem Rate eines polnischen Freundes an. Nun zeigt sich, daß das ganze beträchtliche Vermögen infolge des Konkurse» der Firma, der er es anvertraut hatte, verloren P; der unglückliche Künstler muß jetzt im Alt« Bieber von neuem beginnen.

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Ertrunken

"^Ernahs ein Schiffersmann, Doch hatte er gr-ße Stiefel an, Dre gingen nicht unter und _ _ sanken nicht.

Denn KrebS-Fett machte sie wasserdicht. [

mit meinen Lackstiefletten.

Sie war rührend anzusehen in ihrem naiven S chrecken vor mir und ihrem Erröten. Ich fand vor V«blüffung über dies kindliche Geständnis äum Worte; endlich sagte ich, als wir schon an

So hielt ich mich denn an die Kollegen, an's Tarock, an den Champagner, und schlürfte mein Mißgeschick mit dem köstlichen, perlenden Naß herunter, so daß ich schließlich weder Mißgeschick noch Hühneraugenschmerzen mehr fühlte.

Wir waren alle in der fidelsten Stimmung. Die fidele Stimmung wurde immer fideler, und schließlich begann Kollege Fries den Laternen­pfahl vis-ä-vis der Oper hinanzuklettern, und von oben höhnte er: Ich mit meinen Lackstiefeln werde ihm das wohl nicht nachmachen! Da er­wachte der Ehrgeiz mir in der Brust. Unter Lachen und Johlen der Gesellschaft kletterte ich ihm nach, beleuchtet vom Hellen Strahl des Gas­lichtes, das fich in meinen Lackstiefeln spiegelte. Da auf einmal der Ruf:Fort, herunter! Die Polizei!"

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Aber das Weh ging vorüber. Doch wer beschreibt meinen Aerger, als ich im Saale umherblickte, einem der Tänzer nach dem anderen auf die Füße sehe und keinen einzigen Lackschuh erblickte als meine Lackstiefietten. Ich, der einzige Herr mit Lackstiefeln!Ja, hat sich denn die ganze Welt gegen mich verschworen, dachte ich, meinen Chapeau-claque in den Händen wie ein Näh­maschinenrad drehend. Ich stürze auf den Fest­ordner, Kollegen Meier, und frage ihn, woher das komme, daß niemand Lackstiefietten trage.

Ja," meinte er, höhnisch lächelnd auf meine glänzende Beschuhung schauend,das kommt da­von, wenn man den Klubsitzungen nicht beiwohnt. In der letzten Sitzung haben sich einige Kollegen beschwert über den vorjährigen Lackstiefelzwang, und so wurde einfach beschlossen, daß niemand in Lackstiefeletten erscheinen soll."

«Ja, ja, das kommt davon!" wiederholte ich, äußerlich resigniert erscheinend, im Herzensgründe aber wütend und tobend, denn die Lackstiefeletten begannen zu allem Pech auch noch ernstlich weh zu tun. Alle meine sonst so stillen Hühneraugen schienen erwachen zu wollen zu meiner Pein.

Nirgends im Saale mehr eine Tänzerin! Alles wogte im Walzer dahin.

Doch täuschte mich mein Auge nicht? Dort im Hintergründe des Saales, an jene Säule ge­lehnt, fitzt noch eine blühende Mädchenknospe an der Seite einer stattlichen, in kirschrotem Sam­met gekleideten älteren Dame! Ein Mädchen, yold wie die Sonne, frisch wie der Morgentau! Sollte sie keinen Tänzer gefunden haben? Ich stelle mich den Damen vor, ich vernehme einen unverständlichen Namen, nurRosa" vernehme ich deutlich.Fräulein Rosa!" Wie schön das klang! Ich bitte um den Vo^ug eines Tankes mit dem gnädigen Fräulein! Der Vorzug wird mir mit der bescheidenen Bitte von Mamas Lippen, ich möchte nachsichtig sein, wenn ihre Tochter etwas unbeholfen fei, es sei der erste Ball, den sie mitmache, und dies erst der zweite Tanz am heutigen Abend. Der erste habe das Kind be­reits so erschöpft, daß es bis jetzt pausieren mußte. Doch nun werde es wohl gehen.

Es ging auch wirklich, ja, es ging vortreff­lich; es war ja auch eine Lust, mit'einem solchen taufrischen Geschöpfen von 17 Jahren dahin­zugleiten nach dem wiegenden Takte des Walzers. Plötzlich entfärbt sich meinRöschen", ihr Blick ruht auf meinen Füßen und bittet, an ihren Platz zurückgeffihrt zu werden.

Darf ich bitten, mein Fräulein, was Sie so plötzlich erschreckt?"

O ich kann's nicht sagen ich sah etwas an Ihnen ich kann nicht mehr mit Ihnen tanzen", stammelte sie.

Darf ich nicht um eine Erklärung bitten, mein verehrtes Fräulein?"

Kind, hüte Dich vor den Männern, beson­ders vor den gezierten, die immer in Lackstiefe­letten einherstolzieren und den Mädchen nur üßes sagen, das sind die Worte meiner Tante, )ie mrine Erziehung geleitet hat, und welche sie o oft wiederholt hat, daß ich mir den festen Vorsatz gemacht habe, mich keinem Herrn zu nähern, der Lackstiefietten trägt. Sie sind ja auch wohl" und sie schaute im ganzen Saal umherder einzige Herr mit Lackstiefeln! Und Schmeicheleien haben Sie mir auch schon ge­nug gesagt", fügte fie errötend bei, und ich mußte ihr Recht geben.

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verehrtes Fräulein, daß ich trotz Lackstiefietten, die ich heute zu meinem Unglück trage, Ihnen keinen Grund zur Furcht geben werde, und daß Sie sich selbst davon überzeugen werden, wenn ich mit Erlaubnis Ihrer gnädigen Frau Mama" ich wandte mich an dieselbeSie um die Ehre des Kottillons bitten darf."

Fräulein Rosa sagt nicht Nein und nicht Ja. Sie mußte erst mit Mama sprechen. Doch ihr freundliches Lächeln, das ihre bleichen Lippen wieder umspielte, sagte, daß fie mir im Grunde nicht zürnte. Als ich fpäter wieder an ihr vor- beikam, nickte sie mir Erhörung zu und lächelte wieder so holdselig als zuvor, fast noch hold­seliger. In meinem Herzen regte sich etwas un­bestimmtes, ängstliches und doch beseligendes. Was war das?

Leider machte sich bei mir der Aerger über die Lackstiefietten immer lebhafter bemerkbar, mußte ich doch bei jeder Tänzerin den fatalen Umstand erklären; den« merkwürdig, jede Dame sprach mit konsequenter Regelmäßigkeit davon, daß ich der einzige Herr im Saale mit Lack­stiefletten sei, ich muß allerdings hinzufügen, daß die meisten Damen Lackstiefietten schön fanden und bedauerten, daß nicht alle Herren Lackstief­letten hätten. Aber was nützte mir das, da ich von Minute zu Minute, von Stunde zu Stunde unerträgliche Schmerzen litt; der linke Schuh namentlich drückte und brannte mich, daß sich mir beim Tanzen eine Träne ins Auge stahl.

Der Kotillon kam endlich endlich die Lackstiefel hatten für Fräulein Röschen allen Schrecken oerloren, dafür waren sie für mich selbst zur schrecklichsten Pein geworden. Ich biß herzhaft in die Lippen, wenn der Schmerz ins Hühnerauge biß. Ich gab auf jede der Fragen meiner reizenden Tänzerin Antwort, was ich fagte, wußte ich wohl selbst nicht. Endlich aber verwirrten sich mir die Sinne allen Ernstes vor Weh und es ging absolut nicht mehr. Ich mußte wieder im Kotillon abbrechen, mich un­wohl erklären, den Saal verlaffen, in ein Neben­zimmer mich flüchten, wo einige nicht tanzende Kollegen und alte Herren beim Champagner saßen und Tarock spielten.

Erschöpft sank ich auf einen Divan und nun erst wurde mit wohler. Aber gleichzeitig kam der Gedanke: WaS wird sie von mir halten? Wird sie mich nicht für treulos halten? Trug ich doch Lackstiefietten! Und die Tante, die ihre Erziehung geleitet, hatte fie vor den Männern mit Lackstieflletten gewarnt! Jetzt wird sie der Tante gewiß recht geben und mich verabscheuen, der ich sie mitten im Kotillon im Stich gelassen hatte. In den Saal wollte ich um keinen Preis mehr, ich konnte mich einer Ohnmacht aussetzen

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vir Lackstiefietten.

Humoreske von W. Conradq.

Heiraten darf man in der Fastenzeit nicht, aber fich verloben ist erlaubt, nicht wahr?"

Ja wohl," erwiederte ich meinem Freunde, dem jungen Dr. Langhuber, der in seiner ganzen Länge mit dieser Frage fich mir auf dem Rim ?egenüber ausgepflanzt und den Weg versperre alte.Aber was soll's? Du hast Dich doch nicht etwa verlobt?"

Pardon, justament ich und zwar justament «m Aschermittwoch. Gratuliere mir, Freund meiner sonnigen Jugend, und komme mit mir in den Kaiserhof, daß wir darauf anstoßen."

Solch' ein Wunsch ist für mich immer Be­seht, und der Glückwunsch kam mir von Herzen, als unsere Gläser aneinander Hangen.Nun aber erzähle mir, Freund Langhuber, wie Du zu einer Braut gekommen bist . . ."

Pst?" verschloß er mit den Mund, als ich boshaft werden wollte.

Du sollst alles hören, doch zuerst blicke «ieber auf die Bekleidung meiner Füße ..."

Aus Deine Lackstiesel?"

Jawohl, sie bergen das Geheimnis meines Glückes."

Die Lackftiefel?" frag ich noch einmal, und muß den Mund vor Staunen ordentlich aufge» rissen haben.

Vernimm denn die Geschichte sie ist tragisch, komisch, dramatisch nenne sie, wie Du willst, aber sie ist wahr, und das ist die Hauptsache."

Und er begann: Am letzten Faschmgstage «ar's. Du weißt, unser medizinischer Klub feiert am Fafchingsdienslag den einzigen Ball im Jahre. Obwohl ich den ganzen Winter über ein sicht saumseliges Mitglied war und besonders die letzten Klubfitzungen mit einer gewissen Regel­mäßigkeit geschwänzt hatte, wollte ich doch dem Klubballe nicht fetnbleiben. Et begann um 9 Uhr. Ich hatte um 8 Uhr noch einen Patienten zu besuchen, war also von vornherein gewiß, zu spät zu kommen. Um so größer wat mein Aerger, als ich nach Hause komme und das Dienstmädchen meiner Wirtin mir erklärte, die Lackstiefietten seien noch nicht gebracht worden. Ich mußte das Mädchen also zum Geschäft schicken. Wollte ich doch nicht wieder, wie beim letzten Ball im vorigen Jahre, der einzige Tänzer ohne Lack- fiiefletten fein. Endlich es war i/,10 Uhr «worden kam der dienstbare Geist. Der Schusterbub hatte meine Visitenkarte mit der Adreffe, die ich im Geschäfte geloffen, unterwegs verloren. Tie ©tiefletten saßen wie angegossen. Sie drückten zwar ein wenig, aber so was gibt ßch! Und ein paar Minuten darauf saß ich in vollem Staat, im Wagen, der mich im Flua nach dem KursaZon brachte.

Der Ball war in vollem Zuge. In der Garderobe musterte ich meine Persönlichkeit noch einmal prüfend vor dem Spiegel. Tadellos! Besonders die Lackstiefietten!Sie verleihen dem ganzen Menschen doch einen gewissen, vor­nehmen Glanz!" dachte ich und betrat den im Glanze elektrischen Lichtes, bunter Toiletten, blühender Jugend und gereifter Schönheit strah­lenden Festsaal. Ich bemühte mich, forsch auf- zutrere»! Da, ein Stich im linken Fuß! Au!

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aum Worte; endlich sagte ich, als wir schon an Im Nu war ich unten und in bester Flucht ihren Platz gelangt waren:Und doch hoffe ich, mit den anderen bald weit weg vorn Arme des

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