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Jahrgang.

fUlda, Freitag, den 13. November 1903.

Jlf 261.

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€rsks A1stt ।

[!] Gerichte und presse.

3» dem Prozeß gegen die Gräfin Kwilecka A. Gen., der fich gegenwärtig vor dem Berliner Schwurgericht abspielt, gab am Dienstag der Dorfitzende seinem Unwillen über das Verhalten der Presse Ausdruck. Es würden, sagte er, in einem Teile der Presse die in betracht kommenden Persönlichkeiten von einem Standpunkte aus heruntergeriffen, welcher der Presse nicht gebühre. Speziell die Untersuchungsrichter würden schlecht gemacht, ein Artikel ziele direkt auf eine Beein- ssuffung der Richter ab. Das sei ein ganz un­erhörtes Verfahren, das bisher nie Grundsatz gewesen. „Niemand habe hier hineinzureden, bis das Urteil gefällt sein wird; und es ist höchst bedauerlich und verwerflich, daß hier davon ab- ^wichen wurde."

Gegen diese Ausführungen wird in verschie­denen Blättern entschieden Einspruch erhoben, nnd ohne Zweifel mit Recht. Wir wissen nicht, gegen welches Blatt fich die Worte des Vor­sitzenden richten und was dieses gesagt haben mag. Vielleicht war eine Rüge des Vorsitzenden und eine Warnung an die Geschworenen, sich durch Aeußerungen der Presse sich nicht beein- luffen zu lassen, berechtigt, aber dabei ist der Vorsitzende dann entschieden zu weit gegangen. Denn so wie seine Worte lauten, möchte er der Presse überhaupt verbieten, sich zu einem Pro­zesse zu äußern, ehe das Urteil gefällt ist. Der Neigung, der Presse jedes „Dreinreden" zu ver­bieten, sind wir schon wiederholt bei Richtern und Staatsanwälten begegnet. Man begreift ja, daß manchem die Kritik nicht behagt und er am Nebsten mit souveräner Gewalt handeln und ent­scheiden möchte. Die Richter und namentlich der Vorsitzende Richter herrschen ja auch manchmal ziemlich absolut in dem Bewußtsein, daß Ange- Lagte und Zeugen ihnen auf Gnade und Un­gnade überliefert find.

Aber diese absolute Gewalt kann sich nicht auf Personen erstrecken, die an der Gerichtsver­handlung weder aktiv noch passiv beteiligt find, wenigstens dann nicht, wenn diese fich außerhalb d«s Gerichtssaales befinden. Es widerspricht durchaus dem Grundsatz der Oeffentlichkeit des Gerichtsverfahrens, wenn vollständiges Still- ««eigen herrschen soll, bis das Urteil gefällt . Dieses Schweigen und Unterbleiben jeglicher Kritik ist praktisch auch gar nicht zu erzielen. Zeugen, Geschwor.ne, Zuhörer, Zeitungsleser unterhalten sich in Wirtshäusern, in der Familie, «uf der Straße usw. über den Prozeß, üben Kri­tik und äußern eine Meinung. Das gleiche wird um» doch der Presse nicht untersagen können. Allerdings darf diese nicht mitten in der Ver­handlung dem Urteilsspruch vorgrerfen und das .Schuldig" oder „Unschuldig" aussprechen wollen. Da muß sie Zurückhaltung üben und auch

den Schein vermeiden, als wolle sie Richter oder Geschworene beeinflussen. Aber wenn ein Prozeß sich wochenlang hinzieht, so braucht sie auch nicht hartnäckig zu schweigen über Dinge, mir denen alle Welt sich beschäftigt. Sie darf auch die Eindrücke, die sie aus den Verhand­lungen empfangen hat, ebenso gut «iedergebeu, wie jeden anderen, so lange sie es vermeidet, ein Endurteil abzugeben und dieses dem Gerichts­höfe aufzudrängen.

Sie hat sogar die Pflicht, zu reifen, wenn die Verhandlungen Mißstände und Ungehörig­keiten ergeben. Zeigt sich z. B. der Vorsitzende voreingenommen und parteiisch gegenüber den Angeklagten oder Zeugen; behandelt er die Ent­lastungszeugen anders, als die Belastungszeugen; gibt er seine subjektive Ansicht von der Schuld des Angeklagten zu erkennen, während er noch die Wahrheit zu ermitteln hat, macht er sonst grobe Mißgriffe, die ihn als ungeeignet für die Leitung der Verhandlungen erscheinen lassen, kommen Verstöße gegen das Gesetz vor usw., so hat die Presse unbedingt die Aufgabe, das zu rügen und so die Rechtspflege vor Schaden, die Angeklagten und Zeugen vor Unrecht zu schützen. Auch hat die Presse das Recht, darauf hinzu­weisen, wenn in einer Gerichtsverhandlung Mängel der Gesetzgebung oder der herkömmlichen Praxis zutage treten. Der Vorsitzende in dem Prozeß Kwilecka behauptete, die Untersuchungs­richter seien „schlecht gemacht worden". Wenn die Verhandlung ergeben hat, daß in der Vor­untersuchung nicht nach dem Gesetze oder auch nur unbillig und ungehörig verfahren worden ist, so ist es Sache der Presse, darauf hinzu­weisen. Natürlich darf sie die beteiligten Per­sonen nicht lediglich deshalb „schlecht machen", weil ihr das Ergebnis der Untersuchung nicht gefällt.

Es wird der anständigen Presse nicht ein fall en, dem Richter „hineinzureden", indem sie sich formell die Leitung der Verhandlung und das Urteil anmaßt, aber es ist ihr gutes Recht, darüber zu wachen, daß alles ordnungs­gemäß hergeht, ihre Stimme zu erheben, wenn Verstöße verkommen, die die Gerechtigkeit ge­fährden, auf diesen oder jenen für das Urteil wichtigen Punkt hinzuweisen und in strittigen Fragen eine Rechtsmeinung zu äußern. Daß das „ein ganz unerhörtes Verfahren", „bisher nie Grundsatz gewesen" sein soll, ist ein großer Irr­tum. Es ist bisher immer so gewesen und wahr­scheinlich nicht zum Schaden der Zustiz. Die ,Voss. Ztg.' weist darauf hin, daß eine Reihe namhafter Rechtslehrer und Richter wie Holtzen- dorff, v. Liszt, Stenglein, Staub usw'. nicht allein das Recht der Presse, in einen schwebenden Prozeß „hineinzureden" anerkannt, sondern es auch vielfach ausgeübt, so im Konitzer Prozeß, im Gumbinner Prozeß, im Prozeß Sternberg. Ja sogar der frühere Staatsanwalt und spatere Geheime Kriegsrat Romen hat über den Gum­binner Prozeß geschrieben, bevor er beendet war, und zwar in einer Weise, die ganz besonders stark nach „Hineinreden" aussah.

Es wird die Presse sich auch in Zukunft nicht durch Richter,die „keine Oeffentlichkeit anerkennen".

nicht abhalten kaffen, bei schwebenden Prozessen ihre Meinung zu sagen, wo es notwendigerscheint, und zur Klärung eines Prozesses beizutragen, wo sie dazu imstande zu sein glaubt. Sie kann nicht schweigen über Dinge, die in aller Munde sind. Die Presse hat so viele Redefreiheit, wie jedermann, nur darf sie diese ebenso wenig zur Beeinflussung von Richtern gebrauchen, wie sonst jemand.

Berlin, den 12. November 1903.

/ Der heute früh ausgegebene ärztliche Bericht über das Befinden des Kaisers lautet: „Der Kaiser hat gestern wegen des scharfen Windes den Sparziergang aufgegeben. Die Heilung der Operationswunde nimmt ihren regelmäßigen Verlauf. Das Allgemeinbefinden ist dauernd gut." — Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Kriegsministers, des Chefs des Generalstabes und des Chefs des Militärkabinetts.

* Ueber den Verlauf der Operation des Kaisers erfährt die ,Franks. Zrg/ noch folgende interessante Einzelheiten: Der Polyp war nicht, wie es die Regel ist, gestielt, sondern saß breit­basig am Rande des linken Stimmbandes. Aus diesem Grunde war die Operation etwas kom­plizierter als bei gewöhnlichen Stimmband­polypen, da die Geschwulst erst durch einen Ein­schnitt an ihrer Basis zu einer gestielten gemacht werden mußte. Das Cocain wirkte bei dem Patienten vorzüglich, sodaß Professor Schmidt das Kehlkopfmeffer mit Sicherheit führen konnte und mit einem kleinen Schnitt den Polypen von seiner Anhaftungsstelle bis auf eine kurze Brücke lostrennte. Dann ging er mit seiner Kehlkopf- zange ein und holte auf den ersten Griff die ganze Geschwulst heraus. Der Kaiser machte keine störende Bewegung. Die Blutung war etwas reichlich, doch erforderte es keiner be­sonderen Blutstillungsmittel. Da bei dem Kaiser schon vor der Operation das ganze linke Stimmband entzündlich gerötet war — wie anzunehmen infolge der Reizung des Polypen — wird die völlige Abblassung und Heilung des Stimmbandes doch längere Zeit in Anspruch nehmen. Eine solche Mitbe­teiligung des Stimmbandes ist nichts Ungewöhn­liches und kein Zeichen einer tieferen Erkrankung. Das Resultat der mikroskopischen Untersuchung war schon nach 6 Stunden in den Händen des Kaisers und seiner Aerzte. Dieser bis heute unerreichte Rekord in der Schnelligkeit bei der Härtung, Färbung und mikroskopischen Zerlegung in Schnitte — es wurden eine ganze Anzahl sog. Serienschnitte durch die Geschwulst gemacht — ist einer neuen Erfindung Prof. Orths zu verdanken, die noch nicht weiter bekannt gegeben ist. Es handelt sich um ein Verfahren sehr rascher Härtung zum Zweck der mikroskopischen Untersuchung von Gewebsteilen, wo aus forensi­

schen oder menschlichen Gründen die Erzielung eines möglichst raschen Resultats gewünscht wird. Dieses neue Verfahren kam bei der Untersuchung des kaiserlichen Polypen zum allerersten Male zur Anwendung. Bisher nahm eine solche Unter­suchung bei kleinsten Tumoren mindestens 24 Stunden in Anspruch, bei größeren Gewebsstücken aber einige Tage. Moritz Schmidt weilt noch int neuen Palais. Es wird täglich eine Besichtigung des operierten Stimmbands mittelst des Kehlkopfspiegels vorgenommen und etwas Pulver darauf gestäubt. Reiten, Sprechen, scharfe Speisen und Getränke find dem Patienten bis auf weiteres verboten. Die Stimmung im Palais ist trotz dieser Einschränkungen durchaus behaglich und nicht gedrückt. Der Kaiser zeigt sich als ein geduldiger Patient und befolgt die Ratschläge seines Arztes.

)( Neulich berichtete die hakatistische Presse, der Erzbischof vo« Pose« habe den Zöglingen des Priesterseminars den Besuch der Vor­lesungen an der neu gegründeten Posener Akademie untersagt. Die Meldung mußte wiederrufen werden. Der Erzbischof hatte den Besuch gestattet, ja angeordnet. Nun aber stellt sich heraus, daß die Zöglinge nicht wollen. Der ,Postep' berichtet nämlich: „Die Kleriker deS Posener Priesterseminars haben an das Dom­kapitel eine Denkschrift gerichtet. Sie protestieren darin „gegen den Zwang, der auf sie ausgeübt wird, die germanisierende Posener Akademie zu besuchen". Infolgedessen sind wegen Insubor­dination 80 polnische Kleriker zur Buße zu je einem halben Tag Karzer verurteilt worden. Außer­dem gelang es der Seminarbehörde, die Kleriker zur Aenderung der Form der Denkschrift zu be­wegen. Zur Zurücknahme der Denkschrift selbst ließen sich die Kleriker nicht bewegen. Die Densschrift wurde von einer Deputation von 6 Klerikern, mit dem Seminardekan an der Spitze, überreicht. Der Dekan wurde sofort degradiert und ein Kleriker deutscher Nationalität zum Dekan ernannt. Um den Klerikern ein Beispiel zu geben, hat Domherr Dalbor mit mehreren Geistlichen eine Vorlesung in der Akademie be­legt." Die ,Praca' erfährt aus sicherster Quelle, die erzbischöfliche Behörde habe den Klerikern des ersten Kursus die Alternative gestellt, ent­weder die Vorlesungen zu besuchen oder daS Priesterseminar sofort zu verlassen. Von Ostern ab wird jeder neueintretende Kleriker ein Schrift­stück unterzeichnen müssen, in welchem er sich ver­pflichtet, die Posener Akademie zu besuchen. Wer sich weigert, wird nicht in das Seminm: ausgenommen. Die Kleriker werden ja schließ­lich dem Befehle ihres Oberhirten hoffentlich sämtlich gehorchen. Aber eine für das Deutsch­tum erfreuliche Wirkung wird aus dem Zwangs­besuche schwerlich erwachsen.

** Die .National!. Korresp/ deutet die Ab­sicht der Staatsregierung an, eine Jmmobilien- Verkehrssterrer einzuführen. Sie schreibt: „ES hat sich herausgestellt, daß beider mehrfach geübten Praxis, bei Zwangsversteigerungen von Immo­bilien nicht allzu rasch zu verfahren, Ausfälle in der Umsatzsteuer entstehen, die namentlich in den Vororten der großen Städte ziemlich beträchtlich

3>as Majorat

SHtman v on fcwalb August Körrig.

36 ------ (Nachdruck verboten.)

„Sehr wohl, ich werde ihm die Hochachtung nicht »efoyw, auf die er als solcher Anspruch wachen darf."

„And wer weiß, ob er nicht Dein blondes Haupt mit der Grafenkrone schmückr."

Das Lächeln verschwand auf den Lippen Theodores, must und forschend ruhte der Blick auf dem Antlitz Dagoberts.

,,^er diese Absicht geäußert?" fragte sie.

„Wenn er sie jemals äußern sollte, dann bitte ich Dich, ihm zu sagen, er möge sich nicht bemühen, We Ausführung zu versuchen," sagte sie in einem io «nsten Tone, daß Dagobert sie bestemdet anblickte.

„Diese Erklärung verrät ein Herzensgeheimnis, das ich woch nicht kannte."

»Ach hoffe, Dein Zartgefühl wird Dir verbieten, ihm weiter nachjufoischen."

„Ich kann mich gedulden, bis es Dir gefällt, mir dieses zu offenbaren."

Sie legte Ihre Hand in seinen Arm und schritt langsam weiter.

„Ich werde dann vielleicht hier im Hause rines Freundes bedürfen", sagte sie. „Dars ich in diesem Wall«: aus Dich zählen ? Deine Mama wercyt mir aus; äh weiß wohl, daß sie meinen Vater haßt, ich aber hätte nicht geglaubt, daß sie auch aul mich diesen Haß übertragen würde."

„TvS glaube auch ich nicht", erwiderte Dagobert. „Melchen Grund könnte sie haben, Dich zu Haffen?"

„©» «ollen wir es Abneigung neunen."

„gm Sowie der Zeit wird das fich ändern." k „Ich glaube es nicht, ich bin Deiner Mutter bei Hnserer ersten Begegnung offen und vertranenSvoS

entgegengetommew, sie blieb kalt und zurückhaltend, kein freundliches Wort hab: ich von ihren Lippen vernommen. Du hast meine Frage noch nicht beant­wortet!"

„Ob ich zu Dir stehen will? Gewiß Theodore, ich bin immer Dein Freund gewesen, ich werde eS auch bleiben. Aber waS kann meine Freundschaft Dir nützen, so lange mir selbst hier die Hände gebunden sind? Ich spiele hier eine traurige Rolle, das wird mir mit jedem Tage klarer."

„Und doch darfst Du deshalb meinem Bater nicht grollen", unterbrach fie ihn rasch, „eS 'st feilte Pflicht, das Familiengesetz zu erfüllen."

„Und er erfüllt diese Pflicht nur zu gerne!“

„Glaubst Du wirklich, daß ihm die Stellung, die er Dir gegenüber einnimmt, angenehm sein kann?"

„Wenn fie tS nicht ist, weshalb übergibt er mit nicht das Majorat?"

„Weil die Gesetze unserer Familie e- ihm v-r- bieten." e

„Wer ist außer ihm und mit noch vorhanden, der diese Gesetze wahren tarnt? Wenn wer beide einig find —"

„Dann kann der Justitiar Einspruch erheben."

„Dem Vater hat Dich vortrefflich unterrichtet, um fich in Deinen Augen zu rechtfertigen", sagte Dago­bert sarkastisch; „aber die Dinge liegen doch etwas anders, wie er fie darstellt. Der Norar Tellenbach tot keine Berechtigung, fich in unsere Familienange- legeuheiteu zu mischen."

„Das nickt, aber er ist verpflichtet, darauf zu achten, daß alle Bestimmungen unseres FamilienstawlS streng erfüllt werden. DaS hat er selbst gesagt, als mein Vater die Aeußcrung sollen ließ, er wolle, um den Aerger zu vermeiden, Dir das Majorat über­tragen."

„Komödie!" spottete Dagobert mit einem verächt­lichen Achselzucken.

„Du wirst beleidigend", zürnte Theodor;.

„Ich kann nicht anders reden, wie ich denke! Dein Vater denkt nicht daran, die Zügel aus der Hand zu geben, so lange er nur noch einen Schimmer von Recht hat, fie zu behalten. Aber jene Komödie wurde in Deiner Gegenwart aufgeführt, nm Dich von der Uneigennützigkeit Deines BaterS zu überzeugen."

Theodore schüttelte unwillig das blonde Haupt, ein herber Zug zuckte um ihre Mundwinkel.

„Deine innere Unzufriedenheit, die ich wohl be­greife, macht Dich ungerecht," sagte fie dorwmssvoll, „mein Vater ist nicht so eigennützig, wie Du ihn schilderst. Du müßtest ihm danken dafür, daß er Dein Eibe so gut verwaltet hat, und darf er es Dir jetzt auch noch nicht übergeben, so kommt er doch Deinen Wünschen entgegen. Er hat dem alten Verwalter ge­kündigt, weil Du es verlangtest; es ist bart für den alten Mann, der für treue Dieriste so schlecht belohnt wird."

„Ich glaube zuversichtlich, daß er feine Belohnung vorab genommen hat," erwiderte Dagobert. „Die Ge­wißheit darüber wird wohl in den Berwaltungsbüchern zu finden sein. Und nun genug davon, Theodore, ich will Deinen Bater nicht vor Dir arklagrn, recht würdest Du mir ja nicht geben; und was in der Vergangenheit geschehen ist, das ist Dir unbekannt."

„Richt doch, was damals geschehen ist, weiß ich. Es war für Dich beklagenswert, daß Du sogleich den Kopf verlorst und in die weite Welt hineinreistest. Wärest Du nur noch einen Tag hier geblieben, so würdest Du erfahren haben, daß Dein Gegner nur leicht verwundet war."

„Im Gegenteil, eS war mein Glück, daß ich die Heimat verließ," antwortete er; „ich bin in der Fremde ein ernster Mann geworden und habe viel gelernt; hier wäre ich vielleicht unter gegangen, weniger durch eigene Schu'd, als durch die Schuld anderer, die da­raus ausgingen, mich zu verderben. Aber, wie gesagt, taffen fett das; was geschehen ist, kann nicht unge­schehen gemacht werden. Begleitest Du mich ins Haus oder wMt Du noch hier bleiben?"

„Ich bleibe noch eine halbe Stunde, weshalb willst Du mich schon so bald verlassen?'

„Well ich m:t Deinem Vater mancherlei zu beraten habe; wir wurden durch den Besuch des Ungarn ge­stört."

„Sind es Beratungen ernster Natur?" fragte fie mit einem besorgten Blick. „Halte Frieden, Dagobert, ich bitte Dich noch einmal darum. Wenn Du nicht mit allem einverstanden bist, was Papa tut, bedeute, daß er der Bruder Deines Vaters ist, und daß er als älterer Mann einen reicheren Schatz von Erfahrungen hat."

Sie waren am Eingänge des Parks stehen geblieben; mit finsterem Blick schaute Dagobert auf das Herren­haus.

„Und bedenke Du, daß ich hier auf meinem Eigen­tum ein willenloser Sklave Deines Vaters fein soll", erwiderte er. „Ich bin kein Knabe mehr, d«r ver­stummen muß, wenn ein gereister Mann das Wort ergreift, ich verlange meine Rechte, und so lange bisse Forderung nicht erfüllt ist, muß ich jeden, der fich ihr widersetzt, als meinen Feind betrachten. Der Kampf kann nicht ausblnben, er rückt mit jedem Tage näher, und es liegt nicht in meiner Macht, ihn zu verhüten."

„Er wird verhütet, wenn Du den Gesetzen unserer Familie Dich unterwirfst und geduldig wartest, bis die Frist abgelaufen ist."

„Das kann ich nicht, ich besitze diese Geduld nicht. Schon meiner Mutter wegen mu r ich wünschen, daß

„Daß wir Hans Eichevhorst veilaff-n l Ich weiß dos wohl, Dagobert, und, glaube mir, die Freude an unserem Aufenthalte hier wird mir dadurch ver­dorben. Ich hotte gehofft, an Deiner Mutter eine Freundin zu gewinnen: auch diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen."

„Vielleicht doch, wenn sie Dich näher kennen lernt. Und laß uns in Frieden scheiden: wir beide wolle» gute Freunde bleiben, mag es auch zwischen Deine« Vater nnd mir zmn erbitterten Kampfe kommen." (F. f.)