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MaerM Zeitung

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30. Jahrgang

yulda, Mittwoch, bra 11. November 1903.

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erstes Blatt

Deutsches Reich,

Blutungen ftattgefunden haben. Diese Blutungen entstehen oft durch leichte Quetschungen, die bei lautem, anstrengendem Sprechen durch das Zu­sammenziehen und die Schwingungen der Stimm­lippen eintreten. Nach einiger Zeit werden diese minimalen Blutttöpfchen resorbiert und Spuren davon bleiben als Reste des Blutfarbstoffes in Gestalt von allerseinsten braunen Pigmentkörnchen in der Neubildung zurück. Diese Ueberbleibsel beweisen aber auch, daß der Polyp schon längere Zeit bestanden und Heiserkeit rc. verursacht haben muß. Tatsächlich ist es auch der näheren Um­gebung des Kaisers seit etwa 3 Wochen ausge­fallen, daß die Stimme des Kaisers permanent heiser und belegt klang.

** J«s Herrenhaus hat der Kaiser an Stelle der verstorbenen Großindustriellen Krupp und Stumm, wie das ,Berl. Tagebl/ erfährt, abermals zwei Großindustrielle aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet berufen.

* ZurEinberufuug des Reichstages schreibt die ,Köln. Ztg/: Es scheint nunmeyr festzustehen, daß die Einberufung des Reichstages nicht mehr im Laufe dieses Monats, sondern erst Anfang Dezember stattfinden wird. Ein bestimmter Tag ist noch nicht festgesetzt.

* Konferenz sämtlicher Eisenbahu- direktious-Präfideuten. Am 16. November findet in Berlin beim Minister der öffentlichen Arbeiten eine Konferenz sämtlicher Effendahn- direklionspräfidenten statt, deren Zweck eine mündliche Aussprache über Eisenbahnangelegen­heiten und ein gegenseitiger Meinungsausttiusch über die Erfahrungen der Einzelnen im Eisen­bahnbetriebe ist. An den Besprechungen wird auch der Eisenbahndireklionspräfivent von Straß­burg teilnehmen. Für den Abend hat der Minister die Herren zum Essen geladen, an welchem auch eine größere Anzahl von Beamten des Eisenbahn­ministeriums mit ihren Damen teilnehmen wird.

(Weitere politische Nachrichten im 2. Blatte.)

monatrbiilag«:Mdaer Geschichtrblätter"

und vor allem mit großen, die urteilslosen Wähler übertölpelnden Phrasen dagegen, daß durch Gesetz festgelegt werde, was die Unter­richtsoerwallung praktisch allgemein ohne Wider­spruch übt. Schwächen die Wahlen das Zen­trum und die Konservativen, so daß beide Par­teien nicht mehr die Mehrheit haben, ja er­fahren die Liberalen auch nur eine ansehnliche Verstärkung, so dürfen wir auf ein Schulgesetz, wie wir es wünschen müssen, nicht rechnen. Selbst eine liberale Minderheit versteht bekannt­lich durch ihren Lärm die Regierung so einzu- schüchtern, daß diese gegen fie nicht zu handeln wagt. Im Auge behalten müssen wir auch, daß in der Schulfrage nicht auf alle Kon­servativen mit Sicherheit zu bauen ist; die Liberalen also leicht von dieser Seite Hilfe erhalten können.

Auf die wirtschaftlichen Fragen, die im Landtage zur Entscheidung kommen (Kanalvor­lage usw.) wollen wir hier nicht eingehen. Die Zentrumswähler wissen, was fie da am Zentrum habest, und werden sich wohl durch die liberalen Redensarten von denreaktionären Bestrebungen" des Zentrums nicht irre machen lasten. Das Zentrum hat noch nie reaktionäre Politik mit­gemacht, sondern ist immer für Freiheit und Fortschritt ein getreten, und wenn z. B. die Liberalen eine gründliche Reform des Drei­klaffenwahlrechtes in die Wege leiten wollen, das Zentrum wird sicher dabei sein.

lieber die Einzelheiten des Wahlgeschäftes, sein Wahllokal, die Wahlzeit, die Wahlmänner­kandidaten des Zentrums ist jeder Zentrums­wähler hoffentlich überall genau unterrichtet. Wenn nicht, so tue man es schleunigst. Die Hauptsache aber ist, daß man ihn am Donners­tag zur rechten Stunde auch am Wahltisch finde und er sich immer gegenwärtig halte: Es ist vielleicht meine Stimme, auf die <es an­kommt.

lw|et|ee: Vie ei» spatti-e Petitzeile ober deren Kaum 15 pfß° Reklamen die petitzetl» 25 pfg.; bei Wieder­holungen wird emspr. Rabatt gewährt.

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Verantwortlicher

rchriftleiter:Zof.vau«

wochmbellage:Illustrierte Sonntagrzeitung

Dcrs Majorat.

Roman von Ewald August König.

M ------ (Nachdruck verboten.)

Die Mutter ist tot und unser Name ist be­schimpft, die Spatzen Pfeisen es morgen von allen Dächern. Und da» soll ich schweigend mir gefallen laste»f Wälst Du ein echter und rechter Bruder, dann gingst Du mit mir durch Dick und Dünn."

Um einen Mord zu begehen?"

,Zl»ch da», wenn ich nicht in anderer Weise Rache nehmen kann. Lieber möchte ich die beiden Kerle an eine» Baum binden und fie durchpeitschen, bis fie zusawmenbrechen, das wäre die richtigste Vergeltung. Aber ich allein kann das nicht"

,Ind auf meine Hilfe darfst Du dabei nicht rechne»", fiel Abraham in entschlossenen Tone ihm NS Wort.Wenn ich Dir ein echter und rechter Bruder sei» will, wie Du sagst, bann ist es meine Pflicht, Dich zu warnen und Dich von Handlungen abzuhalten, die Dich für Dein ganzer Leben unglücklich wachen. Wen» Du ehrlich arbeiten wolltest, bann könnte alles noch gut werden, Du bist jung, gesund und rüstig"

Da hör' ich wieder Deine Schwiegermutter reden", spottete sein Bruder,Du plapperst nur nach, waS te Dir vorgeschwatzt hat, stehst schon gründlich unter dem Pantoffel, Du Schwachmatikus! Arbeite, bis Dei» Rücken krumm geworden ist, ersparen kannst Du nicht» von dem bißchen Lohn, und wenn Deine finodjew lahm geworden find, bann geh mit Frau und Sind ins Armenhaus, bie Leute, die Deine Arbeit reich gemacht hat, werden Euch dann nicht «mähre»."

^Sester so, als im Zuchthause enden", sagte Abra­ham, mit der Hand über seine nasse Stirn fahrend, ich behalte meinen ehrlichen Namen. Ich will Dir «we» anderen Vorschlag machen, Anton: ich hab' »ach ein kleine» Sümmchen in der Sparkasse, Du

0 vte Stimme, auf die es ankommt.

Weit leichter als bei den Reichstagswahlen kann eS bei den Landtagswahlen auf eine »inzige Stimm e ankommen. In den meisten Wahlkreisen gibt es nur wenige hundert Wahl- männer. Wenn sich zwei ziemlich gleichstarke Parteien gegenüberstehen, hängt es ost von einem Wahlmanne auf der einen oder andern Seite mehr oder weniger ab, wer gewählt wird. Sind mehrere Parteien vorhanden, so kann es von einer einzigen Stimme abhängen, ob eine Partei, die selbst nicht siegen kann, die Ent­scheidung zwischen den anderen Parteien in die Hand bekommt.

Ob eine Partei einen Wahlmann meh'r »der weniger erhält, das entscheidet sich bei Ur­wahlen wieder oft mit einer einzigen Stimme. Für die erste und zweite Klaffe liegt das meist Hand- -reiflich vor Augen, da hier nur wenige Wähler sind. Manchmal zählt die erste Abteilung ja «ur einen, zwei oder drei Urwähler Aber auch in der dritten Abteilung gibt es in keinem Wahlbezirke mehr als ein paar hundert Urwähler. Also auch hier kann leicht eine Stimme den Ausschlag geben. Das umso leichter, als er­fahrungsgemäß die Wahlbeteiligung bei den Aandtagswahlen äußerst schwach zu sein pflegt. Gut 18 Prozent war bei den letzten Wahlen der Durchschnitt. Wenn da ein paar Dutzend Urwähler am Wahltische erscheinen, ist «s wirklich der reine Zufall, auf wessen Seite die Mehrheit fällt.

Kein Urwähler sollte also am morgigen Donnerstage denken: Auf eine Stimme kommt t3 nicht an; sondern jeder sollte sich sagen: Gerade auf eine Stimme kommt es viel­leicht an. Die Lässigkeit darf diesmal um so weniger Platz greifen, als zum ersten Male die Sozialdemokraten in vielen Wahlkreisen ernstliche Anstrengungen machen, in den Landtag zu ge- kmgen. Kein Mensch vermag vorauszusagen, welchen Einfluß das auf die Wahlbeteiligung haben wird. Wenn die übrigen Parteien so «ahlfaul find, wie ftüher, so können uns die Sozialdemokraten die schönste Ueberraschung be­reiten. Diese brauchen ja nicht entfernt den fer wie bei den Reichstagswahlen zu betätigen. Sie brauchen in manchen Bezirken nur eine Hando»ll Leute auf die Beine zu bringen, so habe» fie die Mehrheit und bestimmen den Wahlmann. _ Können fie selbst auch die Mehrheit der Wahlmänner nicht erlangen, so können fie doch bei der Abgeordnetenwahl ausschlaggebend werden, und fie werden natürlich ihre Stimmen stets den Gegnern des Zentrums geben, »re fie das bei Stichwahlen auch bei den Ur« wählen tun werden.

8ber auch wenn die Sozialdemokraten sich

nicht an der Wahl beteiligten und dort, wo sie Wahlenthaltung beschloffen haben, heißt es doch für die Zentrumswähler: am Platze feint Die Liberalen machen diesmal ganz besondere Anstrengungen, dieReaktion" niederzuwerfen, das heißt vor allem, das Zentrumunschädlich" zu machen. Einheitlicher und geschloffener als seit langer Zeit ziehen sie in den Wahlkampf. Wir glauben nun zwar nicht, daß es ihnen ge­lingen wird, diekonservativ-klerikale" Mehrheit zu befeittgen, aber Voraussetzung ist doch, daß die Wähler dieser Mehrheit, insbesondere die des Zentrums, ihre Schuldigkeit tun. Man kann sonst gar nicht wissen, welche Erfolge die Liberalen mit sozialdemokratischer Hilfe erringen.

lieber die Wichtigkeit der Wahlen für den künftigen Gang der Politik brauchen Zentrum-Wähler hoffentlich nicht erst noch aus­führlich belehrt zu werden. Sie werden doch wissen, daß gerade beim Landtage die wichtigsten Entscheidungen in den höheren geistigen und idealen Fragen liegen. Wir verweisen nur auf die Kirchen- und Schulpolitik. Gegen denUltramontanismus" d. h. gegen den Katholizismus ist feit Jahren eine Hetze wirksam tätig, die mit einer Leidenschaftlichkeit und Skrupellosigkeit getrieben wird, wie in den schönsten" Zeiten des Kulturkampfes. Glauben wir auch nicht, daß die Regierung die Unklug­heit besitzen wird, sich in einen neuen Kultur­kampf hinaus treiben zu lassen, so müssen wir doch erwarten, daß mit dem Anwachsen der liberalen Parteien unser Ringen um Freiheit und Gleichberechtigung erschwert werden würde. Die lästigen und gehässigen Reste der Kultur­kampfgesetzgebung, die namentlich unsere Krankenpflegeorden drücken, werden sicher nicht beseitigt werden, wenn die Liberalen mitzusprechen haben? Und Parität haben die Katholiken sicher nicht von denen zu erwarten, die immer behaupten, wir verlangten mechanische Parität, es dürfe aber lediglich die Befähigung ohne Rücksicht auf die Konfession für die Besetzung der Staatsstellen in Betracht kommen, oder die gar sagen, die Katholiken seien in Preußen be­vorzugt und die Protestanten würden zurück­gesetzt.

Von ganz besonderer Wichtigkeit ist gegen­wärtig die Sch ul frage, da ein Schulunter­haltungsgesetz in Aussicht steht. Mit der Schul­frage suchen deshalb auch die Liberalen vor allem Wahlgeschäfte zu machen. Sie reden den Wählern vor, dieReaktionären" wollten die Schule der Kirche aus liefern", die Volksbildung zurückschrauben, geistige Finsternis Über das ganze Land verbreiten usw. Mit anderen Worten besagt das: Die Liberalen wollen ein Schulgesetz verhindern, das die christliche und konfessionelle Schule stcherstellt, der Kirche ihr Recht in bezug auf den Religionsunterricht ge­währt und die konfessionellen Minderheiten gegen die Zurücksetzung und Vergewaltigung durch die Gemeindemehrheiten der anderen Konfessionen schützt. Sie wollen eine Schulgesetzgebung int Geiste des verflossenen Kultusministers Dr. Falk und wehren sich deshalb mit Händen und Füßen sollst e« haben, geh' damit nach Amerika und versuch' dort Dein Glück."

Anton war am Tisch stehen geblieben, er füllte mit zitternder Hand daS Weinglas und trank eS hastig aus.

.Es ist schon mancher arm und abgerissen von drüben zurückgekommen, der die goldenen Berge nicht gefunden hat, die ihm versprochen waren," spottete er.

So war's seine eigene Schuld, das Geld findet man n rgends auf der Straße; wer drüben arbeiten will, tonn viel verdienen," entgegnete Abraham.

Oder auch verhungern!"

Es hungert niemand, der arbeiten kann!" Arbeiten kann ich auck hier."

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht effen!"

Unsinn! Sag' das einmal den reichen Müßig­gängern, sie werden Dich auslachen."

Du bist nicht reich, bist so arm wie eine Kirchen­maus und dabei dennoch ein Müßiggänger," erwiderte Abraham, in dessen ehrlichen Augen es zornig auf­blitzte.Ich weiß Dir keinen besseren Vorschlag zu macken; wenn auch mancher Lump von drüben als Vagabund zurückgekommen ist: viele find dort ver­mögende Leute geworden, und mit Deinen gesunden Armen kannst Du eS auch werden."

Das alles ließe sich später überlegen"

Später? Wenn Du in Deiner Rachsucht hier ein Verbrechen begangen hast? Das eben will ich ja verhüten; Du sollst ein ehrlicher Mensch bleiben, und folgst Du meinem Rate, wirst Du'S mir später Dank wissen. Sag' zu. Du sollst morgen das Geld haben, übermorgen kannst Du schon abreifen, bann hast Du gier keinen Hohn und Spott mehr zu fürchten "

Ich sage nein!" fuhr Anton wieder auf, und der Zorn, der in ihm tobte, färbte die Schmarre auf seinem Gesicht dunkler.Auf meine Rache verzichte ich nicht, ich will fie haben, wenn auch ein Engel vom Himmel käme, um den Baron zu schützen " g-

Abraham hatte sich erhoben, auch au» seinen Züge» sprach der Zorn.

* Rom, 10. Nov. 1903. In feiner im gestrigen Konsistorium gehaltenen Ansprache führte der Papst aus, er habe vergebens ver­sucht, auf das Pontifikat zu verzichten, aber, indem er sich dem Willen Gottes unterwerfe, würde er sich bemühen, das ihm anvertraute Gut deS Glaubens zum Heile Aller zu bewahren. Notwendig fei, daß der Papst in der Regierung der Kirche frei und keiner Macht unterworfen fei. Demgemäß bedauere er, indem er sich feiner Pflicht und der Heiligkeit seines Eides wohl be­wußt fei, die sehr schwere Beleidigung, die der Kirche in dieser Beziehung widerfahren fei. Er fei überrascht über die Neugier, die man hin­sichtlich des Programms seines Pontifikats ge­zeigt, da er doch keinen anderen Weg gehen könne als den, den sein Vorgänger gegangen. Zurückweisen müsse er bie Meinung, daß der Papst sich nicht mit Politik be- hier noch nicht zu befehlen hat," erwiderte die Zofe; wenn das jemals der Fall sein sollte, dann gehe ich augenblicklich fteiwillig."

Das würde uns nicht unangenehm sein," warf Joseph ein.ES kommt sehr oft anders, tote man hofft und denkt, Sie könnten sich in Ihren Hoffnungen auch getäuscht sehen."

Nanni lachte hell auf und strich die rotblonden Löckchen aus der Stirn.

Ich weiß er wohl, daß der Baron Kurt hier keine Freunde hat," sagte fie,er ist verraten und verkauft von denen, die er ernährt. Wenn ich die Spionin wäre, die ich fein soll, dann hättet Ihr samt dem Förster längst den Laufpaß erhalten. Ich sollte nur einmal dem gnädigen Herrn erzähle», wes­halb der junge Herr so oft in den Wald geht."

Wissen Sie das so genau?"ftazteJakob spöttisch. Hat der Förster nicht eine schöne Tochter?" DummeS Zeug!" sagte der Kutscher.Baron Dagobert ist viel zu ehrenhaft, als daß er ein junge» Mädchen unglücklich machen könnte."

Wer behauptet denn, daß er sie unglücklich wachen will?" spottete Nanni.Wenn Röschen will, kann fie gnädige Frau werden, und weshalb sollte fie da» nicht wollen?"

Da sage ich auch: dummes Zeug!" erwiderte der Kammerdiener achselzuckend.Baron Dagobert denkt nicht daran, s'ine Familie würde daS niemals zugeben!"

War seine Mutter nicht auch eine Bürgerlick die keinen Pfennig Geld hatte?" fuhr Nanni fot Was soll ich denn bapegen sagen? Die Förstere- lochter spielt ja schon j'tzt die vornehme Dame, unb wenn fie emmal hier regiert, wird fie den Kops noch höher irecen. Wenn das geschieht, kann ich hier nicht bleiben, ich bin von besserer Familie, mein Vater war ein angesehener Kaufmann."

Sehr angefehen," spottete der Kutscher,ich hab' ihn noch getarnt, et ging von Haus zu Hau» unb bot überall Bindfaden und Siegellack an. ÄanfMOM Saufmann, wir kennen diese Sorte."

Berlin, den 10. November 1903.

** Die Besserung im Befinden des Kaisers hält an. Er wird morgen den gewohn­ten Spaziergang im Freien wieder aufnehmen. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Polypen hat Professor Orth in einem Teile der Binde­gewebszellen feine braune Pigmentkörnchen ge­funden, die offenbar von früher stattgehabten kleinen Blutungen herrührten. Im Publikum wird diese Angabe vielfach so gedeutet, als ob der Kaiser früher an Kehlkopfblutungen gelitten hätte. Das ist, wie die ,Nat.-Ztg/ bestimmt versichern kann, ein Mißverständnis. Blutungen aus dem Kehlkopfe hat der Kaiser überhaupt nicht gehabt. Vielmehr ist die Angabe des Orth'schen Berichtes nur so aufzufassen, daß innerhalb des kleinen Polypen, der eine größere Anzahl allerfeinster dünnwandiger Blutgefäße enthielt, minimale

So tue, was Du nicht lassen kannst," sagte er, ,to-m nicht zu raten ist, dem ist auch nicht zu helfen. Aber rechne nicht auf meine Hilfe, wenn das Unglück über Dich herein gebrochen ist; Du selbst hast es ver­schuldet, also mußt Du auch die Folgen tragen. Wir seben uns so bald nicht wieder, Anton, bedenke wohl, was"

Jetzt laß es genug fein," fiel der Bruder ihm rauh ins Wort,ich hab' Dir schon mehrmals gesagt, Du hättest Pfarrer werden sollen, aber da Du's nicht geworden bist, so verschone mich nun auch mit Deinen Piedigten. Ueberlaß das Deiner Schwiegermutter, die Ohren werden $tr noch oft geEkn, wenn Deine Frau nicht mit Dir zufrieden ist."

Abraham erwiderte daraus nichts; mit einem schmerz­lichen Seufzer ging er hinaus, er hörte draußen auf dem Hose noch das heisere Hohnlachen seines Bruders.

10.« Kapitel.

Was geht es Sie an, wie oft unser junger Herr in den Wald spaziert?" fragte Jakob, der blonden Zofe, die ihm gegenüber saß, einen grollenden Blick zuwerfend.Kümmern Sie sich um die Pflichten Ihres Dienstes und lassen Sie die anderen Leute ruhig chre Wege gehen."

Das sage ich auch," nuinte der Kutscher, der am Ofen stand und feine Pfeife rauchte,Untriue schlägt den eigenen Herrn, und mit Ihrem Spionieren werben Sie noch einmal gründlich anlaufen. Sie find gestern wieder bei b^m Notar Tellenbuch gewesen"

Woher wissen Sie das?" unterbrach Nanni ihn höhnisch.Sie haben das wohl auch gehäumt, Sie träumen ja immer mit t ff en en Augen."

Wenn Joseph es behauptet, so ist c8 auch die Wahrheit," sagte der alte Kammerdiener;nehmen Sie sich in acht, Nanni, es find jetzt zwei Herrschaften hier im Hause, wenn Baronin Adelgunde von Ihren häufigen Besuchen bei dem Notar Kenntnis erhätt, dann fliegen Sie augenblicklich hinaus."

Na, ich danke dem Himmel, daß die toll« Baronin