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30. Jahrgang

flllda, Dienstag, den 10. November 1903,

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explvsion in etxer Brennerei wurden fünf Leute,

1903.

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(Schweiz)

Kgl. Hoflieferanten

> Zweigs Blatt

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darunter zwei gefährlich verbrüht.

* Das erlösende Stiert. Schuhmacher (reichtdem

eine der ersten Stellen unter denselben einzunehmen. ®3 bietet nicht nur Gebete, sondern auch Unterweisungen und Erklärungen. Gerade der Anschluß an da» Kirchen­jahr, vir Behandlung der einzelnen Sakramente, der kurze LebenSabriß einzelner Heiligen rc. si d der Ver­zug der Buches. Et wird n cht nur ein Vedet-, son­dern auch ein Haukbuch sein; wir finden alle? Wün­schenswerte vereint. Trotzdem ist der Umfang des -ducheS nicht zu groß, das Format gefällig, die Aus­stattung gut und der Preis gering.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.

Der Papstkalmder reiht sich würdig den besten Kalendern an, welche die so reiche und »orzüzlrche katholische Kalenderliteratur auf den Markt bringt.

Innern: ,,Der Briefträger? Nur herein!"

. ,♦ Mißglückte Beschwerde. Gast (zum Wirt): „Da ~ seh'» Sie selbst, m der ganzen Blutwurst war nur dieses einzige Stückchen Speck!" — Wirt (ärger­lich): „So a' Schlamperei! Wie is denn jetz'dös wieder nein komme?"

* Ausweichend. „Was sagen Sie zu meinen Ge­dichten?" — „Die wird nkdmand ohne Befriedigung

Briefporto nach der Schweiz 20 PH.

Seidenstoff • Fabrik ■ Unian

Adolf Glieder & Cie, Zirick 18

Zrscheint täglich, mit Ausnahme der §snn- md Feiertage. viertel- Mhrl. Bezugspreis Ihne Sringerlohn und Bestellgeld in Mda und mswärts l Mk. 50 pf-

verantwortlicher

Dienstmädchen eine Rechnung): „Bringen Sie dies Ihrem Herrn." — Dienstmädchen: „Tut mir leid, der Herr ist nicht zu Hause." — Schuhmacher sehr laut: „Ich bringe einen Geldbcief." — Stimme aus dem

versenden wir direkt an Jedermann in wunder- g - iQer Auswahl unter Garantie für gutes Tragen. D Wundervolle Neuheiten in schwarz, weiß und far- h big in allen Preislagen schon von 96 Pf. an.

Muster bei Angabe des Gewünschten franko. J

Wir schauen noch umher auf dem Gottesacker: einfache, schmucklose Gräber mit schlichten Holz- kreuzen Hier und dort gewahren wir die letzten hinwelkenden Blüten des roten Fingerhutes. Aber wo sind denn die angeschaufelten Gräber, von denen man spricht? Die Trappisten sollen ja selbst ihr Grab machen und tagtäglich darin arbeiten. Das ist nur frommer Volksglauben, der dem Orden so gern allerlei^Geheimnisvolles beimißt.

Doch es zieht uns, den Schluß der ergreifenden seltenen Totenfeier zu sehen. Wir folgen in die Kirche, wo inzwischen die Brüder sich wieder vor dem Altäre mit dem Gesicht in den Händen nach unten hingestreckt haben. In todesartigem Still- schweigen beten sie für die Seelenruhe ihres Mitbruders, um dann stumm zum „stummen Tageswerk" sich zurückzuziehen. (K. V.)

Dr. A. Tappehorn, Katholische» Haas- und Kirchenbuch. Zur Belehrung und Lrbauunz für die Familie. 656 S. Preis «*»• 2.

A. Laumann'sche Buchhandlung, Dülmen t. W.

Der textliche Inhalt entspricht allen Anforderungen eines katholischen Familienjahrbuches. Neben den hunderterlei Angaben gemeinnütziger Natur findet der Leser eine solche Fülle erbauenden, velehrrnben und unterhaltenden Stoffes, daß er staunen muß, wie für diesen mäßigen Preis so viel geboren werden kann. Die Illustrationen — wir heben nur das Farbendruck- bild der Schmerzensmutter, daS wohlgetroffene Porträt Se. Heiligkeit Papst Pius X, den schreibenden Mönch des Mittelalters, den heiligen Aloosius, die

wirksam zu bekämpfen? Sollte jenem empfind­samen Nervenzentrum im Rückenmark, das uns so oft in die peinlichsten Situationen versetzt, in keiner Weise beizukommen sein? Es ist zweifellos, . _ r . .

die Kraft gewisser Vorstellungen, gewisser Sug- Paderbom. P«is »o Pfg°

gestionen, welche — unter der Voraussetzung1 - - - ■ ------

einer persönlichen Empfänglichkeit oder, wie der Fachausdruck lautet, einer besonderen Disposition — einen stärkeren Blutstrom in das Gesicht treibt. Und damit ist auch der Hinweis ge­geben, wie man versuchen kann und soll, dem Nebel zu steuern. Kräftigung des Nervensystems, Abhärtung, Selbsterziehung — das ist es, was in erster Linie angestrebt werden muß. Wer nach einer Zeit körperlicher und geistiger Erho­lung im Gebirge oder an der See aus der So'.nmerfrischr heimkehrt, wird oft die Beobach­tung gemacht haben, daß er weniger leicht er­

rötet als vordem.

Und dann soll man die Kraft des Willens einsetzen, um des Uebels Herr zu werden. Leider erreicht man damit — wie wir gesehen haben — oftmals das Geaenteil. Man errötet um so hef­tiger, je energischer man dagegen ankämpst. Des­halb soll man so schlägt ein. Kundiger, nennen wir ihn „Spaßmacher", vor — einmal den um­gekehrten Weg gehen. Man muß so oft wie möglich in der Gesellschaft zu erröten suchen und dabei das Erröten als ein Vergnügen, als eine Art Sport betrachten. Dann wird es nach und nach an Unbehagen und an Bedeutung ver­lieren. Nach einem halben Jahre ist man zsim-

erhalten werden. Es befindet sich nämlich an I lich von dem Uebel befreit. Wer sich auf diese der Stelle, wo das Gehirn in das Rückenmark, Weise selbst zu kurieren weiß, mag sich des schönen in das sogenannte verlängerte Mark, übergeht, Erfolges freuen. Wem's aber nicht glückt, der ein nervöses Zentrum, von dem aus die feinen darf sich damit trösten, daß — nach den Er- und feinsten Nervenväsercheu zu den Muskeln fahrungen Professors Eulenburgs — das leidige der Blutgefäße laufen. Wird nun dieses Ge- Uebel im späteren Alter an Heftigkeit abzu- äßzentrum bis Ermüdung gereizt, z. B. durch nehmen, ja selbst ganz zu schwinden pflegt, irgend eine seelische Einwirkung, so kann es seine normale Funktion, nämlich die Blutgesäße in einem gewissen Spannungszustand zu halten, nicht erfüllen; die MuSkelwandung verliert ihre Spannung, sie gibt nach, die Gefäße erweitern

ch und füllen sich stärker mit Blut — die Haut ötet sich. Es findet sich also eine Einwirkung bestimmter Vorstellungen auf das nervöse Ge-, *«*,<*>,* »»v f, r h n r f

äßzentrum oder richtiger auf denjenigen Teil des am Donnerstag hier aufgesttegene Ballon, der fick an Zentrums statt,!» unter dessen Botmäßigkeit die I bei internationalen Ballonfahrt beteiligte, ist am Frei- Blutaefäße des Gesichts stehen, und^diese Ein- tag bei Fontenay in Frankreich gelandet. Der Pariser roirta« 6at .te S-Mihm-ns °d-- BXCÄ Weiterung, also em Erröten zur Folge. selben befanden sich ein deutscher Offizier m

Wie kommt es aber, daß manche Menschen uniform und drei andere Herren. Auf dem Polizei­erröten und andere nicht? In einem Falle er- kommissariat in Gnise erklärt« der Offizier, er sei M" * di- Aff.k,i°» mtt E we Ä Vrillf.Z.MÄÄ

nähme auf sämtliche Ktnderz einer gamute und Gallon sei durch einen Unfall verschlagen worden,

weiter auf den Vater selbst und dessen verhei- Die Lustschiffer kehrten alsbald nach Düsseldorf zurück."

ratete Schwestern. Daraus schon geht hervor, — Mula (Prov. Murcia). In Mula stürzte ein

daß es sich hier um eine auf ererbter Anlage Klubhaus ein und begrub W Mitglieder unter einen r H J • r n J___--rTrümmern! v Nno tot, lo verwunoet. — vtto »e

beruhende Reizbarkeit des nervösen Zenirums Janeiro. Die Pest in Rio de Janeiro gewinnt be­handelt. Mitunter kann denn auch das Erröten dmklich an Boden. In der Nacht zum Dennerstag geradezu krankhaft sein und stundenlang andauern; find 29 Personen gestorben, ferner find 52 neue irr­es ist dann meist mit einem Gefühl der Be- ^^kunsen°°r^°nrm-n 109 Per onen sind in ärzt- klemmung verbunden, und der unruhige, unregel-! « mäßige Puls verrät, daß das Herz aus seiner gewohnten Ruhe aufgerüttelt ist. In einem Wiener Fachblatt berichtet ein Arzt über ver­schiedene solcher Fälle krankhaften Errötens.

Die Voraussetzung einer nervösen Reizbar­keit oder doch wenigstens einer gesteigerten Empfänglichkeit läßt es begreiflich erscheinen, weshalb gerade jugendliche oder weibliche Per­sonen vorzugsweije erröten. Der reife, in der Schule des Lebens abgehärtete Mann wird feiten rot, er hat einsehen gelernt, daß man über die meisten Dinge nicht zu erröten braucht, und mit den anderen „Kleinigkeiten", bei denen man vielleicht erröten sollte, hat er sich längst abge­funden. Junge Leute kennen diese Art der Selbstbeherrschung im allgemeinen nicht so gut; sie wissen die feinen Schwankungen ihres Seelen­lebens nicht hinter der Maske konventioneller Gleichgiltigkeit zu verbergen, und die Reaktion auf die Einwirkungen auf die Außenwelt läßt sie häufiger „Farbe bekennen", als ihnen selbst lieb ist. Das Gleiche trifft in gewissem Sinne auf das schönere oder — wie nsir hier richtiger sagen sollten — das schwächere Geschlecht zu. Frauen erröten gewöhnlich sehr leicht, weil sie zarter empfinden als die „Herren der Schöpfung". Die Frau zeigt im allgemeinen ein reicheres Ge­fühlsleben, und darum gerät sie verhältnismäßig oft mit der realen Außenwelt in Konflikt; und je eifriger sie bestrebt ist, diesen Zwiespalt zu verbergen, um so mehr verrät die aufsteigende Glut ihrer Wangen, wie schwer ihr das im Grunde fällt. Vielleicht wird die moderne Frauen­bewegung mit ihren auf das Reale gerichteten Bestrebungen einmal eine Generation züchten, in welcher die Jungfrau „mit züchtigen, verschämten Wangen" nur noch ein leerer Wahn ist. Zu bedauern wäre das sicherlich.

Gibt es denn aber kein Mittel, das Erröten

hl. Agnes, hervor — müssen Auge und He-z jebeS Be­schauer» erfreuen. Den Lapstralendee kann allen Katholiken aufs beste empfohlen werden.

Obgleich an guten Gebetbüchern kein Mangel be­steht, ist das vorliegende des hochw. Dr. Tappeharn durchaus nicht überflüssig. Vielmehr ist el geeignet,

aus der Hand legen!"

* Merkwiird ge Lache. Das größte Elend ist unsäglich, das höchste Slück unaussprechlich, der tiefste Schmerz stumm und die reinste Freude sprachlos.

* Durchschaut. N'ffe: „Fatal, ich bin in der größten Verlegenheit . . . und du hast wirklich gar kein Geld bei dir?" — Onkel: „Nicht so viel, um auch nur den Durst löschen zu können!"

* Trappiftenbegrabnk.

Trappist — welch ein Inhalt an Entsagung und Verzicht! „Lebendig begraben", sagt der Rationalist; „die Gaben Gottes vereitelt und unfruchtbar für die Welt. Was bedeutet da noch der Tod, was das Begräbnis! Es ist ja nur die Fortsetzung deS freiwilligen Todes zu Leb­zeiten". Ja, wenn sie die Bedeutung jener „Schweiger" kännten, die Kardinal» Erzbischof Krementz von Köln bei der Einweihung der neuen Klosterkirche in Maria-Wald verglich mit dem betenden Moses auf der Vergesse, wahrend Israel über die Amalekiter siegle: „Ihr betet hier auf stillem Eifelberge, während wir drunten in der Ebene kämpfen, um zu siegen auf euer Gebet hin." c .

Und doch, etwas Ergreifenderes und Ernsteres als ein Tappistenbegräbnis mag es nicht geben. Dem Zufall und dem Entgegenkommen des Bruder Pförtners verdankte es ein Mitarbeiter der,Köln. Volksztg/ zum Allerseelentage den Lesern die Schilderung eines solchen als Stimmungsbild bieten zu können. . ,

„Auf dem Gange durch den geheimnisvollen Kermeterwald von Gemünd aus vernehmen wir, in melancholischen Gedanken versunken, den noch melancholischeren Klang der Klosterglock-. Das rauschende Laub unter unseren Füßen scheint unsere Schritte hemmen zu wollen, damit das Bild des absterbenden Herbstes um so länger uns vorbereite auf ein „Todesbild", das stets unserer Seele eingesenkt bleiben wird.

Beim Betreten des Klosterhofes vernehmen wir aus der Kirche das tiefe Totenoffizium der Mönche. Wir kommen zur Volkskirche und durch das Fenstergitter sehen wir die Brüder hinge- streckt auf dem Boden liegen und hören das De profundis in der alten gregorianischen Melodie fingen. Es ist die Vorbereitung zur Beerdigung eines Mönches. Bald erheben sich alle, und in stummem Zuge setzen sie sich in Bewegung zum Abholen der Leiche. Wir gelangen als alte Be- kannte des Klosters auf einem Umwege zu dem Saale, in dessen Mitte jener liegt, dessen Mund im Leben geschwiegen und nun auf ewig tm Tode geschlossen ist. Es folgt Aspersion und Gebet. Dann heben vier Brüder den eigentüm- türnlichen Sarg, der mit vier Stricken getragen wird. Das ist wohl der Sarg, in dem die Trappisten nach dem irrigen Volksglauben schon während des ganzen Klosterlebens schlafen? Nein, es ist ein einfaches Brett. Auf demselben liegt die sterbliche Hülle, angetan mit einem alten Habit. Die Kapuze ist zurückgeschlagen und das Haupt des Toten ruht auf einem uutergebunbenen Strohkissen. Wir werfen noch einen Blick auf das freie, ernste Gesicht des Entschlafenen, und dann beginnt der Leichenzug. Er durchzieht den großen Kreuzgang. Voran schreiten die Mönche. Gesenkten Hauptes singen sie das Miserere mit einem Eindruck, der unvergleichlich mehr uns fassen muß als jener der Barmherzigen Brüder in Schillers Wilhelm Tell, die sich um die Leiche Geßlers scharen und ihr „Rasch tritt der Tod den Menschen an" beginnen.

Traumverloren in einer anderen Welt und tief ergriffen folgten wir der Leiche und den Mönchen. Vergeblich suchen wir aufblickend die Verwandten zu erspähen, denn ihnen wird die Mitteilung des Todes ihres Familiengliedes ge­wöhnlich so spät gemacht, daß sie dem Begräb­nis nicht beiwohnen können. Hat jener „Welt­flüchtige" ja bei seinem Eintritt in den Orden von La Trappe sowohl ihnen als der ganzen äußeren Welt Lebewohl gesagt auf ein Wieder­sehen in der Ewigkeit. Schauerlich hallt der Gesang wieder in" den alten, weiten Hallen. Vorbei geht's an den ernsten Wandsprüchen, die alle uns an den bekannten Gruß des Ordens „Memento mori“ erinnern; vorbei endlich an Bildergruppen aus dem Leiden des Herrn.

Betend treten wir ins Freie, und der Zug wendet sich zur Linken zum hochumfriedigten Kirchhofe. Dort senkt man gleich den Leichnam in die Erde. Auf einem Leiterchen steigt ein Priester des Ordens in das Grab und segnet die Leiche ein. Nachdem er die vorgeschriebenen Zeremonien verrichtet hat, zieht er die Kaputze über das Angesicht des Toten, um es einzu­schließen. Dann fteiat er herauf, und sofort be­ginnen die Bruder damit, Erde ins Grad zu schaufeln. Bei den Füßen beginnt man, um zu­letzt den Kopf zu bedecken. Währenddessen sprechen die versammelten Priester und Brüder lateinische Gebete. Das Einschaufeln ist beendet und der Trauerzug schreitet zum Kloster zurück.

Warum errötet man?

Fürwahr, eine seltsame Frage, die sich gewiß schon mancher vorgelegt haben mag! Und doch ist diese Frage gar nicht so leicht zu beant­worten, wie es auf den ersten Blick scheint. Warum man errötet? Weil man — so lautet gewöhnlich die Antwort — erregt, beschämt, er­freut ist, weil man Verlegenheit und Verdruß empfindet oder weil man vielleicht fürchtet, zu erröten. Denn fo widerspruchsvoll es klingt, man errötet um so leichter und stärker, je mehr man die verräterische Blutwelle zurückzudämmen sucht. Unzweifelhaft wirkt die Vorstellung, man konnte oder müßte aus irgend einem Grunde rot werden, mit der Kraft der Suggestion, und das Antlitz färbt sich tiefer. Dabei braucht diese Vorstellung durchaus nicht in der Gedankenwelt des Betreffenden selbst zu wurzeln, sondern sie kann gewissermaßen von außen hereingetragen, also durch einen Anderen suggerirt worden sein. Sagt man z. B. einem jungen Mädchen plötzlich: „Sie werden ja rot!" so wird sie gewöhnlich er­röten, ohne daß die geringste Veranlassung vor­liegt.

Häirüg tritt denn auch das Erröten ohne jede nack weisbare Ursache auf. Es gibt Menschen­kinder, die bei jeder Gelegenheit erröten; man braucht sie bloß anzusprechen ober anzublicken, um ein tiefes Rot in ihr Antlitz zu zaubern. Diese übermäßige Färbung, die nur zu häufig falschen Deutungen unterliegt, wird zumeist recht unliebsam empfunden, und groß genug ist die Zahl derer, die von diesem lästigen Uebel befreit zu werden wünschen.

Vielleicht weist uns eine genaue Kenntnis der physiologischen Vorgänge, die dem Erröten zu gründe liegen, auf den richtigen Weg, Abhilfe zu schaffen. Man sucht das Erröten auf eine ganz eigenartige Weise zu erklären. Wenn man seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Körper­teil richtet, fo erweitern sich feine feinen Blut­gefäße und das Blut strömt in verstärkter Menge dorthin. So läuft uns bekanntlich bei dem Ge­danken an eine leckere Mahlzeit das „Waffer im Munde" zusammen; wir haben eben unsere Sinne auf die Speicheldrüsen des Mundes konzentrirt, und der verstärkte Blutzufluß regt diese Drüsen zu gesteigerter Tätigkeit an. Wenn wir nun fürchten, daß unsere Gedanken sich im Gesicht verraten könnten, so konzentriert sich unsere Auf­merksamkeit auf unsere Mienen, und der erhöhte Blutzufluß zeigt sich als Erröten. Damit würde sich die alte Erfahrung decken, daß man um fo stärker errötet, je weniger man erröten will.

Diese Erklärung hat manches für sich; allein sie ist doch recht gekünstelt und sie entspricht nicht ganz den Tatsachen. Denn was die meisten schüchternen Menschen fürchten, ist weniger, daß man in ihrem Antlitz lese als in ihrer Seele. Und wie will man jene Fälle erklären, in denen ein Erröten auftritt, ohne daß es einer bewußten Gedankenvermittelung, selbst nur einer in nega­tivem Sinne wirkenden, bedarf? Das Erröten kommt hier anscheinend ganz unbewußt zu Stande. Man nimmt das Wort, um auf irgend einen Einwand zu erwidern, um irgend eine Ansicht zu verteidigen — und man hört erst aus dem Munde des Anderen, daß man dabei „ganz rot" geworden sei. Vielleicht oder wahrscheinlich han- beit es sich hier um Eindrücke eines mehr oder weniger gedämpften Bewußtseins, einer Art Unterbewußtsein, welche — ohne daß wir es merken — zu einer Störung im Blutkreislauf, also zu einem Erröten, führen.

Wenn man dm Mechanismus des Errötens wirklich verstehen will, muß man gewisse physio­logische Einrichtungen des Körpers kennen. Die seinen Blutgefäße, welche dir Haut versorgen, führen in ihrer Wandung feine, rmg?förmi( ungeordnete Muskelfasern, welche durch Ver­mittelung des Zentralnervensystems schon in der Norm in einem Zustande mäßiger Spannung

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