3iL Jahrgang.
fUlda, Montag, den ü. November Mrs.
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weiter behandelt.
an liegen, obJhrSünve«- Auf Wiedersehen morge»
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Nicht doch, das gerade würde Sie verdächtig machen. Man würde nachforschen, weshalb Sie diese Aenderung vcrgenommen haben, and Sre bueben trotzdem noch immer kenntlich. Ich hrffe ein Mittel M finden, mit dem man die Haare dauernd färben kann, mühten Sie dasselbe auch jeden Tc g anwenden, so würde Ihnen dies noch nicht so lästig sein, als wenn Sie eine Perücke tragen sollten. Diese Wohnung müssen Sie vertäfle», sagen Sie Ihrem Hauswirt, I Sie reisten nach Ungarn zurück, und fahren Su heute noch mit der Eisenbahn nach D., wo Sie im „Kaiserlichen Hof* absteigen. Ich komme Ihnen morgen früh nach und treffe im Hotel mit Jhn-n zusammen, um Ihnen das Haarfärbemittel zu bringen, das S,e selbst nicht kaufen dürfen. Sie muffen sich ferner andere Garderobe anfchaffen, da man Sie in dem Anzuge, den Sie jetzt tragen, zu häufig hier gesehen hat. Haben S e nicht viele und kntime Bekannte hier, so wird die Verwandlung vollständig gelingen, Sie treten als anderer Gras Morray aus und suchen eine Wohnung, die den Anforderungen Ihres Standes entspricht. Ich werde Ihnen, wenn die- alles geschehen, wertere Instruktionen geben, auch bezüglich de« Vorwandes, unter dem Sie der betreffenden Familie Ihre Aufwartung machen können. Sind Sie damit einverstanden?
„Vollständig?*
„So reifen Sie also heute Abend ab?"
„Ganz wie Sie wünschen'.*
Eduard nickte befriedigt und erhob fich, noch einmal schweifte sein Blick prüfend durch daSZimmer, w ährend er seinen Paletot zuknöpfte.
„WaS auch in der Folge geschehen mag, Sie werden die Unterredung, die wir jetzt gehabt haben, unter allen Umständen verschweigens sagte er, „die Verantwortung für alles, was Sie in dieser Angelegenheit tun, wüflen Sie allein übernehmen; sollten Sie sich jemals auf da» Bündnis mit mir berufen, I so werde ich Sie desavouieren*.
I „Ich kann mir das denken', spottete der Graf,
(§) Geheimbündelei?
Auf die „Enthüllungen", die der Herausgeber der,Antisozialdemokratischen Korrespondenz' vor den Reichstagswahlen über die sozialdemokratische „Interne* machte, hat die Staatsanwaltschaft trotz aller Aufforderung der Scharfmacher, Anklage wegen Geheimbündelei zu erheben, nirgends reagiert. Sie wird gewußt haben, warum. Nun kommt aus Königsberg und Memel die Nachricht, daß dort gegen mehrere Genoffen das Verfahren wegen Geheimbündelei eingeleitet worden ist. Allerdings hat man dort keine „Interne", sondern Schriftenschmuggel entdeckt. Schon vor einigen Tagen erhob der .Vorwärts' zornigen Protest, daß das Zollamt in Königsberg aus der Schweiz eingegangene Druckschriften der Polizei überliefert habe. Gegen den Empfänger sei dann ein Prozeß wegen Geheimbündelei eingeleitet worden, der den Vorwand zu einer Haussuchung habe abgeben müssen. Nun wird werter berichtet, daß auch bei einem sozialdemokratischen Führer in Memel Haussuchung abgehalten wurde. Dabei wurden ganze Stöße revolutionärer und nihilistischer Pamphlete gefunden, die vom Aktionskomitee der Nihilisten in Zürich herrührten. Auch wurde eine ausgedehnte Korrespondenz mit russischen Untertanen beschlagnahmt.
Die Genossen in Königsberg und Memel haben also die Beförderung der Schriften über die Grenze besorgt, mit anderen Worten, Schmuggel getrieben. Unter den Begriff der Geheimbündelei fiel der Schmuggel bisher nicht. Mau muß abwarten, ob für einen Geheimbundsprozeß weiteres Material beizubringen ist, als eine Korrespondenz zwischen den Schmugglern diesseits und jenseits der Grenze, die das gegen» festige Hand-in-Hand-Arbeiten zum Zwecke hatte. Wenn weiter keine Briefe vorliegen, als solche, in denen man sich gegenseitig unterrichtete, wie der Schmuggel bewerkstelligt werden könne und solle, so scheinen. sie uns kein Beweis für Geheimbündelei zu sein. Es hat aber auch der .Vorwärts' gar keinen Grund, so furchtbar entrüstet zu tun und über die „Russifizierung Deutschlands«, „Schergendienste, die Preußen dem Zarismus leistet", „empörendste Verletzung der Kultur- und Menschlichkeitspflichten eines zivilisierten Staates", „schmachvolle Geheim- bündelei Deutschlands mit Väterchens Blutherrschaft* usw. zu zetern. Solche geräuschvollen Worte mögen gutgläubige Genossen täuschen, andere Leute schwerlich.
Revolutionäre Schriften, dievonden Nihilisten herrühren, sind doch keine harmlose Sache. Man kann den russischen Despotismus auf das entschiedenste verurteilen, muß aber doch auch die Mittel, mit denen die Nihilisten ihn brechen wollen, ebenso entschieden verurteilen. Bis in die letzten Wochen hinein ist das Hauptmittel der Nihilisten der politische M .'rd gewesen. Die revolutionären Schriften, mit denen die Nihilisten für ihre Bestrebungen Propaganda zu machen suchen, werden wohl
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gut gelohnt. Wie dem auch sei, daß die deutsche Polizei der Vertreibung von Mord- ur.d Brandschriften nach Rußland entgegentritt, billigen wir; ob sich der Schmuggel als Geheimbündelei auslegen lassen wird, erscheint uns dagegen sehr zweifelhaft. Außerdem meinen wir, daß die sozialdemokratische Presse den Beschuldigten und der ganzen sozialdemokratischen Partei einen schlechten Dienst erweist, wenn sie die Angelegenheit in der Weise des.Vorwärts'
Iwjeifen: Me et* fpalttge Petitzelle ob« deren Hom« 15 pf»° »eNarnendiepetitzeU« 25 pfg; bei Wiederholungen wird entsp». Rabatt gewährt.
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gefstn Sie das nicht, jede Anspielung darauf würde unangenehme Folgen für unS haben. Ich gebe zu, daß dieser Vormund den Wunsch haben mag, das Majorat zu bebalten, aber anderseits würde die Schande des Neffen auf den Namen der Familie zurückfallen, und Sie werden begreifen, daß dies dem adelsstolzen Edelmann nicht wünschenswert sein kann."
Graf Stephan Morray lächelte sarkastisch, er durchschaute den ganzen Plan, die Erklärungen des Bankiers fanden bei ihm keinen Glauben.
„Ich will es übernehmen," sagte er. „Werden Sie nun meinen Wechsel diskontieren?*
„Zweitausend Gulden ? Nein! Stellen Sie ihn auf fünfhundert Gulden aus, und versprechen Sie | mir, dieses Geld in unserem Interesse zu benutzen, so werde ich eS Ihnen auszahlen, sobald Sie jener Familie Ihren Besuch machen. Natürlich mfiffen Sie Ihre Wechsel wieder einlösen, wenn Ihre Kaffe es Ihnen erlaubt, Sie haben ja allein den Gewinn, ich gebe Ihnen die Versicherung, daß eS ein großer Gewinn sein wird. Stellt der junge Herr Ihnen Wechsel oder Schuldscheine aus, so werde ich dieselben honorieren, Sie haben also auch nach dieser Seite bin volle Sicherhett; können Sie ihn verleiten, einen Wechsel zu fälschen, so zahle ich Ihnen dafür den vollen Betrag. Wir reden darüber später noch ausführlicher, vor allen Dingen muffen wir nun sorgen, daß Sie hier in voller Sicherheit verweilen können. Sind Ihre Papiere echt?*
„Echt und in bester Ordnung,* nickte der Graf. „Ich besitze einen Paß, der vor- mehreren Konsuln v-siert ist und die Befitztitel meiner Güter —"
„Die natürlich im Monde liegen !*
„Bitte, keine Beleidigungen!*
„Nein, nein, wir verstehen uns jetzt, ich werde mich bemühen, alles fern zu halten, waS eine Disharmonie Hervorrufen könnte. Die unglückliche Farbe Ihres HaareS muß beseitigt werden —"
„Wodurch? Ick mag keine Perrücke tragen! Den Bart könnte ich scheeren lassen —*
nicht milder sein als ihre Taten, also gleichfalls den Mord und gewaltsamen Umsturz predigen. | Die Selbfterhaltung der zivilisierten Staaten ge- »ietet ihnen, fich gegen die anarchistischen und nihilistischen Mordbuben zu wahren und wenn dabei die Polizei der verschiedenen Länder fich gegenseitig in die Hand arbeitet, so können wir darin mit dem best-n Willen leine „Verletzung der Kultur- und Menschlichkeitöpflichten eines zivilisierten Staates" erblicken.
Unsere Sozialdemokraten behaupten sonit immer, sie verurteilten den politischen Meuchelmord, schon weil er völlig zwecklos, ja für die Sache, der er dienen solle, schädlich sei. Sie stellen daher anarchistische Königs mörder gern als unzurechnungsfähig hin. Sie müßten also doch ‘Die Begünstigung der Mörderbanden durch revo- utionme Schriften auch verurteilen. Auf dem Parteitage in Dresden sind sie allerdings stark aus der Rolle gefallen. Da wurde Harden weidlich geschmäht, weil in seiner Zeitschrift die russischen Nihilisten und sonstigen politi'chen Verbrecher unerhört beschimpft worden seien. Die Meuchelmörder und Genossen von Meuchelmördern wurden als Märiyrer der Freiheit und als die edelste Blüte der Menschheit gefeiert. Weil Rußland ein despotisch regierter Staat ist, oü dort das politische Verbrechen erlaubt, ja höchst wbenswert sein.
Mögen die Sozialdemokraten, wenn sie es ür klug halten, sich selbst auf diese Weise Lügen trafen und ihren Gegnern Waffen in die Hand iefern, sie können aoer doch nicht verlangen, daß andere Leute ihre Logik annehmen und statt der Begünstigung der Mordbuben deren Bekämpfung ür eine „Verletzung der Kultur- und Mensch- ichkeitSpflichten eines zivilisierten Staates« erklären. Die große Mehrheit des deut- chen Volkes hält einstweilen den politischen Mord noch nicht für ein Kennzeichen von Kultur und Menschlichkeit und wird damit einverstanden ein, daß die Polizei ihm entgegenarbeitet.
Auch die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen zwei Staaten verlangt es, daß die Polizei des einen der in seinen Grenzen vor sich gehenden Begünstigung anarchistischer Verbrechen im Nachbarstaate nicht müßig zusehe. Das Wohl des Deutschen Reiches gebietet, dem Schmuggel mit nihilistischen Schriften entgegenzutreten. Anders lägen allerdings die Dinge, wenn es sich nicht um Schristen handelte, die gewaltsamen Umsturz und M rd predigen, sondern nur die Ideen der Freiheit und Gerechtigkeit verfechten. In Rußland wird leicht als revolutionär und nihilistisch bezeichnet, was sonst in allen zivilisierten Ländern frei geredet, geschrieben und getan werden darf. Wird in den geschmuggelten und beschlagnahmten Schriften nur für eine Besserung der Lage der Arbeiter und eine größere politische Freiheit deS Volkes agitiert, so würden wir das Vorgehen der preußischen Polizei nicht billigen. Schriften, Die bei uns straflos gedruckt und verbreitet werden dürfen, Rußland zu Gefallen beschlagnahmen und nicht Über die Grenze kommen lassen, das würde in der Tat heißen, den Russen
Mchekut täglich, «tt luseabnie bet Soim- «b Seiertage. viertel- Mhtl. Bezug,prei» ztzue vringerlahn und »efteigelb in Zulda und 1BIL50 pfg.
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der wieder auf- und nieberroanberte, „Sie wolle» natürlich der Ehrenmann bleiben —*
„Allerdings, Sie dagegen haben nichts zu verlieren , fuhr Eduard mit scharfer Betonung fort, „Ihnen ton« ja am Ende auch wenig daran lie, register etwas länger wird. c 1
Berlin, den 7. November 1903.
* Der Kaiser hat sich am Samstag in Potsdam der Operation eines Stimmlippen« Polypen unterzogen. Die Operation wurde von Geheimrat Prof. Moritz Schmidt ausgeführt und verlief ganz glatt. Se. Majestät ist bis zur Heilung der Operationswunde nur die Enthaltung des Stimmgebrauchs auferlegt. — Die ,Nordd. Allg. Ztg.' macht dazu folgende ergänzende Mitteilungen: Das Ergebnis der von Geheimrath Orth auSgeführten mikroskopischen Untersuchung ist folgendes: Der Polyp besteht aus sehr weichen, nur wemge Zellen enthaltendem Bindegewebe, das von regelmäßigem, überall scharf gegen das Bindegewebe ab- gegrenztem Plattenepithel überzogen ist. Em Teil der Bmdegewebszellen enthält feine braune Pigmentkörnchen, offenbar von früher stattgehabten kleinen Blutungen herrührend. Der Polyp enthält eine größere Anzahl dünnwandiger Blutgefäße, es handelt sich also um einen durchaus gutartigen bindegewebigen Polypen. — Ueber das Befinden des Kaisers ist Sonntag Morgen nachstehendes Bulletin ausgegeben worden: Der Kaiser hat den gestrigen Tag ruhig im Zimmer verbracht und die Nacht ohne Unterbrechung geschlafen. Das Aussehen der kleinen i Wunde ist durchaus zufriedenstellend. Schmerzen und fonstige Beschwerden int Halse find nicht vorhanden. Die Temperatur betrug heute Morgen 36,3, der Puls 60. gez. v. Leuthold, Moritz Schmidt, Jlberg. .
* lieber die Kaiferzusammetikunft m Wiesbaden schreibt die .Nordd. Allgem. Ztg.':
Das Majorat.
Roman von fc x>alb August König.
29 ------ (Nachdruck verboten.)
„Ich kann, was ich will", erwiderte der Gras, der mit gespannter Aufmerksamkeit zugebört hatte. „Ich mache Eie aber auch dl-rauf aufmerksam, daß ich, um m einet solchen adeligen Familie standesgemäß auftret« zu können, mit den nötigen Mitteln versehen 1 sein muß; werden Sie mir dieselben geben?"
„Meine Unterstützung richtet sich nach Ihren Deifumgen«, sagte Eduard ausweichend, „ich wiederhole Ihnen, daß die moralische Vernichtung mein gllihendster Wunsch ist —'
„WaS verstehen Eie unter moralischerBernichtung?" unterbrach der Graf ihn, erwartungsvoll aufblickend.
„Die Verübung eines Verbrechens!*
„Eine» Verbrechens, das ihn zur Auswanderung zwingt oder ins Zuchthaus bringt," nickte der Graf. „Ich »erstehe, der Vormund will das Majorat be- hallen, ist eS nicht so?«
„Möglich, aber mit selbst liegt wenig daran, wer Eigentümer deS Majorats wvd, wenn nur der Verhaßte ausgeschlossen bleibt. Und nun frage ich noch einmal, wollen wie daS übernehmen? In der Sache selbst behalten Sie freie Hand, ich verlange nur, daß Sie mir von Zeit zu Zeit Bericht erstatten und mit mir beraten. Es wäre vielleicht möglich, ihn zu einem Duell z» bringen, in dem er alsdann fallen müßte —*
„Würde dadurch Ihr Haß bestiedigt? Größere Befriedigung müßte es Ihnen gewähren, wenn dieser reiche Erbe arm und elend im Zuchthause oder in der Fremde sein Dasein kümmerlich stiftete. Mir scheint, der Vormund steht im Hintergründe —'
„Seineswegs I" fuhr Eduard mit scharfer Betonung fort. „Wenn er auch indirekt unseren Plänen Vorschub leistet, so Darf er doch von Ihnen nichts wiffen, ver-
Die jüngsten Begegnungen der Kais.r Wilhelm und Nikolaus unter Teilnahme des Reichskanzlers Grafen Bülow und des Grafen Lamsdorff habe» einen sehr herzlichen Verlauf genommen und auf beiden ■_ eiten höchst befriedigende Eindrücke hinterlaffen. Sie boien Gelegenheit zu ver- liauensoollem Gedankenaustausch über politische Fragen. Der Wert dieser Aussprache ist ohne Deutelei darin zu erblicken, daß sie die Bürgschaften für die Erhaltung des Weltfriedens vermehrt hat. In dem Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland belräftigen die Wiesbadener und Darmstädter Tage abermals, daß die Beziehungen von Monarch zu Monarch, von Regierung zu Regierung so ungetrübt gut find, wie es die persönliche Zuneigung der Herrscher, die wechselseitige Wertschätzung der (Staatsmänner und nicht zuletzt das Fehlen aller und jeder politischen Streitpunkte zwischen veiden befreundeten Nachbarreichen möglich machen.
* Daß dem Reichstag in seiner nächsten Tagung ein neues Militärpensiousgesetz vorgelegt werden wstd, bestätigen jetzt auch die ,B. P. Nach', und zwar sei die rückwirkende Kraft nicht unbedingt, sondern nur in gewissen Grenzen und für solche Fälle, in denen die bisherigen Bestimmungen zu besonderen Härten führten, in Aussicht genommen. Eine solche i Einschränkung der rückwirkenden Kraft des Pensionsgesetzes auf das wirkliche Bedürfnis, wie beispielsweife auf die Kriegsteilnehmer und Friedensinvaliden, würde fich auf der mittleren Linie bewegen, zwischen den entgegengesetzten Znteressen der Militärpensionäre und der diese mitvertretenden Heeresverwaltung auf der einen und den Interessen der Steuerzahler auf der anderen Seite. ,,, .,
* Wie die Zeitschrift .Rußland u. Deutschland' aus offizieller russischer Quelle mitteilt, werden die Verhandlungen über den deutsch russische»- Handelsvertrag in Berlin Ende November stattfinden und einen Monat dauern. Die veterinäre Konferenz wird schon stüher beginnen, lieber die von anderer Seite gemeldete Erneuerung der Verhandlungen vor bem 10. November fei in den maßgebenden russischen Kreisen nichts bekannt. Dazu bemerkt die ,Nat. Ztg.': „Es müssen recht merkwürdige Kreise sein, die daS Blatt für „maßgebend" hält. Tatsächlich war vereinbart, daß die russischen Unterhändler am 9. d. Mts. hier eintreffen wollten, und für den Wiederbeginn der Verhandlungen bet 10. d. M. in Aussicht genommen. Noch heute vormittag war ben Teilnehmern von einer Vertagung feine amtliche Benachrichtigung zugegangen. Möglich ist es allerbings, daß der Termin im letzten Augenblick noch um einige Tage hinausgeschoben wird, doch könnten hierfür nur äußerliche Zufallgründe entscheibenb fein. Jedenfalls steht bet Begin» der zweiten Konferenz, die in Berlin stattfindet, ganz nahe bevor." .
Ueber die viel besprochenen „geheime» Konferenzen" zur Bekämpfung der So- zialdemokratie berichtet die ,Saale - Ztg.': An den Konferenzen hätten dem Hofe und bet Regierung nahestehende Persönlichkeiten, Jndu--
ergenbünfte erweisen und dem russischen Despotismus ganz unnötiger Weile gefällig fein.
Man muß abwarten, was man über den Inhalt der Schiiflen erfährt. Vielleicht haben die Sozialdemokraten, die sie über die Grenze schmuggelten, ihn nicht einmal gekannt. Wenn die Schriften, wie anzunehmen, in russischer Sprache verfaßt waren, ist es so gut wie sicher. Das würve dann freilich eher gegen als für sie sprechen. Vielleicht haben sie den Schmuggel auch weniger aus Begeisterung für die Sache der Nihilisten und Unterdrückten, als aus demselben materiellen Interesse betrieben, von
S Schmuggler sich leiten lassen. Das e Handwerk hat sich vielleicht recht
„Ich werde dort sein," nickte der Graf, und nach kurzem Gruß ging Eduard hinaus.
Die Frage, die ihm so viel Kopfzerbrechen gtmaaF hatte, war nun gelöst; er sagte fich wohl mit Recht, er habe keine» besseren Verbündeten finden könne», als diesen Abentemer, der durch sein aristokratische« Auftreten und sein seines Benehmen jeden besteche» mußte. „ _ _
ES war sehr wahrscheinlich, daß Baron Dagobert mit seiner inneren Unzufriedenheit und seinem G. oll gegen den Vormund fich en diesen Mann anschloß,« besaß ja keinen Freund, dem er leinen Merger und seine Sorgen ar vertrauen konnte, und gelang eS dem Grasen, das volle Vertrauen deS Barons m gewinne«, so hatte er leichter Spiel mit ihm, daS wußte Eduard
! auS Erfahrung.
Er blieb an mehreren Friseurläden stehen, um fich nach einem Haarfärbemittel umzuschauen, und so gelangte er endlich auch vor daS Schaufenster deS Friseurs Burger, bei dem er augenblicklich sand, waS er >uchte.
Ohne Zögern ging er hinein, auS dem obere« Stockwerk schallte» laute Stimme» und frohes Lache« herunter.
Eine Magd wollte chn bedienen, er verlangte be« Geschäftsinhaber selbst zu sprechen, einige Minute« später kam der Friseur in Frack und weißer Bmd« mit hochrotem Gesicht die Treppe herunter.
„Habe die Ehre," schnarrte er mit einer Verbeugung, „womit kann ich dienen?"
„In Ihrem Hause geht eS ja luftig zu, scherzte der Barkier. .
„Auf meine Soften, jcwohl, he Gescheckte reißt
zutdaer M Zeitung
yKÄ'E'««. woch-nb-iiag-:„IllustrierteSonntagrzeitung" mon-ttb-iiage: „Sulbaer Geschichttblätter'.