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30. Jahrgang.

Tu Ida, Samstag, den 7. November 1903.

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erstes Blatt

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* Haag, 6 Nov. 1903. In der heutigen Sitzung des Schiedsgerichtes in der Vene- i uela Angelegenheit formulierte der englische Ver­irrter Einlay seine Ausführungen folgender­maßen: Die Garantie von 30 pCt der Zölle ei lediglich durch die Blockade erlangt worden, )ie allein auf Gefahr und Kosten der Blockade« Mächte unternommen worden sei. Der Krieg sei völlig gerecht und notwendig gewesen. Aber das Schiedsgericht habe nicht zu prüfen, ob der Krieg gerecht gewesen. Durch Dokumente sei erwiesen, daß Venezuela nur unter dem Drucke der Blockade eingewilligt habe, den Blvckademächten aus­reichende Garantie zu gewähren. Diese Vorzugs- dehandlung werde keineswegs eine Präjudiz für die Rechte der übrigen Mächte mit sich bringen.

* Wien, 6. Nov. 1903. Der ,Neuen Fr. Presse' zufolge erregt die Antwortnote der Pforte in hiesigen diplomatischen Kreisen große Entrüstung, da sie die Mürzsteger Vereinbarungen ast vollständig unberücksichtigt läßt.

* London, 6. Nov. 1903. In der Marokkofrage hat sich unter der englischen Geschäftswelt eine sehr lebhafte Bewegung zur Wahpung der englischen Handelsinteressen ge­bildet, die sich gegen die Auslieferung Marokko- an Frankreich richtet. Wie der .Standard' meldet, empfing Staatssekretär Lansdowne am Donnerstag im Amt eine Deputation von Kauf­leuten aus London, Liverpool und Manchester, welche eine Denkschrift überreichten. In der- elben legen sie die Handelsinteressen Englands n Marokko dar und dringen darauf, daß die Regierung Maßregeln ergreife, um die englischen Jntereffen gegen Uebergriffe irgend welcher remden Macht zu sichern. Lansdowne erwiderte in längerer Ausführung, deren Wortlaut binnen kurzem bekannt gegeben wird. Dasselbe Blatt meldet aus Tanger, die Verhandlungen Lans- downes und Delcasios bezüglich der Anleihe von 2 Millionen Pfund Sterling, die von eng­lischen und französischen Däusern übernommen werden soll, machten befriedigende Fort­schritte; es sei Grund, anzunehmen, daß etwas geschehen werde, um die dringendsten Bedürf­nisse des Sultans zu befriedigen.

* Belgrad, 6. Nov 1903. König Peter von Serbien kann nicht einmal sein Leben ver­sichern lasten. Am Mittwoch erschien, so meldet man der,Nat.-Zrg.', der mit der Leitung der serbischen Gesandtschaft in Wien betraute Ge- chäftsträger bei der Wiener Filiale einer Ver« icherungsgesellschaft und wollte das Leben König Peters aus 2 Millionen Franks versichern lasten, was aber der Direktor auf gründ der Statute» der Gesellschaft entschieden ablehnte. Das Risiko erschien ihm jedenfalls zu groß. Uebrigens er­hält .sich mit großer Hartnäckigkeit das Gerücht, König Peter wolle abdanken. Wir nehmen da­von vorläufig nur kurz Notiz und warten da?

nennen, in der Tat aberverultramoutanisiert" und verrömert sind, stimmen für die von der Synode verurteilten Jesuiten und üben damit Verrat am Protestantismus. Das wird au; urteilslose Wähler nickt ohne Wirkung bleiben.

Diese Wirkung hätte die Minderheit ver­hindern können, wenn sie offen aufgetreten wäre und ihre Gründe für die Aufhebung des § 2 ausgesprochen hätte. Das wäre um so er­wünschter gewesen, als das Volk über die Be­deutung des § 2, wie zahlreiche Beispiele zeigen, meist gröblich belogen wird. Die Wahrheit wäre dann auch in Kreise gedrungen, denen ;re >isher vorenthalten wurde, und die Minderheit wäre in den Augen vieler Getäuschten gerecht- ertigt, der Evangelische Bund aber bloßgestellt gewesen. Wir begreifen ja recht gut, daß die Minderheit die Synode und die evangelische Kirche nicht kompromittieren mochte, indem sie »en jesuitenfeindlichen Heißspornen einen Anlaß >ot, in verleumderischen Reden ihre Unduldsam­keit und ihren Haß auszutoben. Aber angesichts »er unausbleiblichen Wirkung des Schweigens werden die Mitglieder der Minderheit die ;a eigentlich schon um der Gerechtigkeit und Wahrheit willen hätten reden müsten sich doch nicht verhehlen können,1 daß etwas Streit das kleinere Uebel gewesen wäre.

Viele Mitglieder der Synodal Mehrheit sind ohne Zweifel gar nicht fo verbissene Gegner der Jesuiten, sondern haben nur aus Menschen- furcht, aus Scheu vor der Hetze und weil eben auf den Einzelnen kein so großer Teil der Verantwortung zu fallen scheint, wenn er mit der Menge geht, für die Aufrechterhaltung des § 2 gestimmt. An den maßgebenden Stellen, wo man das weiß und überhaupt den ganzen Sachverhalt kennt, wird man den Beschluß der Generalsynode hoffentlich richtig einzuschätzen wiffen und sich in seiner bisherigen Stellung­nahme nicht irre machen lassen. Das würde von einer Urteilslosigkeit und Wankelmütig­keit zeugen, wie sie sich leitende Politiker und Staatsmänner nicht zuschulden kommen lasten dürfen, wenn sie ihre Autorität nicht selbst leichtfertig untergraben wollen.

Weitere ab.

* Lyo«, 6. Nov. 1903. Heute sand in der Arbeitsbörse eine Versammlung statt, die gegen die Stellenvermittlungs-BureauS Stellung nahm. Später kam es zwischen de» Teilnehmern der Versammlung und der Polizei in der Nähe der Morandbrücke zu einem Zu­sammenstöße. Die Polizei wurde mit Steine» beworfen. Etwa 20 Polizisten trugen infolge- dessen Verletzungen davon. Auch Arbeiter wurde» verletzt. Fünf Personen wurden verhaftet.

* Konstantinopel, 6. Nov. 1903. Die vor­gestern gegebene Antwort der Pforte auf die Reformnote enthält auch die Mitteilung, daß der mit der Ergänzung und Reorgani­sation der Gendarmerie betrauten Kom- mrssion die deutschen Instrukteure Auler Pascha und Ruedgisch Pascha angehören. General­inspekteur Hilmi Pascha und die Malis und Militärkommandanten der drei Wilajets erhielten neuerdings strenge Befehle zur Durchführung der Reformen, damit Erfolge sichtbar werden, ferner alle Folgen und Nachwirkungen der von Truppe« und Baschibozuks verübten Ausschreitungen so rasch als möglich gut zu machen und zu ver- tuschen. Die Pforte ist sichtlich bemüht, die Ver- hältniffe in den drei Wilajets oberflächlich zu bessern und glaubt, hierdurch den Reformforde­rungen der Ententemächte zu entgehen.

* New-York, 6. Nov. 1903. Nach den letzten Berichten über die Wahlen in den Vereinigten Staaten haben die Republi­kaner in Pennsylvanien eine Mehrheit von über 200 000 Stimmen erlangt. Zum Gouverneur von Ohio wurde der republikanische Kandidat mit großer Mehrheit von über 100000 Stimme« gewählt. Die Republikaner zählen auch auf eine

Militärbehörde verfügt, daß am 12. Nov. nach Möglichkeit keine Kontrollversamm- ungen stattfinden sollen, bezw. daß die Ent­lassung der Kontrollpflichtigen so früh zu tr- olgen hat, daß fie noch imstande find, ihr Wahl­recht auszuüben.

* Bei den badischen Landtagswahlen >aben die Sozialdemokraten bekanntlich einen Kreis verloren, der eigentlich für vollkommen icher galt. In einer Wahlbetrachtung kommt der .Vorwärts' zu dem Ergebnis, die badischen Land- i ggswahlen hätten gezeigt, daß die Partei durch die Dresdener Debatten und ihre Nach­klänge auf eine schwere Belastungsprobe ge­teilt worden sei, und daß es höchste Zeit sei, sie wieder zur Ruhe und Erholung kommen zu lassen.

Aus englischer Quelle kommt ein bisher unbestätigtes Gerücht, wonach die Aufständigen Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika die Station Warmbad erobert, niedergebrannt und sämtliche Deutsche ermordet hätten. ,Daily Mail' meldet aus Kapstadt:Die Bondelzwarts be­mächtigten sich Warmbads und metzelten die deutsche Garntson nieder. Die englischen Familien ind Gefangene der Bondelzwarts. Eine aus >em Norden kommende Ersatzkolonne sei von Eingeborenen in ein schweres Gefecht verwickelt, deffen Ausgang unbekannt ist. Bei Kingsontein am Oranjefluß sei die Furt von starken Ab­teilungen Bondelzwarts besetzt. Die Ursache des Aufstandes sei die Hinrichtung eines Häuptlings der Bondelzwarts durch die Deuffchen. An amtlicher Stelle in Berlin ist von einer derartigen Katastrophe in Warmbad nichts bekannt. Man st daher um so eher geneigt, anzunehmen, daß )ie Meldung unzutreffend ist, als das Gouver­nement von Deutsch-Südwestafrika die strikte An­weisung erhalten hat, alles Erhebliche aus dem Aufstandsgebiet sofort telegraphisch hierher zu melden. Es sind aber über die Kämpfe an hiesiger amtlicher Stelle bisher keine weiteren Nachrichten eingetroffen. Von dem zur tele­graphischen Berichterstattung aufgeforderten Gou- »erneut Leutwein ist heute früh lediglich die kurze Mitteilung eingegangen, daß Verstärkungen nach Warmbad aufgebrochen feien und daß er vom Schauplatz der Kämpfe noch keine Einzelheiten

geben könne.

§§ Der frühere Oberbürgermeister von Posen, Geh. Regierungsrat Witting, schreibt dem ,Pos. Tagebl.' daß er dem Stadtoerordneten Dr. Chlavowski gegenüber seine bisherigeErklärung bedingungslos aufrecht erhalte, sich also nach wie vor nicht besinne, jemals mit Dr. Chlapowski über das Posener Bismarck-Denkmal gesprochen zu haben, und es jedenfalls durchaus ablehne, )ie von jenem ihm in den Mund gelegten oder ähnliche Aeußerungen getan zu haben. Ueber- haupt berühre es doch ganz eigentümlich, daß er von einem polnischen Stadtverordneten jetzt als Eideshelfer für Konnivenz in nationalen Fragen aufgerufen werde, nachdem die polnischen Stadt­verordneten während seiner Amtstätigkeit in Posen es an Demonstrationen gegen diese seine nationale Haltung nicht hätten fehlen lassen. Letztere Bemerkung hat mit der Sache nichts zu tun. Daß Dr. Chlapowski die Aeußerung erfunden haben sollte, ist unwahrscheinlich. Da Herr Witting sich nurnicht besinnt", sie getan zu haben, wird er sie wohl getan haben.

% Diejenigen Vorschriften des Gesetzes, be­treffend weitere Abänderungen des Kranken verfichernngesetzes, vom 25. Mai 1903, welche eine Aenderung der für die Betriebs-(Fabrik-) Krankenkaffen vorgeschriebenen Mindestleistungen enthalten, treten nach einer kaiserlichen Verordnung vom 2. November, soweit die preußischen Kn app - schaftskassen in Frage kommen, erst zu einem späteren Zeitpunkt als dem 1. Januar 1904 in Kraft. Die Bestimmung dieses Zeitpunkts bleibt einstweilen noch vorbehalten.

Die Konferenz von Vertretern der deutschen Regierungen, die im Reichsamt des Innern zur Einführung einer Schlachtviehversichernng abgehalten wurde, hat zu keinem praktischen Er­gebnis geführt. Nicht nur verhielten sich die süddeutschen Regierungen ablehnend, auch unter den Regierungen Norddeutschlands konnte eine Verständigung über die grundlegenden Bestimm- ungen einer solchenVetsichetung nicht erzielt werden. * Darmstadt, 6. Nov. 1903. Vertreter der aus ihrem Lande ausgewiesenen Fin- länder suchten heute eine Audienz bei dem Kaiser von Rußland zu erhalten, um ihm eine Schrift zu überreichen, in der die Unter­zeichner die Politik der jetzigen Regierung Fm- land gegenüber beleuchten und Auslassungen des Herrn v. Plehwe, die dieser in einem Schreiben an Herrn Stead gemacht hat, als auf falscher Interpretation der Gesetze und Entstellung der Tatsachen gegründet bezeichnen. Die gewünschte Audienz wurde nicht erzielt, dagegen soll die Schrift empfangen worden sein.

Berlin, den 6. November 1903.

* Zur bevorstehende» Landtagswahl wiederholt der .Vorwärts' nochmals, daß bei Stichwahlen in der Urwahl von den Sozial­demokraten nur solche liberale Wahlmänner gegenüber konservativen unterstützt werden sollen, die vor dem Wahltage, also vor dem 12. No­vember, erklärt haben, unabhängig genug zu sein, um gegebenenfalls auch für einen fozial- demokratifchen Kandidaten bei den Ab­geordnetenwahlen stimmen zu können. Da die liberalen Wahlmannskandidaten nicht in öffent­lichen Versammlungen aufgestellt werden, ist es schwierig, Auskunft von ihnen über ihre Unab­hängigkeit zu erlangen. Dazu kommt, daß die Freisinnigen namentlich in den Wahlkreisen, in denen fie zur Zeit die Mandate innehaben, be­sonders in Berlin, fich sagen: eine Gefahr, daß etwa die Konservativen siegten, ist ja gänzlich aus­geschloffen; wir werden uns vorläufig mit den Sozialdemokraten nicht einmal in der Stichwahl­frage gelegentlich der Urwahlen verständigen. In diesen Wahlkreisen werden, schreibt der .Vorwärts', wir es unseren Parteigenoffen nicht zumuten können, fich mit einer etwaigen Anfrage bei den freisinnigen Wahlmanns-Kandidaten einer schnöden Abweisung auszusetzen. Hier müssen wir es den freisinnigen Wahlmannskandidaten, die bei der Stichwahl in der Urwahl auf unsere Stimmen rechnen wollen, überlasten, ihrerseits vor dem 12. November mit einer Erklärung an unsere Wahlleiter oder Wahlmannskandidaten heranzutreten." In den Wahlkreisen, die bisher nicht von Freisinnigen vertreten sind, wo aber der Kampf aussichtsvoll ist, rechnet man auf ein höflicheres Entgegenkommen. Nach den Bres­lauer Erfahrungen von 1898 will man aber auch hier nicht auf die Abgabe der Erklärung ver­zichten; die sozialdemokratischen Wahlleiter in den einzelnen Urwahlbezirken sollen die liberalen Wahlmannskandidaten schriftlich oder münd­lich fragen, ob fie unabhängig genug sind, gegebenenfalls auch für einen fozialdemokrattschen Abgeordnetenkandidaten stimmen zu können. Die Freisinnigen sträuben fich natürlich gegen die Abgabe der Erklärung.

s) Der Kultusminister hat angeordnet, daß in sämtlichen höheren Lehranstalten der Unterricht am Tage der Urwahlen, dem 12. November, aussällt. Ein Erlaß der

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Generalsynode und Iesuttengesetz.

Die Minderheit der Generalsynode, die aus Rücksicht auf diese selbst darauf verzichtet, ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Anträge zu gunsten des § 2 des Jesuiten gesetzes zu be­gründen, erntet von den rabiaten Jesuiten­hassern des Evangelischen Bundes wenig Dank. Die Bemerkung der .Kreuz Ztg.'. daß die Hinter­männer der antijesuitischen Bewegung mitver­werflichen Mitteln" gearbeitet hätten, wird von dem Lieblings Organ des Bundes, der .Täglichen Rundschau', alsDenunziation" bezeichnet. Als ob es den Hetzern gegenüber, die ihr Handwerk ja offen vor aller Welt ge­trieben haben, noch einerDenunziation" bedürfte! Gewisse Leute schreien aber gleich über Denunziation", wenn man ihr Treiben nach Gebühr kennzeichnet; und zwar tun das am liebsten diejenigen, die selbst das Denunzieren aller Andersgesinnten gewerbsmäßig betreiben. Mit Recht nennt die,Kreuz-Ztg.' den Vorwurf der Denunziation ihr gegenüberleichtfertig". Sie verweist auf die Verdächtigungen, die der Herausgeber der Monatsschrift.Deutschland' sie nennt den Namen des Mannes offenbar des­halb nicht, weil sie ihn fo vieler Achtung nicht würdigen mag öffentlich gegen sie geschleudert hat, und auf diejesuitischen" Mittel, deren er sich gegen sie bediente; sie verweist ferner auf die Schimpfereien der Korrespondenz des Evange- kifchen Bundes.

Die ,Nai. - Ztg.', die ja ebenso jesuiten­feindlich wie liberal ist, meint:Von einer scharfen Debatte mit den.Kreuz-Zeitungs'-Leuten in der Generalsynode hätte wohl wenigerdie evangelische Kirche als die genannte verultra- montaniflerte Clique unter den Konservativen Schaden davongetragen." Dies Blatt wird daraus hingewiesen, daß der verstorbene national- liberale Führer von Bennigsen zuerst im Reichstage die Aushebung des § 2 angeregt hatte und mehrere angesehene nationalliberale Abgeordnete seinem Beispiele gefolgt sind. Aber wenn es gegen die Jesuiten geht, dann gelten gewissen Liberalen auch die größten liberalen Autoritäten nichts; dann werden die Bennigsen, Marquardsen, Baffermann auch eineverultra- montanifierte Clique".

Vielleicht sind die 1520 Mitglieder der konfessionellen Gruppe und der positiven Union, Vie sich von den Miltelparteilern einschüchtern ließen, inzwischen bereits zu der Einsicht gekom­men, daß sie besser getan hätten, offen und frei ihre Meinung auszusprechen. Infolge ihres Schweigens ist ein ganz falscher Schein er­weckt worben, und in den Augen vieler, welche die Einzelheiten nicht kennen, erhält derSynodal- Beschluß eine Bedeutung, die ihm nicht zukommt. Die verbissenen Jesuitengegner beuten nun den Beschluß tendenziös nicht allein gegen die Je­suiten, sondern auch gegen die Minderheit aus. Es wirb imLanbe so bargestellt werben, als ob die General-Synobe einmütig gegen bie Aus­hebung bes § 2 des Jesuitengesetzes unb ihr Be­schluß so selbstverstänblich unb unbestritten ge­wesen sei, baß sie es gar nicht für nötig gehal­ten haben, ein Wort weiter barübet zu verlieren. Die .Tägl. Rundschau', die doch den wahren Hergang kennt, täuscht ihre harmlosen,Leser, in­dem sie bei ihnen die Ansicht zu erwecken sucht, als seiin der richtigen Erkenntnis, daß der Eindruck nach außen durch etwa laut werdende, abweichende Beurteilungen lediglich abgeschwächt werden konnte", allseitig und steiwillig auf eine Diskussion verzichtet worden. Von den vorher­gehenden Verhandlungen, von dem Terrorismus, mit dem die Jesuitengegner eine ihnen unbequeme Kundgebung zu verhindern wußten, kein Wort. DaS ist dieevangelische Wahrheitsliebe" von Leute«, die mit so viel sittlicher Entrüstung über Jesuitenmoral" zu reden wissen.

Die Parlamentarier in der Minderheit der Generalsynode werden sich ja wohl nicht ab« halten lassen, auch in Zukraft für die Auf­hebung des § 2 zu stimmen. Aber erschwert ist chre Stellungnahme nun jedenfalls. Hatten fte bisher schon unter den Beschimpfungen und Verdächtigungen des Evangelischen Bundes zu leide», so wird es diesem nun noch leichter sein, ihre Wähler zu verwirren und gegen sie aufzu- hetze«. Man sagt diesem: die Generalsynode hat fich ohne Widerspruch für die Aufrecht­erhaltung des ganzen Jesuitengesetzes erklärt; fie ist die berufene Vertreterin bet evangelischen Kirche und des ganzen evangelischen Volkes; diese Abgeordneten aber, die sich evangelisch

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