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fllldü, Freitag, den 6. November 1903.

JVff 255

erstes Blatt i

30. Jahrgang.

nicht gehabt, so wäre es in einem der folgenden Jahre wohl schon geschehen. Die alljährliche Feststellung hat nur dann Wert, wenn der Reichs- ag fich einen erfolgreichen Widerstand gegen tets erneute Mehrforderungen zutraut. Hat er )ie Kraft, so soll es uns freuen; andernfalls sind wir auch zufrieden, wenn er beim Quinquennat ne Forderungen der Militärverwaltung gründ- ich zu beschneiden versteht.

»«reisen: Vie ein stmw-e petitzeile obr deren San« 15 Pffi SeNamen die petitzeil» 25 Pffi.; bei wieder Holungen wird entfpr Rabatt gewährt.

vrnck und Verla- de- ZuldaerAettendruckere in Zulda (Harmonie) Zernfprecher Nr. 9.

Das Majorat.

I

Roman von Ewald August König.

M ------ (Nachdruck verboten.)

@te scherze«, Baron!" sagte er,ich habe manch­mal namhafte Summen verloren."

Z«m Schein vielleicht!"

Wie kommen Sie darauf? Ich hatte damals auch nicht viel zu verlieren! Lassen wir doch doS Ber- Sngene ruhen," fuhr der Bankier fort, indem er sein aS ergriff, um mit dem Baron anzustoßen,wir waren derzeit gute Freunde, weshalb sollen wir es heute nicht mehr sein! Sie werden jetzt das Majorat übernehmen, ich bin Bankier, da hat der Leichtsinn stbc uns beide ein Ende, also auf gute Freundschaft!"

Wie können Sie von mir noch Freundschaft Der- langen und erwarten?" fragte Dagobert spöttisch. Glauben Sie denn, ich habe drüben nicht über die schmachvollen Jntriguen nachgedacht, die mich aus «eiwr Heimat vertrieben?"

Der Bankier hatte sein GlaS noch immer zum Anstoß hingehalten, aber da brr Baron deutlich zeigte, daß er keine Notiz davon nehmen wollte, trank er es **, und er stellte eS so heftig ans den Tisch, daß eS Keeete.

Zulrignen?" erwiderte er.Ich habe keine ent­deckt, wir alle waren leichtsinnige Fliegen, und an die Katastrophe, die der Geschichte so Plötzlich ein Ende »achw, dachte niemand. Sie griffen Schmidtlein an, Sie beschuldigten ihn, er spiele mit gefälschten Karten"

Und daß diese Beschuldigung begründet war, wisse« Sie! Wer raunte mir den Verdacht ins Ohr? Wer gab mir die Waffe in die Hand? Sie! Mit der Faust hätte ich den Schurken niedergeschlagen aber auch dazu würde eS nickt gekommen sein, wenn die, welche fiü meine Freunde nannten, mir treu geblieben wären! Aber wie konnte ich Treue Den benen er-

Vie neue Mlitärvorlage scheint ja wirklich um ein Jahr verschoben »erben zu sein. In der nächsten Tagung des Reichstags» soll der bestehende Zustand um ein Hahr verlängert werden ob durch eine be- ionbere Vorlage ober bloß durch den Etat, scheint noch ungewiß zu sein; doch wird auch das freilich nicht ganz ohne einigekleine" mili­tärische Forderungen geschehen. Eine Beffer- sttllung der Unteroffiziere, die Gehaltserhöhung der Oberstleutnants der Infanterie und die Neu­regelung des Militärpenstonsgesetzes sollen schon gleich erfolgen, letztere soll etwa IO1/» Millionen jährlich kosten. Eine neue Vorlage mit weiterer Erhöhung der Friedenspräsenzstärke soll erst im Winter 1904/5 kommen.

Ob wir uns über diese Vertagung, die ja «twa6 ganz unerhörtes in der Geschichte des Deutschen Reiches ist, zu freuen haben werden, erscheint uns sehr zweifelhaft. Wir fürchten, daß nach einem Jahre die hinausgeschobene Forderung mit Zins und Zinseszins präsen- steÄ werden wird. Es ist ja keineswegs die Bescheidenheit der Heeresverwaltung, die Absicht, das Land zu schonen, der wir die Vertagung verdanken. Im Gegenteil, aus den anscheinend ffijißfen Erläuterungen des Vertragsplans geht hervor, baß man später mehr zu erhalten hofft. Jetzt haben wir einen neuen Reichstag mit vielen neuen Abgeordneten, besonders Sozial­demokraten. Neue Besen kehren gut. Neue Abgeordnete find gern etwas selbstbewußt und oppofitionslustig. Man fürchtet, daß der neue Reichstag zunächst etwas widerborstig gegenüber dar Militärverwaltung sein wird, zumc! da diese Merlei auf dem Kerbholze har, was die Stimmung stark zu ihren Ungunsten drückt. (Fall Hüsfener, Toldatenmißhandlungen und dergl.) Der Reichs­tag soll deshalb erst dieKinderkrankheit" über­stehen, ehe man ihm ein so wichtiges Gesetz wie «i*e Militärvorlage bietet.

Außerdem ist heute die Finanzlage un­günstig. Die Einzelstaaten jammern, daß sie die Zumutungen des Reiches nicht befriedigen können. Der Reichstag wird sich ihrer mit einer «Reichs-Finanzreform" kaum erbarmen. In einem solchen Augenblicke eine Menge neuer Millionen str Heereszwecke fordern, ist sehr gewagt. Nach einem Jahre aber sind voraussichtlich die wich- stgsten Handelsverträge fertig, der neue Zolltarif kann in Kraft treten und dann kann man dem Reichstage vorrechnen, es fei Geld in Hülle und Fülle, wenn noch nicht da, so doch in den näch­sten Jahren mit Sicherheit zu erwarten. Das macht die Opposition schwieriger. Inzwischen »erben die militärischen Sportsleute wohl noch einige weitereunabweisliche Bedürfnisse" aus­findig machen und die Militärs a. D. werden

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Berlin, den 5. November 1903.

)(* Der Reichskanzler Graf Bülow -alte in seiner Rede bei dem Festmahle zu Ehren des Reichsbankpräfidenten Dr. Koch gesagt, der Kaiser habe ihm, als man seinem Hause abenteuerliche, über die Retchsgrenzen heraus­greifende Pläne" nachsagte, geschrieben:Ich und meine Söhne gehören dem deutschen Volke". Diese Erklärung bezog sich, wie jetzt festgestellt wird, auf die Ungarn. Aus dem Kreise der ungarischen Unabhängigkeitspartei wurde der Ber- uch gemacht, durch Vermittlung eines hohen ungarischen Aristokraten dem Kaiser einen abenteuerlichen Plan zu unterbreiten, nach welchem Prinz Eitel Friedrich zum König von Ungarn gemacht werden sollte. Wiewohl man die ganze Geschichte selbstverständlich nur von bet lächerlichen Seite aus betrachtete, hat Kaiser Wilhelm boch dem Kaiser Franz Joseph von ihr Mitteilung gemacht. Bekanntlich hat General Klapka im Jahre 1866 dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen die ungarische Königskrone angeboten. _

Nach der im Reichs - Berftcherirugs-' amte angefertigten Zusammenstellung betrug die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließ­lich 30. September 1903 von den 31 Versiche­rungs-Anstalten und den 9 vorhandenen Kassen- Einrichtungcn bewilligten Jnvaliden-Renten 994,774. Davon find infolge Todes oder Aus­wanderung des Berechtigten, Wiedererlangung der Erwersfähigkeit, Bezuges von Unfall-Renten rc. oder aus anderen Gründen weggefallen 350,151, fo daß am 1. Oktober 1903 liefen 644,613. Die Zahl der während desselben Zeitraumes bewil­ligten Alters-Renten betrug 412,096. Da­von sind weggefallen 253,455, so daß am 1. Oktober 1903 liefen 158,641. Jnvaliden-Renten wurden seit dem 1. Januar 1903 bewilligt 29,651. Da­von sind weggefaüen 15,999, so daß am 1. Oktober 1903 liefen 13,652. Beitrags-Erstattun­gen sind bis zum 30. September 1903 bewil­ligt insgesamt 1,230,769.

** Die Generalsynode hat den Antrag zum Jesuitengesetze bekanntlich ebenso ohne Debatte erledigt, wie neulich den Bericht über den evangelischen Bund. Es beruhte auch dies­mal auf Verabredung. Man wollte einen die Synode bloßstellenden Streit vermeiden. Wie die,Kreuzztg.' erzählt, waren etwa 15 bis 20

Der Bankier war toienbleichgeworven, er griff nach der Lehne seines Stuhles, um einen Stützpunkt zu suchen.

Ich werde natürlich gehen," sagte er mit heiserer Stimme,nach solchen Beleid'.gungen kann auch ich mcht mehr freundschaftlich mit Ihnen verkehren. Aber ich muß Sie doch darauf aufmerksam machen, baß es nicht ehrenhaft ist, Beleidigungen auszusprechen, die jeder Begründung entbehren und darum auch nicht bewiesen werden können. Sie stützen fich dabei aus die Aussagen eines Schurken, der diese Verleumdungen wohl nur deshalb ausgesprochen hat, um einige Bettelgroschen zu erpressen; ich würde mich des Bünd­nisses mit einem solchen Burschen schämen."

Haben Sie fich seiner geschämt, als es galt, durch dieses Bündnis mich um mein Erbe zu bringen?" rie Dagobert, dem das Blut nun auch heiß in die Stirne stieg.Sie fordern Bewerfe, ich werde sie Ihnen geben können, sobald ich die Verwaltungsbücher Ihres Vaters durchgesehen habe, ich hoffe zuversichtlich, daß der Staatsanwalt fich noch mit dieser Angelegenheit beschäftigen wird."

Eduard hatte seinen Hut genomen, er füllte noch einmal sein Glas und führte er mit zitternder Hand zum Munde.

Sie werden noch einmal bereuen, mir diese Wotte gesagt zu haben", erwiderte er.Wenn Sie noch einmal eines Freundes bedürfen, werden Sie vergeblich pck nach mir mnsckauen."

So sehr ich auch den Wert eines Freundes zu schätzen weiß, Sie würde ich nie mit meinem Ver­trauen beehren," unterbrach der Baron ihn schroff, ich habe nur noch eine Bitte an Sie: befreien Sie mich von Ihrer Gegenwart"

Ich habe dasselbe Recht, wie Sie hier zu weilen," erwiderte der Bankier,aber als fried­liebender Mann weiche ich dem Pottron, ich hoffe, wir werden uns an einem anderen Orte noch etnmol begegnen."

Tann verließ er dar Gemach, ohne Dagobert eines AbschiedsgrnßeS zu würdigen.

fortfahren, in den ihnen zugänglichen Zeitungen Stimmung für jebe nur denkbare Forderung zu machen, die irgend ein Spezialist und Liebhaber dieser oder jener Waffe sichbei Fererabends- iciten" ausgedacht hat. Es wimmelt ja jetzt von Schriften und Artikeln, welche die unbedingte Notwendigkeit einer Verstärkung und womöglich zugleichNeuorganisation" aller Waffengattungen beweisen". Darum glauben wir sicher, daß tm nächsten Jahre mehr gefordert werden wird, als heute gefordert werden würde.

Einigen Militärschwärmern gefällt die Ver­schiebung gat nicht. Diese Neuerung könnte der Opposition, so klagen die .Hamburger Nach- rid)ten', den Vorwand geben zu der Behauptung, die Forderung sei auch im nächsten Jahr noch nicht so dringend; habe man sie einmal hm aus­geschoben, so könne man dies auch noch werter tun. Nach dieser Auffaffung müßte also die Militärverwaltung, um bet Opposition ja keine Blöße" zu geben, auch stets unbedingt auf ihremSchein" bestehen und nie auch nur das geringste nachgeben. Denn sonst kann die Opposition sagen: Aha, mit derunbedingten Notwendigkeit", von der uns immer geredet wird, ist es doch fo genau nicht zu nehmen; die Militärverwaltung kann ablaffen; da wird sie es wohl auch noch weiter können. DieseBlöße" hat sie sich indeß schon gegeben; 1899 ließ sie von derunbedingt erforderlichen" Vermehrung 7000 Mann, 1893 sogar über 13000 Manu nach.

Wenn es diesmal mit der Feststellung der Heeresstärke für ein Jahr geht, so wirb die Opposition" sagen: Es geht auch in Zukunft ganz gut so; wir brauchen kein Septen- nat oder Quinquemat mehr, sondern können die Heeresstärke alljährlich im Etat fest­setzen, wie andere Länder es auch machen. Das oerfaffungsmäßige Budgetrecht des Reichstages wird auf diese Weise entschieden beffer gewahrt Die Heeresverwaltungwagte" auch nichts dabei, denn daß der Reichstag gegen ihren Willen die einmal bewilligte Präsenzstärke im nächsten Jahre wieder herabsetzen sollte, darf als gänzl ch ausgeschloffen gelten. Jrn Reichs­tage herrscht eine starke Strömung sür die alljährliche Bewilligung der Friedenspräsenzstärke. Auch im Zentrum hat diese gewichtige Stimmen für sich. Die Militärverwaltung wird ohne Zweifel eine auf mehrere, wahrscheinlich wieder auf fünf Jahre, berechnete Vorlage ein­bringen. Ob sie genötigt werben unb sich nötigen lassen wirb, auf bie alljährliche Bewilligung einzugehen, muß man abwarten.

Ob biefer Modus der wünschenswertere unb vorteilhaftere Weg ist, will uns noch nicht so ganz ausgemacht erscheinen. Wir fürchten nämlich, baß, wenn alle Jahre bie Präsenzstärke fest­gesetzt wird, die Regierung noch viel häufiger, ja alle Jahre mit Mehrforberungen kommen wird. Jetzt haben wir boch, wenn etwas bewilligt ist, fünf Jahre Ruhe; bann hätten wir in dieser Zeit wahrscheinlich fünf Mal einen Kampf um die Heeresverstärkung. Die im Jahre 1899 gestrichenen 7006 Mann sind nicht nach­gefordert worden. Hätten wir das Quinquennat warten, die erkauft waren, um mich zu ver­derben?"

Sie find erbittert, Baron"

Schweigen Sie!" fuhr Dagobert auf.Ich qn Ihrer Stelle würde nicht gewagt haben, dem Manne noch einmal gegenüber zu treten, den ich so schmähtich verriet! Nachdem Schmidtlein mir darüber alles ge­beichtet hat, können Sie die Maske der Freundschaft nicht mehr vorbinden, nicht noch einmal mich betrügen."

Der Bankier ließ das Lorgnon von der Nase fallen, ein böser tückischer Zug umzuckte seine Mund­winkel, er erkannte jetzt, daß dieser Versuch fehlge- scklagen war.

Sie werden beleidigend, ohne einen Grund dazu zu haben," sagte er.B-as Schmidtlein Ihnen gesagt hat, weiß ich natürlich nickt, aber c6 sieht ihm ähnlich, daß er alle Schuld von fich abwälzte, um sie andern in die Schuhe zu schieben. Wenn Sie einem Schurken Glauben schenken wollen, so ist das fteilich Ihre Sache."

Genug!" unterbrach Dagobert ihn.Sie verstehen mich, Sie wissen sehr genau, was ich mit jenen Worten sagen will "

Ganz unb gar nicht, Herr Baron."

Muß ich eS Ihnen noch deutlicker sagen? Sie übernahmen eS damals auf Befehl ihres Vater«, mich zum Spiel zu verfuhren. Sie führten die Katastrophe herbei, um mich zur Flucht zu zwingen, und sie be­dauerten dabei nur, daß ich meinen Gegner nicht getötet hatte."

Das all»« ist unwahr!"

Das alles ist Wahrheit, mein Herr und mag auch jedermann Sie für einen Ehrenmann hoher, ich sage Ihnen ins Gesicht, daß Sie ein Schurke find."

Herr Baron!" lief Eduard von seinem Stuhl emporsahrend und eine Fülle von Haß blitzte au« seinen Augen. Sie wagen viel."

Nicht mehr, als ich veraittwortt» kann, erwiderte der erstere.Wrnn Sie jetzt nicht das Zimmer räumen, so werde ich es verlassen, an demselben Tisch mag ich nicht mit Ihnen fitzen."

Mitglieder der Rechten mit der Agitation gegen bie Aushebung bes § 2 des Jesuitengesetzes und mit bet Unterstützung biefer Agitation durch einen Synobalbeschluß nicht einverstanden. S,e ürchten aber, daß eine ausgiebige Verhandlung tber den Gegenstand scharfe Gegensätze hervor­treten laffen und in das politische Gebiet hin- : ibergreifen werbe. Sie wollten sich deshalb mit einer kurzen Erklärung begnügen, worin sie die Gründe für bie Ablehnung barlegten. Mitglieder der Mi telpartei erklärten aber, dann würde eine Gegenerklärung und eine größere Debatte nicht ausdleiben. Dagegen wurde zugesichert, daß, wenn von den übrigen Gruppen niemand sich zum Worte melde, auch die Mittelpartei schweigen würde. So kam man überein, unmittelbar nach dem Dortrage des Berichterstatters abzustimmen. Die ,Kreuzztg/ rühmt, daß die Gegner der Agitation flr die Aufrechterhaltung des § 2 nrch den 8e- chimpfungen, bie sie sich hätten gefallen laffen müssen unb im Hinblick auf ben Terrorismus, mit bem man versucht habe, sie von der Bekun- >ung ihrer Meinung zurückzuhalten, durch ihren Verzicht auf jebe Erklärung ein hohes Maß von Selbstüberwindung bewiesen hätten. Sie hätten bas getan, um zu verhüten,daß der schwere Zwiespalt m einer nach ihrer Auffassung recht unerbeblichen Frage, ein Zwiespalt, der sich bei ben letzten Reichstagswahlen mehrfach in geradezu verhängnisvoller Weise geltend gemacht hat, nicht auch in die Generalsynode hineingetragen werde." Sie hätten mit ihrer Zurückhaltungder General- ynode eine Verhandlung erspart, deren Aus- )ehnung unabsehbar war und bie möglicherweise nach außen einen für die evangelische Kirche wenig erfreulichen Eindruck gemacht haben würde." Npn wissen wir doch, was wir von bem Beschluß ber Generalsynode zu halten Haden. Der Terrorismus ber Jesuitenfeinde hat verhindert, daß tlargeftellt wurde, wie die Synode eigentlich dachte. Die glatte Annahme des Be­schlusses sollte ihm ben Schein einer größeren Bedeutung geben, als er wirklich hat. Wir be­zweifeln, daß die Minderheit die Generalsynode nicht bloßstellen mochte. Hoffentlich würdigt man den Beschluß aber auch an den maßgebenden Stellengebührend".

§ lieber den Beschluß der Generalsynode zum Tolerauzantrage ist die ,Kreuzzeitung" lehr erfreut. Sie stellt es so dar, als habe es ich yauptsächlich um die Abwehr eines Ein­griffes der Reichsgesetzgebung in das Kirchen- reiheitsrecht der Einzelstaaten gehandelt. Das kommt ja auch in dem Beschlüsse zum Ausdruck. Nach unserer Überzeugung aber ließ die Mehrheit der Synode sich von dem Gedanken leiten, daß eine gerechte und paritätische Bestimmung über die Erziehung ber Kinder aus Mischehen, wie sie der § 2 will, dem Protestantismus weniger vorteilhaft sein werde, als das jetzt geltende Recht" ober vielmehr ber jetzt geltende Rechts­wirrwarr. Wenn die ,Kreuzztg/ das Verhalten der Generalsynvde sodann damit zu verteidigen sucht, daß wahrscheinlich der Toleranzantrag in seinem alten Umfange im Reichstage wieder werde eingebracht werden und daß die §§ 7 und

9. Kapitel.

Gewaltig tobte der Haß in der Seele Eduards; so derb unb ungeschminkt war ihm noch nie bte Wahr­heit gesagt worden. ,

Er batte nicht erwartet, das Baron Dagobert in feine Jntriguen eingeweiht sein Würbe, unb darum geglaubt, fich auf bie frühere Freundschaft berufen zu dürfen! ihm war bie Wiederanknüpfung der dama­ligen Verhältnisse so leicht erschienen, und nun mußte er biefe herben Erfahrungen machen!

Das Wort Schurke war ihm in's Gesicht ge- fchleubert worben, bie gröbsten Beleidigungen hatte er sich gefallen lassen müssen, jetzt ärgerte e« ihn, daß er nicht energischer dagegen aufgerreten war.

Wer war denn dieser Baron? Ein Abenteurer, der noch unter Vormundschaft stand, der mit ihm, dem angesehenen Bankier, nicht in bie Schranke treten konnte! Unb biefer Mensch durfte es wagen, ihn wie einen ehrlosen Verbrecher zu be= hanbeln?

Wa« alle Vernunftgiünde feine« Vaters nicht vermocht hatten, da« bereiften nun die Worte be8 Barons; es stand jetzt f.ft, daß Dagobert v. Dar- borrn vernichtet werden mußte.

Rur an Rache dachte Eduard noch, niedertreten und vernichten wollte cr den Mann, den er g'uhend

e$3ie aber konnte er diese Abfickt erreichen? Vergeblich zerbrach er sich den Kopf darüber, während er den Weg zu dem Hotel, in bem er speiste, ver- solgte; er fand keine befriedigende Antwort auf diese Frage.

Er selbst konnte nach dieser Niederlage nichts , mehr unternehmen, bie ihm widerfahrene Schmach machte jeden weiteren Versuch einer Annäherung un» , möglich, eine anbei e Person mußte für ihn in den Riß treten, diese PrUon. aber, der man volles Ver­trauen schenken durfte, war schwer zu finden.

t Der Bankier hatte bie -rage noch nicht gelöst, als er das Hotel erreichte; immer im Brüten darübe