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30. Jahrgang.

fulda, Donnerstag, den 5. November 1903,

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X*$ei<et: Ne d» dHltige petttjeile rtct bereit Hemu 15 Pf8- Rtflames die petitjetk 25 Pf- ; bei wieder- Holungen wird etrtfpt. Rabatt gewährt.

vrrick «nd Verla- der ZuidaerActiendruckerei in Zulda (Harmonie) Zerusprecher Ht. 9.

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Eduard faltete oas Blatt auseinander; es war eine Wiener Zeitung, fie enthielt den Steckbrief eines wegen Unterschlagung flüchtig gewordenen Kellners. „Strohfarbenes Haar, hellblaue Augen, langer eng­lischer Backenbart," las er halblaut, „aristokratisches Auftreten, war früher Kammerdiener eines ungarischm Magnaten, spricht mehrere fremde Sprachen geläufig — sapperment, das ftimmt alles in der Tat. Genau so, als ob der ungarische Graf zu diesem Signalement gesessen hätte. Sie haben ihn lange nicht mehr gesehen?"

„Gestern noch," entgegnete der Buchhalter.

„Na, reden Sie nicht weiter davon, erstens sind wir unserer Sache nicht sicher, und zweitens kümmert uns die Geschichte nicht, verstanden?"

„Wenn wir nur selbst keinen Schaden davon haben!" sagte der Kommis bedenklich, während er die Feder hinter'- Ohr schob. „Wir haben dem Herrn Grafen einen Wechsel auf Wien diskontiert —"

„Pah, Kleinigkeit! Zweihundert Gulden, es ist nicht der Rede wert. Noch einmal, reden Sie nicht davon: ich selbst werde dem Grafen den Zahn fühlen Ist er der Schwindler, Io müssen wir so lange schw-igen, bis wir unser Geld haben; ist er es nicht, so könnten wir durch unnützes Gerede in eine unan­genehme Patsche kommen. Uebrigens wird diese Zeitrmg hier wenig gehalten, und der Graf ist noch ziemlich unbekannt; da liegt eS doppelt in unserem Interesse, die Sache einsiwellen zu verheimlichen." •

„Wie Sie befehlen!" erwiderte der Kommis. Eduard schob die Zeitung in die Tasche und zog seinen Paletot an, und nachdem er noch einige ge­schäftliche Anordnungen getroffen, verließ er das HauS.

„Dieser Gras wäre ein vortreffliches Werkzeug," murmelte er, „ist er der Abenteurer, so habe ich chn in der Hand, und er muß tun, waS ich will. Ein geriebener Kerl ist er, und dm Schwindler merk niemand ihm an, selbst die Off^iere nicht, mit den« er verkehrt, die doch iw allgemeinen für solche proble­matische Existenzen eine feine Nase haben."

In Gedanken verloren durchwanderte er die be- lebtm Straßen; die Rittagstnnd« hatte schon ge»

wundet wurden. Das Verwaltungsgebäude in Warmbad wurde belagert. Es wurden in Windhuk Verstärkungen nachgesucht. Am 31. Oktober hieß es, daß die Bondelzwarts verstärkt wordm seien und die Lage bedenklich geworden sei. Die Regierung glaube, daß der ganze Gramm sich erhoben habe. Von Windhuk wurden Ver­stärkungen abgesandl; weitere Truppen sollen noch diese Woche folgen. Die Bondelzwarts seien etwa 10 000 Köpfe stark. Die Kapregte- rung tat Schritte, um die Rebellen zu verhindern, das Gebiet der Kapkolonie zu betreten. Starke Polizeiabteilungen patrouilliren am Oranjefluffe. Nach Berichten der Eingeborenen soll in dem jüngsten Kampfe der Häuptling der Aufständischen gefallen sein. Warmbad, der Ort der Unruhen, liegt im Tal des periodischen Houmfluffes, der von Norden in den Oranjefluß fällt, ist Militär­posten, Postagentur und Station der rheinischen Missionsanstalt. Die Zahl der Europäer in dem Bezirk beträgt etwa 250.

* Berli«, 4. Nov. 19i)8. Der Kaiser hat aus Anlaß eines Spezialfalles seine Willensmeinung dahm kundgegeben, daß Reichsgebäude und preußische Staatsgebäude bei Ableben außerdeutschen Sou­veränen und Fürstlichkeiten nur auf ausdrücklichen Be­fehl halbmast zu flaggen habm. — Der «Staatsanz. meldet: Verlieben wurde dem Reichsbankprästdenten Koch der Rote Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub, dem Landeshauptmann der Provinz Westpreußm, Ru­dolph Hinze zu Danzig der Rote Adlerorden dritter Klaffe mit der Schleife, dem Staatssekretär des Reichs­postamts, K r ä t k e, der Kronenorden erster Klasse. — Der Urlaub, den der Präsident des kaiserlichen statistischen Amtes, Dr. W i l h e l m i, am 3. Oktober zur Wiederherstellung seiner Gesundheit angetreten hat. ist jetzt bis zum 1. April 1904 ausgedehnt worden. Präsident Wtlhelmi, der seinen Urlaub in Egypten zubringl, dürfte sein Amt nicht wieder übernehmen, vielmehr seine Pensionierung nachsuchen. — Es ist, wie die ,Berl. Pol. Nachr.' anscheinend offiziös erklären, beabsichtigt, in der nächsten Legislaturperiode eme Teilung übergroßer La ndtagsrvahl- kreise herbeizufühlen. — Zur heutigen Anwesenhett des Ministers des Innern Frtzrn. v. Hammerstern in Wiesbaden schreibt die .Preußische Korrespondenz': Auf Befehl des Kaisers wohnt der Minister m seiner Eigenschaft als höchster Chef der preußischen Sicher- heitsoehörden der Wiesbadener Begegnung des Kaisers mit dem Zaren bei. Der zahlreichen und schwer ton» trollierbaren Fremden aller Klassen, insbesondere auch der vielen Italiener in untergeordneter Stellung wegen, die sich in Wiesbaden aufhalten, sind für die Tage der Begegnung polizeiliLe Maßregeln getroffen wordm, dre über das sonst auch bei derartigen Angelegenheiten Uebliche nicht unerheblich hinausgehen.

* Wiesbaden, 4. Nov. 1903- Der Kaiser wohnte gestern abend (wie in einemTeil der gestrige« Auflage schon mitgeteilt) im Theater der ersten Fest­vorstellung bei. Das Rathaus war festlich er­leuchtet; das Theater erstrahlte im Lichterglanz, Rosenkelten umzogen die Ränge. Der Kaiser nahm, von dem Generalintendanten von Hülsen geleitet, in der großen Loge Platz, neben ihm der Reichskanzler, ferner der kommandierende General des Gardekorps, General von Kessel, der kommandierende General des 18. 3b meekorps, v. Lindrquifi und der Botschafter Graf von Alvensleben. In anderen Logen befanden sich die Herren des Gefolges, der Oberpräsident von Windheim und der Minister des Innern, Frhr.

Deutsches Reich.

Berlin, den 4. November 1903.

* Zu der Wiesbadener Kaiserbegeg- ««rrg schreibt die ,Nordd. Allg. Zlg.': „Die Zusammenkunft ist eine neue erfreuliche Be­kräftigung des engeren freundschaftlichen Ver- hältniffes der beiden Monarchen zu einander, wie es sich in Danzig und Reval mit besonderer Wärme kundgetan hat. Ihrer Majestäten ge­samte Wirksamkeit ist eine lebendige Bürgschaft dafür, daß sich die politische Tragweite auch chres gegenwärtigen Beisammenseins und des Gedankenaustausches zwischen dem Grafen Lams- dorff und dem Reichskanzler Grafen Bülow in der Richtung geltend machen wird, den Frieden unseres Weltteiles vor Erschütterungen zu be­wahren und etwaigen auf die Störung des Friedens gerichteten Entwicklungen entgegenzu- wirken. Mit Befriedigung ist festzustellen, daß auch russische Blätter diese Zusammenkunft in Wiesbaden warm heroorheben. Wir schließen uns ihnen mit dem Wunsche und der Hoffnung an, daß aus der erneuten Betätigung der per­sönlichen Freundschaft, die die Herrscher der beiden starken Nachbarmächte verknüpft, segens­reiche Folgen für die Wohlfahrt der Völker her­vorgehen möchten, deren Förderung und Pflege das erhabene Ziel beider Majestäten bilden." "

** lieber den Verlauf der Vertragsver- haudluugen erfährt der Handelsvertrags- Verein, daß am 9. November die Wiederauf­nahme der Verhandlungen zwischen den deutschen und russischen Unterhändlern in Berlin erfolgen werden. Man hofft, dieselben bis Ende Novem­ber beendigen zu können, um nach Abschluß als­dann anfangs Dezember die Verhandlungen über den Handelsvertrag mit der Schweiz wieder auf­nehmen zu können. Den Umständen nach werde man vermutlich damit rechnen müssen, daß als­dann noch eine dritte Lesung des deutsch-russischen Vertrags-Entwurfes stattfindet, ehe derselbe dem Reichstage zur Kenntnisnahme und Beratung nnterbreitet wird.

[§] Neulich wurde bekanntlich der Unter­offizier Breidenbach vom 4. Garderegiment wegen 1207 Fällen der Soldatenmißhandlrmg usw. zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Am Diens­tag erlebte der Fall Breidenbach ein Nachspiel vor dem Kriegsgerichte. Der Hauptmann von Grolman, der Chef der Kompagnie, in der Breidenbach so unerhört hatte wüten können, war angeklagt, durch Fahrlässigkeit die Miß­handlungen verschuldet zu haben. Ein großer Zeugenapparat von Mannschaften, Unteroffizieren Md Offizieren war wieder aufgeboten. Die Mannschaften, die die Opfer Breidenbachs ge- «orden waren, standen auch jetzt noch unter dem

Eindrücke der Furcht. Die Aussagen waren nur mühsam aus ihnen herauszuholen. Auf die Frage, warum fie keine Anzeige gemacht hätten, erklärten fie, fie hätten Furcht gehabt. Der An­geklagte erzählte, als er die Mißhandelten nach dem Prozeß gegen Breidenbach gefragt habe, warum fie ihn so schmählich hinters Licht ge­führt, ihm die Mißhandlungen verheimlicht oder ihn belogen hätten, hätten fie ihm trähnenden Auges erwidert, fie hätten ja keinen Willen mehr gehabt; fie hätten so wahnsinnige Angst vordem Unteroffizier gehabt. Die als Zeugen vernom­menen Unteroffiziere sangen alle das Lob Brei­denbachs als eines außerordentlich tüchttgen Unteroffiziers und schoben die Schuld an den Mißhandlungen auf den Hauptmann, der zu milde gegen die Verfehlungen der Mannschaften gewesen sei. Die meisten mußten zugeben, daß fie um die Mißhandlungen gewußt hätten. Die als Zeugen vernommenen Unteroffiziere wußten nichts belastendes gegen den angeklagten Haupt­mann zu sagen. Der Regiments - Kommandeur stellte ihm sogar ein glänzendes militärisches Zeugnis aus und versicherte zu dem Einwurf, daß der Angeklagte zu milde- gestraft habe, er sei stets korrekt verfahren. Der Angeklagte, em noch junger Hauptmann, versicherte, er habe fleißig zu jeder Tag- und Nachtzeit revidiert, von den Mißhandlungen keine Ahnung gehabt und sei von den Mißhandelten bezüglich der Art der Mißhandlungen belogen worden. Er gab zu, daß die Unteroffiziere ihm fortwährend Mel­dungen über jede Kleinigkeit zugetragen, ja ihn gebeten hätten, strenger zu bestrafen; aber wohin wäre er mit der Disziplin in seiner Kompagnie gekommen, wenn er diese Bitten erfüllt hätte! Weiter bemerkte er, daß bei den Revisionen natürlich seine Ankunft den Rekruten-Erziehern nicht unbekannt geblieben fei und daher sehr wahrscheinlich die Unteroffiziere sich rechtzeitig entsprechend eingerichtet hätten. Der Gerichtshof erkannte nach 3/tftßnbiger Beratung auf vier Wochen Stubenarrest! Bekanntlich hat sich ein Rekrut infolge der Mißhandlungen Breidenbachs umgebracht, ein anderer wurde durch seine Kameraden gewaltsam am Selbst­morde verhindert! Am Montag wurden von dem Oberkriegsgerichte in Karlsruhe vier Sol­daten, die im Manöver einen Unteroffizier tätlich angegriffen bezw. anzugreifen beabsichtigt hatten, zu 7 Jahren Zuchthaus, bzw. 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Von dem Kriegs­gericht zu Halle wurde der Unteroffizier Nebelung wegen zahlreicher skandalöser Soldatenmißhand­lungen — der Vertreter der Anklage nannte sein Treiben (gemeingefährlich, der Hauptmann des Angeklagten hatte auch hier nichts gemerkt — zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

** Eine Kaiser!. Kabinetts-Ordre vom 24. Okto­ber bestimmt, daß die Mannschaften des Trains an Stelle des Tschakos den Helm (Infanterie- Helm mit gewölbten Schuppenketten), dazu als Paradestück bei der Garde den weißen, bei der Linie den schwarzen Haarbusch erhalten. Die Einführung soll allmählich nach Maßgabe der Jahre haben ihn klug gemacht. Er wird jetzt die Folgen jeder Handlung reiflich überlegen."

„So lange, bis er die erste leichtsinnige Tat be­gangen hat", unterbrach sein Vater ihn, „im Innern eines jeden Menjchen schlummern Leidenschaften; sie zu wecken, ist Kinderspiel, man muß es nur richtig anzufangen wissen. Der erste Schritt ist der schwerste, hat man die verlockende Bahn einmal betreten, dann geht es unaufhaltsam vorwärts und von Nachdenken und Bereuen ist keine Rede mehr."

„Hm, ich müßte wieder einen Kreis bilden, wie er damals war, und auch das hat seine Schwierig­keiten."

„Zum Kuckuck, wenn Du so viele Umstände wachst, dann laß lieber die Hände davon!" rief der alte Mann ärgerlich. „Ich verlasse meinen Posten, und Du zahlst heraus, was —*

„Rege Dich nicht auf, ich sage noch einmal: ich will es versuchen. Wenn es mir gelingt, iyn an mich zu ketten, dann wird das übrige sich finde»; er war ftüher ein Sklave seiner Leidenschaften, vielleicht ist er es auch heute noch, wir wissen ja nicht, was er drüben getrieben hat. Können wir uns auf den Notar Tellenbach verlassen wenn---"

„In allen Fällen!" fiel fein Vater ihm abermals ins Wort. „Der Notar muß zu uns halten, Baron Dagobert haßt auch ihn, eS wäre ein Unglück für ihn, wenn der junge Herr das Majorat bekäme. Und im Vertrauen will ich Dir noch mitteilen, daß die tolle Baronin inS Irrenhaus zurückgebracht werden soll, sobald ihr Sohn beseitigt ist; man darf ja wobl an- nehmen, daß fie immer noch nicht geh-ilt ist. Dann ist noch ein Dritter da, ein Advokat Steivselder, ein Bruder der tollen Baronin; indessen können w r diesen Rechtsverdreher getrost dem Notar überlassen."

„Advokat Steinfelder?" fragte Eduard überrascht, der inzwischen sein Glas auSgetrunken und eine neue Zigarre angezündet hatte. „Ich kenne ihn, er ist na gescheiter Kerl, mit iom möchte icy nicht gern anbin­den, wenn er unseren Plan durchschaut —"

„Ach was, gerade den Gescheiten kann man am

verfügbaren Mittel erfolgen. Durch diese neue : Bestimmung wird die Ausrüstung der Mann- schäften also in Uebereinstimmung gebracht mit der der Offiziere, die schon feit Jahren den Offi­zierhelm tragen.

•* Im .Vorwärts' erhebt eine Anzahl Ge- noffen lebhaften Protest gegen den „wider­wärtige« Literateustreit", der seit dem Dresdener Parteitage in dem Blatte tobt. Durch die fortgesetzten „Erklärungen", „Gegen­erklärungen" usw. werde die Angelegenheit Braun-Mehring keineswegs geklärt, sondern nur immer verworrener, sodaß wohl die meisten Leser, „angewidert von diesem Gezänk", es längst aufßegeben hätten, alle die welterschütternden Auslassungen der sozialdemokratischen „Geistes­aristokratie" überhaupt noch zu lesen. Die Redaktion des .Vorwärts' spanne die Geduld ihrer Leser auf die Folter, trewtt sie nicht endlich dem eklen Gezänke ihre Spalten verschließe. Jedenfalls protestieren die Gei offen „auf das allerentfchiedenste gegen einen weiteren Miß­brauch des .Vorwärts' durch jene Literaten, die in ihrem Gezänke nun sichtlich kein Ende zu finden wissen"; der Raum des Blattes könne für bessere Zwecke verwendet werden. Die Redaktion des .Vorwärts' bemerkt dazu, fie sei ganz derselben Meinung; Proteste dieser Art seien ihr von einzelnen Parteigenossen in der letzten Woche fast täglich zugegangen; leider fei fie außer Stande, die unliebsamen Auseinander­setzungen zu verhindern. Das „ekle Gezänk" wird denn auch heute gleich munter fortgesetzt. Bebel wendet sich gegen Braun, der bekanntlich daran erinnert hatte, daß Bebel, der jetzt Briefe gegen ihn verwerte, sich auf dem Kölner Partei­tage dagegen verwahrt hatte, für brieflich oder privatim getane Aeußerungen öffentlich zur Rede gestellt zu werden. Er habe, sagt Bebel, die brieflichen Aeußerungen Brauns über Mehring nicht veröffentlicht, um ihn darüber zur Rede zu stellen, sondern nur zur Illustration seines jetzigM Verhaltens gegen Mehring. Das sei etwas ganz anderes. Bebel nennt Braun einen Rabulisten; uns scheint, daß hier der Diktator, der ja nie im Unrecht fein darf und will, selbst die ärgste Rabulistik treibt. Heine antwortet Bebel auf dessen „Richtigstellung" in der An­gelegenheit des Schiedsgerichts. Ganz zutreffend bemerkt er, Bebel erzähle da Dinge, die nie jemand bestritten habe, und wende sich gegen Aeußerungen, die et (Heine) nie gemacht habe. Endlich liefert Kautsky noch einen belanglosen Beitrag zu dem Streit Braun-Mehring.

*# Die gestrige halbamtliche Mitteilung über die Unruhe« i« Deutsch' Südwestafrika muß zu der Annahme führen, daß es sich um Unruhen handelt, die sich auf den Bezirk Warmbad beschränken. Die über London kommende Meldungen lauten wesentlich ernster. Eine Kap- städter Drahtung der ,Daily Mail' vom 3. November über den Aufstand des Hottentotten­stammes der Bondelzwarts besagt, daß — ab­gesehen von den zwei Opfern der Schutztruppe — ein Farmer getötet und mehrere Personen ver- leichtesten eine Nase drehen; ein vielbeschäftigter Ad­vokat denkt nur an seine Akten, er achtet nicht auf das, was um ihn vorgeht, und Baron Dagobert wird ihm nicht auf die Nase binden, was er heimlich treibt."

Der Bankier erhob sich und trat vor den Spiegel, um einen prüfenden Blick auf seine tadellos elegante Toilette zu werfen.

„Es ist nahe an mittag“, sagte er, bleibst du in der Stadt?"

„Nein, ich fahre gleich zurück, die Zeit, die mir zu meiner Entlassung noch bleibt, muß ich ausnützen."

„So werde ich Dir schreiben, wenn ich etwas er­reicht habe."

„Das ist unnötig, ich komme morgen wieder, um unsere Kartoffelvorräte zu verkaufen. Ich hätte fie noch einige Monate liegen lassen, wenn ich Verwalter geblieben wäre; nun aber räume ich mit der ganzen Ernte aus, um den Nutzen, den ich daran habe, ein» zuheimsen. Ich hoffe, morgen gute Nachrichten von Dir zu erhalten."

„WaS gemacht werden kann, soll gemacht werden." Der alte Mann trank fein Glas aus und rüstete sich zum Aufbruch.

„Man sagt, Du beteiligtest Dich an Aktienunter- nehmungen", nahm er nochmals das Wort, „davor möchte ich Dich warnen."

„Die Warnung ist unnötig, Vater, zu solchen Unternehmungen habe ich keine Mittel. Man sagt auch, ich müsse ein reicher Mann sein! ich lasse die Leute bei diesem Glauben, er ist ein gutes Fundament für meinen Kredit."

Sie stiegen die Wendeltreppe wieder hinunter, der Verwalter nahm mit einigen gleichgiltigen Worten Abschied; Eduard kehrte hinter den Zahltisch zurück und sah die Papiere durch, die auf demselben lagen.

„Haben Sie das schon gelesen?" fragte der alte Kommis, indem er seinem Prinzipal eine Zeitung überreichte. „Ich müßte mich sehr irren, wenn das Signalement nicht «uferen Grafen Morr atz anginge, lesen Sie nur!"

Das Majorat.

Roman von fcroalb August König.

26 ------ (Nachdruck verboten.)

„Mer ich kann doch nicht wohl hinausfabren, um Dagobert zu besuchen! Er würde augenblicklich die Absicht wittern, und dies muß vor allen Dingen ver- ■rieben werden. Ich müßte also eine Gelegenheit ab­warten, die mir erlaubt, mich ihm zu nähern."

„Die kannst Du heute noch finden."

„Hier in der Stadt?"

„Baron Dagobert ist kurz vor mir zur Stadt ge- fahren, er will Einkäufe für die Wohnung seiner Mutter machen. Ich hörte, daß et sich bei dem «mscher nach der besten Weinrestauration erkundigte. Joseph nannte den Äathauskeller, dort will der Herr heute mittag speisen, da seine Kommisfionen den gan» jen Tag in Anspruch nehmen. Seine Mutter besucht « mcht, well er fie mit der noblen Ausstattung ihrer Wohnung überraschen will. Baron Kurt hat ihm ane große Summe mitgegeben, er bietet alles aus, sich nut seiner Familie scheinbar auf fteundschastlichen Fuß zu stellen. Wenn du nun gegen mittag in den Äathauskeller gehst, so wirst Du ihn dort finden, und . kannst Du auch nicht viel Worte mit ihm reden, so gmügt eS vorläufig, die alte Bekanntschaft wieder an- Mnüpfen. Nur verrate nicht, daß Du von seiner Amunft schon Kenntnis hast, da» könnte feinen Arg­wohn wecken. Kommt die Rede auf mich, so blase mit ihm in dasselbe Horn, laß meinetwegen kein gutes Haar an mir, ich werde es Dir nicht übel nehmen "

Eduard warf einen Blick auf seine Uhr, der Aus­druck seines Gesichtes ließ erkennen, daß' er mit den IMänen seines Vaters immer noch nicht einverstanden war.

„Ich toül den Versuch machen, aber ich verspreche mir wenig davon", sagte er, „Baron Dagobert ist kvin junger Mann mehr, «nd die Erfahrungen ftüherer