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Monakbeilage: „$Ulbatt GeschichttblStter

flllda, Mittwoch, den 4. November 1903.

30. Jahrgang.

Druck und Verlag der 8uldaer Actiendruckere^ in Zulda (Harmonie!

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gchrifUriter:Zos.vaum

3. K«.?"» s«iw. wochendeiiagi: „Illustrierte Sonntagrzeitung

> Zweites Blatt ।

Var Wachstum der Vevöllerung KranKeichr

bewegte sich auch im Jahre 1902 in den seit Jahrzehnten gewohnten, teils durch natürliche Verhältnisse, teils durch künstliche Beschränkung gezogenen engen Grenzen. Wenn der Geburten­überschuß über die Sterbefälle mit 83944 Ge­burten um 11546 Geburtsfälle höher war als im Jahre 1901, so ist dieses scheinbar günstige Ergebnis auf Rechnung der erheblich verminderten Sterbefälle zu setzen. In Wirklichkeit ist die Geburtsziffer um 11896, die Todesrate um 23442 gegen die entsprechenden Zahlen des Vorjahres zurückgeblieben. Immerhin waren die beiden letzten Jahre, da sie einen Bevölkerungs­zuwachs von 19 bezw. 22 auf 10 OOO Bewohner zeigten, wesentlich günstiger als der Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehntes, in dem für je 10000 Einwohner die Zunahme nur 6 Per­sonen betrug.

Im Vergleich mit den meisten euro­päischen Kulturstaaten steht jedoch Frank­reich trotz dieser in den letzten Jahren einge­tretenen Besserung weit zurück. Für die Jahre 1896—1900 ergibt sich für Frankreich eine Ver­mehrung von je 10000 Einwohner um 13 Per­sonen. Demgegenüber stieg die Einheit von 10000 Einwohner in Deutschland, das die relativ größte Bevölkerungszunahme besitzt, um 147, in Großbritannien und Oesterreich-Ungarn um je 116, in Italien um 110, in Belgien um 109 Personen.

Das Verhältnis der Geburts­und Todesfälle war in den französischen Departements sehr verschieden. In 30 Deports ments, gegen 33 im Jahre 1901 und 55 im Jahre 1900, überstieg die Zahl der Todesfälle die Geburtsziffer. Nur 16 Departements, darunter Alpes-Maritimes, Bouches-du Rhöne, Pas-de-Calais usw., haben eine höhere Anzahl von Geburten als im Vorjahre geliefert; in 15 Departements, darunter Nord allein mit einem Mehr von 1523, war die Zahl der Sterbefälle größer als im Jahr 1901. An der Beoölkerungszunahme waren beteiligt Pas-de- Calais, mit 1,2 Prozent, Finistöre mit 1,17 Prozent, Vendse, Haute-Vienne und Morbihan mit je 0,8 Prozent, Nord mit 0,75 Prozent, Befort, Landes, Lozöre und Corröze mit 0,7 bis 0,6 pCt. An der Bevölkerungsabnahme waren im wesentlichen beteiligt Orne mit 0,66 pCt., Lot-et-Garonne 0,55 pCt. Gers, Tarn-el-Garonne und Lot mit durchschnittlich 0,44 pCt. Haute Garonne mit 0,37 pCt. usw.

Die Zahl der Eheschließungen war im letzten Jahre um 8688 geringer als im Jahre 1901, das seit 1873 die höchste Zahl der ehelichen Verbindungen aufweist, der Rückgang betraf, abgesehen von den Departements Pyrenees- Orientales, Charente-Jnfsrieure Haute Loire und Finistöre, alle Departements ziemlich gleichmäßig.

Andererseits ist die Zahl der Scheidungs­fälle gegen das Vorjahr um 690 gestiegen. Von den 845378 neben 40218 Totgeburten lebend geborenen Kindern waren 431 246 Knaben und 414 132 Mädchen, also ein Ueberschuß der männlichen Geburten von 17114, das heißt, es kamen auf 1000 Neugeborene weiblichen 1041 Neugeborene männlichen Geschlechtes. Im Gegen­satz zu diesem Geburtsverhältnis zeigte das weib­liche Geschlecht eine höhere Lebenskraft, indem im Jahre 1902 von den 761 434 gestorbenen Per­sonen 395534 männlichen und 365 900 weib­lichen Geschlechts waren.

* Lebend begraben in St. Pierre. Man wird sich erinnern, daß bald nach der Zerstörung von St. Pierre berichtet wurde, der einzig Ueberlebende bei der furchtbaren Katastrophe wäre ein Neger gewesen, der einen Menschen im Streit erschlagen hatte und deshalb am Tage vor dem Vulkanausbruch ins Gefängnis ge morsen war. Das neueste Heft des „Wide World Magazine" bringt nun von diesem Neger Ludger Sylb -ris eine ausführliche Schilderung seiner Erleb­nisse, der amtliche Bescheinigungen beigefügt find. Darin erzählt er seine furchtbaren Erfahrungen nach dem Betreten des Gefängnisses im Keller des Gerichts Hofes folgendermaßen: „Eine Anzahl Stufen führte zu meiner Gefängniszelle, die am äußersten Ende und an der Grundmauer des Gerichtshofes gelegen war. Ich setzte mich auf das Stroh der Gefängnisdiele. Der Zweifel, ob ich zum Mörder geworden sei oder nicht, machte mich fast wahnsinnig. Halb unbewußt fühlte ich ein Wanken und Zittern der Gefängnisdiele und ein oder zweimal einen schwachen Schall, der wie ein entfernter Donner klang. Doch ich dachte nicht mehr an die drohenden Anzeichen des Mont Pelee und schlief ein. Als ich erwachte, war mein erster Eindruck, daß der Boden wankte, und ich hörte wieder den dumpfen Donner. Es war erst wenig hell. An der Türe hörte ich ein Geräusch — der Gefängniswärter kam mit Wasser und Brot; ich aß kaum und saß reglosZ da. Da veränderte sich mit einer Plötzlichkeit, die nicht zu beschreiben ist, daS ganze Aussehen meiner kleinen Zelle; es war so rasch, daß ich nichts begriff. Die Luft verfinsterte sich — das bischen Licht, daS irgendwo in meine Zelle drang, verschwand. Ich hörte das Laufen im Gefängniskorridor über mir. Schreckliche, unverständliche Geräusche tarnen' von überall. Ich konnte nicht sehen und hörte verworrene Geräusche. Ebenso plötzlich wie es vorher finster wurde, schien sich meine Zelle jetzt in ein unsichtbares Feuer zu ver­wandeln — eS war überall, von Wand zu Wand, vom Boden zur Decke, in meine Augen, Nasenlöcher, Mund, Lungen, am ganzen Körper, ob bekleidet oder nicht — es war ein trockenes, stechendes Feuer ohne Flammen, heißer als die Glut irgend eines OfenS. Ich schrie in all die seltsamen Geräusche um mich her — aber keine menschliche Stimme ant­wortete mir, ich brüllte wie wahnsinnig, man solle mich herauslaffen. Die Hitze konnte nicht von einem Brande stammen, dann niemand kam, um mich heraus­zulassen, und kein Geräusch klang, als ob irgend wer versuchte, das Feuer zu löschen. Jetzt fing das Fun­dament deS Gerichtshofes auch an zu schwanken; nun hörte ich Gebäude einstürzen, mitten durch das Donnern anderer Geräusche. Doch nicht? von den fallenden Mafien erreichte mich, obgleich auf die Zelle selbst riesige Massen fielen. Plötzlich fühlte ich in der Finsternis einen brennenden Schmerz an den Füßen; irgend etwas wie heißer Schlamm oder Sand floß in die Zelle; es brannte roie geschmolzenes Eisen. Das flüssige Feuer verbrannte meine Beine, und als ich beim Versuch zu entrinnen, hinfiel, wurde der untere Teil meines Körpers wie gelähmt. Es roch erstickend nach Schwefel; ich konnte kaum atmen. Nach einiger Zeit

ließen die Schmerzen, die mir der heiße Schlamm ver­ursachte, nach. Die Zeit ging vorüber — ich weiß nicht, ob es Tag oder Nacht war. Ich suchte eifrig, ob noch Wasser oder Brot da war, trank alles aus, und da die heiße Masse sich allmählich abqekühlt hatte, streckte ich mich daraus aus. Eine Totenstille herrschte rings. Bald erreichte mich wieder Licht, und ich konnte Tag und Nacht unterscheiden. Dreimal wechselte Licht

und Dunkelheit — da hörte ich ein lefies Pochen gegen die Trümmermasse und menschliche Stimmen. Bald fiel eine größere Helligkeit auf mich — die Schläge einer Hacke fielen rasch und fest auf die Trümmer — die Oeffnung wurde größer — ein Mann sprang herein. In wenigen Augenblicken war ich, schwach, fast unfähig zu stehen, geblendet — im Freien!"

>5=^ Zur Lage in Mafien,

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Niemand tm fernen asiatischen Osten glaubt noch an eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen Japan und Rußland, der sich um die Machtstellung dieser beiden Rivale« im chinesischen bezw. koreanischen Ostafien dreht, und wohl zeitweise hinausgeschoben werden, keineswegs aber ganz beseitigt werden konnte. Somit lenken sich die Blicke der gesamten politischen Welt angesichts der im Stillen aber sehr umfangreich betriebenen japanischen wie russischen Kriegsvorberei­tung auf das dabei in Frage kommende Gebiet, das der deutschen Kolonie Kiautschau nahe benachbart ist, ohne daß jedoch bei der Austragung des ruffikch- apanischen Konflikts deutsche Interessen unmittelbar in Frage kommen werden. Wir geben deshalb unfern Lesern beistehend eine Ueberstchtskarte des betreffenden, binnen kurzem vielleicht schon sich zum Kriegsschauplatz wanoelnden Terrains, aus welcher die Lage der ein­zelnen hier in Betracht kommenden politischen Gebiets­teile deutlich hervorgeht.

Rußland geht aus der von ihm besetzten, und in unserer Karte durch schwarze Signatur hervorgehobe- nen Mandschurei unter keinen Umständen wieder heraus; ob Japan es hierzu zu zwingen suchen wird, muß man abwarten, mit Aussicht auf Erfolg kann es dies jedoch nicht unternehmen, dazu reichen seine Machtmittel nicht aus. Zwar ist die japanische, im

Süd westen bei Nagasaki und Simonoseki konzentrierte Flotte recht bedeutend, und daS Heer zur Einschiffung bereitgestellt; aber auch Rußlands Flotte in Ostafien hat eine solche umfangreiche Verstärkung durch das fortgesetzte Hinaussenden von Panzerschiffen erster Klaffe erhalten, daß fie der japanischen reichlich ge­wachsen erscheint. Dazu kommt, daß Rußland über treffliche Kriegshäfen in Wladiwostok und Port Arthur (Datei) verfügt, die mit Erfolg anzugreifen für Japan aussichtslos erscheint. Ein Blick auf unsere Karte zeigt die Lage der genannten Häfen, und läßt int übrigen die ungeheuere Ausdehnung der Mandschurei erkennen sowie die Tatsache, daß die Halbinsel Korea, zur Zeit noch ein selbständiges Kaiserreich, im unmittel­barsten Machtbereich Rußlands liegt, deffen strategische Stellung hier Japan gegenüber durch das Vordringen Rußlands bis zur Grenze Koreas eine wesentliche Stärkung erfahren hat.

Wann die zur Zeit von den Beteiligten nach Möglichkeit noch latent gehaltene Krisis sich tm Donner der Kanonen entladen wird, ist nicht zu sagen; unsere Leser werden aber an der Hand der Karte schon jetzt in der Lage sein, alle auf die weitere Entwicklung in Ostafien bezug habenden Meldungen genau und be­quem zu verfolgen.

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