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Monatrbellage:Zuldaer GeschichtZblatter"

fu!üL- Mittwoch, den 4. November 1903.

JV& 253

>rste$. Blatt <

Deutsches Reich,

30. Jahrgang.

»Er hat drüben viel gelernt, er ist ein ernster, geletzter Mann geworden, und ich glaube, er weiß sehr genau, was wir damals getan haben, um ihn zu verderben. Er wird nun streng prüfen und keine Schonung kennen, wenn er uns die früheren Sünden vergelten kann. Tu weißt, Eduard, aus welchem Säckel die Gelder geflossen find, die ich Dir gebracht habe. Baron Kurt mußte schweigen, und der Notar Tellcnbach drückte bei der Revision auch ein Auge zu baju aber hat Dagobert keine Veranlassung, und for-

Eduard erhob sein Glas und stieß mit dem Vater an; mit fiAbarem Behagen schlürfte er den schweren spamschen Wem.

Wie willst Du es ändern?" fragte er achsel- jnrfenb. »Mir ist >a diese Entlassung ebenlalls fatal, manche schöne Summe wäre noch in mein Geschäft hrneingkfloffen; aber was helfen da alle Klagen? Wir müssen nns mit dem begnügen, was wir erworben

Dann mag der Baron Kurt fie aus seiner eigenen Tasche zurückzahlen."

Er hat nichts; die Rente, die 'er aus den Ein­künften deS Majorats bezieht, reicht kaum zur Be­streitung seiner Bedürfnisse hin. Auf der anderen Seite würde er mir auch firner freie Hand lassen wenn er MajoratSherr bliebe, und ich gebe Dir mein Wort darauf, in diesem Falle könnte ich Dir große Summen verschaffen. Wir hätten den Baron dann so fest an uns gekettet, daß er zu allem schweigen wüßte; binnen wenigen Jahren würden wir reiche Herren sein. Ich will jetzt noch nicht behaupten, daß ich ihn zwingen könnte, Dir seine Tochter zur Frau zu geben, aber möglich wäre auch das*

Für diese Eh.e danke ich!"

Du würdest später Majoratsherr"

Das find Träume, die fich nicht erfüllen können", unterbrach Eduard den Vater, dessen stahlgraue Augen voll ungeduldiger Erwartung auf chm ruhten,ich habe keine Lust und auch keine Zeft, einem Phantom

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Druck und Verlag der Zuldaer Rettendruckerei in Zulda (Harmonie) , Zernsprecher Nr. 9.

stauten dann auch das Fronleichnamsfest als Feiertag anerkennen müßten.

Gegen so etwas wurde denn auch ausdrücklich protestiert". Die evangelische Kirche, so sagte der Berichterstatter Superintendent Zehn, habe kein Interesse, der katholischen Kirche ein solches Zugeständnis zu machen. Hat etwa die katholische Kirche einInteresse", den Prote­stanten das Zugeständnis wegen des Karfreitags zu machen? Selbstverständlich! Es sei, be­hauptete Herr Zehn, eine traurige Sitte bei der katholischen Kirche, den Karfreitag ungefeiert zu lassen; das müsse aufhören. Wiebescheiden! Es muß aufhören, daß die Katholiken ihre eigene Auffassung davon haben, wie der Karfreitag zu feiern sei. Ihre Karfreitagsfeier ist einetraurige Sitte", sie müssen die protestantische Sitte an­nehmen. Und wenn nun die Katholiken ver­langen wollten, die Protestanten müßten sich die katholische Karfreitagsseier zu eigen machen? Das wäre natürlich himmelschreiende Intoleranz und unerhörte Anmaßung. Wir lehnen es ent­schieden ab, uns von Protestanten vorschreiben zu lassen, wie wir unsere kirchlichen Tage zu be­gehen haben. Wir kümmern uns nicht darum, wie die Protestanten ihre kirch­lichen Feste begehen; sie sollen uns auch in Ruhe lassen. In gewissen prote­stantischen Kreisen kann man sich aber von der bescheidenen Ansicht nicht losmachen, die Prote­stanten seien die Herren im Deutschen Reiche, sie hätten zu befehlen, die Katholiken zu gehorchen, auch in kirchlichen und konfessionellen Dingen, und wenn sie sich weigern, müsse man sie durch Gesetz, Poltzei und Staatsanwalt dazu zwingen. Auf dieser Grundlage will man dann denkon­fessionellen Frieden" herstellen, nach dem man sichso innig und von ganzem Herzen sehnt"»

0 die preußische General - Synode hat es für angemessen erachtet, statt sich lediglich mrt protestantischen Angelegenheiten zu befassen, auch katholische Angelegenheiten in den Be­reich ihrer Beratungen und Beschlußfassungen zu zrehen, und zwar geschah das in der denkbar unduldsamsten Weise. Man stelle sich ein­mal vor, die Fuldaer Bischofs-Konferenz wollte sich für den Ausschluß der Diakonissen aus dem Deutschen Reiche aussprechen, oder eine katholi­sche Dekanats-Versammlung oder ein Provinzial- Konzil würde einen Beschluß fassen, daß die An­gestellten der protestantischeninneren Mission", dieEvangelisten" rc. ihre Tätigkeit aus Rücksicht auf die Katholiken nicht mehr ausüben sollten. Würde nicht von Memel bis Trier ein ohren­betäubendes Geschrei über katholische Anmaßung und Unduldsamkeit entstehen? Und wenn die Forderung gar mit derFriedensliebe" der Katho­likenbegründet" würde, würde nicht ein lautes Hohngelächter antworten?

Die protestantische General-Synode betrachtet es aber als ganz natürlich und selbstverständlich, daß sie ein Ausnahme-Gesetz zur Verhinderung der kirchlichen Tätigkeit von Katholiken fordern darf. Sie nahm heute mit überwiegender Mehr­heit eine Erklärung an, worin sie dem Oberkirchen­rat für sein Eintreten zu gunsten der Aufrecht­erhaltung des § 2 des Jesuiten - Gesetzes ihren wärmsten Dank ausspricht und ihn dringend bit­tet, auch ferner an geeigneter Stelle für die Auf- rechterhaltung des § 2 eintreten zu wollen. Sie begründet" dies damit, daß die Tätigkeit des Jesuiten-Ordenserfahrungsgemäß" die schwer­sten Gefahren für die Erhaltung des konfessionel­len Fnedens mit sich bringe. Wo haben die Herren Synodalen dieseErfahrung" gemacht? Wir sind überzeugt, die allerwenigsten von ihnen haben auch nur jemals in ihrem Leben einen Jesutten zu Gesicht bekommen, geschweige denn seine Tätigkeit zu beobachten Gelegenheit gehabt. Wo hat der Jesuiten-Orden vor Erlaß des Je­suiten - Gesetzes bei uns den Frieden gestört? Tatsachen soll man vorbringen, nicht allgemeine Sentiments und unfaßbare Redensarten. Es ist lediglich eine leichtfertige Behauptung, die nur den anderen nachbetet, daß die Jesuitenerfah­rungsgemäß" den Frieden stören. Eine Versamm­lung wie die General-Synode sollte es als unter rhrer Würde ansehen, solche Behauptungen un- Seprust nachzusprechen, zumal wenn damit eine gehässige Ausnahme-Maßregel gegen eine andere Konfession begründet werden soll.

Eine Besprechung der Erklärung fand auf der Synode nicht statt. Schämte man sich etwa doch heim ich der Unduldsamkeit, die man betätigte, obtt fürchtete man, sich durch die Ge- etten, die in der Debatte vorgebracht wer­

den konnten, bloszustellen? Oder fürchtet man die auf protestantischen Versammlungen her­gebrachte Zwietracht, die man gerade in dieser Angelegenheit zu Tage treten lasten wollte? Ein Teil der Mitglieder hat ja auch gegen die Er klärung gestimmt. Wer das Unrecht und die Intoleranz, die in dieser liegt, einsah, der hätte unseres Erachtens die Pflickt gehabt, Ein­spruch dagegen zu erheben, statt schweigend zu billigen. Mangelt es vielleicht an Mut, den Hetzern gegenüber für das Recht einzutreten? Das wäre doch jämmerlich. Wollte man die Eintracht nicht stören? Das Recht geht vor einen äußeren Schein der Eintracht, die nicht vorhan­den ist. Auf alle Fälle spricht das Schweigen zu ungunsten der Synode.

Der einzige Redner zu der Sache war der Berichterstatter, ein Herr Gröber, wohl ein Pastor, aus Stettin. Seine Rede hätte auch auf einer Versammlung des evangelischen Bundes gehalten werden können. Sie bewegte sich ganz int Geleise dessen, was man dort gewohnt ist. Er sprach von dergroßen Bewegung", die die Ankündigung der Aufhebung des § 2 hervor­gerufen habe. DieseBewegung" ist bekanntlich vom evangelischen Bunde gemacht worden, und ihm ist es auch zuverdanken", daß die General­synode fich mit der Sache zu befassen hatte. Herr Gröber hatte den Mut, entsprechend dem Inhalt der Erklärung, in dem Augenblick, wo er die ge­hässigste, ungerechteste und unduldsamste Aus­nahmemaßregel gegen die katholische Kirche

Acts Majorat.

Roman von Ewald August König.

------ (Nachdruck verboten.)

»Was weiter?" sagte er.

Seine Mutter ist ebenfalls aus der Anstalt entlassen, fie wohnen beide bei uns, Dagobert ist schon in Eichenhol ft, die tolle Baronin wird heute kommen."

Und Baron Dagobert wird nun Majorats­herr ?"

©o weit find wir noch nicht, er muß noch zwei Jahre warten und erhält alsdann das Majorat nur m dem Falle, daß kein Makel auf seiner Ehre ruht. Das aber hat ihn nicht gehindert, meine Entlassung,^»........ ... uuu |Ut=

rmd Baron Kurt erklärte mir gestern dert er Rückzahlung der betreffenden Summen, so Abend, daß er diese Forderurg erfüllen müsse." muß der Vormund diesem Anträge Folge leisten."

bas ist allerdings unangenehm," sagte Eduard, wahrend er eine Zigarre anzündete und

a>. b.m Vater gegenüber Platz nahm,aber ein Unglück v" Jg AU b°st l°"ge g-nug gearbeitet

und Dir em hübsches Vermögen erworben" Srax?J "UN in dem Geschäft festliegt," unier- , <rSKnn ^«erlich. "Soll ich Dir

[Leflen? Bon Deinem Geschäft $ und müßiggehen mag ich nicht.

& ich mtr eine andere Verwalteistelle suchen? Dazu bin ich zu alt geworden, und jedem Herrn kann ich mcht Dienen.

::: In der Angelegenheit des Gerichts* afsefsors Timo« iu Militsch behauptet der ,Vorwärts' jetzt, daß es der ordentliche Amts­richter gewesen sei, der sich eine kollegiale Un­gehörigkeit habe zu schulden kommen lassen. Da die,Nordd. Allg. Ztg.' gesagt hatte, die Maß­regelung Simons sei daraus zurückzuführen, daß sein Verhältnis mit dem ordentlichen Amtsrichter unerquicklich gewesen sei, wäre Herr Simon also bestraft worden wegen des Verstoßes eines an­deren. Der.Vorwärts' behauptet weiter, die Reibereien zwischen den beiden Richtern könnten aber gar nicht der Grund für die Maßregelung gewesen sein, die auf das persönliche Verhältnis bezüglichen Akten seien schon seit Wochen zurück­gekommen, ohne daß etwas erfolgt wäre. Für die Maßregelung komme ausschließlich in betracht, daß der Gerichtsassessor sich einem Gendarmen gegenüber zu dem Grundsatz der Rechtsgleichhrst bekannt habe. Daß der Bericht des Gendarmen und des Landrats existiere, behauptet der .Vor­wärts' zu wissen. Da dem Justizministerium von dem Berichte nichts bekannt sei, habe es ihn vielleicht nur zur Abschrift bekommen und lagere die Urschrift im Ministerium des Innern. Dem­gegenüber behauptet die,Nat.-Ztg.' feststellen zu können, daß für die Entschließung des Justiz­ministeriums lediglich solche Gründe maßgebend waren, die in der persönlichen Führung des Assessors Simon lägen. Das Justizministerium habe bis jetzt noch von keinerlei Berichten des Gendarmen oder des Landrats irgend welche Kenntnis, die sich auf jene Schöffengerichtsver­handlung bezögen. Das Recht, den Assessor vor­zeitig von seinem Kommiffarium zu entbinden, habe der Minister zweifellos, denn der § 69 des Gerichtsverfassungsgesetzes, auf den der .Vor­wärts' sich berufe, beziehe sich nur auf nicht­ständige Richter bei den Landgerichten. Einen kommissarisch bei einem Amtsgericht tätigen Assessor könne der Justizminister jederzeit ver­setzen oder vorzeitig von seinem Kommissorium entbinden.

* Durch die Zeitungen geht die Mitteilung, wonach das dem Rittergutsbesitzer Hans v. Decker- Boberstein gehörige 'Rittergut Rauschte« (Kreis Osterodo) in Ostpreußen vom Fiskus für 485 000 Mk. erworben wurde und vom 1. Juli nächsten Jahres ab in eine königliche Domäne umgewandelt werden soll. Dem ,Vorwärts' liegt nun der Brief eines Agenten vor, datiert aus dem Februar dieses Jahres, der das Gut zum Preise von 420 000 Mk. anbot. Es soll sicher sein, daß es damals unter 400 000 Mk abgegeben worden wäre. Der reelle Wert des Gutes soll cirka 340 000 Mk. betragen. Dreiviertel Jahre später gibt der Fiskus 65 000 Mk. mehr als.im Februar dieses Jahres gefordert wurden, in Wirklichkeit hat er es sicher um 100 000 Mk. zu teuer gekauft.

** Die ,Kreuzztg.' geht in ihrer.Kirch­lichen Vierteljahrsrundschau' mit dem Cvauge- lischen Bunde und dem bekannten bündleri- schen Hetzorgan ,Die Wartburg' scharf ins Ge­richt. Sie wird bekanntlich fortgesetzt in ge­hässigster Weise angegriffen, weil sie die öde Was kann in dieser langen Zeit nickt alles passteren! Er kann sterben, v.runglücken oder im Duell fallen, das wäre der kürzeste und beste Weg. Aber auch dann erhält er das Erbe nicht, wenn er in dieser Zeit eine ehrlose Handlung begangen hat. Ein leicht­finniger Mensch, ein Verschwender oder Spieker ist zu einem Verbrechen leicht zu verleiten, eS gehört dazu nur ein schwacher Augenblick."

Eduard wanderte mit nachdenklicher Miene auf und nieder, der Verwalter gr ff nun auch in das Zigarrenkästchen, den aromatischen Duft des seinen Krauts wußte er nach feinem vollen Wert zu würdigen.

Das ist alles leicht gesagt", erwiderte er mit be­denklichem Kopfschütteln,aber es wird sckwerlich ge­tan werden können, wenn Baron Dagobert ein ernster und gesetzter Mann geworden ist, wie Du behauptest."

Pah, die leichtsinnige Ader bleibt dem, dec fie hat, bis ins späte Alter!"

Und welches Verbrechen soll er begehen? Soll er diesmal wirkt ch einen Menschen töten ? Er wird nicht wieder zu einer Waffe greifen."

Es wäre auch nicht zu wünscken; denn ein Totschlag im Affekt kann unter Umständen nicht als entehrendes Verbrechen gedeutet werden. Wechsel- älschung wäre das richtige, überlege daS Dir einmal. Ewige Flaschen Sekt und das Versprechen, daß der Wechsel in Deinem Portefeuille bleiben soll, bis et ein gelöst wird."

Du denkst Dir das alles so le'cht, nimm dabei !>och auch Rücksicht auf meinen guten Ruf, den ich mir bewahren muß!"

Wer nichts wagen kann, der kann auch nichts gewinnen. Sollen wir die Goldgrube, aus der wir o lange geschöpft haben, verlassen, ohne eine Hand >u rühren? Wenn ich noch jung wäre, und wenn Boron Dagobert mich nicht haßte, würde ich selbst >te Sache übernehmen und keinen Augenblick an hrem Gelingen zweifeln. Baron Dagobert hat keine angenehmen Tage auf unserem Gute, sein Onkel wird ihm des Leben sauer mock-n, da ist eS ratfir=

empfahl, mit Emphase zu versichern, daßwir alle", also wohl alle Protestanten oder wenigstens alle Synodalmitglieder, den lebhaften Wunsch hätten, mit den katholischen Mitchristen in Frieden zu leben, und deshalb dieAuf- rechterhaltung des § 2 forderten, und daß er um dieses Friedens willen" manches Wort unterdrücke, das er sagen wollte. Die friedliebende Versammlung spendete ihren lebhaften Beifall und dann schritt sie zum Friedenswerk, indem sie ihren katholischen Mitchristen den klatschen­den Schlag ins Gesicht versetzte. Wir können gar nicht mit Worten ausdrücken, welches Maß sittlichen Widerwillens uns bei solcher Mischung von Unduldsamkeit in Taten und Frie­densliebe in Worten erfaßt.

Am Montag befaßte sich die Generalsynode mit der Feier des Karfreitags. Es wurde lebhaft geklagt, daß man die Katholiken noch nicht überall zwingen kann, den Tag gleich den Protestanten zu feiern. In echt bündlerischer Toleranz wurde es für ganz selbstverständlich er­klärt, daß man ein solches Verlangen an sie stellen könne und müsse. Man nahm eine Re­solution an, worin man estief beklagte", daß das Gesetz von 1901 nicht allen Katholiken die protestantische Karfreitagsfeier aufzwingt und ihre tolerante Forderung mit der Behauptung zu beschönigen sucht, daß sie dieForderung der Gleichwertigkeit des Tages mit anderen hohen Festen der Christenheit nicht als eine speziell konfessionelle betrachten könne". Damit sollte offenbar in der üblichen toleranten Weise der Forderung vorgebeugt werden, daß die Prote- haben. Oder fürchtest Du, daß uns auch dies wieder entrissen werden könnte?"

Möglich wäre es", erwiderte der Verwalter, starr vor fich hinblickend,Baron Dagobert will selbst die Verwaltung übernehmen, er wird die Bücher revi­dieren, und wer eifrig sucht, der kann auch finden."

Ach was, er versteht ja nichts davon!"

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Schriftleiter: Zos.vam«

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Berlin, den 3. November 1903.

* Eine unerquickliche Fehde knüpft fich an die Posener Bismarck-Denkmalangelegen­heit. Der Posener polnische Stadtverordnete Dr. Chaponski hatte kürzlich behauptet, int Oktober 1901 habe ihm der damalige Ober­bürgermeister Witting gesagt: Er gebe ihm fein Ehrenwort, daß das Bismarck-Denkmal mcht auf ein städtisches Grundstück kommen solle, da es eine direkte Herausforderung der polnischen Bevölkerung sein würde. Herr Witting hat jetzt die Richtigkeit dieser Behauptung bestritten; er habe, so erklärt er, eine derartige Aeußerung weder zu Herrn Chlaponski noch zu irgend jemand sonst gemacht. Daraufhin läßt fich nun Herr Chlaponski auf's neue vernehmen. Er teilt mit, daß Herr Witting die behauptete Aeußerung bei dem Festmah-k des Posener Städtetages in Bromberg am 5. Oktober 1901 getan habe. Der Ausgang dieser Meinungs­verschiedenheit kann interessant werden.' nachzujagen. Ueberdies kennst Du meine Ansichten über die Ehe; ich werde niemals heiraten."

Aber reich willst Du werden!"

Ja, reich, sehr reich, Millionär, ich will herrsche«, und das kann man nur, wenn man über Reichtum gebietet."

Ganz recht", nickte der alte Mann.Wirst Du es auf dem jetzigen Wege werden?"

Nicht so bald", erwiderte Eduard, während er ein Glas ergriff;meine Mittel find nicht bedeutend genug, ich kann nichts Großes unternehmen, es geht langsam, sehr langsam vorwärts.

So sorge mit mir, daß Baron Kurt Majorats­herr bleibt, dann darfst Du getrost in die Zukunft blicken. Ich werde sorgen, daß alle unsere Geld­geschäfte durch Deine Hände gehen, da bleibt auch manche- hängen.* '

Was kann ich in dieser Angelegenheit tun?" Du warst mit Dagobert befreundet!"

Bis zu dem Augenblicke, in dem er fliehen mußte!"

So knüpfe die alte Freundschaft wieder an."

Hm, das wird am Ende schwer halten," sagte der Bankier gedankenvoll,Baron Dagobert schuldet mir Dank, daß ich damals ihm sortgeholfen habe."

Er wird vielleicht die Jntriguen ahnen, die damals gegen ihn geschmiedet worden find; macht er Dir Vorwürfe, so nimm fie ruhig hin und über­zeuge ihn, daß fie ungerecht find. Dann hänge Dich an ihn, gib ihm Beweise von uneigennütziger Freund- chast, leihe ihm Geld ohne Zinsen und bringe ihn allmählich auf die Bahn zurück, auf der er damals gewesen ist."

Und wenn mir daS gelänge, was ich jetzt noch bezweifle?"

Es muß gelingen, Eduard!"

Was aber weiter? Ich weiß noch nicht, wo Du hinaus willst!"

»Ick sagte Dir schon, zwei Jahre muß Baron Dagobert noch warten, ehe er sein Erbe fordern darf.