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30. Jahrgang.

flllda, Dienstag, den 3. November 1903.

Vie Mineralquellen des Ldettales.

von H. Rionta, Professor in Jena.

Die aus dem Rothaargebftge stammende, nach Oste« fließende Eder, welche sich bei Grifte ober­halb Kaffel in die Fulda ergießt, beherbergt m ihre« unteren Laufe, dort wo sie die nordöst- «chen Ausläufer des Kellerwaldes durchschnerdet, « ihre« Seitentälern eine Menge von Mmeral- Plelle», die als Heilquellen zum Teil schon von alters her bekannt find. Das Auftreten dieser 'sämtlich kohlensäurehaltigen Mineralquellen steht xn Zusammenhang mit einem Bruchsystem, welches die niederhrssische Senke, an deren West­rand es liegt, einerseits und das Auftreten der Basalte am Ostrande des rheinisch-westfälischen Schiefergebirges andererseits begrenzt. Nament­lich sind es die geologisch jüngsten Verwerfungen am Rande des Kellerwaldes, welche kohlensäure­haltige Waffer führen.

Da sind zu nennen die bekannten Quellen von Wildungen, welche im Gebiet des von Südwesten in die Eder fließenden Wildebaches Kege«. Diese Quellen gehören bekanntlich zu den alkalischerdigen Säuerlingen und erstellen sich eines von Jahr zu Jahr wachsenden Zuspruchs.

lleber die pharmakodynamischen Wirkungen der alkalischerdigen Quellen sind ja unsere Kennt­nisse besonders mangelhaft. Doch müssen wir »ach unserem heutigen Wissen annehmen, daß namentlich dem Kalk, ferner wohl auch der Kiesel­säure ganz bestimmte, noch näher zu untersuchende Wirkungen auf Stoffwechsel und Sekretionsvor­gänge zukommen. Die mannigfachen Wirkungen der Kohlensäure, welche diese Wässer ja gleich­falls in großer Menge enthalten, sind besser be­kannt, namentlich haben ihre Wirkungen die neuere« Untersuchungen von Penzoldt bei innerem Gebrauch auf die Magenverdauung, von Winternitz bei äußerer Anwendung auch experi- menteü sichergestellt. Die in ihren Wirkungen ?genauer studierten kohlensauren Alkalien, Eisen- alze u. a. find in den Wildunger Quellen nur m geringer Menge vorhanden. G.--.,

Doch daß für ein Mineralwasser auch ohne exakte wiffenschastliche Begründung seiner Wir­kungen durch reine Empirie die Indikationen recht klar gestellt und gute Heilerfolge damit er« Zielt werden können, das beweist gerade das Beispiel von Wildungen: Noch vor 50 Jahren ein unbekannter Kurort, welcher kaum 20 Kur­gäste in derSaison" beherbergte, weist Wil­dungen jetzt eine Kurliste von über 7000 Per­sonen auf, und prächtige Bauten sind an seinen Quellen zum Kurgebrauch erstanden oder dienen den Genesung Suchenden zum Aufenthalt. Es mögen namentlich die vorzüglich eingerichteten, vornehm ausgestatteten Hotels lobend hervor­gehoben werden, welche in den letzten Jahren in Wildungen gebaut worden sind.

In demselben Maße, wie die Zahl der Kur­gäste in Wildungen von Jahr zu Jahr steigt, nimmt auch der Versand der beiden hauptsäch- ftenHeilquellen: derGregor-Viktoriaquelle und der Helenenquelle ständig zu. Ueberhaupt ist die Vorliebe für alkalischerdige Quellen bei Äerzten und Publikum während der letzten Jahre sichtlich im Wachsen begriffen. Und da es vom ärztlichen Standpunkt aus nur erwünscht ist, wenn Heilmittel bestimmter Art in recht ver­schiedenen Modifikationen für die therapeutische Verwendung zur Verfügung stehen, so müssen wir es freudig begrüßen, daß außer dm schon lange eingeführten Wildunger Quellen auch andere aus jenem Quellgebiet stammende Mineralwäffer seit einiger Zeit zum Versande gebracht werden. So wurde bekanntlich bereits vor einigen Jahren die westlich von Wildungen bei Reinhardshausen entspringende Reinhardsquelle als ein den Wildunger Quellen ähnliches Mineralwasser ein­geführt, und neuerdings kommt auch eine in einem Nebentale auf der linken Seite der Eder entfpringenbe Mineralquelle in den Handel.

Da diese letztere,Don ar quelle" genannt, bisher nur wenig bekannt ist, so dürfte es die Leser dieser Zeitung interessieren, einiges nähere über Ursprung, Zusammensetzung und ihre thera­peutischen Indikationen zu erfahren.

DieseDonarquelle", welche schon vor Jahrhunderten unter dem NamenSauerbrunnen" bekannt war, bann aber anfangs des 19. Jahr­hunderts infolge der Kriegswirren ebenso wie die Wildunger Quellen in Vergessenheit geriet, ent» springt in dem lieblichen Tale des kleinen Elbe­flusses, der sich oberhalb Fritzlar in die Eder ergießt. Von Fritzlar, der altehrwürdigen Kaiser­

stadt mit ihrem berühmten romanischen Dome, liegt die Quelle nordwestlich etwa 4 Kilometer entfernt, nahe dem geschichtlich interessanten Flecken Geismar. Auf dem roieftgen Talgrunde einer flachen, van dicht bewaldeten Bergen umgebenen Talmulde stehl der alte Brunnentempel, der dm Ursprung der Quelle beherbergt. Auf der höchsten der das Tal begrenzenden Anhöhen hat der Sage nach Bvnifattus dereinst die Donar-Eiche gefällt. Die Erinnerung daran soll in Zukunft auch in dem NamenDonarquelle" fortleben.

Seit einem Jahre ist die Quelle wieder zweck­entsprechend gefaßt worden, und in dem alten, gut erhaltene l Brunnentempel find moderne, zweckmäßige Füllvorrichtungen angelegt.

Das dort entspringende, angenehm schmeckende Mineralwasser gehört, wie die von dem vereidig­ten Chemiker Dr. Uffelmann in Kassel angestellte Analyse ergeben hat, wie die Wildunger Quellen zu den alkalisch-erdigen Säuerlingen. Es empfiehlt sich, vergleichsweise die von dem Analytiker ge- funbenen Originalzahlen, b. h. bie Angabe der in dem Wasser gefundenen Ionen (die chemische Analyse erfolgt ja ausschließlich auf gründ von Jonm-Reaktionm!), mit Dm in gleicher Weise ermittelten Zahlen der Wildunger Quellen zu­sammenzustellen.

Man sieht aus nachfolgender Zusammenstellung, daß die Donarquelle eine auffallend ähnliche Zu­sammensetzung aufweist, wie die Georg-Äiktor- quelle in Wildungen. An Kalk, Magnesia, Kiesel­säure und namentlich Eisenoxydul ist erstere etwas stärker, an Kali, Ammoniumoxyd und Mangan­oxydul eine Kleinigkeit schwächer. Doch sind dies alles nur unerhebliche Differenzen. Auf den höheren Eisengehalt kommen wir noch unten zu sprechen. Von Wichtigkeit, weil sicher auch in der Wirkung einen Unterschied ausmachend, ist aber der höhere Natrongehalt der Donarquelle

1

1

Donarquelle

Wildungen

Gerg.-Bik- torquelle

Helenen­quelle

Temperatur . . .

Natron.....

Kali ......

Ammoniumoxyd . Lithion .....

Kalk ......

Baryt......

Magnesia .... Eisenoxydul . . . Manganoxydul . . Aluminiumoxyd. .

Chlor......

Brom......

Jod.......

Schwefelsäure . . Phosphorsäure . . Titansäure,.... Kieselsäure .... Kohlensäure,fest geb.

halb geb.

völlig frei

9,95° C.

0,172420

0,002389

0,000120

geringe Spur 0,381000

geringe Spur

0,253430

0,016060

0,000480

0,001015

0,170400

ganzger.Sp.

0,021249

0,000022

ganzger.Sp.

0,036920

0,594275

0,593761

2,024000

10,4« C.

0,060925 0,005013 0,000183 0,000196 0,284643 0,000010 0,173072 0,013477 0,000973 0,000129

0.004600

0,042916 0,000038

0,021677 0,442440 0,442440 2,550242

11,5° C.

0,908731 0,015038 0,002579

0,493881 0,000443 0,426191 0,008424 0,000579

0,633411

0,020667

0,031060 1,112870 1,112870 2,546290

Summa der festen Bestandteile . .

1,611363

1,050392

3,653054

(0,172420 g gegenüber 0,060925 g pro Liter in der Georg- Viktorquelle). Da gleichzeitig die erstere Quelle auch einen erheblich höheren Chlorgehalt aufweist (0,1704! gegenüber 0,0046 !), so dürfen wir auf bas Vorhandensein einer größeren Menge von Chlornatrium in dem Wasser der Donar­quelle schließen. (Die umgerechneten Analysen geben den Kochsalzgehalt für die Donarquelle mit 0,28113, für die Georg-Viktorquelle mit 0,0075 an). Die Donarquelle nähert sich damit n ihrer Zusammensetzung etwas der Wildunger Helenenquelle, deren Kochsalzgehalt zu 1,0437 g pro Liter berechnet ist. Im Kohlensäuregehalt freie und gebundene stehen sich die drei genannten Mineralquellen ungefähr gleich.

Aus biefen chemischen Verhältnissen lassen ich ziemlich klare Schlüffe auf bie von bem Wasser ber Donarquelle zu erwartenben Wir­kungen ziehen. Dieselben werben sich im großen unb ganzen mit benen ber Georg-Viktorquelle »ecken. Wie von biefer wirb man von ihr eine jarntreibenbe, fäuretilgenbe, Appetit unb Stoff­wechsel anregenbe Wirkung zu erwarten haben. Ein Unterschieb ist aber in ber Wirkung auf »en Darm vorhanden. Während die Georg- Viktorquelle ja namentlich bei längerem Gebrauche etwas stopfend wirkt, muß der Donarquelle ihnlich ber Helenenquelle, aber schwächer eine eicht abführende Wirkung zukommen. Die ob- tipierenben Eigenschaften bet Georg-Viktorquelle werben häufig unangenehm empfunben, unb bie Patienten müssen, wie auch Marc in seiner etzten Broschüre über Wildungen hervorhebt, bei ängerem Kurgebrauch meist zu allerhand Ab- ührmittel greifen. Dieser Uebelftanb dürfte bei ängerem Gebrauch der Donarquelle sich kaum geltend machen.

Daß diese durch theoretische Ueberlegungen alswahrscheinlich" erkannten Wirkungen der Donarquelle in der praktischen Anwendungtat­sächlich" vorhanden sind, zeigen eine Anzahl vor­liegender ärztlicher Urteile sowie ein Gutachten, welches kürzlich Herr Medizinalrat Profeffor Kisch in Prag über diese Quelle abgegeben hat. Danach wirkt sieentschieden diuretisch" und läßt aucheine für die Harnsäurelösung günstige Zu- sammensetzung des Harnes" erzielen.

Die therapeutischen Indikationen für die Donarquelle find hiernach leicht zu stellen. Wie die Georg-Viktorquelle kommt sie in erster Linie in Bettacht bei Behandlung von Blasen- und Nierenkrankheiten: chronischem Katarrh der Blase, des Harnleiters oder des Nierenbeckens, Auf­treten von Harngries, Steinbildung in Nieren ober Blase, Begleiterscheinungen ber Prostata­hypertrophie. 'Ferner ist sie namentlich wegen ihres hohen Kochsalzgehaltes inbiziert bei chro­nischen Katarrhen ber Luftwege, obwohl bei biefen bie reinen alkalisch-muriatischen Säuerlinge z. B. bie Wildunger Helenenquelle vielleicht mehr ausrichten.

Auch verdient die Donarquelle nock in einer anderen Richtung angewandt zu werden. Das Wasser enthält eine nicht unbeträchtliche Menge von Eifen. Mit ihrem Gehalt an 0,01606 g Eisenoxydul im Liter Wasser kommt die Quelle im Eisengehalt den bekannten Eisensäuerlingen von Flinsberg, St. Moritz, Tarasp-Schuls, Reinerz u. a. gleich. Man könnte die Donar­quelle auch sehr wohl verwmden zur Behandlung von Anämieen und Chlorosen. Hierzu dürste sie um so mehr geeignet erscheinen, da ihr, wie oben schon auseinandergesetzt, eine leichte Abführung zukommt. Denn Bleichfüchtige und Blutarme leiden bekanntlich bei Gebrauch anderer Eisen­wasser an Obstipation.

So können wir auf gründ der Untersuchung und der vorliegenden ärztlichen Erfahrungen der Donarquelle ein recht weites, aber doch scharf abgegrenztes Anwendungsgebiet zuweifen und müssen daher ihre Einführung in die Praxis als eine höchst erwünschte unb zweckmäßige Bereiche­rung unseres therapeutischen Heilschatzes begrüßen.

Freidenker Maulhelden. Zu Bordeaux stieg ein Freidenker erster Güte in das Kupee eines Eisen­bahnzuges und machte sich's bequem, als auch ein Fabrikarbeiter einstieg. Das waren die einzigen Pasta- giere in dem Wagenabteile. Als der Zug durch eine öde Heidegegend längs der baskischen Rüste dahinraste, erblickten sie in einer Zwischenstation einen Priester, welcher auf einen anderen Zug zu warten schien. Der Freidenker wollte sich über den Priester lustig machen, und hohnlacheud wandte er sich an feinen Nachbarn mit der Frage:Wozu so ein Kerl gut ist?" Und nun erging er sich in gemeinen Schmähungen gegen die Religion, Kirche, Priester und fügte bei, daß es wahr­haftig gut wäre, solche Leute aus dem Lande zu jagen. Der Nachbar in der Arbeiterbluse hört ruhig zu, während der Zug weitersauste. Auf einmal erhob sich der Mann in dem Arbeitskittel, ein wahrer Riese, stellte sich mit den schwieligen Fäusten vor seinen Steife« gefährM» bin und sprach:Hier ist eine sehr wilde Gegend «nd die Stationen find weit von einander ent­fernt. GeßM den Fall, ich wollte Ihr Geld haben und Sie erwürgen, so könnte dies ohne weiteres geschehen; ich würde Ihre Leiche durch das Fenster hinauswerfen, und es krähte kein Hahn dariiber".Aber mein Freund", sagte der Freidenker, zu Tode erschrocken,ich habe nichts bei mir und sie würden durch meinen Tod nichts gewinnen".Wie", sagte der Blusenmann,Sie haben kein Geld? Schwätzen Sie nicht! Ich war neben Ihnen am Fenster des Geldinstituts, als Ihnen 30000 Franken auSgezahlt worden find, welche Sie in der Brusttasche tragen". Der Freidenker zitterte wie Eichenlaub, aber da sagte der Fabrikarbeiter:Sie brauchen um Ihr Leben und um Ihr Geld nicht besorgt zu sein; ich ging zu einem Geistlichen in die Schule, und >er lehrte mich Gott fürchten und den Weg zur Tugend wandeln. So, Herr Nachstar, jetzt werden Sie vielleicht wissen, wozu dieseKerle", wie Sie, Elender, die Priester nannten, gut sind!"

Ein früherer Pfarrer z«m Professor der Medizin berufen. Die «Münchener medizinis che Wochen­christ' bringt in ihrer letzten Nummer die Mitteilung, > der in der Schweiz bekannte Homöopath und ehemalige Pfarrer Dr. Mende-Ernst aus Zürich einen Ruf als Professor der Arzneimittellehre an die hollcdrdische Universität Leyden erhalten hat. Die Be­rufung erfolgte durch das holländische Ministerium, obgleich sich die medizinische Faknttät ausdrücklich da­gegen auSsprach.

* Warnung. Im Palast der schönen Künste in Rom soll vom Oktober bis Dezember eine internationale Industrie-Ausstellung stattfinden. Zuverlässigen Nachrichten zufolge handelt es sich hierbei lediglich um ein Privatunternehmen ohne öffentliche Bedeutung. Zur Beschickung der Ausstellung kann nicht geraten werden.

* Studium der Medizin. Der ärztliche Bezirks­verein München warnt dringend vor dem Strüüum der Medizin. Die Aussichten für dieses Studium find außerordentlich schlecht; seit Jahren herrscht eine rüber nie gekannte Ueberfüllung des ärztlichen Be­rufes. Diese Ueberfüllung hat zu einer Entwertung der ärztlichen Arbeit geführt und es ist zu den be­

kannten Existenzkämpfen gekommen, die an sich eine hinreichend warnende Sprache reden. Es gibt jetzt über 29,200 Aerzte in Deutschland mehr als doppelt so viele, wie im Jahre 1867, während die Bevölkerung in der gleichen Zeit nur um ein Sechstel zugenommen hat. In Berlin haben denn auch 46 pCt. der Aerzte ein Einkommen von unter 3000 Mk. 1» ein zweifelhaftes, 5 pCt. überhaupt keines. Die Kosten des Studiums der Medizin müssen alles in allem auf 25,000 bis 30,000 Mk. veranschlagt werden. DaS ist auch zu bedenken. Arzt soll nur werden, wer den Berus in sich fühlt und vor vieler strenger und ver­antwortungsvoller Arbeit bei wenig guten Aussichten

'"sftiSderSchule.Was wißt Ihr von Jbykus?" fragte ein Lehrer seine Schüler. Alles schwieg. Plötzlich meldete sich Hänschen zum Worte.Nun, Hans, was weißt du von Jbykus?" wandte sich der Lehrer freundlich an den Jungen.Ich bitt', Herr Lehrer, der Jbykus hat die Kraniche von Schiller erfunden! antwortete stolz klein Hänschen.

* Der humoristische Onkel.Hurra, der Onkel hat mir einen Hundertmarkschein geschickt!"Was steht den auf denn Couvert?"Vor Feuchtigkeit za bewahren!" , ,

* Widerlegt. Dicker Student:Ich glaube, für« Radfahren eigne ich mich gar nicht." Handwerker: Na, 's Pumpen fällt Ihnen doch nicht schwer!"

Dir Allgemeine BerlagS-Gesellschaft (G. m. b. H.) in München, Hasenstraße 11, beginnt soeben mit der Herausgabe eines großartig angelegten Merkes. daS die Beachtung aller Kreise in hohem Maße verdient, einerIllustrierten Geschichte der katholischen Mrche" von Prof. Dr. Kirsch in Freiburg (Schweiz) und Prof. Dr. Luksch in Leitmeritz. Das Werk wird in 20 bis 25 Lieferungen ä 1 Mk. erscheinen und neben dem Text zirka 50 Tafelbilder unb über 800 Abbil­dungen enthalten. Dem Borworte entnehmen wir fol­gendes: Die Kirche Christi, emporgewachsen auS kleinen Anfängen zur erhabensten, größten Anstalt der Welt, schreitet unter fortwährenden inneren unb äußeren Kämpfen in ihrer Entwickelung rastlos fort. Ihre Aufgabe unb ihr Endziel ist es, über allem Streit der Zeit und allen Heimsuchungen zum Trotz, zur trium­phierenden Kirche sich auszugestalten. Es ist ein er­habener Gedanke, die Geschichte ber Kirche Christi in Wort und Bild der lebenden Menschheit vor­zuführen. Die Toten stehen wieder auf, die Heiligen und Seligen halten Zwiegespräche mit unS unb öffnen uns ihr Herz, bie Vergangenheit wird Ge­genwart, bie Worte ber Apostel und Kirchenväter schlagen wieder an unser Ohr. Das Studium der Ge­schichte überhaupt und ber Kirchengeschichte im beson­deren hebt darum auch unser ganzes Wesen, gibt der Phantasie bie erhabensten Bilder unb schwellt das Herz mit den edelsten Gefühlen. Wer hätte daher nicht da« größte Interesse an der Geschichte unserer heiligen Kirche, von der noch mit ungleich größerem Rechte als von der Proiangescyichte gesagt werden kann: daß sie ist die Magistra vitae, die Lehrerin des Lebens, die sich darstellt, als ein großer Lehrbrief, den die früheren Geschlechter niederschrieben und den späteren vev machten, alS die Botschaft in Wort und Schrift, welche die ganze Menschheit an den einzelnen sendet! Während wir nun aber eine Reihe größerer unb kleinerer kirchengeschichtlicher Lehr- unb Hanbbücher besitzen, bie zum Teil nur für die Theologen bestimmt sind, fehlt es tatsächlich an einer volkstümlichen unb doch in edelster Sprache geschriebenen Kirchengefchichte. Ins­besondere aber fehlt es an einem illustrierten Werke auf diesem Gebiete. Was in dieser Beziehung bisher geboten worden ist, genügt nicht. Gerade damit einzn- setzen, wird man als ein Verdienst bezeichnen müssen. Welche Fülle von gefchichllichen Geichehnissen bietet nicht die Kirchengeschichte zur bildlichen Darstellung! Darauf aber beschränken sich indes die Herausgeber und ber Verlag nicht. Die verschiedensten Gebiete forderten gleichsam zur Illustrierung heraus; hier kommen insbesondere in Betracht: Münzen, Medaillen, Siegel, Urkunden, Bullen, Breven, Porträts usw,; vor allem aber weisen wir hin auf bie herrlichen Denkmäler und Bauwerke ber verschiedensten Länder und Staaten! Zur Beschaffung eines solchen reichen und interessanten, sehr vielfach bislang noch unbekannten oder unver­öffentlichten Bildermaterials scheuten Bearbeiter und Verlag weder die vielen damit verbundenen Schwierig­keiten, noch auch die großen Kosten unb Opfer. Viele biefer wertvollen BÜderschätze fanben naturgetreue Wiedergabe auf eigenen Tafelbildern und, wo es wün­schenswert erschien, auch auf Doppeltafeln, doch werden und darin liegt eben daS Neuartige dieses Unter­nehmens nur Abbildungen streng geschichtlichen Charakters ausgenommen, Ideal- und Phantasiebilder find grundsätzlich ausgeschlossen. Für eine wissenschaft­lich ganz auf der Höhe stehende und doch allgemein verständliche Darstellung bieten die beiden Bearbeiter: Professor Dr. I. P. Kirfch in Freiburg i. Sch. und Professor Dr. V. Luksch in Leitmeritz, als in lang­jähriger Lehrtätigkeit auf diesem Gebiete erprobte Fach­männer, volle Gewähr. Der Aufbau des Werkes er­folgte nach ganz neuen Gesichtspunkten unter Preisgabe ber bisher beliebten schematifchen Einteilung. Die jüngsten Ergebnisse aus bem Gebiete der Archäologie, der Geschichte, der Dogmengeschichte und Kunstge­schichte nfw. fanden dabei selbstverständlich volle Be­rücksichtigung. Die illustrierte Kirchengeschichte von Kirsch und Luksch stellt so ein bahnbrechendes Werk auf dem Gebiete ber volkstümlich-wissenschaftlichen Literatur dar, ebenso geeignet, den Studierenden und Künstlern als Behelf zu einem anregenden fruchtbaren Studium zu dienen, als auch jedem Gebildeten die ge­nußreichste Belehrung zu gewähren. Alle Buchhand­lungen des In- und Auslandes nehmen Bestellungen darauf entgegen und» wo eine solche nicht erreichbar, auch ber Eingangs erwähnte Verlag.