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MaerW Zeitung

Druck und Verlag der zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

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monatsbeilage:Zuldaer GefchichkblStter"

S.wochmbeuag«:IllustrierteSonntagzzeitung"

M 252.

Deutsches Reich.

Berlin, den 2. November 1903.

** Reichsbank-Präsideut Dr. Koch be­sing heute sein SOjähriges Dienst-Jubiläum. Aus diesem Anlaß erhielt er den Roten Adlerorden 1. Klaffe und dos Großkreuz des hessischen Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen. Die rechts- untb staatswiffenschaftliche Fakultät der Universität Straßburg verlieh ihm die Würde emeS Doktors der Staatswiffenschaften h. c. Die .Deutsche Tagesztg/ ist mit dem Jubilar nicht zufrieden. Seine Wirksamkeit sei für die Börse und für die Großfinanz überaus hinderlich ge­wesen. Der Mittelstand werde in das Lob, das die freihändlerische und Börsenpreffe ihm erteile, nicht einstimmen können. Daß die Reichsbank unter seiner Leitung nichr zu dem geworden sei, was der Mittelstand von ihr erwartete, könne nirgends bestritten werden.

* Professor Theodor Mommsen ist, wie schon telegraphisch gemeldet, am Sonntag vormittag in Charlotienburg gestorben.

Mommsen war unzweifelhaft einer der weitbe- lannlesten Gelehrten. Er war am 30. November 1817 in Garding in Schleswig-Holstein geboren. Theodor Mommsen begann seine wissenschaftliche Tätigkeit als Doctor juris und als Privatlehrer. Drei Jahre weilte er in Italien, um römische Inschriften zu studieren. 1818 lehrte er heim und redigierte die.Schleswig-Hol­steinische Zeitung' in Rendsburg. Noch in demselben Jahre kam er an die Universität Leipzig, um dort römisches Recht zu lehren. Doch hatte hier seine Teil­nahme an den Bewegungen der Jahre 1848 und 1849 eine Untersuchung und 1850 seine Absetzung zur Folge. Er ging nach Zürich, wo er im Frühling 1852 die or­dentliche Professur des römischen Rechtes an der bor=' tigen Universität übernahm. Nach zwei Jahren kam er nach Deutschland zurück und erhielt eine Professur m Breslau. 1858 wurde ihm das Lehramt für römische Altertumswissenschaften in Berlin übertragen, wo er 1874 zum ständigen Sekretär der königlichen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Ein Hauptwerk von ihm ist dasCorpus inscriptionum latinarum, desgleichen seine römische Geschichte. Zehn Jahre (18731882) gehörte Mommsen dem preußischen Ab­geordnetenhause an und zwar für den Wahlkreis Kott- bus-Spremberg-Calau. Er gehörte erst zur national­liberalen Fraktion und schloß sich später derLiberalen Bereinigung" an. Mommsen sind viele und hohe Ehren widerfahren. U. a. hat er auch den literarischen Nobelpreis erhalten. Mommsen hat auch manchmal von sich reden gemacht, sowohl im politischen als im wissenschaftlichen Leben. Daß ein großer Gelehrter noch lange kein großer Politiker ist, hat er des öfteren durch, sagen wir einmal, politische Ungeschicklichkeiten and unausführbare Vorschläge auf dem Gebiete der Politik bewiesen. Aber auch im wissenschaftlichen Stoben hat er verschiedentlich Unsinnigkeiten gemacht. Wir erinnern nur an den bekannten sogenannten Rummel der wissenschaftlichen Voraussetzungslosig- kert", den er aus Anlaß der Ernennung des Herrn Dr. Spahn zum Profeffor der Geschichte in Straßburg inszenierte, und der dann eine Zeit lang die Gelehrten und andere Kreise erregt hat. Trotzdem ivird Mommsen in der Chronik der Wissenschaft ein dauerndes und ehrendes Denkmal haben.

Aas Mazovcrt.

Roman von Ewald August König.

25 ------ (Nachdruck verboten.)

Hierbleiben urd beobachten", nickte er,in Eichenhorst wohnen und dem Herrn Baron scharf auf die Finger sehen, das halte ar ch ich für das Beste. Zu befürchten hast Du niin nichts mehr, Adelgunde, ttene Freunde stehen Dir und Deinem Sohne zur Seite; Dein Schwager wird nicht wagen irgend etwas gegen Euch zu unternehm n. Ein Familienprczeß ist stets mit einem Eklat verknüpft; aus weffen Seite die öffentliche Meinung treten wird, läßt sich niemals mit Sicherheit Voraussagen."

Hier doch!" warf by Advokat ein.

Der Rittmeister, der eben aus seinem Teller ein Stück Kuchen zerschnitt, blickte überrascht auf.

Mit voller Sicherheit?" fragte er.

Allerdings!" nickte Hermann, an seiner Brille rücken!.Meine Schwester weilte zwanzig Jahre in einer Irrenanstalt, Baron Dagobert ist nach langer Abwesenheit aus Amerika zurückgekehrt, und der Be­hauptung, daß er dort das Leden eines Abenteurers geführt hat, w-rd jeder Glauben schenken. Baron Kurt hingegen ist als Ehrenmann bekannt, auf den Notar Tellenbach kann auch nkmanb einer, Stein werfen, und die beiden stützen sich auf verbriefte R chte, a denen nicht zu rütteln ist Do liegen also die Chancen für jene Partei günstiger, als für uds, i nd das llttei! der öffentlichen Meinung ist immerhin ein Faktor, mit dem man rechnen muy Gleichwohl könnte man sich über diesen Faktor binwegsetzen, wenn man die Gewißheit hätte, den Prozeß zu gewinnen, der Erfolg würde sofort die öffentliche Meinung uns günstig stimmen, aber wir Hoden nicht nur die Ge- wißhett nicht, wir müssen uns auch auf den Lerlust des PrvzeffkS gefaßt machen. Deshalb rate auch ich

rlllM Dienstag, den 3. November 1903.

30. Jahrgang.

* Ucber das hervorragende Ungeschick offiziöser Preßlakaie« ist die .Konservative Korrespondenz" ungehalten. Und in dem Falle, der ihr dazu Anlaß gibt, muß man sagen, daß sie nicht Unrecht hat. Die Schweinburgschen .Berliner Pol. Nachrichten' hatten in recht tölpelhafter, den Russen ganz nach dem Munde geschriebener Weise hervorgehoben, daß, wenn es zu einer Einigung über einen neuen Handelsvertrag nicht kommen sollte, nirgends vorgeschrieben sei, daß der neue Zolltarif in Kratt treten müffe. Das stehe ganz im Belieben des Bundesrates, dem der Reichstag die Festsetzung des Termins des Zolltarif - Inkrafttretens überlassen habe. Gegenüber dieser Auslassung nahm sich wie eine Ironie aus die Versicherung, daß nach dem Laufe, den die Handelsoertragsverhandlungen bis jetzt genommen hätten, nicht anzunehmen sei, daß sie ergebnislos verlaufen würden; und es fragt des­halb die »Konserv. Korresp/, ob es in diesem Moment, wo es sich darum handeln müsse, von Rußland möglichst wertvolle Zugeständnisse zu erlangen, nötig sei, Vie nicht unbekannte Sachlage in einer solchen Weise an die große Glocke zu hängen. Denn wenn aus dieser Auslastung die russischen Unterhändler die Ueberzeugung schöpfen sollten, es werde im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen infolge Unnachgiebigkeit ihrerseits der alte, ihnen günstige deutsche Tarif in Kraft bleiben, so dürfe man sich nicht wundern. Ein größeres Ungeschick eines als offiziös geltenden Organs könne man sich kaum denken. Es hat in der Tat manchmal den Anschein, als ob offi­ziöse Soldschreiber mit den freisinnig-manchester- lichen Organen in Wahrung der Interessen des Auslandes zu wetteisern fu.i.ten. Es wäre schon bester, so meint mit Recht die.Deutsche Reichs- ztg/ wenn ihnen untersagt würde, mit Zoll­tarif und Handelsverträgen i berhaupi sich zu be­fassten.

% Die ,Deutsche Tagesztg.' läßt sich zu ihrer Genugtuung aus dem Rheinlands schreiben, daß dort die Bestrebungen des Bundes der Landwirte immer mehr Anklang finden. Es wird das nähere ber'chtet über eine große Ver­sammlung in Dinslaken, diezur guten Hälfte aus Katholiken bestanden ur.i die einen äußerst angeregten Verlauf genommen habe. Das Einzelne interessiert uns hier weiter nicht. Be­merkenswert ist aber folgender Passus der Zu­schrift:Es wurde beschlosten, bereits in nächster Zeit eine größere Versammlung auch in Mühl­heim an der Ruhr abzuhalten, um auch die dortige industrielle Bevölkerung über die Ziele des Bundes der Landwirte aufzuklären. Bezüg­lich der Kandidatur des Herrn Fr eiherrn von Plettenberg ergaben sich keine Befürch­tungen, so daß der namentlich von Esten aus­gehende Wunsch der Nationalliberalen, diese Kandidatur nicht anzunehmen, keine wesentliche Bedeutung hat. Die Versammlung betonte, daß als Wahlmänner möglichst Landwirte gewählt werden sollten und daß in diesem hervorragend industriellen Wahlkreise aus die Wahl von Land­wirten als Wahlmänner ganz besonderer Wert gelegt werden muß." Das müssen ja seltsame

zu geduldigem Abwarten, die Stunde der Abrechnung wird ja sicher kommen "

Dagobert blickte seine Me tter erwartungsvoll an.

Ich bin jetzt entschloffen, diesen Rat zu be­folgen", sagte er, ..tote denkst Du darüber?"

Wie Du willst, ich folge Dir", antwortete sie.

Dann aber muffen wir auch in Eichenhorst Wohnung nehmen, es ist unser Eigentum, aus dem wir uns nicht verdrängen laffen dürfen."

Auch darin bin ich mit Dir einverstanden, trotz aller Unannehmlichkeiten, die damit verknüpft find."

Baron Kurt schickt uns heute abend seinen Wagen."

So kehre Du nach Eichenhorst zurück, ich folge Dir, sobald mein Wobnung dort bereit gestellt ist. Ich dar, wohl die Hoffnung aussprechen, daß meine Freunde mich dort recht häufig besuchen werden?" wandte sie sich zu dem Rittmeister, der mit nachdenk­licher Miene an den Spitzen seines langen Schnurr­bartes drehte.Sie, Leontine, wüsten diesen Herbst noch einige Wochen beirir weilen, ich bitte dringend darum."

Wir wollen Men, ob es fick machen läßt", sagte der alte Herr,ich fürchte nur, daß mein einsam und bescheiden erzogenes Kind fich in all' der Pracht und Herrlichke.t nicht wohl fühlen wird."

So groß ist die Pracht nicht", scherzte Dagobert, der fich von seinem Sitze erhoben batte.Meine Ktifine, Baroueffe Theodore, ist ebenso anspruchslos, die beiden Tamen w oder sich rasch mit einander be­freunden Mama, ich habe g'hört, daß mene alte Amme hier woant, D« erlaubst wohl, daß ich ihr einen fönen Besuch macke? Sie mar mir auch in späteren Jahren noch nie gute Freundin, es würde sie schmerzen, wenn ich jetzt an ihrem Haufe vorbei- gir.ge "

Ich gebe Dir die Erlaubnis gern", sagte sie, ihm die Hand reicheich;bringe ibr einen G- von mir, ich war schon bei ihr, fie wild sich freuen, Dich wieder zu sehen."

Katholiken fein, die den verbissenen Katholiken- semd und Führer des evangelischen Bundes Frhr. v. Plettenberg als Landtagskandidaten zu unter­stützen bereit sind

** Im .Vorwärts' ist wiederholt darauf hingewiefen worden, daß in Eöpenick, wo die Abgeordnetenwahl für den Landtagswahl­kreis Teltow Beskow-Starkow stattzufinden hat, fein für sämtliche Wahlmänner ausreichender Saal vorhanden ist und deshalb von Rechts­wegen keine giltige Wahl zustande kommen könnte. Jetzt hat der Minister des Innern ver­fügt, daß die Abgeordnetenwahl statt in Eöpenick in Rixdorf stattzufinden hat. j

:: Wie der Deutsch-Russische Verein m seinem Organ, dem .Russisch-Deutschen Boten' mitteilt, wird die zweite Konferenz der russischen und der deutschen Unterhändler für einen neuen Handelsvertrag bereits in wenigen Tagen, voraussichtlich noch vor dem 10. November beginnen. Nachdem durch die erste Beratung über die auf beiden Seiten bestehenden Forderungen und in Aussicht stehenden Zugeständnisse vor­läufig Klarheit geschaffen sei, hätten auf der fo gewonnenenBafis in der Zwischenzeit Besprechungen zwischen den beteiligten Interessenten und weitere Unterhandlungen zwischen den Regierungen statt­gefunden. Und zwar seien die Arbeiten so be­schleunigt' worden, daß die zweite Verhandlung erheblich früher beginnen können, als ursprüng­lich angenommen werden konnte. Die Verhand­lungen würden nicht wieder in Petersburg, sondern in Berlin stattfinden.

** Genosse Heine kommt im .Vorwärts' nochmals auf die Frage des Schiedsgerichts zurück. Er führt aus, daß das Organisations­statut nur einen Fall des Schiedsgerichts kenne, nämlich wenn jemand den Antrag auf Aus­schluß aus der Partei gestellt habe, und das könne nur geschehen wegen eines groben Vorstoßes gegen das Parteiprogramm ober wegen einer ehrlosen Handlung Der Vorstand könne als Schiedsgericht nicht fungieren. Aus anderen Ursachen könnten allerdings auch Schiedsgerichte gebildet werden, aber das liege nicht allein im Belieben des Parteivorstandes, sondern in erster Reihe in dem der Beteiligten; niemand brauche sich darauf einzulaffen. Bebels selbst hat, als die Genoffin Braun wegen Aeußerung Bebels auf dem Parteitage die Einsetzung eines Schieds­gerichts beantragt habe, sich geweigert, sich darauf einzulaffen. Der Parteivorstand habe die Mit­wirkung abgelehnt; ebenso als Bernhard schieds­gerichtliches Verfahren beantragt habe. Der Vorstand habe abgelehnt, weil kein Antrag auf Ausschließung aus der Partei vorliege. Er (Heine) habe gewünscht, daß in seiner Angelegen­heit möglichst schnell ein ordentliches Verfahren in Gang komme. Er werde in unerhörtester Weise mit Beschimpfungen bedacht, habe aber bis jetzt vergeblich darauf gewartet, daß einer von denen, die gegen ihn hetzten, feinen Aus­schluß wegen einer ehrlosen Handlung beantragen werde. Freilich sei es leichter, allgemeines ehr- abschneiderisches Geschimpfe in die Welt zu schleudern, als bestimmte Handlungen zu bezeich-

Er küßte fie auf die Stirn und ging hinaus, er hatte längst gefühlt, daß er in dieser Gesellschaft über­flüssig war; feine Mutter wurde so ganz von dem Rittmeister und ihren alten Erinwrungen in An­spruch genommen Hermann beschäftigte sich nur mit Leontine.

Und es drängte ihn auch in Wahrheit, die alte Frau tviederzusehen, die ihm so manchen guten Rat gegeben, so oft ihn gebeten hatte, von der gefahr­vollen Bahn des Leichtsinns abzulaffen.

Sie war in jenen Jahren die einzige gewesen, die es treu und ehrlich mit ihm meinte; hatte er das auch damals nicht zugeben wollen heute mußte er es, und er fühlte fich verpflichtet, ihr dafür zu danken.

Er hatte schon mehrere Straßen durchwandert, als eine ihm bekannte Summe ihn aus seinem Brüten weckte.

Ich litte um Verzeihung, wenn ich mich irren sollte aber nein, da ist kein Irrtum möglich, Du bist es, Dagobert I" sagte Georg Tellenbach, mit un­verkennbarer Freude ihm die Hand bieten1'.Papa sagte mir heute mittag schon, Du seiest heimgekehrt, so beiße ich Dich denn herzlich willkommen in der alten Heimat!"

Daaobert erwiderte den HanddMk nur leicht und kühl; Georg Tellenbach war sein Schulkamerad und in jener Zeit sein bester Freund gewesen; aber er haßte diesen Mann jetzt, die freundliche Begrüßung erfüllte ,hn mit Mißtrauen.

Kommt Dir der Gruß von Herzen, so danke ich Dir dafür", erwiderte er, indim er den stattlichen Offizier prüfend bettachlete.

Kannst Du daran zweifeln?" fragte der Haupt­mann verletzt.

Die Erfahrungen, die ich mit Deinem Vater ge­macht habe, berechtigen mich zu solchem Zweifel."

Mein Pater ist em Ehrenmann, Dagobert!"

Ich behaupte n.cht, daß er es nicht fei, und Du wärst der Letzte, en dessen Urteil ick bezüglich dieser Frage appellieren könnte; des aber schicht nicht aus,

nen und zu beweisen. Er bestehe aber auf bem ordentlichen Verfahren nach dem Organisations­statut und verlange ein Schiedsgericht für sich allein mit Beisitzern, die nicht von vorherein gegen ihn Partei' ergriffen hätten. Der Partei- vorstand sei als Schiedsgericht ausgeschlossen, weil nimmer Kläger und Richter in einer Person sein könne, Bebel aber fich ausdrücklich als An­kläger bezeichnet habe. Ebensowenig dürfe der Parteivoistand sich als Untersuchungsgericht kon­stituieren ober gar ein bem Schiedsgericht vor­greifendes Gutachten abgeben. Es solle ja als ganz unparteiische Instanz den Obmann des Schiedsgerichts ernennen. Wenn man gegen ihn nicht Anklage auf Ausschluß erheben wolle, so müffe er das Recht, in anderer Beziehung Über ihn zu urteilen, ausschließlich der Organisation des 3. Berliner Reichstagswahlkreises vorbehalten. Diesem sei er Rechenschaft schuldig, aber er habe mcht bas Recht, Über den Kopf ber Vertreter bieses Wahlkreises hinweg anberen Leuten eine Zustänbigkeit einzuräumen, bie gegen bas Organi- sattonsstatut fei. Etwas Schlimmeres könnte ber Sache der Freiheit unb Gerechtigkeit nicht zugefügt werben, als wenn bie Sozialdemokratie in Zeiten gesteigerter Erregung Ausnahme­gerichte gegen mißliebige Genoffen zulaffen wollte.

(][) Am Dienstag und Mittwoch vergangener Woche hat bekanntlich eir.e Konferenz von Bundes: egierungsverlretern ftattgefunben, von ber man vielfach annahm, daß sie bie Grund­lage zu einer Schlachlviehversicheruug bilden solle, für die das Reich die Kosten tragen werde. Wie das ,Berl. Tagebl.' jetzt aus guter Quelle erfahren haben will, hat bie Konferenz ausschließlich ben Zweck gehabt, einen Austausch von Mitteilungen über die auf bem Gebiete ber Schlachtvieh-Versicherung gemachten Erfahrungen herbeizuführen. Solche Schlachtviehversicherungen bestehen in Bayern, Baden :c. Der Gedanke einer Reichsviehversicherung fei auch nicht einmal gestreift worben.

** Berlin, 2. Nov. 1908. Der Kaiser gedenkt heute Abend sich nach Homburg v. d. H. zu emem kurzen Besuch der Saalburg und von da nach Wres- baien zu begeben. In Begleitung des Kaisers werden sich befinden: Reichskanzler Graf v. Bülow, Oberhos- marschall Graf zu Eulenburg, Hofmarschall Graf Zedlitz-Trützschler, Chef des Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Lucanus, Chef des Marinekabinetts Brze- admiral Freiherr von Senden-Bibran, Chef des Mrli- tärkabinets Generaladjutant Graf v. Hülsen-Häseler, ferner in Vertretung des Kommandanten des Haupt­quartiers Generaladjutant v. Scholl, sowie General a la suite Generalmajor v. Löwenfeld, Flügelad)utant Oberstleutnant vom Plüskow und Major v. Friedeberg und Leibarzt Oberstabsarzt Dr. Jlberg. Die Letz - linger Hofjagd findet unter Teilnahme des Kaisers am 27. und 28. November statt. Der heutige.Reichs- anzeiger' veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung be­treffend die Verleihung der deutsch-ostafrikamschen Landesangehörigkeit. (Vom 24. Oktober 1903.) Sr. Eminenz Kardinal-Erzbischof von Köln, Dr. Frscher, wurde die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehe­nen Ritterkreuzes des Malteserordens erteilt. 3n Charlottenburg ist am Samstag Abend" der frühere Landesälleste Richard Graf v.Posadowsky-Weh ner Ehrenritter des Johanniterordens, in seinem 75. Lebens­jahre verschieden. Der ,Reichsanzeiger' meldet, daß dem Oberprästdent der Provinz Ostpreußen, Frecherrn

daß ich mir mein eigenes Urteu über den Justitiar unserer Familie bilde, und es ist nicht meine Schuld, wenn dieses Urteil ungünstig für ih-i lautet."

Der Hauptmann schüttelte ärgerlich den Kopf. Die Furche zwischen seinen Brauen vertiefte sich-

Ehrlich gesagt, das verstehe ich nicht", erwiderte er.Sei offen, Dagober', gedenke unserer alte« Freundschaft und sage mir, welche Anklage Du gegen meinen Vater erhebst. Seine Ehre ist auch meine Ehre, Du würdest in demselben Falle ganz ebenso denken."

Dein Baier war der Ratgeber meiner Onkels , sagte Dagobert nach einigem Zögern,er ist es «och heute, und Baron Kurt v. Darboren hat sich niemals freundlich gegen mich bewiesen."

Der Grund läß» fich leicht erraten, Baron Kurt möchte Majoratsberr bleiben, aber daß mein Baier ihm den Rat gegeben habe« soll, Dich um dar Erbe zu betrügen, dos kann und werde ich niemals glauben "

Ich behaupte es auch Mr gegenüber nicht."

Also ist es nur Bermutung, und mit solche« Vermutungen kann man großes Unheil anrichte«. Sckau mit ins Gefickt, Dagobert, ich bin der Alte geblieben; wie damals, so rede und handle ich auch heute noch, wie Ehre und Gewissen es mir gebiete«, willst Du mir das glauben?"

Der Blick Dagobert« ruhte eine geraume Weile forschend aut dem ehrlichen Antlitz des Hauptmanns.

Ich glaube Mr", sagte er und in einer Auf­wallung von Beschämung reichte er ihm die Hand.

So wollen wir Freunde bleiben", erwiderte Georg Tellenbach warm.Was Du auch gegen meinen Vater Haven magst, rede nicht mit andern darüber, vertraue es mir an, Dein Vertrauen falt nicht ge­tauscht werden! Willst Du mir dos versprechen?"

Es sei", entgegnete Dagebert, und ein aber­maliger Händedruck besiegelte den neugeschloffene« Bund.

Ich danke Mr, ich habe jetzt keine Seit mehr, da der Dienst wich ruft."