Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich, mit jwrnahme der Sonn» «d Zeieriage. viertel- Ahrl. vezugepreis »hne vriugerlohn unc SesteLgeid in Hulda und lurwärk1 Mk. 50 pfg

Verantwortlicher rchriftleiter:Zos.Sa«m für die Inserate 3. Parzeller in Hulda.

Zuldaer

wochenbcilage: „Illustrierte Zonntagszeitung"

ait$ei|en: Vie eiw fpaltige petitzeil« oder deren Raum 15 Pfg Reklamen di« petiheiK 25 Pfg.; bei Wieder­holungen wird entspr

Rabatt gewährt.

Druck und Verlag der Huldaer Actiendruckere' in Hulda (Harmonie, Hernsprecher Ur 9.

3 ). Jahrgang.

Zweites ।

mit dem Minister Delcasie in Paris ein.

In Italien hat mit dem Ministerpräsidenten Zanardelli das gesamte Kabinet seine Entlassung ein« gereicht. Mit der Neubildung wurde Giolitti beauf- ttagt.

Auf der Balkanhalbinsel soll die Stimmung für eine Waffenruhe während des Winters im Er­starken begriffen sein. Die Führer der Aufständischen sollen sich dazu bereit erklärt haben, falls die Türken daS Versprechen, die Verfolgung derBulgaren einzu- stellen, erfüllten und die Rückkehr der mazedonische» Flüchtlinge in Bulgarien gestatteten. Es soll ihnen aber auch empfindlich an Geld und Waffen mangeln und auherdem die mazedonische Bevölkerung mehr und mehr zu der Ueberzeugung kommen, daß es ein Fehler wäre, der Pforte durch die Unruhen den Vorwand für die Nichtdurchführung de: Reformen zu bieten. Inzwischen dauern nach übereinstimmenden Berichten der Konsulate die Ausschreitungen der türkischen Truppen gegen tue Christen fort. Die Pforte läßt den Mächten allerdings Verzeichnisse der wegen Aus­schreitungen bestraften Personen zugehen, aber wer

dunklen Gruft im Schatten des Kreuzes ge­schlummert haben.

Darum ist es recht und schön, wenn wir die Gräber schmücken; denn es find Stätten der Hoffnung. Und besonders paffend find die Lichter auf dem Grabeshügel; denn es soll sich an den Schlummernden die Bitte erfüllen: Und das ewige Licht leuchte ihnen. Ein Kirch­hof auf dem ringsherum die Allerseelen-Kerzchen leuchten, gleicht einem klaren Nachthimmel mit seinen glitzernden Sternen, der einen herrlichen Sonnenaufgang erwarten läßt.

Der Gräberbesuch und die Graberwethe pflegt schon am Nachmittag des Allerheiligen­tages stattzufinden. Das frohe Fest der Heiligen und das wehmütige Gedenken an die armen Seelen ranken sich durcheinander, und sie stören sich nicht, sondern sie ergänzen sich. Wohin die Heiligen gelangt sind, dahin gelangen auch mit

Gottes Erbarmung die armen Seelen, die in Reue und gutem Willen verschieden sind. Und dahin können auch wir gelangen, wenn wir das Eisen der Gnade schmieden solange es noch

Ja, auf dem Friedhöfe kann man Leichen- predigten hören, nicht bloß bei Begräbnissen Predigten über Leichen, sondern auch Predigten von Leichen, Ermahnungen aus den Gräbern heraus, lautlos für das körperliche Gehörwerk­zeug, aber vernehmlich für das Ohr der Seele. Wer zum Friedhof geht, der denke an das Wort: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!. Die stummen Toten haben uns viel zu erzählen. Darum ein Vorschlag zur Güte: wenn du den Kirchhof besuchst, so sondere dich eine Weile von den anderen ab und stelle dich ganz allein an ein Grab; bleibe dort wenigstens 5 Minuten stille stehen und halte mit dem Toten eine stumme Zwiespracve. — .

Der schönste Name für den Begräbnisplatz i ist gewiß die Bezeichnung „Gottesacker". Wenn der Name im modernen Leben wegen fernes I religiösen und feierlichen Klanges nicht mehr viel gebraucht wird, so sollten doch die Christen nie vergessen, daß der liebe Gott in diesem Men Garten sich Setzlinge für das Paradies züchtet. Es ist Unkraut unter den Ewigkeits-Gewächsen; das Unkraut wird am Tage des Gerichtes ge­sondert und ins Feuer geworfen .werden. Du und ich, wir werden auch einmal auf den Gottes­acker gesäet. Grab kommt von graben. Der Totengräber ist der Gärtnergehilfe, der das Senk­loch für den Samen auswirst. Wozu werden wir emporwachsen? Zu Paradiesesblumen oder

zum Höllenkraut?

Der ursprüngliche Name „Kirchhof" bat in den meisten Orten seine rechte Bedeutung ver­loren, da der Begräbnisplatz nicht mehr neben der Pfarrkirche liegt, sondern eine besondere Stätte bildet, meistens draußen an der Grenze der Gemeinde. Die abgelegenen Kirchhöfe sind eine sogen. Errungenschaft der Neuzeit; in Groß­städten hat man die Dezentralisation der Toten vielfach schon so weit getrieften, daß stundenlange Wege und sogar bedeutende Eisenbahn-Fahrten zum Besuche des Friedhofes erforderlich sind. Richtig ist, daß die alten Friedhöfe im Umkrerse der Kirche bei der anwachsenden Bevölkerung zu klein wurden. Dagegen halte ich den angeblichen Gesundheitsgrund nicht für stichhaltig. Em wohlgeordneter Begräbnisplatz kann auch mitten in den Wohnplätzen liegen. Sogar die Brunnen auf dem Friedhöfe oder in dessen Nähe find un­gefährlich, wenn sie nur die gehörige Tiefe haften. Für die modernen Großstädte wäre es i sogar ganz gut, wenn mitten drin ausgedehnte Kirchhöfe lägen. Das wären wirkliche Oasen in ,, der Steinwüste. Auch moralische Oasen im Wellstadtgetriefte. Die Erinnerung an Grab und Tod' ist überhaupt gesund und für den modernen Menschen ganz besonders. Aber wenn nun die Friedhöfe mal „nach draußen" ver­schoben find, so sollte man wenigstens für be­queme und billige Verkehrsmittel sorgen, damit das Volk stete Fühlung mit seinen Toten hatten kann. Die Ruhestätte der Toten ist eine Schule für die Lebenden.

warm ist. , . .. . „ ,

Allerheiligen und Allerseelen — nein, die dürfen nicht getrennt werden, die gehören zusammen, wie im irdischen Getriebe die Jntereffen der höheren und niederen Stände. Gemeinschaft der Heiligen! Dieses geheimnisvolle Wort im Glauftens- lekenntnis wird uns vor die leiblichen sinne geführt, wenn wir am Morgen in der Kirche das Lob der Heiligen fingen und am Nachmit­tag zu den Gräbern wandern, wo die gewöhn­lichen Christenmenschen ruhen im Schatten des Kreuzes, das alle Schuld sühnt und dem guten | Willen den Lohn des Vollbringens sichert. !

Heule gehen wir noch zum Kirchhof. Es | kommt der Tag, wo man alle denselben Weg entlang unsere sterblichen Ueberreste tragen oder ahren wird. O, es schadet nichts, wenn wir fiesen Weg vorher recht genau kennen lernen, wenn wir ihn recht nachdenklich abmeffen. Sterben ist nicht angenehm; aber es muß doch einmal fein. Wir haben nicht die Wahl zwischen Tod und Unsterblichkeit, sondern nur die engere Wahl zwischen einem seligen und unseligen Tode. Und weil wir jetzt noch zum Friedhof pehen und atmen und leben, so besteht noch die Wahlfreiheil für uns. Wir können uns das Glück des guten Todes noch schmieden. Das ist ein lröstlicher, erhebender Gedanke, und wer da redlich und kräftig sagt: Ich will! — der braucht nicht mit gZenktem Kopfe und schleppen­den Füßen zum Kirchhofe zu wandern, sondern er kann sein Haupt erheben und sein Auge leuchte besser in der Hoffnung, daß er auch dort den Frieden finden werde und eine selige Aufer­stehung. Und wenn er sich von den Gräbern seiner Sieben und Bekannten zur Rückkehr wen­det, so ruft er unverzagt: Auf Wiedersehen!

Man nennt die Begräbnisstätte aucb den Friedhof. Dieser Ausdruck wird meistens be­sonders dort gebraucht, wo man die Angelegen­heit „nicht konfessionell" zu behandeln wünscht. Aber der Name ist doch nicht unchristlich. Im Gegenteil: Requiescant in pace, sie mögen ruhen in Frieden! Das ist der stete Wunsch der Kirche. Der Friede sei mit euch, war der Gruß des Auf­erstandenen. Der Friede des Herrn fei immer mit euch, heißt es bei jedem hl. Meßopfer. Herr gieb ihnen die ewige Ruhe, heißt es in Totenge- beten. Ja, der Kirchhof soll ein Hosdes Frie­dens sein, des wahren, vollkommenen Friedens gemäß dem Dichterspruche:

Das arme Herz, hienieden Bon manchem Sturm bewegt. Erlangt den wahren Frieden Erst wenn es nicht mehr schlägt.

Aus die Stürme der Leidenschaften ist Wind­stille gefolgt. Es gibt keine Reibereien und keine Zänkereien, keine Feindschaften mehr. In die stille Gruft bringt kein Aerger, keine Enttäuschung, teilte Sorge mehr. Im friedlichen Schlummer der Auferstehung entgegenharren, das ist Wesen und Zweck des Graftes. In ftiefen stillen Frie- | den werden wir auch noch hineinkommen, wenn wir nur einen guten Tod uns zu bereiten ver­stehen. Diese Aussicht ist für den denkenden Christen wahrlich nicht abschreckend und abstoßend. Darum sollten wir oft und gern zum Friedhof gehen, um uns doi t von dem Geist des Friedens umwehen und durchdringen zu laffen.

Ja, auch belehren und erbauen zu laffen ! Denn da ruht gewiß hier und dort jemand, mit dem wir im Leben zu schaffen gehabt und nicht immer im vollsten Frieden gestanden haben. Es hat Mißhelligkeiten und Verstimmungen, vielleicht sogar Feindschaft gegeben. An dem Grabe werden wir ehrlich sein und gestehen, daß die Schuld nicht immer und nicht allein auf der andern Seite lag, daß auch wir gegen den Frieden gefehlt haben. Mit dem Heimgegangenen können wir uns jetzt nicht mehr aussprechen; aber wir können ihm einen Gruß der Versöhnung und der Liebe in's Grab nachsenden und ein besonderes Vaterunser beten für alle die, mit denen wir jemals in Unfrieden gestanden haben. Und wenn wir dann die Ohren der Seele recht auftun, so wird es uns sein, als ob eine Stimme aus dem Grabe erklänge: Ach, ihr törichten Menschen, die ihr noch im lebendigen Fleische wandelt, ihr wißt nicht, wie unsinnig und häßlich all' eure Rechthaberei, eure Selbstsucht und euer Eigen­sinn, eure Zänkereien und Gehässigkeiten int Lichte der Ewigkeit aussehen. O, wenn ich jetzt wieder­kehren könnte nach den Erfahrungen in der Todesstunde und vor dem Gericht, ich würde euch mit Flammenzungen predigen: Vertragt euch, vergebt euch, haltet Frieden mit einander, liebet euch, wie Gott euch geliebet hat. Sühnt den Frieden, schon ehe ihr zum Friedhof getragen werdet, denn die Liebe macht euch das Erden- leben leicht und das ewige Leben glückselig!

Jetzt «erden wir wieder einmal zu den Kirchhöfen gehen. Ein Herbstspaziergang über welke Blätter. Ein wehmütiges Seiten­stück zu dem Osterspaziergang im frisch auf- gehenden Lenz. Da schwillt und quillt das iunqe Leben, und die weit atmende Brust wird von dem Gefühl erfüllt: Ah, die Welt ist doch schön! Jetzt schrumpft und welkt alles zusammen, und das raschelnde Laub scheint das Wort des alten Königs Salomon zu wiederholen: Eitel­keit ! Eitelkeit! Alles ist eitel.

Nein, nicht alles! Auf dem Kirchhof glanzt das große Kreuz in den Strahlen der Aftend- sinne, ringsherum stehen die Kreuze auf den eins Inen Grabstätten, und das Kreuz ist für den Christen der immergrüne Baum des Lebens. Das Kreuz ruft ihm zu: Selig die Toten, die in dem Herrn sterben. Der Gekreuzigte ist auf­erstanden und die Erlösten werden einst auf» erstehen, wie er. Siehe, der Heimgegangene ist nicht tot, er schläft.

So erscheint der Kirchhof nicht als das boffnungsloseEnde, sondern als die Zwischen­station, die den Uebergang vom mangelhaften Erdenleben zum beffern, ewigen Leben ver­mittelt. Etwas Aufenthalt, etwas Ruhe, eine nächtliche Pause. Und wenn die Weckuhr des jüngsten Tages raffelt, dann geht die herrlichste Morgensonne auf über allen Friedhöfen der Welt, dann blüht neues Leben aus den Gräbern und es wandeln im ewigen Lichte, die in der

Unpolitische Zettläuse.

(Nachdruck verboten )

D Berlin, 29. Okt. 1903,

weiß, ob irgend etwas wahres daran >st. Am 22. b. Mts. haben die Vertreter Oesterreichs und Rußland der Pforte Kenntnis gegeben von den in Murzfieg getrost nen Vereinbarungen. Es wird u. a. verlang. Begleitung des Generalinspekteurs Hilm: Pascha durch österreichische und rvssffche Zioilagentrn, iie die Durchführung der Reformen zu überwachen, Mißbräuche anzuzeigen, auf die Bedurstuffe der christlichen Bevölkerung aufmerksam zu wachen haben ui».: Reorganisation der christlichen Gendarmerie und Polizei durch einen General fremder Nationalität, dem Offiziere der Großmächte beigegeben werden als Kontrollorgane, Organisatoren usw-, eine andere Ab­grenzung der Verwaltungsbezirke zur besseren Grup­pierung der Nationalität, Reorganisation Ver­waltung und der Gerichte und Zulassung von Christen dazu, Einsetzung gemischter Kommissionen zur Unter­suchung der während der Unruhen begangenen Ver­gehen, Anweisung von Geldern zur Unterstützung der Christen Wiederherstellung der von den Türken zer­störten Häuser, Kirchen und Schulen, Befreiung der zurückgekehrten christlich-n Bevölkerung der zerstör! en Dörfer von der Steuer für ein Jahr, Verpflicht»! g der Pforte zur sofortigen Durchführung aller Reformen, auch der später fi* als notwendig erweisenden, Ver­hinderung der Bildung von Baschibozukbandeu. Die Pforte scheint in der Hoffnung auf enghsche Unter­stützung nichts tnn zu wollen. Die beiden Mächte dürften ihr indeß wohl »eigen, daß es doch enduch Ernst wird. u .

In Kanada bat die Entscheidung der Schieds­gerichts in der Alaskagrenzfrage ungemein verstimmt, auch gegen England, dem man vorwirft, sein Ber­ti eter ü< dem Schiedsgericht habe Kanada preis­gegeben, um die Gunst der Bereinigten Staaten sur England zu gewinnen. Es wird behauptet, die Ver- tretet Kanadas hätten ihre Unterschrift auch deshalb verweigert, weil ihnen Entscheidunge' oorgelcgt wurden, über die sie gar nicht geftagt worden waren, die vielmehr der englische Vertreter mit den Ameri­kanern allein ausgemacht batte. Uebfigevs scheint die Grenzstreitftage noch gar incht ent g-liig aus o-r Welt geschafft zu sein; in ^r Landgrenze soll eine Lücke von 120 englischen Meilen unbestimmt gelassen worden sein, weil nach Behaupiung der Amerikaner diese Strecke kartographisch noch nickt festgelegt sen Außerdem oll die Berggrenze nur sehr oberflächlich gezogen worden sein. Sollte in jenen Gegenden Gold gefunden werden, fo gibt die Ungenau,gkeit der Grenze Anlaß zu neuem Streite. Die Verstimmung ßer Kanadier scheint auch den Zollplänen Chamber­lains einen schweren Stoß versetzt zu haben.

flllda, Samstag, den 31. Oktober 1903.

befleißigen. .

In Bayern sanden die Etatsdebatten tn der zweiten Kammer am Dienstag ihren Abschluß. Sie bewegten sich vorzugsweise aus konfessionellem und parteipolitischem Gebiete, wobei die heftigen Angriffe der Liberalen und Protestanten gegen das Zentrum und die Katholiken durch mehrere Zentrumeredner kräftig zurückgewiesen wurden. Ministerpräsident Frhr. v. PodwilS erklärte daS Verhältnis Bayerns.zum Reiche für vortrefflich, die Poli-ik der Regierung stehe über den Parteien und Konfessionen; e verurteilte scharf die Schamlosigkeit in Schriften und Bildern, die sich besonders in München breit mache und mahnte zur Mitarbeit am inneren konfessionellen Frieden

In Sachsen besteht die zweite Kammer nach den jetzt staltgefundenen Abgeordneteawahlen aus 56 Kon­servativen, 23 Nationalliberalen, 1 Witdliberalen, 1 DeutsckfreifiNnigen und ein Reformparteilcr. Die So­zialdemokraten haben kein Mandat erhalten.

Der erste deutsche Arbeiterkongreß der nicht-sozialdemokratischen Arbeiterorganisationen tagte am Sonntag und Montag in Frankfurt a. M. Die anwesenden Vertreter von 620,000 organisierte« Ar­beitern nahmen fast einstimmig Resolutionen an, in welchen hauptsächlich Sickerung und Erweiterung des Koalitionsrechtes, freies Bersammlungsrecht, Rechts­fähigkeit der Bsrufsvereine und dergl. gefordert wur­den. Der Kaiser dankte auf ein an ihn gerichtetes Huldigungstelegramm in warmen Wv'ten und ver­sprach den Arbeitern seinen Schutz und Beistand.

In Ungarn hat Graf Stephan TiSza die Neu­bildung des Kaöineis übernommen. Er wird aller­dings betreffs der Bestimmung der Arme-sprache mit den Lib-ralen noch seine Schwierigleiten haben; doch hofft er, alles auf friedlichem Wege zu erledigen. — In der vorigen Woche fand in Budapest der vierte ungarische Katholikentag statt. ,

In Frankreich sind in voriger Woche die Kam­mern wieder zusammengetreten. Comber erhielt seitens oer Deputiertenkammer ein Vertrauensvotum und er­ging sich wieder von neuem in Ausfällen gegen die Klerikalen. Am Mittwoch traf der russische Minister des Auswärtigen Graf Lamsdorff zu Besprechungen

wochen-Rundschau.

□ Fulda, 31. Okt. 1903.

(Nachdruck verboten.)

Die dreitägige Beratung der Finanzmin'.ster in Berlin ft.it offenbar zu keinem nennenswerten Posi­tiven E'gebnis geführt. Die ,No:dd. Allg. Zig." er­klärte offiziös, förmliche Beschlüsse hätten der Natur der Verhandlungen gemäß nicht gefaßt werden können, und es lasse fick zur Zeit nicht Mitteilen, _in welcher Richtung die Ergebnisse der Konferenz sich bewegen wurden. Die Beratung habe ausschließlich dem Mei­nungsaustausch über die Finanzierung des Etats für 1904, sowie über Anregungen zur Abstellung von Mängeln gegolten, die fich in den zur Zeit geltenden finanzaesetzlichen B stimmungeu dcS Reichs bemerklich gemacht hätten. Größere Steuervorlagen waren nicht Gegenstand der Beratung.

Für die bevorstehenden preußischen Landt agS- wahlen hat die Zentrumspartei in der Rheinprovinz und'Westfalen die Kandidaten nominiert. Im allge­meinen dürfte der Aufmarsch der Parteien für beendet gelten. In Oberschlefien wollt- bte Geistlichkeit eine Erklärung an die Wählet erlassen, die sich entschieden für das Festhalten am Zentrum ausspricht. Dies be­nutzte der Gornoslazak, um bei Gelegenheit der Ver­öffentlichung dieser Erklärung heftige Ausfälle gegen die beteiligten Geistlichen und das Zentrum loszulasien. Wie sich das leider so verhetzte polnische Bvlk dazu stellen wird, werden wohl die Wahlen zeigen.

Auf der gegenwärtig in Berlin tagest en protestan­tischen Generalsynode ist zum ersten Male auch über den Evangelischen Bund berichtet worden, redoch mit der Einschränkung, daß der Berichterstatter fich jeden Angriffs aus die Gegner deS Bundes ent­halte. und keine Erörterung und Beschlußfassung an den Bericht geknüpft roe-be. Darüber war der Bund sehr unzufrieden und griff deshalb die ,Kr uzztg.' an, welche gesagt hatte, ein Bericht über den Buno g ’böre überhaupt nicht auf die Generalsynode, und der Bund möge, statt gegen Rom zu Hetzen, den Unglauben und Halbglauben bekämpfen und fich eines besseren Tones

ver Abschluß eines arimungsmätzigen Lehrvertrages

im Handwerk läßt noch viel zu wünschen übrig. Mit Recht hat der Gesetzgeber bei der Neu­regelung der Lehrlingsr echältniffe im Handwerk diesem Gegenstände seine besondere Sorgfalt zu­gewandt, aber die abgeschlossenen Verträge ent­sprechen vielfach in keiner Weife den gesetzlichen Anforderungen. Die gesetzlichen Bestimmungen über den Lehrvertrag find kurz folgende:

Nach Ablauf einer Probezeit, welche mindestens vier Wochen, höchstens 3 Monate betragen soll, mutz der Lehrling bezw. sein Vater ober Vormund mit dem Lehrherrn einen schriftlichen Lehrvertrag ab- schließen. Gehört der Lehrherr einer Innung an, so muß der Lehrvertrag schriftlich vor der Innung ge- I tätigt werden, oder dieser wenigstens binnen vierzehn Tagen eine Abschrift zc gestellt werden. Bei vor­zeitiger Beendigung des LehrverhältmffeS kann io= wohl vom Lehrherrn wie vom Lehrling em Anspruch auf Entschädigung nur dann geltend gemacht werden, wenn der Lehrvertrag scknftlich abgeschlossen war. Bezüglich seines Inhalts n.uß bet Lehrvertrag ent­halten : bie Bezeichnung des Gewerbes ober deS Zweiges ber gewerblichen Tätigkeit, tn welchem bte Ausbildung erfolgen soll, Angaben über bte Dauer der Lehrzeit, Angaben über bie gegenseitige« Leistungen (Kost, Verpflegung, Kleibung, Lehrgelb), sowie bie gesetzlichen und sonstigen Voraussetzunge«, | unter welchen eine einseitige Auflösung bes Vertrages zulässig ist. Der Lehrvertrag ist von bem Lehrherrn ober seinem Stellvertreter, von bem Lehrling Ur» dessen gesetzlichen Vertreter zu unterschreiben und m einem Exemplar dem letzteren auszuhänbigen. ^Dec Lehrherr ist De> pflichtet, auf Ersuchen auch ber OrtS- polizeibehörbe ober ber Handwerkskammer den Vor­vertrag einzureichen.

Die Handwerkskammern haften nun besondere I Lehrvertragsformulare hergestellt, ebenso haben 1 die Jmmngsverftände solche herausgegeben, welche

■