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fulda, Samstag, den 31. Oktober 1903.

30. Jahrgang

M 250

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nicht rütteln ?* fragte die

der Landesherr hat dieses Man könnte nur dann mit

»Und daran läßt sich Baronin entrüstet.

„Gesetzlich nicht, denn Familienstatut genehmigt.

einiger Aussicht auf Erfolg dagegen protestieren, wenn bewiesen würde, daß Baron Kurt das Majorat schlecht verwaltet und das Jntereffe der Familie gröblich ver­letzt bave, um sich selbst Vorteile zu verschaffen; dieser Beweis wird aber schwer zu führen sein."

„Welche Ungerechtigkeit! So würde Dagobert, wenn er jetzt heimkehrte, noch zwei Jahre unter der Vormundschaft seines Onkels bleiben?"

„Daran würde sich nichts ändern lassen", erwiderte Hermann mit bedauerndem Achselzucken; „jede Ma­jorats-Familie hat ihre vom Landesherrn sanktionierten Gesetze, die sich auf gerichtlichem Wege nicht anfechten laffen. Ich würde Dagobert in diesem Falle raten, wieder abzureisen und die beiden Jahre im Auslande zu verbringen, die nötigen Geldmittel müßte Baron Kurt ja aus den Einkünften des Gutes hergeben, nach Ablauf dieser Frist kann die Uebrrgab? des Majorats nicht länger verweigert werken, vorausgesetzt, daß Dagobert bis dahin seine Ehre von jedem Flecken rein gehalten hat."

„Und ich würde ihm raten, hier zu bleiben und den Kampf mit seinem Vormunde aufzunehmen", sagte die Baronin mit wachsender Entrüstung.

„Was würde dabei herauskommen, Adelgunde? Nur Aerger, nichts weiter. Dagobert ist auch eine leidenschaftliche Natur, er hat dieses unalückliche Tem­perament von Dir geerbt, zwei harte Steine mahlen

Dcrs Majorat.

Roman von Ewald August König.

------ (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung aus dem dritten Blatt.)

7. Kapitel.

Doktor Hermann Steinfelder war so sehr von seiner Praxis in Anspruch genommen, daß ihm kaum mittags nach Tisch ein Stündchen verblieb, das er mit seiner Schwester verplaudern konnte.

Sie hatten sich auch heute in das Zimmer der Baronin zurückgezogen, um über die Zukunft zu be­raten, denu daß es nicht so bleiben konnte, wie es jetzt war, das wurde ihnen beiden mit jedem Tage klarer.

Baromn Adelgunde wurde immer ungeduldiger, sie tmmte nicht einsehen, daß ein Prozeß gegen ihren Schwager aussichtslos sei, sie betrachtete es als ihre .v?*' Sohne das Erbe zu wahren und zu- gleich für rede Unbill, die ihr und ihm angetan worden war, Vergeltung zu üben. Daß sie das nicht sofort »nute, war ihr im höchsten Grade ärgerlich; sie be- fchwerte sich auch jetzt wieder bitter darüber.

„Ich habe die Akten und Familienstatuten nochmals studiert, und ich wiederhole Dir, wir können nichts wachen," sagte Hermann, während er den Zucker in Taffe zerrührte. _ „Du hast nur das einzige riecht, eise standesgemäße Wohnung im Herrenhause «d eine Jahresrente zu fordern und, fo peinlich es Dir auch sein mag, mit Deinem Schwager zusammen- Mwrchnen —"

„Nimmermehr!" fuhr sie leidenschaftlich auf.

„Wohlan, reden wir nicht mehr davon; ich wollte Dir nur einen guten und wohlgemeinten Rat geben." „So sprich Dich aus", sagte sie ungeduldig.

„Den Rat, diese Wohnung zu fordern und zu be­ziehen und damit Deine Rechte zu wahren. Wir dürfen ja nun hoffen, daß Dagobert noch unter den Lebenden »eilt und zurückkehren wird —"

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verantwortlicher rchriftlettenZos^anw aK'Ä'si»«. wocheicheilage: „Illustrierte 8omNagszett«ng

Deutscher Reich.

Berlin, den 30. Oktober 1903.

Minister Budde hat an die Eisen- oahndirektionen folgenden Erlaß gerichtet: „Ar-s Anlaß der bevorstehenden Landtags- wählen verweise ich die Königlichen Cisenbahn- »neutonen ans einen Erlaß vom 19. Juni 1903, w dem ich die Unwahrheit der in sozialdemo- mittschen Zeitungen und Flugblättern ver- oreitetm Behauptung, ich wünschte, daß die Eisenbahnbediensteten sozialdemokratisch »ählen möchten, ausdrücklich festgestellt habe." — Der .Vorwärts' bemerkt dazu, so etwas habe natürlich niemand ernstlich behauptet, und druckt dann recht fett die von dem Minister am 34. Februar d. Js im Reichstag getane Aeuße- rung wieder ab: „Die Bediensteten können wählen, wie sie wollen, auch Sozialdemokraten, dagegen habe ich gar nichts." Der.Vorwärts' hat an diese Aeußerung s. Z. bekanntlich die Aufforderung an die Eisenbahnangestellten ge= knüpft: „Wählt Sozialdemokraten! Der Minister will es!" Gewiß hat die Redaktion das nicht ernstlich geglaubt und vielleicht auch nicht im Ernste behaupten wollen. Aber viele Leser ver­standen den „Scherz" offenbar nicht, sondern nahmen ihn ernst, und das war wohl auch die geheime Absicht des .Vorwärts.

** Der Wechsel im Präsidium des Neichs- gerichtes hat auch die alte und dringliche Frage der Ueberlastung des höchsten deutschen Ge­richtshofes wieder zur öffentlichen Erörterung ge­bracht. Einen Ruf nach Abhilfe läßt soeben der Ober-Reichsanwalt Dr. Olshausen in der .Deutschen Juristen - Ztg.' erschallen, indem er speziell die Ueberbürdung der Strafsenate nach­weist. Jntereffant, aber betrübend ist seine Be­merkung, das gewaltige Anschwellen der neu ein- kiufenden Revisionen im Jahre 1902 (um rund 10Ö0!) lasse mit Sicherheit auf eine große Stei­gerung der Kriminalität im Jahre 1901 und auch "och 1902, für welche Nachweise in der Krimi­nal-Statistik bisher noch nicht vorliegen, schließen. Olshausen sagt: „Dieser Entwickelung hinsichtlich der Erledigung der Strafsachen beim Reichsgerichte kann man nicht ohne Besorgnis entgegensehen. Niemand, kein Einzelner, keine Partei, keine Justiz­verwaltung kann es für gleichgiltig oder auch nur als eine Sache minderer Bedeutung ansehen, wenn die endgilüge Erledigung der beim Reichs­gerichte in die Revisions - Instanz gelangenden Strafsachen so lange hinausgezogen wird, wie es geschehen muß, falls nicht Wandel geschaffen wird." _ tSJ. Die ,Allg. Ev. Luth. Kirchenztg.' hatte Professor Ladenburg, dem wirklichen oder vev meintlichen Kaffeler Gottesleugner, vorgeworfen, daß er vor „etlichen Jahren" bei der Ueber-

auch gestattet, daß Reisende mit direkten Fahrkarten zur ununterbrochenen Fortsetzung der Fahrt von einem V-Zug auf einen anderen V-Zug übergehen können, ohne genötigt zu fein, eine neue Plotzkartengebühr zu zahlen. Voraus­setzung ist, daß der Uebergang auf dem Bahn­hofe erfolgt, auf dem der vorher benutzte V-Zug verlassen ist. In Berlin find wegen der dortigen eigenartigen Verhältniffe nach wie vor stets neue Platzkarte« zu lösen.

/ Genosse Mehring krakehlt in der .Leipziger Volkszeitung' die Vorwärts-Redakteure Eisner und Gradnauer in seiner bekannten liebenswürdigen Manier abermals an. Die ruhige, sachliche Erwiderung der beiden auf seine Schrift nennt er ein „verleumderisches Pasquill" und nochmals erklärt er, daß er „diesen neuestens an mir probierten Strich" in der zweiten Auflage feiner Schrift „aufdecken" werde. Die Ange­rempelten scheinen sich nicht allzusehr vor dieser ihnen angedrohten Abschlachtung zu fürchten. Sie würdigen ihn weiter keiner Antwort, als daß sie bemerken, die,Leipz. Volksztg.' habe aus ihrer Erklärung außer einem kurzen Satze nichts mit­geteilt. Mit der sozialdemokratischen Frankfurter ,Volksstimme' hat Mehring ebenfalls einen Krakehl wegen feiner Schrift. Das Blatt bleibt dem litterarischen Raufbold die Antwort aber nicht schuldig, sondern trumpft ihn gehörig ab. — Ob der Parteivorstand nicht bald zu der Einsicht kommt, daß er im Jntereffe der Partei den permanenten Ränkereien und Klopffechtereien des „psychologischen Rätsels", das dabei immer mehr blosgestellt wird und somit auch die Partei bloß­stellt, ein Ende machen müßte?

: Entgegen den Verschleierungsoersuchen des .Vorwärts' hält der ,Hann., Kour.' seine Mitteilungen über die Hildesheimer sozial­demokratische Versammlung aufrecht. In Übereinstimmung mit dem .Hann. Kour.' haben sämtliche Hildesheimer Blätter über den Vorfall berichtet, daß Redakteur Leinert sagte, die Ge­noffen hätten unter der bürgerlichen Partei viele falsche Freunde, welche des Geschäftes halber mit der Sozialdemokratie sympathisierten. Diese Freunde könne man am Wahltage erkennen; sie sollten dann gezwungen werden, für den Sozial­demokraten zu stimmen. Sei dies auch Terroris­mus, fo sei er doch gesund; von der anderen Seite werde es nicht bester gemacht.

** In der neuesten Nummer der soziali­stische« Monatshefte^ beschäftigen sich die Genoffen Bruhns und Bernstein mit der Frage der Landtagswahlen. Der erstere meinte, es sei unwahrscheinlich, daß die Sozial­demokratie diesmal schon ein Mandat zum preußi­schen Landtage aus eigener Kraft erobern werde. Der letztere beschäftigt sich besonders mit dem Freisinn und kommt zu dem Ergebniffe, daß der Freisinn ein ganz unzuverlässiger Bundesgenosse im Kampfe gegen die Reaktion sei. Sein Artikel schließt: „Ehe die Sozialdemokratie von solchen Reaküonsbekämpfern irgendwelche Schwächung der Reaktion erwartet, wird sie es auf die Wider­standsfähigkeit des halbfeudalen Bülow gegen die schlecht, es könnte zwischen Onkel und Neffe zu einer Katastrophe kommen, die das Leben Dagoberts für immer vergiftete. Ich habe oft und lange über das alles nachgedacht; ich sehr nur einen Weg, auf dem eine Lösung dieses Familienzwistes möglich wäre, die alle befriedigen könnte. Baron Kurt hat eine schöne und liebenswürdige Tochter —"

„Nicht weiter, Hermann!" unterbrach sie ihn mit zornblitzenden Augen, „niemals würde ich dieser Lösung meine Zustimmung geben. Ich kenne die junge Dame nicht, aber ich hasse sie schon deshalb, weil sie die Tochter des Mannes ist, der mich um zwanzig Jahre meines Lebens betrogen hat. Nein, lieber will ich das Kmd eines braven, unbemittelten Bürgers als meine Schwiegertochter anerkennen."

„Dagegen ließe sich ja auch nichts einwenden, wenn gegenseitige Liebe die beiden Herzen verbindet. Ich habe diese Idee nur angeregt, w.il ich sie als die glücklichste Lösung betrachte."

„Und Du weißt nicht einmal dabei, ob Dagobert nicht schon verheiratet ist," spottete sie. „Warten wir Überdies seine Rückkehr ab, die Mitteilungen meiner alten Dienerin haben nur eine schwache Hoffnung in meiner Seele geweckt, der Himmel weiß, ob sie sich erfüllen wird."

Ein schwerer Seufzer folgte diesen Worten, der Advokat, der in Nachdenken versunken war, achtete nicht auf diese Klage eines sorgenvollen und beküm­merten MutterherzenS.

„Rittmeister v Schwind kommt auch nicht", nahm sie nach einer Panse wieder das Wort, „er scheint schon vergessen zu haben, was er in einer weinseligen Laune Dir gesagt hat.

Hermann blickte auf, langsam fuhr er mit der Hand über seine Stirne, dann rückte er lächelnd an feiner goldenen Brille.

„Habe ich Dir denn nicht gesagt, daß ich heute vormittag ihm begegnet sei?" fragte er.- „Er war im ersten Augenblicke verlegen, dann rückte er lachend mit der Wahrheit hera»s —'

ostelbifchen Agrarier und die sozialpolitische Ent­wickelungsfähigkeit des konservativen Grafen Posadowsky gegenüber dem kapitalistischen Man­chestertum ankommen laffen können." Genoffe Bernstein scheint mehr Vertrauen zu dem Grafen Bülow und dem Grafen von Posadowsky zu hegen als zu Eugen Richter. Dies „nicht ganz unintereffante Zeichen der Zeit" freut natürlich die .Deutsche Tagesztg.' ungemein.

** Berlin. 30. Okt. 1903. Der Minister deS Innern Frhr. v. Hammerstein roiib am nächsten Montag in Wiesbaden eintreffen. Wie angenommen wird, hängt seine Anwesenheit mit den Sicherheits­vorkehrungen zusammen, die aus Anlaß der bevor­stehenden Monarchen-Zusammenkunft in dortiger Stadt geplant werden. — Die deutsch-schweizerischen Handelsvertragsverhandlungen stehen vor dem Abschluß der ersten Lesung. Die zweite Lesung wird erst im Dezember erfolgen, vermutlich wieder in Berlin. — Dem päpstlichen Protonotar di numero Monsignore Joseph Wilpert wurde vom Kaiser der Stern zum Kronenorden 2. Klaffe verliehen, nach den fürdie Verleihung dieses Ordensgrades üblichen Grund­sätzen eine besondere Auszeichnung. — Professor Theo­dor Mommsen ist heute Morgen an einem sehr schweren Schlaganfall erkrankt. Der Kranke ist bewußtlos, die linke Seite gelähmt. Die behandelnden Aerzte, darunter Mommsens Sohn, haben wenig Hoff­nung auf Erhaltung des Lebens. Theodor Mommsen hat am 30. November sein 85. Lebensjahr vollendet. Bis in die letzten Tage war er mit wissenschaftlichen Arbeiten in gewohnter Weise beschäftigt. — Die ,Nordd. Allg. Ztg.' schreibt zum morgigen vierzig­jährigen Regierungsjubiläum des Königs von Griechenland: „Der nun der Vergangenheit angehörende Abschnitt seiner Regierung war auch für Griechenland eine Epoche des Werdens und RingenS, während deren Verlauf der König stets das Beste deS Volkes im Auge behielt und seine Bestrebungen auf die mögliche Erfüllung nationaler Wünsche der Hellenen richtete. Gegenüber der jüngsten Krisis im Orient hat der König eine weise Mäßigung an den Tag ge­legt, die zur Begrenzung der mazedonischen Bewegung nickt unwesentlich beigetragen hat. Den zahlreichen Glückwünschen, die dem König und seinem Hause dar­gebracht werden, das durch die Vermählung der Prin- zeffin Sophie von Preußen mit dem Kronprinzen Kon­stantin zu unserem Herrscherhause in nahe verwand- schaftliche Beziehungen getreten ist, schließen wir in Ehrerbietung Die unseren an mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es dem hohen Jubilar beschieden fei, noch langeJahreseinBolk auf aufsteigender Bahn zu leiten."

* Kassel, 30. Okt. 1903. Der Vorstand der konservativen Panei für Hessen und Waldeck hat den Nationalliberalen einen Scheidebrief zugehen laffen in folgen­der Erklärung: „Die nationalliberale Partei hat auf ihrem Parteitage in Hannover die rechtsstehenden Parteien so schroff und rücksichts­los bekämpft, und ebenso haben die einzelnen Führer derselben, insbesondere in Mannheim. Köln und Berlin, eine so verletzende und provo­katorische Haltung uns gegenüber eingenommen, daß wir zu unserem Bedauern nicht mehr mit ihr zusammengehen können. Nachdem nun noch dazu diese Partei in mehreren Wahlkreisen mit der freisinnigen Vereinigung, die sich nicht scheut, mit den Sozialdemokraten zu paktieren, ein Wahlbündnis abgeschlossen hat, ist es uns un­möglich, mit den Nationalllberalen weiter zu- sammenzugehen."

* Dresden, 30. Okt. 1903. Das ,Dresd. Journ.' schlecht: In einigen Blättern befindet

„Er wird doch nicht fürchten, daß ich jetzt noch seiner Ruhe gefährlich werden könne?"

„Je nun, möglich wäre daS immerhin!"

„Wir find beide zn alt geworden", sagte sie, daS noch immer schöne Haupt wiegend. „ES ift wahr, ich habe ihn leidenschaftlich geliebt. Jene Zeiten find vorbei, sie können nicht wiederkchren. Wenn er jene Befürchtung ausgesprochen haben sollte —"

„Nickt doch, Adelgunde, der Grund feines bis­herigen Nichterscheinens ist sehr prosaischer Natur. Er wollte fich zuvor einen neuen Anzug anfertigen laffen."

Baronin Adelgunde konnte daS Mißbehagen, daS diese Enttäuschung chr verursachte, nicht ganz verbergen.

„Das ist der einzige Grund?" fragte sie, während ihre feinen Hände ein halbv erwecktes Blatt zer­pflück en, das sie von den üppig wuchernden Pflanzen d-S Blumentisches abgelöst hatte.

„Der einzige, rote er mir erklärte", nickte der Bruder. „Aber da der Anzug nun fertig ist, wird Herr v. Schwind mit seiner schönen Tochter heute nachmittag die Aufwartung machen."

In den dunklen Augen Adelgundes leuchtete eS ftendig auf.

„Wird er auch Wort halten?" fragte sie zweifelnd.

„Es liegt ja jetzt kein Grund mehr für ihn vor, fich zu halten, und nachdem er mir gegenüber so offen gewesen ist, glaube ich auch, seinem Versprechen ver­trauen zu dürfen. Du wirft De nen Gästen eine Taffe Kaffee oder ein Glas Wein anbiet en, je nachdem sie ftüher oder später kommen, ich finde mich dann auch ein "

„Um den Rittmeister ober dessen schöne Tochter zu begrüßen?" fragte sie, einen scherzenden Ton an­schlagend.

„Beide, Adelgunde", erwiderte er, das Antlitz ab- wendend, um ihrem prüfenden Blick ausznweichen.

„Du liebst Leontine v. Schwind!"

„Ich habe sie nur einmal gesehen", sagte er, sicht­bar be-angen, „ist es möglich, daß in solchem kurzen Augenblick die Siebe erwachen kann?"

fiedelung von Kiel nach Breslau in Leipzig „ab­gestiegen" fei, sich (so en passant) habe taufen laffen und nun schwerster Verunglimpfungen der christlichen Religion sich erdreiste, zu der er selbst erst den Zutrüt gesucht habe. Heute veröffent­licht das Leipziger Kirchenblatt eine Zuschrift des reformierten Pfarramtes Leipzig (gez. Dr. Mehl­horn), in welcher es heißt, nach dem Taufbuche sei Ladenburg (Professor in Breslau) schon 1889 (also vor 13 Jahren), im reifen Alter von 47 Jahren in Gegenwart von vier Zeugen durch Pastor Dr. Dreydorff in der Leipziger evange­lisch-reformierten Kirche getauft worden. Er sei zu diesem nicht auf der Durchreise gekommen, sondern ausdrücklich zum Zwecke der Taufe von Berlin hergereist; vor dieser habe Pastor Dr. Dreydorff mehrere Besprechungen mit ihm gehabt, denen die Bergpredigt zu gründe lag; bei der Taufe habe Prof. Ladenburg folgende Frage des Konfirmationsformulars mit „Ja" beantwortet: „Wollt Ihr von ganzem Herzen den segensreichen Glauben der Chrinen mit uns bekennen — — den Glauben an Gott, an Christus und an den heiligen Geist?" Die Zuschrift verfolgt offen­bar den doppelten Zweck, das reformierte Pfarr­amt gegen den Vorwurf übereilter Konversion und Prof. Ladenburg vor dem weiteren Vor­wurf zu schützen, er habe das Christentum ver- nnglimpft, nachdem er kaum erst Christ geworden sei. Die ,Evang.-Luth. Kirchenztg.' meint dagegen, ob auf der Durchreise, oder in Form eines Abstechers von der Reise nach Breslau, darauf komme es nicht an; die Zuschrift bestätige nur das Flüchtige bei einem so hochernsten Schritte. In der Bergpredigt, über die man sich besprochen habe, komme das Schibboleth des christlichen Glaubens mit keiner Silbe vor. Nun werde beinahe verständlich, warum der bisherige Jude seinen „Abstecher" gerade nach Leipzig machte.

— Um Erhebungen über das Hand­werkergesetz vom 26. Juli 1897 anzustellen, find unter Mitwirkung des reichsstatistischen Amtes und unter Zuziehung von Sachver­ständigen aus Handwerkerkreisen sieben Frage­bogen ausgearbeitet, die den freien Innungen, den Zwangsinnungen, den Jmmngsausschüffen, den Jnnungsverbänden, denhöheren Verwaliungs- behörden und den Landeszentralbehörden zur Beantwortung zugingen. Als Stichtag für eine Reihe zahlenmäßiger Angaben war in diesen Fragebogen der 25. Oktober dieses Jahres ge­wählt worden. Die Fragebogen im ganzen sollen aber erst beantwortet uno eingeschickt werden im nächsten Jahre, weil für manche Ein­richtung, die das Handwerkergesetz mit fich ge­bracht hat, die abgelaufene Zeit noch zu kurz ist, um bisher ausreichende Erfahrungen zu sammeln.

*# Nachdem in letzter Zeit eine erhebliche Vermehrung der v-Züge auch bei außer­preußischen Eisenbahnen stattgefunden hat, sind von dem Deutschen Eiseubahn-Verkehrsverband neue einheitliche Bestimmungen über die Be­nutzung dieser Züge erlassen, die für alle deut­schen Msenbahnen gelten und am 15. d. M. in Kraft getreten find. Hiernach ist u. a. nunmehr

„Wenn vas nur bald geschähe!"

„Es macht nichts aus, wenn es auch erst nach zwei Jahren geschieht! In dem Familienstatut der Darboren findet sich ein seltsamer Passus. Wenn der Majoratsherr einen minderjährigen Erben hinter­läßt. so soll diesem Erben erst nach Ablauf seines dreißigsten Lebensjahres das Majorat übergeben wer­den; es läßt fich mit Sicherheit erwarten, daß sein Schwager von diesem Paragraphen den umsaffendsteu Gebrauch machen wird."

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