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Jahrgang.

fllldü, Donnerstag, dm 29. Oktober 1903.

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NeuKches Zesch

gesetzt, in dieser Beziehung billigen Anforderungen entsprechen und bei einem Vergleich mit anderen ähnlichen Unternehmen nicht zu kurz kommen dürfte. Von selten der Versammlung wurde der Vorstand beauftragt, die Möglichkeit der Ein­führung einer Altersrente in Erwägung zu ziehen, und darauf gelangte das Statut nach vierstün­diger, angestrengter Beratung zur einstimmigen Annahme. Es ist zu hoffen und zu wünsch«!, daß die Penfionskaffe nun durch den Beitritt der ihr noch nicht angeschloffenen katholischen Redakteure bzw. Verleger eine erhebliche Ver­stärkung ihrer Mitgliederzahl erfährt und ihr auch mit Rücksicht auf den Ergänzungsfonds, die Sympathien weiterer Kreise erhalten bleiben, da­mit sie in die Lage kommt, ihre Rechtsleistungen in der Weise zu verstärken, die dem Zwecke, den Angehörigen der katholischen Presse bei Jnoaü- dität oder Tod eine angemeffe Hilfe zu leisten, entspricht.

l*$tieee: vie «m stetige petttzekl« oder deren Baum 15 Pfg. Reklamen die petitzeitt 25 pfg; dei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt -ewätzrt.

druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckeret iu Zulda (Harmonie) zerusprecher Br. 9.

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vKtoÄ«- lvochenbeNag«:„IllustrierteZonntagszeitung

Berlin, den 28. Oktober 1903.

\ Mit dem 31. März 1904 läuft bekannt­lich das sogen. Quinqueunat ab. Es wurde bisher allgemein angenommen, daß die Militär- Verwaltung noch in dieser Session des Reichs­tages eine neue Vorlage einbringen werde, in der erhebliche Verstärkungen des Heeres, insbesondere Hur Vermehrung der Kavallerie und zur Errich­tung dritter Bataillone bei den Infanterie-Regi­mentern mit 2 Bataillonen, gefordert werden würden. Nunmehr wallen aber die,Berl. N. N.' mit Sicherheit erfahren haben, daß dem Reichs­tage in dieser Session eine Militär-Vorlage, die sich in dieser Richtung bewegt, nicht vorgelegt werben soll. Zwar sei die Notwendigkeit jener beiden Forderungen militärisch nachgewiesen, je­doch hinter Erwägungen zurückgetreten, welche teils auf parlamentarischem, teils auf finanziellem Gebiete liegen. Dementsprechend wären deshalb auch jene Forderungen nur zurückgestellt worden, um im nächsten Jahre eingebracht zu werden. Dagegen soll vom 1. April 1904 ab neben dem neuen Pensions-Gesetze die fehlenden Oberstleut­nants bei den Stäben der Infanterie-Regimenter zu 2 Bataillonen eingestellt und außerdem noch verschiebe»« kleine Forderungen „ohne prinzipielle Bedeutung- erhoben werden. Es würde sich also diesmal um ein Kompromis innerhalb der in Betracht kommenden Regierungs - Faktoren han­deln, und zwar um ein solches „auf Zeit"; denn es handelt sich dabei nur um eine Verlegung auf das nächste Jahr. Die Bestätigung bleibt abzu­warten.

[§] Liberale Blätter warten wieder auf mit Beispielen „ungeheuerlicher" Wirkungen der Drittel««- der Landtagswähler nach den einzelnen Urwahlbezirken. In dem einen Berliner Bezirke sind für die erste Abteilung 216274 M., für die zweite 18624 M. Steuern nötig; in anderen wählt man mit 18 M. in der ersten, mit 12 M. in der zweiten Abteilung. Der Reichskanzler wählt mit seinem Kutscher in der dritten Abteilung. „Unerhört", „ein wahres Zerrbild des Wahlrechts" usw.! Wir können nur wiederholen: Diese Wirkung der Drittelung nach den einzelnen Urwahlbezirken war beab­sichtigt. Das plutokratische Wahlrecht sollte da- vnrch gemildert werden, daß auch Minderbe- mütelten ermöglicht werde, in die erste ober zweite Abteilung zu kommen. Eine Gesetzes­bestimmung, die so zweckentsprechend wirkt, abzu- ändern, liegt gar kein Grund vor. Das Zen­trum, auf dessen Antrag sie eingeführt wurde, wird jedenfalls in die Aenderung nicht ein­willigen. Uebrigens kamen ähnliche Ungleich­heiten auch schon vor, als noch nicht nach Ur­wahlbezirken gedrillt wurde. Warum denn also jetzt so viel Lärm darum? Die Liberalen, die Freunde des Reichstagswahlrechtes sem wollen, sollten es doch ganz billig finden, daß der Reichs-

* Rom, 28. Okt. 1903. Der König em­pfing heute vormittag ©iolit’ti. Hiermit be­stätigt es fich, daß Giolittt den Auftrag zur Bildung des Kabinetts annimmt. Man glaubt, daß die Krise eine rasche Lösung finden werbe.

* Bilbao, 28. Okt. 1903. Bei den gestrigen Unruhen wurde eine Frau getötet und 15 Personen verletzt, darunter 6 schwer. Etwa 300 Schüsse wurden abgegeben.

* Budapest, 28. Ott. 1903. Die Blätter melden, Finanzminister Lucaks werde imKabinet Tisza das Finanz-Ressort behalten. Unter Umständen würden auch Justizminister Plorz undHonvedminister v. Kolozsvary ihre Porte­feuilles behalten. Das Ministerium des Innern werde Hieronymi, das Kultusministerium Berzeviczy übernehmen. Als voraussichtlicher Ackerbaumirister wird Graf Szechenyi ober Majlath genannt. Zum Minister für Kroatien foll der frühere Minister Cf eh ausersehen sein.

* Petersburg, 28. Ott. 1903. Wie aus Port Arthur gemeldet wird, entdeckte die dorttge Polizei, daß zwei Japaner in Port Arthur einen Chinesen, angeblich ihren Schuldner, auf's Schwerste mißhandelten. Er wurde von ihnen, um ihn zur Unterzeichnung eines Schuldscheins zu zwingen, in der Wohnung bei dürftiger Nahrung gefangen gehalten und täglich mißhandelt. — Das in Port Arthur er­scheinende ruffische Blatt,Nowy K.rai' schreibt nun: Die russischen Truppen verbleiben in der Mandschurei bis die Angelegenheiten des fernen Ostens gemäß der Anschauung Ruß­lands entschieden sind. Gerade jetzt ist für Rußland der Moment angebrochen, das politische Gleichgewicht im Osten herzustellen. Die Ur­sachen des Mißerfolges der Japaner auf Formosa liegen darin, daß sie kraftlos sind, und nicht zu kolonisieren verstehen. Sie haben Land mußte ausgekämpft werden, seines Kindes wegen, an dem sein Herz mit aller Liede hing.

Der alte Kamm.rdiener war geräuschlos eingetrete«.

„Herr Baron Dagobert v. Darboren!" sagte er. und das Zittern seiner Stimme verriet die tiefinnere Bewegung.

„Ist mir willkommen," erwiderte der Baron, indem er dem Eintretenden langsam entgegenging.

Einige Sekunden lang standen die beiden Männer schweigend einander gegenüber, dann reichte bet Baron seinem Neffen die Hand.

„Wir glaubten Dich für alle Zeit verschollen", sagte er in einem Ton, der nicht unsteundlich, aber auch nicht herzlich klang, „weshalb hast Du niemals geschrieben?"

„Was sollte ich schreiben?" erwiderte Dagobert ausweichend. „Ich mußte drüben rastlos arbeiten, um mein Brot zu verdienen."

„Das war unnötig, ich würde Dir Geld geschickt haben — die Einkünfte aus dem Majorat find ja Dein Eigentum."

Dem einladenden Wink des Onkels folgend, hatte Dagobett fich in einen Seffel niedergelaffen, ein herber Zug lag um seine Mundwinkel.

„Das wollte ich nicht", sagte er, „an eine wohl­wollende Gesinnung konnte ich im Hinblick auf unfern Abschied nicht glauben, und um Almosen mochte ich nicht betteln."

„Wenn unser Abschied Dir nicht gefiel, so durftest Du nicht vergessen, daß Du selbst die Schuld daran trugst."

„Darüber denke ich anders, Onkel."

Baron Kutt richtete fich hoch auf, fein Blick ruhte ernst, fast drohend auf dem Antlitz der Neffen, iu dessen Zügen er nur Entschlossenheit las.

„Wir wollen die Bergangenhett ruhen lassen", sagte er mit einer stolzen, ablehnenden Geberde, „die alten Erinnerungen könnten Dir nur peinlich sein."

„Durchaus nicht, ich bestreite ja nicht, daß ich da mals ein leichtfinniger Mann war: aber ein Unter

kanzler nicht mehr Wahlrecht hat, als sein Kutscher. Mit dem „Prinzip" des Dretklaffen- systems mögen die ungleichen Wirkungen nicht recht stimmen. Wir find aber auch gar keine Bewunderer dieses Dreiklaffensystems, und wenn der mit seinem Kutscher in derselben Abteilung wählende Graf Bülow durch diesen Umstand zu der Ueberzeugung kommen sollte, daß es Zeit sei, das Dreiklaffenwahlrecht gründlich zu reformieren, so soll es uns sehr recht fein.

* Eine Geschwindigkeit von 210 Kilo Meter i« der Stunde hat heute der Schnell- bahnwagen der Allgemeinen Elettrizitäts-Gesell­schaft auf der Versuchsstrecke Berlin—Zoffen er­reicht und damit den bisherigen Rekord noch übertroffen.

)( Im Reichsamte des Innern tagt gegenwärtig eine aus Vertretern sämtlicher ver- bündetenRegierungen zusammengesetzte Kommission zum Austausch von Erfahrungen auf dem Gebiete der Schlachtviehverfichernng. Den Vorsitz führt der Geheime Regierungs- und Vortragende Rat im Reichsamt des Innern Dr. Eucken- Addenhausen. Außerdem nehmen aus dem Retchs- amt des Innern an den Beratungen teil die Regierungsräte Dr. Beckmann und D. Boenisch. Von den teilnehmenden 40 Vertretern der Re­gierungen seien insbesondere genannt: die Geheimen Oberregierungsräte Dr. Förster, Dr. Pistor, v. Knebel-Döberitz, Freusberg und Schrötter aus Berlin, Präsident Dr. v. Haag aus München, Geheimrat Kunze aus Dresden, Regierungsrat Sting aus Stuttgart, Geheimer Oberregierungs­rat Krems aus Karlsruhe.

* Das Zengniszwangsverfahren gegen den Redakteur der ,Pankower Zeitung' Salis scheint eingestellt zu fein. Salis war zu einer Geldstrafe von 300 Mark bezw. 6 Wochen Haft verurteilt worden, weit er sich weigerie, den­jenigen anzugeben, der ihm die 15000 Mark- Angelegenheit mitgeteilt hatte. Weiter war ihm Zwangshaft an gedroht worden, falls er auf seiner Weigerung trotz der ersten angedrohten Strafe beharre. Im neuen Termin am Mon­tag lehnte Salis wiederum ab, seinen Gewährs­mann zu nennen. Der Richter faßte darauf folgenden Beschluß: „Zur Klarstellung der An­gelegenheit gehen die Akten in der Disziplmar- sache gegen Unbekannt pp. an das König!. Land­ratsamt des Nieder-Barnimer Kreises, Herrn v. Tresckow, zurück, mit dem Anheimgeben, dem Pankower Amtsvorsteher, Herrn Gottschalk, auf­zugeben, die sämtlichen Pankower besoldeten Ge- meinbebeamten, ausschließlich der Nachtwächter, amtlich darüber zu vernehmen, wer von ihnen die beanstandete 15 000 Mark-Notiz s. Z. in die ,Pankower Zeitung' gebracht habe. Der Zeuge Redakteur Friedrich Salis ist zu entlaffen." Das hochpeinliche Verfahren hat auch diesmal versagt. In ihrer gestrigen Versammlung be­schäftigte sich auch die Pankower Gemeinde­vertretung mit der 15000 Mark-Affäre und dem gegen Salis eingeleiteten Zeugniszwangsoerfahren. Gemeindevertreter Freywald sprach sein Er­staunen darüber aus, daß der Amtsvorsteher Gottschalk nicht versucht habe, das Zeugms- eigene Zukunft sichern will; und Baronin Adelgunde haßt Sie zu sehr, als daß sie jemals sich dazu ver- steben könnte, Baronesse Theodore als ihre Schwieger­tochter anzuerkennen. Es gäbe noch einen anderen Weg," iuhr der Justitiar nach einer kurzen Pause des Schweigens fort, und jetzt klang seine Stimme wie das Zischen einer Schlange, „man könnte die Identität des Erben in Zweifel ziehen, ihm aufgeben, dieselbe zu beweisen, Gegenbeweise herbeizuschaffen und die Entscheidung dem Gericht anheimflellen."

„Damit würden wir nicht durchkommen," warf der Baron ein.

„Hm, wenn wir beweisen, daß Baron Dagobett drüben gefiorben ist, wenn wir den amtlich ausge­stellten Totenschein vorlegen —"

„Wie wollten Sie das ermöglichen?"

„Mit Geld läßt sich alles möglich machen! Aber damit haben wir noch Zeit, wie gesagt, nehmen Sie den Erben freundlich auf —"

„Wie darf ich das, wenn seine Identität angefochten werden foll?"

„Können die Zweifel nicht später in Ihnen er­wachen? Wenn dies nach langer Zett erst gefchieht, nachdem Sie fich berett erklärt haben, den Erben in seine Rechte einzufetzen, werden dann diese Zweifel noch glaubwürdiger -rscheinen! Wir reden später darüber, folgen Sie meinem Rate und halten Sie den Kopf oben. Herr Baron, icy gebe Ihnen die Ver­sicherung, das Spiel steht für sie noch immer gut, ich glaube nicht, daß Sie es verlieren werden."

„Es ist ein Spiel, in dem meine Ehre den Einsatz bildet," sagte der Baron düster, und das ganze Un­behagen, das er dabei empfand, spiegelte fich in seinen Zügen; „verliere ich es, so kann ich nicht länger leben "

Der Notar hatte seine Brille abgenommen, ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen, während er mit dem seidenen Taschentuche die Gläser reinigte.

„Wenn Sie solche Bedenken hegen und sich von ihnen bee nflufsen lassen, dann steht Ihnen ja noch frei, den Erben mit offen.n Armen zu empfangen,

zwangsverfahren zu inhibieren, wo doch die 15 000-Mark-Affäre schon vor bet Veröffent­lichung durch Salis in ganz Pankow an den Biertischen besprochen worben sei. Heiße es doch auch, ber Bureaudirektor fei, als der Fehler fich herausgestellt habe, im Rathause von einem Zimmer ins anbere gelaufen und habe von dem Geschehenen erzählt. Amtsvorsteher Gottschalk erklärte, weder er noch der Landrat von Tresckow habe das Zeugniszwangsverfahren angeordnet, fondern die Aufsichtsbehörde.

* Der .Vorwärts' wendet fich abermals gegen die bürgerliche Presse, die den Genosse« Singer aus Anlaß seiner Zeugenschast in dem Kuppeleiprozeß gegen die Dame Schaettler an gegriffen hatte. Er redet allerlei herum, was darauf hinauskommt, daß die Sozialdemokraten an der „freien Liebe" keinen Anstoß nähmen, also auch keinen Anlaß hätten, fich Über Singer zu entrüsten, und nicht der Heuchelei beschuldigt werben könnten. Mit anderen Motten, Singer ist durch den Prozeß kompromittiert und hat ge­tan, was ihm vorgeworfen wirb. Die Sozial- bemokratie aber, die sonst den Sittenrichter der „verrotteten Bourgeoisie" zu spielen liebt, hat auf einmal Entschuldigungen, wenn einer ber Ihrigen „verrottet" ist. Die Frau, in deren Prozeß Singer als „Zeuge" fungierte, wurde gestern zu 2l/a Jahren Gefängnis verurteilt.

* Pensionskasse der katholischen Presse Dentschlauds. In ber außerorbentlichen Haupt­versammlung zu Essen am Samstag, ben 24. Oktober, würbe bie Neuregelung ber Kaffe auf gtunb des Privatversicherungsgesetzes vom 12. Mai 1901 und der Anforderungen des Aufsichts­amtes beendet. Der Antrag, den Mitgliedern aus ber Kasse fortan nur einen Zuschuß zu ge­währen unb eine Versorgung für Alter, Jnvali- bität und Hinterbliebene durch Versicherung bei anderen Versicherungsunternehmen zu verschaffen, wurde zurückgenommen und darauf der neue Statutenentwurf einer eingehenden Beratung unterzogen. Die Kaffe gewährt danach in Zu­kunft eine auf ben versicherungstechnischen Be­rechnungen aufgebaute Invaliden-, sowie eine Witwen- unb Waisenrente. Aus ben Ueberschüffen unb Zuwenbungen wirb ein Ergänzungsfonds gebildet, welcher in erster Linie zu Rückzahlungen bei Todes- oder Jnvaliditätsfall vor Ablauf der Wattezeit bestimmt ist; ferner sollen aus dem­selben zu den vorsichtig bemeffenen Rechtsrenten Zuschüsse gewährt werben, beren Höhe von fünf zu fünf Jahren festgesetzt wirb, sowie Zuwenbungen an hilfsbedürftige Mitglieder und Hinterbliebene. Die Zuschüsse wurden erstmalig für die nächsten fünf Jahre nach der vorgelegten Tabelle B — mit jährlich um l!» Prozent fallenden Zuschuß von anfangs 12l/s Prozent — beschlossen. In den Satzungen wurden solche Bestimmungen, welche in gewissen Notlagen des Lebens Hätten für die Betroffenen enthielten — z. B. bei einem Berufswechsel oder wenn freiwillige Aufgabe der Versicherung notwendig wird, sowie bei Fest­stellung der Invalidität — möglichst entfernt, bzw. es wurden entgegenkommende eingesetzt, so­daß das Statut, seine Genehmigung voraus- ihm Rechnung abzulegen und ihn ungesäumt in seine Rechte einzusetzer," sagte er achselzuckend. „Es ist nicht unbedingt notwendig, daß Sie von der Klausel Gebrauch machen, die Ihnen noch zwei Berwaltungs- jahre sichert — Sie können dieselbe ignorieren —'

„Raten Sie mir das in allem Ernste?" fuhr der Baron ärgerlich auf.

„Ich würde Ihr Interesse schlecht vertreten, wenn ich Ihnen diesen Rat gäbe. Lassen Sie mich der ersten Unterredung ungesehen beiwohnen, ich gehe nebenan in die Bibliothek, bleibt die Türe nur einen Zoll breit offen, so kann ich jedes Wort verstehen."

Der Baron nickte zustimmend, es konnte ihm nur lieb fein, wenn sein Ratgeber unterrichtet blieb.

Die Viertelstunde, von der Theodore gesprochen hatte, war verstrichen, der Notar zog sich in das Nebenzimmer zurück, Baron Kutt wandette wieder auf und nieder.

Er sagte sich, daß er schon zu weit gegangen fei, um nun auf halbe.a Wege stehen bleiben oder gar den Rückzug antreten zu dürfen; tat er dies dennoch, so mußte er fortan auf manchen Lebensgenuß ver­zichten und allen Hoffnungen entsagen.

Aber was lag an ihm! Er hätte fich in diese Verhältnisse hineingefunden, er war ein aller Mann geworden, und ans dem Majorat mußte ihm ja so viel gezahlt werden, daß er sorgenfrei leben konnte.

Wie aber würde unter solchen Verhältnissen die Zukunft seines Kindes fich gestalten? Es war der letzte und sehnlichste Wunsch seines Lebens, Theodore glücklich zu sehen, unb ein Glück ohne Reichtum konnte er sich nicht denken. Theodore sollte herrschen, fi: mußte in dem Wohlleben bleiben, in dem sie ausge­wachsen war, keine Sorge durfte sie drücken, fein Wunsch ihr versagt bleiben.

Und wie gesiattete fich ihr Dasein, wenn sie HanS Eichenhorst verlassen und, auf eine geringe Apanage angewiesen, dem bisherigen Ueberslusse entsagen mußte.

Er durfte nicht daran denken, wen» seine Sinne fich nicht »errotrrcn sollten — nein, dieser Kampf

Das Majorat.

Roman von Ewald AugustKSnig.

------- biachdruck Verbote«!.)

„Wenn ich ihn nicht so sehr haßte, würde ich ihm «eine Tochter zur Gattin geben," tagte er nachdenklich.

Der Notar klopfte mir dem Zeigefinger auf seine Dose und lachte, es war ein kurzes, höhnisches Lachen.

„Was würden Sie dadurch für Ihre eigene Person erreichen, Herr Baron?" erwidette er spöttisch. „Selbst »en» Ihnen dieses Projekt gelänge, was ja noch sehr fraglich ist, in Haus Eichenhorst würden Sie nicht bleibe« können, Sie müßten die Herrschaft abtreten mtii fich mit einer knappen Jahrerrente begnügen."

„Sie haben recht, wir beide können gemeinsam unter diesem Dache nicht weilen," sagte der Baron rasch.

„Und deshalb rate ich Ihnen, auf das vorhin ausgesprochene Projell zu verzichte». Sie selbst würden auch im Falle des Gelingens nur Aerger davon haben. Geduld, Herr Baron, berufen Sie fich auf bas Familienstatut und warten Sie es ab, was fich noch ereignen wird. Kommen Sie dem Erbin mit der größten Freundlichkeit entgegen, fordern Sie ihn auf, feine Mutter zu holen und mit ihr hier Wohnung zu nehmen."

„Was muten Sie mir zu?" unterbrach der Baron ihn aufbrausend.

„Nur das, was m Ihrem eigenen Interesse liegt! 86 mag mit mancherlei Unbequemlichkeiten für Sie verknüpft fein, ich gebe das zu, aber es ist wünschens­wert, sogar notwendig, daß Baron Dagobert unter Ihrer Aussicht bleibt, er wird dadurch dem Eii fluß bes Advokaten Steinfelder entzogen."

„Und meine Tochter —"

„Baronesse Theodore wird sehr bald nerausfühlm, baß sie treu zu Ihnen halten muß, roer.n sie ihre