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30. Jahrgang.
fulda, Mittwoch, den 28. Oktober 1903.
Jg S47.
Die kvehtsähigkni in SM und land.
Wie unfern Lesern erinnerlich sein dürfte, ist im Reichstage mehrfach, u. a. durch den Antrag des früheren Abgeordneten Dr. Derlei, die Heeresverwaltung aufgefordert worden, bei der Statistik über die Rekrutenaushebung, die alljährlich veröffentlicht zu werden pflegt, auch die Herkunft, Heimat und Beschäftigung der Rekruten zu berücksichtigen, damit man einigermaßen klarer erkennen könne, welchen Einfluß das Leben auf dem Lande einerseits und in der Stadt andererseits auf die Wehrfähigkeit der Bevölkerung ausübe. Es ging zwar schon aus der früheren Statistik unverkennbar hervor, daß die vorwiegend landwirtschaftlichen Provinzen verhältnismäßig viel mehr zum Waffendienst tüchtige Mannschaften stellten als die vorwiegend industriellen Landesteile, insbesondere die Reichshauptstadt Berlin. Da aber die Statistik nur den Aufenthaltsort, nicht aber Heimat und Herkunft des Rekruten berücksichtigte, hielt man es für nötig, um ein ganz sicheres Bild zu gewinnen, die Statistik auch auf diese Frage auszudehnen. Wie die halbamtliche ,Leipz. Ztg/ mitteilt, enthält die dem Bundesrate jetzt übermittelte Ueber- sicht über das Heeresergänzungsgeschäft für das Jahr 1902 zum erstenmal die gewünschte statistische Ermittelung. Das genannte Blatt ist in der Lage, aus dem Inhalte dieser Ermittelungen einige Zahlen zu geben. Es ergibt sich aus ihnen' in Kürze, daß von den auf dem Lande geborenen und in der Land- undForst- wirtschaft beschäftigten Stellungspflichtigen, soweit diese eine endgültige Entscheidung erhalten haben, also ausschließlich der Zurückgestellten, 58,64 Prozent; von den auf dem Lande geborenen, aber anderweitig beschäftigten 58,40 pCt.; von den in der Stadt geborenen und in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten 58,40 pCt., dagegen von den in der Stadt geborenen und anderweitig beschäftigten Gestellungspflichtigen nur 53,52 Prozent als tauglich erklärt worden sind, wobei noch zu bemerken ist, daß nach einer angestellten Berechnung der allgemeine Prozentsatz ohne Rücksicht auf die Herkunft und die Beschäftigung der Gestellungspflichtigen, als tauglich erklärt worden sind, 54,5 betragen hat. — Aus diesen Zahlen, wenn die betreffende Statistik uns vorliegt, geht unzweifelhaft hervor, daß die Landwirtschaft für die Wehrfähigkeit des Volkes nicht unerheblich wertvoller ist als die Industrie. Im übrigen wird man sich aber eines endgültigen Urteils enthalten muffen, bis man genauer unter- ricbtet ist, auf welchen Grundlagen die Statistik ausgebaut wurde.
Zick und Zack.
Humoreske von WQh. Rod er bürg.
Der reiche Grundmüller Zack in Unterflatzenhausen hatte einen Sohn Eduard. Das war ein besonders Heller Kopf und Pfiffikus — et wurde auf das Gymnasium der benachbarten fürstlichen Residenz und nach Absolvierung desselben au die Universität geschickt, wo er nach dem Willen Papa Zack's Jura studierte, und auch nach sechs Semestern sein Examen mit Glanz bestand.
So weit hatte sich alles vortrefflich abgewickelt. Allein was nun?
„Weißt Du was, Ede," sprach der Grundmüller, „das beste wird wohl sein, Du arbeitest zunächst noch ein Jährchen auf der advokatischen Expedition, um gewissermaßen noch praktisch zu lernen, machst dann Dein Staatsexamen und läßt Dich schließlich in der Nähe als Rechtsanwalt nieder. Ich werde zu diesem Zwecke gleich morgen nach der Stadt fahren und mit Herrn Doktor Zick, den ich persönlich gut kenne, Rück- spräche nehmen. Das ist der tüchtigste und am meisten in Anspruch genommene Rechtsanwalt weit und breit. Vielleicht kann er Dich gebrauchen."
Ede war es zufrieden, und am anderen Morgen machte der Grundmüller sich aus den Weg zum Doktor Zick.
„Ah, guten Morgen, lieber Grundmüller," empfing ihn dieser, „was führt Sie denn zu mir? ein kleines Prozeßchen, rote?"
„Diesmal nicht, Herr Doktor," erwiderte dieser. „Ein anderes Anliegen ließ mich Sie heute aufsuchen. Es handelt sich nämlich um meinen Jüngsten, der jetzt sein Univrrfitätsstudium beendet hat. Es wäre mir lieb, wenn er au einer advokatischen Expedition recht bald Beschäftigung fände, um sich praktisch für seinen
„Von Herzen gern", erwiderte hocherfreut unser Ede, während Zack senior mit verblüfftem Gesicht dasaß.
„Kellner", rief Doktor Zick, „bringen Sie ofort ein halbes Dutzend Weißköpfe!"
Als die sechs Flaschen geleert waren, lag der »rave Grundmüller schlafend in seinem Sessel und die Firma Zick und Zack sich in den Armen.
künftigen Beruf vorzubereiten, und da habe ich a?. Sie gedacht, Herr Doktor."
„Ja," sagte dieser, „beschäftigen will ich Ihren Sohn schon, aber bezahlen könnte ich da- ur nichts, denn so notwendig brauche ich eine Arbeitskraft jetzt nun nicht."
„Bitte," sagte der Grundmüller, „darauf ifl's auch nicht abgesehen. Im Gegenteil, ich bin »ereil, Ihnen ein anständiges Honorar zu zahlen, wenn sie meinen Sohn in einem Jahre dahin ! »ringen, daß er fein Staatsexamen machen und mit Erfolg Prozeffe führen kann. Machen wir es so: wenn mein Sohn nach Ablauf eines Jahres den ersten Prozeß, den er zu führen haben wird, gewinnt, so bezahle ich Ihnen tausend Taler Verliert er ihn, so bekommen Sie nichts."
„Gut," sagte lachend Doktor Zick, „ich bin's iufrieben, und es soll wirklich nicht meine Schuld ein, wenn Ihr Sohn seinen ersten Prozeß nicht jeroinnt."
Rasch wurde ein regelrechter Kontrakt auf« gestellt, doppelt ausgefertigt und von beiden Kontrahenten unterschrieben. Acht Taye später aß Ede bereits in Doktor Zicks Expedition und auschte aufmerksam den goldenen Lehren seines rechtskundigen Meisters. Nach wenigen Wochen rieb sich dieser im Süllen schon vergnügt die Hände, denn sein gelehriger Schüler entwickelte eine solch erstaunliche Findigkeit, daß er ihm die verwickeltsten Sachen anvertrauen und sich zu dieser ebenso tüchügen wie willigen Arbeitskraft nur gratulieren konnte. Nach Ablauf eines Jahres machte denn auch Ede sein Staatsexamen und konnte nun, wie Doktor Zick sagte, „los- [egen". Aber Ede schüttelte den Kopf und meinte, er werde sich zuvor eine kleine Erholung gönnen und einige Zeit bei seinen Eltern zubringen.
„Wie Sie wollen," entgegnete Doktor Zick scheinbar gelassen, ohne indeß seinen Verdruß ganz unterdrücken zu können. Ede empfahl sich, fuhr nach Unterflatzenhausen, wo er gegen Abend eintraf und die ©einigen aufs Freudigste Über- rafchte. Der Grundmüller war ganz damit einverstanden, daß fein Sohn der Ruhe pflegte. Als aber Woche um Woche verging, ohne daß der angehende Advokat auch nur ein Wort fallen ließ, was er zu tun gedenke, da fing Papa Zack an, fachte zu drängen.
„Ja, lieber Vater," sagte Ede, „ich hätte schon längst Anstalten gemacht, allein der Kontrakt, den Du mit Doktor Zick abgeschlossen hast, hindert mich daran. Ich weiß sehr wohl, daß er gerade damals, als Du das eigenartige Abkommen mit ihm trafst, sehr notwendig einer tüchtigen Kraft bedurfte, und ich bin überzeugt, daß er mich auch gegen Entgelt beschäftigt hätte, wenn Du nicht so voreilig darauf vernichte hättest. Nachdem ich nun aber ein volles Jahr ganz umsonst gearbeitet und außerdem noch ein hübsches Sümmchen für meinen Lebensunterhalt gebraucht habe, wäre es doch eine rechte Torheit, wenn wir dem guten Doktor Zick jetzt auch noch tausend Taler bares Geld in den Schoß würfen."
„Ja," erwiderte der Grundmüller, „wie willst Du das denn aber verhindern? Du kennst ja den Wortlaut des Kontrakts und kannst Ge-
der, daß wir hier sind?"
„Das weiß er allerdings nicht", lachte Ede, „aber ich weiß, daß er pünktlich wie ein Uhrwerk mit dem Schlage sieben hier eintrifft, um feine 5 bis 6 Schoppen zn genehmigen."
So war es auch. Kaum hatte der Hammer der Rachausuhr zum Schlage ausgehoben, da erschien der ahnungslose Doktor Zick auf der Bildfläche. Freundlich lächelnd, als ob gar nichts zwischen ihnen vorgefallen wäre, ging ihm Ede entgegen und lud ihn ein,. am Tische mit Platz zu nehmen.
„Aha," dachte Doktor Zick, man ist zur Vernunft gekommen und lenkt ein. Mir auch recht." — Er begrüßte den etwas befangen dreinschauenden Grundmüller und ließ sich am Tische nieder. Man stieß gegenseitig an, sprach vom Wetter u. f. ro., aber an die schwebende Klagesache wurde nicht getippt. Endlich hielt es Dottor Zick aber nicht mehr aus. Er räusperte sich und sprach:
„Meine Herren, spielen wir keine Komödie! Sie sind nicht ohne bestimmten Zweck hier, und wenn Ihnen etwa darum zu tun ist, die leidige Angelegenheit auf gütlichem Wege zu ordnen, so bin ich gern bereit, die Hand dazu zu bieten. Wie konnten Sie nur so töricht fein, einen Prozeß zu provozieren in einer Sache, die für Sie unter allen Umständen verloren fein muß! Wollen Sie es denn wirklich zum Termin kommen lasten?"
„Allerdings", erwiderte Ede, „und ich werde meinen Vater vertreten."
„Hahaha, das ist lustig," lachte Doktor Zick. „Ist Ihnen denn gar nicht eingefallen, daß Ihr Vater die tausend Taler bann unter allen Umfiänben an mich zahlen muß? Sehen Sie, die Sache liegt boch einfach so: roenn ber Richter JhrenVater zurZahlung verurteilt, nun, so muß mich berselbe eben auf Grund dieses richterlichen Urteils bezahlen. Entscheidet der Richter aber zu gunsten Ihres Vaters, so haben Sie bamit ihren ersten Prozeß gewonnen, und Ihr Vater muß mich dann auf gründ unseres Kontrakts bezahlen. Leuchtet Ihnen das ein?"
„Sie find int Irrtum, lieber Herr Doktor," entgegnete Ede. „Die Sache liegt so: roenn der Richter zu gunsten meines Vaters entscheidet, so hat derselbe auf gründ des richterlichen Urteils nichts zu bezahlen, oerurteilt ihn aber der Richter zur Zahlung, so habe ich, als sein Rechts- beistand, meinen ersten Prozeß verloren, und mein Vater hat auf gründ des Kontrakts nichts an Sie zu zahlen. Leuchtet Ihnen das ein?“
Doktor Zick sah seinen jungen Kollegen eine Weile starr an, dann schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser hüpften, packte den schelmisch lächelnden Ede an den Schultern und schrie:
„Sie junger Satan, jetzt will ich Ihnen mal einen Vorschlag machen, wie man ihn einem solchen „Kiekindiewelt" für gewöhnlich nicht zn machen pflegt. Ich war nämlich schon lange willens, mir einen schneidigen Sozius zuzulegen. WaS meinen Sie zur „Firma Zick und Zack"? Sind Sie einverstanden? Hier meine Hand, schlagen Sie ein!"
„na wartet, euch Querköpfe will ich aber Mores ehren!"
Einige Tage später wurde dem Grundmüller denn auch richtig die Klage zugestellt. „Ede, Ede," ammerte er, „ich fürchte, der Handel kommt uns noch teuer zu stehen; wäre es nicht bester, die verwünschten 1000 Taler einfach zu bezahlen."
„Dazu ist im letzten Augenblicke noch Zeit," entgegnete Ede, „ich denke aber, wir werden es nicht nötig haben. Laß mich nur machen!"
Drei Tage vor dem gerichtlich anberaumten Termine fragte Ede: „Paßt Dir's vielleicht morgen, lieber Vater, mit mir nach der Stadt zu ähren?"
„Morgen?" erwiderte dieser erstaunt. „Warum )enn? Wir müssen ja am nächsten Montag des Termins wegen ohnehin zur Stadt!"
„Ja, eben deshalb; ich will den Doktor Zick veranlassen, die Klage zurückzuziehen."
„Ach so", antwortete kleinlaut der Alte, „da kann ich wohl die tausend Taler immerhin zurück- ziehen."
„O, keineswegs", entgegnete Eve bestimmt.
„Nun, aus Dir werde der Henker klug", rotierte Vater Zack; roenn Du gegen Deinen Lustigen Clienten so verschlosten bist, rote gegen mich, bann wirst Du wohl schlechte Geschäfte machen."
Ede lachte, unb am anberen Tage fuhren sie ,n einem leichten Korbwägelchen zur Resibenz. Dort führte Ebe feinen Vater in den Ratskeller. Nachdem sie in einer lauschigen Nische Platz genommen, sprach Ebe schmunzelnd:
„Nun paß auf, Vater, in einer Viertelstunde wird Doktor Zick hier fein."
„So", erwiderte dieser, „wieso weiß denn
* Mailand, 27. Okt. 1903. Gegenwärtig ist der gegrabene Schacht deS Simplon-Tunnels aus der Nordseite 10000 Meter und auf der Südseite 7382 Meter lang; der tägliche Fortschritt der Arbeiten beträgt auf beiden Seiten zusammen ungefähr 11 Meter. Da die Gesamtlänge deS Tunnels etwa 20 Kilometer beträgt, so bleiben noch über 2500 Meter zu durchbohren. Man nimmt an, daß man in Zukunft auf der Südseite täglich etwa 6 Meter vordringen kann, auf der Nordseue dagegen nur 4 Meter, weil nach lieber* chreitung deS Kulminationspunll-s die Tunnelbahn ich senkt und dadurch größere technische Schwierigkeiten bereitet. Die eigentliche Durchbohrung würde daher im Juni nächsten Jahres vollendet fein; dazu kämen noch für die »rwerterungsarbeiten, die Mauerbekleidung weitere 4 Monate, sodaß im günstigsten Fall das Werk im nächsten Oktober fertig wäre. Es ist aber, wie der.Franks. Ztg/ geschrieben wird, nicht anzunehmen, daß keine weiteren unvorhergesehenen Schwierigkeiten eintreten. Man hat die Eröffnung des Tunnels bereits vom Jahre 1904 auf 1905 verschieben müssen, weil verschiedene unerwartete technische Hrnderniffe zu überwinden waren. Man mußte starke Wasserquellen ableiten, große Stützanlagen für das bröckelnde Gestein der Wände Herstellen ufro. Große Schwierigkeiten bereitete auch die starke Hitze im Inneren des Tunnels; sie beträgt an den Arbeitsstellen gegenwärtig ca. 604 Celsius. Bon Brieg aus leitet man das Rdonewasser in die (Batterie. Es kommt an der Arbeitsstätte ungefähr mit 120 Celsius an. Auf der Südseite hat man die kalten Quellen im Innern der Gallerte selbst benutzt. Das Wasser wird durch eine mit Isolier- mässe umhüllte Druckleitung an die Arbeitsstätte geleitet und dort zerstäubt. Außerdem führen große Sulzersche Ventilatoren fortwährend frifche Luft in das Innere des Tunnels. Durch biefe Maßregeln hat man die Temperatur auf 25° Celsius herabgedrückt und damit ist die größte und gefürchtetste technisch« Schwierigkeit gelöst.
* Ein Schatz vom Meeresgründe ist nach siebzig Jahren ungestörter Ruhe gehoben worden und ist einem einfachen Fischer zugefallen. Die Brigg „ Barbaric" sank auf dem Atlantischen Ozean in der Höhe von Seawall, Neu-Schottland, bei einem schrecklichen Sturm, und die ganze Mannschaft ging mit ihr unter. Da es zu jener Zeit noch wenig Tauchvorrichtungen gab, wurde die Brigg ihrem Schicksal Überlassen. Ein Fischer aus Seawall, namens Thomas BurnS, erbot sich tm vergangenen Sommer, das Wrack zu kaufen. Da es fast ebensoviel kostete, die Anker, Kupferbeschläge und andere Metallgegenstände heraufzubefördern, als dieses alles wert war, so wurde ihm die „Barbaric" zu einem sehr geringen Preise (20 Mark) verkauft. Aber der Fischer Burns hatte von einer allen Geschichte gehört, daß die Brigg mit einem Schatz in Golddottars im Werte von 240,000 Mark in Zusammenhang stehe, machte der während drei Jahre langen Kreuzens in den südamerikanischen Gewässern ange- fammelt sein sollte. Mit einiger Mühe bewog er einen Taucher in Halifax, Vorkehrungen zur Hebung des Schatzes zu tun. Wie ein englisches Blatt jetzt berichtet, haben Burns und der Taucher schon 18,000 Golddollars (72,000 Mark) aus dem Wrack geborgen, und der Taucher hat den Platz von noch 30,000 Dollars feftgeftettt, sodaß jetzt schon der ganze Schatz entdeckt zu sein scheint.
* Die Temperatur im Schlafzimmer. Der Winter naht, und für die Freunde guter Luft wird jetzt immer brennender die Frage: Kann das Fenster der Schlafstube während der Nacht noch offen bleiben, oder muß es geschloffen fein? Wie sonst im Leben spricht auch in dieser Beziehung Liebhaberei und Gewohnheit sehr bestimmend mit, und es wird gewiß nicht wenige geben, die beim Schließen des Schlafstubenfensters sich eines Angstgefühls nicht erwehren können und sogar glauben, daß sie ersticken müssen. Diese Empfindung beruht, wie die ,Blätter für Volks* gesundheilspflege' schreiben, nur auf Einbildung und ist durch die tatsächlichen Verhältnisse nicht berechtigt. Die Güte einer Luft wird keineswegs durch deren Kälte garantiert, und es liegt keine Begründung dafür vor, daß das Schlafen in einem sehr kalten Zimmer, wo vielleicht sogar das Waffer in der Waschschüffel gefriert, auch das gesundeste Schlafen ist. Wohl muß das Schlafzimmer besonders gut gelüftet fein, und au5 diesem Grunde darf niemals in dasselbe eine Gasleitung führen oder gar Gas die Nacht hindurch brennen. Aber 10° B kann die Lust in demselben wohl betragen, und nicht mit einem Gefühle des Fröstelns soll der entkleidete Körper sich in dem Schlafzimmerranm bertregen. Man bedenke doch, wieviel Körperwärme allein dazu gehört, um das in einem eistgkalten Schlafzimmer durchkühlte und sich daher feucht anfühlende Bett zu erwärmen, und diese Ueberlegung wird vielleicht auch den fanatischen Anhänger des offenen Fensters selbst an kalten Wintertagen stutzig machen. Es ist deshalb unbedingt zu gestatten, bei sehr kalter Außenluft künstlich das Schlafzimmer bis auf die genannte Temperatur zu erwärmen, was am besten stets vom Nebenzimmer aus geschieht. Ist das jedoch nicht möglich und maß das Schlafzimmer direkt geheizt werden, so fou das mäßig geschehen und spätestens in den Mittagsstunden. Auch soll bann möglichst lange das Schlafftubenfenster geöffnet bleiben, sodaß sich keine Verbrennungsprodulle ' tn der Luft sammeln und keine lleberheizung eintritt, sondern nur jener Wärmegrad vorhanden ist, der uns > behaglich scheint und das Wohlbefinden in keiner Weise stört.
schehenes doch nicht ungeschehen machen?"
„Das freilich nicht," gab Ede zu, „immerhin gibt es einen sehr einfachen Weg, das Geld zu retten. Ich brauchte nur meinen ersten Prozeß zu verlieren, um Dich von der Zahlungspflicht zu entbinden. Allein das wäre einmal dem betreffenden Klienten gegenüber nicht ehrlich gehandelt, und dann liegt es auch im Interesse meiner Karrivre, gerade meinen ersten Prozeß möglichst nicht zu verlieren. Warten wir noch ein Weilchen. So weit ich meinen Doktor Zick kenne, wird er Dir wegen der tausend Taler bald genug zu Leibe gehen, und dann werden wir ja sehen — wo Barthel den Most holt."
Ede hatte recht. Ehe vier Wochen vergingen, war der Grundmüller im Besitze eines schneidigen Briefes von Doktor Zick, worin ihn dieser um Erfüllung seiner kontraktlichen Verpflichtung ersuchte oder mit einem Prozesse drohte.
„Da hast Du den Salat," seufzte der erschrockene Grundmüll«. „Jetzt heißt es schleunigst blechen, wenn Du nicht nochvoHiehst, einen Prozeß zu übernehmen und — zu verlieren."
„Nur Geduld, Papa," erwiderte Ede; „der Prozeß ist ja schon in Sicht. Erlaube, daß ich vor allem diesen Brief in Deinem Auftrage, aber nach meinem Ermessen beantworte."
Ede schrieb: „Sehr geehrter Herr Doktor! Im Auftrage meines Vaters habe ich Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß sich derselbe aus mir nicht bekannten Gründen ein für allemal weigert, die Ihnen seiner Zeit versprochenen 1000 Taler zu bezahlen. Hochachtungsvoll und ergebenst Doktor Eduard Zack."
„I, da soll doch gleich — wetterte Doktor Zick, als er die lakonische Epistel gelesen hatte —