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30» Jahrgang.

fulda, Mittwoch, den 28. Oktober 1903,

M 247

* Der .Figaro' läßt sich aus Metz schreibe», re nächstjährige« deutschen Kaisermauöver würden zwischen Saarburg und Saarunwn tattfinden, das Kaiserliche Hauptquartier käme nach Bonne-Fontaine, einem Schlöffe des Herrn M. Schlumberger. Die Manöver würden vier Armeekorps umfaffen, und zwar das 14., 15., 16. und das 2. bayerische Korps. Dazu bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.': .Der Korre- pondent des ,Figaro' in Metz hat eine fette, 1 inte aufgejagt. Wenn er den Herbst 1904 er- ebt, wird er sehen, daß die Kaifermanöver m Mecklenburg abgehalten werden, und daß nur zwei Armeekorps daran teilnehmen."

§ Zum Ober - Präsidenten von Ost- »renße« ist, wie schon kurz gemeldet, der Re­gierungspräsident von Moltke in Potsdam er­nannt worden. Der neue Oberpräsident ist ein Neffe des Feldmarschalls. 1890 wurde er Regierungsrat und Hilfsarbeiter im Kultus­ministerium, in das er 1893 als Geheimer Regierungsrat und vortragender Rat endgi'trg übernommen wurde. Im Mai 1897 rückte er • um Geheimen Ober-Regierungsrat auf, erhielt aber im Februar 1898 die Stelle des Regierungs­präsidenten in Oppeln. Von da kam er im März 1900 in gleicher Eigenschaft nach Potsdam.

SS lieber die Konferenz der Finanz- Minister orakeln die,Berl. Pol. Nachr.', eine Verbefferung der Finanzgesetzgebung des Reiches brauche nicht notwendig mit der Vermehrung der Einnahmen verbunden zu fein. Auch ohne Er­höhung der Tabak- und Biersteuer oder neue Steuern ließen sich die Mängel diefer Gesetz­gebung beseitigen. Man dürfe daher annehmen, daß die Verhandlungen unmittelbar praktische Ergebnisse nach dieser Richtung hin gezeitigt hätten. Das heißt?

::: Von Zeit zu Zeit tauchen Nachrichten auf, wonach die Regierung bei den Handelsver­trägen die Getreide-Miadestzolle des neuen leutschen Zolltarifs nicht einhalten würde. Die .Deutsche Tageszeitung' hat sich nun „glaub­haft" versichern lasten, „daß die maßgebenden Kreise nicht im entferntesten daran dächten, unter die Mindestzölle irgendwie herabzugehen; dazu liege auch keine zwingende Veranlaffung vor, da man überzeugt sei, daß Rußland eingesehen habe oder doch einsehen wird, wie ungerechtfertigt und unerfüllbar ein solches Verlangen sei«.

* Der frühere Redakteur der .Hilfe', Ger­hard Hildebrand, ist endlich vom Zemgnis- zwaug befreit worden. Er hat mehr als acht Wochen in der Zwangshast zubringen müssen, weil er die Zumutung zurückwies, der Behörde denjenigen zu nennen, der in der,Hilfe' eine „Dienst­anweisung" der Potsdamer Regierung an die ihr unterstellten Rektoren kritisiert hatte. Der Mißersolg. den die Gerichte bisher in jebem Falle mit dem Zeugnisverfahren gegen Redakteure davongetragen haben, sollte sie endlich von der Fruchtlosigkeit solcher Versuche überzeugen.

% In einer am Sonntag in Chemnitz ab» gehaltenen V-rsammlung der Sc-zialdemo- kraten des 15. sächsischen Reichstogswahlkreises wurde die Maudatsniederlegung Göhres

zialdemokratie möchten sich die Leute herum­schlagen, die sie geschaffen hätten. Das bedeutet aber keine Liebäugelet mit der Solzialdemo- kratie, sondern will, wie aus den sonstigen De­batten und den Beschlüffen deutlich genug her­vorgeht, sagen: wir wollen positiv Arbeit leisten durch Besorgung unserer eigenen Angelegenheiten; schaffen wir starke Organisationen, die etwas für die Arbeiter leisten, so ist das das beste Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und zur Paralysierung ihrer Anziehungskraft. Dieser Gedanke ist ohne Zweifel richlig. Die starken Organisationen aber laffen sich nicht schaffen ohne Koalitionsrecht. Man kannte ja recht gut den Einwand, daß die Koalitionsfreiheit wie alle sozialpolitische Maßnahmen von der Sozialdemo­kratie ausgenutzt werden. Man betonte aber auch mit Recht, daß man durch Vorenthaltung des Koalitionsrechts und der Rechtsfähigkeit der Berufsvereine die Sozialdemokratie nicht im ge­ringsten aufhält, wohl aber die Gegenbewegung lähmt.

Es geht, wie der Kongreß gezeigt hat, em frischer, unternehmungslustiger und hoffnungsfroher Zug durch die nichtsozial- demokratische Arbeiterschaft. Wir können nur wünschen, daß man ihnen durch Bewilligung ihrer Forderungen zu Hilfe kommt. Man sollte sich doch hüten, durch Verweigerung berechtigter Forderungen auch von diesen Arbeitern einen Teil der Sozialdemokratie in die Arme zu treiben. Entschieden herrschte in Frankfurt auch die Neberzeugung vor, daß die Arbeiter, ohne auf konfessionelle Vereinigungen zu ver­zichten, sich über die Konfessionen hinweg die Hand zu gemeinsamem Handeln reichen müßten, wenn sie nicht zur Ohnmacht verurteilt bleiben wollen. Dieser Ueberzeugung find auch wir.

0 Der Deutsche Arbeiter -- Kongreß in Frankfurt a. M.

hat bekanntlich auf sein Huldigungs-Telegramm vo« Kaiser eine sehr freundliche Antwort er­halte» mit dem Versprechen, daß auch in Zukunft Anregungen und Maß nahm en zum Wohle der Arbeiterschaft sein Schutz und Bei­stand zu teil werden solle. Diese Antwort hat der Kongreß durchaus verdient, sowohl wegen seiner Bedeutung an sich als auch wegen des Verlaufes der Verhandlungen, über die wir kurz berichtet haben.

Wenn man immer nur von den Sozial­demokraten und ihren Gewerkschaften liest, fe wird man sich kaum recht bewußt, eine wie große Masse nichtsozialdemokratischer organisierter Arbeiter diesen gegenüber­stehen. In Frankfurt a.M. waren rund 620,000 solcher Arbeiter vertreten. Mancher wird von dieser Zahl überrascht gewesen sein. Das ist ja »ine Armee, die sich der sozialdemokratischen wohl als gleichberechtigt gegenüberstellen darf. Es kom­men, noch 100,000 Mitglieder des Hirsch-Dunker'- fchen Gewerkoereins hinzu, die auf dem Kongreffe 4rotz Einladung allerdings nicht vertreten waren, aber doch gleichfalls mit der internationalen Seyialdemokratie nichts zu tun haben wollen.

Wenn von christlichen, katholischen, evangeli­schen und ähnlichen Arbeiter-Vereinen, Gewerk­schaften re. die Rede ist, so nimmt man nament- Rch auf der sozialdemokratischen Seite gern eine verächtliche Miene an, als handele es sich nur um eine willens- und urteilslose Ham­me lheerde, die von Geisllichen oder Partei- Wrern im kirchlichen oder Partei-Interesse nach Belieben geleitet werde und jeder selbständigen Regung und Forderung bar sei. Die Verhand­lungen in Frankfurt a. M. muffen doch Jeden über diesen Zweck aufgeklärt haben. Da war doch so viel Selbständigkeit und Selbstbewußtsein, wie es nur gewünscht werden kann. Das war eine wirkliche Arbeiter-Versammlung, geleitet von Ar­beitern und durchdrungen von dem Arbeiter-Jn- -ereffe und Arbeiter-Bewußtsein. Von Draht­zieher« und Leithämmeln, die außerhalb der Ar- beüerschaft stehen, war da nichts zu bemerken. Auch das Akademikertum machte sich da nicht breit, wie in der Sozialdemokratie, die sich doch den Namen Arbeiter-Partei allein anmaßen möchte. Allerdings war auch nichts von dem wüsten Ge­zänk, dem rohen Geschimpf, der Herrschsucht und de« verbiffenen Hasse zu spüren, der z. B. den letzten Dresdener sozialdemokratischen Parteitag „auszeichnete". Der Korpsgeist könnte den Ge­noffen, die sich einbilden, die Elite der Mensch­heit darzustellen, als Muster dienen, so friedlich und freundschaftlich ging es trotz einzelner Mei- »nngsverfchiedenheiten her.

Welke Blätter rieselten vor ihr nieoer, sie mußte unwillkürlich die Frage aufwersen, ob sie tat nächste« Frühjahr diese Bäume wieder grünen ;ehen würde. Luch sie batte sich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß Haus Eichenhorst einst ihr Eigentum sein werde, mit dem geliebten Manne wollte sie unter diesen Bäumen wandeln, ihm die große, schone Be­sitzung als Morgengabe darbringen. _•

Dieser schöne Traum war nunmehr m Nebel zer­ronnen, der rechtmäßige Erbe war nunmehr aus der Verschollenheit zmückgekehrt, und schon in der erste« Viertelstunde hatte sie erfahren, daß er ihren Vater haßte, und daß von einem friedlichen Bersammensem der beiden keine Rede sein konnte. .

Vor der Tür des Herrenhauses hielt em Wage«, es war eine gewöhnliche Droschke aus der Stadt.

Der alte Kammerdiener begegnete chr tm Nur, ste fragte ihn, ob Besuch gekommen sei.

Nur der Herr Notar Tellenbach , antwortete er mit einer Micne, die keine freundschaftliche Gesinnung für den Gast verriet.

Theodore erinnerte sich der Aeußerungen Dago­berts über diesen Herrn; das Zusammentrepen nut ihm konnte sofort zu unliebsamen Erörterungen fuhren.

„Er muß da« Haus verlaffen, ehe Baron Dago­bert es betritt", sagte sie beunruhigt. „In einet Viertelstunde wird mein Vetter hier sein, können Sie nicht Sorge tragen, day eine Begegnung* zwischen ih« und dem Herrn Rotor vermieden wird?"

„Baron Dagobert ist zurückgekehrt?" fragte ^arvd in freudiger Ueberraschung. „Sie haben ihn gesehen, gnädiges Fräulein, mit ihm geredet?"

„Er wartet im Parke, bis ich ihn angemelde» habe", nickte sie, „gehen Sie »u ihm. bitten Sie ih«, er möge so lange warten, bis der Notar sich entfernt habe.

Der Kammerdiener schüttelte ablehnend fein graue»

Haupt. . „

„Das Warten könnte ihm zu lange werden , Ct- widerte er, „der Herr Notar wird hier ipet e« wolle« —"

Dcrs Majorat.

Rsman von Ewald August König.

£9 ------- (Nachdruck »erboten.)

„So war es Dein eigener Wille, Dich von Deiner Ka»ilie loszusagen? DaS verstehe ich nicht, Dago­bert."

„Richt ich war es, der die Familienbande zer­schnitt, und wenn Du dies nicht verstehst, dann k-nnst D« die Jntriguen nicht, die mich zwangen, die Heimat 8« verlaffen."

Schatten des Unwillens umwölkten die Stirn Theo­dores, sie wiegte mißbilligend das blonde Haupt.

„Rein, ich kenne sie nicrt", sagte sie, „ich ver­mute, daß nur Deine Phantasie —"

„Laffen wir d-S," unterbrach er sie mit einer ab­wehrenden Handbewegung, „es ist ja nicht nötig, daß Du vor der Zeit in sie eingeweiht wirn. Wo finde ich be« Onkel?"

„In seinem Arbeitszimmer", antwortete Theodore und ernste Besorgnis sprach jetzt aus dem Blick, de diese Worte begleitete. „Wenn die Dinge so liegen wie Du sagst, dann wird es ratsam sein, daß ich ihn «lf Dein Kommen vorbereite."

„Warte noch einige Minuten", bat er, indem er seine Hand leicht auf ihren Arm legte. „Wie auch die Derhältniffe hier fich durch meine Rückkehr ge- Ialten wögen, die Freundschaft, die schon in unserer Kindheit uns verband, soll nicht dadurch getrübt werden. Ich werde vielleicht schroff gegen Deinen Later anfheten müssen; denke bann, daß ich nur «ein gutes Recht wahre."

„Dein gutes Recht?" sagte sie vorwurfsvoll. „$ie«anb wird es Dir streitig machen, am wenigsten Papa, der in allen Dingen nur ncch den Geboten Her Ehre handelt."

„Vielleicht würde er nach diesen Geboten gehandelt

Selbstverfi Südlich beschäftigte fich der Kongreß mit dem, was den Arbeitern gegenwärtig am meisten am Herzen liegt, das ist die Koalitions-, Vereins- und Versammlungsfreiheit und die Organisation. Es hat fich wieder ge­zeigt, wie großes Gewicht auch die nicht sozial­demokratische Arbeiterschaft auf das Koalitions­recht legt und daß sie dies vorzüglich als Hebel zur Besserung ihrer Lage betrachtet. Daß in der Debatte hie und da ein scharfer Ton angeschlagen wurde, darf man nicht so ängstlich nehmen; man braucht deshalb nicht gleich, wie die.Kreuz­zeitung', zu behaupten, der agitatorische Ton unterscheide fich wenig von dem in. sozialdemo­kratischen Versammlungen üblichen. Man muß doch auch bedenken, daß es einfache Arbeüer find, die da sprechen, daß eine gereifte Verstimmung über die hartnäckige Verweigerung des Koali­tionsrechts berechtigt ist und daß die Taktik schon fordert, recht deutlich zu werden. Wurde doch auf der Versammlung selbst schon sehr richtig bemerkt, diese brauche von ihren Forderungen nichts abzuziehen und fie nicht ängstlich einzu­schränken, das würden andere schon ausreichend besorgen.

Vor allem ist hervorzuheben, daß nirgends eine grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Arbeitgeber hervortrat, sondern überall der ernste Wille bekundet wurde, sich mit den Unternehmern friedlich zu verständigen und ge­meinsam mit ihnen zu wirken. Freilich, über das „patriarchalische" Verhältnis zwisch n Ar­beitnehmern und Arbeitgebern, das doch nur ein beschönigender Ausdruck für die Unterdrückung der Arbeiter und den Absolutismus der Unter­nehmer ist, find auch die nicht sozialdemokratischen Arbeiter von heute hinweg. Sie find aufge­wacht und fich ihres Wertes und ihrer Kraft bewußt. Sie wollen selbst mitwirken bei dem, was für sie geschieht und nicht blos „Wohltaten" in Empfang nehmen. Das braucht niemand zu beunruhigen. Wer es mit den Arbeitern gut meint, wird auch mit ihnen auskommen können, wenn er sie als gleichberechtigt anerkennt; ja er wird besser dabei fahren, denn er hat sich nicht jeden Augenblick feindlicher Schritte von seinen Arbeitern zu versehen, sondern kann darauf rechnen, daß bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten Be­sonnenheit und Mäßigung die Oberhand behalten und die friedliche Verständigung von ihnen vor­gezogen wird. Daß das ganze Unternehmen besser gedeihen muß, wenn die Arbeiter in bestem Einvernehmen mit den Unternehmern stehen, als wenn sie ihn als ihren Feind betrachten, der sich nur auf ihre Kosten bereichern will, liegt auf der Hand.

Es ist schon vor dem Zusammentritt des Kongresses getadelt worden, daß in seiner Tagesordnung nicht mehr von der Gegner­schaft gegen die Sozialdemokratie zu merken fet. Auch bei den Verhandlungen ist diese Gegnerschaft in Worten nicht besonders scharf hervorgetreten. Ein Redner bemerkte so­gar unter stürmischem Beifall, man erblicke keineswegs seine Aufgabe im Kampfe gegen die Sozialdemokratie bis aufs Messer; mit der So- haben, wenn er nicht schlimme Ratgeber gehabt hätte", entgegnete er achselzuckend.

„Und wer sollten diese Ratgeb r gewesen sein?" „In erster Reihe der Notar Tellenbach, sodann der Verwalter."

„Und Du glaubst, daß Papa fich mit diesen beiden verbündet hätte, um Dich--nein, Dago­

bert, dieser Verdacht ist unbegründet, und mich schmerzt es tief, daß Tn ihn aussprcchen kannst. Hast Du deshalb auch Dich zur Hintertür hereingeschlichen? Du bist der rechtmäßige Erbe des Majorats, das mein Vater nur während Deiner Minderjährigkeit verwaltet hat, Du hättest am Portal vorfahren muffen 1“

„Darüber denke ich anders."

„Wie auch Dein Urteil lauten mag, vergiß nicht, daß Du in Deiner Jugend manches AergerniS ge­geben, meinem Vater viel Sorge und Kummer be­reitet hast", sagte fie ernst mtt einem zürnenden Blick. „Ich würde Dich daran niemals erinnert haben, wenn Du nicht meinen Vater an seiner Ehre angegriffen hättest. Nicht er, sondern Deine eigene unselige Tat zwang Dich, die Heimat zu verlassen, nun willst Du daraus andern einen Vorwurf machen!"

„Weil ich die Jntriguen kenne, die mich auf die Bahn des Leichtsinns führten und mich zu jener Tat verleiteten", erwiderte er, mtt der Hand über seine Stirn fahrend. „Ich bitte Dich noch einmal, lassen wir daS, ich kann mit Dir jetzt noch nicht darüber reden, später wird Dir wohl alles klar werden, und wäre es nicht der Fall, wün/chest Du dann Aufklärung, so werde ich fie Dir geben."

„Du bist aufgeregt, Dagobert —"

„Noch nicht, Theodore, aber ich kann eS werden, wenn mein Onkel, wie ich befürchte, meinen Forde­rungen entgegentreten wird."

„So willst Du Feindschaft?"

„Ich, gewiß nicht —"

„Unb Papa ebenfalls nicht. Ich bitte Dich. Da­gobert, bleibe ruhig, auch bann, wenn seine Worte Dir nicht gefallen foQttn, Du weißt ja, er ist leiden-

Berlin, den 27. Oktober 1903.

§ Die Anregung zu der bevorstehenden Kaiserbegeg««ng in Wiesbaden ist nach einer Petersburger Meldung vom Zaren Nikolaus persönlich ausgegangen, der in einem Telegramm an Kaiser Wilhelm den Wunsch ausgedrückt habe, Deutschland nicht zu verlassen, ohne seinen Freund, den deutschen Kaiser, gesehen und ge­sprochen zu haben. Kaiser Wilhelm habe diese Anregung mit herzlicher Bereitwilligkeit ausge­nommen und dem Zaren vorgeschlagen, damtt ihm so wenig wie möglich Unbequemlichkeiten er­wüchsen, die Begegnung in dem Darmstadt so nahe belegenen Wiesbaden vor sich gehen zu lassen. Nach der Rückkehr des Grafen Lams- dorft aus Paris, fo wird hinzugefügt, werde es sich entscheiden, ob der Zar von seinem Minister des Auswärtigen in Wiesbaden begleitet sein werde. Für diesen Fall erwartet man in Peters­burg, daß auch Graf Bülow in Wiesbaden nicht fehlen werde.

schüftlich unb sehr leicht anfbrausenb! Ein Wort, bas man später bitter bereut, ist rasch gesprochen, man soll es darum nicht so scharf abwägen! Unb wenn Du ruhig bleibst, so wirb auch er es sein, unb bet Weg der Verständigung ist bann dalb gefunden."

Sie hatte fich erhoben; mit einem bittenben Blick bot fie ihm die Hanb, unb nach kurzem Zögern legte er seine Hand hinein.

„Ich gehe nun, um Dich anzumelden", fuhr ste fort, indem fie die blonden Löckchen aus der Stirne strich, „folge mir erst nach einer Viertelstunde, oder soll ich Dich holen?"

„Nicht doch", erwiderte er, und seine Stimme klang wieder warm und herzlich, „ich werde Dir folgen."

„Und meiner Bitte wirst Du gedenken?" „So lange, bis ihre Erfüllung mir unmöglich ge­

macht wird."

Sie nickte ihm mit einem freundlichen Lächeln zu unb schlug ben Weg zum Herrenhause ein.

Bange Besorgnis erfüllte ihre Seele; glaubte sie auch nicht alles, was er gesagt hatte, so ahnte fie doch, daß seine Anklage nicht so ganz au» der Lust gegriffen sein konnte. Ueberdies erinnerte fie fich jetzt mancher feindlichen Aeußerung ihres VaterS über den Verschollenen, mancher scheinbar harmlos hingeworsenen Bemerkung des Notars, die nun in einem ganz anderen Lichte ihr erschienen.

Theodore mußte fich sagen, daß es chrem Vater hart sein würde, HauS Eichenhorst zu verlassen und seinen Hoffnungen aus das Majorat entsagen zu müssen, und wenn fie auch nicht den leisesten Zweifel in seine Ehre setzte, so konnte er doch durch den Notar fich be­stimmen laffen, den Besitz deS Majorats so lange un­möglich zu behaupten.

Immer schwerer wurde der Druck, der auf ihr lag; sie konnte in dieser Angelegenheit nichts tun, nm den Frieden zu wahren, daS jädzomige Temperament ihres Vater» duldete keinen Widerspruch, in alle« Dingen war sein Wille allein maßgebend.

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